Heart of Jûdô

Tradition

{ 11:48, 16.02.2008 } { Geschrieben in Meine Gedanken zu den Kampfkünsten } { 1 Kommentare } { Link }

Vieles, das wir in den Kampfkünsten machen nennt sich Tradition. Da wären das An- und Abgrüßen vor und nach jedem Training, das Verbeugen vor dem Partner, um ihn meinen Respekt wissen zu lassen, besondere Grußformen (wie im Karate das verschriene „Oss!“) oder auch eigene Traditionen wie den Mattenauf- und Abbau.

All dies haben wir von unserem Sensei gelernt, und die meisten machen es einfach ohne zu fragen nach und geben diese „Traditionen“ später auch ihren eigenen Schülern weiter.

 

Genauso im realen Leben. In ländlichen Gegenden gehen die Leute jeden Sonntag zur Messe in die Kirche, beten vor dem Essen, den Kindern wird beigebracht im Haushalt mitzuhelfen und die jungen Burschen gehen später traditionellerweise zum Militär, studieren, bekommen einen Job…

Im Grunde läuft alles darauf hinaus das man das tut was einem gesagt wird. Hinterfragt wird selten.

 

Im Grunde ist das an und für sich ja nicht schlecht. Das Problem kommt erst auf wenn die Menschen nicht mehr denken, sondern blind das tun, was von ihnen verlangt wird.

Warum dieses? Ganz einfach, weil sie so verlernen eigenständig zu denken. Sie haben keine eigene Meinung und machen blind das, was man ihnen sagt.

 

Die andere Seite der Medaille ist diese, das Traditionen, wie zum Beispiel das einhalten der Etikette schon sehr sinnvoll sind, nicht nur im Dôjô.  Ich finde es sehr gut, wenn man Kindern beibringt, dass man vor den Erwachsenen und Alten Respekt haben soll. Schließlich haben diese die größere Lebenserfahrung und man kann von ihnen lernen.

Genauso aber sollten die Erwachsenen bereit sein, von den Kindern zu lernen.

 

Ebenso ist es wichtig gewisse Etikette in der Gesellschaft einzuhalten. Oder aber auch Wertvorstellungen wie Höflichkeit, Aufrichtigkeit, Ehre und auch, das man bereit ist Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

 

Dennoch sollte man immer hinterfragen „Warum tue ich das?“ oder „Ist es richtig jede Tradition oder jedes Etikett brav zu befolgen?“. Vielleicht lassen sich die eigene Meinung (sofern man eine besitzt) und die alten Werte nicht immer vereinbaren.

Manchmal kommt es vor, dass etwas ganz anderes gemeint war, als es heute ausgeübt wird.

 

Oss heißt nicht „ja“, „ich bin bereit“ oder auch „ich habe verstanden“. Es ist auch keine Kurzform von „ohayo gozaimasu“ (was etwa soviel wie „guten Morgen“ bedeutet). Oss setzt sich aus den Kanji für „Geduld“ und „schlagen“ zusammen.

Ich hab mir einmal den Spaß gemacht und diesen zwei Zeichen neue Bedeutungen zu geben:

 

ich lasse mich geduldig schlagen à ich bin ein Masochist

ich schlage geduldig andere à ich bin ein Sadist

 

So schnell kann man die Bedeutung der Wörter verfälschen, wenn man deren Sinn nicht kennt.

Das ist einer von vielen Gründen, warum ich lieber nachfrage, bevor ich etwas „falsch“ wieder- oder weitergebe.

 

Auf der anderen Seite sind Traditionen auch sehr nützlich, weil sie uns auch prägen und uns wissen lassen wo wir daheim sind. In Europa werden andere Traditionen gepflegt als in Japan oder in Amerika. Wir Europäer werden die japanischen Traditionen wahrscheinlich nie so ganz verinnerlichen können, wie die Japaner selbst, ebenso wie ein Japaner unsere Tradition und die damit verbundene Kultur auch nicht so ganz verinnerlichen werden.

Wir Westler werden die Kampfkünste meist immer als etwas Einzigartiges und Besonderes sehen. Japaner hingegen werden wahrscheinlich Klavierspielen oder die klassische Musik als etwas Besonderes empfinden.

 

Aber das ist Tradition.


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Tradition

{ 23:21, 16.03.2008 } { Geschrieben von Badener1977 }
Tradition?

Diese Frage stellte ich mir auch und zum Teil bin ich gleicher, manchmal ähnlicher aber auch anderer Meinung.

Würde man sich fragen, woher manche Tradition kommt, so würde man feststellen, das nicht alles japanischen Ursprungs ist. Viel eher ist zu hinterfragen, was z.B. traditionelle Kampfkünste sind.

Ist z.B. das Karate traditionell, welches auf den drei Säulen, Kihon, Kata und Kumite besteht schon traditionell? Oder sollte man sich auf den Sohn von Funakoshi beziehen, der die tiefen Stände einführte? Oder ist es Funakoshi Gichin, jener Mann der Karate nach Japan brachte und Wettkampf ablehnte?

Oder müssen wir nach Okinawa wo noch Budo-Karate gelehrt wurde?

Was also ist nun tatsächlich Tradition?

Besten Gruß vom
Obelix

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