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vier 2.04.2009

Vier

Ich hätte die Kacke riechen müssen. Sie stank bis zum Himmel und trotzdem, blöd wie Siegfried, taumelte ich in Berghofers Wohnung. Sorger – oder wie der Typ auch heißt – gab mir den Schlüssel und einen faltigen Zettel mit der Adresse und dampfte dann pfeifend ab.
Und jetzt war ich in Berghofers Schlafzimmer. Alles war an seinem Platz – soweit ich das beurteilen konnte – nur der blutige Hausherr fehlte. Schwups und weg war er.
Dann war da noch dieses blöde Gefühl, nicht wirklich ganz allein zu sein.


„Was machst du da?“ die stimme schnarrte vertraut und trotzdem kam kein wirkliches heimeliges Gefühl bei mir hoch. Eher das Gegenteil.


„Nelson! wach auf! Ich rede mit dir.“


Breitner. Der gemütliche Breitner. Bulle Breitner. Der Kiberer mit den tausend Namen. Das massive Gewissen der Nation, Schrecken der Unterwelt. Aber der Mann war nicht wirklich gemütlich. Hinter seinem dicken Bauch steckt ein schlanker Verstand. Außerdem ist er ausdauernd und hinterfotzig bis zum abwinken. Es ist nicht wirklich ratsam, Breitner als Feind zu haben.


„Ist ein Auftrag?“


„Auftrag? Schnüffelst du wieder? Muss ich jetzt angst vor Konkurrenz haben?“


„Wirklich nicht.“


„Beruhigt mich unwahrscheinlich, Also was machst du da?“


„Sagen sie es mir, Breitner. Ich hab nur einen Zettel mit der Adresse bekommen, einen Wohnungsschlüssel und…“


„…der Auftrag…“ schnarrte der Bauch, „…was sollst du mitgehen lassen, oder schaust du nur nach, ob dein Boss die Milch abgedreht hat?“


„Auf dem Bett soll einer liegen…hat man mir gesagt, Und ich soll nachschauen, wie es ihm geht.“


„Heißt der unbekannte Fremde Berghofer?“


„Mitten ins Ziel. Du sprichst weise aus deinem Mund, großer Häuptling.“


Breitner lächelte nicht. Offensichtlich fand er mich nicht besonders komisch.


„Das ist nicht komisch, Nelson.“  Hab ich schon vermutet, aber ich sagte nichts mehr. Die Wampe war nicht gut gelaunt.

 
„Weißt du, wo sich diese Schwuchtel verlaufen hat?“


„Berghofer?“ fragte ich. Blödstellen ist meine erste Bürgerpflicht.


„Wer sonst?“


„Ist Berghofer schwul?“


„Berghofer ist Schauspieler. Die sind alle schwul. Wie Balletttänzer. Sind auch alle schwul.“ Hab ich schon erwähnt, dass Breitner einige ungesunde Vorurteile hat?


„Ich weiß nicht, wo Berghofer ist. Ich habe geglaubt, dass er hier ist und ich ihn finden werde. Betrunken oder vollgestopft mit verbotenen Rauschzeugs.“


„Oder tot.“ Breitner trompetete voll auf Überraschung.

Ich schaute den breiten Mann blöd naiv an. „Tot? Aber wie denn, Breitner? Ich hab doch nichts mit Toten zu tun. Ich bin ein kleiner Schnüffler, ich bin kein Beerdigungsinstitut!“

„Das werden wir sehen. Du kommst jetzt einmal mit. Wir müssen da einiges abklären.“


„Freiwillig?“ fragte ich kleinlaut, fast schon unterwürfig.


„Natürlich freiwillig“, jetzt grienste der Mann, „oder soll ich dich überreden?“


Ich habe es von Anfang an gewusst. Dieser Tag ist voll beschissen.

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