Versuch

Ultimo

Geschrieben von miyake
10:56, 11.08.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Sonntag, 10. August 2009, der letzte Tag unserer Reise. Sonntag in San Telmo bedeutet auch: Trödelmarkt auf der Plaza Dorrego, den man auf keinen Fall verpassen sollte, und sei es nur, um zu schauen. Dieser Flohmarkt ist etwas ganz Besonderes, hier werden wirklich uralte Utensilien jedweder Art angeboten, und die Leute, die hier ihre Stände haben, vererben diese an ihre Kinder und Enkel weiter; solch einen Stand gibt man nicht so einfach ab, er ist wie ein Familienschatz, der gehütet wird und den man nicht so einfach und schnöde verkauft.

Hier findet man die Hinterlassenschaften derjenigen, die vor Jahrzehnten in Argentinien angekommen sind, mehr oder weniger vermögend, aber mit Erinnerungsstücken an ihre alter Heimat, wie z.B. Bücher und Fotoalben, man findet Remineszensen an das "goldene Zeitalter" des Landes, als man in Europa noch sagte, die Leute sind "reich wie ein Argentinier", alte Grammophone und Telephone, Silberbesteck, Familienschmuck und vieles anderes mehr.

Auf den umliegenden Straßen hingegen wird allerlei selbst angefertigter Schmuck, Klamotten, Kitsch und Tand angeboten, zudem gibt es Straßentheater, Musik, Tango und Folklore. Wir schlenderten durch die Straßen und genossen dies als den Ausklang unserer Reise an den Rio de la Plata.

Am Abend, gegen 18 Uhr, stand das Taxi vor der Tür, wie warfen unsere Rucksäck in den Kofferraum und sausten zum Flughafen nach Ezeiza. Unser Flugzeug startete kurz vor 21 Uhr Ortszeit, und nach knapp 13 Stunden setzte es auf der Nordhalbkugel im 12.000 km entfernten Frankfurt wieder auf. Der Anschlussflug nach Dresden, Flugzeit knapp 50 Minuten, kam uns dagegen wie ein Hopser vor. Und so sind wir also wieder in Dresden, mit drei Wochen Abenteuer im Gepäck. Viel Zeit zum Umgewöhnen haben wir nicht, gleich am nächsten Tag warten auf uns Schule und Arbeit.

Für ein Fazit ist es jetzt noch zu früh; dafür müssen wir die Erlebnisse der vergangenen drei Wochen erst mal setzen lassen, aber auf jeden Fall war es ein großartiges Abenteuer am anderen Ende der Welt, das uns beiden gefallen und auch inspiriert hat. Es wird nicht die letzte Reise gewesen sein!!

PS: Die interne Schachmeisterschaft endete 20,5 : 15,5 für Leon.  Leon gewann die letzten 7 Partien in Folge! Für mich war das schon fast frustrierend, wenn man vom eigenen Sohn, dem man das Schachspielen beigebracht hat, so deutlich ausgeknockt wird. Jeder kleine Fehler von mir wurde gnadenlos bestraft...



En una villa miseria

Geschrieben von miyake
09:00, 9.08.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Am Samstag sahen wir die andere Realität Argentiniens, die weitverbreitete Armut, die uns Touristen auf unseren Pfaden gar nicht so sehr ins Auge sticht. Klar, man kann die bettelnden Kinder, die "cartoneros", also die Papier- und Müllsammler und auch diejenigen, die auf alten Matratzen oder Pappen in Hauseingängen oder auf der Straße schlafen, schwerlich übersehen. Aber man kann die Augen schließen und es ausblenden.

Wir trafen uns frühmorgens mit einem Dutzend Freiwilligen von Un Techo Para Mi País, um gemeinsam in eines der Elendsviertel (auf spanisch: villa miseria) am Rande der riesigen Metropole zu fahren. Es war zufälligerweise genau das Viertel, wo ich im Mai 2008 an einer Hausbauaktion teilgenommen hatte. Nicole heißt das Viertel, die Bewohner übersetzen dies mit "ni colégio, ni colectivo", was bedeutet: keine Schule, kein Bus. 1200 Familien leben hier, und wenn man ins Viertel hinein gelangen möchte, muss man eines der Taxis nehmen, erbarmungswürdige Rostlauben, die jeden Augenblick auseinander zu fallen scheinen.

Hier besuchten wir verschiedene Familien, die in das Programm von Un Techo aufgenommen werden sollen. Während der sogenannten "detecciónes" werden deren sozialen Lebensumstände aufgenommen, z.B. Zustand ihres Hauses, Anzahl der Bewohner, deren Alter, Beruf oder Tätigkeit, Einkommen, Krankheiten etc., um zu bewerten, wie bedürftig sie sind und welche Dringlichkeit herrscht, ihren sozialen Status zu verbessern, natürlich unter der Prämisse, dass sie dazu bereit sind und sich aktiv beteiligen. Es wird Hilfe zur Selbsthilfe angeboten, keinesfalls Alimentierung.

So hatte ich also die Gelegenheit, noch mal das Haus zu sehen, an dem ich vor einem Jahr mitgebaut hatte, und gleichzeitig konnte ich Leon zeigen, dass es neben dem Leben mit all seinen Möglichkeiten, die wir von zuhause kennen, auch andere Realitäten gibt, die ungleich schwerer sind.

Disfrutamos nuestra vida y utilizamos sus oportunidades!



Zurueck in Buenos Aires

Geschrieben von miyake
02:54, 8.08.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Nun sind wir also wieder in Buenos Aires und der Kreis unserer Reise schließt sich so langsam. Unsere nächtliche Busreise von Córdoba in die Hauptstadt war - was Komfort und Verpflegung angeht - die luxuriöseste, inklusive Bergrüßungs-Champagner, Wein und Whiskey. Nur der Film schwächelte, schon wieder so ne Fiction-Nummer mit Nicolas Cage. Wir bevorzugen Filme mit wenig Text und viel Explosionen bzw. Handfeuerwaffen, mit denen man, ohne nachzuladen, ganze Armeen auslöschen kann ;-)

In San Telmo bezogen wir wieder unser altes Zimmer und zogen sogleich durch die Straßen. Man kann hier ganze Tage damit vertrödeln, irgendwo im Café zu sitzen und sich das pulsierende Leben der Stadt durch die Fensterscheibe anzuschauen, oder sich auf der Suche nach Mitbringseln die Auslagen der Geschäfte anschauen. Man kann hier ziellos durch die Straßen und Gassen stromern und findet doch immer etwas Interessantes, wie folgende Bilder zeigen:


Am Abend geht man hier nicht vor 21 Uhr zum Essen aus dem Haus. Am Donnerstagabend waren wir in "La Coruña", einer liebenswerten altmodischen Kneipe um die Ecke, die schon von früheren Reisen bekannt ist und sich dadurch auszeichnete, dass neben den wirklich steinalten Wirten noch eine gehbehinderte Katze und ein einäugiger Hund zum Inventar gehörten. Der Hund ist aber leider am 7. Mai gestorben. Ruhe in Frieden, alter Kumpel.

Am Freitagmorgen fuhren wir mit der ollen "Subte A", der ältesten Linie der hiesigen Untergrundbahn, hinauf nach Caballito, um nach ein paar Klamotten zu kaufen! Danach ging es noch mal ins Zentrum in die überfüllte Shopping-Mall.

Am Nachmittag trafen wir uns mit Mirta und ihren Sohn Felipe (6 Jahre alt), um mit ihnen hinaus nach Belgrano zu fahren, wo das "Estadio Monumenal" steht, das eigens für die Fußball-Weltmeisterschaft 1978 gebaute Stadion, in dem heute River Plate spielt, eine der traditionsreichsten und erfolgreichsten Fußballvereine Argentiniens. Hier gibt es eine Menge Trainingszentren für die Jugend, auch andere Sportarten als Fußball, und wir hatten Mal Gelegenheit, im Bauch des Stadions umher zu laufen und die unzähligen Pokale zu bestaunen. River Plate ist der Erzfeind der Boca Juniors aus La Boca, deren Stadion wir zu Beginn unserer Reise sahen, und wenn diese beiden Teams gegeneinander spielen, dann nennt man das "Superclásico" und das ganze Land sitzt vor der Glotze.


Somit steht nur noch das Wochenende aus, und ich hoffe, dass es morgen früh klappt mit der Fahrt in eines der Elendsviertel, in dem ich für Un Techo Para Mi País an einer "construcción" teilgenommen hatte - siehe mein Bericht im alten Weblog:

www.free-blog.in/argentina2007/52618/Construcci%F3n+mit+Un+Techo+Para+Mi+Pa%EDs+%96+meine+Dritte.html

Morgen fahren wieder Freiwillige hinaus, allerdings nicht zum Hausbau, sondern zu "detecciónes", also zum Kontaktieren von Familien, die in das Programm aufgenommen werden sollen. Für uns wäre dies eine gute Gelegenheit, noch mal das andere Ende der sozialen Skala zu sehen, aber auch, ob die Häuser, die wir damals bauten, sich übers Jahr bewährt haben.



Letzter Tag in Cordoba

Geschrieben von miyake
19:11, 5.08.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Heute Abend geht unser Bus nach Buenos Aires. Wir vertroedeln die Zeit, indem wir durch die Strassen bummeln, uns unter die Menschen mischen oder irgendwo im Cafe sitzen.

Gestern waren wir in dem vielgeruehmten Ort Villa General Belgrano, wo das "Deutschtum" noch gross geschrieben wird. Allerdings war der Ort eine Enttaeuschung fuer uns beide. Ich hatte ja in meinem alten Weblog schon mal ueber diesen skurrilen Ort geschrieben:

http://www.free-blog.in/argentina2007/33683/Oktoberfest+in+Villa+General+Belgrano.html

Wenn nicht gerade Oktoberfest oder "Festa de chocolate" oder "Fiesta de la torta selva negra" (Schwarzwaelderkirschtorten-Fest) ist, dann ist das einfach ein piefiger Ort, wo man tonnenweise Kitsch kaufen kann, der irgendwie mit Deutschland zu tun haben soll. Fuer die Erwachsenen mag das wie eine Parodie auf Deutschland und seine Braeuche sein, fuer die Juengeren ist das einfach langweilig.

Wir sind recht bald wieder zurueck nach Cordoba gefahren und haben uns am Spaetnachmittag lieber noch das Industriemuseum angesehen, wo man wenigstens ein paar interessante Autos bestaunen konnte, so auch einen Ferrari-Rennwagen des beruehmten Juan Manuel Fangio, seines Zeichens 5-facher Weltmeister der Formel 1 in den 1950er Jahren, uebertroffen erst Jahrzehnre spaeter durch einen gewissen M. Schumacher.

Ein anderes Exponat im Museum erinnerte uns daran, dass wir in der naechsten Woche wieder in die Schule bzw. auf Arbeit muessen...

Noch haben wir aber 5 Tage, bis am Sonntagabend unser Jumbo in Richtung Frankfurt abhebt. Und die wollen wir intensiv nutzen!



Leons Geschaeftigkeiten

Geschrieben von miyake
19:08, 5.08.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Leon scheint sich hier im Lande schon mal die Grundlagen spaeterer Geschaeftstaetigkeiten schaffen zu wollen:

Also: wer mal eine Busreise buchen moechte oder eine neue Fensterscheibe braucht, dem kann ich bestimmt Rabatt vermitteln...



In Cordoba

Geschrieben von miyake
19:23, 4.08.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Seit Sonntagvormittag sind wir in Cordoba, etwa 12 Busstunden suedlich von Salta. Die Uebernachtfahrt mit dem Bus haben wir Dank "coche cama" - Schlafsesseln - gut ueberstanden. Unsere Schlafsaecke haben wir bei Fernanda, einer Freundin von "CouchSurfing" ausgerollt.

Den Sonntag haben wir "verbummelt", d.h. wir waren gegen Nachmittag zur "feria artesanal" gegangen, eine Art Floh- und Kunsthandwerkermarkt, haben uns dort unter die Leute gemischt, hie und da ein bisschen geschaut und waren dann einem Reggea-Konzert, das direkt auf der Strasse stattfand, und zwar ohne die Strasse abzusperren. Die Strasse gehoert allen, nicht nur den Autofahrern, war die Botschaft, also mussten sich Autos und Zuschauer arrangieren, wollten die einen passieren und die anderen dem Konzert beiwohnen.

Typisch renitentes Argentinien. Darueber hatte ich schon mal in meinem alten Weblog geschrieben:

http://www.free-blog.in/argentina2007/34363/Renitentes+Argentinien.html

Heute, am Montag, zogen wir wieder in die Stadt, zum einem auf "altbekannten Wegen" meiner damaligen Zeit, als ich fuer drei Monate hier arbeitete, aber heute insbesondere, um durch die Geschaefte zu stromern und Ausschau nach Mitbringseln zu halten. Alles, was wir haben wollten, haben wir auch bekommen. Wir muessen uns noch einen "Tuerkenkoffer" beschaffen, um das Zeugs sicher nach Hause transportieren zu koennen.

Zu Abend haben wir heute im "MegaDoener" gegessen, eine recht neue Fast-Food-Kette, wo es "comida turco-aleman" gibt, deutsch-tuerkische Kueche. Kommt zwar nicht ganz an die Qualitaet des Doeners in der Dresdner Neustadt ran, aber man kann ihn mit Salsa nach tuerkischer, deutscher, argentinischer oder amerikanischer Art vollpumpen. Die kommt dann genau so zur Seite wieder herausgekleckert, wie wir es in Deutschland gewohnt sind.

Morgen gehen wir auf Exkursion nach Villa General Belgrano bzw. dem Ort, wo wir nach Meinung der Argentinier auf "deutsche Gemuetlichkeit" treffen werden. Ich kenne diesen skurrilen Ort bereits - mal schauen, was Leon davon haelt...



Von Humahuaca ueber Tilcara zurueck nach Salta

Geschrieben von miyake
18:43, 1.08.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link

In der Residencia in Humahuaca hat sich seit meinem letzten Besuch im Februar 2008 einiges getan. Das rechte Viertel des Anbaus ist nun fertig und beherbergt sowohl den grossen Gemeinschaftraum als auch die Kueche. Hier wird das Gemeinschaftliche gross geschrieben; alles wird geteilt (so auch das Mittagessen, das nach unserer Ankunft statt in 6 einfach in 8 Portionen aufgeteilt wurde), jeder bringt sich mit dem, was er hat oder kann, ein, und auf diese Weise lebt und arbeitet man zusammen.

Tagsueber waren wir mal im Dorf nach dem Rechten schauen, insbesondere um die Baeckerei zu besuchen, die unser Freund Javier aus der Residencia kuezlich eroeffnet hatte. Dort kann man Kaffee trinken und fruehstuecken, Backwaren kaufen, aber auch Mountainbikes mieten. Es ist natuerlich ein schwieriges Geschaeft, weil in Humahuaca die Konkurrenz zahlreich ist, aber es hat sein Herz in die Hand genommen und sich eine Moeglichkeit geschaffen, sein Geld selber zu verdienen.

Leider blieb zu wenig Zeit fuer uns, wir mussten am Donnerstagmittag weiter, wollten wir unser Ziel erreichen. Es war ein nur kurzes Stueck, das uns ca. 60 km weiter suedlich bis nach Tilcara fuehrte, und hier stiegen wir im Albahaca Hostel bei alten Freunden ab; und es war ein grossartiges Wiedersehen.

Tilcara ist ein kleines, aber feines Doerfchen mit einer Inka-Festung aus prae-hispanischer Zeit, "Pukara" genannt. Diese befindet sich auf einem grossen Huegel entlang der alten Inka-Strasse, und man kann von dort aus sehr weit in die Quebrada de Humahuaca hineinsehen. Dazu am Horizont die maechtigen Berge - ein sensationelles Szenario.

 

Die Haeuser sind definitiv nicht fuer Mitteleuropaer dimensioniert. Wir wuerden staendig mit dem Kopf gegen die Dachsparren aus Kaktusholz stossen, und auch die Eingangsoeffnungen sind so breit, dass man sich regelrecht hindurch schlaengeln muss.

 

Am Freitag ging es schon wieder weiter, diesmal in Richtung Salta, wo unsere 5-taegige Rundreise mit dem Auto, mehr als 800 km ueber das andine Hochland, durch die Quebrada de Humahuaca sowie einen kleinen Teil "selva" (Regenwald) zuruecklegend, endete. Wir gaben unseren mittlerweile voellig verstaubten Fiat wieder an die Autovermietung zurueck, marschierten dann zum Busbahnhof, wo wir uns die Tickets fuer die Fahrt nach Cordoba kauften (Start: Samstagabend 21 Uhr, Ankunft in Cordoba: 8 Uhr morgens), und dann schlenderten wir durch Salta, wo richtig Leben in den Strassen ist.

Zum Abend gingen wir ins "El Viejo Jack", wo wir uns jeder eine riesige Portion Fleisch goennten (Bife de Lomo), direkt an der Parillada (dem Grill) ausgesucht. Heute ist Samstag, wir troedeln durch die Stadt und lassen Fuenfe gerade sein.

PS: Gegenwaertiger Stand der Schachmeisterschaft: Leon 9 - Thomas 12 Punkte.

In Humahuaca

Geschrieben von miyake
17:32, 30.07.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Heute war nur ein kurzes Stück zu fahren, knapp 60 km bis nach Humahuaca. Hier sind wir in der Residencia Estudiantil untergekommen, bei Freunden, die Thomas von seiner Reise 2007 kennt. Hier noch mal die Geschichte aus dem damaligen Weblog:

http://www.free-blog.in/argentina2007/30366/Unterwegs+in+-+TilcaraHumahuaca.html

http://www.free-blog.in/argentina2007/42120/Wieder+in+Humahuaca.html

Es sind gerade wieder Freiwillige aus Belgien da, die eine Windturbine zur Elektroenergieerzeugung bauen wollen. Die Residencia hat sich prächtig weiterentwickelt, ein weiteres Viertel des Gevierts ist nun fertig, wo die Küche und der große Essraum Einzug gehalten haben.

Wir bleiben hier eine Nacht bis morgen und fahren dann wieder Richtung Süden nach Tilcara.



Über das andine Hochland

Geschrieben von miyake
17:16, 30.07.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Wir sind recht schnell von Salta, das auf ca. 1.200 m Höhe liegt, nach San Antonio de los Cobres auf 3.800 m aufgestiegen. Das merkten wir auch, manchmal japst man nach Luft und des Nachts schliefen wir sehr unruhig. So starteten wir am 2. Tag unserer Tour etwas unausgeschlafen, aber trotzdem erwartungsvoll unsere Fahrt, die uns die berühmte Ruta 40 hinauf in die Salinas Grandes führen sollte, um dann einen weiteren 4.000er Pass in Richtung Purmamarca, dem Ziel der heutigen Etappe, zu überqueren.


Die Ruta 40 ist so etwas wie die Route 66 in den USA. Hier in Argentinien führt sie hoch oben im Norden an der bolivianischen Grenze bis hinunter an die Südspitze Patagoniens, bis knapp vor Feuerland. Es heißt, jeder Abenteurer muss diese Strecke ein Mal im Leben abgefahren haben. Wir sind nur ein kleines Stück auf der Ruta abgefahren, die zumeist eine Schotterpiste ist und sich schwer fahren lässt, aber wir haben die unendliche Weite der Puna, den weiten Himmel, aber auch manche kleine gottverlassene Siedlung gesehen, wo man gar nicht glauben mag, dass in dieser unwirtlichen Gegend Menschen leben.

 Mehr zur Ruta 40 gibt es hier zu erfahren:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ruta_Nacional_40_(Argentinien)

Und endlich haben wir Lamas und Guanakos gesehen, dazu noch Wildesel und sogar einen Fuchs, der wohl selten Touristen sieht und uns neugierig anschaute.


Als die Sonne am Zenit stand, kamen wir an den Salinas Grandes an, dem Großen Salzsee. Hier hindurch führt die Verbindungsstraße hinüber nach Chile, wir aber bogen nach rechts in Richtung Purmamarca ab. Die Straße ging noch mal richtig hoch hinaus, und nach Überquerung des Altos der Morada auf 4.170 m Meereshöhe ging es dann auf atemberaubenden Serpentinen bergab nach Purmamarca, einem Dörfchen, das für seinen "Cerro Sietecolores" dem Siebenfarbigen Berg bekannt ist.

Der Norden Argentiniens und besonders die Quebrada der Humahuaca (UNESCO-Weltkulturerbe) sind berühmt für die faszinierend vielfarbigen Berge, Sedimentgestein aus Urzeiten, als hier noch ein Meer war. Wenn die Sonne tief steht, dann leuchten diese Steine tiefrot, lila, orange, grün, gelb oder auch schneeweiß. Dieses Farbenspiel kann man nur schwer beschreiben, bestenfalls zeigen:


 



Von Salta hinauf ins Altiplano

Geschrieben von miyake
17:03, 30.07.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Am Montagmorgen liefen wir stracks zur Autovermietung, um uns einen Wagen für unsere Tour in die Berge zu leihen. Es ist ein Fiat Siena, der schon seine hunderttausend Kilometer auf dem Tacho hat und dessen Blech von Steinschlägen vernarbt ist. Mit dem Aussehen der Autos nimmt man es in Argentinien ohnehin nicht so genau. Für die Autovermieter gibt es nur zwei Schadensarten: Totalcrash oder "vuelta", d.h. Überschlagen in den Graben.

Bei wunderschönem Sonnenschein fuhren wir hinaus aus der Stadt auf unserer ersten Etappe nach San Antonio de las Cobres, einem verlassenen und staubigen Nest ca. 160 km entfernt von Salta, auf knapp 3.800 m Höhe.

Die Strecke bis dahin führte uns schon durch eine eindrucksvolle Bergwelt, mächtige Massive unter stahlblauem Himmel. Vegetation ist rar, stacheliges Buschwerk und Kakteen beherrschen die Szene.

Die Straße Ruta Nacional 51 führt entlang des berühmten "tren a las nubes", den "Zug in den Wolken", der von Salta über das Hochland bis hinüber nach Chile führt und mit dem die damals reichhaltigen Bodenschätze zu den pazifischen Häfen abgefahren wurden. Heute verkehrt hier mehr oder weniger regelmäßig ein Touristenzug, der an der höchsten Stelle der Strecke, am Viaducto La Polvorilla auf 4.200 m Meereshöhe , wieder nach Salta zurück fährt. Diesen Viadukt, der ca. 20 km von San Antonio entfernt ist, wollten wir auch besichtigen, und so fuhren wir am Spätnachmittag hin, um ihn im warmen Licht der untergehenden Sonne zu bestaunen.

Was für ein imposantes und elegantes Bauwerk: 64 m hoch und 224 m lang, führt er das Eisenbahngleis schwungvoll über das Tal. Wer mehr zur Geschichte des Tren a las nubes und des Viaduktes wissen möchte:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Salta%E2%80%93Antofagasta

Nach Einbruch der Dunkelheit schlenderten wir noch ein bisschen durchs Dorf. Die Straßen sind nur dürftig beleuchtet, in den Häusern brennen ein paar Funzeln, wir sind ganz weit weg von der Hektik unserer Alltags, aber auch vom Komfort. Obwohl: unsere Herberge ist sehr gut. Heizung, Warmwasser und ein gutes Restaurant. Nachts haben wir Minustemperaturen, tagsüber brennt die Sonne sehr stark. Wir müssen ordentlich Sonnenschutzcreme auftragen.



In Salta

Geschrieben von miyake
22:08, 26.07.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Wir sind endlich in Salta angekommen, in "La Linda" - der "Schoenen". Zum heutigen Sonntag ist wenig los in der Stadt, aber das Wetter ist fantastisch: blauer Himmel, keine Wolken und eine Sonne, die kraeftig waermt. Wir laufen ein bisschen durch die Strassen, waren vorhin mit der Seilbahn auf den Berg gefahren, von dem aus man die ganze Stadt ueberblicken kann und am Horizont im Dunst die Berge erkennen kann.

Wir lassen es heute langsam angehen; nach fast 24 Stunden Busfahrt auch verstaendlich. Morgen mieten wir uns ein Auto, und dann geht es ab in die Berge. Das wird sicherlich der Hoehepunkt unserer Reise.

Wir werden uns ganz bestimmt von unterwegs melden - mit spektakulaeren Bildern...



Lost in Paraguay

Geschrieben von miyake
19:55, 26.07.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Nach dem fantastischen Naturschauspiel der Wasserfälle von Iguazu begaben wir uns tags darauf in die Hölle der menschlichen Zivilisation, in Gestalt der paraguayischen Grenzstadt Ciudad del Este, vormals Puerto Stroessner. Wir wollten eigentlich "nur mal kurz rüber" nach Brasilien und Paraguay, das kann man ganz einfach im kleinen Grenzverkehr direkt mit dem Bus, allerdings ist das keine Gegend fürs sightseeing, ganz im Gegenteil, hier sollte man nicht so genau hinschauen, denn die ganze Stadt lebt nur vom Schmuggel (contrabande).


Alles kann man hier kaufen, und auch wenn die Produkte wie original aussehen, so sind sie doch gefälscht. Bei Klamotten mag man das ja noch nachvollziehen, aber bei Laptops, Mobiltelefonen, iPods oder gar Parfums und Whiskey kann man es nicht glauben. Wir waren durchaus in Versuchung, aber was nützt uns eine schöne Hülle mit wertlosen Inhalt, auch wenn es nur halb so teuer wie das Original ist.

Wir schauten uns das Spektakel an und liefen zurück nach Brasilien, wo wir erst mal ein bisschen Probleme bekamen ob der Tatsache, dass Leons und mein Familiennamen unterschiedlich sind. Die vorgezeigte amtlich bestätigte internationale Geburtsurkunde half erst mal auch nicht weiter, aber nach einigen Minuten Diskutieren kamen wir dann doch gemeinsam durch. Momentan sind die Grenzkontrollen ein bisschen strenger (wegen der Grippe), und hier auf Grund der contrabande ohnehin. Die Polizei zeigt ihre Großkalibrigen ziemlich offensiv.

Wenn man Brasilien oder auch Argentinien hört, dann denkt man oft an Rio der Janeiro, Samba, Buenos Aires, Tango und Fußball, in Wirklichkeit sind nur wenige Gegenden beschaulich oder einladend. Für die meisten Menschen hier bedeutet Leben = Überleben. Sie hausen in Hütten, die fast zusammenbrechen, auf den Straßen liegt Müll, Hunde streunen umher und aus manchem Tor folgen uns Blicke, die zu fragen scheinen: Was wollen diese Gringos hier? Natürlich gibt es die faszinierenden Orte, auf die jeder Reiseführer hinweist, aber das wahre Leben ist anderswo.

Bem-vindo en Brasil


Am späten Nachmittag waren wir wieder auf der argentinischen Seite, mit einigen Stempeln mehr im Reisepass. Dort spazierten wir noch ein bisschen durch den abends doch sehr geschäftigen Ort, zogen uns noch ein gutes Stück Fleisch rein, und als die Nacht vergangen war, am Samstagvormittag gegen 11 Uhr, saßen wir auch schon wieder im Bus zu unserer längsten Reise - knapp 2000 km von Iguazu im äußersten Nordosten nach Salta im Nordwesten, in 23 Stunden Reisezeit.



Von La Boca nach Iguazu

Geschrieben von miyake
15:35, 24.07.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Nachdem Buenos Aires am Dienstag fast ersoff im Regen, folgte am Mittwoch eine arktische Kältewelle. Wir wollten uns La Boca mit seinen bunten Häusern ansehen und trafen am recht frühen Vormittag auf ein wie leergefegtes Viertel.

Wenn man den Caminito kennt und die Unmengen von Touristen, die dort herumlaufen, wo man ständig "ofertas" für Restaurants und Tangoshows in die Hand gedrückt bekommt, dann ist das schon ein seltsames Bild, das sich uns darbot. Außer zwei frierenden Polizisten kaum Leute auf der Straße, wir hatten alles für uns alleine, auch wenn uns der kalte Wind unter die Klamotten pfiff und wir ein wenig die Tristesse nachempfinden konnten, die die Immigranten aus Europa vor hundert Jahren hier vorgefunden haben müssen.


Auf dem Weg zurück noch eine kurze Zwischenstation an der "Bombonera", dem Stadion der Boca Juniors, wo Maradona seine Karriere begann.


Dann hieß es: Koffer packen und ab zum Busterminal. Auf dem Weg dahin noch zur Post, um die Briefe und Postkarten aufzugeben, in der Hoffnung, dass sie vor uns in Dresden ankommen mögen.

Viertel drei am Nachmittag machte sich unser Überlandbus auf die 1600 km lange Reise in den Nordosten nach Puerto Iguazu. Wir hatten Schlafsessel im Oberdeck, gleich vorn an der Panoramascheibe mit fantastischen Blick in die weite Ferne, und wenn wir nicht Filme guckten, lasen, aßen oder Schach spielten (aktueller Stand seit Beginn der Reise: Leon - Thomas 5:8), dann schliefen wir.

Am Donnerstagmorgen gegen 8 Uhr kamen wir an im Grenzdreieck Argentinien-Brasilien-Paraguay, und wir fackelten nicht lange, warfen unsere Sachen ab und schnappten uns den nächsten Bus zu den "cataratas", den berühmten Wasserfällen von Iguazu. Diese, das haben wir erst gestern gelesen, sind unter den 7 Finalisten der "Naturweltwunder", die momentan gekürt werden, von der UNESCO, wenn mich nicht alles täuscht.

Und diese Wasserfälle sind einfach grandios! Gegenwärtig ist auch noch Hochwasser, so dass das tosende Spektakel noch eindrucksvoller ausfällt. Schon von der Ferne sieht man die Gischt in der Luft stehen, und wenn man da auf dem Steg über der "Garganta del Diabolo", dem Teufelsschlund steht, ist man nur noch gebannt ob der gigantischen Wassermassen, die hier knapp 40 m in die Tiefe fallen.



Man kann auf vielen Stegen oberhalb und unterhalb der Wasserfälle herumlaufen und das Panorama bestaunen.

Und wem das Wasser nicht genug ist, der hat noch Gelegenheiten, auf Lehrpfaden durch den subtropischen Dschungel zu laufen und Nasenbären...

...Wasserschweinen, einer Vielzahl bunter Vögel...

und Schmetterlingen oder gar einer Schlange zu begegnen...

...beziehungsweise frechen Affen.


Das Wetter hier oben ist übrigens viel angenehmer als in Buenos Aires. Tagsüber kann man kurzärmelig herumlaufen, nur nachts ist es kalt, aber da liegen wir in unseren wärmenden Schlafsäcken.

Am Samstag wollen wir mit dem Bus nach Salta fahren, eine knapp 24stündige Reise quer durchs Land. Argentinien ist nun mal ein weites Land...



Auf den Strassen von Buenos Aires

Geschrieben von miyake
02:06, 22.07.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link
Unser erster Tag in Buenos Aires klang mit dem traditionellen Besuch im Botanischen Garten, unter uns auch als "Katzenpark" bekannt, aus. Dies ist ein Park, in dem eine gute Hundertschaft an ausgesetzten oder durchgebrannten Katzen lebt, auf der Straße zwar, aber von der Parkverwaltung geduldet und von vielen Besuchern gefüttert und mit ein wenig Zuneigung bedacht. Leon und ich kauften eine große Portion Katzenfutter und verteilten dieses großzügig unter unsere bepelzten Freunden.



Mancher Kater holte sich das Futter direkt aus dem Rucksack

Auf dem Weg dahin übrigens begegnete ich auf offener Straße einem Freund von Un Techo Para Mi País, den ich während einer Hausbauaktion in einem der Elendsviertel in Buenos Aires im Oktober 2007 kennen lernte und der bei allen nur "el chileno" hieß, der Chilene, weil er erstens aus Chile stammt, dem Ursprungsland der mittlerweile größten lateinamerikanischen Freiwilligenorganisation im Kampf gegen die Armut, und weil die Chilenen bei den Argentiniern als die "Preußen Lateinamerikas"gelten, weil sie tatsächlich ein bisschen wie Deutsche denken und organisieren.

Jedenfalls erkennt er mich (nicht ich ihn, Schande über mich), und die Wiedersehensfreude ist riesengroß! Und das mitten in Buenos Aires! Das kann doch kein Zufall sein. Wir wärmen noch mal die alten Kamellen auf, wie wir uns über unsere argentinischen Freunde lustig machten ("Cuidado! Argentinos trabajando!"), und er erzählte, dass meine damaligen Vorschläge zur Verbesserung der Stabilität der Häuser und zur Vereinfachung der Montage immer noch Bestandteil der offiziellen Bauanweisung sind, und mir wurde richtig warm ums Herz, als ich das hörte. Wir hatten seit fast zwei Jahren keinen Kontakt miteinander, aber uns war, als ob wir erst gestern auseinander gegangen wären.

Und wenn alles klappt, dann können wir an dem Wochenende vor unserem Heimflug hier in Buenos Aires unsere Freunde von Un Techo in eines der sogenannte "villas miserias" begleiten, so dass ich Leon zeigen kann, wo ich gearbeitet hatte und wie das Leben im unteren Bereich der sozialen Skala ausschaut.

Am zweiten Tag war Buenos Aires von tief hängenden dicken schwarzen Regenwolken bedeckt, so dass wir kaum aus dem Haus kamen, ohne uns nasse Füße zu holen. So verbrachten wir die meiste Zeit im Café oder im Hotel, bei Spanischlektionen, Schach spielend oder im Bett lesend, kauften uns die Bustickets für unsere morgige Fahrt nach Iguazu - so kann man auch den Tag rumbringen.


Zum Glueck klarte das Wetter gegen Abend auf, so dass wir doch noch eine Runde drehen konnten. Leon wundert sich immer wieder ueber die schrottigen Autos, die hier herumstehen und -fahren...


...wobei dieser alte und von leichtem Flugrost bestaeubte Dodge einer meiner Favoriten ist, schlussendlich enterten wir ein kleines Restaurant, wo wir den Tag mit einer ordentlichen Portion Fleisch...


...und einem abschliessenden "flan con dulce de leche" beschlossen.



Wir sind in Buenos Aires angekommen!!

Geschrieben von miyake
17:02, 20.07.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link
Wir sind in Buenos Aires!! Eben noch in Dresden an einem verregneten Sonntagmorgen in aller Herrgottsfruehe aus dem Bett gefallen, die Rucksaecke aufgeschnallt und zum Flughafen gefahren, dann noch schell ein Erinnerungsfoto fuers Familienalbum in der Halle...


...dann sassen wir auch schon im Flieger nach Frankfurt, der, kaum dass er abhob, auch schon wieder zur Landung ueberging. In Frankfurt hatten wir genug Zeit, unser Flugzeug nach Buenos Aires zu suchen, und das war der Flug, auf den wir uns schon lange gefreut hatten - mit einem Jumbo-Jet Boeing 747. Ich mag diesen Riesenvogel, der so unfoermig und plump aussieht, so dass man gar nicht glauben mag, dass er sich in die Luefte erheben kann. Wir hatten unsere Plaetze ganz hinten un d mussten erst mal durch drei Abteile laufen - wie in einem Zug. Es ist unglaublich, welches Fassungsvermoegen der Jumbo hat.


Und dann nahm er Anlauf, riesigen Anlauf, und hob ab. 13einhalb Stunden sollten wir dann bis auf die andere Seite der Erdkugel fliegen, und diese Zeit verging ganz gut mit Lesen, Schach spielen, Musik hoeren, diversen Mahlzeiten, Filme gucken (allerdings seichte Hollywoodkost) oder auch schlafen.



Gegen 19 Uhr Ortszeit schwebten wir in Ezeiza, dem internationalen Flughafen suedlich der Stadt ein, liessen uns die Paesse stempeln, sammelten unsere Rucksaecke ein und schnappten uns ein Taxi in die Stadt.


Der Abend hatte in Buenos Aires gerade begonnen, und auch wenn wir bereits 18 Stunden auf den Beinen waren, drehten wir noch eine kleine Runde durch unser Viertel San Telmo, und gingen noch was essen (natuerlich ordentlich Fleisch), ehe wir zu Bett gingen.

Heute vormittag erster Stadtrundgang mit Besichtigung des Praesidentenpalastes, der Casa Rosada, und der Plaza de Mayo, dann flanierten wir entlang der Avenida de Mayo und bogen aber doch recht schnell in die Calle Florida, der beruechtigten Shoppingmeile ab. Hier wimmelt es nur von verlockenden Angeboten, und da wir das eine oder andere Fussballtrikot oder eine cooles Accessoire suchen, schwommen wir also mit in dem Strom der Kaufsuechtigen.



Noch muessen wir erst mal begreifen, dass wir tatsaechlich in Buenos Aires angekommen sind, aber wir glauben, dass das ganz schnell passieren wird. Diese Stadt zieht einen unwillkuerlich in den Bann, dem kann man sich nicht entziehen, und wir wollen uns voll darauf einlassen. Die kommenden beiden Tage werden wir kreuz & quer durch die Stadt ziehen und uns all das anschauen, was diese grossartige Metropole am Rio de la Plata so unwiderstehlich macht.



Am Sonntag geht es los...

Geschrieben von miyake
07:10, 15.07.2009 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Am 19. Juli 2009 geht sie los, unsere Reise nach Argentinien, und wie es der Zufall will, habe ich mich fast auf den Tag genau vor zwei Jahren von meiner Familie und meinen Freunden für meine große Südamerikareise verabschiedet. Ein ganzes langes Jahr lag vor mir, und natürlich wollte ich auch meinen Sohn Leon daran teilhaben lassen, der damals 12 Jahre alt und somit in einem Alter war, wo man über den Tellerrand hinaus schauen sollte.

So planten wir also eine „Familienzusammenführung“ im Februar 2008, quasi zur Halbzeit meiner Reise, und es sollten drei gemeinsame Wochen werden, in denen ich Land und Leute vorstellen wollte. Leider kam es nicht zu dieser Reise, denn wenige Tage vor Abflug schlug ein Grippevirus zu und vereitelte dieses Abenteuer, hier noch mal nachzulesen in meinem alten Weblog:

http://www.free-blog.in/argentina2007/41276/Das+Schicksal.html

Als dieser Schock halbwegs überwunden war, rafften wir uns auf und beschlossen, diese gemeinsame Reise zu einen späteren Zeitpunkt nachzuholen – innerhalb des kommenden Jahres 2009 – und so nahmen wir also noch einmal Anlauf.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland im Juni 2008 hat sich ja auch für mich einiges geändert. Ich habe im Juli 2008 eine neue Arbeit begonnen, das Tempo hat wieder angezogen, ich bin voll eingespannt und stehe im Stress, habe kaum noch Freizeit und die Tage und Wochen sausen im Zeitraffer an mir vorbei – aber dem Wunsch nach einer Rückkehr nach Argentinien hat das alles nichts anhaben können. Im Gegenteil; wir haben es uns so fest vorgenommen, dass ich selbst meine relativ sichere Arbeit dafür hinten angestellt habe.

Kurz & gut: die Flugtickets sind lange schon gekauft, die Reiseführer aktualisiert und unsere Freunde am Rio de la Plata wissen Bescheid, dass wir kommen. Die Spannung steigt, am Samstag werden wir unsere Rucksäcke packen und noch das eine oder andere Utensil kaufen, und am Sonntagmorgen geht es definitiv los.

Wir fliegen 7:20 Uhr von Dresden nach Frankfurt, und von dort geht es dann gegen 10:20 Uhr in einem „Jumbo-Jet“ auf die 13.200 km und 14 Stunden lange Non-Stopp-Reise nach Buenos Aires. Dort kommen wir gegen 19 Uhr Ortszeit an und werden dann schnurstracks nach San Telmo fahren, um die Sachen in unserer Pension abzuwerfen und einen ersten Rundgang durchs Viertel zu machen, sicherlich gekrönt durch ein fantastisches Essen in meinem Lieblingslokal „El Federal“

http://www.welcomesantelmo.com/san-telmo/xg326tkqpz/El-Federal

Von uns aus kann’s losgehen!



The end? This is not the end, my friend!

Geschrieben von miyake
22:35, 14 July 2008 .. 2 Kommentar(e) .. Link
Nun bin ich seit gut einem Monat wieder in Deutschland – allerhöchste Zeit zu beschreiben, wie es mir in der Zwischenzeit ergangen ist.

Meine letzten Tage in Buenos Aires hatte ich ja schon beschrieben. Am Tag der Abreise stand ich ziemlich früh auf, um noch eine Abschiedsrunde durch das gerade erwachende San Telmo zu ziehen und so langsam in den Tag einzutauchen. Gegen Mittag holte mich dann das bestellte Taxi ab, um mich nach Ezeiza zum Flughafen zu fahren. Dort gab ich mein übergewichtiges Gepäck auf (hinzu: 16 kg, rückzu: 25 kg!! – die junge Dame am Schalter zuckte nicht mal mit den Wimpern), rauchte noch eine letzte Zigarette vor dem Flughafengebäude und checkte dann ein. Erst als der Flieger abhob und ich die Häuser entschwinden sah, überfiel mich für einen Moment die Traurigkeit des Abschiedes. Noch einmal durfte ich die herrlichen, schneebedeckten Berge der Andenkette sehen, ehe ich in Santiago de Chile zwischenlandete und meinen Anschlussflieger nach Madrid und Frankfurt am Main bestieg.

Und dann landete ich am Abend des 6. Juni 2008 in Frankfurt, wo mich mein Freund Helmut, der mich bereits bei der Hinreise dort verabschiedet hatte, auch wieder abholte. Wir hatten damals vereinbart, dass ich nach Ankunft nicht noch nach Dresden durchfahre, sondern eine Nacht bei ihm in Mainz verbringe. Und da begann schon das „Abenteuer Deutschland“: beim Rausfahren aus dem Parkhaus schluckte der Parkautomat Helmuts Kreditkarte und stelle die Anzeige auf „Gerät außer Betrieb“ um. Völlig klar, dass der per Notruf verständigte Techniker fragte, wie d a s denn gehen kann.

Was mir an diesem wunderbar lauen Sommerabend sogleich auffiel: wie unelegant die Menschen in Deutschland gekleidet sind. Hässlich geschnitten und in grässliche Farben; Hauptsache, man/frau fühlt sich wohl darin. Dies fällt einem immer erst auf, wenn man eine Weile woanders war. Im Hinblick auf guten Geschmack und elegante Kleidung bin ich in Argentinien sehr verwöhnt worden.

In Helmuts Haus angekommen, gab es erst mal ein richtig schön deftiges Abendbrot mit Schwarzbrot, Leberwurst und Bier. Auf so was muss man seine Magen erst mal wieder eingewöhnen.

Samstag fuhr per ICE nach Dresden, wo ich von meinem Sohn Leon und meinen beiden Brüdern am Bahnhof empfangen wurde. Als ich einige Minuten später meine Wohnung betrat, fand ich sie so vor, als ob ich sie eben gerade verlassen hatte.

Und überhaupt die verstrichene Zeit. Ich hatte ja schon mal darüber philosophiert, wie unterschiedlich man die Zeit empfindet als Reisender und als jemand, der seinem Tagwerk nachgeht. Natürlich passierte in den folgenden Tagen genau das, was ich erwartet hatte: Bist du schon wieder zurück? Ja, Leute, das Jahr ist um! Falls ihr auch mal für längere Zeit durch die Weltgeschichte reisen wollt, dann macht euch keine Sorgen über die Daheimgebliebenen. Für die vergeht das Jahr so schnell, dass sie es gar nicht bemerken. Ich will nicht behaupten, dass man euch nicht vermissen wird, aber meine Erkenntnis ist u.a., dass ich mit den Leuten, die ich auf meiner Reise kennen lernte, eine wesentlich intensivere Korrespondenz hatte als mit den Leuten in der Heimat. Daran ist nichts Verwerfliches – ich bin nun auch wieder in dieser Situation und merke, dass ich nicht viel Muse habe und die Zeit rasend schnell vergeht.

Jetzt musste ich mich wieder in das hiesige Leben einklinken. Gleich am Montagvormittag hatte ich mein erstes Vorstellungsgespräch bei meinem zukünftigen Arbeitgeber, musste aber ebenfalls noch zum Arbeitsamt, dem ich bereits aus Buenos Aires eine Mail geschickt hatte mit der Info, dass ich wieder in Dresden sein werde und wegen des Vorstellungsgesprächs erst am Nachmittag vorbeikommen könne und ob sie mir bitte mitteilten, ob das Amt in dieser Zeit geöffnet hat. Es kam keine Antwort, ich machte mich fein und fuhr zum „Vorsingen“ und sauste nachher zum Arbeitsamt, wo ich gegen halb zwei des Nachmittags vor verschlossener Tür stand. Montag ist Schontag, und das Amt hat nur bis 12 Uhr geöffnet. Am Empfang saßen zwei Wachleute, die sich angeregt miteinander unterhielten und mich gar nicht beachteten. Erst als ich mich mit kräftigem Räuspern einschaltete und fragte, ob ich meine Arbeitsvermittlerin anrufen dürfte, ich aber deren Nummer nicht weiß, drehten sie sich kurz um und meinten, dass sie die Telefonnummern auch nicht wüssten, denn die ändern sich ständig. Ich wollte die beiden Schlümpfe nichtauch noch nach einem Telefonbuch fragen.

Also fuhr ich tags darauf noch mal zum Amt und kriegte gleich meinen Rüffel wegen Zuspätkommens und dass mir dieser Tag bezüglich Arbeitslosengeld gestrichen wird, ich aber schriftlichen Einspruch einlegen könne und dies dann vor einer Anhörungsstelle verhandelt wird und ich von nun an unbedingten Willen zeigen müsse, wieder eine Arbeit zu finden und dass ich, falls man meine Bedürftigkeit feststelle, Arbeitslosengeld II beantragen könne usw. usf. Als die Dame ihren Text runtergebetet hatte, entgegnete ich ihr, dass ich mich bereits um eine Arbeitsstelle kümmere und in spätestens 3 Wochen wieder in Lohn & Brot stehen werde. Sie meinte nur, dass dies nicht Sache der Antragsstelle ist, sondern die meiner Arbeitsvermittlerin, und wollte schon wieder anfangen, ihren Text weiter zu spulen, der mir den zu erwartenden sozialen Abstieg vor Augen führte, als ich ihr sagte, dass sie mal lächeln und nicht immer davon ausgehen sollte, dass alle vor ihr Sitzenden schwer vermittelbar sind. Sie war sichtlich irritiert.

Um meinen Antrag abzugeben, musste ich noch ein drittes und viertes Mal aufs Amt, aber da hatte ich bereits meinen neuen Arbeitsvertrag in der Tasche, so dass ich mir nicht mehr die Mühe machte, so zu tun, als ob ich nur aus Versehen in das Gebäude gekommen wäre.

Dann ging es weiter. Ich musste meine Wohnung wieder einrichten, Strom anmelden, Telefon und Internet ebenso, den Nachsendeauftrag der Post wieder aufheben, mich im Einwohnermeldeamt melden, um meine Lohnsteuerkarte aufzupicken, zur Krankenkasse, zum Finanzamt wegen der Steuererklärung für das Jahr 2007 usw. usf. Und wenn es schon schwierig war, dass alles abzumelden, so ist es genau so langwierig, dies wieder anzumelden. Manchmal hatte ich nachgerade den Eindruck, dass die Leute sich fragten, wieso ich denn wiedergekommen bin und dass, wer sich einmal ausgeklinkt hat, kein Recht auf Wiederaufnahme besteht. Da bin ich richtig im Quadrat gesprungen.

Ich hatte eigentlich gar keine richtige Zeit, meine Reiseerlebnisse sacken zu lassen. Tagsüber rannte ich durch die Gegend, und an den Abenden saß ich in der Kneipe und guckte die Spiele der Fußball-Europameisterschaft. Als dies zu Ende war, begann ich meine neue Arbeit. Und diese hat mich jetzt so im Griff, dass ich in den kommenden Monaten wohl kaum noch ausreichend Ruhe finden werde, alle meine Bilder zu sortieren (es sind fünfeinhalb tausend Fotos) und für einen Vortrag aufzubereiten, mein Spanisch wenigstens nicht zu vergessen, wenn nicht sogar zu verbessern, alle meine Bekannt- und Freundschaften zu pflegen und mir ernsthafte Gedanken zu machen, wie ich meinen Freunden von Un Techo Para Mi Pais unterstützen kann.

Und doch werde ich genau das tun, denn diese Reise war so außerordentlich wichtig für mich, dass ich genug Kraft und Energie für große und anstrengende Aufgaben habe. Gerade mein neuer Job wird mir einiges abverlangen. Ich arbeite nun als Projektleiter bei den Deutschen Werkstätten Hellerau, einer traditionsreichen Möbelmanufaktur, die sich mittlerweile zum High-End Innenausbauer gemausert haben, die Megayachten, Hotellobbies, Flagship Stores und Präsentationsräume designen und ausbauen und sich immer mehr in Richtung Komplettanbieter für umfangreiche Hochbauprojekte entwickelt. Hier werde ich ein Projekt in Kiew betreuen, mehrstelliger Millionenbetrag, Architekten aus London, Landschaftsgärtner aus Japan, Laufzeit mindestens ein Jahr und mit häufiger Vor-Ort-Anwesenheit – mit dieser Arbeit werde ich wachsen, aber ich habe überhaupt keine Angst davor, dass ich scheitern könnte. Da helfen mir wieder meine Reiseerlebnisse: ich habe gesehen, wie die Menschen anderswo leben und sich ernähren müssen, unter viel härteren und gefährlicheren Bedingungen als ich. Ich wüsste nicht, wovor ich Angst haben sollte.

Ich habe diesen neuen Job auch bewusst gewählt, denn für mich beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Die Reise hat mein Leben in die Zeit davor und danach geteilt. Ich hätte in meine alte Arbeit zurückkehren können – das Angebot von meinem Chef stand – aber ich bin der Meinung, dass ich dort meine gute Zeit hatte, diese auch nutzte, aber ebenso an den Grenzen meiner Möglichkeiten angekommen bin. Ich hätte dort ein oder vielleicht auch zwei Jahre routiniert meine Kugel schieben können, dann wäre ob der überschaubaren Aussichten die Unzufriedenheit zurückgekehrt. Das, was jetzt auf mich zukommt, ist noch unüberschaubar, und das macht den Reiz für mich aus. Es kann jede Menge Überraschungen geben, und warum sollen diese alle negativ sein?

Auf jeden Fall werde ich meine auf der Reise gewonnen Freundschaften pflegen. Das sind so viele Leute, dass ich selbst jetzt noch nicht allen eine persönliche Email aus Dresden schicken konnte. Heute erhielt ich zum Beispiel eine Mail von Un Techo aus Buenos Aires mit einem Link zu einem Video über unsere gemeinsame „construcción“ in Buenos Aires im Mai 2008:

http://www.youtube.com/watch?v=1NgVLj7fOsQ

Was bleibt? Eineganze Menge unvergesslicher Erlebnisse und Erfahrungen. Ich hatte auf meiner Reise immer Glück gehabt, und dabei haben mir vor allen Dingen meine Sprachkenntnisse geholfen und auch ein Stück weit meine Lebenserfahrung. Mit 40 reist man anders als mit 20. Für mich war es außerdem wichtig zu erfahren, dass das Leben nicht eingleisig immer weiter läuft, sondern dass man auch Dinge hinter sich lassen kann: den Job, die Wohnung, die Stadt. Ich habe in Argentinien selten an mein Leben in Dresden gedacht, habe meine Wohnung nicht vermisst, auch nicht mein zurückgelassenes Eigentum, meine kleinen Schätze – all das verschwindet in der Ferne und hat keine Bedeutung mehr. Wenn man auf einer langen Reise ist, zählen andere Dinge, und das, was materiell ist, liegt übersichtlich vor einem. Und ich habe das Wagnis bestanden, in einer anderen Kultur mit anderer Sprache, Denken und anderen Mentalitäten meinen Platz zu finden und dort Spuren zu hinterlassen. Das ist eigentlich die allerschönste Erkenntnis dieser Reise.

Also: meine Reise ist noch nicht zu Ende! Sie geht weiter und wird mich jetzt an andere Orte führen, und in fünf oder sechs Jahren werde ich wieder meinen Rucksack packen und den Rest Südamerikas bereisen. Da fehlen mir noch Kolumbien, das riesengoße, verlockende Brasilien, Venezuela, die kleinen mittelamerikanischen Ländern und auch meinem geliebten Argentinien werde ich wieder einen Besuch abstatten. ¡Mi corazón todavía está en la Argentina!



¡Adios Argentina!

Geschrieben von miyake
10:04, 4 June 2008 .. 0 Kommentar(e) .. Link
Nun ist unwiderruflich der letzte volle Tag meiner langen Reise angebrochen. Ich hatte mir, während ich mit dem Bus nächtens irgendwo durch Bolivien oder Peru rumpelte, immer versucht vorzustellen, wie dieser wohl sein mag, ob die Freude über die Heimkehr überwiegt oder ob Melancholie und Tristesse einen übermannen. Es ist eine Mischung aus beidem: natürlich freue ich mich, meine Familie, meinen Sohn Leon, meine Freunde und Dresden wiederzusehen, aus den Fenstern meiner Wohnung über die Dächer der Dresdner Neustadt zu schauen und den Sommer zu genießen. Andererseits habe ich mich aber hier in Argentinien so gut eingelebt, dass ich es als mein zweites Zuhause betrachte. Ich komme mit den Leuten hier ausgezeichnet zurecht, und es gibt viele Facetten im hiesigen Leben, die mich faszinieren und die ich gerne auch in Deutschland hätte.

Für ein Fazit meiner Reise ist es jetzt noch zu früh. Diese muss erst mal beendet werde, und dann müssen sich die vielen Eindrücke erst mal setzen, ehe ich ein abschließendes Urteil fällen kann. Da ich in letzter Zeit oft gefragt wurde, was ich den an Argentinien oder Südamerika vermissen werde, will ich dies mal in aller Kürze und Unvollständigkeit aufzählen: das quirlige Leben in den Straßen von Buenos Aires +++ café con leche y tres medialunas und Zeitungslesen des Morgens in einem Straßencafé +++ leckeres Essen (bife de lomo, hamburguesas, choripan, milanesa, alfajores, flan, die schier unermesslichen Varianten an Rotwein, helado – Eis, humitas, empanadas, churro …………) +++ Fußball total +++ Tango argentino +++ die olle Subte A +++ die Anarchie in den Köpfen der Menschen +++ Pachamama +++ mercados +++ y mucho más...

Argentinien ist für mich deswegen so unglaublich interessant und spannend, weil man hier am anderen Ende der Welt ein Stück Europa vorfindet, und zwar das „alte“ Europa. Man trifft hier alle Nationalitäten an, und jeder kennt die Wurzeln seiner Herkunft und hat eine Geschichte zu erzählen. Hinzu kommt, dass man besonders in Buenos Aires die alten Zeiten spüren, geradezu atmen kann. Im Gegensatz zu vielen europäischen Städten, so auch meine Heimatstadt Dresden, wurde das heutige Buenos Aires nie in einem Krieg zerstört. Die gesamte städtische Infrastruktur steht noch so da, wie sie vor 100 Jahren eingerichtet wurde. Viele der Gebäude mögen Patina angesetzt haben oder verfallen (leider), aber man kann noch ganz deutlich ihre Pracht und Opulenz aus den goldenen Zeiten erkennen, wo Argentinien ein wirtschaftlich und kulturell prosperierendes Land war. Das historische Zentrum Dresdens mag viel sauberer und vorzeigbarer sein, aber es ist eine Rekonstruktion dessen, was einmal war – das ist der kleine Unterschied.

Ich werde heute also noch mal ausgiebig durch die Straßen dieser verrückten Stadt ziehen, auf meinen fast durchgelaufenen Schuhen, nach ich-weiß-nicht-wievielen tausenden von Kilometern kreuz und quer durch Südamerika, werde noch mal kräftig das Leben inhalieren und dann meine Sachen für morgen packen.  

Mein Flugzeug startet gegen 15 Uhr, d.h. ich muss etwa gegen Mittag meine Tasche ins Taxi wuchten, um mich dann zum Flughafen Ezeiza chauffieren zu lassen. Zuerst geht es nach Santiago de Chile und von dort aus dann über Madrid nach Frankfurt am Main. Am Freitagabend komme ich an und werde dort von meinem guten alten Freund Helmut abgeholt, bei dem ich über Nacht bleiben werde, ich ich mich am Samstagvormittag ganz gemütlich in den ICE nach Dresden setze.

Aber noch ist es nicht soweit – noch habe ich einen Tag und einen halben hier in Buenos Aires, und diese Zeit werde ich nutzen. Gestern Abend war ich beispielsweise zu einer sehr schönen Tango-Show samt Abendessen eingeladen. Die Vorstellung war wie ein historischer Abriss des Tangos inszeniert, und die Tänzer spielten und tanzten sowohl auf der Bühne, als auch zwischen dem Publikum. Und wer das Pech (oder Glück) hatte wie ich, geringfügige Vorkenntnisse zu besitzen, der wurde mit in die Show einbezogen. Así es la vida en Argentina!

¡Adíos Argentina, y nos vemos!



Ein neues Zeitalter ist angebrochen!

Geschrieben von miyake
17:14, 3 June 2008 .. 0 Kommentar(e) .. Link
Was für ein neues Zeitalter? Gab´s eine Revolution? Ist ein Mensch auf dem Mars gelandet? Nee, ich hatte heute meinen Vierzigsten, und dieser Tag dauert noch genau drei Minuten, ehe einer dieser ganz gewöhnlichen Tage anbrechen wird. Heute Abend war ich mit Fernando und Cecilia, zwei sehr guten Freunden aus Buenos Aires, fein essen gewesen, in einem spanischen Restaurant, denn wie es der Zufall will, hat auch Cecilia ihren Geburtstag just am 2. Juni. So gab es also eine Doppelgeburtstagsfeier. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich übrigens bei allen bedanken, die an mich gedacht und mir liebe Geburtstagsgrüße per E-Mail geschickt haben.

Ich bin nebenbei bemerkt wieder in Buenos Aires. Freitagnacht fuhr ich mit dem Bus von Córdoba wieder zu den Porteños zurück, holte meine eingelagerten Sachen und bezog mein kleines Zimmerchen in „Lina´s TangoGuesthouse“ in San Telmo, in unmittelbarer Nähe aller mir ans Herz gewachsenen Plätze. Den Samstag war ich fast ausschließlich mit dem Sortieren meiner Sachen beschäftigt. Das Wetter ist wieder passabel, kalt zwar, aber die Sonne scheint, so dass ich jede Gelegenheit zum Herumlaufen nutze. Der Sonntag, mein letzter Sonntag dieser Reise, war ausschließlich San Telmo gewidmet. Schon ganz früh am Morgen zur Plaza Dorrego, um zuzuschauen, wie die Trödelhändler ihre Stände aufbauen. Bis zum späten Abend schlenderte ich über die Plätze und die Gassen, wo an hunderten von Ständen Kunsthandwerkliches, Antikes, Kulinarisches oder Tinnef angeboten wird. Ich habe heftig Geld gelassen – ojeoje, aber wann habe ich wieder die Gelegenheit dazu? So kaufte ich zum Beispiel vor zwei Jahren bei Art+Form in Dresden einen opulenten Kalender mit Tangomotiven, der mich eine Stange Geld kostete, aber dessen Motive mir unglaublich gut gefielen. Hier in San Telmo traf ich den Künstler, den Fotografen, der an einem Stand handsignierte Abzüge aus seinem reichhaltigen Repertoire zum Verkauf anbietet. Habe fünf wunderschöne Bilder erworben. Und noch so manche Preziosen für meine Lieben daheim.

Ich bin zurzeit von früh bis spät unterwegs und schlafe nur wenig. Ich liebe es, am frühen Morgen durch die Straßen zu ziehen und zuzuschauen, wie die Stadt erwacht. Dann kaufe ich mir eine Zeitung und setze mich in ein Café. Hab schon wieder mein „Stammcafé“, wo der Kellner gar nicht mehr fragt, was ich wünsche, sondern meinen café con leche und die medialunas sogleich an den Tisch bringt. Der Zeitungsverkäufer greift auch gleich zum richtigen Stapel, wenn er mich kommen sieht. Bin also wieder angekommen in meinem neuen Zuhause.

Jetzt sind es noch zwei volle Tage, die ich ausgiebig nutzen will. Dienstagabend bin ich zu einer Tango-Show eingeladen, mit vorheriger „practica“, also einer Übungsstunde, wo ich meine neuerworbenen Tangoschuhe einweihen kann. Und Mittwochnacht, die letzte Nacht vor Abflug, werde ich wohl auch noch mal dem Tango bis zum Morgengrauen frönen. Schlafen kann ich dann im Flugzeug.

So, Schluss für heute, eine Mütze Schlaf brauche ich aber doch noch, denn morgen wird wieder ein langer Tag.



Chau Córdoba (zum Zweiten!)

Geschrieben von miyake
20:21, 1 June 2008 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Der Winter ist ins Land eingebrochen. Temperaturen unter Null, Schnee in den Sierras, schneidend kalte Winde, die Leute eingemummelt wie Eskimos, und ich habe alle meine warmen Klamotten in Buenos Aires gelassen. So trage ich drei T-Shirts übereinander, darüber den etwas dickeren Pullover und tue ansonsten so, als ob mir diese Kälte nichts ausmacht. Wenn die Sonne scheint, breitet sich sogar ein bisschen Wärme aus. Und vor gerade mal zwei Wochen sollen es noch mehr als 30 Grad Hitze in der Stadt gewesen sein.

Für mich bedeutete die Reise nach Córdoba vor allen Dingen ein Wiedersehen mit Freunden und mit einer Stadt, in der ich immerhin knapp 3 Monate gelebt und gearbeitet hatte. Ich war viel unterwegs, um vertraute Stellen aufzusuchen, um zu schauen, was sich verändert hat und was nicht (Im Grunde ist alles beim Alten: „No hay cospeles, no hay monedas!“, La Mona Jimenez lebt immer noch und überall und ständig wird irgendwo demonstriert und eine Straße blockiert.)

Ich habe mein Quartier bei meiner alten Freundin Fer gefunden, unweit des Zentrums. Am Dienstag lud ich sie dafür zu typisch deutscher Küche ein – ins „MegaDöner“, erst kürzlich eröffnet und ein kulinarischer Exot in Argentinien. Ansonsten stattete ich allen „meinen“ Cafés und Kneipen einen kurzen Besuch ab, bummelte ausgiebig durch die Stadt, am Mittwochabend gab es ein sehr herzliches Wiedersehen mit meinen Freunden vom Tangoclub, nachher besuchte ich meine ehemalige Gastfamilie (die verrückte Weiberwirtschaft).

Am Donnerstag meine Freunde von Un Techo Para Mi País, die mittlerweile in eine neues und viel geräumigeres Büro umgezogen sind. Wir hatten noch Einiges zu besprechen, insbesondere, wie wir weiterhin zusammen arbeiten können, wenn ich wieder in Deutschland bin. Es gibt da einige Ideen, die wir angehen wollen. Für den Abend hatte ich eine Einladung zu einer Ausstellungseröffnung anlässlich des 39.Jahrestages des „Cordobazo“. Am 29. Mai 1969 gab es in Córdoba einen dreitägigen Volksaufstand, zu dem Zehntausende, vor allen Fabrikarbeiter und Studenten, Barrikaden errichteten und die Straßen blockierten, um die damals herrschende Militärdiktatur in die Knie zu zwingen. Sinnigerweise wurde die Firma Xerox zum einem der Symbole des Aufstandes. Deren Fotokopierer waren damals noch solch riesige Ungetüme, von denen man nur zwei Stück auf die Avenida werfen musste, um sie zu blockieren. Der „Cordobazo“ wurde zwar durch die Armee recht schnell niedergeschlagen, aber von diesem Schlag erholte sich die Militärdiktatur nicht mehr; zwei Jahre später wurde sie auf demokratischen Wege hinweggespült.

All das ging mir durch den Kopf, wenn ich dieser Tage durch die Straßen Córdobas spazierte. Momentan war mächtig was los auf den Straßen. Demonstriert wurde an allen Ecken und Enden. Anlass hierfür war u.a. der eben begonnene Prozess gegen einen der Hauptverantwortlichen für Terror und Unterdrückung während der Zeit der Militärdiktatur 1976-1983, Menéndez, sowie parallel dazu stattfindende Proteste der Bauern wegen der durch die Regierung unsinnig erhöhten Ausfuhrzölle für Agrarprodukte plus diverse Berufsstände, die für höhere Gehälter und Löhne streikten. Man schlingerte von einer Demo in die nächste – typisch Argentinien.

Am Freitag, meinem letzten Tag in Córdoba, war ich noch mal ins Büro von Un Techo Para Mi Pais eingeladen – zum Mittagessen, wie man mir sagte. So fand ich mich also zur besagten Zeit, nichts ahnend, was auf mich zukommen würde. Viele meiner Freunde waren im Büro, es gab Milanesa mit Kartoffelbrei, alles ganz locker und lecker, dann aber wurde es mit einem Mal ganz feierlich, kleine Reden über unsere gemeinsame Zeit wurden gehalten, die Erinnerungen noch mal wachgerufen, und dann - fast wie bei einem Festakt – bekam ich eine wunderschöne Urkunde überreicht, die besagt, dass ich nunmehr ein festes und ständiges Mitglied von Un Techo Para Mi Pais Argentina bin, sowie einen kompletten Satz Visitenkarten samt eigener E-Mail-Adresse, die da lautet tkunze@untechoparamipais.org.ar!

Und als Zugabe noch eine aus Schoko-Keksen, Dulce de Leche und Creme Fraiche gebastelte Torte zu meinem in wenigen Tagen anstehenden Geburtstag. Ich kann meine Gefühle in diesem Moment einfach nicht beschreiben! Das ist Un Techo, das sind der Enthusiasmus und das riesengroße Herz der Leute, die sich hier engagieren, hart arbeiten, aber immer fröhlich, immer optimistisch und als Córdobeser natürlich jederzeit zu Witzen und Frotzeleien aufgelegt sind. Diese Jungs & Mädels muss man einfach lieben!

Un Techo Para Mi Pais ist ein eigenes Kapitel, das ich hier vielleicht, so denn die Zeit reicht, noch mal aufarbeiten möchte. Auf jeden Fall kann ich aber sagen, dass die Arbeit mit und für Un Techo für mich eines der aufregendsten Abenteuer meiner Tour war und ich verdammt viel für mein Leben gelernt habe. Und es war eine der Erfahrungen, wie es ist, wenn man irgendwo neu anfängt, nichts und niemanden kennt und sich seinen Platz oder seine Position in der Gruppe erarbeiten muss. Dass mir der Abschied von ihnen schwer gefallen ist, lässt sich sicherlich nachvollziehen…

PS: Bei YouTube findet ihr ein Video von unserer Konstruktion in Buenos Aires:

http://www.youtube.com/watch?v=B2h-6x4KalQ



{ Vorherige Seite } { Seite 1 von 12 } { Nächste Seite }

About Me

Home
Profil
Archiv
Freunde
Fotoalbum

Links


Categories


Recent Entries

Versuch flash
Wer nichts wag, der nichts gewinnt

Friends

miyake
ArmandoBroncas