Bekehrungsgeschichten

Wie wunderbar! Wie wunderbar! Wie wunderbar!

Geschrieben in Unbenannt
Wir - eine Gruppe von Führern der Kirche - fuhren gemeinsam zu einer Distriktskonferenz nach Wonju in Korea. Ich - die Frau des Missionspräsidenten - kam zufällig neben Daeyoon Kim, den Ratgeber in der Missionspräsidentschaft der Mission Seoul, zu sitzen.
Ich bat ihn, mir seine Bekehrung zum Evangelium Jesu Christi zu schildern. Er zuckte die Achseln, verdrehte die Augen und rutschte verlegen im Sitz hin und her. „Es gibt nichts Interessantes zu erzählen, Schwester Shin”, sagte er dann. Aber nachdem ich ihn noch etwas gedrängt hatte, erzählte er mir seine „uninteressante” Geschichte.
Als Junge war er, wie viele andere Kinder in Korea auch, den MIssionaren auf Schritt und Tritt gefolgt und hat sie damit geplagt, daß er sich mit ihnen unterhalten wollte, sie um Süßigkeiten bat, sie auffordete, mit ihm zu spielen und vieles andere.

Als Junge war er, wie viele andere Kinder in Korea auch, den Missionaren auf Schritt und Tritt gefolgt. Die Missionare wohnten in Chinhae, ganz in der Nähe von Daeyoon, und er plagte sie damit, daß er sich mit ihnen unterhalten wollte, sie um Süßigkeiten bat, sie aufforderte, mit ihm zu spielen, und vieles andere. Aber sie waren immer freundlich und geduldig mit ihm, so daß er sie ins Herz schloß. Nach einer Weile ging er ihnen in die Kirche nach. Als er zwölf Jahre alt war, nahmen ein paar Missionare die Lektionen mit ihm durch, und er ließ sich taufen. Und weil die Missionare immer so nett und liebevoll zu ihm gewesen waren, blieb er auch in der Kirche aktiv.
Als Daeyoon 14 Jahre alt war, sollte die erste Gebietskonferenz überhaupt in Seoul abgehalten werden. Der Prophet, Präsident Spencer W. Kimball, sollte aus Amerika kommen!
Daeyoon bat seine Eltern, die nicht der Kirche angehörten, um die Erlaubnis, die Gebietskonferenz besuchen zu dürfen. Aber sie wollten nicht recht zustimmen, weil er dazu sieben Stunden mit dem Bus von Chinhae nach Seoul fahren mußte. Aber als sich dann herausstellte, daß Daeyoon bei Verwandten in Seoul übernachten konnte, waren sie schließlich einverstanden.
Der Tag der Konferenz kam heran, und Daeyoon lauschte begeistert den Ansprachen Präsident Kimballs und der anderen Generalautoritäten. Aber weil er so weit hinten saß, konnte er die Brüder besser hören als sehen. Er war enttäuscht, weil er ihnen so nah und doch so fern war. Und mit dem unschuldigen Glauben eines Kindes neigte er den Kopf und betete darum, daß er Präsident Kimball und die übrigen Generalautoritäten eines Tages persönlich kennenlernen möge.
Am nächsten Morgen stieg er in den Bus, um wieder nach Hause zu fahren. Als der Bus wieder anhielt, stieg Daeyoon aus, um sich in der nahegelegenen Eisdiele ein Eis zu kaufen. Als er über die Straße ging, fiel ihm ein amerikanisches Auto auf, das einen Aufkleber mit der Aufschrift „Families Are Forever” (die Familie ist für die Ewigkeit bestimmt) trug.
Er kaufte sich das Eis und sah sich dann in der Eisdiele um, in der Hoffnung, ein paar Amerikaner zu treffen, die der Kirche angehörten.
Plötzlich machte sein Herz einen Sprung. Das Gebet, das er gestern gesprochen hatte, war schon heute erhört worden, nicht erst viele Jahre später! Dort, auf der anderen Seite des Raums, stand Präsident Kimball. Ermutigt vom positiven Umgang mit den Missionaren lief Daeyoon auf Präsident Kimball zu, streckte ihm die Hand entgegen und sagte in gebrochenem Englisch: „Hallo. Ich bin Daeyoon Kim. Ich bin Mormone.”
Präsident Kimball, der wußte, wie man einem Menschen das Gefühl vermittelt, wichtig zu sein, griff begeistert nach Daeyoons klebriger Hand und lud ihn ein, sich mit an den Tisch zu setzen. Dann zog er ein Taschentuch aus der Tasche und wischte dem Jungen lächelnd das Eis aus dem Gesicht. „Sind deine Eltern auch Mormonen?” fragte er.
„Nein”, antwortete der Junge und blickte dabei zu Boden.
„Gut”, sagte Präsident Kimball. „Dann kannst du mithelfen, sie zur Kirche zu bekehren. Woher kommst du denn, Bruder Kim?”
„Aus Chinahae. Das ist ungefähr sieben Stunden von Seoul entfernt, in südöstlicher Richtung. Ich war gestern auf der Konferenz und habe Sie sprechen hören.”
„Ich bin sehr stolz auf dich, daß du so einen weiten Weg auf dich genommen hast”, sagte Präsident Kimball. „Ich möchte dir meine Frau und die Generalautoritäten vorstellen, die mit uns reisen.” Und dann stellte er Daeyoon ihnen vor.
Leider fuhr der Bus jeden Moment weiter, und Daeyoon mußte sich gleich wieder verabschieden. Präsident Kimball nahm seine Hand, sah ihm fest in die Augen und sagte: „Die Kirche braucht dich, um das Gottesreich in Korea aufzubauen, Bruder Kim. Wirst du auf Mission gehen? Wirst du beim Aufbau des Gottesreiches helfen?” Daeyoon versprach von ganzem Herzen, daß er das tun werde.
Dann nahm Präsident Kimball den Jungen in die Arme, drückte ihn an sich und flüsterte ihm ins Ohr: „Wie wunderbar! Wie wunderbar! Wie wunderbar!”
Die Jahre vergingen. Daeyoon war sehr mit der Schule und dann mit seinem Studium beschäftigt, und manchmal wäre er am liebsten gar nicht zur Kirche gegangen. Aber dann hörte er Präsident Kimball „Wie wunderbar! Wie wunderbar! Wie vunderbar!” sagen, und dieser Worte des Präsidenten der Kirche wollte er sich auf jeden Fall würdig erweisen. Deshalb ging er glaubenstreu zur Kirche, auch wenn seine Eltern und seine Kameraden ihn davon abhalten wollten.
Als Daeyoon studierte, fuhr er einmal zu seinen Eltern nach Hause und begegnete dabei einem ehemaligen Mitschüler, der sich über ihn lustig machte, weil er keinen Alkohol trank. „Du studierst doch jetzt. Gehst du noch immer zur Kirche?” fragte sein Freund.
„Ja”, entgegnete Daeyoon. „Und ich habe vor, mein ganzes Leben lang zur Kirche zu gehen.”
„Das kann ich einfach nicht verstehen”, meinte der Freund. „Wie kannst du Spaß am Leben haben, wo du doch so vielen Beschränkungen unterworfen bist? Mir würde das nicht gefallen. Ich will frei sein!”
Zu Hause dachte Bruder Kim darüber nach, daß sein Freund sofort nach ihrer Begegnung nach der Kirche gefragt hatte. Als sie am nächsten Tag gemeinsam zu Mittag aßen, sagte Daeyoon: „Ich will dich in keiner Weise drängen, aber ich glaube, daß es dir Freude machen würde, die Missionare meiner Kirche kennenzulernen. Das ist bestimmt eine ganz neue Erfahrung für dich.”
Zu Daeyoons großer Freude antwortete sein Schulfreund: „Warum eigentlich nicht? Ich habe im Moment sowieso nichts Besseres zu tun.” Und so nahmen die Missionare mit ihm die Lektionen durch. Mit jeder Lektion änderte er sich etwas. Er hörte auf, zu rauchen und Alkohol zu trinken, betete mit wirklichem Vorsatz und las eifrig im Buch Mormon. Nach der vierten Lektion war er so begeistert, daß er seine Schwester dazu einlud. Es dauerte gar nicht lange, bis er selbst, seine drei Schwestern und sein Vater sich taufen ließen. Ein Jahr später war sein ehemaliger Schulfreund auf Mission, in der Mission Taejon. Später wurde er Assistent des Missionspräsidenten. Und das alles, ehe Daeyoon überhaupt seine Missionsberufung erhalten hatte.
Während des gleichen Zeitraums half Daeyoon auch bei der Bekehrung von sieben seiner Kommilitonen mit.
Als Daeyoon Vollzeitmissionar war, arbeitete er als Assistent des Missionspräsidenten in Seoul und taufte viele Bekehrte.
Vor seiner Mission hatte Daeyoon den Weihungsgottesdienst für den Korea-Tempel besucht, wo er Schwester Jeanhyun Baek kennenlernte. Kurze Zeit später beschlossen die beiden, daß sie heiraten wollten. Daeyoon erzählte seiner Verlobten von dem Versprechen, das er Präsident Kimball gegeben hatte, nämlich daß er auf Mission gehen werde. Schwester Baek hatte zwar bereits eine Vollzeitmission erfüllt, aber sie ging noch ein weiteres Mal auf Mission, während Daeyoon seine Mission erfüllte.
Zehn Tage nach Daeyoons Entlassung heirateten er und Jeanhyun im Korea-Tempel. Sie haben jetzt eine Tochter, Euigin. Später wurde Bruder Kim Präsident des Distrikts Kang Neung in Korea.
Wenn er von seiner Liebe zum Herrn spricht, gibt er auch der Hoffnung Ausdruck, daß der Erretter ihn eines Tages genauso in die Arme nehmen wird wie Präsident Kimball und ihm zuflüstern wird: „Wie wunderbar! Wie wunderbar! Wie wunderbar!” Donna Shin , November 1991
Donna Shin ist die Frau von Paull H. Shin, ehemals Präsident der Mission Seoul.




20:29 - 2.11.2008 - Kommentieren


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