Gran Poder
Hi!
Ich bin momentan krank, weil ich mal wieder was Falsches gegessen habe. Das ist leider sehr ärgerlich, weil ich heute eigentlich bei der Entrada des Gran Poder mittanzen wollte. Letzten Sonntag hatte ich schon bei der Pre-Entrada mitgetanzt und diesen Samstag ist die eigentliche Entrada, die viel länger geht und die im Gegensatz zur Pre-Entrada mit Kostümen ist. Und seit Wochen trainieren wir (einige aus der Fundación) auf diesen großen Tag hin und ausgerechnet jetzt bin ich krank. Das ist echt ärgerlich, weil ich mich so darauf gefreut hatte und jetzt war alles umsonst. Naja, wenigstens konnte ich bei der Pre-Entrada mittanzen, aber das ist einfach nicht das Selbe.
Ansonsten geht es mir aber eigentlich ganz gut. Ich hab hier mal ein paar Fotos für euch hochgeladen, die Jonathan gemacht hatte, der die große Parade sich zum Teil angeschaut hatte.
Tipp an die Neuen: Macht da nächstes Jahr auch unbedingt mit und wenns geht, dann sucht euch eine Tanzgruppe am Anfang, die in Oruro an Karneval tanzt. Man mag es kaum glauben, aber ich finde den Gran Poder hier in La Paz und die Umzüge an Fasnacht in Oruro ebenbürtig mit der großen Sambashow im Sambadrom in Rio de Janeiro.
Nächste Woche bin ich übrigens in Rurrenabaque im Dschungel für fünf Tage um mich mal wieder vom Piranha beißen zu lassen.
So, hier jetzt aber die Bilder!
Lieben Gruß!
Clemens






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Salar de Uyuni
Hallo Ihr!
Am Wochenende bin ich zusammen mit Jonathan und Jan in den Salar de Uyuni gereist. Dazu aber später genaueres.
Zunächst möchte ich von etwas anderem berichten. Und zwar ist am letzten Donnerstag auf Freitag ein Baby im Frauenheim der Fundación gestorben. Das Baby war ca. 1 Jahr alt und hieß Josue. Ich kannte das Kind auch ganz gut und mir tut das sehr Leid für die Mutter, die ihr Kind sehr geliebt hatte. Am Tage vor dem Tod habe ich sogar noch genau mit diesem Baby gespielt. Und ein paar Tage zuvor hatte ich geholfen das Baby vom Kindergarten abzuholen. Ich finde das wirklich krass, wie schnell so ein kleines unschuldiges Geschöpf aus unserer Welt gerissen werden kann. Josue ist erstickt, nachdem er sich im Schlaf übergeben hatte. Zur Beerdigung konnte ich nicht gehen, aber mir wurde erzählt, dass die Mutter den Sarg nicht loslassen wollte, was wirklich furchtbar gewesen sein musste.
Was ich noch des weiteren erzählen möchte, ist, dass Jonathan, mein Zimmerkollege gestern erst überfallen wurde. Er hatte sich am Abend ein Taxi nach Hause genommen und dann sind zwei Männer irgendwo zugestiegen und haben ihn mit dem Messer bedroht. Er musste die Augen schliessen und den Männern sein Geld und sein Handy geben. Dann haben sie ihn irgendwo heraus gelassen, was zum Glück nicht so weit von hier entfernt war. Eine kleine Schnittwunde auf der Rückseite der rechten Hand hat er zum Glück nur davongetragen. Er hatte bedingungslos alles gemacht, was die Erpresser wollten und ich glaube, ich hätte genauso reagiert. Ich bin froh, dass ich noch nie bisher hier in solch eine Situation gekommen bin. Er ist auch der Erste von uns Volontären, die auf diese Art und Weise ausgeraubt wurde. Uns wurde schon oft gesagt, dass so etwas passieren kann, da beispielsweise Max, ein ehemaliger Volontär, das Selbe hatte durchstehen müssen. Man muss echt gut aufpassen, aber so etwas kann hier auch jedem passieren.
So, nach so viel Leid berichte ich jetzt vom Salar de Uyuni, die mit 10582 qkm größte Salzwüste der Welt. Wir hatten Freitags über die Nacht einen Bus nach Uyuni genommen und morgens gleich eine dreitägige Tour durch den Salar und noch zu anderen Attraktionen gebucht. Komplett ermüdet und halb erfroren startete dann die Tour um 11 Uhr. Wir drei saßen nun zusammen mit Ivan aus Cancun, Minagana (auch Mimi) aus Tokio und Philipp aus Toronto in einem Jeep. Unser Fahrer Domingo begleitete uns für die ganze Tour.

Unser erstes Ziel war ein Eisenbahnfriedhof in der Nähe der Stadt Uyuni. Dort konnte man dann auf den alten Lokomotiven herumturnen und coole Fotos schießen. Danach ging es weiter in die 12000 km2 große Salzwüste, die aussah wie weißer Schnee. Das Wetter war zudem auch noch traumhaft schön, wie es eigentlich auch die ganze Tour über war. Wir fuhren zur Incahuasi weiter, der Isla Pescado, in Deutsch zur Fischinsel. Dort aßen wir zu Mittag und spazierten vorbei an gigantischen Kakteen. Ein Kaltus war sogar an die 1200 Jahre alt. Die Aussicht von der Spitze des kleinen nicht versalzenen Hügels, der eigentlich nur ein großes Riff war, war atemberaubend. Ohne Sonnebrille ging aber in der weißen Wüste nichts. Ich hatte ab und zu mal die Brille abgesetzt, um ein paar geile Bilder zu machen, aber dabei muss man die Augen so weit zusammenkneifen, dass es nach ca. 5 Minuten schon schmerzt. Nach einem guten Essen mit Lamafleisch fuhren wir weiter. Am Rande der Wüste, die übrigens übernachteten wir in einem Salzhotel. Im Prinzip ist das ein einfaches Gebäude, nur, dass Wände, Betten, Stühle, Tische, Boden und sogar Nachttisch aus Salzsteinen gebaut sind. Die Nacht verbrachten wir unter vielen Decken, da es draußen Minus 10 Grad war und in dem schlecht isolierten Gebäude keine Heizung gab.


Am nächsten Morgen ging es weiter durch wunderschöne Landschaften zu verschiedenen Lagunen (kleine Seen), in denen sich einige Flamingos tummelten. Eine der Lagunen hieß Laguna Colorada und war richtig rot aufgrund von Eisen, dass aus einem nahen Berg in den See gespült wurde. Auch die anderen Lagunen waren farbig, beziehungsweiße teilweise zugefroren oder einfach mit Schaum bedeckt. Die Lagunen sind allesamt gespeist von gelösten Mineralien, die sich in den Bergen befinden. Die Famingos können dort leben, da sich Algen und kleine Krebse im Wasser tummeln. Am Abend übernachteten wir in einem anderen Hotel diesmal aus Steinen gebaut. Man muss sich das alles aber auch sehr spartanisch vorstellen. Es gab genau wie in dem ersten Hotel abends nur für zwei Stunden Strom. Das Wasser war eiskalt, die Betten ziemlich unbequem und es war einfach nur scheiß kalt.




Am Morgen fuhren wir schon um 5 Uhr los, wobei ich dachte, mir friert jeden Moment ein Zeh ab, weil es einfach so scheiß kalt war und unser Jeep, der auch nicht mehr der Jüngste war, hatte einfach keine Heizung. Nach ca. einer Stunde des Auskältens, erreichten wir eine Ort, an dem es Geysire und heiße Schlammquellen gab. Ziemlich interessant war das, nur immer noch zu kalt. Der aufsteigende Wasserdampf erkühlte so schnell, dass er als feiner Schnee wieder herunterkam. Im Anschluss, nachdem endlich auch die Sonne in den Jeep schien, ging es zu heißen Quellen, in denen wir dann auch badeten. Ihr glaubt gar nicht, wie gut das getan hatte. Gebadet und mit Frühstück gesättigt fuhren wir weiter durch die Andenlandschaft. Ab und zu kamen wir auf Höhen wie 4800 Meter. Immer wieder hielten wir an, um Fotos zu schießen und um einfach die weiß gepuderten Berge zu betrachten. An einem Grenzberg zu Chile, besser gesagt der Vulkan Licancabour (5916m) hielten wir, um die Laguna Verde und die Laguna Blanca zu betrachten. Die Laguna Verde hatte eine echt eklige Farbe und war auch die Einzige, die keine Tiere oder Pflanzen nutzen, da sie einfach extrem giftig war durch die hohe Konzentration an Mineralien. Ich finde das echt bemerkenswert, dass die Natur manchmal nicht Natur ist. Nach vielen weiteren Orten wie Lavafelder und Gesteinsansammlungen erreichten wir am Mittag ein kleines Dorf (das erste seit zwei Tagen). Dort aßen wir zu Mittag und fuhren dann zurück nach Uyuni.



Die Fauna und Flora der Anden ist wirklich bemerkenswert schön. Ich habe diese drei Tage in vollem Maß genossen und ich finde, ich habe einen der schönsten Orte in meinem Leben gesehen.
Einen ganz lieben Gruß an alle!
Clemens
(P.S.: Für alle, die mich dauernd fragen: Ich lande am 23.Juli nachts.)
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Potosi y Sucre
Hallo!
Letzten Mittwoch hatten wir in meinem neuen Projekt Apoyo Familias zwei Versammlungen mit den Familien veranstaltet. Eine fand am Morgen und eine am Nachmittag statt. Jeden Monat hat mein Projekt eine Versammlung mit allen Familien, die kommen können. Auf den sogenannten Reuniones wird immer ein anderer Referent eingeladen, der zum Beispiel über Aids aufklärt. Diesen Mittwoch hatten wir die Zahnärztin der Fundación, Verónica, eingeladen, die einen sehr guten Vortrag über die Wichtigkeit des Zähneputzens gemacht hatte. Zusammen mit einem Beamer konnte sie den Familien per Powerpoint-Präsentation aufzeigen, was passieren kann, wenn man sich nicht um seine Zähne kümmert. In Europa und auch anderen Industrieländern der Welt ist eigentlich selbstverständlich, dass man sich die Zähne putzt, doch hier haben viele noch nie etwas von Zahnbürste oder Zahncreme gehört. Dementsprechend schlechte Zähne hab ich hier schon gesehen. Als ich noch im Casa de Paso war, wo auch die Zahnärztin ihre Praxis hat, habe ich oft genug mitbekommen, wie Verónica einem Kind oder auch einem Jugendlichen einen Zahn ziehen musste, weil der vor zu viel Karies schon schwarz geworden war. Viele Menschen hier sind einfach nicht aufgeklärt, was Zahnsachen angeht, aufgrund der Unterentwicklung der Menschen, die wie schon oft gesagt auf dem Land noch geringer ist wie hier in der Stadt. Viele Menschen ziehen hier her in die Stadt und haben daher nur wenig Ahnung. Sie essen hier das, was eben alle auch essen und das sind viele Süßigkeiten, die vorallem die Kinder zu essen bekommen. Und ohne Wissen, wie man vorsorgen kann, passiert hier kaum Prävention. So eine Zahnbürste kostet umgerechnet 20-30 Eurocent und eine große Tube etwa 50-60 Eurocent. Das ist ein Preis, den auch die Armen zahlen können, es fehlt lediglich an Aufklärung, die wir eben an diesem Tag realisiert haben. Danach gab es dann noch eine Früchteverteilung an alle Familien. Die Früchte gibt es nach jeder Versammlung, also einmal im Monat, für alle Familien. Dieses Mal waren es zehn Bananen, zehn Birnen, zehn Orangen, zehn Mandarinen und eine Papaya für jede Familie. Die Früchtekomposition variiert jedes Mal. Übrigens hatten wir im Team entschieden, Zahnbürsten und Zahnpasten noch zusätzlich zu geben, die wir von meinem erhaltenen Spendengeld gezahlt haben.
Am Mittwoch Abend begann unser monatlicher Volontärsausflug. Wir fuhren über Nacht in die höchste Stadt der Welt, nach Potosi (4070m) und kamen dort morgens um 7 Uhr an. Wir bezogen gleich unser Hostal und schon um 9 Uhr trafen wir wieder zusammen, um gemeinsam eine Mine des legendären Cerro Rico ("Reicher Berg") zu besuchen. Das ist ein großer Berg am Rande der Stadt, der seit der Stadtgründung 1545, also gerade mal 53 Jahre nach Kolumbus Entdeckung, an Erzen und Metallen ausgebeutet wird. Zu Beginn wurde hauptsächlich Silber abgebaut und heute lediglich nur noch Zinn- und Zinkerz. Der Berg ist total durchlöchert von allen möglichen Minen, die über die Jahrhunderte angelegt wurden, um Adern zu folgen, die den Berg durchziehen. Anfangs hatte man versucht Sklaven aus Afrika in den Minen zu verwenden, aber das war zunächst ein Verlustgeschäft, da die Afrikaner durch die harte Arbeit und die dünne Luft schnell starben. So setzte man also Ureinwohner ein, die die Höhen gewohnt waren. Heutzutage arbeiten auch noch sehr viele Menschen in den Minen. Der Lohn der Arbeiter ist jedoch sehr gering. Trotzdem versuchen viele ihr Glück, um doch noch reich zu werden, indem sie nach Adern suchen, die noch nicht ausgebeutet wurden. Übrigens arbeiten auch noch einige Kinder in den Minen, die genau wie die Erwachsenen ihr Glück versuchen.
Wir bekamen von einem Guide Kleidung gestellt, die uns vor Schmutz in den Minen schützen sollte. Nach einem kurzen Besuch auf einem Markt für die Minenarbeiter fuhren wir zu einer Mine hoch. Auf dem Markt hatten wir Coca-Blätter und Alkohol oder Zigaretten für die Minenarbeiter gekauft, die wir in den Minen antreffen würden. Außerdem benutzten wir einige Blätter, um sie dem Tio, dem Gott der Minen zu opfern. Dieser Tio ist der Schutzgott der Minenarbeiter und wird von den Mineros verehrt. Daher haben wir natürlich auch um seinen Schutz gebeten. Die Menschen in den Minen sind sehr abergläubig, das aber seinen Grund hat, denn der Berg gilt als Menschenfresser. Bis heute sind schon mehr als 8 Millionen Menschen in den Minen gestorben. Das hat mich allerdings auch nicht gewundert, denn die Mine, in der wir waren, war nicht abgestützt und ich kam mir vor, wie in einem Museum, denn alles war richtig veraltert. Keine Maschinen, sondern lediglich Hammer und Stemmeisen, alte Wägen, die auf Schienen nach draußen geschoben wurde und Dynamit gab es.
Wir stiegen also zusammen weiter in den Berg und unser Guide führte uns in einen Abschnitt, in denen einige nicht mit rein wollten, weil man wirklich sportlich und ohne Angst sein musste. Dort am Ende eines herausgearbeiteten Stollens war gar kein Platz und man konnte kaum atmen, weil es keine Frischluftzufuhr gab. Also ein Horror für jeden, der ein Problem mit Enge hat. Dort drin hatte ich ehrlich auch ein wenig meine Bedenken, ob denn auch alles heben würde usw. Wieder zurück beim Rest der Gruppe hörten wir dann an die acht Mal ein leises Bumm. Unser Führer meinte, dass in einem anderen Teil des Berges gesprengt wurde. Das war wirklich sehr beeindruckend. Endlich wieder raus aus den Minen zündeten wir dann noch eine Dynamitstange mit genügend Abstand natürlich.
Am Mittag gings in das Casa de la Moneda. Dort drin wurden einst spanische und andere Münzen geprägt. Das war auch sehr interessant. Freitags fuhren wir mit einem Bus zur Laguna Tarapaya. Dieser kleine See führt warmes Wasser und ist ein alter Vulkankrater. Angeblich soll er heilende Kräfte besitzen und sogar der berühmte Inka Huayna Pacac soll schon darin gebadet haben. Das Wasser war wirklich schön warm, aber schon nach kurzer Zeit im Wasser war einem echt zu heiß und man wollte nur noch raus. Dort haben wir dann den halben Tag über relaxt und ich hab mir natürlich mal wieder einen fetten Sonnenbrand eingezogen.
Abends ging unsere Tour dann weiter nach Sucre (1538 erbaut), eine Stadt, die ca. vier Stunden von Potosi entfernt liegt. Sucre ist die ersterbaute Stadt Boliviens und offiziell die Hauptstadt Boliviens, wobei sich dort lediglich die judikative Gewalt des Landes befindet. Den Freitag Abend verbrachten wir teilweise in den Discos dort in Sucre. Am nächsten Morgen besuchten wir gemeinsam das Casa de la Libertad. Dort drinnen hatten wir eine Führung, die uns etwas über die Gründung und die Unabhängigkeit Boliviens erklärte, denn dort drinnen wurde die Unabhängigkeitserklärung geschrieben und auch diente das Gebäude als anfängliches Parlament. General Don Antonio José de Sucre hatte 1825 die Unabhängigkeit in diesem Haus begründet, weshalb das Gebäude, ein ehemaliges Kloster, wirklich der Meilenstein für das heutige Bolivien ist.
Am Mittag stiegen wir noch auf einen kleinen Berg hinauf, um dort ein altes Franziskanerkloster namens Recoleta (1601 erbaut) zu besuchen. Das Kloster ist wirklich sehr schön und vor allem auch sehr angenehm ruhig zum ausspannen. In einem Garten des Klosters steht ein bolivianisches Nationalmonument, ein dicker Baum, der schon 1500 Jahre auf dem Buckel hat.
Über Nacht fuhren wir dann wieder zurück nach La Paz. Am Morgen waren wir in einen großen Stau gekommen, bei dem sich nichts mehr bewegte. Ich stieg genau wie andere Mitreisende aus dem Bus und beschloss zusammen mit Roger mal in Richtung des Grundes für den Stau zu laufen. Nach ca. 2 eisig kalten Kilometern trafen wir an einem Unfallort ein. Genau wie wir gab es ganz viele Schaulustige, die um die Rettungsarbeiten herumstanden. Zwei Laster waren frontal zusammengestoßen. Der eine Laster war dabei Umgekippt und ziemlich zerstört. Der andere Laster war nur von Vorne komplett platt. Als wir angekommen waren, sahen wir, wie ein Rettungsfahrzeug mit einer Seilwinde an dem einen noch stehenden Laster von vorne zog. Mit einem heftigen Zug zog das Fahrzeug und dabei fiel aus dem Fahrerhäuschen eine Leiche. Ich stand genau davor und war voll erschrocken, weil ich nicht mehr damit gerechnet hatte, so etwas zu sehen. Die Leiche wurde sofort auf eine Trage gehieft und zugedeckt. Ein paar Frauen vor Ort hatten angefangen zu heulen und ich hätte mir den Anblick der zermatschten Leiche auch lieber ersparrt.
Ganz viele liebe Grüße aus dem viel zu sonnigen La Paz!
Clemens

Elli, Brigitte und Marcia

Anni, Tio Verehrungsstätte, David

Laguna Tarapaya

Sucre, Plaza 25 de Mayo

ein Teil des Klosters
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Apoyo Familias
Hallo Ihr!
Jetzt nach langem Warten schreibe ich mal wieder einen Eintrag, auch wenn es wirklich nicht viel zu erzählen gibt.
Die ganze letzte Woche war Herr Funke hier in La Paz und hat uns Volontären bei der Arbeit besucht wie auch Daheim. Er wohnte die Woche über beim Padre in Achumani, ein Stadtteil in der Zona Sur. Am Donnerstag Mittag hatten wir dann eine Reunión (Versammlung) mit ihm hier bei uns in der Volontärwohnung. Zusammen hatten wir einige wichtige Themen besprochen. Anschließend trafen wir uns dann alle in einem österreichischen Restaurant in Sopocachi zusammen mit Johanna und dem Padre José zum gemeinsamen Abendessen auf Kosten von Herrn Funke. Das Essen war richtig lecker und wir konnten uns mal wieder alle mit Herrn Funke gut austauschen. Herr Funke ist übrigens der Mann, der die Geschäfte der Fundación in Deutschland führt. Er ist also auch der, der mir das alles hier ermöglicht hat. Leider ist Herr Funke gestern schon wieder abgereist, Hoffentlich kommt er ohne Verspätungen an wegen dieser riesigen Aschewolke, die ja ganz Europa im Flugchaos hält. Übrigens ist Jessi, die Freundin von Chris, die jetzt längere Zeit hier war, am Donnerstag schon zurückgeflogen und nach meinem aktuellen Stand hängt sie seither in Miami am Flughafen fest mit ein paar Dollar und ohne Kreditkarte, die ihr hier geklaut wurde.
In meinem neuen Projekt Apoyo Familias fühle ich mich übrigens ziemlich wohl. Meine Arbeit besteht darin, dass ich Familien, die in dem Projekt aufgenommen wurden, zu besuchen und daraufhin dann einen Bericht zu verfassen, in welchem Zustand sich die Familie befindet und inwieweit man helfen kann. Zudem gibt es einmal im Monat eine Lebensmittelausgabe, also beispielsweise waren es am ersten Montag im April Mehl, Milchpulver und Nudeln in großen Mengen. Im nächsten Monat sind es dann andere Lebensmittel. Und ansonsten muss ich Botengänge öfters mal erledigen, aber das ist ja nichts Neues für mich. Bei meiner Arbeit komme ich auch genau wie in meinem alten Projekt sehr viel im Stadtgebiet herum. Aber nicht nur La Paz sondern auch El Alto sind Ziele für mich. Wenn ich dann mal nach El Alto muss, dann kann das schon sein, dass ich vom Büro bis dorthin und wieder zurück bis zu 5 Stunden brauche, was wirklich ne Menge ist, aber viele Familien leben eher in Randgebieten, eben da, wo die extreme Armut zuhause ist. Unser Büro ist übrigens nicht im Casa de Paso. Dort war ich ja bisher immer untergebracht. Nein, das Büro ist in einem anderen Stadtteil im Casa Refugio, das ja das Frauenheim ist. Hier esse ich jetzt auch mit den ganzen Frauen und manchmal auch deren Kindern zusammen, wenn der Kindergarten mal wieder ausgefallen ist. Aber das Essen dort ist sehr viel leckerer wie im Casa de Paso. Zum Glück, denn das Essen dort im Casa de Paso schmeckte noch nie wirklich gut. Die Köchin vom Casa Refugio ist einfach spitze. Und das Beste ist, dass es jeden Morgen auch noch Brötchen mit Tee gibt, was es bei meinem alten Job ja auch nicht gab. Ziemlich interessant, nicht??? ;) Das musste ich einfach erwähnen. Die Familien, die ich bisher schon kennengelernt habe, sind wirklich nett und offen zu mir. Aber meine Arbeit ist doch schon sehr traurig. Was ich hier an Armut sehe, kann man sich in Deutschland nicht vorstellen. Da gibt es zum Beispiel eine Familie, die aus einer Mutter mit 6 Kindern besteht. Der Vater ist abgehauen und die Familie hat wirklich nichts außer einem kleinen Zimmer mit ein paar Decken auf dem Boden, auf denen alle schlafen. In einer Ecke liegen ein paar Klamotten. Es schimmelt überall. Ein kleiner Topf und eine kleine Kochstelle stehen in einer Ecke und die Kleinkinder rennen halb nackt durch das Zimmer und halten die völlig überarbeitete Mutter auf Trab. So etwas ist wirklich richtig traurig und eigentlich kann man das gar nicht mehr beschreiben, weil einem dafür wirklich die Worte fehlen. Und das ist ja nur ein Fall. Dann gibt es noch die Fälle, bei denen Krankheiten oder Gewalt oder Alkoholismus an der Tagesordnung sind. Das wirklich traurige ist, dass so etwas für mich mittlerweile normal ist zu hören. Ich kann wirklich die schlimmsten Szenerien sehen und hören und mich bewegt das oft gar nicht mehr so schlimm. Das war nicht immer so. Ich weiß noch, wie ich am Anfang hier in Bolivien richtig damit kämpfen musste, das zu verarbeiten und Mitleid oder sonstige Gefühle zu unterdrücken. In gewisser Weise stumpft man hier ein wenig ab, aber anders ist das auch nicht möglich. Ich könnte nicht bei jedem Armutszeugnis, das ich sehe, losheulen. Das würde mich einfach nur fertig machen. Außerdem muss ich mir einfach immer wieder sagen, das meine Hilfe hier nicht die Welt verbessert. Ich kann lediglich nur einen kleinen Teil bewegen und hoffen. Nebenbei bemerkt ist das, was ich gerade gesagt habe ziemlich wichtig für euch Neue, die hier auch schon mitlesen. Ich hoffe, Euch helfen unsere Einträge ein wenig weiter.
So, genug mit der Schwafelei. Ich hoffe mal, euch daheim im aschebedeckten Europa geht es gut!
Muchíssimos Saludos a mis amores!
Clemens
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Bruderherzreisen(2)
Hey!
Jetzt komm ich zum zweiten Teil der Reise. Wir kamen ja wie gesagt am Montag Abend zurück von unserer Reise nach Chile und buchten am Busbahnhof gleich mal unserer Weiterreise für den nächsten Morgen.
Um 8.30 Uhr fuhr unser Bus ab und wir waren trotz des frühen Morgen schon in euphorischer Stimmung. Das kam daher, dass uns der Bus über die Grenze nach Peru und weiter zur sagenumwobenen Stadt Cusco bringen sollte, was er dann auch mit leichter Verspätung tat. Angekommen ließen wir uns von einem eigentlich viel zu teurem Taxi zu einem deutschen Hostal in Zentrumsnähe bringen, das wir in Georgs Reiseführer gefunden haben. Das Hostal hatte Jonathan und mir jedoch nicht sehr zugesprochen und so haben wir uns alle zusammen ein anderes nahegelegenes Hostal gesucht, das zwar immernoch relativ teuer war, jedoch echt cool.
Eine Nacht später, nach einem Frühstück in einem Zimmer, das einem antiken Ritterzimmer ähnelte, erfuhren wir in einem Reisebüro, dass Machu Picchu, die alte Inkaruine, geschlossen war. Eigentlich wussten wir das auch, dass es nicht leicht sein würde dorthin zu kommen wegen eines abgeschnittenen Weges dorthin per Zug, aber wir wollten auch per Fuss dorthin laufen, was uns als geöffneter Weg in La Paz garantiert wurde. Der Weg oder auch Inkatrail zu den Ruinen war aber dann in Cusco auf einmal gesperrt, so dass uns nichts anderes übrig blieb, Machu Picchu zu vergessen und uns dafür andere Sehenswürdigkeiten anzusehen.
Cusco ist eine wirklich wunderschöne und sehr interessante Stadt. Wir haben uns dort das Zentrum angeschaut, das dem typischen Bild einer reichen Kolonialstadt der Spanier entspricht. Cusco ist jedoch ursprünglich eine Inkastadt gewesen, besser gesagt die Hauptstadt des Inkareiches und existiert schon seit dem 13. Jahrhundert.



Cusco (oben) und Georg (unten) beim Reiten üben
Für Donnerstag hatten wir uns am Vortag eine Eintagestour Trekking gebucht. Schon früh morgens ging die Tagestour los. Wir fuhren zusammen mit einem Fahrer und einer Führerin in einem Jeep raus aus Cusco. Nach etwa einer Stunde hielten wir und stiegen aus. Wir waren angekommen im heiligen Tal. Das heißt so, weil es eine sehr fruchtbare Gegend ist, die die Inka und auch die heutigen Bauern agrarisch gut nutzen konnten bzw. können. Das erste Ziel waren die Moray, eine Art Inkaruinen aus mehreren Stockwerken, die in eine Hügelmulde gebaut waren und die einfach nur intelligente Gewächshäuser waren. Leider ist das etwas schwer zu erklären, daher einfach mal das Bild unten betrachten. Die Inka haben diese Stockwerke kultiviert und so einen optimalen Ausgleich von Wasser- und Lichtzufuhr für die unterschiedlichen Nutzpflanzen geschaffen. Das hat mich wirklich sehr beeindruckt, wie fortgeschritten die Inkas schon zu Zeiten des Mittelalters waren.



Die Moray (oben) und die Landschaft dort
Die Tour führten wir per Fuß fort, wobei wir die schöne Landschaft genossen haben und uns von Campesinos (Bauern) ansprechen ließen. Vorbei an vielen vielen Feldern erreichten wir die Salzminen. Das sind etwa an die 6000 kleine Wasserbecken, die von einem unterirdischen Salzbach gefüllt wurden, um so durch die Verdunstung das weiße Gold zu gewinnen.
Später wollten wir dann noch eigentlich in eine andere kleine Stadt, doch das ging nicht aufgrund von Protesten. Darum holte uns der Jeep an den Minen ab und wir fuhren zu einem nahegelegene See zum Mittagessen und danach noch zu einem Dorf, in dem wir eine Vorführung bekamen, wie die Ureinwohner Kleidung herstellen.


Die Salzminen und die Vorstellung der Herstellung von Kleidung
Am späten Abend saßen wir dann wieder im Bus zurück nach La Paz.
Freitag Mittag kamen wir an und wir buchten gleich in La Paz eine Eintagestour für den folgenden Samstag. Wohin? Klar, natürlich sollte es noch einmal für Jonathan und mich und zum ersten Mal für Georg und Tino die Death Road runter gehn. Ich habe schon einmal von der Death Road berichtet, also kramt mal in meinen Archiven. Die Abfahrt am nächsten Morgen war mal wieder atemberaubend gut und diesmal bin ich heil unten angekommen.
Viele liebe Grüße!
Clemens




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