ISKCON Deutschland am Rande des Zusammenbruchs
16.02.2007
von Krishnakant, Editor Back to Prabhupada (BTP) magazine, ISKCONIRM - www.iskconirm.com

Srila Prabhupada
Rückblende - GBC MEETING 2005: ISKCON Deutschland begann das Jahr mit einer sehr düsteren Aussicht. Nach einem eilig einberufenen Treffen, welches von allen nationalen Ratsmitgliedern besucht wurde, zusammen mit dem glanzlosen GBC Mitglied, Ravindra Svarupa Das, wurde die Erklärung eines Ausnahmezustandes ausgesprochen.

„Den drohenden Verlust der drei einzigen deutschen Tempel, dem Abentheuer Tempel, Goloka Dham, das zuhause von Radha-Madan Mohan, Srila Prabhupada’s ursprüngliche und einzige Deities in Deutschland, den Jandelsbrunn Tempel, Simhacalam, das zuhause der größten Bildgestalt in Europa, Lord Nrsimhadev, den Kölner Tempel, das zuhause der offiziellen Gaura-Nitai Bildgestalten in Deutschland.
Bitte verliert nicht euer Vertrauen in Srila Prabhupadas ISKCON Familie und den Repräsentanten, den GBC Mitgliedern“.
(Vorschlag an den GBC von Dina Sharana Devi Dasi)


Aber warum sollte es überhaupt dazu kommen die drei Tempel des deutschen Yatra zu verkaufen?

„Der Schuldenbetrag beläuft sich bis zum heutigen Tag auf eine Million Euro.“


Und wie gerieten die deutschen Devotees in solch ein finanzielles Debakel?

„…..indem sie vertrauensselig den früheren Autoritäten gefolgt sind….“


Wenn irgendeine Firma solch einen gewaltigen Schuldenberg anhäufen würde, wäre doch das erste was getan werden müsste, die Verantwortlichen für diese Misswirtschaft zu entlassen. Im nun folgenden wird es verständlicher, warum Ravindra Svarupa mehr als zufrieden war, Dina Sharana Devi Dasi’s Vorschlag zu begrüßen:

„Die Themen in M.Dina Sharana Devi Dasis Antrag behandeln nicht, Wer recht hat und Wer schuldig ist, Wer sich mit dem Geld bereichert hat und Wer dafür verantwortlich zu machen ist!“


So funktioniert es also wenn man sich aufgrund schlechter Führungsqualität wie in diesem Fall, Ravindra Svarupa und die korrupten unautorisierten Gurus, die er Deutschland über viele Jahre untergeschoben hat und er sich jetzt geschickt aus der Verantwortung nimmt.
Der Vorschlag welcher unterbreitet wurde und darauf abzielt das Geld innerhalb von zwei Jahren zusammen zu bekommen, richtet sich - wie sollte es anders sein - mit großen Bitten an jedermanns Loyalität und Zuneigung für Srila Prabhupada.

„Was man ganz einfach bedenken sollte: Es gibt keine ISKCON außerhalb der ISKCON und als getreue Nachfolger von Srila Prabhupadas Mission gibt es keine Frage Teil eines Problems zu sein, sondern einzig und allein Teil der Lösung zu sein. […]
Man hat jetzt einen gemeinsamen Anlass das Ziel zu erreichen Srila Prabhupadas Bewegung in Deutschland zu retten und die Bewegung davor zu bewahren zerstört zu werden. […] Nur eine ISKCON-weite Maßnahme der Solidarität kann bewirken uns aus dieser Schuldenfalle zu befreien und nur dann werden wir dazu in der Lage sein, „Srila Prabhupadas Vermächtnis“ weiter zu bewahren und die Berechtigung haben uns mit diesem Namen zu bezeichnen.“


Ist es nicht erstaunlich wie sich die gegenwärtige ISKCON nur dann darauf besinnt Srila Prabhupada zu gehören, wenn Geld benötigt wird? Wenn die falschen Gurus ein riesiges Durcheinander verursachen sind sie plötzlich mehr als gewillt zuzustimmen, dass die ISKCON eigentlich Srila Prabhupadas Bewegung, sein Vermächtnis ist, etc. Sobald jedoch die Gelder geregelt werden, ist ISKCON sofort wieder die Bewegung von achtzig im Wettstreit miteinander liegenden Gurus.

Wir stellen auch fest, dass der Finanzierungsplan keineswegs davon spricht, dass wir zusammen arbeiten um die deutschen Tempel für die Gurus zu retten, die doch diese Tempel als Rekrutierungsstellen für neue Verehrer benötigen, und dennoch ist dies seit 1978 der Sachverhalt, wofür genau diese Tempel verwendet wurden.
Seit diesem Datum wurde nicht ein einziger Schüler als ein Schüler für Srila Prabhupada aufgenommen. Wenn die deutschen Tempel gerettet wären und ein neuer Devotee wollte beitreten weil er glaubt dies sei wirklich Srila Prabhupadas Mission, und würde nun gerne Srila Prabhupada als seinen Guru akzeptieren - in Übereinstimmung mit Srila Prabhupadas unterzeichneten institutionellen Richtlinien - würde man solch einen Devotee rücksichtslos aus der Bewegung verjagen ( Ravindra Svarupa das wird gewalttätig als er sieht wie Prabhupadanugas vom IRM, BACK TO PRABHUPADA Magazine verteilen, mehr als 6000 haben sich das schockierende Video bereits angeschaut:



Dies ist die Realität. In welchem Sinne ist dies dann Srila Prabhupadas Bewegung? So verzweifelt ist die Verfasserin des Finanzierungsplanes Srila Prabhupada zu benutzen, dass sie glaubt er wolle geradezu in ihren Plänen aufscheinen:

„Wäre Srila Prabhupada in diesem Moment direkt vor uns gegenwärtig, würden wir keine Sekunde zögern und würden sagen, „Ja, ich werde das Nötige veranlassen!“


Sie erwähnte jedoch nicht Ravindra Svarupa in ihrem Beispiel, obwohl er in diesem Meeting persönlich anwesend war. Offensichtlich war ihr mehr als klar, dass Ravindra Svarupa nicht dieselbe Kraft besitzt, um die gewünschte Zustimmung bei den versammelten Gemeindemitgliedern zu aktivieren. Dennoch erhebt Ravindra Svarupa den Anspruch der gegenwärtige Repräsentant der selben Schülernachfolge von Mahabhagavats ( jene die auf höchster Ebene spirituellen Fortschritts verankert sind) anzugehören, welche uns Srila Prabhupada offenbarte.

Wir sehen also dieselbe Lockvogel Methode welche im Leitartikel der BACK TO PRABHUPADA Ausgabe7 beschrieben wurde, wie ein roter Faden in allen Bereichen der heutigen ISKCON angewandt:

„Bitte rettet diesen Tempel für Srila Prabhupada.“

Aber wenn dann der Tempel gerettet ist, heisst es, „Srila Prabhupada ist jetzt tot, du kannst ihn nicht als spirituellen Meister haben, du musst dich an einen seiner Nachfolger wenden.“
Leser des BACK TO PRABHUPADA Magazins erinnern sich vielleicht, dass wir in der 2. Ausgabe den ehemaligen GBC und Guru von Deutschland, Harikes Das genauer unter die Lupe genommen haben, wie er die Bewegung mit einigen hunderttausend Dollar für immer verließ. Er kaufte sich mit dem Geld ein luxuriöses Heim an der französischen Riviera und hat es sich dort mit seiner Therapeutin gemütlich gemacht.
Ein anderes frühere Oberhaupt und einweihender Guru von Deutschland, der nun in Ungnade gefallene Prithu, hat wie in der Ausgabe BACK TO PRABHUPADA 6 berichtet wurde, auf sehr anschauliche Weise die missbräuchliche Natur eines falschen Gurus offenbart.
Sobald diese Gurus „davongetragen“ wurden, gab es nicht nur die offensichtlichen finanziellen Unregelmäßigkeiten von riesigen fehlenden Geldbeträgen, sondern auch den nicht unwichtigen Sachverhalt, dass die Schüler völlig verzweifelt und niedergeschlagen sich selbst überlassen wurden. Als zum Beispiel Prithu (hinterließ in Österreich einen Schuldenberg von 150.000.-€) erklärte, dass er nicht mehr den einfachen Prinzipien menschlichen Niveaus folgen würde (ganz zu schweigen denen eines befreiten Acaryas), musste der Wiener Tempel geschlossen werden, da all seine Schüler das Vertrauen in ISKCON über Bord warfen.
Wann immer ein ISKCON Guru in die moralische Verwerflichkeit hinabgleitet verursacht er eine Spur der Verwüstung in Form einer ernüchternden Gefolgschaft, deren Vertrauen ohne Aussicht auf Heilung völlig zerrüttet ist.
Gaudiya-Matha Gurus wie Narayana Maharaja nutzen dann die Gunst der Stunde und positionieren sich als Spirituelle Meister die niemals herunterfallen. Auf diese Weise umkreisen sie fortwährend die ISKCON und sammeln die desillusionierten Dissidenten für ihre eigenen rivalisierenden Missionen ein.

All diese Probleme haben ihre Ursache einzig und allein in dem nicht autorisiertem Guru System welches gegenwärtig in der ISKCON zur Anwendung kommt.
Wie Srila Prabhupada erklärt:

„Im Caitanya Caritamrita (Antya 7.11) wird eindeutig darauf hingewiesen: krishna-shakti vina nahe tara pravartana: Ohne von Krishna ermächtigt zu sein kann man den Heiligen Namen des Herrn nicht auf der ganzen Welt predigen.“
(Srimad Bhagavatam 7.14.39, Erläuterung)


Die bevollmächtigte Persönlichkeit ist bereits hier – Srila Prabhupada – und man braucht keinen anderen miteinander rivalisierenden Gurus nachzufolgen.

Geschrieben von lenny um 19:37 | in:
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Der Weise - Lehren von Sri Krishna Caitanya
27.11.2006

von A.C. Bhaktivedanta Swami Srila Prabhupada

Niemand kann zurückverfolgen, wann und wie sich das Lebewesen in die materielle Energie verstrickt hat. Deshalb sagte der Herr, der Zustand der Verstrickung kenne keinen Anfang. »Kein Anfang« bedeutet, dass das bedingte Leben schon vor der Schöpfung existierte. -

Radha Krishna

Es manifestiert sich lediglich während der Schöpfung und auch nach dieser Schöpfung. Weil das Lebewesen seine wahre Natur vergisst, muss es die vielen Leiden des materiellen Daseins erdulden, obwohl es eigentlich von spiritueller Natur ist. Es gibt auch Lebewesen, die nicht in die materielle Energie verstrickt sind; sie leben in der spirituellen Welt, und man nennt sie »befreite Seelen«. Sie vergessen Krishna niemals und dienen Ihm ständig in hingebungsvoller Liebe.
Die Handlungen der Lebewesen, die dem Gesetz der materiellen Natur unterstehen, werden registriert, und in ihrem nächsten Leben erhalten sie je nach ihrer Handlungsweise entsprechende Körper.
Im bedingten Leben der materiellen Welt ist die Seele gezwungen, unterschiedliche Belohnungen und Strafen entgegenzunehmen. Wenn die Seele belohnt wird, kommt sie dank eines rechtschaffenen Lebens zu höheren Planeten, wo sie zu einem der vielen Halbgötter wird, und wenn sie für ihre abscheulichen Taten bestraft wird, kommt sie zu höllischen Planeten, wo sie noch mehr Qualen des materiellen Daseins erleiden muss. Der Herr gab für diese Bestrafung ein treffendes Beispiel: In früheren Zeiten bestrafte der König einen Verbrecher gewöhnlich, indem er ihn in einen Fluss tauchen ließ, um ihn dann für einen Atemzug herauszuheben und daraufhin erneut ins Wasser zu tauchen. Ebenso straft und belohnt auch die materielle Natur das individuelle Lebewesen. Wenn die Natur das Lebewesen bestraft, taucht sie es ins Wasser der materiellen Leiden, und wenn sie es belohnt, hebt sie es für kurze Zeit heraus. Die Erhebung des Lebewesens zu höheren Planeten oder zu einer höheren Lebensstufe ist niemals von Dauer. Es muss früher oder später wieder herunterkommen, um erneut ins Wasser der Leiden getaucht zu werden. Das ist das Prinzip des materiellen Lebens. Manchmal wird man zu höheren Planetensystemen erhoben, und manchmal wird man in höllische Lebensbedingungen versetzt.
In diesem Zusammenhang zitierte der Herr einen treffenden Vers aus dem Srimad-Bhagavatam, wo gesagt wird, dass das Vergessen unserer Beziehung zu Krishna »Maya« genannt wird. »Maya« bedeutet »das, was nicht ist«. Die Annahme, das Lebewesen habe mit dem Höchsten Herrn nichts zu tun, ist daher falsch. Manche Menschen glauben nicht an die Existenz Gottes oder denken, sie hätten keine Beziehung zu Gott; doch all das sind Illusionen - Maya. Weil sie von dieser illusionären Lebensauffassung völlig gefangen sind, haben sie ständig Ängste und Sorgen. Mit anderen Worten: Eine gottlose Lebensauffassung ist Maya, und deshalb gibt sich jemand, der die vedischen Schriften gründlich studiert hat, dem Höchsten Herrn hin und erkennt Ihn als das höchste Ziel. Wenn ein Lebewesen die wahre Natur seiner Beziehung zu Gott vergisst, wird es augenblicklich von der äußeren Energie überwältigt, und das ist der Ursprung des falschen Ichs, d. h. der Identifizierung des Körpers mit dem Selbst. Die gesamte Vorstellung, die sich der Mensch vom Universum macht, beruht auf der falschen Auffassung, er sei mit dem Körper identisch, und deshalb haftet er an seinem Körper und den Nachkommen des Körpers. Um aus dieser Verstrickung zu entkommen, braucht er nichts weiter als seine Pflicht zu tun, d. h. sich dem Höchsten Herrn mit Intelligenz, Demut und ernsthaftem Krishna-Bewusstsein hinzugeben.
Die bedingte Seele wähnt sich glücklich in der materiellen Welt, doch wenn sie mit der Barmherzigkeit eines reinen Gottgeweihten gesegnet wird, indem sie die Gelegenheit erhält, dessen Unterweisungen zu hören, gibt sie den Wunsch nach materiellem Genuss auf und wird durch das Krishna-Bewusstsein erleuchtet. Sowie ein Mensch sich dem Krishna-Bewusstsein öffnet, verliert er das Verlangen nach materiellem Genuss und wird allmählich frei von der materiellen Verstrickung. Dort, wo Licht ist, kann es keine Dunkelheit geben, und ebenso kann dort, wo das Licht des Krishna–Bewusstseins erstrahlt, die Dunkelheit der materiellen Sinnenfreude nicht standhalten.
Ein Krishna-bewusster Mensch unterliegt niemals der falschen Vorstellung, er sei eins mit Gott, noch glaubt er, er könne glücklich werden, wenn er nur für sich selbst bzw. seinen Körper arbeite. Er stellt vielmehr all seine Kraft in den Dienst des Höchsten Herrn und wird so aus den Klauen der illusionierenden materiellen Energie befreit. In diesem Zusammenhang zitierte der Herr einen Vers aus dem Siebten Kapitel der Bhagavad-gita, in welchem es heißt, dass die materielle Energie, die aus drei Erscheinungsweisen besteht, sehr mächtig ist. Es ist sehr schwierig, sich dem Einfluss der materiellen Energie zu entziehen, doch wer sich Krishna hingibt, kann mit Leichtigkeit den Klauen Mayas entkommen.
Der Herr fuhr mit Seinen Unterweisungen fort, indem Er sagte, dass die bedingte Seele in jedem Moment, den sie mit einer materiell-einträglichen Tätigkeit vergeude, ihre wahre Identität vergesse.
Wenn sie dann erschöpft ist, ermüdet vom materiellen Streben, sucht sie nach Befreiung und möchte eins werden mit dem Höchsten. Dann wieder glaubt sie, das Glück zu finden, indem sie hart arbeitet, um durch die Sinne genießen zu können. In beiden Fällen ist sie von der materiellen Energie überschattet.
Um solche verwirrten Seelen, die nicht wissen, wer sie wirklich sind, in ihrem bedingten Zustand zu erleuchten, hat der Herr uns viele vedische Schriften gegeben, wie die Veden selbst, die Puranas und das Vedanta-sutra - sie alle sollen den Menschen zurück zu Gott führen. In weiteren Unterweisungen empfiehlt der Herr der bedingten Seele, deren sich ein geistiger Meister in Gnaden angenommen hat, und die von der Überseele geleitet wird, daß sie sich nach den verschiedenen vedischen Schriften richtet; denn auf diese Weise findet sie Erleuchtung und vermag in der spirituellen Erkenntnis rasche Fortschritte zu machen. Es ist eine Tatsache, dass Sri Krishna Seinen Geweihten stets gütig gesinnt ist; deshalb hat er uns die vedischen Schriften gegeben, durch die wir unsere Beziehung zu Krishna verstehen lernen können. Wenn wir dann dieser Beziehung gemäß handeln, werden wir mit Sicherheit das höchste Ziel des Lebens erreichen.
Tatsächlich ist es die Bestimmung jedes Lebewesens, den Höchsten Herrn zu erreichen, und ein jeder kann seine Beziehung zu Ihm verstehen. Die Ausführung von Pflichten mit dem Ziel, die Vollkommenheit zu erreichen, wird hingebungsvolles Dienen genannt, und im Reifezustand wird solch hingebungsvolles Dienen zur Liebe zu Gott, die das wirkliche Lebensziel jedes Lebewesens ist. Das Lebewesen ist nicht dazu bestimmt, in religiösen Ritualen, im Bemühen um wirtschaftlichen Fortschritt, im Sinnengenuss oder auch selbst in der Befreiung allein Vollkommenheit zu erreichen. Religiosität, wirtschaftliche Entwicklung, Sinnengenuss und Befreiung sollte sich das Lebewesen eigentlich gar nicht wünschen. Das wirkliche Verlangen jedes Wesens sollte es sein, die Stufe des liebevollen transzendentalen Gottdienens zu erreichen.
Die alles-anziehenden Eigenschaften Sri Krishnas helfen uns, Krishna-bewusst zu werden, und jeder, der sich um Krishna-Bewusstsein bemüht, kann seine Beziehung zu Krishna erkennen.
In diesem Zusammenhang erzählte der Herr Sanatana eine Geschichte aus dem Kommentar von Madhva, die im Fünften Canto des Srimad-Bhagavatam zu finden ist. Die Geschichte handelt von den Unterweisungen, die Sarvajna einem armen Mann gab, der zu ihm kam, um sich seine Zukunft prophezeien zu lassen. Als Sarvajña das Horoskop des Mannes sah, war er zuerst erstaunt, dass der Mann so arm war, doch dann sprach er zu ihm: »Warum bist du nur so unglücklich? Ich ersehe aus deinem Horoskop, dass dir dein Vater einen versteckten Schatz hinterlassen hat. Das Horoskop sagt jedoch auch, dass dein Vater dir dies nicht mehr mitteilen konnte, weil er an einem fernen Ort verstarb. Doch nun kannst du den Schatz deines Vaters suchen und glücklich werden.« Der Herr zitierte diese Geschichte, um zu zeigen, dass das Lebewesen wie ein Sohn ist, der leidet, weil er den verborgenen Schatz seines Vaters nicht kennt. Der verborgene Schatz Krishnas, des Vaters, ist die Liebe zu Gott. In allen vedischen Schriften wird der bedingten Seele der Rat erteilt, diesen Schatz, die Liebe zu Gott, zu finden. In der Bhagavad-gita steht geschrieben, dass die bedingte Seele nicht weiß, dass sie in Wirklichkeit der Sohn des Reichsten, nämlich, des Persönlichen Gottes, ist, und deshalb sind die vedischen Schriften dazu da, ihr zu helfen, den Vater und das väterliche Eigentum zu finden. Sarvajna riet dem armen Mann: »Versuch nicht, auf der Südseite des Hauses zu graben, um den versteckten Schatz zu finden, denn dort wirst du vergeblich suchen und schließlich wird dich ein giftiges Insekt anfallen. Auf der Südseite wirst du nur die Rituale der vedischen Schriften finden, auf der Westseite spekulatives Wissen und auf der Nordseite das yoga-System, d. h. die Meditationsvorgänge, die zur Selbsterkenntnis führen sollen. Suche auf der Ostseite, denn dort ist dir der Erfolg gewiss – dort wirst du wirkliches Licht finden in der Gestalt des hingebungsvollen Dienens, des Krishna-Bewusstseins.«
Wenn jemand versucht, das höchste Ziel durch die Befolgung von Ritualen zu erreichen, wird er vergeblich suchen. Bei einem solchen Unternehmen werden Rituale unter der Anleitung eines bezahlten Priesters ausgeführt, und es ist ein großer Irrtum zu glauben, man könne durch derlei Handlungen glücklich werden. Selbst wenn man daraus irgendeinen Nutzen zieht, ist dieser »Gewinn« doch nur vorübergehend, und die materiellen Leiden setzen später wieder um so stärker ein. Durch solche rituellen Opferhandlungen kann also niemand wirkliches Glück erlangen; im Gegenteil: die materiellen Leiden verschlimmern sich nur noch.
Das Graben auf der Nordseite wird mit dem Suchen nach Selbsterkenntnis durch verschiedene Formen von Meditationspraktiken verglichen. Das Ergebnis solcher Praktiken ist, dass man sich eins mit dem Höchsten Herrn wähnt. Für das erhoffte Einswerden des Lebewesens mit dem Höchsten wird oft das Beispiel von der großen Schlange gegeben, die eine kleinere Schlange verschluckt. Der nach Vollkommenheit Suchende, der in die spirituelle Existenz des Höchsten eingehen will, ist wie die kleine Schlange, die verschluckt wird.
Auf der Westseite trifft man auf Yakasa, einen bösen Geist, der den versteckten Schatz bewacht. Niemand, der Yakasa um Hilfe bittet, wird den Schatz finden, sondern statt dessen nur getötet werden.
Das heißt also, dass der spekulative Vorgang zur Selbsterkenntnis, auch Jnana genannt, selbstmörderisch ist, ebenso wie der Meditationsvorgang der Yogis, die wie kleine Schlangen verschluckt werden wollen.
Man muss auf der Ostseite, die mit dem hingebungsvollen Dienen im vollkommenen Krishna –Bewusstsein verglichen wird, nach dem Schatz suchen. Hingebungsvolles Dienen im Krishna-Bewusstsein ist der verborgene Schatz, und wer ihn findet, gewinnt ewigen Reichtum. Ein Mensch, dem es an dienender Hingabe bzw. Krishna-Bewusstsein mangelt, ist dazu verurteilt, nach materiellem Gewinn zu suchen.
Manchmal erleidet er die Bisse giftiger Sinnesobjekte, dann wieder erleidet er Täuschungen und Enttäuschungen; manchmal folgt er der Philosophie des »Einsseinwollens mit Gott« und verliert sein Identität, indem er von »der großen Schlange« verschluckt wird, und ein anderes Mal gibt er sich dem üblen Geist des Spekulierens hin. Wenn er jedoch all diese Dinge aufgibt und fest im Krishna-Bewusstsein bzw. im hingebungsvollen Dienen für den Herrn verankert ist, erreicht er die Vollkommenheit des Lebens.

Wie man Gott näher kommt

Alle vedischen Schriften führen den Menschen letzten Endes zur vollkommenen Stufe der Hingabe.
Die Pfade der fruchtbringenden Arbeit, des spekulativen Wissens und der Meditation führen jedoch nicht zur Vollkommenheit; nur durch hingebungsvolles Dienen ist es möglich, sich dem Herrn zu nähern.
Deshalb wird in vielen vedischen Schriften immer wieder empfohlen, den Vorgang des hingebungsvollen Dienens anzunehmen. In diesem Zusammenhang zitierte Sri Caitanya einen Vers aus dem Srimad-Bhagavatam, aus dem 14. Kapitel des Elften Cantos, wo der Herr sagt: »Mein lieber Uddhava, weder philosophische Spekulationen noch die vollkommene Beherrschung der Yoga-Kräfte, noch Bußen erfreuen Mich so sehr wie das hingebungsvolle Dienen der Lebewesen.«
Den Herrn kann man nur durch hingebungsvolles Dienen erreichen, und die Gottgeweihten sind die einzigen, die Ihn verehren. Selbst wenn ein Mensch in der niedrigsten Familie geboren wurde, kann er, wenn er ein Gottgeweihter wird, von aller Verunreinigung befreit werden. Hingebungsvolles Dienen ist der einzige Weg, den Höchsten Persönlichen Gott zu erreichen.
Es ist der einzige Pfad, der zur Vollkommenheit führt, und das wird von allen vedischen Schriften bestätigt. Ein armer Mann, der einen Schatz findet, wird sogleich glücklich. Ä hnlich verschwinden die Leiden des materiellen Daseins augenblicklich, wenn man sich im hingebungsvollen Dienen betätigt.
Wenn man dann im hingebungsvollen Dienen fortschreitet, erlangt man Liebe zu Gott, und wenn man in der Liebe zum Höchsten Fortschritte macht, wird man von der materiellen Fessel befreit. Das Ende der Armut bzw. die Befreiung aus der materiellen Bedingtheit sind freilich nicht die Endergebnisse der Liebe zu Krishna. Die Liebe zu Krishna, die Liebe zu Gott, besteht aus der Freude, die im Austausch des gegenseitigen hingebungsvollen Dienens empfunden wird. In allen vedischen Schriften wird bestätigt, dass es das Ziel des hingebungsvollen Dienens ist, diese liebevolle Beziehung zwischen dem Höchsten Herrn und den Lebewesen wiederzuerwecken. Unsere eigentliche Aufgabe ist hingebungsvolles Dienen, und das Ziel, das wir letztlich erreichen müssen, ist Liebe zu Gott. Deshalb ist Krishna der eigentliche Mittelpunkt in allen vedischen Schriften. Besitzt man Wissen über Krishna, sind alle Probleme des Lebens gelöst.
In den Puranas wird unter anderem erklärt, auf welche Weise die verschiedenen Halbgötter verehrt werden sollen. Solche Informationen verwirren viele Menschen, die schließlich glauben, die Halbgötter seien die höchsten Wesen. Nach einem sorgfältigen Studium der Pur€ Šas wird man jedoch erkennen, dass Krishna, der Höchste Persönliche Gott, als Einziger der Verehrung würdig ist. Zum Beispiel handelt das Markandeya Purana von der Devi-Verehrung, besonders von der Verehrung der Göttin Durga oder Kali; in derselben Schrift wird jedoch auch gesagt, dass alle Halbgötter - auch Durga oder Kali – nur verschiedene Energien Vishnus sind. Deshalb offenbart selbst das Studium der Puranas Vishnu, den Höchsten Persönlichen Gott, als den allein Verehrungswürdigen.
Die Schlussfolgerung lautet also, dass alle Arten der Verehrung direkt oder indirekt eine Verehrung des Höchsten Persönlichen Gottes Krishnas darstellen. In der Bhagavad-gita wird bestätigt, dass jeder, der die Halbgötter verehrt, in Wirklichkeit Krishna verehrt, denn die Halbgötter sind verschiedene Körperteile Vishnus bzw. Krishnas; doch es wird auch gesagt, dass die Verehrung der Halbgötter den intelligenten Menschen nicht empfohlen wird.
Das Srimad-Bhagavatam bestätigt dies durch die Frage: »Was ist der Zweck der Halbgötterverehrung?« In den vedischen Schriften gibt es verschiedene Kapitel, die rituelle Handlungen zum Thema haben. Eines heißt Karma-kanda und ein anderes Upasana-kanda. Worin liegt nun der Sinn der Rituale, die in den Veden empfohlen werden, und wozu dienen die verschiedenen Halbgötter?
Und was hat es für einen Sinn, philosophische Spekulationen über die Absolute Wahrheit anzustellen?
Das Srimad-Bhagavatam antwortet, dass all diese Methoden, die in den vedischen Schriften erklärt werden, direkt oder indirekt eine Verehrung des Höchsten Herrn Vishnu darstellen. Opferriten sollen den Höchsten Herrn Vishnu erfreuen, denn yajñas, Opfer, dienen eigentlich nur zur Zufriedenstellung Vishnus.
Aus diesem Grund trägt Vishnu auch den Namen Yajñevara (der Herr der Opferdarbringungen).
Die Neulinge befinden sich nicht alle sogleich auf der transzendentalen Ebene, und deshalb wird ihnen geraten, je nach ihrer Position in den verschiedenen Erscheinungsweisen der materiellen Natur die verschiedenen Halbgötter zu verehren, so dass sie allmählich auf die transzendentale Ebene erhoben werden und schließlich beginnen, Vishnu, dem Höchsten Persönlichen Gott, in Hingabe zu dienen. Es kann z. B. sein, dass einige der Neulinge dem Fleischessen verhaftet sind; ihnen schreiben die Puranas vor, Fleisch nur dann zu essen, wenn sie es zuvor der Göttin Kali geopfert haben.
Das Wissen, das in den philosophischen Teilen der vedischen Hymnen gegeben wird, soll es dem Menschen ermöglichen, zwischen Maya und dem Höchsten Persönlichen Gott zu unterscheiden. Wenn man die Position Mayas erkannt hat, wendet man sich dem Höchsten Persönlichen Gott in reiner dienender Hingabe zu. Das ist der eigentliche Zweck der philosophischen Spekulationen. Im Siebten Kapitel der Bhagavad-gita wird dies bestätigt: bahunam janmanam ante. »Nachdem die spekulierenden und empirischen Philosophen viele, viele Leben hindurch ihre theoretischen Betrachtungen angestellt haben, erkennen sie, dass der Höchste Herr, Krishna, Vasudeva, alles ist.« Deshalb ist letzten Endes Krishna das Ziel aller vedischen Rituale, das Ziel der verschiedenen Arten der Verehrung und auch das Ziel der philosophischen Spekulationen.
Der Herr erzählte Sanatana Goswami dann von Krishnas unzähligen Formen und Erweiterungen und von Seiner unbegrenzten Fülle. Er beschrieb ebenfalls das Wesen der spirituellen Welt, der materiellen Manifestationen und der Lebewesen. Er belehrte Sanatana Goswami weiterhin darüber, dass die Universen der spirituellen Welt Vaikunthas genannt würden, und die Universen der materiellen Welt als verschiedenartige Manifestationen zu verstehen seien; denn sie seien Manifestationen zweier verschiedener Energien - der materiellen und der spirituellen Energie. Krishna Selbst weile stets in Seiner spirituellen oder inneren Energie.
Um uns den Unterschied zwischen den Manifestationen der spirituellen und der materiellen Energie verständlich zu machen, gibt uns das Srimad-Bhagavatam im Zweiten Canto eine klare Analyse der beiden. Auch Sukadeva Goswami gibt in seinem Kommentar zum 1. Vers des Zehnten Cantos eine ähnlich klare analytische Studie. Sri Caitanya erkannte Sukadeva Goswami als einen autorisierten Kommentator des Srimad-Bhagavatam an. Deshalb zitierte Er in diesem Zusammenhang aus dessen Schriften und erklärte: »Im Zehnten Canto werden das Leben und die Taten Krishnas beschrieben, weil Krishna alle Manifestationen in Sich birgt. Deshalb verehrt Sukadeva Goswami die Zuflucht alles Existierenden, Krishna und bringt Ihm seine Ehrerbietungen dar.«
In dieser Erklärung wird die Feststellung getroffen, dass es zwei verschiedene Prinzipien in dieser Welt gibt: Das erste Prinzip ist der Ursprung oder der Ruheort aller Dinge, und das zweite Prinzip ist eine Ableitung des ersten. Die Höchste Wahrheit birgt alle Manifestationen in Sich und wird deshalb auch »Asraya« genannt. Alle anderen Prinzipien, die unter der Kontrolle des Asraya-tattva stehen, werden »asrita« oder »untergeordnete Folgeerscheinungen und Reaktionen« genannt. Die materielle Manifestation dient dem Zweck, der bedingten Seele die Möglichkeit zu geben, befreit zu werden und zum Asraya-tattva, zur Absoluten Wahrheit, zurückzukehren.
Alles in der kosmischen Schöpfung ist vom Asraya-tattva, von der Höchsten Absoluten Wahrheit, abhängig. Somit sind die schöpfende Manifestation oder Vishnu-Manifestation, die verschiedenen Halbgötter und verschiedenen Manifestationen der Energie, die Lebewesen und die materiellen Elemente alle auf Krishna, die Höchste Wahrheit, angewiesen. Im Srimad-Bhagavatam wird gesagt, dass alles, direkt oder indirekt, von Krishna erschaffen und erhalten wird. Deshalb verfügt derjenige, der Krishna verstanden hat, über vollkommenes Wissen.
Sri Caitanya bat Sanatana Goswami, Ihm aufmerksam zuzuhören, und ging dann zur Beschreibung der verschiedenen Erscheinungsformen Sri Krishnas über. Er sagte: » Krishna ist ursprünglich der Sohn von Nanda Maharaja und lebt, obwohl Er die Höchste Absolute Wahrheit, die Ursache aller Ursachen und der Ursprung aller Emanationen und Inkarnationen ist, als Hirtenjunge in Vraja, in Goloko Vrndavana.
Seine Gestalt ist ewig, glückselig und voll absoluten Wissens. Er ist die Zuflucht alles Existierenden und der Besitzer und Herr aller Dinge.«
In diesem Zusammenhang bezog sich Sri Caitanya auf die Aussage des 1 . Verses im 5. Kapitel der Brahma-samhita, wo bestätigt wird, dass Krishna der Höchste Persönliche Gott ist, und dass Sein Körper aus ewigem Wissen und ewiger Glückseligkeit besteht. Er ist die ursprüngliche Person, Govinda, und Er ist die Ursache aller Ursachen. Krishna ist also der Ursprüngliche Persönliche Gott; Er besitzt alle sechs Füllen in vollem Ausmaß, und Sein Reich, das höchste Planetensystem im spirituellen Himmel, heißt Goloko Vrindavana.
Sri Caitanya zitierte auch einen Vers aus dem 3. Kapitel des Ersten Cantos, in dem unmissverständlich gesagt wird, dass alle Inkarnationen, entweder direkte Erweiterungen Krishna oder indirekte Erweiterungen, d. h. Erweiterungen der Erweiterungen Krishna sind. Mit dem Namen » Krishna «, der in diesem Zusammenhang gebraucht wird, ist der Ursprüngliche Persönliche Gott gemeint, der auf dieser Erde, in diesem Universum und auch in jedem anderen Universum erscheint, wenn die Dämonen, die ständig versuchen, die Verwaltung der Halbgötter zu stören, zu mächtig werden.
Es gibt drei Wege, Krishna zu verstehen: den Weg der empirischen philosophischen Spekulation, den Weg der Meditation im mystischen yoga-System und den Pfad des Krishna-Bewusstseins, des hingebungsvollen Dienens. Dementsprechend gibt es auch drei Arten der Verwirklichung:
1.) Durch empirische philosophische Spekulation erkennt man den unpersönlichen Brahman-Aspekt Krishnas;
2.) durch Meditation bzw. Yoga-Mystik erkennt man die Überseele, die alldurchdringende Erweiterung Krishnas, und
3.) durch hingebungsvolles Dienen in vollkommenem Krishna-Bewusstsein erkennt man
Krishna, den Höchsten Persönlichen Gott, in Seiner ursprünglichen Gestalt.
In diesem Zusammenhang zitierte Sri Caitanya aus dem Ersten Canto des Srimad-Bhagavatam den 11.Vers des 2. Kapitels, in dem es heißt, dass diejenigen, die die Absolute Wahrheit kennen, diese auf dreierlei Weise beschreiben: Einige beschreiben Sie als unpersönliches Brahman, einige beschreiben Sie als die lokalisierte alldurchdringende Überseele und einige wissen, dass der Höchste Persönliche Gott, Krishna, die Absolute Wahrheit ist. Mit anderen Worten: Brahman, die unpersönliche Manifestation,
Paramatma, die lokalisierte Manifestation, und Bhagavan, der Höchste Persönliche Gott, sind eins; aber je nach dem Pfad der Erkenntnis, den man beschreitet, erkennt man Krishna in verschiedenen Aspekten.
Die unpersönliche Brahman-Erkenntnis ist lediglich die Erkenntnis der Ausstrahlung, die von Krishnas transzendentalem Körper ausgeht. Dies mag das Beispiel der Sonne erläutern, die ebenfalls drei Aspekte hat: das Sonnenlicht, den Sonnenplaneten und den Sonnengott. Das brahmajyoti, das unpersönliche Brahman, das mit dem Sonnenlicht verglichen wird, ist nichts anderes als die persönliche Ausstrahlung Krishnas.
Um diese Analyse zu belegen, zitierte Sri Caitanya einen wichtigen Vers aus der Brahma-samhita, in dem Brahma sagt: »Ich verehre Govinda, den Höchsten Persönlichen Gott, durch dessen persönliche Ausstrahlung sich das unbegrenzte brahmajyoti manifestiert, in dem unzählige Universen schweben.«
Sri Caitanya sagte weiterhin, dass der Paramatma, der alldurchdringende Aspekt, der Sich im Körper jedes Lebewesens befinde, lediglich eine teilweise Manifestation bzw. Erweiterung Krishnas sei. Weil Krishna die Seele aller Seelen ist, nennt man Ihn Paramatma, das Höchste Selbst.
Sri Caitanya zitierte einen weiteren Vers aus dem Srimad-Bhagavatam, diesmal aus den Gesprächen zwischen Maharaja Pariksit und Sukadeva Goswami, aus dem hervorgeht, dass Maharaja Pariksit, während er über Krishnas transzendentale Spiele in Vrindavan hörte, seinen spirituellenen Meister fragte, warum die Einwohner von Vrindavan so sehr an Krishna hingen. Sukadeva Goswami antwortete: »Man muss wissen, dass Krishna die Seele aller Seelen ist. Er ist die Seele aller individuellen Seelen, und Er ist auch die Seele des lokalisierten Paramatma. Er spielt die Rolle eines gewöhnlichen Menschen, um alle Lebewesen zu Sich hinzuziehen und jedem zu zeigen, dass Er nicht formlos ist.«
Er ist im Grunde wie jedes andere Lebewesen - nur ist Er der Höchste, und alle anderen sind Ihm untergeordnet. Deshalb können alle Lebewesen in Seiner Gesellschaft spirituelle Glückseligkeit, ewiges Leben und vollkommenes Wissen erfahren. Sri Caitanya zitierte auch einen Vers aus der Bhagavad-gita, in welchem der Höchste Herr zu Arjuna über Seine verschiedenen Füllen spricht und sagt, dass Er durch eines Seiner vollständigen Teile, nämlich Garbhodakasayi Vishnu, in jedes Universum eingeht und Sich dann als Kshirodakasayi Vishnu, als Überseele, in das Herz jedes Lebewesens erweitert. Wer also die Höchste Absolute Wahrheit vollkommen verstehen will, muss sich dem hingebungsvollen Dienen in vollem Krishna-Bewusstsein zuwenden. - Nur so wird man die Absolute Wahrheit in Ihrem höchsten Aspekt erkennen können.

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Geschrieben von lenny um 19:48 | in:
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Sri Isopanisad
27.11.2006

om purnam adah purnam idam
purnat purnam udacyate
purnasya purnam adaya
purnam evavasisyate.


ÜBERSETZUNG

Der persönliche Gott ist vollendet und vollkommen. Und weil Er vollkommen vollendet ist, ist auch all das, was von Ihm ausgeht, wie zum Beispiel diese Erscheinungswelt, ein vollkommenes Ganzes, vollkommen ausgestattet. Was immer vom vollkommenen Ganzen hervorgebracht wird, ist ebenso vollkommen in sich selbst. Und obgleich Er das Vollkommene Ganze ist und obgleich zahllose vollkommene Einheiten von Ihm ausgehen, bleibt Er die vollkommene Ausgeglichenheit.

ERKLÄRUNG
von His Divine Grace A.C. Bhaktivedanta Swami Srila Prabhupada

Das Vollkommene Ganze, die höchste Absolute Wahrheit, ist der vollkommene, persönliche Gott. Das unpersönliche Brahman bildet unvollkommene Erkenntnis des Absolut Vollkommenen und ebenso die Erkenntnis des Paramatman, der Überseele. Der höchste gestalthafte Gott ist sac-cit-ananda-vigraha: Unpersönliche Brahman-Erkenntnis ist die Erkenntnis Seines sat bzw. Ewigkeitsaspekts, und Paramatman, die Überseelen-Erkenntnis, ist die Erkenntnis Seines sat- und cit-, Ewigkeits- und Wissensaspekts.

Erkenntnis des persönlichen Gottes jedoch ist die Erkenntnis aller überweltlichen Eigenschaften, sat, cit und ananda, Glück. Durch die persönliche Erkenntnis wird dies in der vollkommenen Gestalt (vigraha) wahrgenommen. Das Vollkommene Ganze also ist nicht gestaltlos. Wäre Er formlos oder in irgendeiner anderen Beziehung weniger als Seine Schöpfung, könnte Er nicht vollkommen sein.
Das Vollkommene Ganze muß all das innehaben, was im Bereiche unserer Erfahrung und über dem Bereiche unserer Erfahrung liegt. Sonst könnte Er nicht vollkommen sein.
Das Vollkommene Ganze, der persönliche Gott, besitzt unermeßliche Kräfte, und alle diese Kräfte sind vollkommen so wie Er Selbst. Deshalb ist auch diese Erscheinungswelt, diese Stoffeswelt, in sich selbst vollkommen. Die vierundzwanzig Elemente, aus denen sich dieses Universum zeitweilig
manifestiert, sind vollkommen abgestimmt, um vollkommene Dinge hervorzubringen, die für die Erhaltung und das Dasein dieses Universums nötig sind. Keine von außen kommende Energie irgendeiner anderen Einheit ist für diese Erhaltung erforderlich. Dieses Universum hat seine eigene Zeit, die von der Energie des Vollkommenen Ganzen festgesetzt ist, und wenn diese Zeit beendet ist, dann wird diese vorübergehende Erscheinungsform durch die vollendete Ordnung des Vollkommenen aufgelöst werden.
Für die kleinen vollkommenen Einheiten, d.h. für die Lebewesen, gibt es vollkommene Einrichtungen, um den Vollkommenen zu erkennen. Alle Arten von Unvollkommenheiten werden nur deshalb erfahren, weil das Wissen über den Vollkommenen unvollkommen ist. Die menschliche Form des Lebens ist eine vollkommene Manifestation des Bewußtseins des Lebewesens. Diese Form erlangt man, nachdem man im Kreislauf der Geburten und Tode, im Evolutionsvorgang, 8 400 000 Arten des Lebens durchwandert hat. Wenn ein Mensch seine Vollkommenheit innerhalb des Großen Vollkommenen in diesem Leben des vollen Bewußtseins nicht erkennt, dann verliert er die Möglichkeit, seine Vollkommenheit zu erkennen, und durch das Gesetz der stofflichen Natur wird er wieder in den Kreislauf der Evolution geworfen. Weil wir nicht wissen, daß es in der Natur eine vollendete Ordnung für unsere Erhaltung gibt, machen wir große Anstrengungen, uns die Reichtümer der Natur zunutze zu machen, um ein angeblich vollkommenes Leben im Sinnesgenuß zu schaffen. Dieses irreführende Leben im Sinnesgenuß wird Illusion genannt, weil sich ein Lebewesen, ohne sich dem Vollkommenen Ganzen anzupassen, nicht am Wirken der Sinne erfreuen kann. So ist, zum Beispiel, die Hand eines Körpers eine vollkommene Einheit, solange sie sich am vollständigen Körper befindet. Ist die Hand vom Körper losgelöst; mag sie noch die Erscheinung einer Hand haben, aber in Wirklichkeit hat sie nichts mehr von der Wirksamkeit einer Hand.
Ebenso bilden die Lebewesen einen wesentlichen Bestandteil des Vollkommenen Ganzen. Solange die Teile vom Vollkommenen Ganzen losgelöst sind, ist auch eine illusorische Vorstellung der Vollkommenheit nicht ausreichend, um das erwünschte Ergebnis herbeizuführen. Die Vollkommenheit des menschlichen Lebens kann nur dann erkannt werden, wenn die menschliche Form des Lebens in den Dienst des Vollkommenen Ganzen gestellt wird. Jedes Dienen in dieser Welt, ob es nun sozialer, politischer, kommunaler, internationaler oder sogar
interplanetarischer Natur ist, wird unvollkommen bleiben, solange es nicht dem Vollkommenen Ganzen angepaßt ist. Wenn alles dem Vollkommenen Ganzen angepaßt wird, dann werden auch die mit dem Vollkommenen verbundenen Teile in sich selbst vollkommen.

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Geschrieben von lenny um 13:33 | in:
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Leben entsteht nicht aus Materie
27.11.2006

Die wissenschaftliche Grundlage des Krishna-Bewusstseins
Diskussion mit His Divine Grace A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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Svarupa-damodara: Einige Wissenschaftler behaupten, sie seien kurz davor Leben zu erschaffen. Sie machten gerade die entscheidenden Versuche, seien in der entscheidenden Phase...

Srila Prabhupada: Jeder kann sagen: "Ich bin gerade dabei Millionär zu werden." Er soll von viel Geld sprechen, wenn er bereits Millionär geworden ist. Jetzt ist er noch Bettler, so sieht die Wirklichkeit aus."Wir versuchen" kann jeder sagen. Was haben sie bisher erreicht? - Darum geht es.

Svarupa-damodara: Das Argument, das sie vorbringen, lautet: "Nun, wir haben es zwar noch nicht ganz geschafft, aber wir sind nahe daran." Sie sagen, sie hätten so viel in der Vergangenheit getan.

Srila Prabhupada: Das war alles nutzlos. Sie haben nichts gefunden, was den Tod verhindert. Immer noch gibt es Tod. In der Vergangenheit gab es Tod, und auch heute sterben die Menschen. Was haben sie also getan? Die ganze Welt lebt nach einer falschen Theorie - dass nämlich Leben aus Materie geboren wurde; aber das ist keine Tatsache.

Brahmananda Swami: Wenn man die Wissenschaftler nach Beweisen fragt, sagen sie nur: "Wir wissen nichts."

Srila Prabhupada: Chemische Stoffe können kein Leben erzeugen, es ist genau umgekehrt, Leben erzeugt chemische Stoffe. Wie dies geschieht, ist ein Geheimnis, aber dass es geschieht, ist offensichtlich. Man sieht doch, dass schon gewöhnliches Leben, ein Baum, so viele chemische Stoffe erzeugt. Wie kann man sagen, dass man nicht daran glaubt? Woher kommen diese chemischen Stoffe aber? Schon eine gewöhnliche Frucht, eine Orange, beinhaltet so viel Zitronensäure. Woher kommt sie?

Svarupa-damodara: Wie kann man dies aber experimentell beweisen?

Srila Prabhupada: Es liegt doch auf der Hand: Ein Baum, eine Pflanze oder irgendein anderes gewöhnliches Lebewesen erzeugt chemische Stoffe. Wie lautet deine Antwort? Du musst zugeben, dass das Lebewesen mystische Kraft besitzt. Gestern erklärte ich, dass der Fingernagel nachwächst, wenn er abgebrochen ist; doch wie soll das geschehen, wenn dort nicht mystische Kraft wirkt?

Svarupa-damodara: Ich weiß nicht. Sie sagen, dass es am Anfang nur gasförmige Staubpartikel und einige andere gasartige Substanzen gegeben habe, die im Raum geschwebt hätten und dann im Laufe der Zeit kondensiert seien. Dabei sei auch die Erde entstanden.

Srila Prabhupada: Und wo kam dieses Gas her - das wissen sie nicht.

Svarupa-damodara: Sie sagen, es habe einfach so geschwebt.

Srila Prabhupada: Geschwebt wo? Wo kam der Raum her?

Svarupa-damodara: Darauf gibt es keine Antwort.

Srila Prabhupada: Aber wir geben die Antwort; wir haben das Wissen bekommen: das Gas kommt vom Äther; der Äther kommt vom Geist; der Geist kommt von der Intelligenz, und die Intelligenz kommt von der Seele.
Man kann z.B. nicht erklären, wie der Fingernagel nachwächst. Das ist acintya, unfassbar. Es liegt nicht im Bereich deines Begriffsvermögens, doch er wächst wie von selbst. Das ist acintya- Kraft. Und diese acintya-Kraft findet man selbst in einem gewöhnlichen Lebewesen. Wie viel acintya-Kraft gibt es also in Gott? Denn Gott ist das höchste Lebewesen.

Brahmananda Swami: Die Wissenschaftler erkennen acintya nicht an.

Srila Prabhupada: Das ist ihre Position, sie wissen nichts. Sofort muss man sie herausfordern: "Wenn ihr nichts wisst, warum lehrt ihr dann? Wenn ihr nichts wisst, wie könnt ihr dann Tatsachen oder die Wahrheit lehren?" Das Wasser im Ozean ist eine Verbindung von Sauerstoff und Wasserstoff. Es erhebt sich nun die Frage, woher so viel Sauerstoff und Wasserstoff kommt. Die Antwort lautet: Es kommt von der höchsten mystischen Kraft. Das muss man einfach annehmen. Gott hat es erzeugt. Ebenso wie ein lebendiger Zitronenbaum Zitronensäure erzeugt, so wurden der Wasserstoff und der Sauerstoff vom Höchsten Herrn erzeugt. Warum ist es so schwierig, dies zu verstehen? Im Vedanta-sutra heißt es: janmady asya yathah. Und in der Bhagavad-gita: mattah sarvah pravartate. "Alles geht von Mir aus."
Ein anderes Beispiel für mystische Kraft ist der menschliche Samen. Um einen Tropfen Samen zu erzeugen, sind vierzig Tropfen Blut notwendig. Wir besitzen also mystische Kraft. Sobald sexuelle Erregung auftritt, wird Blut in Samen umgewandelt; aber wie geschieht das?
Wie soll es geschehen, wenn keine mystische Kraft wirkt? In allen Lebewesen wirken mystische Kräfte.
Ein anderes Beispiel ist die Kuh. Sie frisst nur ein wenig Gras und erzeugt Milch. Kannst du aus Gras Milch erzeugen?
Nimm ein wenig Gras, geh in dein Laboratorium und erzeuge Milch. Steht das in deiner Macht? Nein. Die Kuh besitzt also eine bestimmte mystische Kraft. Sie frisst nur ein wenig Gras und verwandelt das Gras in Milch. Nicht nur eine Kuh, auch eine Frau vermag Milch zu produzieren. Der physiologische Aufbau eines Mannes und der einer Frau ist der gleiche. Aber versuch du Milch zu erzeugen. Das
kannst du nicht; doch eine Frau kann es. Das ist mystische Kraft. Ist es so schwer zu verstehen?

Svarupa-damodara: Die Wissenschaftler werden sagen, dass die Enzyme in den Körpern unterschiedlich angeordnet sind, und dass deshalb eine Kuh z. B. Milch erzeugen kann.

Srila Prabhupada: Ja, aber wer hat die Enzyme so angeordnet, dass sie Milch erzeugen? Das ist mystische Kraft.
Diese Anordnung bedeutet mystische Kraft. Du kannst diese Anordnung nicht vornehmen. Versuch doch im Laboratorium, aus Gras Milch zu erzeugen. Du musst zugeben, dass mystische Kraft dahintersteht. Oder ein anderes Beispiel: Wir nehmen jeden Tag Nahrung auf und erzeugen Blut, und dieses Blut wird in die verschiedenen Adern verteilt. Versuch aber nun, mit der gleichen Nahrung Milch zu erzeugen. Das kannst du nicht. Im Körper wirkt also eine ganz bestimmte mystische Kraft. Weil Leben da ist, wirkt diese mystische Kraft.

Svarupa-damodara: Die Wissenschaft beginnt also an einem bestimmten Punkt in der Mitte, nicht am Ursprung.

Srila Prabhupuda: Ja, das ist es. Der Ursprung fehlt. Und sie sind mudha, Schlitzohren, denn sie erkennen den Ursprung nicht an. Sie beginnen an irgendeinem Punkt, aber sie wissen nicht, wo der Ursprung ist - deshalb sind sie mudha. Man sollte anerkennen, dass die ursprüngliche Ursache Gott ist, dass Er unbegrenzte mystische Kräfte besitzt, und dass alles von Ihm ausgeht.

Janmady asya yatah. Und Gott Selbst sagt: aham sarvasya prabhavo mattah sarvah pravartate. Diese Wahrheit muss man akzeptieren; es gibt keine andere LöSonneg. Es ist kein blinder Glaube, sondern eine höchst wissenschaftliche Erkenntnis. Wieso? Man braucht nur zu beweisen, dass aus Leben Materie entsteht, und dass im Leben unbegrenzte materielle Schätze verborgen liegen. Das ist das Geheimnis der Schöpfung. Man nimmt eine Nadel und lässt sie fallen. Sie wird sofort zu Boden fallen; doch ein Vogel, der ein paar Pfund wiegt, schwebt in der Luft. Das ist mystische Kraft. Du kannst nicht in der Luft schweben. Mystische Kraft muss man also anerkennen. Diese mystische Kraft mag in dir liegen; sie mag in einem anderen in größerem Ausmaß vorhanden sein, aber sie ist da - das muss man anerkennen.

Svarupa-damodara: Aber wenn jemand fragt, wo diese mystische Kraft sei?

Srila Prabhupada: Siehst du nicht die mystische Kraft? Du kannst nicht fliegen, aber ein Vogel kann fliegen. Für dich ist es mystische Kraft. Man braucht die Natur nur zu studieren, und man wird erkennen, dass jedes Lebewesen eine ganz bestimmte mystische Kraft besitzt. Wie viel mystische Kraft muss es also in Gott geben, der das höchste Lebewesen ist? Man kann im Wasser keine zwei oder drei Stunden leben, doch ein kleiner Fisch lebt sein ganzes Leben dort. Ist das nicht mystische Kraft?

Svarupa-damodara: Für mich vielleicht, aber nicht für den Fisch.

Srila Prabhupada: Die mystische Kraft ist verteilt; doch alle mystischen Kräfte ruhen in Gott, denn aus Ihm gehen alle mystischen Kräfte hervor. Von Ihm bekomme ich eine ganz bestimmte mystische Kraft. Von Ihm bekommst du eine ganz bestimmte mystische Kraft. Ein anderer bekommt von Ihm ein andere
mystische Kraft usw. - Gott ist die Quelle aller mystischen Kräfte.

Brahmananda Swami: Wie die Elektrizität in der Steckdose. Manch einer denkt vielleicht nicht darüber nach, wo sie herkommt, sondern benutzt sie nur, doch wer ein wenig weiter denkt, der kann verstehen, dass die elektrische Energie irgendwo herkommen muss.

Srila Prabhupada: Das ist unsere Philosophie. Gott ist der Ursprung aller mystischen Kräfte.

Svarupa-damodara: Man kann also mystische Kräfte nicht leugnen.

Srila Prabhupada: Nein, mystische Kräfte sind da. Auf Schritt und Tritt können wir mystische Kräfte beobachten. Wie kann jemand das bestreiten? Wenn jemand das bestreitet, ist er ein Dummkopf. Mystische Kräfte sind da.

Svarupa-damodara: Diesen Punkt haben die Wissenschaftler bis jetzt völlig außer acht gelassen. Sie denken in keiner Weise darüber nach.

Srila Prabhupada: Hast du über acintya-sakti nachgedacht?

Svarupa-damodara: Ja, ein wenig.

Srila Prabhupada: Wenn die Wissenschaftler diese Phänomene erklären sollen, wissen sie nur zu sagen: "Das ist eben die Natur."
Aber das ist acintya-sakti. Das Gesetz der Schwerkraft, das ist acintya-sakti. Schwerelosigkeit, das ist acintya-sakti, und auch du besitzt ein wenig acintya-sakti - jedes Lebewesen. Das gleiche Beispiel: Der Nagel wächst in der gleichen Form und Beschaffenheit nach, das ist acintya-sakti. Kein Arzt ist dabei, kein Medikament wird verabreicht, doch der Nagel wächst in der gleichen Form, in der gleichen Farbe nach. Ich sage, es sei mein Nagel, doch ich weiß nicht einmal, wie er wächst. Doch wiederum ohne meine Gegenwart geschieht nichts - das ist meine acintya-sakti. Es ist insbesondere meine acintya-sakti, weil ohne meine Gegenwart nichts geschehen wird. Es ist ähnlich wie mit der Sonne: Ohne die Gegenwart der Sonne gibt es kein Sonnenlicht. Ebenso gibt es ohne die Gegenwart des Lebewesens keine acintya-sakti im Körper. Und in ähnlicher Weise gibt es ohne die Gegenwart Gottes überhaupt keine acintya-sakti. Eine Rose zum Beispiel ist eine solch wunderbare Schöpfung; die Form, die Farbe, der Duft, so viele Dinge kommen zusammen und bilden eine Rose. Ähnlich ist es, wenn man eine Rose malen will. Das Gehirn, der Pinsel, die Farbe, all dies muss zusammenkommen, und dann entsteht das Bild. Ein ähnlicher Vorgang vollzieht sich in der Natur. Doch dort geschieht es so vollkommen und so schnell, saß es
sich jenseits unserer Vorstellung befindet. Das ist acintya-sakti. Wir denken vielleicht, die Rose entstehe aus der Erde, d. h., der Same sei eingegeben worden, er habe Frucht getragen, und nun wachse die Blume. Doch wie es geschieht, das ist acintya-sakti. Wir können mit ein paar geschickten Worten versuchen, die Dinge bis zu einem gewissen Grad zu erklären: "Dies enthält das, dieses Molekül enthält jenes usw.", aber wir können es nicht selbst tun. Deshalb ist es acintya. Wir können nur ein paar Worte erfinden und damit herumspielen, doch es selber zu tun, das liegt nicht in unserer Macht
- das ist acintya. Was sagst du dazu?

Svarupa-damodara: Ja, acintya - unfassbar. Sie können lediglich die Materialien von Krishna nehmen und etwas daraus formen und dann werden sie sagen, sie hätten es geschaffen.

Srila Prabhupada: Jiva jatisu - Evolution bedeutet, von einer Form zur anderen zu wandern. Die Formen sind aber bereits da; das Lebewesen wechselt lediglich von einer zu anderen. Ähnlich wie ein Mann von einer 1-Zimmer Wohnung in eine 2- oder 3-Zimmer Wohnung umzieht. Er bleibt der gleiche, doch entsprechend seinem karma, seinen Geldmitteln, bekommt er eine Wohnung. Das nennt man bhramavi. Bhrama bedeutet "wandern". Die Theorie, Evolution bedeute Entwicklung, ist falsch. Es ist nicht so, dass sich eine billige Wohnung zu einem Luxusapartment entwickelt. So lautet nämlich im übertragenen Sinne die unsinnige Theorie Charles Darwins.

Svarupa-damodara: Ja, er sagt, das Leben habe mit winzigen Einheiten begonnen und habe sich im Laufe der Evolution bis zur Stufe des Menschen entwickelt.

Srila Prabhupada: Der entscheidende Fehler ist, daß die Wissenschaftler glauben, am Anfang habe es kein Leben gegeben. Deshalb können sie nicht verstehen, wie sie Mensch geworden sind. Alles ist bereits vorhanden. Die Vorstellung, dass etwas entsteht, haben wir nur, weil wir in einer begrenzten Welt leben. Wir sehen, dass alles einen Anfang hat und unter diesem Eindruck glauben wir, etwas entstehe. Doch in Wirklichkeit entsteht nichts. Alles ist bereits da. Deshalb verfehlen die Wissenschaftler die Wahrheit. Sie denken, das Leben sei irgendwann entstanden. Doch es existierte immer schon. Gott ist ewig, und deshalb sind auch seine Energien - Materie sowie spirituelle Natur - ewig. Ein anschauliches Beispiel ist das Feuer: Das Feuer spendet Licht und Wärme. Wenn Feuer da ist, ist auch Wärme da. Doch ich denke, "nun ist Feuer da, nun wird auch Wärme kommen." Doch die Wärme wird nicht kommen, sie ist bereits da. Das kann jeder erfahren. Wärme und Licht sind zugleich mit dem Feuer da. Wenn Feuer da ist, sind auch Wärme und Licht da.
Von einem Anfang oder Beginn kann keine Rede sein. Was sagen die Wissenschaftler dazu?

Svarupa-damodara: Sie sagen, Wärme und Licht hätten eine Quelle.

Srila Prabhupada: Ja, die Quelle ist bereits da; deshalb sind Wärme und Licht bereits da. Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass aus Sauerstoff und Wasserstoff Wasser entsteht - das ist eine Tatsache -, doch sie können nicht begreifen, woher solch große Mengen Wasserstoff und Sauerstoff kamen, dass sie ganze Ozeane bildeten. Das können sie nicht verstehen. Wir geben die Antwort: All der Sauerstoff und Wasserstoff wurde im universalen Körper Gottes erzeugt - deshalb gibt es so viel Wasser. Das ist acintya-sakti.

Svarupa-damodara: Selbst viele der heutigen Wissenschaftler zweifeln an Darwins Theorie. Ihre Argumente basieren jedoch immer noch auf seiner Theorie, dass nämlich Leben aus Materie entstand und sich vom einzelligen Organismus zum vielzelligen Organismus entwickelte. Das bedeutet also, dass es am Anfang der Schöpfung keine höheren Lebensformen gab.

Srila Prabhupada: Das ist Blödsinn. Warum soll es keine höheren Lebensformen gegeben haben? Es gab ja auch niedere Lebensformen. Auch heute sehen wir, dass ein intelligenter Mensch und ein dummer Esel gleichzeitig leben. Warum existieren sie gleichzeitig? Warum ist nicht auch der Esel fortgeschritten? Wie lautet ihre Antwort?

Svarupa-damodara: Wenn die Wissenschaftler wüssten, dass wir nicht mit dem Körper identisch sind, würde sich gewiss einiges ändern.

Srila Prabhupada: Ja, das wollen wir erreichen. "Für die Seele gibt es weder Geburt noch Tod. Auch hört sie, da sie einmal war, niemals auf zu sein. Sie ist ungeboren, ewig, immerwährend, unsterblich und zuerst. Sie wird nicht getötet, wenn
der Körper erschlagen wird." (Bg. 2.20)

"Wie ein Mensch neue Kleider anlegt und die alten ablegt, so nimmt die Seele neue materielle Körper an und gibt die alt und unbrauchbar gewordenen auf." (Bg. 2.22) Das wirkliche Wissen, diese einfache Aussage Krishnas, will niemand annehmen. Zum Beispiel sagt Krishna:

"Wie die verkörperte Seele fortwährend, in diesem Körper von
Kindheit zu Jugend und zu Alter, wandert, so geht
sie auch beim Tode in einen anderen Körper ein. Die
selbstverwirklichte Seele wird von einem solchen Wechsel
nicht verwirrt." (Bg. 2.13)

In zwei Sätzen erklärt Er das ganze biologische Problem. In zwei Sätzen! Das ist Wissen: Ein Minimum an Worten - ein Maximum an Aufklärung. Unsinniges Geschwätz ist bedeutungslos, selbst wenn ganze Bücher damit gefüllt sind.

Svarupa-damodara: Sie können lediglich die Materialien von Krishna nehmen und etwas daraus formen -, und dann werden sie sagen, sie hätten es geschaffen.

Srila Prabhupada: Wie wollen sie etwas selbst schaffen? Sie nehmen z.B. Sand, vermischen ihn mit einigen anderen chemischen Stoffen und stellen Glas her. Sie haben weder den Sand noch die anderen Stoffe erzeugt, sondern sie aus der Erde genommen. Was haben sie also geschaffen? Wir sind in so vieler Hinsicht vom Öl abhängig -, was wollen diese Schlaumeier, diese sogenannten Wissenschaftler tun, wenn es kein Öl mehr gibt? Sie werden nichts dagegen unternehmen können. Die Ölvorkommen werden einfach erschöpft sein. Oder denken wir an den Wassermangel in Indien. Was können die Wissenschaftler
tun? Es gibt genug Wasser, aber sie können nicht genügend dort hinschaffen. Es ist die Hilfe von Wolken erforderlich, und diese entstehen durch den Willen Gottes. Die Wissenschaftler können im Grunde nichts tun. So viel Wasser ist da. - Warum bewässern sie nicht das Land? Sie haben Wasser und sie haben die Wüste. Warum bewässern sie nicht die Wüste? Statt dessen fliegen sie zum Mond, zu einem staubigen Planeten, um ihn fruchtbar zu machen. - Warum verwandeln sie nicht die Sahara, die Arabische Wüste oder die Rajasthan Wüste in fruchtbares Land? Es gibt genug Seewasser, warum bringen sie es nicht in die Wüste und machen sie fruchtbar? "In naher Zukunft", sagen sie, oder "wir versuchen es" - das ist alles. Gleich sind sie voller Stolz und prahlen "ja, ja, wir versuchen es."

Svarupa-damodara: Sie glauben, in naher Zukunft die Aminosäuren künstlich herstellen zu können; es gibt 20 Aminosäuren, die zum Aufbau des Körpers erforderlich sind.

Srila Prabhupada: Aber sie sind bereits vorhanden. Was wäre also ihr
Verdienst?

Svarupa-damodara: Sie wollen sie selbst herstellen.

Srila Prabhupada: Das mögen sie tun. Doch sie existieren bereits. Wenn es z. B. eine Seifenfabrik gibt und du eröffnest eine zweite Seifenfabrik daneben - was ist dann dein Verdienst? (Lachend) Es gibt bereits eine.

Svarupa-damodara: Eine sehr, sehr große "Seifenfabrik".

Srila Prabhupada: (Lachend) Ja. Was ist also dein Verdienst? Sie können nur imitieren - doch sie nehmen allen Verdienst, der eigentlich dem ursprünglichen Schöpfer zukommt, für sich in Anspruch. Sie sind so töricht. Warum sollen wir ihnen den Verdienst zuerkennen? Der Verdienst gebührt dem Ursprung. Das ist unsere Philosophie!

Svarapa-damodara: Wenn sie irgendein Naturgesetz entdecken, benennen sie es nach sich selbst, wie z. B. "das Ohmsche Gesetz".

Srila Prabhupada: (Lachend) Es existiert bereits, und diese Besserwisser wollen den Verdienst für sich beanspruchen.

Svarupa-damodara: Sie ändern ein klein wenig daran und sagen ...

Srila Prabhupada: Es gibt keine Änderung! Das ist eine weitere Torheit. Sie können nicht das geringste an den Naturgesetzen ändern.

Svarupa-damodara: Sie sagen, wenn es von Gott geschaffen worden sei, müssten wir auch imstande sein, Ihn zu sehen – genau wie den Sand auf dem wir gerade gehen.

Srila Prabhupada: Ja. Aber du musst die geeigneten Augen bekommen. Weil du aufgrund einer Augenkrankheit blind bist, muss ich dich operieren. Dann wirst du sehen können. Du wirst sehen, wenn du zur Behandlung kommst. Deshalb sagen die sastras, "Geh zu einem echten Guru, laß dich behandeln, und versuche zu verstehen."

Svarupa-damodara: Diese Sicht, dieses Sehen, ist überweltlich. Sie erkennen nur weltliches Sehen an.

Srila Prabhupada: Wenn du willst, ist alles überweltlich. Wenn du z. B. tagsüber zum Himmel schaust, wirst du sagen, er sei leer. Aber deine Sehkraft ist beschränkt. Der Himmel ist nicht leer. Unzählige Sterne schweben dort. Nur kannst du sie nicht sehen, weil du fast blind bist. Deshalb, weil es nicht in deiner Macht steht zu sehen, musst du von mir hören: "Ja, dort sind Millionen von Sternen." Und du musst es annehmen. Du kannst die Sterne nicht sehen, aber weil du sie nicht sehen kannst, bedeutet das noch lange nicht, dass der Himmel leer ist. Diese Vorstellung beruht auf der Unzulänglichkeit deiner
Sehkraft.

Svarupa-damodara: Das geben sie auch zu, aber sie sagen: Obwohl wir von vielen Dingen nichts wissen, können wir doch nicht etwas akzeptieren, was wir nicht sehen.

Srila Prabhupada: Warum nicht? Wenn du unwissend bist, musst du akzeptieren! Letztlich wird jeder zu Krishna kommen, nicht unbedingt zum Krishna-Bewusstsein, aber zu Krishna. Wenn das Universum aufgelöst wird, zur Zeit der Vernichtung, geht jeder in den Körper Krishnas ein und bleibt dort bis zur nächsten Schöpfung. Wer beherrscht die Natur? Der Ozean enthält ungeheure Wassermengen; sie könnten das ganze
Gebiet überschwemmen. Doch er wird nicht über eine bestimmte Grenze hinausgehen. - Es muss also eine kontrollierende Macht geben.

Svarupa-damodara: Die Wissenschaftler würden sagen, dass der Mond die Ursache ist. Der Mond beherrscht die Gezeiten.


Srila Prabhupada: Ja, aber von wem wird der Mond beherrscht?

Svarupa-damodara: Sie werden sagen: Von der Natur.

Srila Prabhupada: Und von wem wird die Natur beherrscht?

Svarupa-damodara: Von wem?

Srila Prabhupada: Das wird in der Bhagavad-g…ita erklärt. Krishna sagt: "Die Natur wird von Mir beherrscht." (Bg. 9.10) Deshalb ist Er der Absolute Kontrollierende. Er wird von niemandem beherrscht. Deshalb ist Er absolut. (Nach einer Weile) Ein Magnet z. B. zieht Eisenspäne an. Wer hat ihm diese Kraft gegeben? Du bist nicht dazu imstande.

Svarupa-damodara: Das ist von Natur aus so.

Srila Prabhupada: Und die Natur wird von Gott beherrscht.

Svarupa-damodara: Wissenschaftler ziehen es vor, die Natur als undefinierbar zu bezeichnen.

Srila Prabhupada: Das beweist ihr unzureichendes Wissen. Sie wollen die Natur nicht erklären, weil sonst ihre Dummheit ans Licht käme.

Svarupa-damodara: Sie sagen, sie könnten das gleiche tun wie die Natur. Im Falle des Magneten z. B. kann ich ein Stück Eisen nehmen und es mit elektrischem Strom magnetisieren. Dann ist es ein Magnet.

Srila Prabhupada: Ja, aber das Eisen ist nicht von dir hergestellt worden und auch nicht der Magnet. Du nimmst die Erzeugnisse der Natur und gebrauchst sie. Sie sind nicht von dir geschaffen worden. Welches Verdienst kommt dir also zu? Du kannst die Dinge lediglich umformen. Das liegt in deiner Hand. Es gibt zwei Energien: materielle und spirituelle niedere Energie und höhere Energie. Die Lebewesen sind höhere Energie. Warum höher? Sie können
Materie nehmen und damit hantieren. Darin besteht deine Überlegenheit. Du kannst die Materie nehmen, sie verschiedenartig kombinieren und etwas daraus machen. Deshalb dreht sich die Welt: Materie wird bewegt durch spirituelle Energie. Du hast dir deinen Körper geschaffen - durch deinen Wunsch, durch dein Bewusstsein. - Das steht in deiner Macht, aber die Materialien des Körpers kannst du nicht erschaffen. Das ist dir nicht möglich.

Geschrieben von lenny um 13:32 | in:
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Der junge Gelehrte - Caitanya-Bhagavat
27.11.2006

(Caitanya-bhagavata I,9)
Sri Gauracandra setzt Seine Studien fort. Als Sein Freund Murari (ein Bhakta) Ihm sagte, es sei besser Religion zu studieren als Grammatik und Logik, meinte Er dies sei Aberglaube.
Sri Krishna Caitanya wird Privatlehrer des Sohns von Mukunda Sanjaya und in dessen Haus beginnt eigentlich Seine aufstrebende Karriere als Grammatik-Lehrer. Humorvoll fordert Er oft die bekannteren Sanskritgelehrten zu einer Diskussions heraus.
Mutter Saci plant Seine Heirat mit Vallabhacaryas Tochter Laksmi. (Sein Vater Jagannatha Misra ist inzwischen von dieser Welt zur transzendentalen Welt zurückgekehrt. Caitanya ist bei Seiner Heirat erst ca. 11 Jahre alt. Zu dieser Zeit war es üblich, die Kinder bereits in jungen Jahren zu verheiraten, obschon sie normalerweise frühestens ab dem 16. Lebensjahr direkt zusammenlebten.) Gauranga begegnet ihr am Ufer und lächelnd erkennt Er sie als Seine eigene Laksmi und im Geiste verehrt sie Seine Lotosfüße.
Der Brahmana Vanamali berät mit Saci und Laksmis Vater und vermittelt die Heirat. Der Vater vermag aus Armut keine Mitgift zu geben, dennoch wird Hochzeit mit den zur Verfügung stehenden Mitteln gefeiert. Man munkelt bei der Hochzeit, die beiden sehen aus wie Siva-Parvati, Laksmi-Narayana oder Sita-Rama.
Saci glaubt des öfteren, daß sie eine Flamme an der Seite ihres Sohnes sehe und manchmal ist es ihr als riech sie wunderbaren Duft von Lotosblumen. Manchmal ist sie sich sicher und dann zweifelt sie wieder, daß diese Laksmi wirklich die Laksmi von Narayana sei. Seit der Heirat setzt Wohlstand in der Familie ein.
Seltsam, Er ist ganz sichtbar vor allen Augen, doch offenbart Er Sein Wesen nicht. Wer hat die Kraft, Gott zu erkennen. Solange Er Sich nicht zu erkennen geben will, hat nicht einmal Laksmi die Kraft, Ihn zu erkennen. Deshalb sagen alle Veden und Puranas: "Nur wenn Er jemandem Seinen Segen schenkt, nur dann wird Er erkannt."
Der Gelehrte Nimai findet nur Gangadasa (Seinen Lehrer) wert, mit Ihm die Schriften zu diskutieren.
Die Menschen sehen in Mahaprabhu einen edlen Brahmananen, der ein Ehemann (Grhastha) ist. Die Frauen sagen: "Er sieht aus wie der Liebesgott", die Atheisten: "Er sieht aus wie Yama (der Herr des Todes)", die Gelehrten: "Er sieht aus wie Brhaspati (der Lehrer der Halbgötter)." Die Bhaktas? Alle sind voll Freude und Niedergeschlagenheit: "Mit solchen Gaben und ohne lebendige Erkenntnis von Krsna. Wozu bloß alle Gelehrsamkeit, sie ist ja vergänglich." So hat Seine Yogamaya alle betört. Sie sehen Ihn und doch sehen sie Ihn nicht.
Der eine oder andere Bhakta fragt wohl: "Wozu verschwendest Du die Zeit mit Wissen?" Doch Er lacht bei den Worten Seiner Diener und sagt: "Es ist Mein gutes Glück, daß ihr Mich ermahnt." Wenn Seine eigenen Diener Ihn nicht erkennen, wie sollen es andere.
Eines Tages kommt eine Schar Bhaktas aus dem Dorfe Chatigrama, um am Gangesufer das Bhagavatam zu hören - sie waren alle auf Seinen Wunsch dort als Krsna-Bhaktas geboren worden. Am einsamen Ufer lesen und hören sie das Bhagavatam und verehren Krsna. Einer von ihnen ist ein Sänger, Mukunda, und die Bhaktas von Navadvipa gehen mit Advaita hin, hören zu und in Ekstase weinen alle, tanzen, lachen und einige fallen dem Mukunda zu Füßen. Alle vergessen die Welt. Da kommt Caitanya, im Herzen voll Freude über Mukunda, und verwickelt ihn (und die anderen) in ein Wortgefecht über logische Lücken und alle werden von Ihm besiegt. Doch Srivasa und die anderen Bhaktas laufen davon. Argumentieren ist Zeit- und Wortverschwendung. Sie alle haben nur Interesse an Krsna. Dort, wo Krsna nicht erklärt und dargestellt wird, haben sie keine Freude.
Caitanya fährt fort, die Vaisnavas mit Argumenten zu verwirren und macht sie lächerlich, wenn sie verlieren. Das geht soweit, daß sie alle weglaufen, sobald sie Mahaprabhu auch nur von Ferne sehen.
Eines Tages sieht Mahaprabhu den Mukunda am Ufer; Mukunda eilt schnell davon. Caitanya fragt Govinda: "Warum läuft der Bursche Mukunda fort?" Govinda sagt, er wisse es nicht. Doch Sri Caitanya sagt zu Govinda: "Ich weiß schon, warum er flieht. Mit Atheisten soll man nicht reden. Er liest und erklärt die Vaisnava-Schriften, Ich jedoch nur Logik, Grammatik usw. Er hat keine Hoffnung, mit Mir ein Gespräch über Krsna zu führen, und deshalb meidet er Mich."


(Caitanya-caritamrta I,16)
Der Herr schlug alle Arten von Gelehrten in Gesprächen über alle Schriften, und doch war durch Sein freundliches Betragen keiner von ihnen unglücklich.
Von Verwunderung ergriffen durch den Einfluß der intellektuellen Stärke Sri Caitanya Mahaprabhus kamen viele hunderte von Schülern zu Ihm und begannen, unter Seiner Leitung zu studieren.

Weil der Herr in vielfacher Weise davon in Anspruch genommen war, Seine Lilas in Ostbengalen zu entfalten, wurde Seine Frau Laksmi-devi, die in Navadvipa blieb, aufgrund der Trennung sehr unglücklich. Der Schmerz der Trennung wurde so groß, daß sie es vorzog, zu ihrem Herrn in die spirituelle Welt zurückzukehren. Sri Caitanya, der alles weiß, kehrte deshalb nach Hause zurück, um Seine Mutter Saci zu trösten, die über den Tod ihrer Schwiegertochter sehr unglücklich war. Als Mahaprabhu mit viel Reichtum und vielen Anhängern heimkehrte, sprach Er zu Seiner Mutter über göttliches Wissen, um ihr Unglück zu beseitigen.
Danach begann Er wieder Sein Spiel als Gelehrter und Lehrer. Durch die Stärke Seiner Bildung bezwang Er jeden, und so manifestierte Er gegen außen großen Stolz.
Bald darauf heiratete Sri Caitanya - auf Drängen Seiner Mutter - Visnupriya Thakurani.
Später bezwang Er den Meister (digvijayi) der Gelehrsamkeit namens Kesava Kasmiri. (So wie es in unseren Tagen viele Meister oder Spitzenathleten im Sport gibt, so gab es in vergangenen Zeiten viele große Gelehrte in Indien, die Meister der Gelehrsamkeit waren. Kesava Kasmiri war einer der größten Meister. Er bereiste ganz Indien und kam schließlich nach Navadvipa, das ein berühmter Aufenthaltsort von vielen großen Gelehrten war, um diese herauszufordern. Er war ein Verehrer von Sarasvati, der Göttin der Gelehrsamkeit. Durch ihre Gnade war er der größte Meister unter allen Gelehrten. Deshalb wurde ihm der Titel "Digvijayi" verliehen, der bedeutet: jemand, der in allen Himmelsrichtungen jeden besiegt hat.) Vrndavana Dasa Thakura hat dies bereits schon beschrieben.


Caitanya besiegt den "Weltbesieger"

(Caitanya-bhagavata I,11)
Mahaprabhu genoß den Rasa Seines unbegrenzten Wissens. Zu dieser Zeit kam ein Gelehrter, der von Ort zu Ort zog und der von jedem, den er in Disputationen besiegt hatte, eine Unterschrift erhielt, nach Navadvipa. Er verehrte ausschließlich die Sarasvati, murmelte ihren Mantra und macht sie "gefügig". Mit der bloßen Gnade ihres Blickes kann Sarasvati jedem Bhakti geben; was bedeutet es ihr schon, jemandem die Segnung zu verleihen, ein weltbesiegender Gelehrter zu werden.
Dieser Gelehrte, der in der Welt umherschweifte und den niemand zu widerlegen vermochte, weil alle Zitate und Belege aus den Schriften ständig auf seiner Zunge bereit waren, hatte von Navadvipa gehört. Und mit seinen Begleitern, Pferden und Elefanten kam er deshalb dort hin. Die Gelehrten von Navadvipa waren in großer Furcht, daß nun das Ende ihres Ruhmes gekommen sei. Es hatte sich ja bereits herumgesprochen, daß Sarasvati ihm ihre Gabe verliehen hatte.
Die Schüler Sri Gauraharis bringen die Nachricht zu Ihm. Dieser sagt lachend: "Gott duldet keinen Stolz. Wenn jemand auf irgend etwas stolz ist, dann zerstört Gott es sicherlich. Das Zeichen eines guten fruchttragenden Baumes ist, daß er sich in Demut niederbeugt. Die Herrscher Haiheya, Nahusa, Vena, Bana und Ravana waren alle große Weltbesieger. Sagt mir, wessen Dünkel wurde nicht zu Staub? Isvara duldet keinen Dünkel. Und seinen Dünkel auf Gelehrsamkeit wird Isvara zunichte machen."
Mahaprabhu geht am Abend zur Ganga, berührt ihr Wasser, neigt Sich ehrfürchtig vor ihr und setzt Sich inmitten Seiner Schüler nieder. Ohne etwas auszusprechen, sinnt Er: "Dieser Weltbesieger hat wohl großen Eigendünkel und ist getäuscht, verwirrt und meint, daß niemand es wagt, sich ihm zu stellen. Wenn Ich ihn hier vor allen Leuten besiege, wird er wie tot sein und die Menschen werden beginnen, den Brahmana (die Brahmana-Gemeinde) gering zu schätzen. Ich muß ihn besiegen, doch so, daß sein Dünkel vergeht, ohne daß er zu viel Leid erfährt." (Fern der allgemeinen Öffentlichkeit, die dazu neigen könnte, über den gelehrten Brahmana und seinen Stand zu lachen oder zu spötteln.)
Während der Herr so dachte, kam der Besieger der Welt (digvijayi); es war bereits die Nacht angebrochen.
Reines Mondlicht überflutet die Ganga, an deren Ufern Er im Kreise Seiner Schüler sitzt - ein bezauberndes Bild. Er erklärt und macht mit Logik nein zu ja und ja zu nein. Kesava Kasmiri sieht Ihn und bewundert das Bild von ferne; er fragt die Schüler, wer das ist, und sie sagen ihm: "Nimai Pandit". (Pandit [wörtl.: Gelehrter] ist ein Titel ähnlich dem heutigen "Professor".) Der Weltbesieger grüßt die Ganga und schließt sich der Gruppe an. Mahaprabhu lächelt ein wenig, begrüßt ihn und bietet ihm einen Sitzplatz an. Der Digvijayi war von Natur aus furchtlos, doch als er Ihn sah, füllte sich sein Herz mit furchtgemischter Ehrerbietung. Das ist die natürliche Folge der Ihm eigenen Kraft, daß Sein bloßer Anblick mit Ehrfurcht erfüllt. Mahaprabhu bittet ihn, zur Sündenbefreiung aller Anwesenden von der Ganga zu sprechen. Der Digvijayi spricht fließend, schnell, voll tiefem Sinn und reicher Sprache; ist doch Sarasvati auf seiner Zunge. Alle Schüler Caitanyas sind erstaunt, daß von menschlicher Zunge solche Dinge kommen können. (Fließend komponierte er über 100 Verse in Sanskrit. Da beim Verfassen von solchen Sanskritversen viele Regeln zu beachten sind, war jeder überwältigt, solche Gelehrtheit zu sehen.) Als der Digvijayi eine Pause macht, sagt Mahaprabhu lachend, ihn preisend: "Nur du selbst verstehst den Sinn deiner Worte. Da wäre es gut, wenn du jedes deiner Worte und den Grund ihres Gebrauchs erklären wolltest." Dieser fängt an, jedes Wort zu erklären - und jede einzelne Erklärung wird von Mahaprabhu widerlegt und zerstückelt. Der große Digvijayi kann plötzlich nicht antworten. Nichts als ein paar Worte stammelt er, die sofort von Gauranga widerlegt werden. Der Brahmana kann plötzlich seine eigenen Worte nicht erklären. Mahaprabhu sagt: "Laß das Erklären sein, setze deine Rezitation fort." Doch der Weltbesieger vermag nichts zu sagen. Das ist nichts Erstaunliches, daß er vor Ihm vollkommen verwirrt wurde. Denn selbst die Veden werden verwirrt, wenn sie vor dem Herrn stehen. Ananta, Brahma, Siva - sie alle, welche die unendlichen Welten vor sich sehen, werden verwirrt, wenn sie vor Ihm stehen.
Das Grundmotiv allen Tuns des Herrn ist die Errettung der leidenden Jivas, der von ihrem Urgrund abgeirrten Atmas.
Als Mahaprabhus Schüler anfingen zu lachen, da der Weltbesieger nun in seine Niederlage hineinging, verbot Er es ihnen und sagte zum Digvijayi: "Komme morgen, es ist tiefe Nacht, geh nach Hause. Auch ein Mann wie du muß müde werden. Geh und ruhe dich aus." Und so behandelte Er ihn ganz zart, wie Er es immer tat, wenn ein Gelehrter in Navadvipa seine Niederlage eingesehen hatte. Und so verletzte Er am Schluß niemanden und deswegen mochten Ihn die Gelehrten Navadvipas sehr gerne.
Nachts denkt der Digvijayi nach: "Sarasvati gab mir die Gabe - jeder, wer es auch sei - auf jedem Gebiet (Logik, Sankhya, Mimamsa, Patanjalis Yoga, Vaisesika, Vedanta - es handelt sich um die sechs orthodoxen Systeme der vedischen Philosophie), muß gegen mich verlieren. Da hat dieser Brahmana (Caitanya), der die Kinderwissenschaft der Grammatik lehrt, mich besiegt - welch ein Schicksal! Da ist das Gegenteil der Gabe Sarasvatis eingetroffen und ein Zweifel entsteht in meinem Herzen. Habe ich ein Vergehen gegen die Sarasvati begangen, daß der Glanz meines Wissens sich verdunkelt hat? Ich muß den Grund herausfinden." Er murmelte seinen Sarasvati-mantra und fiel endlich traurig in Schlaf.
Da erscheint dem Brahmana im Traum die Sarasvati und spricht zu ihm von einem großen Geheimnis: "Vernimm, o Brahmana, etwas was selbst den Veden verborgen ist und sage es niemandem, da sich sonst dein Lebensalter verkürzt. Du hast deine Niederlage vom Herrn aller Universen erhalten. Ich selbst bin Dienerin Seiner Lotosfüße und halte mich schamvoll außerhalb Seines Blickfeldes auf. Was kann ich tun; in Gegenwart Bhagavans (Caitanyas) kann ich nicht auf deiner Zunge sein. Das ist nicht nur mit mir so, sogar Ananta-Sesa wird verwirrt, wenn er vor Ihm steht. Und doch preisen Brahma und Siva Ihn, den Unendlichen. Er, das höchste Brahman, ist ewig, rein und die allgegenwärtige Fülle. Er ist als Paramatma in allen Herzen. Alles, Karma, Wissen, das Heilvolle und Unheilvolle, die Folgen des Tuns und des Denkens, die in diesem Leben sich auswirken und das, was sich erst später auswirken wird, alles stammt von Ihm und wird von Ihm aufgelöst. Und eben Er ist es, den du in Gestalt des Brahmana Nimai heute vor dir sahst. Auf Seinen Willen hin erhalten alle Wesen, von Brahma angefangen, Freude und Leid. (Es ist der Herr Selbst, der Sich im Herzen aller Lebewesen befindet, der durch Seine bloße Anwesenheit dafür sorgt, daß sich die Früchte der vergangenen Taten in rechter Weise als Freude und Leid auswirken.) Alle Avataras sind nichts anderes als Er. Er ist der Sohn Vasudevas, der Sohn Nandas (Krsna), der jetzt als Brahmana im Rasa des Wissens schwelgt. Selbst die Veden kennen nicht alle Seine Avataras. Und der Mantra, den du bisher so eifrig gesprochen hast, dessen Frucht war keineswegs der Titel Digvijayi, sondern daß du den Herrn aller Universen heute unmittelbar zu sehen bekamst. Also geh schnell zu Ihm hin und übergib dein ganzes Wesen Seinen Lotosfüßen. Halte das, was ich dir sage, keineswegs für einen bloßen Traum. Da du meinen Mantra sprachst, habe ich dir gesagt, was in den Veden verborgen ist."
Am frühen Morgen geht der Brahmana zu Mahaprabhu und wirft sich vor Ihm nieder. Mahaprabhu nimmt ihn in Seine Arme und fragt ihn, was geschehen sei. Der Brahmana bittet um Seinen gnadenvollen Blick. Sri Caitanya fragt ihn: "Warum sagst du das? Du bist doch der Besieger aller Weltrichtungen." Der Digvijayi antwortet: "O Du edler Brahmanakönig, wenn man Dich verehrt, geht alles Werk zum Guten aus. Du bist im Kaliyuga Narayana in Gestalt des Brahmana. Doch wer hat die Kraft, Dich zu erkennen? Als Du mich gestern fragtest und ich keine Antwort geben konnte, stieg mir sofort ein Zweifel auf. Deine Art, Herr zu sein, unterscheidet sich von der Art aller anderen Herren (d.h. von allen anderen Seinsweisen Gottes). Alle Veden sagen es und heute habe ich es unmittelbar gesehen. Du hattest mich dreimal besiegt und doch ließest Du meine Würde unangetastet. Du bist Narayana. In ganz Indien hat mich niemand besiegen können und vor Dir versagte alle meine Weisheit. Das ist keineswegs erstaunlich, denn Du bist der Herr der Sarasvati. So hat sie es mir gesagt. Und es war mein Heil, daß ich nach Navadvipa kam. Ich war betört und gefesselt von den Vasanas (den inneren Antrieben im Unterbewußtsein), betört von Avidya (Unwissenheit) und ich lief umher und betrog mich selbst. Nun erlöse mich durch Deinen gnadenvollen Blick. Es ist Dein Wesen, anderen Gutes zu erweisen; gib mir Unterweisung, damit nicht wieder schlechte, unbewußte Antriebe entstehen."
Mahaprabhu erwiderte ihm: "Vernimm, o Brahmana, du bist wirklich glücklich, denn Sarasvati spricht durch deinen Mund. Du dachtest: ich will die Gelehrten der ganzen Welt besiegen! Das ist jedoch nicht Zweck und Ziel des Wissens, sondern echtes Wissen ist dienende erkennende liebende Verehrung Gottes. Und vergiß nicht: wenn die Zeit kommt, den Körper zu verlassen, gehen weder Reichtum noch andere Dinge mit. Deshalb haben die Großen alles aufgegeben und widmen sich mit starker Entschlußkraft der Seva, dem Dienste Isvaras (Krsna). Gib also den Unsinn auf, der größte aller Gelehrten sein zu wollen und widme dich der Verehrung der Lotosfüße Krsnas. Tue es sofort, nicht erst wenn der Tod vor der Tür steht. Die wahre Frucht des Wissens ist die Hinwendung des Denkens, der Sinne und allen Strebens zu den Füßen Krsnas. Das ist die große Unterweisung an dich: Das einzig Wahre in endloser Wandelwelt ist Visnu-Bhakti (liebevolle dienende Hingabe zu Gott)."
Mahaprabhu umarmte ihn und sogleich wurde er frei von allen Bindungen und Fesseln. Er erhielt die Anweisung: "Gib allen Stolz auf. Geh, tue Verehrung Krsnas und sei gütig zu allen Wesen. Doch von dem, was Sarasvati dir sagte, darfst du niemandem berichten; es würde ein schnelles Ende deines Lebens bedeuten und dir Unheil im nächsten Leben bringen."
Der Brahmana warf sich vor Ihm nieder. Auf Mahaprabhus Wunsch war von diesem Augenblick an Bhakti in seinem Körper und LoslöSonneg (d.h. farblos werden oder geschmacklos werden der Sinnesdinge) und auch unmittelbare Erfahrung des Gehörten (d.h. des Unvergänglichen).
Nichts blieb mehr von Stolz übrig; er gab alles auf, Elefanten, Reichtum und die Schar der Begleiter. Allein ging er seines Wegs. Mahaprabhus Gnade verursachte, daß er die königliche Straße verließ und ein Bettler wurde. Alles, was man in dieser Welt begehren könnte, gibt derjenige auf, der Krsnas Diener wird. Königlicher Luxus scheint Freude zu sein, solange man die Größe der Freude der Bhakti nicht kennt.
Nicht nur königliches Glück erscheint dem Diener Krsnas ganz gering. Selbst das Glück des Freiwerdens des Atma (mukti oder ErlöSonneg) bedeutet ihm nichts mehr. Doch kann solche Erkenntnis nur durch Gottes Gnadenblick entstehen und deswegen sprechen alle Veden von der dienenden Verehrung des Herrn.


Einweihung (diksa) in Gaya

(Caitanya-bhagavata I,15)
Mahaprabhu hört mit eigenen Ohren, daß die Neider die Vaisnavas täglich beleidigen, und der Wunsch keimt in Seinem Herzen auf, Sich Selbst zu offenbaren. Er dachte nach und entschied, es nach Seiner Rückkehr von Gaya zu tun.
Mit einer großen Schar von Schülern machte Er Sich nach Gaya auf, um dort die letzten Riten für Seinen Vater zu verrichten, so wie es die Schriften anordnen. (In der vedischen Gesellschaft mußte man nach dem Tod eines Verwandten, besonders des Vaters oder der Mutter, nach Gaya gehen und dort den Lotosfüßen Sri Visnus Opfergaben darzubringen. Sri Caitanya, der die Rolle eines gewöhnlichen Brahmana spielte, hielt Sich ebenfalls an diese Sitte.)
In Gaya badete Er im Brahma-kunda. Er erlangt den Anblick der Fußspuren Visnus. Die Brahmanas beschreiben Ihm die Größe des Ortes dieser Fußlotosse, denen Laksmi ununterbrochen dient, die Füße, die Siva an seine Brust drückt, die Füße, von denen die Ganga entspringt. Mahaprabhu versinkt in die Freude höchsten göttlichen Glücks der Premabhakti. Tränenströme brechen aus Seinen Lotosaugen. Er ist voll ekstatischer Freude. Seine Haare sträuben sich, Er zittert. Zum Heil aller Welten beginnt hier die Offenbarung der Premabhakti in Gauracandra. (Caitanya erlebt Sich hier nicht als Gott. Er erfährt das Glück, ein Gottgeweihter, ein Bhakta zu sein und Sich Selbst ganz vergessend, Gott zu dienen.) Ununterbrochen wie der Strom der Ganga fließt in Premabhakti der Strom der Tränen aus Seinen Augen. So etwas haben die Brahmanas noch nie gesehen.
Da kommt - auf Isvaras (Gottes) Wunsch - gerade in diesem Augenblick Isvara Puri daher. Gaurasundara sieht ihn und grüßt ihn ehrerbietig. Isvara Puri umarmt Ihn in großer Freude. In Premaglück werden beider Leiber im Wasser des Prema gebadet.
Mahaprabhu sagt: "Heute ist das Ziel Meiner Reise nach Gaya erreicht, denn Ich habe die Lotosse deiner Füße geschaut. Pinda (der Reiskuchen, der beim letzten Ritus für den Abgeschiedenen dargereicht wird), erlöst nur denjenigen unter den Vorfahren, um dessentwillen er gegeben wird, doch bei deinem bloßen Anblick, werden Millionen von Vorfahren sofort von der Bindung frei. Kein heiliger Ort ist dir an Wert gleich - o, erlöse Mich vom Ozean der Wandelwelt. Ich übermache dir Meinen Leib. Gib Mir den Rasa des "Nektars der Lotosfüße Krsnas" zu trinken und mache Mich zu deinem Eigentum, das erbitte Ich Mir von dir." (Nektar der Lotosfüße Krsnas ist das Glück, Gott unmittelbar dienen zu dürfen.)
Isvara Puri entgegnet: "Vernimm Pandit, ich weiß ganz bestimmt, daß Du eine Teiloffenbarung (amsa) Isvaras bist... Ich sah in der Nacht einen glückverheißenden Traum; als Folge davon habe ich heute Deinen Anblick erhalten. Wirklich Pandit, Dein Anblick erfüllt mich in jedem Augenblick mit der Freude höchsten göttlichen Glücks. Seitdem ich Dich in Navadvipa sah, habe ich im Herzen keine Ruhe mehr gehabt. Wenn ich Dich sehe, ist in mir ein Glücksgefühl, als ob ich Krsna Selbst sähe."
Mahaprabhu lacht, als Er diese ehrlichen Worte Isvara Puris hört und sagt: "Es ist Mein gutes Geschick."
Schließlich geht Er zurück in Seine Unterkunft, ruht Sich ein wenig aus und macht Sich ans Kochen des Essens. Sobald das Essen fertig ist, stellt sich Isvara Puri ein, schwebenden Schrittes, in Prema den Namen Krsnas singend. Mahaprabhu geht vom Herd zu Isvara Puri grüßt ihn und bietet ihm einen Sitz an. Isvara Puri sagt lachend: "Da bin ich ja gerade zur rechten Zeit gekommen." Gaura: "Das ist Mein gutes Geschick. Bitte, nehmt euer Bettelmahl hier ein." Lachend fragt Isvara Puri: "Was wird dann für Dich übrig bleiben?" Gaura: "Ich werde schnell auch für Mich kochen." Isvara Puri: "Wozu? Laß uns den Reis teilen." Lachend bittet Sri Caitanya: "Wenn du Mir einen Gefallen tun willst, bitte, iß alles, was gekocht ist; in einem Augenblick wird ein weiteres Essen fertig sein. Bitte, iß, ohne zu zögern." Mahaprabhu gibt ihm den Reis und geht freudig erneut ans Kochen. So wie Mahaprabhu dem Isvara Puri Gnade erweist, so hat auch Puri nichts anderes als Krsna im Sinn. Er gibt ihm mit Seiner heiligen Hand zu essen und Puri ißt in der Freude höchsten göttlichen Glücks.
In der Zwischenzeit hatte Ramadevi (Laksmi), von niemandem gesehen, schnell für ihren Herrn das Essen gekocht. Nachdem Isvara Puri gegessen hatte, saß Sri Caitanya voll Freude zum Essen nieder. Wer von dem Essen beider hört, erhält Prema zu Krsna. Nach dem Essen salbt Mahaprabhu dem Isvara Puri den ganzen Körper mit herrlichen Wohlgerüchen ein. Hat jemand die Kraft, die große Liebe zu beschreiben, die Isvara (Gott) zu Isvara Puri hat?...
Eines Tages bat Mahaprabhu Isvara Puri mit milden Worten um Diksa. Dieser sagt: "Nicht nur den Mantra will ich Dir geben, sogar mein Leben zu geben, bin ich immerdar bereit." Und Narayana , der Weltenlehrer, nahm von Isvara Puri den Mantra von zehn Silben in Empfang. Isvara Puri umarmt Ihn herzlichst. Beide weinen, benetzen gegenseitig ihre Leiber mit Tränen.
Noch einige Tage verweilt Er in Gaya. Die Zeit der Offenbarung Seiner Selbst war herangekommen und deshalb steigerte sich von Tag zu Tag Seine Premabhakti... Er saß allein und durchdachte Seinen eigenen Mantra. Im Glück der Erkenntnis fing Er an zu weinen und rief laut in Not mit verzweifelter Stimme: "O Krsna, o Krsna, Du bist Mein Leben, in welcher Richtung bist Du fortgegangen? Du hast Mein Leben gestohlen." (Er, der die ganze Fülle Bhagavans und alle Sakti Bhagavans in Sich birgt, spricht hier als Radha, die von Krsna verlassen wurde.) Mahaprabhu, welcher der Gipfel der Selbstbeherrschung war, verlor sie ganz und gar in Prema. Er wälzt Sich auf dem Erdboden umher und weint und wird von den Wellen des Meeres der Trennung in der Bhakti zu Sich Selbst (als Krsna) fortgetragen.
Später nimmt Er von Isvara Puri Abschied und kehrt nach Navadvipa zurück. Navadvipa ist voller Glück, so als wenn das Leben in einen Körper zurückkommt.
(Nach Seiner Rückkehr von Gaya lehrte Mahaprabhu Seine Schüler nur noch über Krsna. Jedes Wort, jede grammatikalische Regel, alles erklärt Er als Krsna. So gibt Mahaprabhu nach ein paar Wochen Sein Amt als Lehrer auf, da Er Sich außerstande fühlt, über etwas anderes als Krsna zu sprechen. Immer mehr offenbart Er die Ekstasen der Premabhakti.)

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Geschrieben von lenny um 13:30 | in:
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Bhagavad-gita Beschreibung der Seele
27.11.2006

na jayate mriyate va kadacin
nayam bhutva bhavita va na bhuyah
ajo nityah sasvato' yam purano
na hanyate hanyamane sarire


Für die Seele gibt es weder Geburt noch Tod. Auch hört
sie, da sie einmal war, niemals auf zu sein. Sie ist
ungeboren, ewig, immerwährend, unsterblich und
urerst. Sie wird nicht getötet, wenn der Körper
erschlagen wird.

ERLÄUTERUNG
Der Qualität nach ist der winzige fragmentarische Teil des
Höchsten Spirituellen Wesens mit dem Höchsten eins. Er
unterliegt keinem Wandel wie der Körper. Manchmal wird
die Seele als "die Beständige" oder kutastha bezeichnet.
Der Körper unterliegt sechs Arten von Wandlungen: Er
wird in der Gebärmutter des mütterlichen Körpers geboren,
bleibt dort einige Zeit, wächst heran, zeugt Nachkommen,
verfällt allmählich und gerät schließlich in Vergessenheit.
Die Seele aber durchläuft nicht solche Wandlungen. Die
Seele selbst wird nicht geboren, aber weil sie einen
materiellen Körper annimmt, wird der Körper geboren. Die
Seele wird nicht geboren, und die Seele stirbt nicht. Alles,
was geboren wird, muss sterben. Und da die Seele nie
geboren wurde, kennt sie weder Vergangenheit noch
Gegenwart, noch Zukunft. Sie ist ewig, immerwährend und
urerst - das heißt, es gibt in der Geschichte keine Spur ihrer
Entstehung. Unter dem Einfluss der körperlichen
Vorstellung suchen wir nach dem Zeitpunkt der Geburt
usw. der Seele. Die Seele wird zu keiner Zeit alt, wie es der
Körper wird. Daher fühlt der sogenannte alte Mann, dass er
der gleiche ist wie in seiner Kindheit oder Jugend. Die
Wandlungen des Körpers beeinflussen nicht die Seele. Die
Seele unterliegt nicht dem Zerfall wie ein Baum oder etwas
anderes Materielles. Die Seele hat auch keine
Nachkommen. Die Nebenprodukte des Körpers, nämlich
Kinder, sind ebenfalls verschiedene individuelle Seelen,
und nur im Hinblick auf den Körper erscheinen sie als
Kinder eines bestimmten Mannes. Der Körper entwickelt
sich, weil die Seele anwesend ist; aber weder hat die Seele
Abkömmlinge, noch unterliegt sie dem Wandel. Folglich ist
die Seele von den sechs Wandlungen des Körpers frei.
Auch in der Katha Upanisad (1.2.18) finden wir einen
ähnlichen Abschnitt, in dem es heißt:

na jayate mriyate va vipascin
nayam kutascin na vibhuva kascit
ajo nityah sasvato 'yam purano
na hanyate hanyamane sarire


Die Aussage und Bedeutung dieses Verses ist die gleiche
wie in der Bhagavad-gita, aber hier in diesem Vers gibt es
ein besonderes Wort, nämlich vipascit, was soviel bedeutet
wie "gelehrt" oder "mit Wissen".
Die Seele ist voll Wissen oder immer von Bewusstsein
erfüllt. Daher ist Bewusstsein das Merkmal der Seele. Selbst
wenn man die Seele nicht im Herzen findet, wo sie sich
aufhält, kann man die Gegenwart der Seele einfach durch
die Anwesenheit von Bewusstsein verstehen. Manchmal
finden wir die Sonne am Himmel nicht, weil sich Wolken
davor geschoben haben oder aus irgendeinem anderen
Grund, aber das Licht der Sonne ist immer da, und wir sind
überzeugt, dass es deshalb Tag ist. Sobald frühmorgens ein
wenig Licht am Himmel ist, können wir verstehen, dass die
Sonne am Himmel steht. In ähnlicher Weise können wir
auch die Gegenwart der Seele verstehen, da in allen
Körpern - ob Mensch oder Tier - Bewusstsein vorhanden ist.
Dieses Bewusstsein der Seele unterscheidet sich jedoch vom
Bewusstsein des Höchsten, da das höchste Bewusstsein
Allwissen ist - es umfasst Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft. Das Bewusstsein der individuellen Seele neigt
dazu, vergesslich zu sein. Wenn sie ihre wahre Natur
vergisst, empfängt sie aus den erhabenen Lehren Krishnas
Erziehung und Erleuchtung. Aber Krishna ist nicht mit der
vergesslichen Seele zu vergleichen. Wenn dem so wäre,
würden Seine Lehren in der Bhagavad-gita nutzlos sein. Es
gibt zwei Arten von Seelen. die winzig kleine Seele (anu-atma)
und die Überseele (vibhu-atma). Dies wird auch in
der Katha Upanisad (1.2.20) wie folgt bestätigt:

anor aniyan mahato mahiyan
atmasya jantor nihito guhayam
tam akratuh pasyati vita-soko
dhatuh prasadan mahimanam atmanah


"Sowohl die Überseele [Paramatma] als auch die winzig
kleine Seele [jivatma] sitzen auf dem gleichen Baum des
Körpers, im gleichen Herzen des Lebewesens, und nur
jemand, der von allen materiellen Wünschen und Klagen
frei geworden ist, kann durch die Gnade des Höchsten die
Herrlichkeit der Seele verstehen."
Krishna ist auch der Ursprung der Überseele, wie in den
folgenden Kapiteln enthüllt werden wird, und Arjuna ist die
winzig kleine Seele, die ihre wahre Natur vergessen hat und
daher von Krishna oder Seinem echten Vertreter (dem
spirituellen Meister) erleuchtet werden muss.

dehino'smin yatha dehe
kaumaram yauvanam jara
tatha dehantara-praptir
dhiras tatra na muhyati


So wie die verkörperte Seele in diesem Körper
fortgesetzt von Knabenzeit zu Jugend und zu Alter
wandert, so geht die Seele beim Tod in ähnlicher Weise
in einen anderen Körper ein. Die selbstverwirklichte
Seele ist durch einen solchen Wechsel nicht verwirrt.

ERLÄUTERUNG
Da jedes Lebewesen eine individuelle Seele ist, wechselt es
seinen Körper in jedem Augenblick und manifestiert sich
so manchmal als Kind, manchmal als Jugendlicher und
manchmal als alter Mann. Dennoch handelt es sich um die
gleiche spirituelle Seele, die sich nicht wandelt. Diese
individuelle Seele wechselt den Körper zum Zeitpunkt des
Todes endgültig und geht in einen anderen Körper ein, und
da sie mit Sicherheit bei der nächsten Geburt einen anderen
Körper bekommt - entweder einen materiellen oder einen
spirituellen -, gab es für Arjuna keinen Grund, den Tod zu
beklagen, auch den Bhismas oder Dronas nicht, um die er
sich so sorgte. Vielmehr sollte er sich freuen, daß sie ihre
alten Körper gegen neue eintauschen und so ihre Energie
erneuern würden. Solche Körperwechsel bedeuten eine
Vielfalt von Freuden oder Leiden, die sich je nach der
Handlungsweise im Leben richten. Da Bhisma und Drona
edle Seelen waren, wurden sie in ihrem nächsten Leben mit
Gewißheit entweder spirituelle Körper oder zumindest ein
Leben in himmlischen Körpern erhalten, in denen ein
höherer Genuß des materiellen Daseins möglich wäre. In
beiden Fällen gab es also keinen Grund zu klagen.
Jeder Mensch, der über vollkommenes Wissen von der
Beschaffenheit der individuellen Seele, der Überseele und
der Natur - der materiellen wie auch der spirituellen -
verfügt, wird als dhira oder ein überaus besonnener
Mensch bezeichnet. Ein solcher Mensch läßt sich niemals
durch den Wechsel von Körpern täuschen. Die Mayavadha-
Theorie des Einsseins der spirituellen Seele kann nicht
damit begründet werden, daß die Seele nicht in
fragmentarische Teile zerlegt werden kann und daß ein
solches Zerlegen in verschiedene individuelle Seelen den
Höchsten teilbar und wandelbar machen würde, was dem
Prinzip widerspräche, daß die Höchste Seele unwandelbar
ist.
Wie in der Gita bestätigt wird, bestehen die
fragmentarischen Teile des Höchsten ewig (sanatana) und
werden ksara genannt, was bedeutet, daß sie die Neigung
haben, in die materielle Natur zu fallen. Diese
fragmentarischen Teile sind ewig so beschaffen, und selbst
nach der Befreiung bleibt die individuelle Seele der gleiche
fragmentarische Teil. Aber einmal befreit, lebt sie zusammen
mit dem Herrn, der Persönlichkeit Gottes, ein
ewiges Leben in Glückseligkeit und Wissen. Am Beispiel
der Spiegelung kann man die Überseele verstehen, die in
jedem einzelnen individuellen Körper anwesend ist und die
man als Paramatma kennt, der vom individuellen
Lebewesen verschieden ist. Wenn der Himmel im Wasser
gespiegelt wird, repräsentieren die Spiegelungen sowohl
die Sonne und den Mond als auch die Sterne. Die Sterne
können mit den Lebewesen verglichen werden und die
Sonne oder der Mond mit dem Höchsten Herrn. Die
individuelle, fragmentarische Seele wird von Arjuna
repräsentiert, und die Höchste Seele ist die Persönlichkeit
Gottes, Sri Krishna. Sie befinden sich nicht auf der gleichen
Ebene, wie zu Beginn des Vierten Kapitels deutlich werden
wird. Wenn sich Arjuna auf der gleichen Ebene wie Krishna
befindet und Krishna nicht über Arjuna steht, dann wird ihre
Beziehung als Lehrer und Schüler bedeutungslos. Wenn
beide von der illusionierenden Energie (maya) getäuscht
sind, ist es nicht notwendig, daß der eine Lehrer und der
andere Schüler ist. Solche Unterweisungen wären nutzlos,
da niemand in der Gewalt mayas ein maßgebender Lehrer
sein kann. Hier jedoch wird Sri Krishna als der Höchste Herr
anerkannt, der Sich in einer höheren Stellung befindet als
das Lebewesen, Arjuna, der eine von maya irregeführte,
vergeßliche Seele ist.

avinasi tu tad viddhi
yena sarvam idam tatam
vinasam avyayasyasya
na kascit kartum arhati


Wisse, das was den gesamten Körper durchdringt, ist
unzerstörbar. Niemand ist imstande, die unvergängliche
Seele zu zerstören.

ERLÄUTERUNG
Dieser Vers erklärt noch deutlicher das wirkliche Wesen
der Seele, das über den gesamten Körper verbreitet ist.
Jeder kann verstehen, was über den ganzen Körper
verbreitet ist: es ist Bewußtsein. Jeder ist sich der
Schmerzen und Freuden bewußt, die entweder in einem
Teil des Körpers oder im gesamten Körper empfunden
werden. Diese Verbreitung von Bewußtsein beschränkt sich
auf den eigenen Körper. Die Schmerzen und Freuden des
einen Körpers sind einem anderen unbekannt. Daher ist
jeder einzelne Körper die Verkörperung einer individuellen
Seele, und das Symptom für die Anwesenheit der Seele
wird als individuelles Bewußtsein erfahren. Diese Seele
wird als so groß wie der zehntausendste Teil einer
Haarspitze beschrieben. Die Svetasvatara Upanisad (5.9)
bestätigt dies wie folgt:

balagra-sata-bhagasya satadha kalpitasya ca
bhago jivah sa vijñeyah sa canantyaya kalpate


"Wenn eine Haarspitze in hundert Teile und jedes dieser
Teile in weitere hundert Teile zerlegt wird, dann entspricht
eines dieser Teile der Größe der Seele."
Im Bhagavatam wird diese Tatsache in ähnlicher Weise
erklärt:
kesagra-sata-bhagasya satamsah sadrisatmakah
jivah suksma-svarupo'yam sankhyatito hi cit-kanah


"Es gibt unzählige Partikel von spirituellen Atomen, und
jedes von ihnen ist so groß wie der zehntausendste Teil
einer Haarspitze."
Hiernach ist das individuelle Partikel, das eine spirituelle
Seele darstellt, ein spirituelles Atom, das kleiner ist als die
materiellen Atome, und solche Atome sind unzählbar.
Dieser sehr kleine spirituelle Funken bildet das
Grundprinzip des materiellen Körpers, und der Einfluss
eines solchen spirituellen Funkens ist über den ganzen
Körper verbreitet, ebenso wie sich der Einfluss des aktiven
Prinzips eines Medikaments im gesamten Körper verbreitet.
Diese Ausbreitung der Seele wird überall im Körper als
Bewusstsein verspürt, und das ist der Beweis für die
Gegenwart der Seele. Jeder Laie kann verstehen, dass der
materielle Körper ohne Bewusstsein ein toter Körper ist und
dass dieses Bewusstsein im Körper durch keine materielle
Bemühung wiederbelebt werden kann. Bewusstsein ist
daher auf keinerlei Menge materieller Verbindungen
zurückzuführen, sondern auf die spirituelle Seele. In der
Mundaka Upanisad (3.1.9) wird weiter erklärt, wie man die
atomische spirituelle Seele misst.

eso 'nuratma cetasa veditavyo
yasmin pranah pañcadha samvivesa
pranais cittam sarvam otam prajanam
yasmin viuddhe vibhavaty esa atma


"Die Seele ist atomisch klein und kann durch vollkommene
Intelligenz wahrgenommen werden. Diese atomische Seele
schwebt in den fünf Luftarten prana, apana, vyana,
samana und udana, befindet sich im Herzen und verbreitet
ihren Einfluss über den gesamten Körper des verkörperten
Lebewesens. Wenn die Seele von der Verunreinigung
durch die fünf Arten materieller Luft geläutert ist, entfaltet
sich ihr spiritueller Einfluss."
Das hatha-yoga-System ist dazu gedacht, die fünf
Luftarten, die die reine Seele umkreisen, durch
verschiedene Sitzstellungen zu meistern - nicht um
irgendeines materiellen Gewinns willen, sondern um die
winzige Seele aus der Verstrickung in die materielle
Atmosphäre zu befreien.
Das Wesen der winzigen Seele wird also in allen vedischen
Schriften anerkannt und in der praktischen Erfahrung jedes
geistig gesunden Menschen tatsächlich empfunden. Nur ein
Geistesgestörter kann glauben, die winzig kleine Seele sei
das alldurchdringende vishnu-tattva.
Der Einfluß der winzigen Seele kann vollständig über einen
bestimmten Körper verbreitet werden. Wie es in der
Mundaka Upanisad heißt, befindet sich die atomische Seele
im Herzen des Lebewesens, und da die Messung der
atomischen Seele jenseits der Reichweite der materiellen
Wissenschaftler liegt, behaupten einige von ihnen
törichterweise, es gebe keine Seele. Es besteht kein Zweifel
darüber, daß die individuelle winzige Seele zusammen mit
der Überseele im Herzen weilt, und daher kommen alle
Energien, die zur Bewegung des Körpers benötigt werden,
aus diesem Teil des Körpers. Die roten Blutkörperchen, die
den Sauerstoff aus der Lunge mit sich tragen, bekommen
Energie von der Seele. Wenn die Seele diese Stellung
verlässt, kommt die Tätigkeit des Blutes, die die
Verbrennungsvorgänge anregt, zum Stillstand. Die
medizinische Wissenschaft erkennt die Bedeutung der roten
Blutkörperchen an, aber sie kann nicht herausfinden, dass
die Quelle der Energie die Seele ist. Auf der anderen Seite
aber räumt die medizinische Wissenschaft ein, dass das
Herz der Sitz aller Energien des Körpers ist.
Diese atomischen Partikel des Spirituellen Ganzen werden
mit den Molekülen des Sonnenscheins verglichen. Im
Sonnenschein gibt es unzählige strahlende Moleküle. In
ähnlicher Weise sind die fragmentarischen Teile des
Höchsten Herrn atomische Funken der Strahlen des
Höchsten, die als prabha oder höhere Energie bezeichnet
werden. Weder das vedische Wissen noch die moderne
Wissenschaft verleugnen die Existenz der spirituellen Seele
im Körper, und die Wissenschaft von der Seele wird
ausführlich von der Höchsten Persönlichkeit Gottes Selbst
in der Bhagavad-gita erklärt.

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Maharaja Pariksit im Bhagavat Purana
27.11.2006

Das Kind wird fast so sein wie Sri Krishna, da es Seinen Fußspuren folgen wird. An Edelmut wird es König Rantideva gleichen, und an Religiosität wird es Maharaja Yayati ebenbürtig sein.

ERLÄUTERUNG von A.C. Bhaktivedanta Swami

Die letzte Anweisung Sri Krishnas in der Bhagavad-gitä lautet, das man alles aufgeben und Seinen Fußspuren folgen soll. Weniger Intelligente stimmen unglückseligerweise dieser wichtigen Anweisung nicht zu; aber jemand, der wirklich intelligent ist, nimmt sich diese erhabene Aufforderung zu Herzen und zieht unermesslichen Nutzen daraus. Törichte Menschen wissen nicht, dass die Gemeinschaft, in der man sich befindet, entscheidend für die Eigenschaften ist, die man erwirbt. Der Kontakt mit Feuer macht einen Gegenstand heiß, und in ähnlicher Weise lässt der Kontakt mit der Höchsten Persönlichkeit Gottes in einem Lebewesen Eigenschaften wie die des Herrn entstehen. Wie wir bereits zuvor erörtert haben, kann man durch die enge Gemeinschaft mit dem Herrn 78 Prozent der göttlichen Eigenschaften erlangen. Den Anweisungen des Herrn zu folgen bedeutet, mit dem Herrn zusammenzusein. Der Herr ist kein materieller Gegenstand, dessen Vorhandensein wir spüren müssen, um mit Ihm zusammenzusein. Der Herr ist überall und zu allen Zeiten gegenwärtig. Es ist ohne weiteres möglich, mit Ihm zusammenzusein, indem man einfach Seine Anweisungen befolgt; denn der Herr ist mit Seinen Anweisungen, Seinem Namen, Seinem Ruhm, Seinen Merkmalen und Seiner Umgebung usw. identisch, da es sich um absolutes Wissen handelt. Maharaja Pariksit war vom Mutterleib an bis zum letzten Tag seines wertvollen Lebens mit dem Herrn zusammen, und so erwarb er alle wesentlichen guten Eigenschaften des Herrn in aller Vollkommenheit.
Rantideva: ein König der Vergangenheit, der vor der Mahabharata Zeit lebte und auf den sich Narada im Mahabharata (Drona-parva 67) bezog, als er Sanjaya unterwies. Er war ein großer König, der sehr gastfreundlich war und großzügig Nahrung verteilte. Selbst Sri Krishna pries seine Mildtätigkeit und Gastfreundschaft. Er wurde von dem großen Weisen Vasistha Muni gesegnet, weil er ihm kühles Wasser brachte, und so erreichte er die himmlischen Planeten. Er versorgte die rishis mit Früchten, Wurzeln und Blättern, und sie segneten ihn dafür, indem sie seine Wünsche erfüllten. Obgleich er seiner Abstammung nach ein ksatriya war, aß er sein Leben lang kein Fleisch. Vasistha Muni gegenüber war er besonders gastfreundlich, und nur durch dessen Segnungen erreichte er die höheren Planeten. Er ist einer jener frommen Könige, an deren Namen man sich morgens und abends erinnern sollte.
Yayati: der große Herrscher und der Stammvater aller großen Nationen der Welt, die zum arischen und indo-germanischen Stamm gehören. Er war der Sohn Maharaja Nahusas und wurde Kaiser der Welt, weil sein Bruder ein großer und befreiter Mystiker war. Mehrere tausend Jahre lang regierte er die Welt und brachte viele Opfer dar und tat fromme Werke, die in die Geschichte eingegangen sind, obwohl seine frühe Jugend sehr lustvoll und voller Romanzen war. So verliebte er sich zum Beispiel in Devayani, die liebste Tochter Sukracaryas. Devayani wollte ihn heiraten, doch er lehnte dies zunächst ab, weil sie die Tochter eines brahmana war. Nach den sastras darf nur ein brahmana die Tochter eines brahmana heiraten. Man achtete damals sehr darauf, varna-sankara Bevölkerung auf der Welt zu vermeiden. Sukracarya hob jedoch das Heiratsverbot auf und brachte Yayati dazu, seine Tochter Devayani zur Frau zu nehmen. Devayani hatte eine Freundin namens Sarmistha, die sich ebenfalls in den Kaiser verliebte und deshalb Devayani begleitete. Sukracarya verbot Kaiser Yayati, Sarmistha in sein Schlafgemach zu rufen, doch Yayati vermochte seine Anweisung nicht einzuhalten, und so heiratete er heimlich auch Sarmistha und zeugte Söhne mit ihr. Als Devayani davon erfuhr, ging sie zu ihrem Vater und beklagte sich, doch Yayati hing so sehr an ihr, dass er ihr folgte, um sie zurückzuholen. Als er zum Haus seines Schwiegervaters kam, verfluchte Sukracarya ihn in seinem Zorn, impotent zu werden. Yayati flehte seinen Schwiegervater an, den Fluch zurückzunehmen, aber der Weise antwortete Yayati, wenn er seine Manneskraft zurückbekommen wolle, müsse er seine Söhne um ihre Jugend bitten und sie an seiner Statt alt werden lassen. Yayati hatte fünf Söhne, zwei von Devayäni und drei von Sarmistha. Von diesen fünf Söhnen mit Namen (1) Yadu, (2) Turvasu, (3) Druhyu, (4) Anu und (5) Püru gingen fünf berühmte Dynastien aus, nämlich (1) die Yadu-Dynastie, (2) die Yavana-Dynastie (die Türken), (3) die Bhoja-Dynastie, (4) die Mleccha-Dynastie (die Griechen) und (5) die Paurava-Dynastie, die sich alle über die ganze Welt ausbreiteten. Er gelangte durch seine frommen Werke auf die himmlischen Planeten, fiel jedoch wegen seiner Selbstherrlichkeit und Geringschätzung anderer großer Seelen wieder herab. Nach seinem Sturz überließen ihm seine Tochter und sein Enkel ihre erworbenen Verdienste, und mit Hilfe seines Enkels und Freundes Sibi gelangte er wieder ins himmlische Königreich, wo er eines der Mitlieder der Versammlung Yamarajas wurde, bei dem er sich als dessen Geweihter aufhält. Er vollzog mehr als tausend Opfer, verschenkte großzügig milde Gaben und war ein sehr einflussreicher König. Seine Herrschermacht war auf der ganzen Welt zu spüren. Als er von lustvollen Wünschen geplagt wurde, erklärte sich sein jüngster Sohn bereit, ihm seine Jugend für volle tausend Jahre zu überlassen. Schließlich aber löste sich Yayati von der Anhaftung an das weltliche Leben und gab seinem Sohn Puru die Jugend zurück. Er wollte Puru auch das Königreich überlassen, doch seine Edelleute und die Untertanen waren damit nicht einverstanden. Als er sie aber von Purus Größe überzeugte, waren sie bereit, ihn als ihren König anzunehmen, worauf Kaiser Yayati sich vom Familienleben zurückzog und sein Heim verließ, um fortan im Wald zu leben.

An Geduld wird das Kind Bali Maharaja gleichen; es wird ein unerschüt- terlicher Geweihter Sri Krishnas sein wie Prahlada Maharaja, es wird viele as- vamedha-Opfer [Pferde-Opfer] durchführen, und es wird in die Fußstapfen der alten, erfahrenen Männer treten.

ERLÄUTERUNG
Bali Maharaja: eine der zwölf Autoritäten im hingebungsvollen Dienst des Herrn. Bali Maharaja ist eine große Autorität im hingebungsvollen Dienst, weil er alles opferte, um den Herrn zu erfreuen, und die Verbindung mit seinem sogenannten spirituellen Meister aufgab, der ihn zunächst daran hinderte, alles für den Dienst des Herrn zu wagen. Die höchste Vollkommenheit des religiösen Lebens besteht darin, die Stufe uneingeschränkten, motivlosen hingebungsvollen Dienstes für den Herrn zu erreichen, ohne sich durch irgendeine Art weltlicher Verpflichtung beeinträchtigen zu lassen. Bali Maharaja war entschlossen, alles für die Zufriedenstellung' des Herrn aufzugeben, und er kümmerte sich um kein Hindernis, ganz gleich welcher Art. Er ist der Enkel Prahlada Maharajas, einer weiteren großen Autorität im hingebungsvollen Dienst des Herrn. Die Geschichte Bali Maharajas und seine Begegnung mit Vishnu Vamanadeva wird im achten Canto des Srimad-Bhagavatam (Kapitel 11-24) ausführlich geschildert.
Prahlada Maharaja: ein vollkommener Geweihter Sri Krishnas (Vishnu). Als er nur fünf Jahre alt war, züchtigte ihn sein Vater, Hiranyakasipu, mit aller Strenge, weil er ein reiner Geweihter des Herrn geworden war. Er war der erste Sohn Hiranyakasipus, und seine Mutter hieß Kayadhu. Prahlada Maharaja ist eine Autorität im hingebungsvollen Dienst des Herrn, weil er seinen Vater von Nrisimhadeva töten ließ, wodurch er das Beispiel setzte, dass jedes Hindernis auf dem Pfad des hingebungsvollen Dienstes - selbst wenn es sich dabei um den eigenen Vater handelt - überwunden werden sollte. Er hatte vier Söhne, von denen Virocana, der älteste Sohn, der Vater des oben erwähnten Bali Maharaja ist. Die Schilderung von Prahladas Taten findet man im Siebten Canto des Srimad-Bhagavatam.

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Geschrieben von lenny um 13:21 | in:
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