Bekehrungsgeschichten

Zeig mir deine Freunde....

Geschrieben in Unbenannt
Einen Augenblick mal", sagte eine laute Stimme hinter John und mir, und eine Hand legte sich schwer auf unsere Schultern. „Ich glaube, ihr habt etwas, was euch nicht gehört.”
Ich war zu verblüfft, um etwas zu sagen. Anders mein Freund John.
„Was wollen Sie eigentlich?” fragte er und wand sich los, um den Mann anzusehen, der uns so plötzlich angesprochen hatte. „Wir haben nichts getan. Wer sind Sie überhaupt?”
Der Mann wurde rot vor Zorn. „Ich bin Mr. Kennard, der Geschäftsführer des Geschäfts, aus dem du gerade herausgekommen bist”, sagte er. „Und ich habe gesehen, wie du die Schokolade da geklaut hast.”
Geklaut? Schokolade? Ich sah John an. Er verzog keine Miene, sondern redete weiter.
„Was meinen Sie? Die habe ich gerade gekauft.”
„Hör mal, mein Junge. Ich habe gesehen, wie du die Schokolade genommen und in deine Jackentasche gesteckt hast. Dann habe ich gesehen, wie du nach draußen gegangen bist, ohne zu bezahlen, und dich hier mit deinem Komplizen getroffen hast.”
„Und du”, sagte er und sah dabei mich an, „bist genauso schuldig. Ich habe gesehen, wie du dir was von der Schokolade genommen hast, gleich als dein Freund aus dem Geschäft kam. Du hast sie zwar nicht selbst gestohlen, aber du bist genauso schuldig, weil du ihn die Sache hast machen und dir dann deinen Anteil am Diebesgut hast geben lassen.”
Das war ein Schock für mich. „Einen Augenblick mal. Ich habe gar nichts getan.”
„Das hat dein Freund auch gesagt.”
„Nein, ich habe wirklich nichts getan. Ich wußte nicht, daß er etwas stehlen wollte.” Ich erklärte Mr. Kennard, John hätte gesagt, er hätte Geld und ich sollte draußen warten, während er uns etwas zu essen holte.
Aber Mr. Kennard glaubte mir nicht. „Es reicht”, sagte er, „ich kann mich nicht den ganzen Tag mit irgendwelchen Ladendieben abgeben. Wie heißt ihr?”
Er schrieb unsere Namen auf und nahm uns mit ins Geschäft und rief unsere Eltern an. Ich war wütend – zum einen, weil ich fälschlich des Ladendiebstahls beschuldigt wurde, und zum anderen, weil John gestohlen und mich in den Schlamassel hineingezogen hatte.
„Tut mir leid”, murmelte John, als wir in Mr. Kennards Büro saßen.
„Sicher, aber nicht so leid wie mir.”
„Wirklich, Chris, es tut mir leid. Ich hätte nicht gedacht, daß ich erwischt werde. Ich bin noch nie erwischt worden.”
„Ich will nicht darüber reden. Vergiß es.” Wir saßen schweigend da, bis unsere Eltern uns abholten.
Als Vater und ich endlich allein im Auto saßen, erzählte ich ihm alles.
Er hörte schweigend zu und ließ dann den Motor an. Wir fuhren los, und er sagte: „Ich glaube dir, Chris, aber ich kann auch verstehen, daß Mr. Kennard dir nicht glaubt. Du mußt zugeben, daß es so aussah, als seist du auch schuldig. Mitgefangen, mitgehangen. Zeig mir deine Freunde, und ich sage dir, wer du bist. Das habe ich dir doch schon einmal erklärt. Heute hast du eben wie ein Ladendieb ausgesehen, weil du mit einem zusammen warst.”
In den Wochen und Jahren nach diesem Erlebnis habe ich darüber nachgedacht, was mein Vater über die Freunde gesagt hatte, mit denen man zusammen ist.
Es hatte mir gar nicht gut getan, mit John befreundet zu sein. Aber ich hatte gelernt, wie wichtig es ist, die richtigen Freunde zu haben. Zum Glück hatte ich viele andere Freunde, gute Freunde, die mich positiv beeinflußt haben.
Zwei meiner guten Freunde waren Walt und Liz. Sie hatten in der Oberschulzeit den größten Einfluß auf mich. Ich war damals noch kein Mitglied der Kirche, aber begeisterter Sportler. Und weil mir der Sport so wichtig war, ließ ich die Finger von Alkohol, Zigaretten und Drogen. Meine Freunde auch, bis wir ungefähr fünfzehn, sechzehn waren. Plötzlich fingen die Jungen, mit denen ich Basketball spielte, an, sich am Wochenende auf Feten zu betrinken. Ich ging ein paarmal mit zu den Feten, aber sie gefielen mir nicht, deshalb hielt ich mich von meinen früheren Freunden fern.
Damals habe ich mich mit Walt, einem Mormonen, angefreundet. Wenn alle anderen auf Feten herumhingen, haben wir unsere Zeit sinnvoller verbracht. Walt hat es mir leicht gemacht, das Richtige zu tun, weil ich wußte, daß er nicht trank und rauchte und ich deshalb auch keinen Anlaß sah, zu trinken oder zu rauchen.
Walt fluchte nicht, und er verbesserte mich immer, wenn mir ein Fluch herausrutschte. Er benahm sich ordentlich (meistens jedenfalls), und wenn ich mit ihm zusammen war, hatte ich immer das Gefühl, ich müßte mich auch zusammenreißen. Er trieb begeistert Sport, so wie ich, aber er nahm auch die Schule sehr ernst. Er lernte viel und hatte immer gute Noten (was mir nur gelegentlich passierte). Durch die Freundschaft mit Walt wurde ich zwar nicht vollkommen, aber ich sah doch, wo ich mich verbessern konnte.
Natürlich übte Walt auch ein bißchen freundlichen Druck auf mich aus, was seine Kirche betraf. „Ach Chris”, sagte er immer, „du könntest genausogut Mormone sein – du trinkst nicht, rauchst nicht und nimmst keine Drogen. Du bist doch praktisch schon Mormone.” Wir unterhielten uns viel über seine Kirche, als wir richtig gute Freunde geworden waren, und ich lernte auch andere Jugendliche aus der Kirche kennen.
Zu ihnen gehörte auch Walts Freundin Liz. Sie war ein hübsches, fröhliches Mädchen, und ich zog sie immer unbarmherzig auf. Liz war die vollendete Dame, und als wir einander besser kennenlernten, wirkte sich ihr guter Einfluß auf mich aus. Ich hörte auf zu fluchen. Und vor allem begann ich mich für die Kirche zu interessieren.
Ich war katholisch, und es fiel mir nicht leicht, eine neue Religion in Betracht zu ziehen, aber gute Freunde wie Walt und Liz machten es mir leichter, mich mit der Kirche zu befassen. Liz machte mir Mut, nach der Wahrheit zu suchen und das zu tun, was recht ist. Und als ich erst einmal ein Zeugnis hatte, gaben sie und Walt mir die Kraft und den Mut, mich auch wirklich taufen zu lassen.
Ich weiß, es ist viel die Rede vom schlechten Einfluß, dem man als Jugendlicher ausgesetzt ist. Der Druck der Altersgenossen kann wirklich schlimm sein. Aber wenn ich auf die Freunde zurückblicke, mit denen ich so gern zusammen war, kann ich nur sagen, daß es auch guten Einfluß gibt. Meine Freunde haben mir geholfen, ein besserer Mensch zu werden, als ich ohne sie geworden wäre.
Chris Crowe, Mai 1991
Bruder Crowe ist Assistenzprofessor für Englisch an der Brigham Young University-Hawaii und Führungssekretär im Pfahl Laie Hawaii North.

20:27 - 2.11.2008 - Kommentieren


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