| ||
| ||
Einunddreissig Ich nahm dem Mann die Glock aus der Hand. Billiges Modell, verschmutzt, sicher nicht oft benutzt und steckte den kleinen Totmacher in meine Jackentasche. Der Weihnachtsmann machte ein Gesicht wie waagrechter Regen im Weinviertel. Gleich würde er nieder brechen und heulen wie Wuffi, der Schlosshund. „Ganz langsam, Freund der Verschwörer, fangen wir ganz am Anfang an. Was ist ein Auserwählter und wer hat dich geschickt?“ Da war nichts mehr da von seinem anfänglichen Mut. Der Mann war gebrochen, hatte sich selbst aufgegeben. Die Sache war mir unbehaglich und auch ein wenig peinlich. Ich nahm den Riesenkerl am Arm und zerrte ihn auf die Strasse. Dann lehnte ich ihn an meinen Wagen und suchte den Autoschlüssel. Ich öffnete die Beifahrertür, wollte mich zu dem Koloss umdrehen und ihn auf den Sitz drücken, aber da war keiner mehr. Ein Schritt nach vor und da lag er. Ein wenig verkrümmt, wie ein Seelöwe im Solarium. Ich beugte mich zu ihm hinunter. „Steh auf, Bester. Es will dir keiner an den Kragen. Wir fahren ein wenig ins Grüne und dort erzählst du mir die ganze Geschichte. Und ich erzähl dir, was ich weiß und das ergibt dann eine neue Geschichte. Vielleicht können wir damit irgend was anfangen.“ Der Mann brabbelte etwas unverständliches und spuckte ein wenig Blut. Zuerst hatte ich den Eindruck, er hätte sich in die Lippe gebissen, aber dann versuchte ich seinen Kopf zu heben. Hätte ich besser nicht getan, meine Hände waren voll Blut und das ließ nur einen Schluss zu: ein unfreundlicher Zeitgenosse hatte dem Dicken den Hinterkopf weg geschossen. Irgenwie brabbelte der Gute noch etwas vor sich hin. Aber es kam mir eher so vor, als wäre es noch nicht in seinem Gehirn angekommen, dass er eigentlich mausetot ist. Ich suchte in seinen Taschen nach irgendwas – keine Ahnung nach was – aber ich fand nichts. | ||
| Kommentar hinterlassen |
| Eintrag 3 von 33 |
| Vorherige Seite | Nächste Seite |