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Anarchie? Was ist Anarchismus?

01:14, 14.10.2009

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Die Confront Aktivisten haben sich mit dem Thema "Anarchismus" auseinander gesetzt. Der Artikel gibt nicht die Meinung der Gruppe wieder.
Wir wollen Vorurteile ausräumen, die im Zusammenhang mit diesem Thema existieren. Dafür wird der historische Kontext, in dem Anarchismus entstand, genauer beleuchtet.

Folgender Text ist dabei enstanden.
Confront möchte im Central Kino e.V. den Dokumnetarfilm "Vivir la Utopia", im Rahmen einer politischen Filmvorführung, zeigen. Im Anschluß an den Film ist eine Diskussionsrunde geplant.

Anarchie, -was ist das eigentlich?

Für viele Menschen ist Anarchismus gleich Chaos, was Schuld der Medien ist, da das Wort als Synonym für chaotische Situationen oder Terrorismus gebraucht wird, aber dem ist nicht so.

Anarchie leitet sich von dem griechischen Wort „anarchia“ ab und bedeutet  Herrschaftslosigkeit. Leben ohne Herrschaft heißt leben in Freiheit und nicht leben im Chaos. Anarchismus ist eine Lebensform in der es keine zentralen Machtorgane, wie beispielsweise Parteien oder Diktatoren gibt. In der keine Grenzen zwischen den Völkern liegen, in der nicht Geld das Leben der Menschen beherrscht, in der alle Menschen gleiche Rechte haben und in Solidarität und Freiheit, friedlich zusammen leben können.
Die Urväter der Erklärung und Anleitung zum Anarchismus, sind die Philosophen Pierre Joseph Proudhon, Michael Bakunin und Peter Kropotkin. Michael Bakunin und Kropotkin möchte ich hier zitieren, um die Theorie des Anarchismus näher zu erläutern.
 

Bakunins Vorstellung zur Lebensform des Anarchismus gibt er zum größten Teil im Buch „Staatlichkeit und Anarchie“ wieder. In seinen Theorien über den Anarchismus steht die Zerstörung jeglichem staatlichen System im Vordergrund. Wie die Menschen ihre Anarchie dann gestalten und organisieren, ist dem Menschen und seiner Natur selbst überlassen. Er gibt nur leichte Andeutungen zur Organisation in Kommunen. Der Naturwissenschaftler Peter Kropotkin versucht den Anarchismus in dem Buch „Der Anarchismus Ursprung, Ideal und Philosophie“ auf naturwissenschaftlicher Weise zu ergründen, in diesem bezieht er sich zum Teil auf die Tierwelt und auf Ereignisse in der Geschichte, in der anarchistische Ansätze bereits auftraten. Zu dem gibt er im Gegensatz zu Bakunin seiner Vorstellung vom Anarchismus eine gewisse Struktur, keine Vorgabe eines Systems, doch einen kurzen Leitfaden zum Leben ohne Herrschaft. In dem propagiert er eine Selbstverwaltung, durch den Arbeiter, in freiwillig organisierten Kollektiven, welche in Förderationen zusammen geschlossen sind. Die Aufteilung der Erzeugnisse könnten über Tauschbanken gerecht verteilt werden. Was und wie die Gesellschaft weiter hin lebt und wie sie auftretende Probleme lösen überlässt er dann aber auch der Gesellschaft selbst.

Praxis
Kommen wir jetzt zur Praxis, um ein genaueres Bild des Anarchismus zu zeigen. Dieses werden wir mit einem Bezug auf die anarchistische Bewegung während des spanischen Bürgerkrieges und der indigene Guerillaorganisation EZLN (Ejercito Zapatista le Liberacion Nacional auf deutsch Zapatistische Armee der nationalen Befreiung ) in Mexico ( Chiapas ) nahelegen. Dafür  werden wir die Organisation und die erreichten Ziele, der anarchistischen Bewegung in Spanien, betrachten. Die anarchistische Bewegung in Spanien hatte ihr Fundament in der Gewerkschaft CNT
( Confederacion Nacional del Trabajo / Nationale Föderation der Arbeit ), welche eine Mitgliederzahl von ca. 2 Millionen erreichte und somit einer der einflussreichen Akteure neben den Kommunisten ( Stalinisten ) gegen General Francisco Franco im spanischen Bürgerkrieg war. Diese anarchistische Bewegung war in Katalonien, Aragonien und Andalusien stark vertreten und organisierte in diesen Gebieten nach und nach das freie Leben bis zur Niederschlagung durch Franco. In der Zeit bis zur Niederschlagung, die auch abhängig von dem Verrat der Kommunisten und der Unterstützung Francos durch Hilter war, konnten diese Erfolge verzeichnet werden:

1. Komplett Abschaffung des Geldes oder Einführung von Arbeitsmarken in manchen Gebieten
( Tauschbanken ).

2. Jeder hatte einen Wohnraum, Industrie und Landwirtschaft wurde der Allgemeinheit zur  Verfügung gestellt. Kollektive bildeten sich freiwillig, im Gegensatz zur zwangsvollen Einführung der Kollektive in der Sowjetunion. Die Arbeiter organisierten alles selbst. Arbeiter wählten Leute aus, welche die Waren gerecht verteilten.

3. Die Arbeitszeiten konnten extrem verkürzt werden, ohne das es eine Einschränkung der Produktivität gab. ( meist auf 5-6 Stunden täglich )

4. Der Reichtum der Bevölkerung stieg gleichzeitig an und erfüllte alle
Lebensnotwendigen Bedürfnisse.

Die Zapatistische Bewegung ist ein Beispiel aus der heutigen Zeit. Die Zapatisten sind eine Guerillabewegung, die seit 1994 Gebiete in Mexiko besetzen. In diesen Gebieten haben sich die Zapatisten autonom organisiert. Sie haben eine rotierende ( meistens 3 Wochen), basisdemokratische Regierung eingerichtet. Noch heute leidet diese Bewegung unter der Repression des mexikanischen Staates, welcher Paramillitärs auf die Zapatisten ansetzt.

Wir hoffen das wir euch einen kleinen Einblick geben konnten und euer Interesse geweckt haben.
Mehr darüber erfahren, könnt ihr auf folgenden Internetseiten:

de.wikipedia.org/wiki/Anarchie
de.wikipedia.org/wiki/Zapatisten
de.wikipedia.org/wiki/Kropotkin
de.wikipedia.org/wiki/Bakunin
http://www.youtube.com/  "Vivir la Utopia, Die Utopie leben" - Dokumentarfilm


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