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sechzehn13.08.2009

Sechzehn


Es war nicht gerade angenehm, aber natürlich hatte Elsa Düringer recht. Sehr viel hatte ich für mein Geld noch nicht unternommen. Eigentlich hatte ich gar nichts getan, um diesen Bühnenseppel aufzufinden. Ich habe nur mit Brechmittel Breitner herumgealbert, habe mir die Wohnung versauen lassen und einen Vollidioten engagiert, der sich offenbar jetzt seinen Rausch ausschlief. Über den toten Kunden in den Bärenklauen wollte ich endlich den Mantel des Schweigens breiten. Schließlich hatte der gute Mann eine Nachfolgerin und die war mir bei weitem sympathischer.
Zugegeben: ich kannte mich so was von gar nicht aus und die schwarzen Biester im Hinterkopf kugelten in meinem Hirn herum und lachten sich das Schwarze aus dem Gefieder.
Es regnete leicht, als ich in meinen Wagen stieg. Ein Wetter, in mir und um mich. Überall leichtes Gepiesel. Der Wettermann hatte Probleme mit der Prostata, graues, laues Getröpfel.
Während der Fahrt hörte ich ein Hörbuch über einen Mann, der sich einbildete, ein Tier zu sein. Werwolf, oder sowas ähnliches. Echter Mist, dachte ich und latschte auf die Bremse, weil so ein suizidverdächtiger Radfahrer die Strassenverkehrsordnung ignorierte. Warum, dachte ich weiter, gibt es gegen diese Arschgesichter keinen Spray. Der Welt wäre echt geholfen.

Blunzensepp wohnte in Ottakring neben der Vorortelinie, eine Gegend zwischen Poesie und Alptraum. Ich schnaufte mich in den dritten Stock hoch und klingelte an seiner Tür, Nichts. Es blieb still und fast kam es mir vor, als würde es immer stiller werden. Mit der Zeit wurde mir flau im Magen. Kaum hätte ich es für möglich gehalten, dass mir selbst ein Madorner Sorgen bereiten könnte. Aber ich habe das Muli in die Schlucht gelockt, ich fühlte mich verantwortlich.
Ich knallte meine Faust gegen die Tür, schrie laut seinen Namen und nichts geschah. Bis plötzlich die Nebentür aufging und ein unförmiger weiblicher Körper auftauchte. Die Tonne blinzelte über ihre Bifokalbrille und wollte wieder verschwinden, aber ich hatte etwas dagegen. Wie ein Staubsaugervertreter stellte ich einen Fuß in die Tür – der Schmerz war unerträglich – und sah dieses Nachbarswesen scharf an.
„Wo ist Madorner? Haben sie ihn gesehen?“ fragte ich.
Die Frau fummelte an ihrer geblümten Kittelschürze herum. Nervös blickte sie auf meinen anschwellenden Fuss.
„Ich weiß nichts“, sagte sie, „er ist am Morgen weg. Wirkte sehr nervös. Er hat mich nicht einmal gegrüßt.“ Und dann ein wenig entrüstet: „Er grüsst sonst immer. Herr Madorner ist ein echter Gentleman…“
Mir schlugs fast die Hühner vom Grill. Blunzensepp ein Gentleman. Genial.
Ich nahm meinen Fuß aus der Tür und humpelte zur Stiege. Madorner war verschwunden und ich musst ihn finden. Und zwar schnell. Der Nasenbohrer hatte wahrscheinlich keine Ahnung, worauf er sich eingelassen hatte. Ich hatte ja auch keine Ahnung.
Dann flogen die Kormorane auf und ich spürte einen Schlag gegen meine Schulter. Die letzten Treppen kullerte ich lustig wie ein Gummiball in den zweiten Stock.

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