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Dreiunddreißig Breitner sprach kein Wort. Sah so aus, als würde er nachdenken. Aber was weiß man schon...mag sein, das war seine Art, konzentriert zu wirken. „So schweigsam?“ fragte ich, eigentlich nur so, ich erwartete keine Antwort. „Warum haben die diesen Amateur auf dich gehetzt? Der war doch zu blöd zum Erdapfel schälen.“ „Wegen dem Eindruck?“ „Das ergibt doch keinen Sinn,“ brummelte Breitner und schnitt einen Radfahrer den Weg ab. Die Drahtwanze schrie laut auf, das schien aber Breitner nicht weiter beim seinem intensiven Denk zu stören. „Die wissen doch, dass du einen Scheissdreck weißt. Die wissen doch, dass du seit Tagen nur dem Gatsch einen Bracholder verpasst und sonst von einer Ohnmacht in die nächste fällst.“ „Daran brauchst du mich zu erinnern.“ „Nein brauch ich nicht,“ sagte er leise und fast ein wenig mitleidig. „Wo geht’s eigentlich hin?“ fragte ich und legte mir den Sicherheitsgurt an. Der Fahrstil des Kiberers war mir zunehmend nicht ganz geheuer. „Ängstlich?“ „Ein wenig. In letzter Zeit neige ich zu einer erhöhten Gefahr, mir die Birne anzuschlagen. Außerdem ist das gesetzlich vorgeschrieben. Wegen solchen Sachen kann man ein Strafmandat ausfassen.“ Breitner kicherte. „Das Gesetz bin ich, Burli. Wegen mir steht die Sonne still, wenn ich es will.“ Schade. Beinahe wäre er mir ein wenig ans Herz gewachsen. Aber Breitner bleibt Breitner. So ist die Welt. „Wie war deine Frage?“ „Wo fahren wir hin, hab ich gefragt.“ „Zu mir. Ich werde dir...“ „...meine Briefmarkensammlung zeigen?“ „Gott bewahre. Aber mit einer Sammlung hat es etwas zu tun. Und mit einer Art Hobby auch. Wirst schon sehen...“ Breitner ächzte plötzlich auf, brachte seinen dicken Hintern in eine bequemere Lage und schlug auf das Lenkrad des Polo. „Diese Schleicherei hält doch kein Schwein aus,“ stöhnte er und stellte sein Blaulicht aufs Dach. Noch ein Schalter und die Sirene ging ab. Dann auf die nicht wirklich vorhandene dritte Spur und voll aufs Gas. Es drückte mich in den Sitz und ich dankte meinem Schutzengel für die grandiose Idee mit dem Sicherheitsgurt. | ||
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Zweiunddreißig Breitner starrte mich an wie einen Sonntagsbraten. „Warum? Warum seid ihr sofort aufgetaucht?“ fragte ich. „Wie bekamen die Meldung rein, dass sich zwei fette Deppen im Rinnsal herum balgen. Bin schließlich Detektiv. Habe sofort begriffen, dass einer von den Trotteln du bist. Lag ja nicht wirklich schlecht, oder?“ Ich murmelte was ich mir dachte. War nicht besonders schmeichelhaft. Für niemanden. „Ich hab nicht verstanden. War da was?“ Breitner lächelte sein breitestes Lächeln. „Nein.“ „Dann ist es ja gut. Wer war der Typ...und vor allem...wer hat ihn abgeschossen wie ein seniles Wildschwein?“ „Möchte ich auch gern wissen. Der Kerl war komisch. Zuerst hat er den wilden Max gemimt, dann begann er zu schlottern, hat sich ganz leicht das Schießeisen abnehmen lassen, fiel dann in sich zusammen. Ich wollte eigentlich nur mit ihm reden, wollte ein wenig in ruhigere Gegenden fahren und mich mit ihm ordentlich aussprechen. Aber bevor ich ihn ins Auto bugsieren konnte, hat ihn jemand kalt abserviert.“ Breitner zündete sich eine von seinen Stinkadores an. „Hat er noch was gesagt?“ fragte er. „Irgendwas über diesen ominösen Schauspieler. Er sagte, Berghofer wäre ein Auserwählter. Und was von einem Zepter der Alten. Unverständliches Zeug.“ „So unverständlich ist das gar nicht,“ Breitner versuchte nachzudenken. Das sah ausgesprochen niedlich aus. „Hast du schon einmal was von den Bruckenbrünnlern gehört?“ „Ich trinke kein Wasser. Im Wasser ficken Fische...“ „Die Bruckenbrünnler sind auch keine Kneippgesellschaft. Es handelt sich bei den Damen und Herren um eine undurchsichtige Geheimgesellschaft.“ „Wie die Freimaurer?“ fragte ich naiv. „Exquisiter. Gegen die sind die Maurer ein offenes Buch, Nelson. Man weiß eigentlich nichts über sie. Das wenige, das an die Öffentlichkeit gesickert ist, hört sich aber nicht besonders gut an. Wo es stinkt, hat der obskure Verein sein Hände drin.“ „Woher weißt du das?“ fragte ich. „Komm mit, ich zeig dir was.“ Er ließ sein Rauchstäbchen auf den Boden fallen und stieg in den Wagen. „Komm schon, Paul. Wird sicher interessant.“ Von einem Moment auf den anderen war ich wieder recht müde geworden. Ich sehnte mich nach meiner Couch, aber Breitners Einladung war anscheinend bindend. Ich sperrte mein Auto ab, sah im Hintergrund den schwarzen Wagen mit dem toten Dicken in die Pathologie abfahren und stieg zu Breitner in den Polizeiwagen. Keine besonders erfreuliche Situation, alles in allem. Die Kormorane im Kopf rissen sich gegenseitig schwarze Federn aus der Brust und lachten dabei vollkommen verblödet. Sie wussten schon, warum. Ich wusste nichts. | ||
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Einunddreissig Ich nahm dem Mann die Glock aus der Hand. Billiges Modell, verschmutzt, sicher nicht oft benutzt und steckte den kleinen Totmacher in meine Jackentasche. Der Weihnachtsmann machte ein Gesicht wie waagrechter Regen im Weinviertel. Gleich würde er nieder brechen und heulen wie Wuffi, der Schlosshund. „Ganz langsam, Freund der Verschwörer, fangen wir ganz am Anfang an. Was ist ein Auserwählter und wer hat dich geschickt?“ Da war nichts mehr da von seinem anfänglichen Mut. Der Mann war gebrochen, hatte sich selbst aufgegeben. Die Sache war mir unbehaglich und auch ein wenig peinlich. Ich nahm den Riesenkerl am Arm und zerrte ihn auf die Strasse. Dann lehnte ich ihn an meinen Wagen und suchte den Autoschlüssel. Ich öffnete die Beifahrertür, wollte mich zu dem Koloss umdrehen und ihn auf den Sitz drücken, aber da war keiner mehr. Ein Schritt nach vor und da lag er. Ein wenig verkrümmt, wie ein Seelöwe im Solarium. Ich beugte mich zu ihm hinunter. „Steh auf, Bester. Es will dir keiner an den Kragen. Wir fahren ein wenig ins Grüne und dort erzählst du mir die ganze Geschichte. Und ich erzähl dir, was ich weiß und das ergibt dann eine neue Geschichte. Vielleicht können wir damit irgend was anfangen.“ Der Mann brabbelte etwas unverständliches und spuckte ein wenig Blut. Zuerst hatte ich den Eindruck, er hätte sich in die Lippe gebissen, aber dann versuchte ich seinen Kopf zu heben. Hätte ich besser nicht getan, meine Hände waren voll Blut und das ließ nur einen Schluss zu: ein unfreundlicher Zeitgenosse hatte dem Dicken den Hinterkopf weg geschossen. Irgenwie brabbelte der Gute noch etwas vor sich hin. Aber es kam mir eher so vor, als wäre es noch nicht in seinem Gehirn angekommen, dass er eigentlich mausetot ist. Ich suchte in seinen Taschen nach irgendwas – keine Ahnung nach was – aber ich fand nichts. | ||
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Dreissig Mein Auto stand noch vor der Tür. Überraschung. Nicht tot und noch ein Auto. Mein Schutzengel (meist besoffen und unter dem Tisch) hatte Sonderschichten eingelegt. Ich wollte meinen Schutzengel gerade über Gebühr loben, als mich ein dicker, ledriger Mann in eine Haustür schob. Mit seinem stinkigen Atem und seiner Glock hatte er jede Menge Argumente auf seiner Seite. „Sind sie Nelson?“ fragte er und schaute dabei drein wie Ludwig vor seiner Hinrichtung. „Wer wills wissen?“ „Ich wills wissen. Das muss reichen, Arschloch!“ Na endlich. Wieder eine Sprache, die mir gefällt. Das Wort der Strasse. Ich drehte mich nach halbrechts und lachte ihn an. „Dein Mantel.“ „Mein was?“ „Hat für deinen beschissenen Ledermantel eine Kuh gereicht?“ Der gute Mann lief rot an. Dicke haben es nicht gern, wenn man ihnen etwas über ihren Leibesumfang erklärt. Ich weiß das, ich bin selbst kein Suppenkasper. „Bist du Nelson?“ fragte er nochmals. Er versuchte dabei, ganz böse dreinzuschauen. Ich nickte. „Wo ist Berghofer?“ „Die Schwuchtel ist abgehauen und keiner weiß wohin.“ „Berghofer ist keine Schwuchtel. Berghofer ist ein Auserwählter!“ Super. Ich hab nicht mehr geglaubt, dass mich bei dem Scheißfall irgendwas überraschen könnte, aber jetzt war ich baff. Was war Berghofer? Ein Auserwählter?“ „Was ist ein Auserwählter?“ fragte ich den Dicken. „Er ist die Zukunft. Und er hat das Zepter der Alten!“
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Neunundzwanzig Da war der Kalender und da war meine Uhr. Und wenn nicht alles aus dem Ruder gelaufen war, hatte ich rund 39 Stunden lang geschlafen. Die Tür war nicht zu gesperrt, aber ich war noch am Leben. Also: keine Mörder die letzten Stunden. Am Eiskasten ein Zettel, mit Magneten festgemacht: „Bin im Jop, Sepp“. Irgendwie fiel mir ein, dass er meinen Kaffeeautomaten in die Luft gesprengt hatte, aber so richtig war die Wahrnehmung nicht vorhanden. Egal. Ich war froh noch zu Leben, oder auch nicht, ich stand auf und kam mir – wie immer – vor, wie auf einem Nebenschauplatz. Ich bin immer auf Nebenschauplätzen. Das Handy neben mir mit etlichen Nachrichten. Ich nahm die Batterie heraus und wedelte damit ein wenig herum. Vollkommen blöd. Jetzt nichts wissen, jetzt nichts tun, nur atmen und denken, was nicht einmal mich interessiert. Und dann wieder die Idee vom Nebenschauplatz. Irgendwie war es mein Job, den anderen den Arsch auswischen, aber kein Mensch kann das machen, wenn er das Arschloch nicht findet. Also was war es, was war es, bevor ich das Dornröschen abgab? Schob den Akku wieder ins Telefon und sofort klingelte es. „Wir haben sie nicht vergessen.“ „Hab ich befürchtet...“ „Sie haben lange genug geschlafen. Wachen sie auf und suchen sie unseren Freund.“ „Was wollen sie eigentlich von diesem Schmierenkomödianten?“ „Geht sie nichts an.“ „Der Mann ist nicht zu finden. Wahrscheinlich ist er im Ausland. Auf heimischen Bühnen ist er nicht zu finden.“ „Geht sie nichts an.“ „Das ist doch ein Gespenst. Sie bezahlen mich für Arsch und Friedrich.“ „Geht sie nichts an.“ „Was soll ich tun, wenn ich ihn wirklich finde? Umblasen? Eine auf den Kürbis? Arschficken oder ins Puff? Kino oder Zirkus?“ „Geht sie nichts an.“ „Das ist doch...was wollen sie eigentlich von mir?“ „Geht sie nichts an.“ | ||
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Achtundzwanzig Das Würstchen fummelte vor meiner Nase herum. Kurz dachte ich, Breitner will mich hypnotisieren. „Er ist wieder da. Hoffentlich wird das nicht eine blöde Angewohnheit. Jedesmal ein geistiger Wegtritt, wenns eng wird.“ Breitner tätschelte meine Wange, aber es war nichts liebevolles an diesem Tun. Breitner sah aus wie immer – das liess mich schockartig aus meinem Zustand hochfahren. Sepp kramte in der Küche herum und suchte Kaffee. Dabei schaffte er es spielend, meine Unordnung in seine Unordnung umzuwandeln. Wahrscheinlich würden meine echt italienischen Spinatnudeln in der Brotmaschine landen. Auch egal, dachte ich, meine kleinste Sorge. „Wie geht es Rudi?“ fragte ich Breitner und, ehrlich gesagt, es war mir wurscht. „Er lebt,“ antwortete Breitner. „Ist aber nicht dein Verdienst. Die Ärzte waren schneller.Kein Abgang für den schönen Rudi. Er kann sogar schon plaudern.“ „Er ist gegen das Bett geknallt, war dann ein wenig benommen und hat sich das Nudelholz selber auf den Hinterkopf geklopft. Eine unglaubliche Geschichte, findest du nicht, Nelson?“ „Warum sagt er sowas? Das ist doch grenzvertrottelt, oder?“ „Rudi war immer ein sonderbarer Typ. Fantasie begabt. Wenn so einem Hirnederl die Pferde durchgehen, ist alles möglich.“ Sepp kicherte vor sich hin. Er hatte den Kaffee endlich gefunden und versuchte, meine Kaffeemaschine in Gang zu bringen. „Außerdem,“ Breitner bohrte in seiner großen Nase, „würde er nie etwas zugeben. Alte Schule. Ganovenehre. Ich halt den Mund, du hältst den Mund, wir sagen nichts und so weiter...“ Ich versuchte mich aufzusetzen, aber die großen schwarzen Vögel wollten es nicht zulassen. Bleib jetzt am Ball, dachte ich und merkte, wie mir schlecht wurde, jetzt am Leben bleiben, zum Kotzen gibt’s nichts mehr, alles schon draußen, alles rausgekotzt, vorbei, aus, Schluss. Nur überleben, die nächsten zehn Minuten, dann wird alles wieder gut. „Er hat gesagt, einige sehr einflussreiche Leute sind stocksauer auf dich.“ Breitner nahm den Finger aus seinem Zinken und begann die Nasenbeute zu studieren. „Du hast diesen angeblichen Schauspieler noch immer nicht gefunden. Das macht diese Leute böse. Sie haben eine Menge Kohle abgelegt und du kümmerst dich nur um Sachen die dich einen flachen Haufen angehen. Stimmt das, Nelson?“ „Soviel Kohle wars nun auch nicht.“ „Rudi hat gesagt, es wäre ein kleines Vermögen gewesen.“ „Der Loser hat natürlich wie immer keine Ahnung. Der ist blöd genug um alles zu glauben. Ich kam mir nicht überzahlt vor.“ „Na dann ists ja gut.“ Breitner stand auf und wischte sich den Poppel in die Hose. „Ich soll dir von Rudi ausrichten, dass sie nicht mehr lange warten werden. Sie werden einen neuen schicken, so lange, bis du endlich spurst oder den finalen Abgang machst. Jetzt schlaf erst mal eine Runde. Du schaust nicht gerade fit und munter aus, wenn ich das sagen darf. Wir hören dann später voneinander.“ Ich nickte dankbar. Ein Mützchen Ruhe war ausserirdisch notwendig. Aus der Küche hörte ich einen spitzen Schrei und erdbebiges Gerumpel. Aus meinem Kaffee würde es in nächster Zeit auch nichts werden. Ich sah Blunzensepp mit wunden, roten Händen in der Tür stehen und jammern wie eine Zeichentrickfigur. Aber vielleicht war ich auch schon weg und perdu und verlustierte mich im sonnigen Träumeland. | ||
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Siebenundzwanzig
Der Tunnel ist lang und hell erleuchtet. Er ist aus Kristall geschlagen und scheint langsam zu pulsieren. Auf kleinen Vorsprüngen sitzen die Vögel wie von schwarzer Tinte hingemalt und schlagen erregt mit den Flügeln. Neben mir sitzt der Mann mit den grünen Ohrenschützern und friert. „So,“ sagt der Mann leise, „hab ich mir immer den Tod vorgestellt. Hell und kalt.“ „Noch leben wir.“ „ Ja. Die Biester sind noch ruhig. Aber sie haben uns schon entdeckt. Ich spür das.“ „Was machen sie, wenn sie unruhig werden?“ Er versucht zu lachen. Es hörte sich an, wie ein Gluckern unter tiefem Wasser. „Sie werden aufsteigen und sich dann auf den Wagen fallen lassen. Oder sie werden die Fenster zuscheißen. Dann sehen wir nichts mehr und bauen einen Abflug gerade ins Nirwana.“ Ich betrachte ihn von der Seite, aber ich kann nicht erkennen, ob er mir Mist erzählt. „Was können wir tun?“ frage ich ihn. „Wir können gar nichts tun. Du kannst was tun. Nur du.“ „Ich?“ „Du.“ „Und was kann ich tun?“ „Du kannst all das abbrechen und dann ist es vorbei. Der Tunnel wird weg sein, die Vögel werden hoch auffliegen und sich dort hin scheren, wo sie hingehören. Es ist ganz einfach. Niemand will den Streit. Die Tiere brauchen dich und du brauchst die Tiere. Sag aus und es ist aus.“ | ||
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Sechsundzwanzig
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Fünfundzwanzig „Sei nicht so garstig zu deiner Wohltäterin.“ „Wohltäterin. Du spinnst, schwarzer Vogel. Diese Frau hat es auf mich abgesehen und ich weiß nicht einmal warum.“ „Kleinlicher Mensch. Sie hat die Miete bezahlt. Sie hat Recht auf ein wenig Unterhaltung.“ „Aber nicht auf meine Kosten. Da steh ich nicht drauf. Außerdem…“ Ich fuhr hoch und schrie leise auf. War ich wirklich schon so weit? Hab ich vor wenigen Augenblicken mit einem schwarzen Vogel in meinem Kopf gesprochen? Und - ganz wichtig - war es das erste mal gewesen? Oder sind diese schwarzen Dinger schon ein fester Bestandteil meines verpfuschten Lebens?“ „Reg dich wieder ab, Nelson,“ schnarrte der Kormoran und zerlegte auf meiner Brust einen siberglitzernden Fisch, „ich bin bei dir und werde dich nicht mehr verlassen. Denn wir sind bei dir für alle Zeiten…und dein Ableben wird auch unser Ableben sein…“ Es klopfte an der Tür. Heftig. Zu heftig. „Dann mach dich bereit für einen geglückten Abgang. Dieser Ton kommt mir bekannt vor. So klopft nur jemand, der dir ans Eingemachte will.“ Zu spät. Die Bestie war verschwunden. In meinem Kopf spürte ich, wie eine Tür zugeschlagen wurde und das tat verdammt weh. Höllische Schmerzen und dumpfe Geräusche. Irgendwer trat gegen meine rechte Schläfe. Ich versuchte wieder abzutreten. Die nächste halbe Stunde wollte ich einfach nicht erleben. | ||
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Vierundzwanzig | ||
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Dreiundzwanzig | ||
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Zweiundzwanzig | ||
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Einundzwanzig
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Zwanzig Er öffnete die Augen und ich stand vor ihm und nahm ihm den Nudelwalker aus der Hand. „Du bist nicht tot?“ fragte die Ratte. „Überhaupt nicht. Wer hat dich geschickt, Rudi?“ „Geht dich Scheissdreck an.“ Ich knallte ihm das Nudelholz in den Unterleib. „Wenn ich was sage bin ich tot.“ Ich holte noch einmal aus und das Nudelholz landete auf seinem Rücken. „Wenn du nichts sagst, bist du auch tot. Du kannst dir aussuchen, wer dich ausknipst.“
Er fiel auf das Bett und jammerte. Ich verstand nur, dass die zugegebenermaßen unerfreuliche Situation, in der er sich jetzt befand, nicht ausgemacht war. Das glaubte ich ihm sogar aufs Wort. Ich zog ihn auf das Krankenbett, hüpfte in meine Klamotten und verschwand. Die werden ihn schon finden, dachte ich. Sie werden tun, was zu tun ist. Irgendwie hoffte ich, dass der Typ noch unter den Lebenden weilte, aber andererseits wars mir piepegal. Jetzt war ich dort, wo ich niemals hinwollte. Ich war Freiwild. Der Vogel, den man abschießen kann. Aber meine Jäger kannte ich nicht. In meinem Kopf begann es zu jammern. Ich langte in meine Jackentasche, fand noch zwei Aspirin, und warf sie mir ein. Besser als gar nichts. Zwei Ecken weiter fand ich endlich ein Taxi. Ich plumpste auf die Rückbank. Der Lenker betrachtete mich skeptisch. „Du nix gesund?“ fragte er und machte eine Handbewegung, die ich nur schwer deuten konnte. „Ich fühl mich sauwohl“, konterte ich wenig überzeugend. Dann sagte ich ihm meine Adresse. Wahrscheinlich nicht das klügste, in meine Wohnung zu fahren, aber was für Alternativen hatte ich schon. Ich war müde, ausgebrannt und es gab keinen Knochen, den ich nicht spürte. Sogar die Vögel verhielten sich ruhig und knabberten an den zwei Aspirin herum. | ||
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Neunzehn
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Achtzehn Es gibt jede Menge Scheußlichkeiten. Spital ist eine davon. Kopfschmerzen eine andere. Aber Breitner am Fußende meines Bettes war der Höhepunkt des Grauens. „Munter?“ „Nein!“ „Du hast die ganze Zeit im Krankenwagen etwas von Anschlag, Mord und Gemeinheit gefaselt. Da haben die Karbolpiesler die Polizei verständigt. Na und ich hab nur deinen Namen gehört und war schon auf dem Weg. So sind Freunde.“ Freunde. Das hat gesessen. In meinem Hirn war Volksfest angesagt, mit Hühnergrill und Blasmusik. Ein dicker Kormoran schlug die große Trommel. „Also?“ fragte Breitner schmunzelnd, „wer hat dem guten Nelson ein Beinchen gestellt?“ „Keine Ahnung. Aber ich bin nicht von alleine die Treppen runter gesegelt. Da hat jemand nachgeholfen.“ „Der große Unbekannte hat wieder zugeschlagen. Ein mieser Typ, ehrlich.“ Ich legte mich demonstrativ auf den Bauch. „Sie glauben mir nicht, Breitner. Das finde ich bedauerlich,“ „Du drehst mir den Rücken zu, Nelson?“ Breitners Stimme klang ein wenig verunsichert. „Soll das heißen, ich soll dir in den Arsch treten?“ „Das heißt“, murmelte ich in meinen Polster, „dass sie mich am Arsch lecken können. Sie müssen aber nicht, ist nur ein Angebot. Jetzt hauen sie ab, ich muss schlafen.“ „Das hab ich gehört, Nelson!“ polterte Breitner los, „wie man in den Wald hineinruft, so kommt’s raus. Denk daran, wenn dich das nächste mal wieder so ein böser Butzemann durch den Fleischwolf drehen will…ich werde daneben stehen und zusehen und es wird mir jede Menge Spaß machen, Mistkerl…“ Du stehst doch immer nur daneben und schaust zu wie die Welt den Bach runtergeht, dachte ich im Halbschlaf. Dann war da noch ein Geräusch von einer zugeschlagenen Tür. Mir wars recht. Nur noch schlafen, schlafen und von gar nichts träumen. | ||
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Siebzehn
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Sechzehn
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Fünfzehn | ||
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Vierzehn
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