Bekehrungsgeschichten

Daniel Webster Jones

Geschrieben in Unbenannt
Mit elf Jahren zum Waisen geworden, zog Daniel Webster Jones im Jahre 1847 vom heimatlichen Missouri mit einem Trupp freiwilliger Soldaten in den Westen der Vereinigten Staaten, um im Krieg gegen Mexiko zu kämpfen.
„Glücksspiel, Fluchen, Kämpfen und andererlei rohes Betragen” gehörten zu seinem täglichen Leben, wie er später in seiner Autobiographie schrieb. In seinen jungen Jahren schien es also unwahrscheinlich, daß er sich der Kirche anschließen, vierzig Jahre mit Missionsarbeit bei den Indianern zubringen und – mit nur geringer Schulung in der spanischen Sprache – bei der ersten spanischen Übersetzung des Buches Mormon helfen würde. Die Ereignisse zeigen, daß er hervorragend dazu geeignet war, diese Tätigkeit auszuüben.
Er spricht nicht über seine Kindheit, aber irgendwie war er zu einem starken Glauben an Gott gelangt. Während der drei Jahre, die er mit der Freiwilligenarmee in Mexiko verbrachte, nahm er „auf mancherlei Weise teil am wilden, rücksichtslosen Leben, das in der Armee gang und gäbe war”, trank aber nicht und hielt sich auch von den „anderen, übleren Lastern” fern, die vor seinen Augen das Leben seiner Freunde „zugrunde richteten”.
Er sagte: „Wegen meiner Lebensführung fühlte ich mich verdammt und bat Gott oft ernsthaft um Hilfe, das Rechte zu erkennen und wie ihm zu dienen sei; ich sagte ihm, ich wolle es sicher wissen und mich nicht täuschen lassen.” Auf seine rauhe Art fühlte er, daß auch den Menschen seiner Zeit ein Prophet zustehe und es nicht rechtens sei, „sie mit nichts als der Bibel allein zu lassen”.
Er verließ Mexiko im Jahre 1850 mit einer großen Gruppe von Händlern, die nach Salt Lake City reisten. Unterwegs wurde er bei einem Unfall durch ein Gewehr schwer verletzt, doch hielt er durch, bis seine Gefährten ihn zu den Siedlungen der Heiligen der Letzten Tage bei Provo, südlich von Salt Lake City, geschafft hatten.
Damals wurden die Heiligen von den Reisenden oft verspottet, doch als er hörte, wie einige seiner Freunde aus dem Buch ,Lehre und Bündnisse' lasen und sich darüber lustig machten, dachte er an seine Gebete um neuzeitliche Offenbarung. Er verließ seine Gefährten, zog zu einer Familie der Heiligen der Letzten Tage und begann nach seiner Genesung das Evangelium zu untersuchen. „Jedermann war freundlich und brachte mir Vertrauen entgegen”, erinnert er sich. „Ich lauschte den Predigten der Altesten und kam zu dem Schluß, daß sie entweder ehrlich seien und wüßten, wovon sie sprachen, oder aber daß sie vorsätzliche Lügner und Betrüger seien. Ich war entschlossen, mich tunlichst nicht täuschen zu lassen, und setzte darum meine aufmerksame Beobachtung fort.” Besonders beeindruckte ihn, daß die Heiligen der Letzten Tage trotz kürzlicher Kämpfe keine Bitterkeit gegen die Indianer empfanden.
Er erfuhr vom Buch Mormon und schreibt darüber: „Es schien mir natürlich, daran zu glauben. Ich kann mich nicht entsinnen, jemals daran gezweifelt zu haben, daß das Buch Mormon wahr ist oder daß Joseph Smith ein Prophet war. Die Frage war: Ist es den Mormonen ernst, und kann ich auch einer sein?” Als er entschied, das wohl werden zu können, sprach er mit Isaac Morley, der sich in Ohio als einer der ersten zur Kirche bekehrt hatte.
Es war am 27. Januar 1851, im Winter, und Bruder Morley „ging gerade mit seiner Axt unter dem Arm wegen einer Ladung Holz hinaus”. Mit der gelassenen Bemerkung: „Das habe ich erwartet”, schlug Bruder Morley mit seiner Axt ein Loch in die dicke Eisdecke eines nahen Sees – und Dan wurde Mitglied der Kirche.
Während der nächsten dreiundzwanzig Jahre war er sehr beschäftigt. Er war Farmer, handelte mit den Ute-Indianern, wurde zum Siebziger ordiniert, heiratete Harriet Emily Colton, fungierte bei Verhandlungen mit einigen Mexikanern im Kreis Sanpete als Brigham Youngs Dolmetscher, half bei der Rettung der im Wintersturm steckengebliebenen Handkarrenpioniere und pflegte weiterhin den freundschaftlichen Kontakt zu den Indianern, und zwar als Mitglied der Kirche wie auch als Regierungsbeamter.
Im Jahre 1874 wurde er dann in Brigham Youngs Büro gebeten und auf Mission nach Mexiko berufen. „Seit einiger Zeit hatte ich diese Berufung erwartet. Ich hatte die Mission erhofft und gefürchtet”, sagte er freimütig, denn er wußte, wie hart eine Mission in Mexiko sein würde. Er und Harry Brizzee wurden berufen und angewiesen, sich bereitzumachen. Weil „Bruder Young gesagt hatte, daß er einige Auszüge aus dem Buch Mormon übersetzt haben wollte”, begannen sie „zu lernen und sich auf die Übersetzung vorzubereiten”.
Obwohl beide spanisch sprachen, dachte Daniel oft daran, „wie gut es wäre, jemanden zur Hilfe zu haben, der Spanisch als Muttersprache hatte.” Wenige Monate später traf Bruder Brizzee einen Fremden, den spanischsprechenden Mileton G. Trejo, der auf den Philippinen von der Kirche gehört hatte und nach Utah gekommen war, um sie zu untersuchen. Er ließ sich bald taufen und begann mit Daniels Hilfe und Unterstützung, Auszüge aus dem Buch Mormon ins Spanische zu übersetzen.
Im Jahre 1875 meldete Daniel Präsident Brigham Young, daß sie bereit seien, ihre Mission anzutreten. Von Präsident Young beauftragt, brachte Daniel rasch 500 Dollar für den Erstdruck der spanischen Auszüge zusammen.
Bei einem späteren Gespräch mit Präsident Young wurde Daniel gefragt, wie er zur Zufriedenheit der Führer der Kirche – von denen keiner spanisch sprach – die Korrektheit der Übersetzung beweisen wolle. Daniel schlug den folgenden Test vor: Sie würden ein Buch auswählen, Bruder Trejo würde einen Abschnitt ins Spanische übersetzen, Daniel würde dann diese spanische Übersetzung ohne einen Blick aufs Original ins Englische zurückübersetzen. Präsident Young akzepierte den Vorschlag. Als die Brüder ein Exemplar von Daniels Übersetzung aus dem Spanischen erhielten, bemerkte George A. Smith, damals Mitglied der Ersten Präsidentschaft, unter Lachen: „Ich mag den Stil von Bruder Jones lieber [als das Original] . . . seine Sprache ist leichter zu verstehen.”
Das war aber nicht das einzige außergewöhnliche Erlebnis, das Daniel im Zusammenhang mit der Übersetzung hatte. Er schreibt: „Als der Druck begann, sagte mir Bruder Brigham, er werde mich für die Richtigkeit verantwortlich machen. Darüber machte ich mir solche Sorgen, daß ich den Herrn bat, mich irgendwie auf eventuelle Fehler aufmerksam zu machen [während wir die Fahnenabzüge korrigierten].
Bruder Trejos Manuskript war so geschrieben, wie wir heute sprechen. Wenn ich ihn auf Fehler hinwies, stimmte er mir jedesmals zu. Er sagte oft, daß ich ein sorgfältiger Kritiker sei und Spanisch besser als er selbst verstünde. Ich mochte ihm gar nicht sagen, wie ich die Fehler fand.
Mitten auf der Stirn hatte ich ein Gefühl, als würde ein feiner Faden sanft herausgezogen. Wenn ein Fehler auftauchte, wurde die Sanftheit unterbrochen, als wenn ein kleiner Knoten durch die Stirn austrat. Ob ich den Fehler bemerkte oder nicht, ich war sicher, daß er da war und bat meinen Mitarbeiter, ihn zu berichtigen. Wenn das getan war, machten wir gemeinsam weiter, bis das gleiche wieder geschah.”
Im September 1875 reiste Daniel nach Mexiko ab, zusammen mit seinem Sohn Wiley, James Z. Steward, Helaman Pratt, Robert H. Smith, Ammon M. Tenney und Anthony W. Ivins. Die Gruppe war zu Pferde und nahm zweitausend Exemplare ihrer „Auszüge aus dem Buch Mormon” mit.
Nach mehreren enttäuschenden Erfahrungen mit den örtlichen Behörden erhielten sie in Chihuahua die Genehmigung für eine öffentliche Versammlung, und am 8. April 1876 predigten sie bei der ersten Kirchenversammlung im Innern Mexikos vor etwa 500 Menschen. Nach weiteren Versuchen, das Evangelium zu verkünden, kehrten sie in die Vereinigten Staaten zurück und erreichten am 5. Juli 1876 Salt Lake City. In den Jahren 1876/1877 erfüllte Daniel eine zweite Mission in Mexiko, zusammen mit Bruder Trejo, Bruder Pratt und Bruder Stewart. Mit ihnen dienten Louis Garff und George Terry. Fünf Menschen ließen sich taufen.
1879 eröffnete Elder Moses Thatcher vom Rat der Zwölf offiziell die Mission, begleitet von Bruder Stewart und Bruder Trejo. Von durch politischen Umständen bedingten Unterbrechungen in den Jahren 1913 und 1926 abgesehen, besteht die Mission seither ununterbrochen.
Die erste vollständige Übersetzung des Buches Mormon wurde 1886 von Bruder Trejo und Bruder Stewart fertiggestellt. Rey L. Pratt, von 1907 bis 1931 der Missionspräsident, revidierte diese Übersetzung mit Unterstützung von Eduardo Balderas. Bruder Balderas wurde schließlich der Chefübersetzer der Kirche für Spanisch und berichtigte die Pratt-Übersetzung um das Jahr 1949 für eine neue Drucklegung. Eine zweite Revision, die Bruder Balderas 1969 begann und 1980 abschloß, ist kürzlich erschienen und wird in allen spanischsprechenden Missionen der Kirche verwendet.
Das Werk in Mexiko, das von einem treuen, gehorsamen Diener des Herrn, Daniel Webster Jones, einem Waisen aus Missouri, begonnen wurde, sollte das Leben tausender spanischsprechender Menschen auf der ganzen Welt grundlegend beeinflussen.
Jack McAllister, Juni 1988

20:32 - 2.11.2008 - Kommentieren


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