Meeting a "War Hero" – Vortrag von Theodore "Dutch" Van Kirk
15:49, 27.09.2008. Von PinguinAngefangen hat alles mit einer Email, die mich über meine GeorgiaTech Email-Adresse erreichte:
The Yellow Jacket Flying Club (YJFC) is proud to present Mr. Theodore "Dutch" Van Kirk, navigator of the Enola Gay. The Enola Gay was the B-29 Superfortress bomber that first dropped the bomb on Hiroshima, Japan to end World War II.
[...] the YJFC welcomes the Georgia Tech community to hear him speak about his experience as a war hero. If you are interested, please enjoy this once in a lifetime opportunity!
Diese "once in a lifetime opportunity" darf man sich natürlich nicht entgehen lassen. Etwas kritisch in der Email war, was Aline meine Meinung nach richtig anmerkte, dass er in der Email als "war hero" bezeichnet wird. Okay, vielleicht für die amerikanische Auffassung, aber die Email ging soweit ich weiß an alle GeorgiaTech Studenten. Die Möglichkeit, dass sich darunter auch japanische Studenten befinden, ist also durchaus gegeben, und was die über die Bezeichnung "war hero" denken mögen sei mal dahingestellt.
Wie auch immer, ich ging also vergangenen Dienstag zu dem Vortrag (ja, ich weiß, schrecklich der Zeitversatz. Donnerstag und Freitag waren halt zwei Assignments fälli) und hörte mir an, was der Herr zu erzählen hatte. Erfreulicherweise erwies er sich als sehr sympathisch. Inzwischen 87ig-jährig (sofern ich das richtig im Kopf habe) war er geistig noch gut drauf und erzählte in sehr lockerer und angenehmer Weise von seinen Erfahrungen. Er fing an wie er überhaupt zur AirForce kam, seine Ausbildung zum Navigator, wo er im Krieg eingesetzt war und wie ihn seine Wege dann letztlich nach Japan geführt haben. "Navigieren, damals, da war das noch anspruchsvoll - heute mit GPS kann das ja jeder", in diesem Stil erzählte er seine Lebensgeschichte.

Crew der Enola Gay
v.l.n.r. van Kirk (Navigator), Tibbets (Pilot), Ferebee (Bombenschütze)
Quelle: wikipedia.de
Als es dann um den eigentlichen Atombombenabwurf ging, zeigte sich, dass er es doch zumindest etwas differenziert sieht. Ich hatte schlimmeres befürchtet. Er meinte, kriegsentscheidend waren die Bombenabwürfe nicht, sie haben den Krieg nur verkürzt. Und nach seinen Worten waren die meisten japanischen Städte zu der Zeit schon ziemlich zerstört, die US Luftwaffe hatte ausreichend Bomber rund um Japan herum stationiert und diese auch schon eingesetzt. Zum Sinn der Bombenabwürfe meinte er in etwa, im Pazifik-Krieg sind jeden Tag Tausende gestorben, sowohl Amis als auch Japaner und Chinesen; und die Frage ist, wieviele Menschen mehr gestorben wären, wenn der Krieg noch länger gedauert hätte. Später gefragt ob er den Abwurf bereue, wurde aus seiner Antwort deutlich, dass er den Abwurf als Mittel im Krieg sah und der Krieg dadurch entscheidend verkürzt wurde. Sehr positiv empfand ich, dass er sich selbst nicht als "war hero" bezeichnete und auch in seinen Schilderungen kein heroischer Unterton war, sondern er es zwar nüchtern aber nicht langweilig schilderte.
Eine weitere Anektdote im Zusammenhang mit dem Abwurf war, dass die Crew am Abend vor dem Abwurf erfahren hatte, welchen Auftrag sie am nächsten Tag ausführen sollten (entspricht nicht dem was in der deutschen Wikipedia steht, wie dem auch sei ...). Und danach sollten sie sich schlafen legen. Er meinte dann, wie solle man in der Nacht schlafen? Er konnte nicht schlafen, und zwei weitere Crewmitglieder auch nicht. Und woher er das so genau weiß? Nun, weil die anderen beiden auch in der Pokerrunde mit dabei waren.
Zum Hintergrund des zweiten Abwurfs über Nagasaki meinte er, es ging darum zu demonstrieren, dass die Atombombe nicht eine einmalige Waffe sei. Japan habe auch ein Atomprogramm gehabt und die Wissenschaftler hätten gewußt, wie schwierig und zeitintensiv es ist ausreichend Material für eine Atombombe herzustellen. Und seiner Auffassung nach ging es bei der zweiten Bombe darum zu zeigen, dass Amerika eine Lösung gefunden hat um das Uran-Problem zu umgehen, indem sie Plutonium verwenden.
Wie auch immer man zu seinen Gedanken steht, ich teile seine Meinung sicher nicht uneingeschränkt, so muss ich doch anerkennen, dass er sich allen Fragen gestellt hat. Er hat auch vorausgeschickt, es gäbe keine indiskreten Fragen, nur indiskrete Antworten – im Prinzip also die Aufforderung einfach zu fragen. Und es gab auch nach seinem Vortrag einige kritische Fragen (was mich auch positiv überrascht hat) und er hat geantwortet. Nett fand ich irgendwie, als er gefragt wurde, ob er schonmal in Japan war, seine Antwort, dass er im Prinzip schon in den USA genügend Kritik abbekomme, so dass er nicht dafür auch noch nach Japan reisen müsse.
Bei all dem was ich bisher geschildert habe, sollte man nicht vergessen, dass es meine Eindrücke sind. Es mag sein, dass ich eine Formulierung falsch verstanden hab oder etwas falsch aufgenommen hab, daher keine Garantie für obiges :).
Ganz am Ende des Vortrags kam dann doch noch der "war-ja-klar" Moment: einer aus dem Publikum (bezeichnenderweise mit ner Basecap wie man sie kennt mit Aufdruck eines Schiffsnamens, ich hab sie nur nicht von vorne gesehn) dankte ihm dann noch "for your service". Er meinte dann auch kurz, sein Vater sei in der Normandie gelandet, etc. Ich dachte mir nur noch "okay, das war jetzt auch nicht nötig", es hätte meiner Meinung nach auch gereicht ihm einfach zu danken, dass er seine Geschichte erzählt hat und sich den Fragen gestellt hat. Aber das ist einfach meine Meinung dazu ...