Neunzehn
„Das solltest du nicht tun, Nelson“, sagte der große Vogel, „du brauchst Breitner irgendwann und dann wird er dich hängen lassen. Es ist blöd, sich so zu verhalten.“
„Ich bin eben ein ehrlicher Kerl, ich kann nicht anders.“
Der Vogel schüttelte sich, die Federn flogen, es roch nach Fisch in meinem Hirn. „Du bist ein Trottel“, meinte der Vogel abwertend, „und du verhältst dich wie ein Trottel. Natürlich kannst du anders, aber du willst den Helden spielen. Aber Helden sind Scheiße, Nelson. Helden sind wie kleine Hunde, die große Hunde anbellen. Nur im Roman sind Helden siegreich. Du musst weitermachen, Nelson. Wir brauchen dich. Denk daran.“
Ich träumte, träumte einen langen Traum. Ich träumte von Rattenrudi. Eigentlich Rudolf Hagen, aber in den zwanzig Jahren von seinen fünfundvierzig, die Rudi im Gefängnis zugebracht hatte, wuchs sein Ruf, die größte Ratte des gesamten Justizwesens zu sein. Er kannte nur seinen eigenen Vorteil. Es ging die Geschichte um, dass er, um sein erstes Auto zu kaufen, seine eigene Mutter auf den Strich geschickt hatte. Die gute Frau verdiente für ihren verhätschelten Filius gleich auch noch seine erste Rolex. So war Rattenrudi, manchmal rattenscharf, aber meist nur eine miese, selbstsüchtige Ausnahmeerscheinung in Sache Arschloch und Co.
Er kam zur Tür herein und sah mich lange an. Dann zog er aus seinem Rucksack ein verdrecktes Nudelholz und visierte mich an.
Ich wachte auf und flog aus dem Bett. Der Nudelwalker krachte auf die Matratze und noch einmal auf meinen Kopfpolster. Ich bemerkte noch, dass Rudi die Augen geschlossen hatte. Diese feige Ratte, dachte ich und kam mit jeder Menge Adrenalin vollgefüllt auf meine Beine.
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