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Die Karten neu gemischt 1.10.2009

 

Mainz, 8.36 Uhr. Die Frisur hält.

Erstes schlechtes Wetter. Erster Oktober. Das erste mal seit Ewigkeiten 6 Uhr aufstehen. Was ist das da draußen? Etwa Dunkelheit? Die gibt's morgens auch? Der erste Arbeitstag.

 

Erster Hoffnungsschimmer: Der ausgewiesene IC, der mich von Mannheim nach Mainz fahren sollte, fällt aus. Er wird ersetzt durch einen ICE. Eingestiegen, voller Stolz die nagelneue und ab heute gültige Fahrkarte vorzeigen. Zuerst schaute der Schaffner verdutzt. Der Blick wechselte, als wolle er mir sagen: Willkommen in der Hölle. Das Lächeln aufgesetzt ging er dann weiter und begann, hinter der Abteiltür eben diese Entdeckung schadenfreudig seiner Begleiterin zu schildern. Offenbar nicht wissend, dass die Abteiltüren im ICE aus Glas sind.

 

Ankunft 8.36 Uhr, pünktlich. Portemonnaie wie Magen leer. Erster Gang: Sparkasse suchen. Im Fort Malakoff, dem örtlichen Einkaufszentrum, fand sich immerhin ein einzelner Geldautomat, der, wie sollte es anders sein, schon früh am Morgen seinen Dienst verweigerte. Der hat's gut. Ein paar Meter weiter die Spardabank, die ich trotz Gebühren dann in Angriff nahm. Angekommen, Portemonnaie gezückt und festgestellt: EC-Karte weg. Panik. Jackentasche durchsucht, in der Hosentasche auch nichts. Zurück zum Rucksack, auch nix. Nachdenken. Wann hab ich sie das letzt Mal gebraucht? Dienstag, bei Aldi. Schreck - war das der Einkauf, bei dem ich auch meine frisch gekauften Tomaten hab stehen lassen? Der EC-Karten-Sperrnotruf ging recht schnell und kompetent.

 

Nach einem gefühlt zu langem Tag ging es zurück. Nach dem Erfolgerlebnis mit dem Zug morgens und guter Hoffnung auf eine Wiederholung - und wurde prompt enttäuscht. Was hier als Regionalexpress ausgewiesen ist, ist eigentlich eher eine Herausforderung. Ähnliche Fabrikate fahren sonst wohl nur an der polnischen Ostseeküste. Das Interieur machte einen recht antiqierten Eindruck - die Erste Klasse glich den Couches, die so auch in einer in den 70er Jahren erbauten und seitdem nicht mehr überholten Jugendherberge stehen könnten. Direkt neben den Übergängen zwischen den Wagen gelegene Gepäckabteile boten noch einige freie Sitzplätze auf Klappsitzen. Die Sitznische, in der ich mich einnistete, hatte auf der Geruchsebene gewisse Ähnlichkeiten mit der nur gefühlt 50cm entfernten Toilette. Aber eines muss man den Wagen lassen: Die Fenster lassen sich noch öffnen!

 

Zurück daheim galt der erste Gang dem Aldi - an dem sich, erhoffter wie überraschender Weise - meine EC-Karte wieder anfand.  Fazit: Weit weg von zu Hause, kein Bargeld mehr, gesperrte EC-Karte. Morgen Erstsemesterparty der Uni. Zum Glück ist der Vorratsschrank noch voll.

 

Das habe ich heute gelernt

  • Wer seine EC-Karte vermisst, braucht keinen Kaffee. Egal, wie früh es ist.

 

 


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