Siebzehn
Mir gegenüber hockte dieser dicke Kormoran und lutschte an einer Zigarre herum. Vor ihm ein Glas mit rosa Flüssigkeit, gelbem Schirmchen und zwei blauen Eiswürfeln.
„Du hast recht, Nelson“, begann der Kormoran zu sprechen, „es gibt geschmackvolleres als diese…nun, sagen wir…kitschig bedenkliche Farbenzusammenstellung. Und du hast noch einmal recht, es ist eine Pink Lady. Dein Hirn wird momentan nicht gerade gut durchblutet, sonst hätte es eine Bloody Mary gegeben.“
Er begann, ein wenig hektisch, zu lachen. Mir war nicht zum Lachen. Wenn ich tot bin, dachte ich ein wenig verzweifelt, dann ist das, wo ich jetzt bin, das Jenseits. Keine besonders gelungene Vorstellung.
„Nein. Nein, nein, nein. Das ist nicht das Jenseits. Du bist nur ein wenig weggetreten. Du bist in einer anderen Abteilung. Dein Hauptbüro ist momentan ein wenig verwüstet. Dein dir zugeteilter Bereich in deinem Kopf ist out of order, oder wie das so heißt. Grundsätzlich bin ich gegen jede Art von Fremdwörtern, aber momentan passt das genau. Ehrlich: ich finde mich echt super.“
Ich versuchte Ordnung in meinen Kopf zu bringen. Aber ich fand nur lose Enden.
„Streng dich nicht an, Nelson“, der blöde Vogel schüttelte sein Gefieder. „Nicht denken. Ich denke für dich. Ganz kurze Zeit denke ich für dich. Nur so lang, wie du nicht denken kannst, weil dein Büro nicht funktioniert. Dann wirst du dich an nichts mehr erinnern, du wirst glauben, du warst nicht richtig da. Nicht auf der Welt, sozusagen. Aber ich bin es, der momentan das Sagen hat. Denk darüber nach. Denk nichts Böses über mich. Ich bin der Typ, der deinen Atem bewegt, ich bin die Batterie, die dein Herz bewegt und ich bin weg, wenn du wieder aufwachst.“
Dann kam schwarze Seide, schwerer Flügelschlag und der intensive Geruch von Zwiebeln.
Dick Brüste baumelten vor meinem Gesicht und die Bommeln von der Küchenschürze kitzelten meine Nase. Die Frau hatte die Brillen abgenommen und ihre großen Augen betrachteten mich sorgenvoll.
„Sind sie gestürzt?“ fragte sie und hob meinen Kopf an. Ich blutete hinter dem rechten Ohr. Sie drückte mir ein Tempo auf die Wunde.
„Ich bin nicht gestürzt“, hörte ich mich sagen und mein Ton kam mir zu schroff vor, „ich wurde gestürzt. Irgendwer hat mir aufgelauert und mich die letzten Treppen…“
„Aber nein“, sagte die Frau, schüttelte ihren Kopf, legte mir die übrigen Papiertaschentücher unter meine Birne und betrachtete mich mitleidig. „Wer würde denn so etwas Abscheuliches machen? Sie sind bestimmt ganz von alleine gestürzt. Ihr jungen Leute habt es ja immer so furchtbar eilig. Ich hole jetzt die Rettung. Könnte ja auch eine Gehirnerschütterung sein. Mit solchen Sachen soll man nicht spaßen!“
Ich wollte etwas sagen, aber mir fiel nichts ein. Außerdem war sie schon am abschwirren. Ich lag da und dachte nach - Gehirnerschütterung, dachte ich, so ein Blödsinn, da gibt’s nichts mehr zum Erschüttern.
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