Gerade eben habe ich wieder ein köstliches Bauern-Mischbrot aus dem Ofen gezogen.
Diesmal hatte ich es mit ein paar Fenchelkörnern und einer handvoll Schnittlauch und Rucola gewürzt. Die Vorbereitung hat 10 min. gedauert, die Ruhezeit und die Backzeit beliefen sich auf insgesamt 1 Stunde und 50 Minuten. Das Ganze war also in genau 2 Stunden fertig. Es hätten auch 2 Brotlaibe sein können, das dauert genauso lang.
Die Zutaten wurden in der Maschine etwa 2 min. kurz verknetet, sodass sie zu einem Teig zusammenhalten. Ohne großes Kneten und Falten per Hand kam der Teig sofort auf ein Backblech, und das, mit einem Tuch abgedeckt, über die warme Heizung. Nach 1 Stunde hatte sich das Teigvolumen verdoppelt. Ab in den vorgeheizten Ofen, nach 50 min: fertig.
Nun geht mir folgendes durch den Kopf:
Seit einiger Zeit geistert das No-Kneat-Bread durch die Kochblogs, das als einfach herzustellen und tolle Ergebnisse garantierend gepriesen wird.
Was ist eigentlich so toll daran?
Sind es die großen, ungleichmäßigen Poren im Brot, die durch möglichst schlampiges Vermengen der Zutaten (besonders der Hefe) zu ungleichmäßig aufgehenden Backresultaten führt?
Ist es die sich in Superzeitlupe ändernde Konsistenz glitschig grauer Teigpampe, die dem Brotbackästheten süße Schauer über den Rücken laufen lassen?
Ist es die prickelnde Vorahnung, diesen glibbrigen Pamp dann noch zusammenzufalten und zielgenau in einen glühendheißen Topf platzieren zu müssen? (Haben Sie schon mal Suppe paniert?)
Sind es die 30 selbstquälerisch bangen Minuten der Unsicherheit, bis der gusseiserne Deckel gelupft wird, was uns schließlich zur Verzückung treibt?
Es geht doch auch einfacher: siehe mein Brot oben. Sollten wir es griffig und zeitgeistkonform vielleicht „Kneat & Go – Bread“ nennen?
Ich weiß: wenn der Teig länger ruht, bilden sich wohlschmeckende, zusätzliche Aromen. Bei einem Baguette oder Ciabatta ist das bedeutend. Würzt man jedoch zusätzlich mit Körnern oder z. B. Fenchel, Anis oder Koriander oder Kümmel, trägt das Fermentationsaroma wenig zum Gesamtgeschmack bei und kann, wie ich meine, bei Bedarf durch etwas Honig und Sauerteig ersetzt werden.
Die Porengröße lässt sich so steuern:
- viel Hefe, wenig Kneten, kurzes, heftiges aufgehen lassen an warmem Ort = große, unregelmäßige Poren,
- wenig „Treibstoff“, langes Kneten (ca. 10 min.), wiederholtes aufgehen lassen und wieder zusammenkneten, kühlere Umgebungstemperatur = gleichmäßige, kleine Poren.
Ein gut vorgeheizter Backofen (am besten mit Backstein, muss aber nicht sein) auf dessen Boden man bei Backbeginn eine Tasse heißes Wasser gießt, hat den gleichen Effekt wie ein geschlossener Topf, bei dem die Teigfeuchte selbst für den Antrieb sorgt. Nur entfällt so das gefährliche Hantieren mit glühendheißen Töpfen.
Zusätzlich hat man das Backgut im Blick und entscheidet verkürzend oder verlängernd über den gewünschten Bräunungsgrad.
Scön ist, No-Kneat-Bread räumt auf mit dem Vorurteil, Brot selbst zu backen wäre mühevoll und zeitaufwändig. So werden vielleicht auch Neulinge und Anfänger ans Selberbacken herangeführt.
Warum das „handling“ beim eigentlichen Backen dann aber so kompliziert und gefährlich gemacht wird, will mir nicht in den Kopf.
Wie sind denn eure Erfahrungen und Meinungen dazu?

































