Weihnachtsrundtrip - Tag 11 und 12

08:04, 5.04.2009. Von Pinguin

Mit dem Sonntag morgen brach nach einer (für mich) wunderbar erholsamen Nacht nun der vorletzte Tag unseres Rundtrips an. Ulfs Mitbewohner Alvaro lud uns für den Sonntag in den Gottesdienst einer spanischen Gemeinde ein. In Erinnerung an die Gottesdienste in Peru ließ sich Mila natürlich nicht zweimal einladen, und nachdem auch Ulf und ich neugierig waren, wie denn in der spanischen Gemeinde Gottesdienst gefeiert wurde, war die Entscheidung schnell gefallen. Davor gabs allerdings noch leckeres Frühstück - für mich natürlich wieder nur Schonkost :-). Allerdings hatte Alvaro - seines Zeichens Kolumbianer - echten kolumbianischen Kaffee aus seinem Heimaturlaub mitgebracht. Den konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen - einfach herrlich!

Auf dem Weg zum Gottesdienst hieß es dann erstmal hoffen, dass Alvaros Auto und insbesondere sein Auspuff den Weg gut überstehen, was der Geräuschentwicklung nach zu urteilen nicht so sicher war. Hier drüben lernt man den Tüv echt zu schätzen ... ;-). Am Ziel angekommen bemerkte Mila, dass wohl die Spanier auch kein Spanisch konnten - irgendwelche Grammatikfehler, aber fragt mich bloß jetzt nicht nach den Details. Keine Ahnung ob das vergleichbar zu ähnlich beliebten Fehlern im Deutschen war. Ein anderes Schild an der Gemeinde kündigte den Gottesdienst für 9:30 Uhr an. Komisch, Alvaro war überzeugt, dass er um 10:30 Uhr losgehen würde, so dass wir um 10:20 Uhr doch pünktlich wären ...

Aber gut, so platzen wir halt mitten in den Gottesdienst. Störte niemanden, wir wurden freundlich hineingebeten und konnten uns einen Platz suchen. Verglichen mit den "klassischen" Sonntagsgottesdiensten (soweit ich mich da aus meiner Konfirmandenzeit noch daran erinnere) war es durchaus sehr anders. Die Gemeinde hatte keine "richtige" Kirche, sondern nur einen großen Saal in einem Gebäude mit einer Menge Stühlen und einer Bühne vorne (Ruth, so ungefähr wie Deine Gemeinde in der Stadtmitte). Auf der Bühne war dann auch eine kleine Band mit Schlagzeug & Co. untergebracht, und auch die Lieder erinnerten eher an das was ich aus Jugos kannte. Viele Lieder wurden zweisprachig gesungen, erst in Englisch, danach in Spanisch, oder auch umgekehrt. Eine sehr interessante Erfahrung. Richtig beeindruckend wurde es, als die Predigt anstand. Diese wurde auf Spanisch gehalten. Allerdings kam Mila darum herum für uns Spanisch-Unvermögende simultan zu übersetzen. Diesen Part übernahm ein Übersetzer auf der Bühne, der für die gesamte Gemeinde auf Englisch übersetzte. Aber nicht etwa in einem ruhigen, sachlichen (langweiligen ...) Ton, sondern er legte die gleiche Energie in seine Worte wie es der predigende Pfarrer/Pastor/Redner (?) tat. Wer sich jetzt einen Lateinamerikaner vorstellt, der sein Temperament in einer hitzigen Diskussion freien Lauf lässt, der kriegt vielleicht eine Idee wie es ist, wenn ein Lateinamerikaner mit Herzblut predigt. Der Dolmetscher brachte das klasse rüber! Zudem stand er auch nicht still, sondern er folgte dem Predigenden über die Bühne, er passte seine Gesten und seine Mimik dem Predigenden an, kurz gesagt: er tat alles um nicht nur die Worte sondern möglichst gut die gesamte "Vorstellung" zu übersetzen. Zwischendurch blieb er ab und zu mal kurz hängen und suchte nach dem richtigen Wort - teils half ihm dann der Predigende aus, teils jemand aus der Gemeinde ... sehr souverän gemeistert, hat mich tief beeindruckt. Ein anderer "Programmpunkt", der wie mir Mila bestätigte durchaus üblich sei, war, dass irgendwann die Gemeindemitglieder gebeten wurden andere Anwesende im Namen Gottes zu grüßen, meist mit den Worten  "God bless you". Mila meinte, in Peru wären sie so durch die gesamte anwesende Gemeinde gegangen und jeder grüßte jeden - das blieb uns dann zum Glück doch erspar :-). Wie lange am Ende der gesamte Gottesdienst gedauert hatte, weiß ich nicht mehr, relativ lange, aber alles andere als langweilig. Allerdings muss ich ihm Nachhinein auch sagen, dass ich nicht unfroh bin, dass wir etwas zu spät kamen - sonst wäre es doch etwas sehr lang geworden ... ;-)

Nach dem Gottesdienst gingen wir zusammen Einkaufen und kochten danach bei Ulf Mittagessen. Hühnchen mit Nudeln Reis (danke Mila :)) und Apfelmus (wenn ich mich recht erinnere) für die anderen  beiden - auch Alvaro probierte es - Nudelsuppe für mich. Alvaro bot uns dann auch noch etwas typisch Kolumbianisches an, allerdings ist das meinem Gedächtnis wieder entfallen was das war (edit: siehe Kommentare :)). Danach machten Mila und ich uns auf den Weg die erste Etappe der verbleibenden 742 Meilen zurückzulegen. Die Nacht verbrachten wir dann in einem Motel in Chapel Hill, etwa in der Mitte der Strecke. An sich sollte das ein recht schöner Ort sein, aber als wir abends ankamen hatten wir nicht wirklich Lust noch etwas anzuschaun.

Am nächsten Morgen wurden wir durch das energische Klopfen des Zimmerservice geweckt. Das nächste mal lieber doch das "do not disturb" Schild raushängen wenn man auspennen will *note to myself*. Aber das war auch okay, so waren wir wenigstens wach und konnten uns auf den Weg zurück nach Atlanta machen. Der verlief dann auch recht unspektakulär, wie man sieht ist Autofahren in den USA offensichtlich doch recht entspannend.



Irgendwann hatte uns dann auch der Peach State wieder, wie man bei einem Blick aus dem Fenster leicht erkennen konnte.

Das ist damit auch das Ende unseres Weihnachtsrundtrips. Unglaublich aber wahr, ich hab sage und schreibe 3 Monate gebraucht um 12 Tage Urlaub zu verbloggen. Ich darf garnicht dran denken, dass Mila ja auch noch ein paar Tage in Atlanta war (äh halt, doch, daran darf ich denken, ich darf nur nicht dran denken, dass ich dazu ja auch noch was verbloggen könnte :-)), und dass in der Zwischenzeit auch wieder zwei Trips anstanden, einer davon auch etwas länger. Öhm, ja, kommt Zeit, kommt Rat ... :-)