| Bekehrungsgeschichten |
Ich werde GeistlicherIch dachte mir: „Was sind Mormonen?” Ich hatte mich schon mit etlichen Religionen beschäftigt, aber davon hatte ich noch nie gehört.Ich war noch Schüler, als ich stolz vor einer kleinen Methodistengemeinde stand und eine Rede hielt, mit dem Titel: „Den Anforderungen des Lebens gerecht werden”. Nach dem Gottesdienst drückten mir die Gemeindemitglieder die Hand und ermunterten mich, mich weiter mit Religion zu befassen. Später an diesem frischen Herbsttag machte ich einen Spaziergang und dachte mir: „Vielleicht sollte ich wirklich Geistlicher werden.” Es war nicht das erstemal, daß ich vor einer Gemeinde geredet hatte, noch sollte es das letztemal sein. Ich habe mich schon früh im Leben für Religion interessiert, und dieses Interesse wurde geradezu zur Besessenheit, weil mir die Aussicht auf den Tag des Gerichts Angst machte. In der Einleitung zu einem Schulaufsatz über den Beruf des Geistlichen schrieb ich: „Seit Ende meines ersten Jahres an der High School ziehe ich in Betracht, Geistlicher zu werden.” Damals dachte ich an eine jahrelange Ausbildung an einer Universität und im Priesterseminar. Ich war ein guter Schüler und ein guter Sportler und war in der Footballmannschaft unserer Schule. Ich spielte im Schulorchester und wurde zum Schulsprecher gewählt. Aber in meinem Leben sollte sich manches grundlegend ändern. Aus den folgenden Tagebucheintragungen geht hervor, was geschah. Letztes Schuljahr. Ich habe mich mit einer Reihe von Kirchen beschäftigt, um mehr über das Christentum zu erfahren, und dabei festgestellt, daß in einigen die Ausbildung zum Geistlichen nicht übertrieben lang ist. Zuletzt habe ich ein Bibelcollege besucht und herausgefunden, daß ich nach vier Jahren die Priesterweihe empfangen kann. Nach weiteren zwei Jahren könnte ich eine eigene Gemeinde zugeteilt bekommen. Ich habe beschlossen, nächstes Jahr, wenn ich aus der High School komme, an das Bibelcollege zu gehen, obwohl ich dann ein Stipendium an einem andern College aufgeben muß. Zwar werden auch dort interessante Fächer angeboten, aber ich habe das Gefühl, daß dem College irgend etwas fehlt. Auch in meinem persönlichen Leben fehlt etwas. Wann werde ich endlich inneren Frieden finden? Kurz vor dem High-School-Abschluß. Religion wird für mich immer weniger wichtig. Ich bin nicht mehr so sicher, was ich eigentlich will. Tief im Innersten fühle ich mich wegen irgend etwas schuldig. Ich ärgere mich über mich selbst, wenn ich etwas falsch mache. Trotzdem trinke und rauche ich hier und da. Als ich zum erstenmal Alkohol trank, waren meine Schulkameraden mehr um meine sportliche Leistung als um meine religiösen Ziele besorgt. Neue Pläne. Ich habe gerade ein Stipendium am Dodge City College zugesagt bekommen, wenn ich für die dortige Footballmannschaft spiele. Das College ist ganz in der Nähe. Eigentlich möchte ich lieber weiter weg studieren, aber das Stipendium wäre natürlich eine große Hilfe. Ich habe schon einmal ein Stipendium aufgegeben, weil ich Geistlicher werden wollte — aber damit hat es ja nun keine Eile. Sommer. Ich arbeite im Freizeitzentrum von Dodge City und spiele in einer Baseballmannschaft. Nicht selten arbeite ich den ganzen Tag, fahre dann mit der Mannschaft zu einem Spiel, komme um zwei Uhr morgens nach Hause und stehe bereits um sieben wieder auf, um zur Arbeit zu gehen. Was ist nur mit mir los? Ich habe einen ungewöhnlichen Sommer erlebt. Ich bin nicht oft zur Kirche gegangen. Ich lese viel und schreibe auch. Religion befriedigt mich nicht recht. Das mag freilich auch an mir selbst liegen. Die Bibel. Ich ziehe immer noch eine Ausbildung am Bibelcollege in Betracht, weil ich dort sehr rasch Geistlicher werden kann. Einmal habe ich in der Sonntagsschule gesagt, wir sollten wieder mehr die Bibel predigen. Aber ein Mann hat eingewendet, die Geistlichen sollten sich um heutige Belange kümmern und zeitgemäße Bibelauslegungen verwenden. Sein Einwand macht mich nur noch verwirrter. Die Auffassungen bekannter Religionsführer darüber, was die Bibel aussagt und welcher Platz ihr in der heutigen Zeit zukommt, gehen auseinander. Am College. Hin und wieder bete ich noch. Ein paarmal habe ich gesagt: „Herr, zeig mir den Weg, wenn es für mich einen Weg gibt.” Ende des Semesters. Mein erstes Semester am College ist zu Ende, und ich bin als bester Student meines Jahrgangs geehrt worden. Letzte Nacht habe ich im Bett gelegen und überlegt, wie wenig Zeit ich doch meinem Studium widme. Ich mußte lachen und dachte: „Das habe ich alles ohne Gott geschafft.” Ein Mädchen — sie ist Mormonin. An einem der letzten Abende habe ich ein Mädchen kennengelernt, eine Mormonin. Ich dachte mir: „Was sind Mormonen?” Ich hatte mich schon mit etlichen Religionen beschäftigt, aber davon hatte ich noch nie gehört. Das Buch Mormon. Das Wochenende habe ich mit meiner Familie verbracht. Ich habe meine Mutter gefragt, ob sie irgend etwas über die Mormonen wisse. Sie meinte, im Bücherregal müsse eine Broschüre sein. Sie fand die Broschüre und auch ein altes Buch. Das lese ich jetzt — es ist das Buch Mormon oder die Mormonenbibel, wie meine Mutter es nennt. Ende eines Abends zu zweit. In den letzten sechs Monaten bin ich mit keinem Mädchen regelmäßig ausgegangen — erst jetzt wieder mit Janet. Heute abend gingen wir zuerst aus, dann unterhielten wir uns, und es kam das Thema Religion zur Sprache. Ich erzählte ihr von meinen unbestimmten Plänen hinsichtlich des geistlichen Dienstes und stellte fest: „Jede Kirche hat irgendeinen Haken.” Sie entgegnete sehr bestimmt: „Meine nicht.” „Ach nein? Dann erzähl mal”, sagte ich. Es ist nicht das erstemal, daß ein Mädchen mich für eine bestimmte Kirche gewinnen möchte. Aber das Leuchten in Janets Augen, ihr Strahlen — das ist Reinheit, zweifellos. Ich erzählte ihr, daß ich gerade das Buch Mormon lese, und sie schlug vor, ich solle mit den Missionaren reden. Ich hätte nichts dagegen, meinte ich. Am Montag darauf. Heute abend war etwas Seltsames. Ich arbeite doch jeden Abend im Freizeitzentrum, aber als ich diesmal hinkam, sagte mir Mister Braddock, ich würde heute nicht gebraucht. Zum Lernen . hatte ich keine Lust, also rief ich Janet an und fragte sie, ob sie nicht mit mir ausgehen wolle. Sie sagte, ich solle zu ihr kommen, sie erwarte nämlich die Missionare. Die Zusammenkunft war schon vor meinem Anruf arrangiert worden, obwohl ich montags immer arbeite. Die Begegnung. Während ich bei Janet auf die Missionare wartete, stellte ich mir vor, es würden zwei betagte Herren mit grauem Bart und womöglich mit schwarzem Hut anklopfen. Ich staunte, als die „Eiltesten” sich als zwei junge Männer ungefähr in meinem Alter entpuppten. Es war wirklich ein geistiges Erlebnis, von ihnen zu lernen. Das Interview. Heute abend hatte ich mein Taufgespräch. Ich brachte eine schriftliche Einverständniserklärung meines Vaters mit. Er hat früher Heilige der Letzten Tage gekannt, und er sagt, man muß Missionar werden, wenn man dieser Kirche beitritt. Ich sagte zum Distriktsleiter, die Lektionen seien für mich buchstäblich eine Offenbarung gewesen. Mir ist, als hätte ich das alles schon einmal gehört. Das Evangelium umfaßt viele Lehren, an die zu glauben ich im Lauf der Jahre begonnen habe, etwa, daß es den Vater im Himmel wirklich gibt und daß er um uns besorgt ist. Die Lektionen habe ich in so kurzer Zeit hinter mich gebracht, daß ich nun auf den vereinbarten Tauftermin warten muß. 27. April. Heute abend bin ich getauft worden. Meine Angehörigen kamen zum Taufgottesdienst, und auch viele Gemeindemitglieder waren da. In meinem ganzen Leben habe ich mich nie so rein gefühlt. Erstaunlich auch, wie herzlich die Mitglieder in dieser Kirche sind. Nur wenige haben Interesse. Ich dachte sogleich an Dutzende meiner Freunde, die sich nun bestimmt ebenso der Kirche anschließen würden. Sie müßten nur, wie ich, davon erfahren. Aber ich habe mich getäuscht. Ich weiß, daß die meisten meiner Freunde mich wegen meiner hohen Ideale achten; bei einigen muß ich mich nun allerdings wie der Apostel Paulus fragen: „Bin ich also euer Feind geworden, weil ich euch die Wahrheit sage?” (Galater 4:16.) Abendmahlsversammlung. Heute kam meine Familie zur Abendmahlsversammlung. Nach der Versammlung ging ich mit den Missionaren zu meinen Eltern. Nach der ersten Lektion wollte Elder Johnson einen weiteren Termin vereinbaren, um meine Familie zu belehren. „Warum nicht gleich jetzt?” fragte meine Mutter. Also folgte auch gleich die zweite Lektion. Dann mußte mein Vater fort, sich um die Farm kümmern. Mutter bereitete schnell das Abendessen. Vater kam nach einer Stunde zurück und aß, und dann folgte die dritte Lektion. Drei an einem einzigen Abend! 27. Juli. Heute abend habe ich meine Familie getauft. Es ist genau drei Monate her, daß ich mich der Kirche angeschlossen habe. Nun ist unsere Familie endlich vereint. Als ich Mutter aus dem Wasser hob, fiel sie mir um den Hals und weinte Freudentränen. Wir haben die größte Segnung empfangen, die es im Leben gibt. Eine Missionsberufung. Wie aufgeregt ich bin! Als ich heute vom College nach Hause kam, war da ein Brief von der Ersten Präsidentschaft. Ich riß ihn sogleich auf und las, daß ich nach Kalifornien gehe. Ich weinte vor Freude. Ich fühle mich so unbedeutend vor dem Herrn und frage mich: „Warum gerade ich?” Die Segnungen Gottes sind einfach nicht faßbar. Das Wichtigste. In den ersten beiden Studienjahren war ich sehr erfolgreich. Ich hatte an einem sechshundert Kilometer entfernten Bibelcollege studieren wollen, habe meine Pläne jedoch geändert und die Wahrheit ganz in der Nähe gefunden. In einer Woche gehe ich nun auf Mission, um dem Herrn zu dienen. Ich trete also tatsächlich in den geistlichen Dienst ein. Siegelung im Tempel. Heute wurde ich für Zeit und Ewigkeit an meine Eltern gesiegelt. Eheschließung im Tempel. Janet und ich haben heute morgen im Salt-Lake-Tempel geheiratet. Ich danke Gott dafür, daß dieses Mädchen so vollständig nach dem Evangelium gelebt hat, daß ich den Unterschied zwischen ihr und anderen jungen Leuten anziehend fand und zum Evangelium hingeführt wurde. Ich ermuntere jetzt meine Geschwister, sich ebenfalls dahin führen zu lassen. Das Evangelium funktioniert nämlich wirklich. Robin K. Beggs, Mai 1989 20:41 - 2.11.2008 - Kommentieren
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