Heart of Jûdô

Der schmale Grat...

{ 22:52, 15.02.2008 } { Geschrieben in Meine Gedanken zu den Kampfkünsten } { 1 Kommentare } { Link }
Worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen Kampfkunst und Kampfsport?
In der letzten Zeit sehe ich solche Themen oft in sogenannten Kampfsportforen, die sich (meist) oberflächlich mit Kampfkunst oder -sport befassen. Aber was macht diesen schmalen Grad aus?

Nunja, Kampfsport ist für die meisten sehr einfach erklärt. Da schlägt oder tritt man Menschen oder prügelt sie anderweitig brutal zusammen. Man verletzt sie, man lernt tödliche Techniken, die allerdings cool aussehen.
Wer betreibt Kampfsport eigentlich? Nunja, meistens Leute die zu wenig Selbstbewusstsein haben, stärker werden wollen. Oder jene, die kämpfen lernen möchten um sich erfolgreich zu verteidigen. Dann gibt es noch jene Personen, die den fitnesstechnischen Aspekt, den sportlichen in Betracht ziehen (zum Beispiel weil sie abnehmen wollen).
Und dann gibt es die Turnierkämpfer, die meines Erachtens nur einige wenige Techniken "beherrschen" und selbst diese nichtmal sonderlich gut.

Später gibt es dann solche Menschen, die eine erfolgreiche Wettkampfkarriere hinter sich haben und nun im Verband tätig sind, als Kampfrichter oder im Vorstand und verwalten.
Nach einigen Jahren der Arbeit bekommen sie einen weiteren Dangrad verliehen... so scheint es zumindest heute oft der Fall zu sein.



Diese Menschen nenne ich nicht ganz unbegründet Kampfsportler. Sie trainieren für den Sport.
Sie gehen arbeiten, gehen zwei oder dreimal in der Woche zum Training, powern sich aus, sind am nächsten Tag k.o. und fertig, schleppen sich zur Arbeit, aber sind stolz das "harte" Training durchgestanden zu haben und ihren Gürtel um die Hüfte tragen zu können.
Und wenn sie sich etwas mit der Philosophie des Hagakure oder dem Buch der fünf Ringe von M. Musashi beschäftigt haben meinen sie sich Meister nennen zu können. Spätestens dann wenn sie den schwarzen Gurt stolz an ihrer Hüfte tragen.


Ich für meinen Teil aber behaupte dass dies keine wahren Meister sind.
Kampfkunst oder Budô bedeutet für mich allerdings mehr, als ein bisschen von der asiat. Philosophie auswendig zu lernen und - verzeiht mir bitte diesen Ausdruck - ein wenig stemmen, schnaufen und in der Luft schlagen zu können.  Dieser Unterschied beginnt damit, dass Budô nicht nur im Dôjô stattfindet, sondern ein alltäglicher Zustand sein sollte.

Was ich damit sagen will ist nicht wie ein Wahnsinniger zu trainieren und seinen Körper zu schädigen (dazu ein anderes mal mehr), sondern viel mehr das Budô etwas ganz natürliches sein soll. Etwa so natürlich wie atmen, essen oder schlafen. Ohne diese Sachen kann der Mensch nicht leben (oder zumindest nicht allzu lange...).
Ich muss atmen, essen und schlafen damit es meinem Körper gut geht. Aber wie schaut es mit meiner Seele, mit meinem Herzen aus? Was muss ich tun damit es meinem Herzen, also mir selbst als Mensch gut geht?
Hier kann ich auch nur sagen: so vielfältig wie die Menschen sind, umso vielfältiger sind die Tätigkeiten die sich glücklich machen und aufleben lassen.



Ich für meinen Teil habe dieses Glücksgefühl in der Ausübung des Budô gefunden. Es ist ein fixer Bestandteil in meinem Leben geworden und ich kann mir ein Leben ohne einfach nicht mehr vorstellen. Es ist vielleicht weniger das Training an sich das mich glücklich macht (obwohl dies natürlich ein fester Bestandteil ist), sondern auch die Leute, die Atmosphäre... Kurzerhand der Spirit oder Geist der Kampfkünste der mich gepackt hat.

Wenn ich trainieren darf bin ich wirklich froh. Ich sehe darin keinen Zwang, sondern spüre aufrichtige Freude. Wenn ich im Dôjô trainiere empfinde ich Demut - nicht im Sinne von Unterwürfigkeit, sondern im Sinne von Dankbarkeit. Ich bin aus tiefstem Herzen dankbar dafür, dass ich trainieren darf, dass mir diese Möglichkeit geboten wird. Ebenso danke ich innerlich jedes Mal nach dem Training meinem Sensei und meinen Mitschülern.

Um noch einmal zu den Unterschied zwischen Kampfkunst und Kampfsport zurück zu kommen, so glaube ich dass ebenfalls einer der Unterschiede jener der "Trainingsarten" ist.
Während Kampfsport sich auf den sportlichen Aspekt bezieht und das Training nur zu geregelten Zeiten stattfindet und nur mit dem Trainer oder Mentor... so ist die Lehrzeit der Kampfkunst zeitlich nicht begrenzt. Kampfkunst ist und findet überall statt. Sie durchfließt alle Bereiche meines Lebens, sie ist immer gegenwärtig.
Und vor allem: Ich gehe diesen Weg nicht ab und zu sondern ständig. Es ist ein lebenslanger und zugegebener weise auch ein harter Weg, der nicht jedermanns Sache ist.

Dennoch ist es ein Weg den der Budôka mit dem Herzen gehen sollte.



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So siehst du also den Unterschied

{ 22:18, 15.02.2008 } { Geschrieben von Matthias }
Hallo kamiu,

erstmal ein freundliches Hallo (Ich dachte mir, auch das gehört zu einer guten Kommunikation :) )...

Dô findet keineswegs sein Ende mit dem Verlassen des Dôjô, da stimme ich mit dir zu ca. 120% überein. Leider wird von vielen Kampfsportlern vergessen, dass dahinter tatsächlich eine andere Philosophie steht - und ich habe oft genug erlebt, dass eben diese "schlechte" Philosophie auch von den entsprechenden Trainern gefördert wird. Ich meine, wenn Jugendliche, die gerade mal zwei, drei Jahre dabei sind, nur noch dazu gepusht werden, möglichst viele Trophäen nach Hause zu bringen und dazu erzogen werden, nur noch zu Wettkämpfen zu gehen und zu gewinnen, geht ganz schnell der wesentlichste Aspekt der ganzen Sache verloren: Das Streben nach weiterem Wissen. Oft genug wird alles nur noch vereinheitlicht und zusammengefasst, abgekürzt und dem Sinn entrissen... Aber egal, bevor ich richtig abschweife: Ich finde, es gibt eigentlich keinen oder zumindest viel zu wenige Kampfkunstmeister in Deutschland - in Österreich wird es wahrscheinlich auch nicht besser aussehen, aber ändern können wir es nicht - Es sei denn, wir fangen an, die Menschen endlich zum Nachdenken anzuregen, was aber die Bedingung stellt, sich intensiver mit den Kampfkünsten und deren Geschichte und Hintergründen sowie der gesamten asiatischen Lebensphilosophie zu beschäftigen - und dazu gehört nunmal mehr, als pro forma ein, zwei Handouts zu lesen, was aber die meisten tun...

Also dann,
bleib, wie du bist und hör nie auf, zu trainieren - ich werde es jedenfalls auch nicht :)

Grüßle,
Matthias



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