Zweiundzwanzig
„Hast du ihn gefunden?“
Ich rubbelte mir den Dreck aus den Augen. Vor mir stand der feminine Letztschlag. Sie rauchte eine Zigarette und lächelte mich an.
„Wie bist du reingekommen?“ fragte ich.
„Durch die Tür. Es war nicht abgeschlossen.“
„Scheisse…das auch noch!“, ich drehte mich von ihr weg und starrte die Wand an. Die Wand starrte zurück. Absolut nicht lustig.
„Hast du den Bühnenbärli gefunden?“ fragte sie noch einmal.
„Nein.“
„Was hast du dann gemacht? Liegst du nur blöd herum und wartest auf bessere Zeiten? Du wirst bezahlt, Nelson…und nicht zu knapp. Also hoch mit dem Arsch und auf die Pirsch, das können wir verlangen.“
Langsam war der Wecker abgelaufen. Mir stieg das Blut ins Gesicht, es war mir ganz einfach zu viel. Die Braut war wirklich erste Qualität, aber so blöd darf mir nicht einmal Marilyn herself kommen. Ich stemmte mich hoch und starrte sie nervolabil an.
„Pass mal auf, Lady,“ ratschte ich los und wunderte mich, wie bescheuert meine Stimme klang, „ich bin in den letzten Stunden über eine halbe Treppe gestoßen worden, wurde dann von einem geistig behumsten Berufsverbrecher mit einem Nudelwalker traktiert und bin aus dem Krankenhaus ausgerissen. Das reicht für die paar Netsch die ihr bezahlt, oder soll ich aus dem Leben befördern lassen?“
Die Drachenlady beugte sich zu mir und streichelte meine spärlichen Haare.
„Das war nicht dein Job, Paulchen,“ säuselte sie, „du sollst die Bühnenlaus finden. Das ist dein Job. Und sonst nichts. Treppenfall und Nudelholz sind dein Privatvergnügen, Liebling. Also hoch mit dir und hopp. Sonst kann es geschehen, dass du noch ein wenig Druck von unserer Seite bekommst.“
„Wo ist der Blunzensepp?“ Keine Ahnung, warum ich díe Frage stellte, ich erwartete mir keine Antwort. Elsa Düringer sah mich lange an. Dann stand sie auf und strich ihren Rock glatt. Selbst diese Geste sah schweinegeil aus.
„Er ist Caddie im Golfclub Perlteich. Keine Chance, dass du da reinkommst. Ist nicht deine Preisklasse, Schnüffi. Du kannst vor dem Clubhaus warten, bis er rauskommt, eine andere Möglichkeit gibt es kaum.“
Ich starrte sie an. Kam mir unendlich blöd vor. „Wieso weißt du du das alles?“ fragte ich.
Sie ging zur Tür, öffnete sie und warf mir eine Kusshand zu. „Ich bin die Vizepräsidentin von dem Verein. Ich hab ihn eingestellt.“
Mein Mund stand offen. Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss. Die Vögel waren amüsiert.
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