Brennender Morgen

Vogelfrei

Geschrieben in Vogelfrei

 

Kapitel 1.1 : Mein bester Freund

Es vergingen Tage die so lang waren wie Wochen. Die Gedanken waren nicht die eines normalen Menschen, es waren nicht mehr zimperliche kleine Geistesblitze, Ideen oder Wünsche. Es limitierte sich auf das Mindeste, es gab nur mehr Schaden verursachen. Mehr explodieren, mehr vernichten, mehr niederbrennen. So gingen und kamen die Wutattacken wie Ebbe und Flut. Die Nächte waren kalt, ungemütlich und das Band zur Realität bröckelte immer mehr. Mehr. Mehr. Mehr...
Längst gab es keinen Besitz mehr, kein Zuhause. Abends eine Flasche Whiskey auf der Bank, die Welt aus einem anderen Blickwinkel. Es störte, dieser Gestank, der Dreck, doch dies lag nicht an der Brücke, an der Bank oder an der Wand. Er war es und dann musste auch dies akzeptiert werden. Untergetaucht. Nach der Firma ging es zum Zug, einfach weg. So ging das 100km bis man seine Fahrkarte sehen wollte. In die Hölle kommt man auch ohne Karte und so stieg er aus, irgendwo in einer Stadt die er nicht kannte. Die Ihn nicht kannte, gut so. Der Schaffner wurde solange bequatscht bis die Haltestelle da war. Ein tritt in den Bauch, ein Sprung aus den Zug und wieder in den Schatten der Häuser. Das Manko Geld wurde schnell ein Problem, denn Essen musste man schließlich - wichtiger noch trinken.

Die Oma am Geldautomat braucht kein Geld. Braucht einen Schock, braucht eine neue Story für den Kaffeetisch des Seniorenheims. Braucht Beachtung durch die Polizei die sie wohl anrufen wird, die sie ausfragen, die sensibel sind. Vielleicht war es eine gute Sache, 100 Euro gegen Beachtung und etwas Aufregung. Spannender wie das Warten beim Arztb. Da verteilt man nun doch noch Gutes. Wie schön. Geile Zigarette, geiler Whiskey. Neben dem Penner ist immer Platz, solange Whiskey fließt hat man einen neuen Freund gefunden. Praktisch sind diese Penner, unbeachtet und man kann sie kaufen. Für 2-3 Stunden habe ich einen besten Freund, der hat viel erlebt, viel Scheisse. Er erzählt Dinge die ich nicht glaube aber trotzdem toll finde, denn ich will eine Geschichte, ob wahr oder Mär ist egal. Einen tollen Schlafplatz hab ich nun auch. An einer Schule, tolles Versteck, günstig ran gekommen durch meinen neuen Freund Holger, oder Heinrich - ich weis nicht mehr. Da kann man in den Klassensaal reingucken und mitlernen, sagt er. Noch so ein schönes Märchen, mitlernen, sagt mir der ca. 50 Jährige Obdachlose ganz stolz. Was fürs Leben lernen undso. Die Welt wird wieder ziemlich abgefuckt und nervt. Die Banken sind Schuld, die Zocken und das auf unsere Kosten. Heinrich lallt sich in rage und wird nicht zimperlich wenn es um Spekulationen, Aktienhandel und Fonts und so Zeug geht. Die Banken sind Schuld - die Geier. Heinrich nervt, der seit 30 Jahren Obdachlose beschwert sich gerade über die Börse in bester BILD Manier. Das Gespräch wird anstrengend. Ich hab da keinen Bock drauf, bin besoffen und er nervt. Da will man einen Freund und der quatscht einem populistisches Stammtischgemodder ans Ohr. Ich hau ihm eine rein und er Sackt zusammen.

Ruhe. Musste das sein? Noch ein Schluck. Ja, das musste sein. Noch ein Schluck. Mir ist Schlecht, das Gefühl überdeckt die Gedanken an den Typen neben mir. An Hugo oder so. Nun kann er ja gut schlafen. Mich stört es gar nicht das er aus der Nase blutet. Mir blutet schließlich das Ohr. Scheissfreund. Vielleicht merk ich mir seinen Namen und schreib Ihn morgen an die Wand einer Bank. Als Entschuldigung und damit zum Grund mal wieder auf die Bank zu gehen. Die leere Whiskeyflasche lass ich ihm da, das Pfandgeld ist für Ihn. Ok darauf gibt es kein Pfand, ich lass sie trotzdem da.

 

 

20:07 - 2.11.2012

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