Der Tag, an dem die Erde stillstand (2008)

Geschrieben von Nosferatu am 21.12.2008 um 22:06 in Filme. 0 Kommentare. Link.
Da ist er ja, der alljährliche Blockbuster zu Weihnachten! Der Tag, an dem die Erde stillstand heißt er also und ist ein opulent inszeniertes Remake des gleichnamigen Science Fiction-Klassikers von 1951. Doch was macht er her? Seelenlose Aneinanderreihung modernster Computertricks oder doch tiefgründiges Meisterwerk mit Starbesetzung...?



Kleine grüne Männchen... nicht!
Der Film beginnt damit, dass eine gigantische Kugel im New Yorker Central Park landet, aus der ein unbekanntes Wesen steigt. Von den angerückten Militärs angeschossen, wird es in eine Forschungseinrichtung verfrachtet und entpuppt sich wenig später als Mensch - so zumindest scheint es. Jedoch ist Klaatu, so der Name des Außerirdischen, ein Abgesandter einer Zahl außerirdischer Rassen, die es auf die Menschheit abgesehen haben, um die Erde zu retten. Das klingt zunächst paradox, hat aber - ohne hier großartig spoilern zu wollen - einen tieferen Sinn, der im Laufe des Filmes klar wird. Wie auch immer, Klaatu gelingt die Flucht aus dem Forschungstrakt und ist drauf und dran seine vorbereitenden Pläne durchzuführen, bis er der Astrobiologin Helen wiederbegegnet, die ihm bereits aus seiner Gefangenschaft bekannt ist. Natürlich setzt diese alles daran, Klaatu von seiner Überzeugung, die Menschheit zu vernichten, abzubringen und es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die zerstörerische Macht der außerirdischen Besucher ist bereits entfesselt...

Krieg der Welten?
Zuerst möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich das Original aus dern Fünfzigern nicht kenne, ein Vergleich zwischen beiden für mich also nicht möglich ist. Deshalb soll in dieser Rezension ausschließlich das Remake im Mittelpunkt stehen.

Fangen wir mit einigen kritischen Worten zur Story an. Die macht an und für sich ganz schön was her, hat aber doch mit einigen Längen zu kämpfen: Nach dem spannenden Anfang und der Flucht Klaatus scheint der Film nämlich ein wenig auf der Stelle zu treten. Das könnte man als Atempause zwischen den gelungenen Actionsequenzen deuten oder aber als dröges Füllwerk zwischen ebendiesen. Gegen Ende nimmt der Streifen dann wieder ordentlich an Fahrt auf und gipfelt schließlich in einem mitreißenden Finale. Allerdings gestaltet sich die Lösung des Konfliktes Außerirdische contra Menschheit reichlich unglaubwürdig, da hätte etwas mehr Erklärungsarbeit nicht schaden können.
Insgesamt hält sich der Tag an das Strickmuster des modernen Popcorn-Films und das ist auch überhaupt nicht schlimm, denn etwas anderes will er gar nicht sein.

Unendliche Weiten...
Doch halt! Als Filmkenner erinnere ich mich, dass das Original seinen Kultstatus der Tatsache zu verdanken hat, dass er eine Botschaft des Friedens zu vermitteln versuchte und Außerirdische erstmals nicht als stumpfe Aggressoren darstellte. Hier kommen wir also tatsächlich nicht um einen kurzen Vergleich herum. In der Tat hat auch die Neuverfilmung eine kritische Botschaft zu bieten, allerdings tritt sie zugunsten der visuellen Effektepracht deutlich in den Hintergrund. Und die Aliens sind eigentlich gar nicht so friedlich, sondern haben im Grunde ganz schön egoistische Absichten...
Summa Summarum passt man sich auch hier dem kurzweiligen Entertainment-Kino an und ummantelt den durchaus anspruchsvollen Kern mit einer dicken Schicht explosiver Action. Aber sei's drum, wer Anspruch sucht, sollte ein Buch lesen... ;)

Klaatu nach Hause telefonieren...
Durchwachsen gestaltet sich die schauspielerische Leistung des prominenten Star-Ensembles rund um Keanu Reeves als Klaatu. Reeves verkörpert den außerirdischen Gesandten zwar durchaus passend mit einer gewissen Kühle und Emotionsarmut, wirkt aber an einigen Stellen etwas unterfordert und merkwürdig seelenlos. Jennifer Connelly als Wissenschaftlerin Helen kann man hingegen wenig vorwerfen, souverän umschifft sie die undichten Stellen im Drehbuch und beweist damit nicht zum ersten Mal ihr schauspielerisches Können. Und dann hätten wir da noch den Sohn von Will Smith, Jaden Smith, der Helens Stiefsohn spielt und mich persönlich nicht wirklich überzeugen konnte. Meine Meinung zur Schauspielleistung von Kinder habe ich bereits in meiner Rezension zu Die Chroniken von Narnia dargestellt und hier fühle ich mich ein weiteres Mal bestätigt...

Die Macht ist stark in dir, junges Remake!
Letztlich stellt sich die Frage, ob sich der Kinobesuch überhaupt lohnt, angesichts der vielen Schnitzer. Die Antwort ist ein klares Jein. Die Action ist gut inszeniert, die Effekte lassen nichts zu wünschen übrig und ein bisschen wird man ja doch zum Nachdenken angeregt, angesichts der Aussage, die der Film zu vermitteln versucht. Ob er aber eine Vollpreis-Kinokarte wert ist, sei mal dahin gestellt....

Zum Abschluss noch eine Sache, die mich persönlich wirklich gestört hat, nämlich das übertriebene Product Placement. Man ist es ja inzwischen schon gewohnt, dass einem in Filmen ständig und überall Markennamen und -logos ins Auge springen. Aber wie extrem hier geworben wird, ist schon fast unverschämt: Natürlich muss Klaatu unbedingt zu McDonald's, das Pioneer-Radio des Truckers noch einmal in der Großaufnahme dargestellt werden und ausgerechnet Microsofts futuristischer Surface-Computer intensiv zum Präsentieren der neusten Forschungserkenntnisse genutzt werden...

Fazit
Der Tag, an dem die Erde stillstand unterhält - nicht mehr, nicht weniger. Ohne Zweifel sorgt er für kurzweilige Unterhaltung, bleibt aber viel zu oberflächlich und ist aus diesem Grunde auch im Nu wieder vergessen. Schade - hier blieb viel Potential ungenutzt!


Der Rezension lag die in Deutschland gezeigte Kinofassung des Films zugrunde.

Kommentare

Kommentar hinterlassen.



{ Vorherige Seite } { Seite 5 von 10 } { Nächste Seite }

Inhalt © 2008-2009 Nosferatu.

Design © 2006 xeomueller. All rights reserved. Free-Blog.in


Kostenloser-Counter