11.09.08 - und wieder ein besoffener Hospitaliero
13.09.2008

Als ich munter werde und mich im Bett aufrichte, laesst mich ein Blick aus dem Fenster gleich wieder niedersinken.

Draussen regnet es heftig und waehrend der Nacht ist eine echt grausige Kaelte in den Schlafraum gekrochen.

Als ich nach Stunden endlich wieder die Augen aufmache, bin ich alleine und der Regen hat sich verzogen.

Die Gegend hier ist ja extrem schoen, die Berge und das Meer verleihen den Ambiente einen gewissen Zauber.

 Die tausenden Autos jedoch, die mir jeden Tag auf der Strasse begegnen, machen diesen Zauber gleich wieder kaputt.

Ich komme durch eine kleine Statt (Luarca), die mit der einen Seite an der Kueste liegt und mit der anderen Seite in den Berg gebaut ist.

Auf den letzten Heusern der Statt, hoch oben am Berg, ist der Ausblick auf das Meer sicher fabelhaft.

Kurz nach Luarca erreiche ich Almuna, dass fuer heute mein Ziel ist.

Almuna ist ein kleines Bergdorf, die Herberge ist soweit sauber und gepflegt.

Der Hospidaliero ist zwar auch besoffen, steht in der Kueche herum und singt, doch er geht keinen und vor allem mir nicht auf die Nerven.

Unlaengst hat mich ein anderer Pilger gefragt wie ich 1300 km schaffe, da er sich nach 500 schon wie ein Opa fuehlt.

Lg Andreas

Geschrieben von Andreas um 17:53
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10.09.08 - geile Klippen
13.09.2008

Der mittlerweile wieder ausgenuechterte Hospitaliero, laesst sich nur kurz blicken, da ihn vermutlich so einiges von gestern peinlich ist.

Ich geniesse noch ein mal den Ausblick auf die Klippen bevor ich aufbreche.

Heute versuche ich so weit es geht von der N-634 fern zu bleiben.

Ich laufe die ersten 4 Stunden auf Feldwegen in der Naehe der Kueste und die Aussicht ist teilweise echt atemberaubend.

Der Atlantik versucht mit riesigen Wellen, die hohen Mauern aus Fels zu zermalmen, die Gischt spritzt teilweise 10-15 Meter hoch.

Ich stehe bei einer Klippe und spuere kleine Wassertropfen, die entstehen, wenn sich das Meer 30 Meter unter mir an den Felsen zu schaffen macht.

Als ich durch Zufall wieder auf der N-634 lande, bemerke ich mit entsetzen, dass ich in den 4 Stunden nur 7 km geschafft habe.

Ich entschliesse mich auf der Strasse weiter zu laufen, da ich noch vor Sonnenuntergang in Pinera sein will.

Im September sind dauern irgend welche Fiestas in Spanien, dies ist fuer die Essensbeschaffung problematisch, da die Geschaefte nur am Vormittag offen haben.

Ich bin heute extrem erledigt, vermutlich weil die Sonne sehr hart auf mich heruntergebrannt hat.

Die Herberge in Pinera ist in einer alten Schule untergebracht und scheint soweit ok zu sein.

Ich freue mich schon auf das Schlafen, da ich unglaublich muede bin.

Lg Andreas

Geschrieben von Andreas um 17:39
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09.09.08 - besoffener Hospidaliero
13.09.2008

Erstaunlicherweise habe ich heute Nacht gut geschlafen, den Sofa sollte ich mir mitnehmen :-)

Nach Ribadeo beginnt Asturien und Galicien endet.

Die beiden Bezirke werden durch den Fluss "Eo" getrennt.

In Ribadeo gibt es eine gigantische Bruecke ueber den Fluss (Autobahnbruecke), jedoch ist diese fuer Fussgaenger gesperrt.

Da ich keine Lust auf Probleme mit einen spanischen "Freund und Helfer" habe, muss ich einen 30 km langen Umweg in das Landesinnere gehen.

Die meisten Pilger werden wohl die Bruecke mit dem Bus oder mit dem Taxi ueberquehren, zumal der Reisefueher dies als einzige Moeglichkeit darstellt.

Der Umweg bietet mir eine schoene gruene und sehr huegelige Gegend.

Endlich ist die andere Seite der Bruecke in Sicht und der Umweg ist somit geschafft.

Nachdem ich mich noch durch ein paar stark befahrene Kreisverkehre gekaempft habe, komme ich, als die Sonne bereits untergeht, in "Tapia de Casariego" an.

Die Herberge steht neben Klippen, die steil ins Meer fallen.

Die Aussicht ist ueberweltigend, die Herberge ist es eher weniger.

Die Herberge ist abgewohnt und dreckig und der Hospitaliero ist stock besoffen.

Ich trage mich selbst in die Gaesteliste ein, da der Hospidaliero anscheinend nicht mehr in der Lage ist, dies zu erledigen.

Waehrend ich mir einen Salat mache, quatscht mich der Kerl dauernd voll (auf Spanisch, da er nur Spanisch kann).

Endlich bin ich fertig mit meiner Salatmacherei, da greift der Besoffene doch glatt nach meinen Salat, was natuerlich ein Sakrileg fuer mich ist, denn ich habe heute noch nichts gegessen.

Wutentbrannt haue ich auf den Tisch, das Besteck hebt ab und fleigt durch die Gegend.

Diese Geste der averbalen Kommunikation, hat er offensichtlich doch verstanden und geht ab den Zeitpunkt den Anderen auf den Wecker.

Nach dem Essen gehe ich bald schlafen.

Lg Andreas 

Geschrieben von Andreas um 17:21
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08.09.08 - brenzliche Stellen
13.09.2008

Heute geht es mir viel besser als gestern, der regenerations Tag hat mir echt gut getan.

Von Lourenza aus stuerze ich mich gleich wieder auf die N-634.

Da heute Montag ist, ist auch mehr Verkehr als gestern.

Auf diesen Abschnitt der Strasse gibt es ein paar sehr brenzliche Stellen, da weder Pannenstreifen noch Bankett vohanden sind, doch ich meistere auch diesen Teil, immer bereit einen Hechtsprung in den Strassengraben zu machen.

Auf jeden Fall schaerft mir die N-634 die Sinne, da ich zu jeden Zeitpunkt auf Gefahren achten muss.

Am Morgen war es so kalt, dass man den Atem sehen konnte und nun brennt die Sonne so hart auf mich nieder, dass mir der Schweiss von der Stirn tropft.

Wenn ich mir mit der Hand den Schweiss von der Stirn wische, sehe ich tausende Russpartikel, von den starken Verkehrsgewuehl.

Ribadeo ist eine Statt mit beinahe 10000 Einwohner, dies macht das Finden der Herberge wieder mal zu einen Abenteuer.

Nach geraumer Zeit finde ich die Herberge in der Naehe des Meeres.

Da schon alle Betten belegt sind, werde ich mit einen Sofa vorlieb nehmen muessen.

Der Ausblick auf das Meer ist wirklich toll und die Abendsonne verleiht den Ambiente einen zauberhaften Glanz.

Lg Andreas

Geschrieben von Andreas um 17:08
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07.09.08 - Erschoepft!
7.09.2008

Diese Nacht habe ich ziemlich heftig gefrohren, vermutlich weil ich die letzten beiden Tage uebertrieben habe.

Zum Fruehstueck mache mich mir einen ganzen Topf warmen Tee, der den Frost so halbwegs aus den Gebeinen treibt.

Eigentlich koennte ich heute das Meer erreichen, doch dies wuerde bedaeuten wieder 40 km zu laufen.

Nach wenigen Kilometer gibt mir mein Koerper zu verstehen, dass mich diese 40 km ausser Gefecht setzen wuerden, deswegen entscheide ich nur 10 km nach Lourenza zu gehen.

Endlich habe ich wieder Zeit und Kraft Waesche zu waschen und andere Dinge in Ordnung zu bringen.

Morgen werde ich Ribadeo ins Visier nehmen.

Lg Andreas

Geschrieben von Andreas um 15:29
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06.09.08 - Camino del N-634
7.09.2008

Dieser Tag ist vollkommen der N-634 geweiht.

Am Morgen ist es kalt und bewoelkt, es beginnt immer wieder leicht zu regnen und der Wind ist eisig.

Ein Englaender hat vor kurzem zu mir gesagt, dass das Wetter in Gallicien durchaus mit dem Wetter in seiner Heimat zu vergleichen ist.

Diese Strasse ist so stark befahren, dass ich mir manchmal wie auf einer Autobahn vorkomme.

Die Windstoesse der vielen LKWs kosten mich einiges an Kraft.

Viele Leute, vor allem die juengeren hupen und winken mir zu, die meisten Autofahrer jedoch, schaffen es einfach nur bloed zu schauen.

Einmahl musste ich mich vor einen durchgeknallten LKW-Fahrer in den Strassengraben retten, da dieser das Bankett + Pannenstreifen fuer sich in Anspruch nehmen wollte.

Entlang der Strasse gibt es ein paar kleine Ortschaften mit ueberdachten Bushaltestellen, die ich am vortgeschrittenen Nachmittag zum ausruhen verwende.

Am Abend komme ich in Mondonedo an, ich bin total erschoepft nach den 36 km auf der N-634.

Den Schluessel fuer die Herberge muss ich mir erst von der Polizei besorgen.

Die Suche nach Polizei und Herberge gestalten sich nochmal zu einen Abenteuer.

Nach einen schmackhaften Salat und warmen Tee gehe ich gleich schlafen.

Lg Andreas

Geschrieben von Andreas um 15:16
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05.09.08 - Regen, Regen, Regen, Kaelte, Wind....
7.09.2008

Als ich am Morgen aufwache, kriecht mir die Kaelte in die Beine. Es regnet heftig und die Baeme biegen sich im Sturm.

Ich habe mein Gewand auf der Waescheleine vergessen, was eigentlich egal ist, denn bei diesen Wetter ist sowiso bald alles komplett nass.

Nach einen guten Fruehstueck stuerze ich mich in den Regen.

Die ersten Kilometer laufe ich durch Wald und es ist wenigstens windstill.

Nach ein paar Stunden erreich ich die N-634, diese Strasse fuehrt bis kurz vor Bilbao, daher werde ich die naechsten Wochen, jener meine Gesellschaft aufdraengen.

Meine Schuhe sind mittlerweile total durchnaesst und meine Zaehen schmerzen vor Kaelte.

Der Wind peitscht mir seit vielen Stunden die kalten Regentropfen ins Gesicht und an Pause machen ist nicht zu denken, da mich das Wetter sonst voellig auskuehlen wuerde.

Die N-634 ist eine stark befahrene Strasse, zum Teil mit Pannenstreifen.

Immer wenn ein LKW vorbei faehrt, bekomme ich eine riesige Ladung Wasser aus den Spurrinen ins Gesicht.

Als die Daemerung einsaetzt, erreiche ich Vilalba.

Die Herberge ist ein riesiger Betonklotz, irgendwo im Industriegebiet.

Ich muss feststellen, dass es auf den Maennerduschen kein warmes Wasser gibt, deswegen stuerme ich, ohne Ruecksicht auf Verluste, die Damendusche.

Das warme Wasser fuellt meine Lebensenergie langsam wieder auf.

Ich muss mir neue Schuhe besorgen, da meine Stoffschuhe gerade am verschimeln sind.

Lg Andreas

Geschrieben von Andreas um 15:02
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04.09.08 - Niemandsland
7.09.2008

Zum Glueck hat der Regen in der Nacht aufgehoert.

Meine Schuhe und meine Klamotten sind noch immer feucht, aber was solls, ich mache hier ja keinen luxus Urlaub.

Heute habe ich vor, auf den Strassen zu wandern, da ich mich am Camino sowiso immer nur verlaufe.

Gestern hat mir ein Pilger eine Karte von dieser Gegend geschenkt, ich denke, dass ich das Teil gut gebrauchen kann.

Diese Gegend ist nur sehr spaehrlich mit Beuern besiedelt und die kleinen Strassen sind nicht auf meiner Karte eingezeichnet, somit laufe ich wieder einmal im Blindflug.

Das Hochland hier ist so Menschenleer, dass ich kaum jemanden finde, den ich nach dem Weg fragen kann.

Am Abend komme ich erstaunlicherweise tatsaechlich in Miraz an, Miraz ist ein extrem kleines Dorf mit einer Herberge.

Irgendwie habe ich schon damit gerechnet im Freien schlafen zu muessen.

Die Hospidalieros hier sind sehr freundlich und ich fuehle mich auf Anhieb wohl.

Lg Andreas

Geschrieben von Andreas um 14:52
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03.09.08 - Kloster in Sobrado
7.09.2008

Vorige Nacht haben mich drei Pottinger wach gehalten. Als die drei (je 150 kg) in das Zimmer kamen, habe ich sofort gewusst, dass ich diese Nacht nicht schlafen werde und genauso ist es auch gekomen. Ich habe nichts gegen extrem dicke Leute, zumindest nicht wirksames, doch eines haben alle Pottinger gemein, sie schnarchen wie die Hoelle! Zwei von meinen wohl genaehrten Freunden haben derart geschnarscht, dass das Stockbett gezitert hat und der dritte hat dazu im Tackt gefurzt. Dementsprechend ausgeschlafen bin ich heute.

Da ich keine Ahnung habe wo der Camino in dieser Statt einmuendet, gehe ich einfach richtung Norden los.

Nach ein paar Stunden stosse ich auf den Camino del Norte und versuche diesen zu folgen.

Es regnet die ganze Zeit in stroehmen und meine Energie ist rapiede am schwinden.

Nachdem ich mich oft im Wald verlaufen habe und stundenlang durch den Morast quehle, erreiche ich endlich Sobrado.

In Sobrado gibt es ein Kloster und ich finde dort Unterkunft.

Ich bin komplett durchgefrohren und zittere am ganzen Koerper, nachdem ich mich ein paar Stunden in meinen Schlafsack verkrochen habe, kommt langsam wieder Waerme in meinen Koerper.

Nach der Erhohlung quatsche ich noch eine ganze Weile mit ein paar sehr interessanten Leuten.

Schade, dass man am Rueckweg die Leute nur ein mal trifft.

Lg Andreas 

Geschrieben von Andreas um 14:39
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02.09.08 - Morgen beginnt das advanture!
2.09.2008

In dieser Nacht habe ich wieder schlecht geschlafen, da bei den Anderen Party angesagt war.

Es geht mir nicht mehr so schlimm wie gestern, doch wirklich schmerzfrei gehen kann ich noch nicht.

In Arzua angekommen, quartiere ich mich in die Herberge "La Fonte" ein. Die Herberge gefaellt mir, sie ist rustikal eingerichtet, sauber und bis jetzt bin nich noch alleine.

In Arzua (Statt kein Dorf) muendet der Camino del Norte in den Camino Franzes. Ich habe den Camino del Norte gesucht, jedoch nicht gefunden, was mir eigentlich ziemlich egal ist, da ich sowiso auf den Landstrassen laufen werde. In der schlecht markierten gebirgigen Gegend ist es mir einfach zu gefaehrlich zurueck zu laufen, da dort ein massives Verlaufen fix vorprogrammiert ist.

Ich sollte mir viel Wasser mitnehmen, da in den naechsten <100 km Gebirge kaum Doerfer zu finden sind. Wenn ich mich dort verlaufe bin ich echt verlohren.

Ich wollte mir zwar noch einen Kompass zulegen, habe jedoch leider keinen Trecking-Store gefunden.

Die Karte die ich fuer diese Gegend besitze ist sehr bescheiden, dass wird morgen ein echtes Abenteuer.

Geschrieben von Andreas um 15:31
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