| Bekehrungsgeschichten |
Walter Spät und de erste Pfahl in Südamerka1954 war Walter Spät Präsident des Zweiges Centro in der Innenstadt von Sao Paulo. Damals fand ein Basar statt, mit dem die Mitglieder Geld für den Haushaltsfonds aufbringen wollten. Es gab auch Preise – schöne Kunstgegenstände, ansprechende Gemälde und gerahmte Fliesen, auf denen ein Schriftzitat stand. Manche Mitglieder fragten sich, ob es nicht etwas übertrieben gewesen sei, so viele teure und kunstvolle Geschenke zu kaufen, nur um Geld für den Gemeindefonds aufzubringen. Später erfuhren sie dann, daß Präsident Spät die Geschenke selbst angefertigt hatte, und zwar mit wenig Geld, aber mit viel Mühe und viel gutem Willen.
In seiner Freizeit betätigte sich Walter Spät am liebsten künstlerisch. In den Jahren vor seinem Tod – er starb 1989 – vollendete er Hunderte von Ölgemälden. Aber die meiste Zeit seines Lebens waren ihm seine Familie und die Aufgaben in der Kirche wichtiger als seine eigenen Interessen und Ambitionen. Walter Spät war nach dem Ersten Weltkrieg mit seiner Familie von Deutschland nach Brasilien ausgewandert, genauer nach Santa Catarina. Dort entwarf er später mit großem Erfolg Möbel und wurde ein Meister seines Fachs. Dann bekehrte er sich zur Kirche, die damals erst kurze Zeit in Brasilien bestand, und wurde schließlich Präsident des ersten Pfahles in Südamerika. Bruder Spät ließ sich 1950 taufen, und gleich nach seiner Taufe begann er im Werk des Herrn zu arbeiten. Seine Eltern und seine Geschwister waren nach Deutschland zurückgekehrt, und er sollte ihnen folgen, wenn er die Farm der Familie in Santa Catarina verkauft hatte. Aber als dann der Zweite Weltkrieg ausbrach, blieb er in Brasilien, wo er 1946 Edith Altman heiratete, die aus der Schweiz stammte. Die beiden zogen nach Sao Paulo, wo Bruder Spät in einer Möbelfabrik arbeitete. In der Familie wurde dann auch das Thema Religion bald aktuell. Edith Spät ging regelmäßig zur Kirche, ihr Mann allerdings weigerte sich, mitzukommen. Er wollte sich nur dann in einer Kirche engagieren, wenn er die wahre Kirche finden konnte. Und seiner Meinung nach mußte es die wahre Kirche auch irgendwo geben. Deshalb kniete sich Schwester Spät jeden Morgen, wenn ihr Mann zur Arbeit gegangen war, hin und bat den Herrn, ihnen die wahre Kirche zu zeigen. Fünf Monate später, im November 1949, klopften amerikanische Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an ihre Tür. Fünf Monate lang studierte Bruder Spät mit den Missionaren das Evangelium, las in der heiligen Schrift und besuchte die Versammlungen der Kirche. Schließlich gelangte er zu der Überzeugung, daß die Kirche wahr ist, und ließ sich am 20. März 1950 taufen. Seine Frau schloß sich im Oktober desselben Jahres der Kirche an. Sie war vorher streng protestantisch gewesen, und es fiel ihr schwer, bestimmte Punkte im Leben der Mitglieder zu verstehen. Vor allem konnte sie nicht verstehen, daß im Gemeindehaus Tanzveranstaltungen abgehalten wurden. „Erst als ich mehrere Jahre nach meiner Taufe das Buch Mormon las, war ich wirklich davon überzeugt, daß ich mich in der Kirche des Herrn befand.” Bruder Spät war so sehr von der Kirche überzeugt, daß er sich unermüdlich in ihr engagierte. Er wurde als Ältestenkollegiumspräsident und dann als Zweigpräsident berufen, später war er dann Ratgeber des Präsidenten der Mission Brasilien und Mitglied des Distriktsrates. Alle Berufungen erfüllte er laut Jose Lambardi, mit dem er befreundet war und in vielen Berufungen zusammengearbeitet hat, „mit einem Eifer und einer Hingabe, die an Vollkommenheit grenzten. Er erwartete viel von den Menschen, weil er auch von sich selbst viel erwartete.” Jose Lambardi erzählt, Walter Spät sei ein strenger Mann gewesen, den viele für hart gehalten hätten. Aber er habe auch oft geweint, wenner jemanden gekränkt habe, und sich immer schnell entschuldigt. Einmal, als er und Bruder Spät gemeisam eine Aufgabe in der Kirche wahrzunehmen hatten, hatten sie Streit miteinander bekommen. „Ich bin gerade rechtzeitig zum Abendmahl in die Gemeinde zurückgekommen und wußte doch, daß ich es nicht nehmen konnte, so wie mir zumute war. Aber kurz vor dem Abendmahl spürte ich plötzlich eine Hand auf der Schulter. Es war Walter. Er wollte sich entschuldigen, damit wir beide mit einem guten Gefühl das Abendmahl nehmen konnten.” Nicht lange danach — es war im Mai 1966 — geschah etwas, was für Walter Spät und für alle Mitglieder in Brasilien und ganz Lateinamerika von großer Bedeutung war: Der erste Pfahl in diesem Gebiet wurde gegründet, und zwar in Sao Paulo. Er umfaßte sieben Gemeinden und drei Zweige, und Elder Spencer W. Kimball schlug den Mitgliedern als Pfahlpräsident Walter Spät vor. Zum Einzugsbereich des Pfahles gehörten auch weit voneinander entfernte Stadtteile dieser größten Stadt Südamerikas, die eine der dichtest besiedelten Städte der Welt ist. Präsident Spät vertraute darauf, daß der Hoherat den Gemeinden half und die neuen Führungskräfte schulte. Seine Bemühungen, die Führer der Gemeinden und des Pfahls im ehemaligen Missionsgebiet zu stärken, trugen ihm die Achtung der Mitglieder ein. Mark Grover, der während Bruder Späts Zeit als Pfahlpräsident in Brasilien auf Mission war, erinnert sich: „Er zeigte seine Gefühle selten, aber die Mitglieder lagen ihm sehr am Herzen. Er war ein unglaublich guter Pfahlpräsident. Er sorgte dafür, daß die anfallenden Aufgaben erledigt wurden, und zwar so erledigt wurden, wie es dem Herrn gefiel.” Inzwischen hatte Bruder Spät zwei Kinder, Osweldo und Gloria, und eine eigene Möbelfabrik. Gloria erzählt, daß ihr Vater morgens meistens schon vor sechs Uhr zur Arbeit ging. „Er war uns ein guter Vater, obwohl er nur sehr wenig Zeit hatte”, sagt sie. „Wir haben oft versucht, ihn zu einem Urlaub zu überreden, aber er konnte einfach nicht aufhören zu arbeiten. Zur Entspannung betätigte er sich künstlerisch, aber auch dafür hatte er dann erst richtig Zeit, als er sich aus dem Berufsleben zurückgezogen hatte.” Bruder Spät versicherte seiner Familie immer wieder, eines Tages werde er ausspannen – „nach meiner Tempelmission”. Aber erst einmal war er zehneinhalb Jahre Pfahlpräsident. Als der Sao-Paulo-Tempel fast fertig war, wurde Bruder Spät in das Komitee berufen, daß für die Tage der offenen Tür und die Weihung des Tempels zuständig war. Er entwarf exquisite Möbel für den Tempel und wurde später, nach seiner Zeit als Regionalrepräsentant, als Ratgeber in die Tempelpräsidentschaft berufen. 1984 zog Bruder Spät sich aus dem Geschäftsleben zurück und verbrachte den größten Teil der nächsten Jahre mit Malen. Osweldo erzählt, *ein Vater habe am liebsten Landschaften gemalt. „Er ging an die künstlerische Arbeit genauso heran wie an seine Berufungen in der Kirche – engagiert und mit dem Wunsch nach Vollkommenheit. Als er starb, hatte er ungefähr dreihundert Bilder vollendet.” Bruder und Schwester Spät erfüllten eine Tempelmission und hatten nur noch wenige Monate vor sich, als Bruder Spät an Krebs erkrankte und zum ersten Mal in seinem Leben ans Bett gefesselt war. Während der Krankheit dachte er über sein Leben nach. „Er sah, daß er viel erreicht hatte, aber ihm wurde auch klar, daß er ein ausgewogeneres Leben hätte führen können. Durch sein Leiden wurde er weicher gestimmt. Am glücklichsten war er darüber, daß seine Kinder ein festes Zeugnis vom Evangelium Jesu Christi hatten.” Walter und Edith Spät, die beide aus Europa ausgewandert waren, lernten sich in Brasilien kennen. Sie gründeten eine Familie, in der das Evangelium eine wichtige Rolle spielte. Walter Spät starb am 15. Mai 1989. IDerzet gab es n Sao Paulo zwei Missionen, vierzehn Pfähle und ungefähr 47000 Mitglieder. Viele Mitglieder erinnern sich noch an die „gute alte Zeit”, wo die Kirche gerade erst im Land Fuß gefaßt hatte. Es ist unbestritten, daß Walter Spät dabei eine wichtige Rolle gespielt hat. Neusa Longo, März 1991 Neusa Longo gehört zur Gemeinde Santo Andre 1 im Pfahl Santo Andre in Brasilien. DieAngaben, auf denen dieserArtikel beruht, wurden zum größten Teil von Flavia Erbolato zusammengetragen, der Leiterin der Übersetzungsabteilung in Sao Paulo. 20:31 - 2.11.2008 - Kommentieren
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