20.03.2009 - Gulmarg/Kaschmir

Im Norden Indiens, auf 2650 Metern, mitten im tief verschneiten Fichtenwald liegt
Gulmarg. Wir (Andi, Stefan, Franz und ich) laufen zurück zu unserem Guesthouse
und freuen uns wie kleine Kinder auf morgen. Es schneit schon seit zwei Tagen
ununterbrochen und der Schnee ist so hoch wie ich. Andi sagt zu mir: „Morgen ist
unser Tag.“ Denn wir hörten, dass die Sonne wieder kommt.
Wir treffen am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein unseren Guide
Mamout, der uns aber gleich berichtet, dass die Gondel erst ab Mittag läuft. Die
Lawinenkommission muss erst ihre Arbeit verrichten. Mamout schlägt uns bis zum
Mittag eine Alternative vor: Abfahrt zur Passstrasse nach Babareshi. Also los. Wir
fahren mit dem Tata Geländewagen und indischer Musik zum Ausgangspunkt. Jetzt
sehen wir, was uns erwartet: 800 Höhenmeter Treeruns im feinsten Kaschmir-
Powder....
Der verschneite Fichtenwald ist ein Traum. Im hüfttiefen Powder surfe ich mit meinen
fetten Latten im Telemark um die Baumstämme herum, springe über Pillows und
lande danach wieder weich im Powder. Es ist eine wahre Freude für uns alle. Als wir
die Passstrasse erreichen, steht auch wieder unser Tata mit indischer Musik
abfahrtsbereit da. Ski und Rucksäcke aufs Autodach und los. Dieses Spiel
wiederholen wir dreimal bevor wir zurück zur Gondel fahren.


Wir sitzen eine Stunde an der Mittelstation (3050 m) und trinken Kaschmir Kawa Tee
(mit Kardamon, Zimt, Safran, Mandeln, Ingwer) und nix passiert. Ich sag zu Andi mit
einem Augenzwinkern: „Relax - this is Kaschmir!“ Eigentlich wäre heute „unser Tag“
am Mt. Aphawart. Es ist schon 14 Uhr, da kommt die indische Skipatrol zu uns und
sagt „No skiing this Day“. Ich denke mir „Relax - this is Kaschmir!“ und muss lachen.
Hier in Kaschmir läuft alles etwas entspannter ab und wir haben auch die Zeit dafür.
Im Gegensatz zu Europa teilen wir diesen Berg nur mit 50 bis 60 Freeridern aus der
ganzen Welt, die sich tagsüber in diesem riesigen Gebiet verlieren. Den Kampf
gegen die Pistenbullis gewinnt man auch ganz locker: Hier gibt es keine. Freeride!!!
Am nächsten Tag stehen wir an der Bergstation, die sich auf 3950 Höhenmetern
befindet und sehen in der Ferne den Nanga Parpat - einen der bekanntesten
Achttausender. Aber ohne Lift.
Fahren wir lieber hier am Mt. Aphawart. Wir haben die Qual der Wahl: Welchen Bowl
fahren wir zuerst? Zu unserer rechten Seite liegen die Sheenmai-, Hapat Khued-,
Trajan- und Drang Bowls und zu unserer linken Seite die Gondola-, Apharwat Süd,
Apharwat Nord und Chooti Nali Bowls.
Wir entschließen uns den Trajan Bowl zu zerpflügen. Jeder von uns hat den ganzen
Tag lang immer eine „first line“. Der feine Powder und das Gelände sind einfach
perfekt, um riesige Bögen hinein zu ziehen. Vereinzelt stehen kleine Kolonien von
Pepper Trees herum, die 90 Grad zum Hang wachsen. Nach 800 Höhenmetern purer
Freude queren wir nach links, um zurück zur Mittelstation zu gelangen. Wir vier
schauen uns an und jeder hat ein fettes Lachen im Gesicht. Also auf zum nächsten
Flug mit der Gondel, sagt Franz zu uns. Da hat er Recht. Wir fliegen zu unberührten
Hängen, die man sonst nur mit dem Helikopter erreicht.


Die nächsten Tage verbringen wir nicht anders, immer gleich: Frühstück, Surfen im
Powder, Kaschmir Kawa Trinken, Abendessen bei Roger (das wohl beste Essen in
Gulmarg) und Schlafen. Sechzehn Stunden Flug in eines der letzten Freeride-
Gebiete der Welt lohnen sich immer.
An unserem letzten Skitag hat unser Guide Mamout eine besondere Abfahrt für uns
auf Lager. 2500 Höhenmeter am Stück bis zur Ortschaft Drang. Mamout hat nicht
zuviel versprochen. Er führt uns erst über freie Hänge, danach durch einen
verschneiten Fichtenwald direkt ins Tal, wo wir bekannte, indische Musik hören.
Diese kommt natürlich aus unserem Tata-Taxi. Auf dem Weg nach Gulmarg halten
wir, um einen Kaschmir Kawa zu trinken. Es könnte der letzte für dieses Jahr sein.


Autor: Thomas Friedrich
Foto:  Franz Faltermaier
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