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achtundzwanzig 3.12.2009

Achtundzwanzig

Das Würstchen fummelte vor meiner Nase herum. Kurz dachte ich, Breitner will mich hypnotisieren.

Er ist wieder da. Hoffentlich wird das nicht eine blöde Angewohnheit. Jedesmal ein geistiger Wegtritt, wenns eng wird.“

Breitner tätschelte meine Wange, aber es war nichts liebevolles an diesem Tun. Breitner sah aus wie immer – das liess mich schockartig aus meinem Zustand hochfahren.

Sepp kramte in der Küche herum und suchte Kaffee. Dabei schaffte er es spielend, meine Unordnung in seine Unordnung umzuwandeln. Wahrscheinlich würden meine echt italienischen Spinatnudeln in der Brotmaschine landen. Auch egal, dachte ich, meine kleinste Sorge.

Wie geht es Rudi?“ fragte ich Breitner und, ehrlich gesagt, es war mir wurscht.

Er lebt,“ antwortete Breitner. „Ist aber nicht dein Verdienst. Die Ärzte waren schneller.Kein Abgang für den schönen Rudi. Er kann sogar schon plaudern.“

„Und was sagt er so?“ fragte ich.

Er ist gegen das Bett geknallt, war dann ein wenig benommen und hat sich das Nudelholz selber auf den Hinterkopf geklopft. Eine unglaubliche Geschichte, findest du nicht, Nelson?“

Warum sagt er sowas? Das ist doch grenzvertrottelt, oder?“

Rudi war immer ein sonderbarer Typ. Fantasie begabt. Wenn so einem Hirnederl die Pferde durchgehen, ist alles möglich.“

Sepp kicherte vor sich hin. Er hatte den Kaffee endlich gefunden und versuchte, meine Kaffeemaschine in Gang zu bringen.

Außerdem,“ Breitner bohrte in seiner großen Nase, „würde er nie etwas zugeben. Alte Schule. Ganovenehre. Ich halt den Mund, du hältst den Mund, wir sagen nichts und so weiter...“

Ich versuchte mich aufzusetzen, aber die großen schwarzen Vögel wollten es nicht zulassen. Bleib jetzt am Ball, dachte ich und merkte, wie mir schlecht wurde, jetzt am Leben bleiben, zum Kotzen gibt’s nichts mehr, alles schon draußen, alles rausgekotzt, vorbei, aus, Schluss. Nur überleben, die nächsten zehn Minuten, dann wird alles wieder gut.

Er hat gesagt, einige sehr einflussreiche Leute sind stocksauer auf dich.“ Breitner nahm den Finger aus seinem Zinken und begann die Nasenbeute zu studieren. „Du hast diesen angeblichen Schauspieler noch immer nicht gefunden. Das macht diese Leute böse. Sie haben eine Menge Kohle abgelegt und du kümmerst dich nur um Sachen die dich einen flachen Haufen angehen. Stimmt das, Nelson?“

Soviel Kohle wars nun auch nicht.“

Rudi hat gesagt, es wäre ein kleines Vermögen gewesen.“

Der Loser hat natürlich wie immer keine Ahnung. Der ist blöd genug um alles zu glauben. Ich kam mir nicht überzahlt vor.“

Na dann ists ja gut.“ Breitner stand auf und wischte sich den Poppel in die Hose. „Ich soll dir von Rudi ausrichten, dass sie nicht mehr lange warten werden. Sie werden einen neuen schicken, so lange, bis du endlich spurst oder den finalen Abgang machst. Jetzt schlaf erst mal eine Runde. Du schaust nicht gerade fit und munter aus, wenn ich das sagen darf. Wir hören dann später voneinander.“

Ich nickte dankbar. Ein Mützchen Ruhe war ausserirdisch notwendig.

Aus der Küche hörte ich einen spitzen Schrei und erdbebiges Gerumpel. Aus meinem Kaffee würde es in nächster Zeit auch nichts werden. Ich sah Blunzensepp mit wunden, roten Händen in der Tür stehen und jammern wie eine Zeichentrickfigur. Aber vielleicht war ich auch schon weg und perdu und verlustierte mich im sonnigen Träumeland.

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