Aus wilden Sexphantasien wurde ich von dem wenig erotisierenden Geräusch einer billigen taiwanesischen Kaffeemaschine hochgeschreckt. Verdammt, wo war ich überhaupt? Achja, in England, erinnerte ich mich dunkel (fragt mich nicht, was ich in England gemacht habe xD…). Um mich herum in dem Zimmer verstreut lagen diverse getragene Kleidungsstücke, Notizzettel, und alte zerrupfte Bücher in einem stuckverzierten Kamin (viel zu groß und prunkvoll für diesen Raum wohlgemerkt; seine Größe entsprach etwa meiner RL-Küche) brannte ein Feuer. Halbblinde Fenster in Ateliergröße auf der mir gegenüberliegenden Seite sorgten für ein gewisses Zoofeeling. Durch den Dreck, der vermutlich seit Jahrzenten nicht mehr abgewischt worden war, konnte ich ein altes Gebäude erkennen, dessen Fassade gerade unter lautem Geräuschaufwand von mehreren Bauarbeitern renoviert wurde. Es schien jedoch keiner in meine Richtung zu blicken und so beunruhigte mich das nicht weiter. Dann brach das Feuer aus.
Aus der Tür am anderen Ende des Raumes griffen die Flammen auf die Kleidungsstücke, bekritzelten Blätter und Möbel dieses Raumes über; der morsche, trockene Holzboden färbte sich schwarz an diesen Stellen. Ich bekam Angst, war jedoch eingeschlossen. Ich lag auf dem Boden, eingehüllt in dieselben lumpigen Kleidungsstücke, die hier überall verteilt waren und beobachtete wie gelähmt, dass sogar die Flammen aus dem Kamin heraussprangen, als hätte etwas sie von ihren hölzernen Fesseln im Kamin befreit. Sie verbrannten alles auf dem Boden, sowohl geistiges als auch materielles Gut und ich konnte nur machtlos zusehen - ein schrecklicher Zustand.
Ich ergab mich meinem Schicksal, auch wenn ich verbissen nur durch die Decke atmete, um keine Rauchvergiftung zu bekommen. Ich schloss die Augen und hoffte, dass es schnell gehen würde, als ich die Hitze auf meinem Gesicht spürte und meine Augenbrauen und Wimpern schon versengt wurden. Dann polterten plötzlich ca. 20 Feuerwehrmänner in die Bude und begruben die Flammen unter einem dicken weißen Teppich aus Löschschaum. Ich fiel in Ohnmacht.
Als ich mein Bewusstsein wieder erlangte, sprach ich mit einem Mädchen über die Feuerwehrleute. Sie sagte, es seien Freiwillige gewesen und verdeutlichte ihre Bewunderung für Feuerwehrmänner. Wir entschlossen uns, nach der Entlassung aus dem Krankenhaus beide die Freiwillige Feuerwehr einmal aufzusuchen um mitzumachen.
Schnitt
Ich befand mich mit besagtem Mädchen (pummelig, Doppelkinn, dünne braune Haare in einem Zopf und blaue, pastellfarbene, unauffällige Kleidung) in einer großen Sporthalle wieder. Wir standen in einer langen Schlange von Bewerbern bei der Freiwilligen Feuerwehr und beobachteten voller Angst, was die Leute da von einem verlangten. Geturne, heraufklettern an Seilen, Kletterwänden, Liegestütze… Die meisten wurden wegen zu schlechter Leistung wieder nach Hause geschickt. Dann kam ich an die Reihe. Ich sollte mich auf einen Kasten setzen und auf folgenden Satz antworten: „Humpty Dumpty sat on a wall…“ (Achja, wir waren in England… Es wurde übrigens viel Englisch gesprochen in diesem Traum). Mir fiel die zweite Zeile des ollen Kindergedichts nicht ein.
„Humpty Dumpty sat on a wall
Humpty Dumpty had a great fall
All the king’s horses and all the king’s men
Couldn’t put Humpty together again.“
Die zweite Zeile hätte gereicht. Ich vermute ich hätte mich dann rückwärts fallen lassen müssen. Naja, wie dem auch sei, das hatte ich verkackt. Keine Freiwillige Feuerwehr für mich. Meine mollige Bekannte aus dem Krankenhaus hingegen wurde genommen. Frustriert verließ ich die Halle.
Schnitt.
Mit meinem kleinen Bruder David ging ich durch eine Wohnsiedlung. Wir wollten zum Schiff, um wieder nach Hause zu fahren. (Die Siedlung ähnelte verdächtig der sog. „Belgiersiedlung“ aus meiner Kindheit, aber das nur am Rande). Überall befanden sich gleich aussehende Häuser mit gleich aussehenden 4 Quadratmeter-Vorgärten, in denen sich nur Rasen und eventuell ein kleines Bäumchen befanden. Dann fanden wir auf dem Gehweg eine 1-Euro-Münze. „Wow“, dachten wir und packten die ein. Dann fiel unser Blick auf eine weitere Münze – ein englisches Pfund diesmal. Und wendeten wir unseren Blick nach rechts, da sahen wir auf der nicht-umzäunten Wiese eines Vorgartens eine Menge Münzen herumliegen. Ich überlegte, ob vielleicht Ostern war, und die Engländer an Ostern Münzen verstecken statt Eier, verwarf diesen Gedanken jedoch schnell wieder. Jeder von uns griff einmal herzhaft zu und strich eine handvoll Münzen ein. Ich sah, wie in dem Haus dahinter die Vorhänge wackelten. Wir wollten ohnehin nicht gierig sein und ließen die restlichen Münzen wo sie waren. David sagte, wir sollten laufen, da sonst vielleicht jemand kommt. Wir könnten ihn abhängen in dem wirren Labyrinth von Häusern, sobald wir einmal außer Sichtweite waren.
Ich versuchte zu rennen, doch auch unter größter Anstrengung konnte ich meine Beine kaum schneller als Schritttempo bewegen. David rannte vorraus, aber als er erkannte, dass ich nicht schneller kann, kam er zurück.
Nach kurzer Zeit wurden wir dann auch verfolgt: Ein komischer Prollo (ich hatte das Gefühl, ihn schonmal gekannt zu haben, doch mein Gedächtnis versagte mla wieder). Er hatte rotblondes Haar mit einer typischen Mantafahrer-Frisur und einem Asterix-Schnäuzer. Er trug eine neongelbe Jacke und eine lila-pink-gemusterte Jogginghose aus einem billigen, flusenden Material. Dieser Typ also fuhr auf einem Fahrrad hinter uns her und als er uns eingeholt hatte, fragte er uns auf Deutsch, ob wir Geld aus seinem Vorgarten genommen hätten. Ich verneinte in einem ziemlich harschen Ton. David gab ihm den Teil, den er eingestrichen hatte, ich jedoch nicht. Daraufhin belagerte der Typ mich und meinte, das wäre nicht rechtens etc. Ich sagte ihm, er solle sich verpissen. Er wurde aggressiv und packte mich ziemlich rabiat am Arm, als ich mich einfach abwenden und gehen wollte. Daraufhin schrie ich laut um Hilfe und ein paar Passanten packten daraufhin den Typen und verprügelten ihn. Ich bedankte mich und ging noch während der Prügelei weiter.
Nach einiger Zeit kam der Prollo schon wieder an. Ich merkte sofort, er wollte weiterreden, wennauch nur reden, ohne irgendwelche gewalttätigen Absichten. Bevor er jedoch zu Wort kam, entschuldigte ich mich und gab ihm das Geld – knapp 10 Euro übrigens nur, also 9,46 oder sowas. Ich wusste auch nicht, was für ein Teufel mich geritten hatte. Offenbar brauchte der Mann das Geld dringend und ich hätte mir davon vielleicht zwei Cocktails oder so gegönnt. Ich fühlte mich wahnsinnig schlecht, entschuldigte mich tausendmal. Besonders dafür, dass ich ihn zusammenschlagen lassen hab, obwohl er im Recht war. Er war sehr freundlich und verzieh mir.
Eine Spaziergängerin, deren Freund gerade unter den Passanten gewesen war, welche den Prollo verprügelt hatten, löste sich aus der Umarmung ihres Kerls und kam auf mich zu. Eine junge Frau, schwarzer Pferdeschwanz, elegant gekleidet, in meinem Alter. Sie nickte mir wohlwollend zu und beglückwünschte mich zu meinem Verhalten, dem Mann sein Geld wiederzugeben. Wir kamen ins Gespräch über Fahrräder und ob die Standards in Deutschland dieselben seien wie in England, etc. Eigentlich todlangweilig, aber ich sprach gerne mit dieser Frau, ich mochte sie irgendwie.
Am Fluß angekommen, bestiegen David und ich dann unsere Fähre. Ich stellte mich an der Bäckertheke an, irgendwie hatte mich die ganze Stresserei diesen Tag hungrig gemacht. Nur zwei Leute standen vor mir an, ich dachte das wäre ok. Es gab dort komische mintgrüne Teigtaschen, welche mit Heidelbeeren und Thunfisch gefüllt waren – irgendwie eklig, aber im Traum erschienen sie mir eine Art kulinarische Erleuchtung zu sein. Kaum hatte ich mich eingereiht, tauchten mehrere wohlbeleibte Rentner auf (es schien eh auf der ganzen Fähre außer David und mir nur Rentner zu geben). Sie stellten sich dazu, versuchten aber vehement, sich vorzudrängeln. Ihre plumpen Wurstfinger patschten in die grüne Teigtasche rein, welche zur Ansicht da lag und nun ziemlich eklig zerquetscht aussah. Während ich noch angeekelt zwischen den dicken, nach Rentnerparfum riechenden Leibern eingequetscht stand, unfähig mich zu bewegen und langsam in Atemnot kommend, sah ich aus dem Fenster der Fähre nach draußen auf den Fluß. Es war Sommer und später Nachmittag, die Sonne tauchte alles in ein goldenes Licht. In die uns entgegengesetzte Richtung trieb eine andere Fähre, sie trieb genau auf die untergehende Sonne zu. Auf dem Deck konnte ich wieder viele Rentner sehen, darunter meine Oma. Sie winkte mir und ich winkte zurück. Ich deutete ihre Geste und ihr zufriedenes Lächeln als Zeichen, dass sie stolz auf mich war, weil ich das Geld seinem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben hatte. Die Atemnot wurde schlimmer. Ich roch nur noch Rentnerparfum.
Als ich dachte, ich muss ersticken, wachte ich auf. |