Der letzte Artikel im Faschoblog hat im kleinen Kanton Uri für einige Unruhen gesorgt. Am Dienstag hat die Pendlerzeitung 20 Minuten einen Bericht mit dem Titel "Junge Neonazis machen den Kanton Uri unsicher" gedruckt.
Der Jugendverein Bürglen, welcher das Jugendlokal betreibt, war über diesen Text gar nicht erfreut. Gegenüber der Neuen Urner Zeitung sagte er: "Es entsteht der Eindruck, als ob im Jugi Bürglen Rechtsradikale ein und aus gehen."
Anscheinend ist das Image des Vereins wichtiger als die Tatsache, dass es in der Umgebung eine Gruppe unbehelligter, gewaltbereiter Neonazis gibt.
Zu allem Überfluss klopfte noch die neu gegründete Jugendkommission beim Jugendverein an und verlangte eine Erklärung.
Doch noch ist das Thema nicht ausgestanden. Heute Donnerstag berichtet die Neue Urner Zeitung über den Vorfall (der Bericht kann hier nachgelesen werden).
Der Jugendverein allerdings zweifelt noch daran, dass es sich wirklich um Rechtsradikale genandelt hatte. Zwar "deuten" "das Auftreten, die Kleidung und die Sprüche [darauf] hin", die Ankömmlinge hätten "aber auch mit Ausländern geredet und ihnen die Hand geschüttelt". Dies ist in der Tat etwas seltsam, aber wahrscheinlich hatten die Faschos vor den Ausländern ganz einfach Schiss.
Polizei weiss gar nichts
Den Vogel schiesst jedoch Ruedi Huber, der Vizekommandant der Kapo Uri ab: "Wir wissen nichts über eine grössere Rechtsradikalen-Szene in Uri". Natürlicht nicht, wie solltet ihr auch... Es geht nämlich noch weiter: Während eines Konzertes in der MSA-Baracke in Altdorf fand sich plötzlich eine Gruppe Faschos ein. Angesichts der vielen BesucherInnen getrauten sie sich jedoch nicht, das Konzert anzugreifen. In einem einschlägig bekannten Faschoforum wurde davor auf dieses Konzert mobilisiert.
Da sich die Rechtsradikalen noch weiter in der Nähe der MSA herumtrieben, wurde die Polizei alarmiert. Jedoch bemühte sich keiner der Herren in Uniform zum Veranstaltungsort.
Damit ist wahrscheinlich auch die schon fast unglaubliche Aussage Huber betreffs des MSA-Vorfalles zu erklären: "Wir haben keine Kenntnisse darüber, dass Rechtsradikale involviert gewesen sind." Bei denen scheint wohl nicht einmal der sprichwörtliche Zaunpfahl etwas zu nützen.
Jedoch, halt! Noch ist nicht alles verloren. In einem kräftezehrenden Akt ringt sich Huber zu einem Zugeständnis durch: Die Polizei kenne einzelne Exponenten der rechtsradikalen Szene, welche ausserhalb des Kantons regelmässig an Veranstaltungen mit faschistischem Hintergrund teilnehmen würden. Natürlich, und zuhause im schönen Uri spielen diese Leute mit Kieselsteinen und setzen sich gegenseitig selbst gebastelte Blumenkränze auf.
Gemeinde nimmts gelassen
Auch der Gemeindeschreiber von Bürglen scheint überhaupt nicht unberuhigt zu sein: Er wolle die Vorfälle nicht aufbauschen. Man habe grundsätzlich kein Problem mit den Jugendlichen. Jedoch: "Wir dürfen die Augen vor radikalen Gruppen nicht verschliessen". Na dann Prost!
P.S.: Der Faschoblog möchte sich hiermit recht herzlich bei Hans Stutz für die guten Worte bedanken, die er für uns bei der NUZ eingelegt hat. Dankä.