Wer kennt das nicht? Internet Communities, die eigentlich gegründet wurden, um mit anderen Leuten zu kommunizieren. Natürlich werden diese Möglichkeiten heute noch genauso genutzt, aber immer mehr Menschen geben über Facebook, MySpace oder Studivz einen gewichtigen Teil ihrer Persönlichkeit preis. Sei es über das Profil, über veröffentlichte Fotos oder über all die zahlreichen Gruppen, denen man beitreten kann. Das geschieht bei Einigen bewusst und bei Anderen eher unbewusst. Selbst die Medien warnen vor solch einem „Identitäts-Exhibitionismus“. In Dokumentationen oder Reportagen werden doch fast täglich Tipps gegeben, wie man wenigstens ein bisschen anonym bleiben kann. So kann man beispielsweise Einstellungen vornehmen, die gewisse persönliche Details verbergen. Man kann zwar einer Community beitreten, sollte sich aber dennoch ein Stück Privatsphäre bewahren.
Widmet man sich dem „tadellosen“ Beispiel studivz.net, gibt es nicht ganz ernst gemeinte Gruppen wie Putzen in der Lernphase und Fernsehen in der Putzphase, aber auch Gruppen, die einen leicht stutzen lassen, wie beispielsweise Suizid-warum bis morgen warten. Nun haben Suizidgefährdete schon ein eigenes Portal, in dem sie offen und ehrlich über ihre Gedanken sprechen und sich austauschen können. Das mag keine Neuigkeit sein, denn immerhin gibt es auch ganz andere Communities im Netz für Anorexie Erkrankte, Amokläufer, Rechtsextreme und viele andere. Doch genau wie diese finden moralisch bedenkenswerte Gemeinschaften keine Unterbindung, obwohl so etwas Außenstehende und Involvierte zum Nachdenken anregen sollte. Wenn ich wüsste, dass mein Kind seine Freizeit so im Internet verbringt, würde ich mir Gedanken machen. Nicht nur, was die Interessen meines Kindes angeht, sondern auch über das Ausmaß an zur Schau Stellung seiner Persönlichkeit.
Ich bin der Meinung als Betreiber könnte man einiges einfach verwarnen, löschen, unterbinden oder verweigern. Dies sollte doch im Rahmen der Möglichkeiten liegen. Zur Belustigung kann man sich ruhig einmal die Seiten des Studivz genauer betrachten.
Man kann völlig neue Identitäten entdecken , die einem sonst nur aus Märchenfilmen oder dem Fernsehen bekannt sind. Es finden sich dort Pseudonyme wie Kater Kasimir, Strolchi, Ulla Trulla oder Pinky Pink, ein Deckname für eine pinkfarbene Kamera. Diese sind in guter Gesellschaft neben „Promis“ wie Britney Spears, die zur Uni Carolina geht und wiederrum mit anderen „Celebrities“ befreundet ist. Sie bilden eigene Gruppen mit Mitgliedern von Marilyn Monroe (Uni Innsbruck) bis Heidi Klum (Uni Wien).
Wie viel Zeit oder sogar Langeweile, muss man eigentlich haben um solch eine Seite als „eigene“ Identität aufzubauen? Weitere Fragen, die mich außerordentlich beschäftigen: Was hat man davon? Was hat man nur damals ohne Internet gemacht? Kann man solche Seiten noch ernst nehmen? Und: Sind diese Seiten noch seriös genug? Ich denke diese Fragen kann sich jeder selbst beantworten, wenn er einmal in sich hinein horcht und sich mit dem Thema auseinandersetzt.
Letztendlich muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden was er von sich preisgibt, welche Persönlichkeit er verkörpert und vor allem wie er seine Freizeit im Internet verbringen möchte. Doch manch einem würde es stattdessen nicht schaden, ab und an mal ein Buch zu lesen.
Mandy Bachmann