Weihnachtsrundtrip - Tag 4

15:19, 29.01.2009. Von Pinguin

Nach unserer ersten Nacht im Hostel erwartete uns am nächsten Morgen erstmal ein ausgiebiges Frühstück. Orangensaft, Kaffee, Cornflakes, Bagels mit Butter oder Cream Cheese, Obstsalat (aus der Dose, aber was soll's), und ich hab bestimmt noch was vergessen - was will man mehr, vor allem in einem Hostel? :-) Der Tag fängt also schonmal sehr gut an.

Für den Tag hatten wir uns dann noch die verbleibenden Sehenswürdigkeiten und Monumente vorgenommen, unter anderem den Soldatenfriedhof in Arlington. Auf dem Weg kamen wir auch nochmal am Weißen Haus vorbei, und es bestätigte sich irgendwie das was ich schon gestern angedeutet hatte - nachts sind die Gebäude doch schöner.


Auf unserem Weg lag auch das Vietnam Veterans Memorial, das meiner Meinung nach ziemlich interessant gestaltet ist. Von der "Rückseite" ist fast nichts zu erkennen, dort erhebt sich einfach ein Grashügel. Auf der anderen Seite ist ein Weg mehr oder weniger in den Boden eingegraben, der sich vom Beginn des Memorials langsam absenkt, wodurch die Gedenkwand höher wird; zum anderen Ende des Memorials hin geht der Weg wieder "nach oben", der Abstand zwischen Weg und Oberkante der Wand wird also wieder kleiner bis die beiden ineinander übergehen. Fand ich überraschend, da ich nur Filmaufnahmen kannte, wo das Memorial höher als ein Mensch war, und ich erwartete daher eher eine Wand mit gleichbleibender Höhe. Kommt leider im Bild nicht ganz so deutlich rüber.


Am Memorial stand auch ein Weihnachtsbaum - dank Ulf hab ich auch ein Bild davon :-)


Nach einem längeren Spaziergang, in dem wir auch den Potomac River überquerten, erreichten wir Arlington. Neben einem Besucherparkplats gabs am Eingang auch ein Besucherzentrum mit Souvenierladen - letzteres vielleicht etwas komisch für einen Friedhof, aber wenn man sich der Dimensionen und des Besucheransturms bewußt wird, dann doch irgendwie nicht mehr ganz so fernliegend. Auf dem Weg zu den Kennedy-Gräbern fand ich erstmal die schiere Masse an Grabsteinen, alle fein säuberlich in Reih und Glied angeordnet, die irgendwie nur auf einer "Wiese" verteilt sind, erschütternd. Das Photo zeigt nur einen kleinen Ausschnitt, nur ein Grabfeld. Das Bild wiederholt sich auf dem Friedhof wieder und wieder - andere Grabsteine gibt es wohl nur für höhergestellte militärische Ränge und dann auch wieder nur in speziellen Grabfeldern.


In der Nähe der Grabstelle von John F. Kennedy fanden sich einige seiner Zitate in Stein eingraviert, unter anderem auch
And so my fellow Americans ask not what your country can do for you, as what you can do for your country. My fellow citizens of the world, ask not what America will do for you, but what together we can do for the freedom of man.
Weise Worte, wie man sie zumindest in den letzten 8 Jahren von einem US-Präsidenten nicht gehört hat ... Die ewige Flamme an seiner Grabstelle, wo John F. Kennedy mit seiner Frau und zwei seiner Kinder bestattet sind, gehört dann denke ich doch auch wieder zu den bekannteren Bildern:


Hier noch ein Bild aus den angesprochenen Grabfeldern, in denen etwas größere Grabsteine stehen:

Auf der Rückseite des Arlington Memorial Amphitheater, in dem neben Staatsbegräbnissen auch Gedenkfeiern abgehalten werden, befand sich das "Tomb of the Unknowns", besser bekannt als "Grab des unbekannten Soldaten".


Auf dem Weg dorthin wurden wir nochmal eindringlich um ein würdiges Verhalten gebeten:

Am Grab selbst steht seit (laut Wikipedia) 1937 durchgehend eine Wache. Leider konnten wir keine Wachablösung sehen, da diese im Winter nur jede Stunde stattfindet. Dafür konnten wir das Prozedere beobachten, wie die Wache das Grab abschreitet. Auch hierfür existieren genaue Regeln - 21 Schritte, dann Drehung, 21 Sekunden Pause, Drehung, 21 Schritte zurück, Drehung, 21 Sekunden Pause, Drehung, und von vorn das ganze (oder so ähnlich - Details kann wer mag bei Bedarf bei Wikipedia nachlesen). Die Zahl 21 kommt übrigens von den 21 shot gun salute, der dem US Präsidenten zuteil wird, und symbolisiert daher die höchste Ehre, die der Staat jemandem zukommen lässt.


Unter dem großen Sarkophag liegt der Unbekannte Soldat aus dem ersten Weltkrieg, links derjenige aus dem zweiten und rechts derjenige aus dem Koreakrieg. Unter der mittleren Marmorplatte lag ein unbekannter Soldat aus dem Vietnamkrieg bis er anhand seiner DNA identifiziert wurde. Seitdem steht diese Grabstelle leer.

Auf dem Weg zurück mussten wir uns noch beeilen rechtzeitig zum Netherland Carillon zu kommen. So fiel der Besuch im Women in Military Service Monument recht kurz aus und wir mussten auf Photos verzichten. Das Netherland Carillon ist ein Glockenspiel, das den USA von den Niederlanden gestiftet wurde als Dank für die Hilfe während des und nach dem zweiten Weltkrieg. Sonntags um 12 wird dort "Star Spangled Banner" gespielt, gefolgt von der Nationalhymne der Niederlande und dem US Nationalmarsch.


Gleich nebendran findet man das Iwo Jima Memorial - ein weiteres der ziemlich bekannten Denkmäler:


Damit wir etwas Zeit sparen können und nicht den ganzen Weg zurücklaufen mussten, entschieden wir uns mal den öffentlichen Personennahverkehr in Washington auszuprobieren. Ein gut funktionierender Public Transit ist wirklich etwas, das ich hier in Atlanta vermisse. Ohne Auto wärs hier teilweise echt anstrengend in der Gegend herumzukommen. Ulf nutzte den Weg in den Untergrund dann auch für eine kurze Pause.

Zurück in der Stadt entschieden wir uns zu einem Besuch im National Musem of the American Indian. Da es zu den Museen des Smithsonian Institute gehört, war der Eintritt frei. Was soll ich sagen außer: ein sehr modern und sehr ansprechend gestaltetes Museum, in dem es sicher viel Wissen aber auch sehr viel einfach nur für die Augen gab. Die einzelnen Bereiche wurden dabei von den jeweiligen Stämmen selbst gestaltet. Die folgenden Fotos einfach mal unkomentiert:





(manchmal hab ich das Gefühl, ich sollte einfach irgendwie ein Fotoalbum erstellen, das machts einfacher wenn ich eh nix zu den Bildern zu sagen hab :-))

Nach dem Rundgang durchs Museum probierten wir noch die Cafeteria im Erdgeschoss aus, in der klassische Gerichte der Native Americans angeboten wurden. Leider weiß ich nicht mehr, was ich da gerade verspeist habe, aber lecker wars :-).

Danach liefen wir die National Mall hinunter in Richtung Kapitol. Einen beeindruckenden Anblick boten dabei die tiefhängenden dunklen Wolken - ob man das irgendwie als Zeichen deuten sollte?


Vorbei am Capitol und Supreme Court gings zur Union Station, dem großen historischen Bahnhof in Washington:

Mila ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, sich mit dem damaligen President-Elect und jetzigen Presidenten ablichten zu lassen. Ich find, sie lässt ihn ganz schön platt aussehen neben sich - oder was denkt ihr? ;-)

Als nächstes gings zurück zum Hostel, wo wir uns in der Lobby mit andern trafen um ein kostenloses Klassikkonzert in der (wenn mich nicht alles täuscht) National Gallery of Art anzuhören. Auf dem Weg dorthin kamen wir auch an dem Haus, in dem Lincoln starb, vorbei. Dieses liegt gegenüber des Ford's Theater, in dem der Anschlag auf Lincoln verübt wurde.


Leider waren wir etwas spät dran für das Konzert, so dass wir nur noch einen Sitzplatz in einem Vorraum bekamen. So konnten wir zwar die Musik hören aber das Orchester nicht sehen. Auch wenn es toll anzuhören war, fehlte doch etwas die richtige Atmosphäre, und so entschieden wir uns in der Pause zu gehen, schließlich stand am nächsten Tag auch wieder volles Programm an.

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