Besondere Erlebnisse

Sie erwarteten eine letzte Ölung

Geschrieben in Unbenannt
Ich hörte zum erstenmal von Sharon, als mein Bischof mich bat, im Krankenhaus eine Frau zu segnen, die bei einem Autounfall verletzt worden war. Von meinem Büro bis zum Krankenhaus war es ein ganzes Stück. Ich hatte dort eine andere Schwester besucht und war soeben erst zurückgekommen. An dem Tag hatte ich noch nicht viel gearbeitet, darum machte ich die Fahrt wirklich nicht gern noch einmal und ärgerte mich über die Umstände. Auf der Fahrt zum Krankenhaus waren meine Gedanken nicht sehr positiv.
Sharon und ihre Familie waren auf dem Heimweg vom Urlaub, als ihr Fahrzeug frontal mit einem Lastwagen zusammenstieß.
Sharon wurde bei dem Unfall schwer verletzt und hatte einen tiefen Schnitt über den Augen, einen zertrümmerten Arm, eine gebrochene Nase, innere Verletzungen sowie einen besonders üblen Schädelbruch. Einer von Sharons Söhnen war bei dem Unfall ums Leben gekommen. Ein weiterer Sohn hatte ein gebrochenes Bein. Ihr Mann und die beiden anderen Kinder waren leicht verletzt.
In der Notaufnahme des Krankenhauses hatte der Arzt sie kurz untersucht und dem Personal gesagt, daß er ihr Leben nicht retten könne. Sharon hatte um einen Segen durch das Priestertum gebeten. Als ich im Krankenhaus eintraf, wartete bereits jemand aus der Gemeinde auf mich, um mir beim Segnen zu helfen.
Mein Partner suchte an Sharons Kopf nach einer Stelle, wo wir das geweihte 01 auftragen konnten. Das war nicht leicht, weil ihr Kopf so schwer verletzt war. Schließlich fand er eine kleine, unbedeckte Stelle seitlich am Kopf.
Ich suchte nach Worten für den Segen. Nie zuvor hatte ich einem Sterbenden einen Krankensegen gegeben, daher wußte ich nicht, was ich sagen sollte. Ich ließ mich vom Geist führen. Ich erinnere mich, ihr versprochen zu haben, daß sie ihre Kinder aufziehen würde, daß ihre irdische Aufgabe noch nicht erfüllt sei, daß ihre Familie sie noch immer brauchte und daß ihre Wunden rasch heilen würden.
Das setzte das Personal in der Notaufnahme in Erstaunen. Zum Personal gehörten auch Nonnen, und sie hatten eine Letzte Ölung erwartet. Sie waren zutiefst erstaunt, daß wir einer lebensgefährlich verletzten Frau sagten, sie werde wieder gesund.
Nach dem Segen sagte uns eine der Nonnen, sie fände den Gedanken aufregend, daß Sharon noch eine Chance zur Genesung haben könnte. Dieselbe Nonne rief mich am nächsten Tag an, weil Sharon mich sehen wollte.
Als ich ankam, saß sie im Krankenbett, mit strahlendem Lächeln und leuchtenden Augen. Sie bedankte sich für den Segen und bat mich, aus den heiligen Schriften vorzulesen. Bevor ich ging, sollte ich noch die Sauerstoffmaske zurechtrücken, weil sie ihr immer aus dem Gesicht rutschte. Während ich das Halteband befestigte,
bemerkte ich keine Spuren einer Schädelverletzung.
Ihr Kopf war heil, ohne ein Anzeichen von Blutungen oder gebrochenen Knochen.
Zwei Wochen danach verließ Sharon das Krankenhaus, nur mit einem Arm in der Schlinge und einem kleinen Verband an der Stirn. Für uns beide brachten diese Ereignisse eine seltene Chance. Sie konnte ihren außergewöhnlichen Glauben an das Priestertum beweisen; für mich waren sie ein Anlaß, daß ich mir erneut vornahm, den Dienst des Priestertums gern zu leisten, wann auch immer er benötigt wird.
Richard L. Emery, September 1988

21:22 - 14.03.2009


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Hier veröffentliche ich Berichte aus alten Kirchenzeitschriften mit besonderen Erlebnissen, meist im Zusammenhang über Eingebungen des Heiligen Geistes
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