On the road again

02:11, 20.05.2010. Von schokokugel

Fast wäre ich doch noch länger in Odessa geblieben. Es gab nämlich ein kleines Visum-Problem und die netten Beamten am Flughafen wollten mich nicht ausreisen lassen. Aber ich muss wohl zugeben, dass die Schuld eher auf meiner Seite lag. Ich hatte nämlich kein Visum, da ich, aus meiner Sicht, nur 90 Tage im Land war...und das geht offiziell ohne Visum. Allerdings hatte ich mich verzählt und war 91 Tage in der Ukraine und im Gegensatz zu mir ist das dem Flughafenpersonal sofort aufgefallen. Ich habe dann das erste Mal Erfahrung mit der ukrainischen Bürokratie und Bestechungsmöglichkeiten gemacht und konnte nach 1 1/2 Stunden Papierkrieg und "Geldstrafe" das Land verlassen und habe sogar noch den Flieger bekommen. Aber da ich ja sehr gerne noch geblieben wäre, hätte ich es mich nicht gestört paar Tage länger zu bleiben.

Jetzt bin ich aber wieder zurück und gleich wieder weg. Morgen geht es auf nach Mittelamerika und ich hoffe, dass bis dahin meine ukrainische Erkältung wieder weg ist. Ich habe mir auch vorgenommen diesen Blog weiterzuführen. Ich weiß zwar nicht, wie es mit Lesern aussieht ;), aber die Berichte über die Ukraine haben mir immer Spaß gemacht und deswegen werde ich versuchen das ganze am Leben zu erhalten.

Ich lasse mich jetzt erst mal überraschen wie es werden wird. Gedanklich bin ich immer noch in Odessa und kann mir gar nicht vorstellen, dass ich am Freitag in Kuba sein soll.

Bye Bye Odessa :(

13:51, 14.05.2010. Von schokokugel

Nach byebye Bayreuth steht nun byebye Odessa an. Die Zeit verging viel zu schnell und gerade könnte ich mir sehr gut vorstellen noch etwas zu bleiben. Am Anfang war es manchmal echt nicht so schön; es war total kalt und ich kannte niemanden, die Sprache war fremd...aber mittlerweile habe ich mich eigentlich an alles gewöhnt und habe sehr nette Leute kennengelernt. Am Ende waren wir ein bunter Trupp aus Odessiten und anderen Nationen und es fällt nicht leicht schon wieder Abschied zu nehmen. Aber ich freue mich natürlich auch meine Freunde und Familie in der Heimat wiederzusehen.

Meine Schlusswerde zu drei Monaten Ukraine sind mehr als positiv: Ich hatte echt eine tolle Zeit und bin froh, dass ich dieses Praktikum in diesem Land gemacht habe. Wenn ich könnte, würde ich sehr gerne noch etwas bleiben, mit den Schülern noch bis Ferienbeginn weiterarbeiten und die immer wärmer werdenden Tage mit den anderen am Strand verbringen :).

PAKA

SPASIBA!!

Krim

02:46, 5.05.2010. Von schokokugel

Der letzte Zwischendurch-Trip ging auf die Halbinsel Krim. Mit dabei waren Anke und Nadja, die in Odessa auch als Lehrerinnen arbeiten. Mit dem Zug ging es erstmal 14 Stunden nach Simferopol. Die "Hauptstadt" der Krim. Dort konnten wir hautnah den 1.Mai mitfeiern und eine Parade der etwas anderen Art beobachten.

Ziemlich schnell haben wir uns dann mit dem Bus aus dem Weg nach Bakchisarai gemacht, einer Art türkischen Siedlung inmitten der Krim, die wunderschön in einem Tal liegt, umgeben von Kalksteinfelsen, die zum Teil sogar als Klettergebiete ausgebaut sind. Das besondere an diesem Örtchen ist vor allem der Khan-Palast, eines der letzten Zeugnisse der islamischen Tataren-Kultur auf der Krim-Halbinsel.

Dieses Örtchen ist wirklich schwer zu beschreiben, deswegen stelle ich einfach noch ein Bild rein damit die Stimmung wenigstens bißchen rüberkommt.

Der weitere Weg für Nadja, Anke und mich nach Sevastopol. Eine weiteres wichtiges Zentrum auf der Krim, direkt am schwarzen Meer und vor allem bekannt als Standort für russische Kriegsschiffe. Gehört hatte ich das zwar im Vorfeld, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie selbstverständlich zum Stadtbild gehören würden. In jeder größeren Bucht standen russische Kriegsschiffe, was der eigentlich eher gemütlichen Stadt einen etwas seltsamen Charakter verliehen hat.

Zuletzt ging es für uns nach Jalta. Die Stadt selbst war wieder äußerst sehenswert, aber leider war die Zeit sehr knapp und wir konnten den Aufenthalt nur so halb genießen. Von den vielen Sehenswürdigkeiten in und um Jalta haben wir uns dann für die Besichtigng vom "Schwalbennest" entschieden. Eines DER Wahrzeichen der Krim.

Eigentlich hatten wir uns auf ein romantisches Schlösschen an einem Felsenabhang in totaler Abgeschiedenheit gefreut. Aber mit Ernüchterung mussten wir dann feststellen, dass wir nicht die ersten Touristen waren, die das kleine Schloss aus der Nähe sehen wollten ;). Aber es war trotzdem schön.

Kiev&Co.

15:31, 30.04.2010. Von schokokugel

Die Zeit war knapp die letzten Tage, leider auch zum Blog schreiben. Dabei gibt es einiges zu erzählen. Zwischenzeitlich hatte ich Besuch von zu hause und Kiev habe ich auch einen kleinen Besuch abgestattet. Dort gab es für Deutschlehrende ein Seminar am Goethe Instiut, wohin ich meine betreuende Deutschlehrerin Razifa begleitet habe. Da habe ich dann Kollegen aus der ganzen Ukraine getroffen, die auch in dem Pasch-Programm sind.

Kiev selbst habe ich im Schnellverfahren gesehen. Ich hatte einen ganzen Nachmittag um die Stadt zu sehen und da war es leider nicht so gemütlich und es hat nur geregnet. Trotzdem war es sehr interessant, vor allem die Kathedralen zu besichtigen.

Kiev ist schwer in wenige Worte zusammenzufassen, wie das meistens so ist bei Groß- und Hauptstädten. Ich möchte auch sehr gerne noch ein zweites Mal in die Stadt, um alles etwas langsamer nochmal zu machen. Die Eindrücke waren einfach etwas viel in der kurzen Zeit. Von mir gibt es ein einziges Foto ;) und das ist natürlich total ausdrucksstark geworden und zeigt Kiev von seiner besten Seite ;):

Aber einige Klassiker habe ich natürlich auch bildich festgehalten. Da gibt es den großen Unabhängigkeitsplatz, den Majadon und den Freiheitsbogen in einem Landschaftspark am Dnepr, der an die Vereinigung mit Russland erinnern soll.

Kurz vor der Abfahrt nach Kiev hatte ich auch das erste Mal Besuch. Meine Mutter  und eine Freundin kamen für eine Woche nach Odessa. Habe mich natürlich sehr gefreut, vor allem über die sprachliche Hilfe. Beide konnten mir mit ihren russischen und ukrainischen Kenntnissen sehr weiterhelfen und ich habe endlich Führungen durch die Stadt machen können, da ich zwei Übersetzerinnen dabei hatte :).

 

Jetzt gehts erstmal zu den Krimtataren und nach Jalta. Ich bin gespannt auf einige Tage auf der Halbinsel Krim und nicht vergessen: Life's good ;) :

Zudem ist ja heute tatsächlich das Praktikum vorbei. Die 2 1/2 Monate am Gymnasium Nr. 4 sind tatsächlich schon um und ich wurde wirklich rührend von meinen drei Klassen verabschiedet. Das ganze Praktikum war einfach wirklich eine tolle Sache und ich bin echt froh, dass ich das gemacht habe.

Zwischendrin

17:45, 21.04.2010. Von schokokugel

Der April ist allgemein ziemlich verplant, aber es freut mich natürlich hier viel zu sehen und zu erleben. So war ich nicht nur in Lviv am Anfang des Monats, sondern hatte eben auch die Möglichkeit zu dem Musikprojekt, zu einer Fahrt nach Kiev und zwischendrin auch noch zwei Tage Kharkow  (der orangene Fleck auf der Karte) im Osten des Landes Richtung Russland.

 

Nach Kharkow führte mich ein Wettbewerb zu dem Thema  "Hat der Fall der Mauer die Deutschen wirkl ich vereinigt" zu dem Ich gemeinsam mit einer Kollegin zwei Schüler begleitet habe, die diesen Wettbewerb gewonnen haben. Von der dortigen Universität wird sein 10 Jahren das "Kurasinscki Kolloquium" abgehalten. Dort können sich Schüler landesweit durch Aufsätze zu einem bestimmten wissenschaftlichen Fachbereich zur Teilnahme qualifizieren. Dabei werden auch die Sprachen vertreten. Dieses Jahr Französisch, Englisch, Spanisch und eben auch Deutsch.

 

Die lange Fahrt nach Kharkow ging am 7.4. abends los. Gemeinsam mit den zwei Schülern haben Razifa und ich uns ein "Coupe" geteilt. Morgens um 8Uhr sind wir dann nach 14 Stunden Fahrt angekommen. Untergebracht wurden wir in einer Art Jugendherberge weit außerhalb von Kharkow. Gefühlt kam danach das Nirgendwo. Es war ein etwas trostloser Vorort in dem seit dem Ende der Sowjetunion gefühlt nichts mehr passiert ist. Dafür gab es viel Platz für sportliche Aktivitäten an modernen Open-Air Einrichtungen ;), an denen zu meinem Erstaunen tatsächlich welche trainiert haben.

 

Am Freitag selbst stand die Anmeldung unserer Schüler und diverse Vorträge an der Universität an, die mit die größte und vor allem älteste Universität (1804) des Landes ist, die zu Zeiten der Sowjetunion als großes wissenschaftliches Zentrum galt. Angeblich tut sie das immer noch, aber ganz konnte ich davon nicht überzeugt werden. Zumindest ist das Hauptgebäude einfach nur riesengroß und ein typischer Prachtbau aus vergangenen Zeiten.

Dezent amüsiert habe ich mich über das Büro eines Physik-Professors. Ich dachte, dass es ein Teil des Museums zur Geschichte der Universität wäre und bin nach den Vorträgen einfach reingegangen und wurde dann darauf aufmerksam gemacht, vom Prof. persönlich, dass ich mich quasi in seinen vier Wänden befinden würde. Ich lasse einfach die Bilder sprechen :D :

Aber ich muss dem Büro zu Gute halten, dass man dafür eine schöne Aussicht hatte und zwar auf das "Haus der Industrie". Mein Reiseführer sagt dazu, dass es sogar der größte zusammenhängende Gebäudekomplex Europas wäre. Man staune darüber und siehe sich das wunderschöne "Dershprom" an:

Gleich nebenan befindet sich eine weitere Attraktion, für die es sich lohnt unbedingt einmal nach Kharkow zu kommen ;): Der größte Platz Europas und mit einer der größten der Welt. Das ist der Freiheitsplatz mit einem riesengroßen Lenin-Denkmal.

Ansonsten muss ich leider zugeben, dass meine historischen Kenntnisse zu Kharkow leider mindestens so stark ausgeprägt sind, wie zu dem Zeitpunkt bevor ich wusste, dass es diese Stadt gibt. Mein Interesse ist eigentlich sehr hoch, aber die Stadtführung war logischerweise auf russisch und da sie eher am Ende eines langen Tages und einer langen Zugfahrt stattgefunden hat und meine Deutschlehrerin wohl keine Lust mehr darauf hatte, noch mehr Deutsch zu sprechen als unbedingt sein muss [Annahme der Redaktion] hat sie mich mit den Worten vertröstet "Das ist alles Müll für deinen Kopf". Da Kharkow jedoch wirklich einiges zu bieten hat, fand ich das wirklich sehr schade und ich konnte meine anti-kulturell begeisterte Begleitung leider nicht davon überzeugen doch etwas mehr zu übersetzen.

Zum Beispiel steht dort die "Blagoweschtschenski-Kathedrale".

Zudem gibt es eine große Anzahl an diversen Kriegsdenkmälern. So ist Kharkow nicht nur die ehemalige Hauptstadt der Ukraine, sondern war während des Zweiten Weltkriegs auch stark umkämpft, da es eine der Hauptstädte für die Kriegsindustrie war und ein großer militärischer Stützpunkt der Sowjetunion. Auf dem Bild kommt es leider nicht so rüber, aber das Denkmal war einfach unglaublich riesig. Und die Figur, eine Frau, die um die gefallenen Soldaten weint mit einem ewigen Feuer an ihren Füßen, war schätzungweise ca. 10m hoch. Vielleicht lieg ich da jetzt auch falsch, so genau habe ich nicht gemessen, aber es war einfach nur riesengroß.

Musikprojekt

09:24, 21.04.2010. Von schokokugel

Am 13.4. hat hier in Odessa ja die Konzertreihe von Jens Friebe&Band durch die Ukraine begonnen, beziehungsweise in drei Städte. Da ich Jens Friebe auch zu hause schon lange mal live sehen wollte, fand ich es natürlich super hier in Odessa endlich mal die Möglichkeit dazu zu bekommen. Die Begeisterung wollte ich natürlich auch mit meinen Schülern teilen und als ich erfahren habe, dass die Band auch in die Schule kommen könnte, für ein Interview, war klar, dass ich unbedingt irgendwie ein Projekt dazu machen muss. Erst habe ich nur eine Schulstunde bekommen, aber zum Glück konnte ich meine Kolleginnen davon überzeugen, dass 45min. definitiv zu wenig sind, um mit den Schülern ein komplett neues Themengebiet zu erarbeiten.

Schließlich hatte ich pro Klasse 6 Schulstunden und damit etwas mehr Spielraum, um auf Biographie, Lieder und deutsche "Popmusik" einzugehen. Die Klassen waren zuerst etwas skeptisch, da sie das erste mal so intensiv mit Musik gearbeitet haben, vor allem die 9. Klasse meinte zu mir, dass sie deutsche Musik nicht interessieren würde. Am Ende vom Projekt und vor allem nach Interview und Konzert waren jedoch ausnhamslos alle begeistert. Projektziel also wenigstens zu diesem Punkt erreicht.

 Das Interview selbst lief richtig gut. Erst waren alle etwas schüchtern, aber nach den ersten Fragen sind die Schüler nach und nach aufgetaut. Anschließend an das Interview haben wir (also fünf Kolleginnen von der Schule) gemeinsam mit der Band und der Begleitung vom Goethe Insitut eine Flasche Cognac geleert und gegessen, wie es sich natürlich gehört zu so einer Feierlichkeit und Mittags um 12 :). Die Band war von dieser Gastfreundlichkeit auch begeistert und meinte, dass sie es noch nie erlebt hätten mittags um 12 mit einem Lehrerkollegium so viel zu trinken ;). Dezent angeheitert ging es für sie dann zum Soundcheck.

Lviv, Lvov, Lemberg...

17:24, 7.04.2010. Von schokokugel

...bedeutet alles das gleiche. Ersteres ist auf ukrainisch, zweiteres auf russisch und das letzte deutsch. Der orangene Punkt markiert den "Oblast L'viv".

 

Der Trip dorthin war sehr schön und hat schon mit einer spannenden Zugfahrt angefangen. Anke und Ich hatten uns für ein "Coupe" entschieden, also ein Viererabteil. Das sind kleine Abteile von ca. 4 Quadratmetern, inks und rechts befinden sich oben und unten die Liegemöglichkeiten. Es war aber wirklich sehr bequem und man konnte sogar schlafen. Eigentlich dachte ich, dass dort erstmal gefeiert wird, aber um 21 Uhr wurde es ziemlich ruhig und am 23Uhr gab es kein Licht mehr, außer die Notbeleuchtung auf dem Gang.

 

Nach 13 Stunden sanften Zuggerüttels sind wir früh um 7 Uhr in Lemberg angekommen. Das Hostel "Roxelana" haben wir zum Glück gleich gefunden und haben uns dann erst einmal schlafen gelegt, schließlich hatten wir ja 4 Tage Zeit für eine Stadtbesichtigung. Da kann man es auch mal etwas ruhiger angehen lassen. Das Hostel selbst war sehr gemütlich und sah (von außen) aus wie ein kleines Schloss (Das Bild wirkt etwas zu pompös. In dem Haus selbst gibt es viele Wohnungen und eine davon war das Hostel). Der Besitzer war etwas verplant, aber sehr nett und hat auch im Hostel gewohnt. Er hat einfach immer in dem Bett geschlafen, das gerade frei war. Er hat sogar so lange auf uns gewartet bis wir nach unserem Erholungsschlaf wieder wach waren und hat uns die Stadt gezeigt.

 

Also kleine Einführung: In Lviv wurde der Erfinder der Petroleumlampe geboren (Ignazy Lucasiewicz, der mit dem Hut ;)) und auch der Kerl, der den Begriff Masochismus geprägt und zwar war das der Leopold von Sacher-Masoch (man beachte das Schlüsselschloch, das war der Eingang zum "Maso-Cafe").

 

 

Zudem gibt es in der Stadt unheimlich viele Kirchen...russisch orthodox, armenisch, römisch-katholisch, uvm...das war vor allem zum Osterfest sehr interessant. Dort konnte man von Kirche zu Kirche gehen und sich verschieden Zeremonien ansehen und natürlich viele Ostereier kaufen. Die Menschen standen sogar vor manchen Kirche Schlange, um sich segnen zu lassen (Vermutung ;)).

 

 

Ansonsten kann ich über Lemberg nur sagen, dass es eine sehr schöne, gemütliche Stadt ist. Hatte fast was von Bayreuth ;). Man kannte sich schnell aus, überall gab es gemütliche Cafes und Restaurants.

 

Gerade ist die Zeit leider etwas knapp. Ich muss noch korrigieren und einiges vorbereiten für die Fahrt morgen nach Kharkow. Das ist die ehemalige Hauptstadt der Ukraine. (Ist aber schon etwas länger her). Dorthin begleite ich zwei Schüler, die einen Wettbewerb gewonnen haben, bei dem sie einen Bericht über den Fall der Mauer schreiben mussten. Ich bin mal wieder gespannt, und werde dann nächste Woche berichten wie es war.

 

(Der Taras mal wieder)

 

Bald ist Ostern

13:17, 31.03.2010. Von schokokugel

Ostern gibt es selbstverständlich auch in der Ukraine, nur den Osterhasen gibt es hier nicht. Dafür aber auch Palmwedel und bunte bemalte Ostereier. Um den Schülern bißchen die deutschen  Gewohnheiten näherzubringen, wurde mit denen 5. Klässlern ein Osterfest veranstaltet. Dort habe ndie "Kleinen" ein Theaterstück auf deutsch aufgeführt, deutsche Ostergedichte aufgesagt und ich habe mit ihnen "Stups, der kleine Osterhase" gesungen ;). Das ganze wurde dann mit Tanzeinlagen zu Musik von Avril Lavigne äußerst "passend" in Szene gesetzt. Ich fand es irgendwie komisch, aber die Lehrerinnen fanden die Idee super. War dann auch echt ganz witzig, hat halt einfach gar nicht gepasst. Wenn es funktioniert, werde ich nächste Woche versuche ein Video davon hochzuladen.

Daneben habe ich diese Woche tatsächlich das erste Mal verschlafen. Zeitumstellung und um 6.30 aufstehen, war einfach zuviel des guten ;). Aber kann ja mal passieren, die Schüler kommen schließlich auch regelmäßig zu spät.

Etwas Kultur habe ich auch mal wieder zu bieten: Gestern war ich mit den Schülern im  "Ukrainski Theater". Es gab eine Aufführung zu einem Werk von Taras Schwetschenko (Taras Hryhorovyč Ševčenko). Er hat im 19. Jahrhundert gelebt und ist einer der bekanntesten und verehrtesten Dichter hier, der in der ukrainischen Sprache geschrieben hat.

Ich wünsche dann schon einmal im Voraus "Frohe Ostern", da ich gleich zu meiner ersten Reise innerhalb der Ukraine aufbrechen werde. Mit dem Nachtzug und Anke geht es auf nach Lemberg (Lvov) im Nordwesten der Ukraine (700km > 13 Stunden Zugfahrt). Ich bin schon sehr gespannt, da hier alle begeistert sind von dieser Stadt.

 

 

Zudem werde ich dort Ostern verbringen und hoffe sehr, dass ich am Ostersonntag irgendwo meine geliebte Paska finden werde. Das ist das Osterbrot, das ich seit ca. 25 Jahren immer gemeinsam mit meiner Großmutter backe und wir gemeinsam immer ein großes Osterfrühstück nach ukrainischer Tradition machen. Das wird mir sehr fehlen. "Paska" ist hier im übrigen auch das Wort für "Ostern" und das Osterbrot trägt den selben Namen.

 

Aber immerhin weiß ich jetzt, dass es tatsächlich eine ukrainische Tradition ist, wie ich mit meinen Großeltern bisher Ostern immer gefeiert habe, da ich nun weiß, dass hier Oster quasi alle so feiern, wie meine Großeltern. Ich finde es wieder mal sehr interessant zu sehen, wie sich die Kultur und Bräuche der Deutschen, die in deutschen Siedlungen im Westen der Ukraine leben und gelebt haben mit denen der ukrainischen mischen. Echt toll, dass endlich mal so mitzuerleben und sich auch bewussst zu machen.

 

das leidige Müslithema

21:27, 25.03.2010. Von schokokugel

So meine lieben Lesenden, verzeiht meinen Unfleiß beim schreiben ;). Gerade sitze ich eigentlich an meiner Stundenvorbereitung für morgen. Freitag ist immer der anstrengensde Tag für mich. Erstens muss ich um 6.30 aufstehen und zweitens habe ich am Freitag immer alle drei Klassen, also die 5., 8. und 9. und die 9. hat ja freitags immer die Doppelstunde. Und wie Teenies Freitag Mittag so sind, sind sie auch hier in der Ukraine mit dem Kopf überall, nur nicht im Deutschunterricht.

Ansonsten wurde ich jeden morgen wieder mit dem Müsliproblem konfrontiert. Anstatt mich einfach in Ruhe zu lassen, fragen mich meine Gastbrüder jeden morgen, ob das denn schmecke, wie ich so etwas überhaupt essen könne, ob andere Deutsche auch sowas essen würden...Langsam nervt es ehrlich gesagt etwas. Was ist denn daran so schwer zu akzeptieren, dass die Gasttochter aus Deutschland gerne eine Schale mit Müsli und Obst zum Frühstück isst? Beendet wird das Gespräch immer mit "you are a strange german girl"... Danke! und ich finde es "strange", wie man sich an einer banalen Schüssel mit Müsli so aufhängen kann.

Das ging dann soweit, dass mich mein älterer Gastbruder (Dima, 32) tatsächlich gefragt hat, ob ich meinem zukünftigen Ehemann und Kindern auch immer nur Müsli kochen werde. - Hier war ich auch wieder sehr erstaunt, wie weit er denkt und warum er sich überhaupt darum sorgt, was ich meinem Ehemann einmal kochen werde-. Da ich zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keinen Nerv mehr dazu hatte, mich weiter über Müsli zu unterhalten, habe ich ihm (eigentlich aus Spaß) geantwortet, dass mein Zukünftiger selbst für sich kochen werden muss und meine Kinder tatsächlich nur Müsli bekommen werden. Er hingegen fand das alles andere als urkomisch und meinte doch dann in einem etwas forscheren Ton "you will be bad wife" und hat schlagartig den Raum verlassen und den ganzen Tag nicht mehr mit mir gesprochen.

Tja, so ist das mit den strangen girls aus dem fernen Deutschland. Aber ich glaube wir haben beide aus dieser Siuation etwas gelernt. Erstens sollt man mit mir frühs um 7 nicht über Familiengründung und Müsli diskutieren und zweitens sollte ich mich zum Müsliessen einfach verstecken.

 

ein normaler Samstag

11:48, 20.03.2010. Von schokokugel

Vorsicht: Müsli ist ungesund! Habe ich vorgestern erfahren. Mittlerweile bin ich ja soweit, dass ich zum Frühstück Brot, Marmelade und nun auch Müsli essen kann, ohne gefragt zu werden, ob ich nicht doch lieber Fisch oder Krautwickel möchte. Allerdings ist meine Familie sehr besorgt, wenn ich "nur" Müsli esse und ich wurde nun schon mehrmal darauf aufmerksam gemacht, dass das nicht gut für mich wäre?! Muss ich hoffentlich nicht verstehen...aber ich werde meine Familie in ihrem Glauben lassen, dass das ukrainische Müsli meinen Darmtrakt zersetzt und weiterhin nicht auf meine Schüssel Müsli verzichten ;).

Ansonsten kehrt hier neben Müsli im Haus auch langsam der Frühling ein. Eine wirklich sehr gute Sache. Jetzt muss nur noch endlich alles blühen, da freue ich mich schon sehr. Morgen geht es auch das erste Mal richtig ans Meer, das habe ich bisher eher vom Weiten gesehen. Wenn man schon direkt am Meer ist, dann muss man das ja schließlich auch nutzen. Aber ehrlich gesagt, hat man irgendwie nicht so wirklich das Gefühl, dass man hier direkt neben Meer wohnt . Es gibt zwar Strände, man hört manchmal den Leuchttum und der Hafen ist auch riesig und sehr bedeutend für Odessa als Wirtschaftsstandort, aber dieses "typische" Meeresfeeling kommt dadurch trotzdem nicht auf. Aber gut, vielleicht ja ab morgen.

Jetzt gleich geht es erst einmal ins Bayerische Haus, wo jeden Samstag ein deutscher Film gezeigt wird. Dort trifft man viele Odessiten, aber auch hin und wieder Praktikanten aus Deutschland, die in ähnlichen Projekten mitarbeiten wie ich. Ist immer sehr nett, um sich etwas auszutauschen oder neue Leute kennenzulernen. Unter anderem Anke (Foto "Frösche und Exit), die hier das gleiche macht wie ich und auch aus Franken kommt. Sie ist vor wenigen Tagen hier angekommen; waren dann gestern erstmal Nachtleben erkunden und haben natürlich die deutsche Bierkultur gepflegt, aber auch die ukrainische. Integration und so ;).

schönste Clubtoilette Odessa

nach einem Monat...

13:04, 16.03.2010. Von schokokugel

Eigentlich wollte ich ja diesen Blogeintrag über das Museum schreiben, dass ich letzte Woche nicht gefunden habe. Das Problem ist nur, dass ich es immer noch nicht gefunden habe. Die Straße habe ich mittlerweile entdeckt, aber einfach nicht die Gallerie. Dafür ein Jüdisches Kulturzentrum, auch sehr interessant; und ich kenne nun viele kleine Nebenstraßen. Aber ich gebe nicht auf und werde diese Woche so lange die "Wuliza Tolstogo" rauf und runter laufen bis ich endlich dieses Museum finde.

Neben nach wie vor anhaltenden größeren und kleineren Orientierungsproblemen und der Tatsache, dass ich in dieser Millionenstadt auch nach wie vor keinen Stadtpland geschweige denn Busplan auftreiben konnte, habe ich wenigstens ein neues Klischee über deutsche Frauen kennengelernt. Und zwar :"groß, dick, muskulös". Und die Person, die mich über diese Frauenbild informiert hat, war dann auch noch tatsächlich davon überzeugt, dass ich keine Deutsche sein könne, da ich nicht in dieses Bild passen würde.

Da ich schon gut damit dabei bin, mache ich einfach weiter mit Gedankensprüngen. Meine Gedanken sind "früh" um neun einfach noch etwas unsortiert. Apropos unsortiert: Einige Freunde in meiner Heimat Deutschland unterstellen mir ab und mal sehr diskret, dass ich verträumt wäre. Diese Problematik kann ich durchaus nicht immer verneinen und habe mir manchmal selbst etwas Sorgen gemacht, wie wohl meine Schüler damit umgehen werden; und ich muss sagen: hier in der Ukraine sehr gut. Ich hoffe, dass meine Schüler in Deutschland da auch so viel Verständnis haben werden. Also manchmal passiert es, ohne dass ich es merke, dass ich kurz Gedankenversunken aus dem Fenster schaue (da gerade ein Vogel vorbeifliegt ;) ), aber meine Schüler sind dann immer ganz geduldig mit mir und warten einfach bis ich weiterspreche. Hin und wieder verträume ich auch den Beginn der Schulstunde und sitze an meinem Pult bis ich realisiere, dass meine Schüler schon alle stehen und auf meine Begrüßung warten. Sie haben sich aber wirklich sehr gut an mich bzw. daran gewöhnt und warten einfach bis es dann los- bzw. weitergeht.

Ich habe ja auch noch gar nicht erwähnt, dass ich hier ja in Schreibschrift an die Tafel schreiben muss Mittlerweile klappt das ja wieder ganz gut, aber gerade in der ersten Woche hatte ich tatsächlich große Schwierigkeiten. Immerhin liegt es Jahrzehnte zurück, dass ich dazu gequält wurde in Schönschrift Schreibschriftbuchstaben in mein Heft zu malen und dann einen Teddyaufkleber bekommen habe, wenn es besonders gut der Norm entsprochen hat. Ich habe mich hier dann tatsächlich hingesetzt  und in einem Schreibheft die deutsche Schreibschrift wieder eingeübt, da mir nur noch die Druckschrift geläufig war. Aber was man einmal gelernt hat, vergisst man ja angeblich nicht und muss nur die richtigen "Schubladen öffnen" ;).

Letzter Gedankensprung: Ich ziehe ein erstes Resümee: Ich bin tatsächlich schon seit einem Monat hier und sehr froh, dass ich vor einem Jahr die Ukraine als mein erstes Wunschland angegeben habe, als ich mich für dieses Praktikum beworben habe. Ich habe für mich gefühlt schon einiges dazugelernt und bin auch mit einigen Dingen konfrontiert worden, mit denen ich so im Vorfeld nicht gerechnet hatte. Aber das macht ja solche Reisen gerade interessant. Die Stadt selbst beeindruckt mich jeden Tag aufs Neue, allerdings ist es sehr schade, dass es tatsächlich nicht ungefährlich ist hier bei Einbruch der Dunkelheit alleine rumzulaufen. Da es dazu gar kein leichtes Unterfangen ist, so ganz ohne Russischkenntnisse Kontakte zu knüpfen heißt das, dass es oft Abende gibt, die man gezwungenermaßen zu hause verbringt anstatt voller Neugierde alles zu entdecken. Dennoch ist das Praktikum in Odessa und das ganze Drumherum eine gute Sache und ich freue mich schon darauf, wenn es im April dann auch mit rumeisen losgeht.

Kunst? Was ist das?

19:58, 9.03.2010. Von schokokugel

Neulich habe ich einen Artikel über die Ukraine und die Probleme von Ausstellungen, kleinen Galerien und Konzerten, Lesungen gelesen, in dem es darum ging, dass es Künstler nach wie vor sehr schwer hätten Akzeptanz zu finden und sich schlicht weg nur sehr wenige hier, für eine Art kulturelles Leben interessieren beziehungsweise einsetzen. Ich habe dieses Artikel gedanklich erstmal mit einem Fragezeichen versehen, da es hier in Odessa ja durchaus Ausstellungen und so gibt. Also bisher war ich immer eine von wenigen Besuchern, aber das liegt vielleicht wirklich an dem mangelnden Interesse/Verständnis für kulturelle Dinge, wie mir heute ein Dialog zwischen meiner Gastmutter und mir gezeigt hat:

Gasttochter Jana zur Gastmutter Valentina: "Bis später, ich gehe jetzt in die Stadt"

Gastmutter: "Wo gehst du denn hin"

Gasttochter: "Ins Museum"

Gastmutter:" Oh, du Arme, warum MUSST du denn ins Museum"

Gasttochter (lacht etwas): "Ich muss nicht, ich gehe dort freiwillig hin"

Gastmutter (erstaunt): " Echt? und was machst du dort?"

Gasttochter: "Ich schaue mir dort Bilder an von einem ukrainischen Maler"

Gastmutter: "Echt, sowas gibts? mh, ok, vielleicht ist es ja interessant für dich, aber Frauen von hier gehen nie ins Museum!"

Also wenn das eine verbreitete Ansicht über Kunstausstellungen und andere kulturelle Dinge ist, dann kann ich jetzt den Artikel von neulich etwas besser verstehen ;).

So viel zur Ausstellung: Ich habe sie leider nicht gefunden. Ich habe zwei Stunden die Straße gesucht und kenne gefühlt langsam tatsächlich die gesamt Innenstadt, aber irgendwie schien es die Straße, die ich zumindest auf der Karte gefunden habe, in echt nicht zu geben. Ich werde morgen trotzdem noch mal einen Versuch starten ;).

Frösche und Exit

11:05, 8.03.2010. Von schokokugel

Zunächst einmal hatte ich ein schönes, verlängertes Wochenende. Ich kannte ihn bisher nur vom Hören und Sagen, aber in der Ukraine wird der Internationle Frauentag groß gefeiert und ist hier auch ein gesetzlicher Feiertag. In der Schule gab es seit Mittwoch immer wieder Veranstaltungen für die weiblichen Lehrkräfte und Schülerinnen und am Freitag hat das gesamte Kollegium einen netten Ausflug in ein Cafe gemacht, wo es selbstverständlich mal wieder Vodka und Whiskey gab, viele gute ukrainische Leckerbissen und Livemusik mit Keyboard und Gesang ;). Es hat keine halbe Stunde gedauert, die ersten Flaschen waren geleert, und alle haben mitten am Tag ausgelassen gefeiert und getanzt.

Am Samstag habe ich auch endlich einen Ort gefunden, der mich etwas an das gute alte Glashaus erinnert. Hat immerhin drei Wochen gedauert, aber ja, auch in Odessa gibt es "normale" Orte und ich konnte mich unbeobachtet frei bewegen auch ohne Highheels und Minirock (ich gebe es zu, ich bediene mich hier gerade etwas dem Klischee, aber es wird  durchaus sehr  oft bestätigt ;) Der Club war in einer Art Kellergewölbe, die Wände waren voll mit Plakaten und Wandgemälden und es gab Sambuca und leckeres ukrainisches Weißbier. Ich kam auch gerade pünktlich zum LiveKonzert...ich habe zwar von den russischen Texten nichts verstanden, aber die Musik und Atmosphäre waren dennoch sehr schön. Den Exit Club werde ich ab sofort bestimmt öfters besuchen und in alten Glashaus-Erinnerungen schwelgen :).

Art Club Exit

 

Die vegetarischen Leser können hier gerne aufhören weiterzulesen:

In meiner Liste an probierten Nahrungskuriositäten sind ab sofort auch Froschschenkel zu lesen. Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass mich jemand mal dazu bringen könnte Frösche zu essen, aber heute wurde ich halb dazu gezwungen und anscheinend war ich auch in der passenden Froschlaune und muss sagen, dass ich das durchaus weiterempfehlen kann. Ist zwar keine ukrainische Spezialität, aber  trotzdem sehr lecker.

Ich war mit meiner Familie nämlich anlässlich des Frauentags essen und hatte ursprünglich nur etwas mit Fisch bestellt und hatte mich über die "Frogs" auf dem Menü eigentlich lustig gemacht. Meine Gastfamilie hat das wohl irgendwie falsch interpretiert und kurze Zeit später war ich dann mit einem Teller an Froschschenkeln konfrontiert und keiner hat verstanden, dass ich das eigentlich eben nicht essen wollte. Unhöflich wollte ich auch nicht sein und nachdem mir alle schon einen Guten Appetit gewünscht hatten, habe ich es einfach mal probiert.

Frösche und Gastfamilie

"Lass keine Träne im Glas"

22:42, 3.03.2010. Von schokokugel

Bevor ich wieder etwas mehr über die ukrainische Trinkkultur erfahren habe, war zunächst wieder Unterricht mit meiner 8. und 9. Klasse angestanden.

Hat mal wieder echt Spaß gemacht...ich bin immer wieder erstaunt, wie fit einige von den Schülern sind und wie gut sie dabei sind. Also ist schon hier und da mal ne vergessene Hausaufgabe dabei, aber da ich ja selbst nicht gerade die vorbildlichste Schülerin war, drücke ich da natürlich sehr gerne paar Augen zu. Außerdem habe ich heute dazugelernt, dass sie moderne Technik selbstverständlich auch schon die Ukraine beherrscht. Ich wurde nämlich tatsächlich herzlich ausgelacht, als ich meine Schüler/innen bei dem Thema "Brieffreunde" gefragt habe, ob sie denn noch richtige Briefe schreiben würden. Tatsächlich schreiben alle nur noch emails. Also ich habe "damals" noch richtige Briefe geschrieben ;), das konnten meine Schüler kaum glauben.

Was mich auch sehr gefreut hat: Gestern gab es hier einen Elternabend und meine betreuende Deutschlehrerin Razifa hat mir heute gesagt, dass ihr so gut wie alle Eltern gesagt haben, dass ihren Kindern der Unterricht mit der "richtigen deutschen Lehrerin" sehr viel Spaß macht und dass sie ab sofort gerne immer in denen neuen Gruppen unterrichtet werden wollen, da sie dort mehr lernen. Das war natürlich ein sehr schönes Feedback für mich.

Nach der Schule stand heute das erste Seminar für die Deutschlehrerinnen aus dem Bezirk an. Zunächst war ich etwas nervös, da alle viele Jahre älter waren als ich, aber die Atmosphäre war dann sehr entspannt und die Lehrerinnen haben sich einfach gefreut eine Muttersprachlerin zu hören und haben auch gut mitgearbeitet. Ich habe mit ihnen Ausdrücke und Redewendungen im Deutschen gemacht, kam zum Glück ganz gut an.

Anschließend saßen wir noch gemütlich zusammen und haben gegessen und getrunken, wie es hier üblich ist, sobald mehrere Menschen zusammenkommen und irgend etwas gemeinsam machen. Dabei habe ich gleich wieder einen neuen Trinkspruch gelernt: "Lass keine Träne im Glas" ;). Die Damen waren auch wirklich sehr trinkfest. Ich habe ein halbes Glas Whiskey getrunken und alle anderen ungefähr 4 oder 5, zumindest war die Flasche äußerst schnell leer und alle waren sich einig, dass man beim nächsten Treffen zwei Flaschen bräuchte. Meine 60-Jährige Chefdeutschlehrerin meinte auch zu mir, dass ich mir keine Sorgen machen bräuchte und dass sie mir schon noch beibringen würde, wie man ordentlich was verträgt :D. Also ist ja nicht so, dass ich nicht auch trinkfest wäre, aber Vodka und Whisky gehörten bisher eben noch nicht zu meinem Standardrepertoire, das ist durchaus etwas milder ;).

 

wie jetzt?!

11:44, 27.02.2010. Von schokokugel

Also wie ist ist das jetzt bitte genau mit der russischen Sprache und der ukrainischen? Eigentlich soll hier landesweit die Amtssprache ukrainische sein, vor allem seit der Unabhängigkeit des Landes 1991. Aber in Odessa wird nur russisch gesprochen und die ukrainische Sprache doch tatsächlich als "Bauerndialekt" abgetan, auch der Bürgermeister Hurwiz ist Vertreter der russischen Sprache. Hingegen scheint es im Westen des Landes mit zu den größten Tabus zu gehören einfach auf russisch loszureden, ohne vorher um Erlaubnis gebeten zu haben auf russisch reden zu dürfen. Wenn man dann auch noch im Restaurant nach einer Menükarte in der russischen Sprache fragt, dann ist es wohl endgültig gelaufen mit dem Aufbau neuer sozialen Kontakte und die versalzene Suppe ist auch gewiss ;).

In den Schulen scheint es wohl ähnlich zu sein. An meiner Schule wird selbstverständlich auf russisch unterrichtet und es gibt extra Unterrichtsstunden zur russischen Literatur. Ukrainisch wird als Fremdsprache gelehrt. Im Westen hingegen ist ukrainisch die Unterrichtssprache und russisch eine Art Fremdsprache.

Wie es auch sei...russisch und ukrainisch kann dann doch irgendwie jeder, nur die Akzeptanz einer der beiden Sprachen ist äußerst polarisiert. Vergleichen kann man die Nähe dieser beiden Sprachen wohl mit der Ähnlichkeit zwischen deutsch und niederländisch. Aber so richtig klar ist mir der Gebrauch von ukrainisch und russisch dennoch nicht.

Auch im Fernsehen wird das nicht ganz deutlich. Entweder gibt es russische Filme mit ukrainischen Untertiteln oder umgekert. Aber ich dachte die Einwohner dieses Landes beherrschen beiden Sprachen?! Hm, also zumindest behaupten das die Meisten. Wozu also Untertitel?

Noch habe ich ja etwas Zeit diesem Sprachmythos auf die Spuren zu kommen, aber eines scheint sicher: Durch den neunen, pro-russisch eingestellen Präsidenten Janukowytsch wird es die ukrainische Sprachkultur wahrscheinlich wieder etwas schwieriger haben.

"A foreign affair"

11:51, 26.02.2010. Von schokokugel

Die Woche war sehr schullastig, aber deswegen bin ich ja schließlich auch da :). Es hat aber wirklich viel Spaß gemacht...Bei der 5. Klasse werde ich erst ab Montag richtig einsteigen aber "meine" 8. und 9. Klasse habe ich ab dieser Woche selbstständig unterrichtet. Sind (bis jetzt) echt zwei tolle Klassen. Klar, heute am Freitag bißchen schwer zu motvieren, aber wer hat Freitag, 6. Stunde, schon Lust auf Deutsch bzw. überhaupt auf Schule. Ansonsten kann ich nur sagen, dass es mir sehr viel Spaß macht. Ich glaube den Schülern auch. Sie stellen immer viele Fragen in den Pausen, wollen viel über Deutschland wissen und sagen auch, dass ihnen der Unterricht gefällt. Alles gut also.

Nicht ganz so erquickend war heute ein Flyer, den mir eine nette ukrainische Dame auf der Straße in der Innenstadt in die Hand gedrückt hat. Ich habe doch tatsächlich eine Einladung für ukrainischen Frauen bekommen zu einem Verkupplungsabend mit westeuropäischen und amerikanischen Männern. Slogan: "A Foreign Affair...Change your Life forever", darauf abgebildet ein "süßes" Hochzeitspaar mit dem Titel "Scott+Ira=Love"...Alles klar. Na dann weiß ich ja, was ich zu tun habe.

Also zuerst fand ich es irgendwie witzig, aber dann doch gar nicht mehr so sehr. Zum einen wegen der Tatsache, dass viele Menschen hier immer noch sehr wenige Möglichkeiten haben, trotz guter Bildung, Fuß fassen zu können und gerade Frauen in so etwas tatsächlich eine große Chance sehen. Zum anderen, weil ich mich dann doch etwas darüber gewundert habe, wie ich wohl wirke, dass ich als potentielle Kandidatin für so etwas gesehen werde. Vielleicht hätte ich mir die schwarze Handtasche neulich doch sparen sollen ;). - Ja, ich habe mir tatsächlich eine schwarze Handtasche gekauft. Ich gebe es zu.

Ich bin in der Schule doch tatsächlich gefragt worden, ob ich keine "richtige" Handtasche hätte (was ich bis dato tatsächlich nicht besaß). Zudem wurde ich darauf hingewiesen, dass ich mir ein zweites Paar Schuhe mit in die Schule nehmen soll, um in der Schule nicht mit den Stiefeln rumzulaufen, die ich auch auf der Straße trage. Also passte ich mich an und habe mir eine schwarze Handtasche besorgt und bringe jeden Tag in einer schicken Plastiktüte ein 2.Paar Schuhe mit an die Schule.

Russische Karaoke

22:16, 21.02.2010. Von schokokugel

Aber erstmal zum Tag...war nämlich echt interessant heute (zumindest aus meiner Sicht). Ich durfte zwar noch vor Sonnenaufgang aufstehen aber dafür das erste Mal in den Genuss kommen hier Straßenbahn zu fahren, um an der Deutsch-Olympiade teilzunehmen zu können. Diesmal zum Glück nicht mehr als Prüfling, sondern auf der "anderen Seite".

Diese Olympiade findet einmal im Jahr statt und die besten Schüler im Fach Deutsch der einzelnen Gymnasien Odessas dürfen hier ihr Können unter Beweis stellen. In verschiedenen Einheiten - Schreiben, Hörverstehen, Mündlichkeit - werden dabei die Kenntnisse der Schüler gestestet und bewertet. Den Schülern bedeutet diese Olympiade sehr viel. Einerseits waren alle sehr nervös und andererseits haben sie die Möglichkeit eine Reise nach Deutschland zu gewinnen, sofern sie den 1. Platz belegen und dann bei einem allukrainischen Wettbewerb ein weiteres Mal gewinnen.

Eine der Schülerinnen aus meiner Klasse hat sogar den 1. Platz gewonnen, zwei den 3. Platz. Meine betreuende Chefdeutschlehrerin war unheimlich stolz, da sie diese Mädels schon seit einigen Jahren begleitet und ich habe mich, auch wenn ich erst seit einer Woche hier bin, auch sehr für alle mitgefreut (und war auch etwas stolz auf die jungen Damen, sie haben wirklich toll gearbeitet).

Nach der Olympiade gab es dann für alle Lehrer ein Abschlussessen, auf dem ich sämtliche ukrainische Spezialiäten probieren konnte. Einfach nur äußerst lecker. Der Vodka war obligatorisch und zu unzähligen Reden und Ansagen wurde in einer Regelmäßigkeit von ca. 3 Minuten immer wieder angestoßen :) ... Meine Deutschlehrerin hat mir auch "beigebracht", dass ich so viel von dem Essen nehmen soll wie es nur möglich ist, denn je mehr ich esse, desto weniger spüre ich den Alkohol und desto mehr könne ich trinken ;)!

Als ich am späten Abend dann endlich nach hause kam, war ich ungefähr 1 Minute da und dann gings gleich weiter in die Stadt. Erstmal zu einem kleinen, feinen Jazzkonzert und darauf hin in eine russische Karaokebar. Sehr zu empfehlen :D. Man ( bzw. Ich) versteht zwar nichts, aber die Stimmung ist genial und alle feiern mit.

vonwegen

13:27, 19.02.2010. Von schokokugel

Irgendwie haben mir vor meinem Start nach Odessa viele gesagt, wie lieb und nett die Schüler in der Ukraine bestimmt wären und dass ich erstmal viele gute Eindrücke von vielen lieben Kindern/Jugendlichen sammeln werde bevor ich ab Septmber mit der "harten Lehrerrealität" an bayerischen Realschulen konfrontriert werde ;). Aber vonwegen liebe, nette, wohlerzogene ukrainische Kiddies. Nach einer Woche habe ich heute die erste Schulstunde gehalten, in der keine meiner Deutschlehrerinnen  dabei saß. Das habe ich allerdings erst eine Minute vor Unterrichtsbeginn erfahren und übrigens auch, dass ich diese eine Schulstunde überhaupt halten sollte.

Immer noch stark beeinflusst von meinen 45min von vorne nach hinten durchgeplanten Unterrichtsentwürfen von zu hause, in denen minutiös jeder einzelner methodische Schritt durchgedacht ist, waren diesmal meine Improvisationskünste gefragt. Aber meine Muttersprache ist ja immer noch deutsch und das Thema "Reisen" und die Wiederholung von verstärkenden Adjektiven konnte ich mir dann doch noch aus dem Ärmel schütteln ;). Hätte auch eigentlich Spaß gemacht, wenn die Schüler nicht unentwegt laut gewesen wären und nicht ständig dazwischen gequatscht hätten (auf russisch).

Meine Möglichkeiten die Schüler auf russisch zu ermahnen sind nun mal gar nicht vorhanden und ich musste dann tatsächlich ziemlich laut werden, damit sie zugehört haben. War schon etwas ungewohnt.

Aber es gibt zum Glück auch Klassen, die unheimlich nett sind und sehr gut mitarbeiten. Beziehungweise wurden extra Gruppen gebildet mit den Schülern, die die besten Noten im Fach Deutsch haben oder sehr an der Sprache interessiert sind. Diese Klasse sind zum Glück wirklich sehr nett und auch motiviert etwas zu lernen.

290 Tage Sonne...

19:32, 18.02.2010. Von schokokugel

... soll es in Odessa geben. Über diese Bilanz bin ich neulich gestolpert. Bis jetzt traue ich dieser Aussage aber noch nicht ganz. Bis auf den sonnigen Sonntag hat es entweder geschneit, geregnet oder beides. Zudem hat hier über Nacht Tauwetter eingesetzt, womit sich die Eis- und Schneeschichten über die ich mich bereits "beschwert" habe, in Seen, Bäche und Riesenpfützen auf den Straßen und Gehwegen verwandeln. Von unten Wasser, von oben Wasser, von der Seite Wasser (dank der Autos, die natürlich genau durch das mit wassergefüllte Schlagloch fahren, neben dem man unbemerkter Weise verträumt steht und darauf wartet, dass die Fußgängerampel endlich grün wird)...Also nach wie vor ist das Besichtigen der Stadt eine sehr nasskalte, ungemütliche Angelegenheit.

Trotz nasser Füße habe ich heute das "Bayerische Hause" gefunden. Ja, das gibt es hier tatsächlich. Eine deutsch-ukrainische Begegnungsstätte und Kulturzentrum. War schon etwas seltsam mitten in Odessa ein Gebäude zu betreten, in dem man selbstverständlich mit "Guten Tag" begrüßt wird. Wie mir dann erklärt wurde, arbeiten dort hauptsächlich Ukrainer, die Deutsch studiert haben und für diverse Projekte und Sprachkurse eingesetzt werden, die mit der deutschen Sprache und Kultur in Verbindung stehen. Eine nette Dame hat mir dann die Bibilothek gezeigt und erklärt, die dazu auch noch Schweinfurt kannte (Sie hatte längere Zeit in Würzburg gearbeitet und auch Ausflüge in die schönste Industriestadt am Main gemacht ;) ).

Ich bin wirklich sehr überrascht, wie viele Menschen ich in dieser einen Woche getroffen haben, die sich wirklich sehr für das Deutsche interessieren und auch sprechen können. Wenn das so weiter geht, dann wird das wirklich sehr schwierig mit dem Russisch lernen.

Katzenklo

21:23, 16.02.2010. Von schokokugel

Das ist unser Treppenhaus. Im Vorfeld war mir irgendwie nicht bewusst, wie so einiges, dass es hier unheimlich viele herrenlose Katzen und Hunde gibt. Die müssen natürlich auch mal ihr Geschäft verrichten und das scheinen sie bevorzugt in dem Treppenhaus des Hauses zu tun, in dem ich wohne. Das heißt, dass mir jeden Morgen eine Brise aus Chlor und Katzen*** entgegenduftet. Dafür bin ich immer besonders schnell vom fünften Stock im Erdgeschoss.

Zudem gibt es erste geographische Erfolge zu feiern. Ich habe nicht nur alleine meine Haltestelle zur Schule gefunden, sondern auch das Stadtzentrum.

Ok, also das Ganze war mit Hindernissen verbunden, aber trotzem habe ich mein Ziel erreicht. Im Stadtzentrum war ich immerhin nach einer Stunde (statt zehn Minuten) und bei der Hinfahrt zu meiner Schule habe ich im Bus einen jungen Mann angesprochen, um nach dem richtigen Zeitpunkt zum Aussteigen zu fragen. Dieser konnte glücklicherweise auch etwas "angliski". Das Gespräch hat aber anscheinend auch eine ältere Dame mitbekommen und verstanden, da sie mich an meiner Haltestelle "Steopwaja" mit einem netten "Da, da" (russisch für "ja" ;) ) einfach aus dem Bus gestoßen hat und ich nur noch die Möglichkeit hatte zu versuchen, halbwegs normal auf dem Eis zu landen.

In der Schule war soweit alles gut. Ich freue mich schon darauf, wenn nächste Woche dann der richtige eigenständige Unterricht startet. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich die Arbeit mit den Schülern auf Dauer gestaltet. Ich werde nämlich wahrscheinlich etwas anders unterrichten, als die  örtlichen Deutschlehrerinnen. Diese sind fachlich und sprachlich wirklich sehr gut aber so energisch vor den Klassen, dass vieles wie Schreien wirkt, auch wenn es natürlich nicht der Fall ist. Auch das Tempo ist ziemlich schnell. Methodisch muss ich echt mal sehen, wie ich mich da anpassen kann, aber dürfte mir schon etwas schwer fallen.