Bekehrungsgeschichten

Wenn du bereit bist

Geschrieben in Unbenannt
Schon mit drei Jahren habe ich angefangen, mich auf eine Karriere als Berufs-Baseballspieler vorzubereiten, und ich habe nie an etwas anderes gedacht. Und dieses Ziel war eins meiner Probleme. Ich habe einfach nicht geglaubt, daß die Schule oder die Kirche mir irgendetwas geben könnten, um ein Baseballspieler zu werden.
In den zwölf Jahren meiner Schulzeit habe ich nie ein Buch mit nach Hause genommen, um zu lernen. Ich bin nicht stolz darauf. Es tut mir leid, und ich habe versucht, Buße zu tun. Ich verbringe den Rest meines Lebens damit, den Preis für die Leere zu zahlen, die ich durch meine lächerliche Logik von damals selbst herbeigeführt habe. Ich dachte nämlich über den Mathematik- und Englischunterricht: „Welchen Wert hat die Schule schon für mich, wenn ich doch ein großer Baseballspieler werde. Einen Effetball kann ich ebenso gut ohne wie mit Mathematik und Englisch werfen.” Wenn ich nach der Schule nach Hause ging, sagte ich mir immer:*
„Ja, ich bin für das Leben gut vorbereitet. Ich kann so hart werfen wie wenige andere, kann schnell rennen und bin sehr treffsicher. Laßt mich also mit der Schule in Ruhe.” Heute sehe ich, wie falsch diese Denkweise war. Wenn es Zeit war, am Sonntag in die Kirche zu gehen, faßte ich das als persönliche Beleidigung auf, denn wie konnte mir die Kirche helfen, ein besserer Baseballspieler zu werden?
So hat mein Verstand gearbeitet. Ich will damit nicht sagen, daß das nicht wichtig ist, wenn man ein großer Baseballspieler oder Rechtsanwalt oder Arzt werden will. Das ist wichtig — es ist notwendig für unsere zeitliche Erlösung, aber es ist nicht das Wichtigste, weswegen wir auf die Erde gesandt worden sind. Es sind die ewigen Dinge, die wirklich zählen, und der ist ein kluger und intelligenter Mensch, der das klar verstehen und entsprechend handeln kann.
Schließlich hatte ich den Highschool-Abschluß geschafft und wurde 18 Jahre alt. Fünfzehn Jahre lang hatte ich mich vorbereitet, das zu sein, was ich sein wollte. Als ich von meinen Eltern die Erlaubnis erhielt, meinen ersten Vertrag zu unterschreiben, kamen Agenten von acht der größten Baseballmannschaften mit ihren Angeboten zu mir. Mir wurde ein Gehalt angeboten, das für damalige Begriffe sehr hoch lag. Wissen Sie, was für ein Reiz das für einen Teenager ist? Ich wünschte, ich wäre in der Lage, Ihnen das richtig beschreiben zu können. Und dann meldete ich mich bei der ersten Mannschaft, und ich spielte mit meiner eigenen neuen Nummer auf dem Trikot. Können Sie sich vorstellen, was das für ein erhebendes Gefühl ist?
Aber als ich drei Jahre alt war, hatte ich noch nicht an den 2. Weltkrieg gedacht. Den hatte ich nicht in mein Programm aufgenommen. Ich wußte nichts davon, und ich wußte nicht, daß ich zu meinem 18. Geburtstag einen Brief erhalten würde, in dem stand, daß meine Baseballkarriere für die nächsten drei Jahre durch den Militärdienst unterbrochen werden müßte. Ich wurde zur Grundausbildung gejagt, und das war ein erbärmliches Leben. Obwohl ich nicht die Grundlage hatte, die ich hätte haben sollen, verstand ich dann teilweise den Wert der anderen Dinge, die ich vernachlässigt hatte — Schule und Ausbildung. Ich bekam all die schlechten Arbeiten, weil ich für keine Arbeit geeignet war, die Wissen und Kenntnisse erforderte.
Ungefähr elf Monate später fand ich mich auf einem Truppentransporter auf dem Pazifik wieder. Wir waren da draußen auf dem Wasser auf einem von vielen Schiffen in einem Konvoi, der auf eine Insel zusteuerte — zur ersten Gefechtserfahrung der Gruppe. In den ersten beiden Wochen unserer Fahrt hielt die Armee und die Marine jeden Abend um 17 Uhr einen allgemeinen Gottesdienst ab, wo wir zusammenkommen und ein gemeinsames Lied singen konnten, ob wir nun Juden, Katholiken, Andersgläubige oder Heilige der Letzten Tage waren. Und der Feldgeistliche sprach dann vier oder fünf Minuten zu uns. Danach saßen wir einfach noch zusammen und unterhielten uns über zu Hause, über die Mädchen und all die anderen Dinge, die für junge Männer wichtig zu sein scheinen, und dann gingen wir wieder auseinander. Jeden Tag ab 17 Uhr war also eine Stunde Gottesdienst. Von 3.000 waren es nur 35 bis 40, die täglich zu diesem kleinen Gottesdienst gingen; nur 35 oder 40! Das ist doch typisch für's Leben, wenn Sie sich in der Schule, in Ihrem Pfahl, Ihrer Gemeinde oder in den umliegenden Orten umsehen, oder?
Am letzten Tag unserer Fahrt hielten wir unseren letzten Gottesdienst ab. Da in dem normalen Versammlungsraum nicht genug Platz war, hielten wir den Gottesdienst auf dem Deck ab. Und das war eine der interessantesten Studien menschlichen Lebens, die ich je beobachtet habe.
Wissen Sie, was an diesem 21. Juli 1944 passiert ist? Dreitausend Mann kamen! Dreitausend machten sich auf einmal sehr viele Gedanken über die höheren Werte im Leben. Beobachten Sie einmal, wie sich die Menschen der Religion zuwenden, wenn sie wirklich in einer Krise stehen. Sie spürten wie es nur jemand in einer bedrohlichen Lage kann, die Notwendigkeit, Hilfe aus einer höheren Quelle bekommen zu müssen, ob sie nun Kaufmann, Krimineller oder Baseballspieler waren.
Ich werde nie diesen Gottesdienst vergessen, den ein wunderbarer protestantischer Feldgeistlicher abgehalten hat. Er war ehrlich und aufrichtig und redete mit einfachen Worten. So saßen wir da oben auf Deck, 3.000 Mann, und sangen das Anfangslied „Herr, bleib bei mir, der Abend naht.” Können Sie sich das Bild vorstellen: ein Chor von 3.000 Soldaten, die die innersten Empfindungen ihrer Seele ausdrückten, wahrscheinlich in vielen Fällen das erste Mal in ihrem Leben. Können Sie sich vorstellen, wie das klingt? Von den anderen Schiffen hörte man Ähnliches, das wie ein Echo herüberhallte. Es gab ein kurzes Anfangsgebet, und dann wurde der Feldgeistliche so ernst, wie ich keinen Menschen zuvor gesehen habe.
Er sagte: „Männer, ich werde nicht versuchen, die Wahrheit vor euch zu verbergen. Ihr seid ein Jahr lang für das ausgebildet worden, was ihr morgen tun werdet, und ihr wißt sehr wohl, was eure Aufgabe ist. Die Armeestatistiken zeigen uns, daß bei einer Invasion wie der, die ihr morgen früh mitmachen werdet, eine Menge von euch nicht überleben werden.
Wir müssen einen Preis zahlen, wenn wir diese Insel bekommen wollen.” Er sagte noch: „Wenn unsere Berichte stimmen, wird die Hälfte von euch Morgen irgendwann vor 8 Uhr sterben. Ich will damit sagen, Männer, daß die Hälfte von euch morgen um 8 Uhr vor eurem Schöpfer stehen wird. Seid ihr dafür bereit?”
Na, was würdet ihr antworten, junge Leute? Ich war damals 18 Jahre alt. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn jemand zu euch sagte: „Morgen früh um 8 Uhr wirst du dem Erlöser über dein Leben, deine Einstellung und deine Tätigkeit Rechenschaft ablegen”? Da war ich nun und saß da draußen und dachte an all meine großen und glorreichen Baseballtage. Sehen Sie, wie unbedeutend sie auf einmal erscheinen? Verträge, Ruhm und Vermögen sind doch im Verhältnis zu den Grundfragen des Lebens wertlos, nicht wahr? Zum ersten Mal in meinem Leben wollte ich wirklich wissen, was es mit der Religion auf sich hatte. Gibt es wirklich einen Gott? Warum stehe ich auf dem Schlachtfeld? Warum sollte ich einen Menschen töten, den ich vorher noch nicht einmal gesehen habe? Tausend Fragen wie diese schossen mir durch den Kopf. Warum? Warum? Warum? Und es sind Fragen wie diese, die wir uns jetzt stellen sollten. Warum tun wir eigentlich das, was wir in diesem Leben alles tun?
Nun, dieser Gottesdienst war zu Ende gegangen. Am nächsten Morgen kam das Pfeifensignal, und wir machten uns für die Landung fertig. Und ich weiß noch, wie ich mich fühlte, als ich auf diesem kleinen Korallenriff an Land gesetzt wurde. Die Flut hatte bereits eingesetzt, das Wasser reichte mir bis an die Brust, und ich mußte mit ausgestreckten Armen, das Gewehr hochhaltend, zum Strand waten. Ich mußte mich durch die toten Körper meiner Freunde schieben, die mit mir zusammen ausgebildet worden waren und die ich lieb gewonnen hatte. Erzählen Sie mir nicht, daß Sie da keine Fragen stellen würden. Warum lag dieser wunderbare Junge, 19 Jahre alt, jetzt mit dem Gesicht nach unten im Wasser? Warum?
Ich erinnere mich, wie ich mich oft mit meinem Vater niedergekniet und ihm zugehört hatte, wie er dem Vater im Himmel freimütig seine innersten Empfindungen und Gefühle zum Ausdruck brachte. Mein Vater war ein intelligenter, fähiger Geschäftsmann; er genoß großes Ansehen in seinem Wohnort; er war ein großartiger Führer, bei dem andere Rat suchten; und doch — auf seine eigene demütige Art kniete er oft nieder und fragte: „Welchen Rat gibst du mir, Herr?” Und ich habe oft zugesehen, wenn mein Vater wieder aufstand, mit einer Träne im Auge, und zum Himmel aufblickte und seinen tiefen Dank ausdrückte.

Bis ich auf der Insel Guam an Land ging, hatte ich Gott nie gekannt. Aber eins wußte ich, als ich da an jenem schicksalsschweren Tag ans Ufer watete, und das war, daß mein Vater wußte, daß Gott lebt und daß mein Vater Antworten von Gott erhalten hatte. Und während ich mir ein Schutzloch ausgrub, wußte ich, daß ich genau das tun konnte, was mein Vater getan hatte. Ich werde ewig dankbar sein für die Führung und Belehrung durch meinen Vater. Als ich mich dann mit entblößtem Haupt niederkniete, inmitten der Gefahr, erschossen zu werden, fragte ich den Vater im Himmel ganz schlicht: „Bist du wirklich da? Lebst du? Ist Jesus Christus wirklich der Erlöser? War Joseph Smith ein Prophet der Kirche, wie ich es mein ganzes Leben gehört habe und nicht verstehen kann?” Und dann kam es. Dieses willkommene innere Versprechen und diese Bestätigung. Der Heilige Geist berührte meinen Geist und sagte mit leiser Stimme: „Es ist so.” So vollkommen war dieses Gefühl in meinem Herzen an jenem Julitag, daß ich dachte, ich hätte tatsächlich aus meinem Loch herauskommen und ohne verletzt zu werden über dieses Schlachtfeld laufen können. Der Friede und die Gewißheit waren so groß.
So erhielt ich die Bestätigung durch den Geist, weil ich mit „festem Vorsatz” (Moroni 10:4) gefragt hatte. Ich hatte vorher tausendmal ohne Gefühl gebetet, weil der Druck von der Familie und der Kirche da war. Aber jetzt wollte ich es wirklich wissen. „Bist du da, Herr? Wirst du es mir sagen?” Und er tat es. Und seit jenem Tage habe ich ihm mein Leben geweiht. Und ich habe Bestätigung auf Bestätigung erhalten, daß diese Kirche wahr ist, daß Joseph Smith berufen und ordiniert war, das Evangelium Jesu Christi wiederherzustellen.
Nun habe ich das aber nicht auf der Grundlage nur einer Bestätigung angenommen, und ich glaube, die meisten Menschen würden das nicht tun. Ich kam aus diesem Krieg zurück und benutzte meine Militärversicherung, um das College zu besuchen. Ich besuchte eine protestantische Theologieschule und machte den Abschluß mit ihren Geistlichen, denn ich wollte wissen, der Schrift nach wissen, ob die Mormonenkirche die Prüfung der Welt bestehen konnte. Und wie glücklich bin ich, Ihnen zu sagen, daß ich nicht nur die Bestätigung durch den Geist bekommen habe, als ich gefragt habe, wie es Moroni gesagt hat, sondern ich habe es ein paar Jahre in einer der besten Theologieschulen an der Westküste auf die Probe gestellt. Und das Evangelium ist wahr, Brüder und Schwestern. Sind Sie bereit, Ihre Zeit und Energie urd Hingabe ins Beten zu investieren, um zu sehen, ob ich recht habe?
Bevor ich in die Schlacht zog, hatte ich mir auf Betreiben meines Vaters einen patriarchalischen Segen geben lassen. Wie Sie wissen, ist das eine Möglichkeit, unter der Hand derer, die das Priestertum tragen, die geistigen Gaben und Möglichkeiten, die in uns wohnenden Fähigkeiten offenbart zu bekommen, und zwar so, daß wir wirklich unser Lebön für die Zukunft danach gestalten können, wenn wir die Evangeliumsgrundsätze befolgen. Dieser patriarchalische Segen sagte mir in einer Reihe von Absätzen, daß ich alt werden würde, daß ich eine Frau und Kinder und gewisse Erfahrungen in der Kirche haben würde. Und dann schloß er wie das oft der Fall ist, mit der Bedingung „wenn du bereit bist”. Sehen Sie? Das ist die Bedingung. „Wenn du bereit bist, Paul, wird das alles geschehen.” Und einer der Absätze deutete auch auf ein Eingreifen Gottes in der Schlacht hin.
Nun war unsere Gefechtsguppe 1000 Mann stark, als wir uns von San Franzisko aus auf diesen verhängnisvollen Weg machten, und als wir zweieinhalb Jahre später zurückkehrten, waren wir nur noch sechs. Und von uns sechs waren fünf zweimal oder öfter schwer verwundet worden. Es hat buchstäblich tausende von Fällen gegeben, wo der Feind meinem Leben eigentlich ein Ende gemacht haben müßte, aber aus irgendeinem Grund wurde ich nicht von der Erde genommen.
Einmal zum Beispiel hatte meine Gruppe den Auftrag erhalten, die Feindstellung und ihr Munitions- und Vorratslager zu finden. Wir sollten einen ganzen Tag und eine Nacht draußen bleiben und am nächsten Morgen zurückkommen. Wir zogen aus und gelangten schließlich hinter ihre Linien, entdeckten ihre Stellung und ihr Munitionslager, vermerkten es auf unserer Karte und machten uns wieder auf den Rückweg. Aber unsere Kampflinie hatte 2ich verlagert, und der Feind hielt jetzt das Gebiet besetzt, wo wir tags zuvor gewesen waren. Wir kamen um einen Hügel herum in ein Tal und dachten, es würde von uns gehalten, aber der Feind hielt jetzt beide Hügel besetzt, und wir waren in dem Tal genau zwischen ihnen. Wir suchten in einem tiefen Granatloch Deckung.
Es war später Nachmittag, als wir uns in dieser prekären Lage befanden. Wir wußten, daß wir bis Einbruch der Nacht da heraus sein mußten, da der Feind bei der Kampflage in diesem Abschnitt mit Sicherheit auf uns stoßen würde. So saßen wir da, elf Mann, und beratschlagten, was wir tun würden und wie wir es tun wollten. Wir waren noch 350 bis 400 m von unseren Linien entfernt. Wir konnten sogar unsere Kameraden herüberrufen hören, als sie unsere Schwierigkeit erkannten, aber es war zu spät. Wir riefen ihnen immer wieder zu, daß wir riskieren wollten, zu ihnen hinüberzulaufen. Wir wollten es sie aber noch wissen lassen, wann wir einen Plan hätten. Und dann dachten wir über unsere Situation nach und kamen zu dem Schluß, daß wir genau bei Einbruch der Dunkelheit als Gruppe Ioslaufen würden, wobei wir uns darüber im klaren waren, daß ein paar es nicht schaffen würden. Aber es war die einzige Möglichkeit, wie wenigstens ein Teil von uns entkommen konnte. Ich kann Ihnen versichern, daß ein langer Augenblick des tiefen Nachdenkens kommt, wenn man da so sitzt und wartet.
Wir wollten genau um 18.15 Ioslaufen, denn da würde es dunkel genug sein, daß man uns nicht so leicht sehen konnte, aber noch hell genug, daß wir den Weg finden konnten. Wir riefen unseren Kameraden zu, daß sie uns so viel Feuerschutz wie möglich geben sollten. Wir ließen alle schweren Sachen fallen: Gewehre, Munition, Taschen und Granaten. Wir nahmen die Sachen so weit wie möglich auseinander, damit der Feind keinen Nutzen daraus ziehen konnte. Dann saßen wir da, in Gedanken versunken, und sprachen miteinander, und die anderen fragten mich, ob ich mich niederknien und ein Gebet für uns alle sprechen würde. Und dann gaben wir uns gegenseitig bestimmte Versprechen, die das Wohlergehen der Familien usw. betrafen, webnn einer von uns es schaffte und die anderen nicht.
Ich trug immer meinen patriarchalischen Segen bei mir, und ich weiß noch, wie ich ihn um 18.05 Uhr durchlas. Ich überflog ihn, und da stand sinngemäß: „Paul, du wirst lange genug leben, um noch bestimmte Dinge zu sehen, wenn du bereit bist.” Menschlich gesehen gab es keine Möglichkeit, aus unserer Situation herauszukommen. Sie hätten selbst da sein müssen, um zu verstehen, was ich ihnen sagen will.
Der Zeitpunkt war herangekommen, 18.15 Uhr. Wir gaben uns die Hand. Und dann sind wir 11 losgerannt, wie Sie wohl noch nie Menschen haben rennen sehen. Drei oder vier kamen gar nicht erst ganz aus dem Granatloch heraus; sie wurden vom Maschinengewehrfeuertödlich getroffen. Einer meiner besten Freunde wurde von Maschinengewehrkugeln fast in zwei Stücke gerissen. Ich hielt an und wollte helfen, aber ich sah, daß es hoffnungslos war und lief weiter. Es hatte stark geregnet; der Boden war glatt und matschig und es war sehr kalt. Man rutschte fast bei jedem Schritt, mit dem man Fuß fassen wollte, aus. Ich rannte im Zickzack, doch ich merkte, daß ein Scharfschütze mit einem Maschinengewehr auf mich schoß, denn der Dreck und Schlamm spritzte überall um mich herum hoch. Ich wechselte die Richtung, und sofortfolgten mir die Schüsse wieder. Ich lief mit aller Kraft. Zu diesem Zeitpunkt lief schon jeder von uns fürsich allein. Als ich ungefähr50Meter von unserem Loch entfernt war, bekam der Scharfschütze mich direkt ins Visier, und der erste Schuß traf mich in den rechten Stiefelabsatz. Er riß mir den Stiefel vom Fuß, ohne meinen Körper zu berühren, und er schleuderte mich herum, so daß ich auf die Knie sank. Beim Hinfallen flogen mir die Schüsse quer über den Rücken und rissen mir den Gürtel, das Eßgeschirr und die Munitionstasche vom Leib. Doch mein Körper blieb unberührt. Als ich wieder aufstand, um weiterzulaufen, traf mich ein Schuß genau hinten am Helm, und er traf in den Stahlteil, prallte genügend ab, daß er über den Kopf hinwegpfiff und spaltete den Helm in zwei Teile, aber ich selbst blieb unberührt. Dann sprang ich wieder nach vorn, und ein weiterer Feuerstoß traf mich in den losen Schulterteil der Kleidung, so daß ich meine Hemdsärmel abnehmen konnte, ohne die Jacke auszuziehen. Dann noch ein weiterer Sprung und ich fiel über unsere Linie in die Arme des schmutzigsten Sergeanten, den Sie je gesehen haben. Er hatte das Ganze mit angesehen und meinte: „Paul, du hast wirklich Glück gehabt.” Dann sollte ich ihm folgen, und ich kroch weiter nach hinten, und ich war der einzige von 11, der überhaupt die ersten 100 Meter geschafft hatte.
Hatte ich Glück? Sie können es nennen, wie Sie wollen. Ich habe Bestätigung auf Bestätigung erhalten. Tausend solcher Fälle sind mir in den zwei Jahren meiner Kampferfahrung passiert. Ich erzähle das alles bloß, weil ich meine, daß die jungen Menschen überall, in der Kirche und außerhalb der Kirche, anfangen müssen, ihre Seele und ihren Stand in diesem Leben ernsthaft zu prüfen, denn sie leben in einer Zeit, wo sie sich noch vorbereiten können.
Paul H Dunn, März 1976

20:46 - 2.11.2008 - Kommentieren


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