Eselchens Erlebnisse

Das Tagebuch eines kleinen Esels und seinen Streifzügen durch das Mud UNItopia.


4. Maerz 161, Magyrazeit

Weil ich meine Leuchtkette damals als Sonderanfertigung von einem freundlichen Seher geschenkt bekommen habe, hab ich beschlossen, zur Sehergilde zu reisen. Vielleicht kann ich dort ja Ersatz bekommen. Leider bin ich aber dann mit meinem Schiff in eine Flaute geraten. Dadurch hat sich die Fahrt so weit verzoegert, dass die Nacht hereingebrochen ist - und das mitten auf See. Und ohne Licht. Auweia.

Mehr nach Gefuehl als richtigem Koennen habe ich versucht, die gallische Kueste zu erreichen. Das ist mir auch gelungen. Allerdings bin ich unterwegs doch etwas vom Kurs abgekommen. Jedenfalls ist mir die kleine Bucht, in der ich mein Schiff vor Anker gelassen hab, so gar ganz total unbekannt vorgekommen.

Dank meines angeborenen Eselinstinktes (und dem gut ausgeschilderten Weg) hab ich mich zielsicher durch den Wald bewegt. Wo ich dann bereits nach kurzer Zeit auf eine sehr freundliche Bienenkoenigin getroffen bin. Sie verkauft wirklich schleckerleckeren Honig. Und nun liege ich hier am Seeufer, mit vollgefressenem Bauch und zufriedenem Grinsen, und lasse mir die Fruehlingssonne aufs Fell scheinen. I-ah!



26. Juni 160, Magyrazeit

Heute hat es mich mal wieder nach Mittelerde verschlagen, und da bin ich einer wild aussehenden Frau begegnet. Wie es sich herausgestellt hat, war sie eine Raeuberin. Zum Glueck habe ich fast kein Geld dabei gehabt. Das war alles sicher auf der Bank. Ich hab naemlich schon gewusst, dass die Gegend um Tharbad gern von Strolchen und Strauchdieben heimgesucht wird. Aber meine leuchtende Halskette hat sie mitgenommen. Grummel. Nun muss ich mir erst mal Ersatz besorgen. Dabei war es gar nicht so einfach, eine Kette aufzutreiben, die auch fuer Eselshaelse lang genug ist...



4. Februar 159, Magyrazeit

Ein altes knossotisches Sprichwort sagt: wenn es dem Esel zu wohl ist, dann geht er auf's Eis tanzen. (Es gibt noch ein zweites, das neben dem Esel auch noch ein Stofftier, zwoelf Meter rotes Klebeband und Spruehsahne aus der Dose beinhaltet, aber davon berichte ich ein anderes Mal)

Gestern war es dann so weit. Wir haben uns mit der ganzen Familie in die schneebedeckten Alpen begeben und einen Ausflug zur Eisbahn in Gallien gemacht. Da war es fast so kalt wie in Veldergautland. Aber weil ich warm eingemummelt war in eine dicke Pferdedecke, einen kuscheligen Schal und lustige Ohrwaermer, habe ich gar kein bisschen gefroren. So laesst es sich selbst als reinrassiger Wuestenesel im kalten Norden gut aushalten.

Ganz problemlos lief der Tag natuerlich trotzdem nicht ab. Das fing schon bei der Kartenverkaeuferin an, der bisher noch niemand gesagt hat, dass "Iaaah Iiiha" soviel heisst wie: Ich moechte bitte eine Eintrittskarte. Nur gut, dass meine Geschwister fuer mich uebersetzen konnten. So ist es mir dann doch noch gelungen, an dieses wichtige Stueckchen Papier zu kommen. Aber habt ihr schon einmal versucht, mit Hufen Schlittschuhe zu schnueren?

Endlich war auch diese Huerde gemeistert, und nach einem frischen Apfel zur Staerkung hab ich mich endlich aufs Eis gewagt. Und hui, ist das vielleicht glatt! Schon nach zwei vorsichtigen Trippelschrittchen bin ich unfreiwillig auf dem Hintern weitergeschlittert. Da half es erst mal auch nicht viel, dass ein Blick auf meine Eselshufe (und ein zusaetzliches Trinkgeld) den Angestellten dazu bewegt hat, mir ein zweites Paar Schlittschuhe zu geben. Ich musste echt total aufpassen, dass ich mir nicht die Beine breche! Staendig wollten die Kufen in andere Richtungen als ich...

Aber wenn uns Esel eines auszeichnet, dann ist es Sturheit. Noch bevor wir wieder nach Hause muessen (das habe ich mir geschworen) wollte ich auf dem Eis nicht bloss rutschen. Sondern wirklich und wahrhaftig tanzen. Auf professionelle Weise. Also sprang ich mit einem siegesgewissen I-Ah auf - und knallte wieder voll hin. Mist. Es sollte noch eine geschlagene Stunde dauern, bis ich an beiden Seiten flankiert von meinen menschlichen Geschwistern wenigstens einige zaghafte Runden drehen konnte, ohne das Eis zu kuessen. Von Tanzen war das aber immer noch weit entfernt.

Zwischendurch noch schnell im Rucksack nach Maiskolben gestoebert, denn diese Sportelei macht ganz schoen hungrig. Auch die heisse Schokolade war schneller weggeschlabbert als man "Yeti!" rufen kann.*

Neu gestaerkt machte ich mich dann an den naechsten Versuch. Langsam hab ich begonnen, mich auf dem rutschigen Eis etwas sicherer zu fuehlen. Ich hab sogar zwischendurch einen kleinen Hopser gewagt und bin dabei, Wunder ueber Wunder, nicht einmal mehr hingefallen! So lob ich mir das. Echte Eselsgrazie. Das Tanzen war dann doch noch etwas schwieriger, und mein Hintern tut mir auch immer noch weh von dem einen Mal, wo ich ueber meine aufgegangenen Schuhbaender gestolpert bin. Aber bis gegen Abend war ich schliesslich so prima, dass sich die Knossoten ein neues Sprichwort ausdenken werden muessen.

PS: Der Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt!! Wenn wir wieder in Gallien sind, moechte ich auf jeden Fall wieder am Eis tanzen. Ich hab sogar einen winzigen Eissplitter zur Erinnerung mitnehmen duerfen, und den werd ich hier in mein Tagebuch einkleben.

* Nein, Yetis haben wir bei unserem Ausflug keine getroffen. Soweit ich gehoert habe, sollen sie sich am Marktplatz von Frigorn versammelt haben und dort diskutieren, ob ein gewisser Kuester wirklich existiert. Ich weiss zwar nicht, warum; aber meine Kenntnisse des Alpyetischen beschraenken sich schliesslich auch auf "Hallo, Fellbuendel!" und "Ist das da ein Huhn auf deinem Kopf?"

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>betrachte Tagebuch
>Eselchens Tagebuch. Es ist gerade aufgeschlagen, und soweit du das Gekrakel entziffern kannst, beschreibt der aktuelle Eintrag einen Besuch auf der gallischen Eisbahn. An einer Stelle ist das Papier ganz wellig, geradeso als waere es hier nass geworden und wieder getrocknet. Seltsam.



10. Januar 159, Magyrazeit

Ich hab einen neuen Freund, Picaro. Der kann zwar noch nicht ohne Hilfe auf meinen Ruecken klettern, aber er kennt viele tolle Spiele! Gestern aber haben wir eins gespielt, da gewinnt immer der, der anfaengt. Und das nach vier Zuegen. Egal was man macht. Da sind wir uns einig gewesen: es ist das doofigste Spiel ueberhaupt. Also wollen wir jetzt lieber dem Herrn Garfrosch helfen. Der ist ein Magier, aber Helfer kann er sich leider nicht herbeizaubern. Aber jetzt hat er ja uns.



14. April 158, Magyrazeit

Keine Angst, Tagebuch. Inzwischen hab ich mein Genie beweisen können. Ich hab nämlich in der Spielebox der Gilde etwas Neues entdeckt: Mathe-Solitär. Das ist ein Spiel, bei dem man richtig viel toll rechnen können muß. Gar nicht so einfach also. Aber Esel sind bekanntermaßen klug. Ich sowieso. Im Kopfrechnen, und überhaupt. Ha! Den möchte ich sehen, der mich noch einmal einen dummen Esel nennt.



20. April 157, Magyrazeit

Ich war also im hohen Norden. Davon hab ich bereits erzaehlt. Auf der Heimreise von Veldergautland hab ich mich aber versegelt, und so musste ich erst eine Pause auf einer kleinen Insel einlegen. Dort hab ich einen Wissenschaftler getroffen, der dringend Hilfe sucht. Natuerlich hab ich ihm meine angeboten.

Aber jetzt, nach unzaehligen Stunden ueber Mikroskop und zerlesenen Buechern brueten, glaub ich doch: das war zu voreilig. Denn wie soll ich bloss rausbekommen, wie viele Hunki in einem Hemputi sein koennen (oder war's andersrum)? Anscheinend gibt es ja eine ganz einfache Formel dafuer, aber auch damit hab ich nicht viel anfangen gekonnt. Dabei wollte ich doch ganz doll zeigen, dass Esel alles andere als dumm sind...



4. Oktober 156, Magyrazeit

Heute, liebes Tagebuch, will ich von deiner wagemutigen Rettung erzaehlen.

Die waere ohne tatkraeftige Hilfe nicht moeglich gewesen. Und ich hoffe, dass ich eines Tages einen Weg finde, allen Beteiligten angemessen zu danken.
Aber ich will von vorne beginnen.

Zuerst habe ich in langen und strapazierenden Reisen alle mir bekannten Haendler abgeklappert. Denn wenn ein Dieb was stiehlt, will er es meistens auch zu Geld machen. So viel weiss ich schliesslich aus Erfahrung. Manches behaelt er sich auch, aber ein Tagebuch? Das ist wohl kaum von Nutzen fuer einen anderen als mich. Vor allem, da es in reinstem Hocheselisch geschrieben ist. Ich glaub nicht, dass das viele Diebe verstehen. Oder ueberhaupt viele Leute in Magyra.

Jedenfalls rannte ich von Einem zum Anderen. Ohne Erfolg. Oskar, der Griesgram von Koboldingen, gab mir schliesslich ziemlich grummelig zu verstehen, dass er ja nicht jeden Muell kaufen wuerde. Mit Tagebuechern liesse sich nur Geschaeft machen, wenn sie huebsch gebunden sind und noch genuegend freie Seiten besitzen. Sowas. Normalerweise waere ich wuetend geworden, dass es jemand wagt, mein Tagebuch als Muell zu bezeichnen. Aber die Sorge um mein kostbares Buch sass mir noch zu tief in den Knochen.

Es war also nirgendwo verkauft worden. Aber wo war es dann?
Ich besorgte mir einen Dolmetscher und stellte den Dieb zur Rede. Erst wollte er mir nichts sagen. Dann aber brachte ich heraus, dass er mein Buch an einem geheimen Ort versteckt hat - einem Ort, der so unwirtlich sei, dass sich kein Baumkuschler je dort hinverirren wuerde.

Mehr war nicht aus ihm herauszubringen. Bloss was koennte er nur damit gemeint haben? Ich recherchierte lange und gruendlich. Es kostete mich Wochen, und ich fragte mich bang, ob ich mein Buch je wieder unbeschaedigt in Haenden halten wuerde. Denn ein Ort, der fuer Druidenesel unwirtlich ist, schadet vielleicht ja auch Papier!

Mit jedem verstreichenden Tag wuchs meine Sorge um dich, Tagebuch. Das blieb auch den anderen Druiden nicht verborgen. Auch mein Mentor und geduldiger Lehrer Wyborowa sah, dass ich viel ruheloser und unkonzentrierter war als sonst, und er riet mir zu einem Besuch bei der alten Eiche nordwestlich der Stadt. Dieser heilige Baum ist immerhin bekannt dafuer, Druiden bei ihrem Kummer Trost und Zuversicht zu spenden.

Doch oh Schreck! Als ich dort angekommen bin, hingen die Blaetter der Eiche halb welk herab und Schaedlinge hatten sich in ihr ausgebreitet. Tagebuch hin oder her, mir war klar, dass ich da etwas tun musste! Und auf einen Tag Verzoegerung mehr oder weniger kommt es ja auch schon nicht mehr an...
Allerdings waren diese Kaefer und Larven bestimmt keines natuerlichen Ursprungs. Riesengross und so aggressiv, dass sie selbst einem ausgewachsenen Esel gefaehrlich werden koennten.
Ich haette das niemals ohne Hilfe geschafft. Doch zum Glueck erklaerte sich die Doerrstaedter Hexe Appolonia Mandiano bereit, an meiner Seite zu kaempfen. Gemeinsam konnten wir die Eiche von den dunklen Einfluessen reinigen, und ich war meinem Ziel wieder einen Schritt naeher.

Endlich hatte ich wieder eine heisse Spur. Oder sollte ich besser sagen, eine frostigkalte?
Als ich im Schatten der Eiche sass, stand es mir ploetzlich kristallklar vor Augen, wo mein Buch sich befand. Befinden musste.

Mitten im eisigen Veldergautland.

Schlotter! Brr!!
Wirklich kein Ort fuer Meinereiner seiner!
Eine Kaelte, als ob die Hoelle zufriert, und ausgehungerte Eisbaeren, die Eselsfleisch fuer eine besondere Delikatesse halten.
Ausserdem nur eine sehr karge Vegetation.
Mit dem Mut der Verzweiflung steuerte ich mein Schiff dennoch durch die arktischen Winde.
Schon auf halber Strecke kroch mir die Kaelte unbarmherzig ins Fell, und mein Magen meldete laut knurrend Protest an. Spaetestens, als ich mit dem ersten Huf ungeschuetzt auf den klirrend kalten Boden tappte, musste ich zugeben, dass meine Expedition vorerst gescheitert war. Nur ein ueberstuerzter Rueckzug bewahrte mich vor den schlimmsten Erfrierungen.

Aber aufgeben? Kein Gedanke!
Nur war mir klar, dass ich diesmal besser wuerde planen muessen. Ich suchte Rat bei unserer Geschwistergilde, den Barden. Als wandernde Musikanten hatten die natuerlich Erfahrung mit weiten und gefaehrlichen Reisen. Dort wandte ich mich an einen gewissen Theokrates van Leyden, der mir schon frueher aufgefallen war, weil er als einer der wenigen sogar Eselisch spricht.*
Von ihm bekam ich einige gute Tipps und als Dreingabe sogar einen grossen Korb mit allerlei Leckereien als Reiseproviant. Schleck!

Gegen die Kaelte hatte ich mir einige waermende Decken und eine grosse Wollmuetze besorgt (ein Hoch auf Zipfelmuetzen, die genuegend Platz fuer Eselsohren bieten!). Nur meine Hufe in gefuetterte Stiefel zu zwaengen, wollte mir erst so gar nicht gelingen. Und dann stolperte ich damit ziemlich ungelenk herum und landete andauernd auf meinen vier Buchstaben. Ich schwoere, der Schuster hat gegrinst, als er mir dabei zusah.
Dann aber wurde er wieder ernst und verkuendete mir eine tolle Neuigkeit. In einer ruhigen Stunde war ihm die Schutzgoettin der Druiden erschienen und hatte ihm gezeigt, wie man auch den tierischen Magyrianern passgenaues Schuhwerk schneidert. Strahlend vor Glueck konnte ich nur eines denken: vielen vielen Dank, Fenchurch!

Mit meinen glaenzend neuen Hufschonern konnte die grosse Fahrt nun endlich losgehen.
Der Weg war lang und spiegelglatt, aber der Gedanke an mein unbezahlbares Buch trieb mich ueber alle Hindernisse vorwaerts. I-ah, und dann konnte ich dich, Tagebuch, endlich wieder unter meinen heimatlichen Schlummer-Strohhaufen schieben!
Allen, die das mit grosser Hilfsbereitschaft auf die eine oder andere Weise erst moeglich gemacht haben, und allen, die mit mir gefiebert und gezittert haben, an dieser Stelle noch einmal ein grosses Danke. Auch wenn - wie das bei Tagebuechern nun mal so ist - dies niemand von ihnen zu lesen bekommt...

 

* Noch nie gab es so viele Esel in fuehrenden Positionen. Vergesst Englisch, die Sprache der Zukunft ist ganz klar: Eselisch.

 



15. November 155, Magyrazeit

Vieles, vieles, vieles ist passiert in letzter Zeit!!

Also echt viel. Elefantenmaessig viel. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Wegen der Schiffsbepflanzung habe ich ja ziemlich viel Zeit mit den knossotischen Druiden verbracht. Da blieb es natuerlich nicht aus, dass ich nach und nach mit ihren Traditionen und Ritualen immer mehr vertraut wurde. Und was soll ich sagen? Anfangs ist mir das Meiste davon noch ziemlich seltsam vorgekommen.
Aber irgendwann reizvoll...

Wer haette zum Beispiel gedacht, dass ein Absud aus den richtigen Kraeutern nicht nur Mais auf Schiffsplanken zum Wachsen bringt, sondern auch unzaehlige Krankheiten heilt - oder sogar voruebergehend mehr Staerke verleiht?

Jedenfalls, liebes Tagebuch, war ich schon vollbepackt mit Traenken auf dem Rueckweg nach Doerrstadt. Doch einer ploetzlichen Eingebung folgend habe ich kehrt gemacht.

Ich glaub, die Druiden waren erst mal ziemlich verdutzt.
Aber nach der ersten Verwirrung wurde ich sehr herzlich aufgenommen. Ja, ich kann von ihnen lernen, wenn ich will. Nein, das Stehlen muesse ich dafuer aufgeben.
Hmmm. Keine leichte Entscheidung.
Die Doerrstaedter Gilde ist schliesslich von klein an mein Zuhause und meine Familie gewesen. Und das soll jetzt alles vorbei sein?
Der von mir sehr geschaetzte Druyde Wyborowa hat mich ausfuehrlich beraten, aber die Entscheidung konnte mir natuerlich keiner abnehmen.

I-Ah, und dann wagte ich den Sprung ins eisige Wasser!

Mein Austritt verlief erstaunlich glatt und friedlich, manche meiner Gildenfreunde wuenschten mir sogar: "Alles Gute und viel Glueck bei den Baumknuddlern!"
Trotzdem hab ich mich dann erst mal ziemlich allein gefuehlt.
Und dir, Tagebuch, konnte ich meine Sorgen auch nicht anvertrauen. Denn nicht jeder nahm meinen Austritt so gut auf. Jemand, dessen Name ich nicht nennen will, pluenderte aus Rache sofort mein gesamtes Schiff - samt Tagebuch. Derjenige hat aber anscheinend nicht damit gerechnet, dass in der Erde des Maisfeldes verraeterische Spuren bleiben...

Jedenfalls aber war ich dann wieder erst mal wieder ohne Familie. Wieder habe ich nach meinen leiblichen Eltern geforscht, doch auch im Archiv von Knossos war nichts zu finden. Und einem anderen Esel bin ich in Magyra ja auch noch nie begegnet.
Klingt traurig? Keine Sorge. Diese Geschichte hat ein gutes Ende.

Allen, allen, allen will ich es verkuenden: ich habe eine neue Familie!!

Alpenrose und ich sind uns nach dem Schiffskauf (davon hab ich schon geschrieben) mit der Zeit immer naeher gekommen, und schliesslich hat sie mich kurzerhand adoptiert. Jetzt bin ich ein Teil einer sehr grossen Herde in Magyra. Selbst jetzt, nach all den Monaten, lerne ich noch immer wieder neue Verwandte kennen.
Aber das ist noch lange nicht alles. Ich habe in der neuen Gilde auch neue Freunde gefunden, die ich genauso zu meiner Familie zaehle. Auch wenn sie offiziell vielleicht nicht dazugehoeren. Doch mit den anderen bin ich ja auch nicht wirklich verwandt. Also biologisch gesehen.
Trotzdem mag ich sie alle sehr gern. Worte koennen das gar nie ausreichend beschreiben.

Puh, jetzt bin ich von all dem Schreiben doch schon ziemlich erschoepft. Ist ja gar nicht so leicht, wenn man die Feder nur mit dem Maul oder den Hufen fuehren kann. Wie gut, dass Papier geduldig ist.
Spaeter mehr. Es gibt noch so viel zu berichten!



15. April 150, Magyrazeit

Trotz anfaenglicher Schwierigkeiten hab ich beschlossen, ein bisschen laenger in der goldenen Stadt zu bleiben. Eigentlich ist Knossos ja ganz nett. Ich habe einen Stall mit Meerblick und im Hafenbecken uebe ich das Segeln. Noch kaempfe ich ein bisschen damit, das Steuerrad im rechten Moment herumzureissen. Aber sag es niemandem weiter, dass ich es gewesen bin, der den halbfertigen Schnellsegler gerammt hat. War ein Versehen. Ehrlich.

Ich moechte mich auch noch einmal mit einigen Bewaesserungsexperten und Pflanzenkundlern unterhalten. Wenn sie in ihrer Halle eine Eiche wachsen lassen koennen, warum dann nicht auch auf einem Schiff? Meine eigenen Versuche waren leider bisher noch kein Erfolg. Vielleicht muss ich auf widerstandsfaehigere Pflanzen umsteigen. Mais zum Beispiel.



22. März 150, Magyrazeit

Heute morgen fuehrte mich mein Weg ins goldene Knossos, und ich sag dir, diese Stadt ist wahrlich kein Ort fuer Esel! Nicht genug, dass ich mit deren gehobener Sprache noch immer Schwierigkeiten hab, wurde ich auch noch beschuldigt ein Dieb zu sein. Und zwar ausgerechnet von Pharos. Also wirklich. Seh ich aus wie ein Pirat?

Aber ich war zum Glueck nicht allein. Alpenrose und ihre Freundin Eelinea verteidigten mich entschlossen gegen den sturen Kerl, so dass der schliesslich klein beigab und ich jetzt stolzer Besitzer eines eigenen Schiffes bin. Ich glaube, ich werde Gras auf dem Achterdeck pflanzen. Dann habe ich meine Wiese immer bei mir und mein Geld ist gut angelegt. I-Ah!



30. Dezember 149, Magyrazeit

Heute erreichte mich eine Anfrage von einer gewissen Frau Alpenrose, ob ich denn als Lastesel zu mieten waere. Kurz entschlossen habe ich als geschaeftstuechtiges Grautier daraufhin den 1. Interkontinentalen Esel-Verleih Magyras gegruendet. Wenn der Betrieb gut laeuft, verkaufe ich demnaechst auch Aktien.

Folgendes Flugblatt koennte sich schon bald auch in deinem Briefkasten befinden:

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I-Ah! Magyras 1. Interkontinentaler Esel-Verleih oeffnet seine Pforten!

Lassen auch Sie sich von unserem neuartigen Service ueberzeugen! Neu und einzigartig! Ja, ich weiss, die Credita Equorum vermietet schon seit geraumer Zeit - aber wer will schon ein Pferd, wenn er einen Esel haben kann!

Es gibt viele Gruende, sich fuer einen Miet-Esel zu entscheiden:

* Sie gewinnen nicht nur ein zuverlaessiges Lasttier, sondern auch einen treuen Begleiter fuer all Ihre Abenteuer.

* Unsere Esel erreichen in Ausnahmefaellen bis zu 50 km/h und sind damit deutlich schneller als menschliche Gepaecktraeger wie etwa Jaana.

* Mit etwas Glueck rammt ein Esel auch verschlossene Tueren frei. Das spart langwierige Schluesselsuche und gefaehrliche Sprengladungen.

* Der Begriff "Graue Zellen" kommt nicht von ungefaehr. Ein scharfer Verstand macht Esel auch zum idealen Partner fuer Raetsel und Spiele.

* Alle unsere Tiere besitzen einen starken Ueberlebenswillen. Junge und unerfahrene Wanderer koennen so mit einem Esel an ihrer Seite leichter vor toedlichen Gefahren bewahrt werden.

Schon bald wird der Esel den Hund als besten Freund des Menschen abgeloest haben. Gehen Sie mit der Zeit - mieten Sie jetzt! (Preis nach Vereinbarung)

Der Mieter verpflichtet sich, fuer die Dauer des Mietverhaeltnisses den Esel angemessen zu behandeln. Bei nachweislich durch den Mieter verschuldeten Tod des Esels wird Schadensersatz an den 1. IE-V nach § 823 Absatz II faellig. Fuer Gepaeck wird keine Haftung uebernommen.



14. Oktober 149, Magyrazeit

Minusch und ich trafen heute im beschaulichen kleinen Aremorica auf einen Mann mit einem wahrhaft guten Schlaf. Also, jetzt weiss ich, woher das Dorf seinen Ruf als verschlafenes Nest hat! Kaum dass Wuerfelfix' Kopf das Kissen beruehrt hat, konnten weder Huftritte noch Krallenhiebe seinem Schlummer etwas anhaben. Sowas aber auch. Selbst als Minusch sich mit ihrem ganzen Katzengewicht auf seiner Brust bequem zusammengerollt hat (und sich dabei auch noch ausgiebig gedehnt und gestreckt) blieb der Kerl davon voellig unbeeindruckt.

Na gut, so schwer sind Katzen nun auch wieder nicht. Wenn ich das gemacht haette, saehe die Sache bestimmt anders aus. Aber das Bett wirkte nicht besonders stabil, und schon als Wuerfelfix sich nur darin umdrehte, aechzte es bereits bedenklich. Da hab ich es dann doch lieber gelassen...



9. Juli 149, Magyrazeit

Hm, irgendwie glaube ich, es war keine gute Idee, meine Erlebnisse auf einem Salatblatt festzuhalten. Bislang hat das ja immer prima funktioniert - aber heute vormittag war ich wahnsinnig hungrig und habe unbedachterweise den ganzen Salat aufgegessen. Sowas Bloedes aber auch! Meine Reiseberichte, mein bisher zusammengetragenes Wissen... weg, alles weg. Schnueff.

Aber warum ueber verschuettete Milch jammern, wenn man sie auch aufschlabbern kann? Eines ist jedenfalls klar: ohne diesen Zwischenfall haette ich nie ein so schoenes neues Tagebuch bekommen wie dieses hier. Du, Tagebuch, wirst nun mein treuer Begleiter durch Magyra sein. Ich verspreche, ich werde dich gut behandeln. Und wenn meine Schrift manchmal ein klein wenig krakelig ist, dann liegt das nur daran, dass Schreiben mit Hufen eben gar nicht so einfach ist wie manchereiner glaubt.



In den Ländern von UNItopia tummeln sich seit jeher die verschiedensten Wesen, und weitaus nicht alle davon sind menschlich. Seit einiger Zeit treibt sich dort auch ein kleiner Esel herum, der mit viel Neugier und auch etwas Dickköpfigkeit die Welt erkundet. Das bin ich.

Geboren in Dörrland, im Frühjahr des Jahres 147 (Magyrazeit), schloss ich mich schon bald der einzigen in Dörrstadt heimischen Gilde an. Besonders gefällt mir dabei, dass nun auch versperrte Türen nicht unbedingt mehr ein Hindernis für meinen Forschungsdrang sind.

 

So sieht das Eselchen aus, wenn du ihm in UNItopia begegnest:

Es ist klein und unauffaellig, sein Fell ist grau. Es schaut Dich mit
grossen, goldigen Augen an. Seine Haare sind alle tierisch kurz
geschnitten, haben die Farbe schwarz und stehen wild in alle Richtungen.
Zwei Eselsohren runden das Bild ab.
Es ist topfit.
Es traegt einen angesteckten "Esel fuettern erlaubt!"-Button.
        Es traegt bei sich:
Ein angesteckter "Esel fuettern erlaubt!"-Button.
Eine umgehaengte, muffige, graue Umhaengetasche.
Ein aufgesetzter Rucksack.
Eine eselsgraue Rose.
Eselchens offizieller MHGV-Wanderstock.
Eselchens frisch geschluepftes Kuscheli Grautierchen.

 

Ist es vielleicht gerade online?

 

Was mag das Eselchen...

...essen? Nun, ich fresse liebend gern Brot, Getreide, Früchte und Gemüse aller Art. Davon gibt es in Magyra ja zuhauf. Auch die eine oder andere Süßigkeit zwischendurch würde ich niemals verschmähen. Nur Fleisch und Fisch kann ich überhaupt nicht leiden, aber welcher Esel mag das schon? Besonders lecker finde ich übrigens Zwiebelbrot und Landbrot aus Koboldingen, das kann ich auch Magyras Menschen nur weiterempfehlen!

...trinken? Da bin ich nicht besonders wählerisch. Den Durst sollte es löschen, und abgesehen von der Schänke im Vampyrschloss habe ich bisher eigentlich noch kein Getränk gefunden, das mir nicht schmeckt.

...farblich? Meine Lieblingsfarbe? Na, Grau natürlich! Am allerliebsten eselsgrau, aber auch alle anderen Grauschattierungen gefallen mir sehr gut. Da habe ich mich sehr gefreut, als ich auf einer Wiese in Knossos doch tatsächlich eine graue Umhängetasche gefunden habe...!