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Einundzwanzig 3.09.2009

Einundzwanzig


Am Anfang war der Traum von den Kormoranen.

Fahren. Eine lange graue Straße. Straße aus Seide. Welt als Seide. Bäume aus Seide. Über mir ein blassblauer Seidenhimmel.

Dann dieses Geschrei. Tausende von Vögeln. Sie segeln nieder auf die seidenbäume. Wenig erst, dann immer mehr. Schwarze Kormorane.

Die Vögel hacken sich ineinander, zerstören sich gegenseitig, ein ewiger Kampf - denke ich - ein Kampf um Leben und Tod. Ich fahre weiter und ignoriere diesen Irrsinn.

In meinem Wagen wird es immer dunkler. Nicht nur der nahende Abend ist es, nein, es sind auch die Vögel. Blut klatscht auf meine Windschutzscheibe. Federn verkleben das Glas, der Scheibenwischer ist machtlos, dann endlich, fast pralle ich dagegen, ein langer weißer Bau. Mitten im Wald ein Haus, seltsam bekannt und doch fremd.

Ich steige aus dem Wagen. Die Vögel - plötzlich innehaltend - beobachten mich und ich gehe zu dem Haus.

Gerettet. Ich stehe in einer großen Halle, die Halle ist spärlich besetzt. Am Ende der Halle eine Bühne. Auf der Bühne eine Band. die Band spielt "y Nostras Aqua" von Alberto Pérez und ich weiß nicht, warum ich das weiß. Ich könnte schwören, dieses Lied noch nie gehört zu haben.

Ein paar: zwei Frauen in schwarzem leder, tanzen einsam und hingebungsvoll. Sie sehen mich und nehmen mich doch nicht wahr.

Ein Tisch und an dem Tisch ein alter Mann mit grünen Ohrenschützern. Ich setze mich.

"Fliegen die Tiere oder fallen sie schon übereinander her?"

"Es ist ein Gemetzel..."

"Setzen sie sich. Trinken sie etwas. Bald ist es vorbei und sie können weiterfahren."

Ich setze mich, trinke Wein und weiß, dass ich weiterfahren werde und trotzdem diesen Ort nie mehr verlassen kann.

Es ist vorbei, genau so schnell, wie es begann. Seide, Kormorane und Ende.

Ich wachte auf. Diese komischen Träume wiederholen sich in letzter Zeit. Keine Ahnung von Nichts, nur schlimme Schmerzen im Kopf. Ich stand auf und holte mir noch ein paar Aspirin aus dem Küchenschrank.

Ich wusste nicht mehr, wie ich in die Wohnung gekommen bin. Der Taxifahrer muss mir geholfen haben. Später klärte sich dann langsam alles auf. Die Bude war überraschenderweise leer gewesen. Kein Mörder hinter der Schrankwand, kein Würger unterm Bett, kein böser Bube hinter der Tür. Nur Stille und Dunkelheit.

Ich fiel auf das Bett und die Vögel übernahmen das Kommando. Sie starteten den Projektor und der ewig ähnliche Film lief ab.

 

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