Coraline

Geschrieben von Nosferatu am 26.01.2009 um 15:35 in Bücher. 1 Kommentare. Link.
As every single language has its own characteristics it's mostly quite difficult to translate foreign books without any cuts or modifications. Being aware of that aspect more and more people tend to read novels in their original language, which shouldn't be an obstacle in times of the Internet and globally delivering shops...
But anyway: Why am I starting that review not in German as I usually do? Very easy, because I thought an English introduction would fit quite well to an English book. That's a brilliant idea, isn't it...?
The novel's titel is Coraline and as my mother tongue is still German it would be much better to continue in the same language, both for me and for the honoured reader...


Zur Handlung
Coraline Jones ist ein aufgewecktes, intelligentes Mädchen, das mit seinen Eltern in ein neues Haus gezogen ist. Doch anstatt sich mit ihr zu beschäftigen oder mit ihr zu spielen, denken die Eltern nur an ihre Arbeit und so bleibt Coraline nichts anderes übrig, als das neue Haus mit seinen wunderlichen Bewohnern und dem verwilderten Garten zu erkunden. Als es schließlich an einem Tag in Strömen regnet und sie nicht nach draußen darf, entdeckt sie im Haus eine Tür, die sie in eine exakte Kopie ihrer eigenen Wohnung führt. Alles ist gleich und was nicht gleich ist, ist besser: Dort gibt es eine other mother und einen other father, die zwar Knöpfe anstelle von Augen haben, sich aber rührend um sie kümmern - ganz genau so, wie es ihre richtigen Eltern nicht tun. Doch Coraline traut dem Frieden nicht und spätestens als ihre other mother darauf besteht, sie bei sich zu behalten und ihre Augen auch durch Knöpfe zu ersetzen, setzt die Kleine alles daran, wieder in ihre eigene Welt zurückzukehren. Das einzige Problem: Die other mother hat ihre richtigen Eltern entführt und sieht Coraline bereits als ihre eigene Tochter an...

Kingerechte Unterhaltung...?
Coraline ist ein Kinderbuch, rein formal zumindest. Am besten ist das wohl an dem einfachen Schreibstil zu erkennen, der sich durch Wiederholungen und die häufige Verwendung von Parataxen auszeichnet. Und auch Coraline selbst entspricht wohl dem Typus einer aufgeweckten Kinderbuch-Heldin: Jedes Kind möchte so mutig, furchtlos und clever wie sie sein. Dann der Plot: Simpel und scheinbar arg vorhersehbar. Doch jetzt - wie sollte es anders sein - kommt ein dickes aber:
Coraline ist definitiv kein Kinderbuch! Immerhin wird die Protagonistin mit Dingen konfrontiert, die einem jeden anderen Kind eine Heidenangst bescheren würden. Zwielichtige Ratten, Geister, Monster in stinkigen Kellern, ein erbarmungsloser Dämon und zuletzt natürlich der Verlust der Eltern. Ich für meinen Teil hätte mich als Kind davor gefürchtet und selbst jetzt lief es mir bei der Lektüre einige Male eiskalt den Rücken herunter. Der Autor Neil Gaiman versteht es wirklich großartig, mittels einfachster Sprache eine gigantische Wirkung zu erzielen. Besonders in einem Traum gegen Ende des Buches, der als eine Art Zwischenspiel angesehen werden könnte, wird dies noch einmal deutlich, in Form der fast poetischen Naturschilderungen. Ein weiteres Indiz dafür, dass Coraline kein Kinderbuch ist. Warum es dennoch als eines beworben und verkauft wird, ist mir ein Rätsel.

Die Figuren
Wie bereits erwähnt, wird Coraline als ein lebendiges, neugieriges und selbstsicheres Mädchen beschreiben. Dies geschieht vornehmlich durch indirekte Charakterisation: Das Mädchen kann einfach nicht still sitzen und muss ständig irgendwas erkunden (to explore). Außerdem behält sie selbst in den haarsträubendsten Situationen die Ruhe und scheint sich von nichts wirklich überraschen zu lassen. Auf den Punkt gebracht: Sie ist einfach extrem sympathisch und wächst dem Leser ungemein ans Herz.
Das passende Gegenstück wäre dann ihre other mother, die wunderbar zwielichtig, verschlagen und - ganz einfach ausgedrückt - böse daherkommt. Unter Umständen wäre ein tieferer Einblick in ihre Vergangenheit und ihre Beweggründe nicht verkehrt gewesen, aber womöglich hätte das dem Mysterium, das sie umgibt, eher geschadet.
Die restlichen Figuren sind größtenteils mehr oder weniger zurückgestellt, alle haben sie jedoch einen markanten Wiedererkennungswert - seien es nun die weise agierende Katze, der schrullige crazy old man upstairs mit seinem Mäuseorchester oder Miss Forcible und Miss Spink, die ihre besten Zeiten als Theaterschauspielerinnen bereits hinter sich haben. Gaiman legt großen Wert auf seine Charaktere und das kommt dem Leseerlebnis ohne Zweifel zu gute.

Englisch = besser?

Leider habe ich keinen Vergleich zur deutschen Übersetzung des Buches. Möglicherweise ist die ja kindgerechter geschrieben (wobei das wiederum das Original verfälschen würde...). Wie auch immer, ich würde die englische Originalfassung empfehlen, auch jenen, die die Sprache nicht perfekt verstehen, so wie ich zum Beispiel. Viele Wendungen bleiben unklar oder müssen wahlweise nachgeschlagen werden, insgesamt kann man der Handlung aber fast immer ohne Probleme folgen.

Ein Buch, ein Film, ein Videospiel!

Wie es der Zufall will, steht bereits die passende Verfilmung des Stoffes in den Startlöchern (so ein Zufall ist das vielleicht gar nicht, denn erst durch den Trailer wurde ich auf das Buch aufmerksam...). Und die könnte zumindest von meinem persönlichen Standpunkt gesehen richtig gut werden, immerhin übernimmt Henry Selick die Regie und immerhin hat er mit The Nightmare before Christmas bereits sein Talent fürs Inszenieren skurriler Stoffe in Kombination mit Stop Motion-Technik gezeigt. Und Stop Motion wird auch beim Coraline-Film eingesetzt, was doch recht gut passt.
Bereits angekündigt ist übrigens auch das passende Videospiel zum Film zum Buch. Das riecht ja schon mal sehr nach Ausschlachte und Geldgier, aber vielleicht wird das ja auch was...

Fazit
Coraline ist ein fesselndes, spannendes und nicht zuletzt schauriges Buch, ein wenig wie ein modernes Märchen. Für kleinere Kinder ist es aber nur bedingt geeignet; Jugendliche und Erwachsene, die an gruseligen Geschichten mit liebenswerten Helden Gefallen finden, dürfen hingegen bedenkenlos zugreifen.


Der Rezension lag die englischsprachige Originalausgabe des Buches von Harper Trophy zugrunde.

Die Uhrwerk-Orange

Geschrieben von Nosferatu am 2.12.2008 um 17:46 in Bücher. 0 Kommentare. Link.
Wenn mir in meinem Leben eines bewusst geworden ist, dann ist es, dass Verfilmungen von Büchern meist eine Enttäuschung sind. Entweder wird die Handlung bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt oder die Darsteller sind derartig fehlbesetzt, dass es beim Zusehen schmerzt. Sicher, es gibt einige Ausnahmen (Der Herr der Ringe zum Beispiel), aber im Großen und Ganzen kann man hier schon verallgemeinern. Ein besonderes Erlebnis ist es auch immer wieder, zuerst die Verfilmung zu sehen und erst dann die Vorlage zu lesen. Und in genau dieser Reihenfolge bin ich an folgendes Meisterwerk herangegangen: Anthony Burgess' Die Uhrwerk-Orange bzw. Uhrwerk Orange bzw. Clockwork Orange!


Worum es geht
Auf den rund 200 Seiten des Buches wird das Schicksal des jungen Alex beschrieben - sein Fall, sein Aufstieg, sein Fall und zuletzt wieder sein Aufstieg. In einer Gesellschaft der nahen Zukunft lebend ist Alex das Musterbeispiel eines kaltblütigen und brutalen Teenagers, der zusammen mit seinen Kumpanen Abend für Abend auf der Suche nach einer Beschäftigung ist, das heißt nach Sex und Blut. Von seinen Freunden während eines Einbruchs verraten, steckt man ihn in ein überfülltes Gefängnis. Hier wird er schließlich für eine neuartige Methode der Gehirnwäsche ausgewählt, die Straftäter zu guten Menschen machen soll. Zu Gewalttaten und damit zur Gegenwehr unfähig, entlässt man ihn in die Freiheit, wo er den Opfern seiner früheren Taten wiederbegegnet...

Warum die ersten Seiten eine Qual sind
Selten hat es mich solche Überwindung gekostet, dier ersten Seiten eines Buches zu lesen; immer wieder wollte ich das Buch einfach wieder weglegen. Schuld ist die höchst anstrengende Sprache Alex' und seiner Gefährten, denn Burgess hat hier keine halben Sachen machen wollen: Die Sprache der Jugend entwickelt sich rasant und so haben die Jugendlichen dieser von ihm entworfenen Zukunft auch einen eigenen Jargon, der für uns "Außenstehende", die wir in dieser Hinsicht nun mal sind, zunächst einmal nur abschreckend wirkt. Da ist von rotem, rotem Kroffi die Rede, von tollschocken, Petiezen, horrorshow und Tschai - all diese Kunstwörter, verschmolzen zumeist aus englischen und russischen Begriffen - stürmen zu Beginn auf den nichtsahnenden Leser ein und überfordern ihn. Aber - und das hat mich selbst überrascht - schon nach einer Weile gelingt das Lesen besser und besser. Alles nur eine Sache der Gewöhnung!

Wer Alex ist
Sowohl der Film als auch das Buch leben von der Intensität der Darstellung bzw. des Geschilderten. Im Film wird dies - ganz klar - durch eine kompromislose Gewaltdarstellung und das schockierend überzeugende Spiel Malcom McDowells als Alex erreicht, im Buch ist es hingegen der unverblümte Schreibstil des Protagonisten, der einen nachdenklich werden lässt. Das Ganze hört sich wie ein Bericht oder ein Tagebucheintrag an, immer wieder bezeichnet Alex den Leser als Bruder oder einzigen Freund und immer wieder schreibt er auch von seinen krankhaften Fantasien und was in seinem Kopf vorgeht. Die irrwitzige Redeweise, durchmischt von allerlei Neologismen, lässt dabei eine gewisse Distanz entstehen, was angesichts der unverfälschten Offenheit Alex' ganz gut so ist.
Natürlich wird dieser kurze Abriss dem komplexen Charakter des jungen Mannes nicht mal annährend gerecht, hier wäre eine ausführliche Charakterisierung angebracht, die den Rahmen dieses Blogs allerdings sprengen und mich klar überfordern würde... ;)

Warum das Buch ein moderner Klassiker ist
Anstrengender Schreibstil, mieser Protagonist - warum sollte man das Buch denn also nun überhaupt lesen? Ganz einfach, weil man eine solche Mischung aus Gesellschaftskritik und Dystopie nur selten in derart kompakter Form vorgesetzt bekommt. Und die Thematik bleibt sowieso zeitlos: Kann man als Mensch nur mit einer guten Seele leben? Hinzu kommt, dass Burgess selbst nicht wertet, sondern dem Leser durchaus Freiraum für eigene Überlegungen zugesteht - gerade das Ende (des Buches wohlgemerkt, denn hier unterscheiden sich Film und Vorlage) macht das deutlich, wenn sich nämlich zeigt, dass es auch neben Gefängnis und Gehirnwäsche einen Weg zur Besserung gibt.

Warum bei der Verfilmung mal nicht gepfuscht wurde
Zuletzt noch ein paar abschließende Worte zum Thema Film contra Buch. Wie bereits oben erwähnt, wurde ich mit beiden in eher ungewöhnlicher Reihenfolge konfrontiert. Das macht aber in diesem Fall gar nichts, weil wir hier einen der seltenen Fälle vor uns haben, in dem sich beide ebenbürtig sind, sich zudem noch ergänzen. Soll heißen, beim Lesen hatte ich stets McDowell als Alex vor Augen und seine schnodderige Redeweise aus dem Film in den Ohren - ein Zeichen, wie gut Buch und Film ineinander passen.

Fazit
Man kann Die Uhrwerk-Orange nicht wie jedes andere Buch empfehlen, dafür ist es eindeutig zu speziell. Wer den Film schon abartig fand, wird vom Buch nichts anderes halten; wer den Film nicht kennt, kann mit dem Kauf aber im Grunde nichts verkehrt machen, zumal bei dem vergleichsweise geringen Neupreis von knapp sechs Euro.
Das Geheimnis ist dabei schließlich nur, sich auf Burgess' Stil einzulassen, dann klappt das schon!


Der Rezension lag die Ausgabe der Süddeutschen Zeitung Bibliothek (siehe Bild) zugrunde.

Der Flug der Störche

Geschrieben von Nosferatu am 13.11.2008 um 17:25 in Bücher. 0 Kommentare. Link.
Der Flug der Störche ist - wie man es auf den ersten Blick vermuten könnte - kein Sachbuch über Storchenkunde, sondern ein handfester Thriller vom Erfolgsautoren Jean-Christophe Grangé. Ziemlich genau vor einem Jahr bin ich das erste Mal auf den guten Mann aufmerksam geworden, als ich seinen Hit Die Purpurnen Flüsse las, dessen Verfilmung ja auch zu überzeugen wusste. Jedenfalls gefiel mir das Buch damals so gut, dass ich mir  - als Herbstlektüre sozusagen - einen weiteren Schmöker des Franzosen gekauft habe, nämlich Der Flug der Störche:


Zur Handlung
Im Mittelpunkt des Romans steht ein junger Mann namens Louis Antioche, der von einem Schweizer Ornithologen einen kuriosen Auftrag erhält: Da die Störche entgegen ihrer Gewohnheit im letzten Frühling nicht aus dem Süden zurückkehrten, soll Louis ihre Route von Europa ins Herz Afrikas verfolgen. Doch gleich zu Beginn überschlagen sich die Ereignisse, denn der Schweizer wird tot in einem seiner Nester aufgefunden und einige Ungereimtheiten im Leben des Forschers veranlassen Louis sich auf eigene Faust auf die Reise zu begeben. Natürlich möchte ich im Vorfeld nicht zu viele Handlungsdetails offenbaren; nur so viel sei gesagt: Die Störche sind nur ein Bindeglied in einer erschreckenden Verschwörung, in die letztendlich auch Louis verwickelt zu sein scheint.

Einschätzung
Um es für den gehetzten Leser diesmal kürzer zu fassen: Das Buch ist in beschränktem Maße einen Kauf wert. Hier sind zunächst vor allem die gehäuften Gewaltbeschreibungen zu erwähnen, denn Grangé scheut sich nicht davor, jedes noch so blutige Detail so richtig anschaulich zu beschreiben. Sogar ich als Horror-Freund und Splatter-Erfahrener musste ab und an mal vom Buch hochschauen und mich angesichts der unzähligen zerstückelten Leichen und von Kugeln durchlöcherten Köpfe kurz sammeln.
Für den einen oder anderen könnte auch die Tatsache abschreckend wirken, dass die Handlung manchmal arg verschachtelt und vollgestopft mit allerlei exotischen Namen ist. Trotzdem kommt man aber relativ zügig mit dem Lesen voran, was angesichts der knapp 500 Seiten, die das Buch umfasst, keine Selbstverständlichkeit ist.
Was mich persönlich am meisten gestört hat, sind die blassen Charaktere des Romans. Während man sich bei den Purpurnen Flüssen ohne Schwierigkeiten in die Psyche der Figuren hineinversetzen konnte, machen es einem Louis Antioche und Co. in dieser Hinsicht ungleich schwerer. Vor allem der Protagonist kommt reichlich unglaubwürdig daher: Eben noch verhätschelter Langzeitstudent, ist er im nächsten Moment schon ein cooler Draufgänger, der wie ein moderner Indiana Jones jedes Rätsel seiner kleinen Schnitzeljagd löst und zudem noch so brutal wie John Rambo höchstselbst zu Werke geht. Im Übrigen wollte es mir auch nicht gelingen, mich mit dem Burschen zu identifizieren, was aber durchaus auch Absicht des Autors sein kann! Er bleibt also über 500 Seiten hinweg ein Fremder und auch seine ständig wechselnden Begleitpersonen hinterlassen nur einen unscharfen Eindruck.
Und was fehlt jetzt noch, um einem modernen Thriller den letzten Schliff zu geben? Richtig, Sex. Und den hat unser Held mehr als einmal im Buch, jedesmal durchaus bildlich und höchst gefühlvoll beschrieben und - natürlich - kriegt er nahezu jede Dame ohne großartige Schwierigkeiten ins Bett. Das nenn ich doch mal lebensnah.

Nun wirkt es aber doch irgendwie, als wäre Der Flug der Störche nur ein durchschnittlicher Roman mit zahlreichen Schnitzern. Ich möchte dazu aber sagen, dass sich postive und negative Aspekte durchaus ausgleichen können. Denn ab der ersten Minute ist die Handlung spannend, im Mittelteil teilweise sogar so mitreißend, dass ich mich kaum vom Buch lösen konnte. In dieser Hinsicht besteht also eine Ähnlichkeit zu den Purpurnen Flüssen. Und auch die Fülle an gut recherchierten Informationen zu den verschiedensten Themen wie Geografie und Kultur der einzelnen bereisten Regionen sowie natürlich zur Ornithologie ist hervorzuheben. Nicht zuletzt durch solche Details bleibt einem ein Buch in Erinnerung.

Fazit
Letztendlich ist es nicht leicht, dem Buch eine Empfehlung zuzusprechen. Wer zügig zu lesende, blutige und spannende Romane mag, wird auch den Flug der Störche gut finden; wer allerdings den besseren Grangé sucht, greift zu den Purpurnen Flüssen, die ich selbst auf jeden Fall vorziehen würde. Definitiv war das aber nicht mein letztes Buch des französischen Autors!


Der Rezension lag die gebundene Ausgabe des Bastei Lübbe-Verlages zugrunde.


Inhalt © 2008-2009 Nosferatu.

Design © 2006 xeomueller. All rights reserved. Free-Blog.in


Kostenloser-Counter