24 Stunden... Willkommen im Leben!

Geschrieben um 22:00 am 7.12.2007

Von Henne


Die Palmenblätter rascheln in der leichten Sommerbrise, das Meer rauscht und spühlt kleine Wellen ans Land... Ich liege bei angenehmen 30Grad am Strand, nuckel an meinem Sex on the Beach und versuche dabei mir nicht das Schirmchen ins Auge zu piecksen. Gleichzeitig beobachte ich ein paar Mädchen beim Beachvolleyball und wie sie darum buhlen mich zu beeindrucken...

Guten Morgen...


Alles ist entspannt, würden nicht gerade irgendwo in der Ferne die Kaiser Chiefs anfangen ihr RubyRubyRuby aus einem Radio zu plären. Ich bekomme schlagartig schlechte Laune. "Macht den Dreck aus!" denk ich mir noch, da beginnt der Radiofutzi auch schon mit notorisch guter Laune sein "Guten Morgen Düsseldorf" in den Äther zu schreien. Zeitgleich beginnt mein Handywecker wie verrückt zu bimmeln und vibrieren. Es ist Mittwoch, der 5.12.2007, 6.20 in der Früh. Ich liege eingepackt unter meiner Bettdecke mit Blümchenmuster und wurde gerade aus einem schönen Traum gerissen. Der Wind peitscht den Regen gegen mein Dachfenster und statt der Sonne strahlt mich eine 200Watt Glühbirne aus meiner Nachttischlampe an. Gemessen an meiner Laune scheinen 200Watt als Sonnentherapie woll auch noch zu wenig zu sein... ich sollte mal nach einer stärkeren Birne Ausschau halten. Ich stecke meinen großen Zeh unter der Bettdecke hervor um die Zimmertemperatur zu prüfen... gefühlte Minus 20 Grad. Warum zum Teufel ist die Heizung aus? Das geht alles gut los! 


Ich pfeffer die Bettdecke zur Seite und trippel tapfer und mit harten Brustwarzen ins mindestens genauso kalte Bad. Ein Blick in den Spiegel trägt nich gerade zur Steigerung meiner Stimmung bei: Ich seh scheiße aus! Vielleicht sollte ich mich mal wieder rassieren? Pfft, wozu, ich  bin mit meinem Job zwangs-verabredet und nicht mit einem Date (bei letzterem ist die andere Partei zwangs-verabredet). Da mit meiner Frisur im Moment auch kein Blumenstrauß zu gewinnen ist bleibt auch die wie sie ist und ich beschränke meine morgendlichen Stylingversuche darauf mir den Schlaf aus dem Gesicht zu waschen. Natürlichkeit soll ja außerdem ganz modern sein. Ein letzter Blick in den Spiegel gibt mir dabei vollkommen recht: natürlich verpennt! Guten Morgen...

6 Kilometer


7.45Uhr, mein Handy klingelt. Es ist Tino und er teilt mir mit, dass er jetzt von Zuhause los fährt und in 10 Minuten an unserem morgendlichen Fahrgemeinschaffts-Treffpunkt ist. "Jaja, 10 Minuten" nuschel ich nur in den Hörer und drücke ihn weg während er noch ein "Und sei pünktlich!!!" durch den Hörer trällert. 10 Minuten, wers glaubt... Tino wär nicht mal in 10 Minuten am Treffpunkt wenn er beim Anrufen bereits im Auto sitzt und diesmal nix zuhause vergessen hätte. Ich bin die Verspätungen also gewohnt und mache mich somit erst 15 Minuten nach seinem Anruf auf den Weg um weitere 5 Minuten später am Treffpunkt zu stehn. Der Regen hat nicht nachgelassen und da sich mein Gehirn immernoch im Tiefschlafmodus befindet liegt mein Regenschirm natürlich noch auf dem Küchentisch. Ich versuche mich so nah wie möglich an die Hauswand zu drücken um nicht gänzlich durchnäßt zu werden während ich warte. Aus Langeweile beginne ich die Autos zu zählen, muss aber jedesmal bei 1000 von vorne anfangen da ich mich mit den hohen Zahlen verhedere. Es ist noch zu früh für anstrengende Gehirnakrobatik.

20 Minuten später und ein Anruf bei Tino ob er denn schon wirklich los ist oder ob er doch noch schnell die Wiederholung von Taff anschaut ist er auch schon da. Grummelnd lass ich mich in den Sitz fallen. Als Entschuldigung für sein Verspäten bekomm ich nur ein "Sorry, wollte noch schnell den Wetterbericht sehen. Scheiß Wetter, soll regnen!" zu hören. Ach nee, Regen? Sach nich!


Meine Augen fallen zu und ich bin auf dem besten Weg zurück zum Strand, da fängt Tino an mich mit seinem Halb-Wissen aus dem letzten Spiegel verpackt in bescheuerte Quizfragen zu ertränken... "Weißte eigentlich von wieviel Geld ein Amerikaner spricht, wenn er one BILLION Dollar sagt?" In solchen Momenten frag ich mich warum ich die 6km zur Arbeit nicht laufe.

Ich brauch Urlaub!


Ein paar Millionen-Fragen später kommen wir endlich an. Ich tappse in mein Büro, haue mich auf meinen Stuhl und lasse meinen Kopf erstmal auf den Tisch knallen während mein Rechner hoch fährt.

10 Minuten später checke ich meine Mails... nichts wirklich interessantes in meinem Postfach...Lediglich die Mails einer gewissen Steffi und Petra wecken halbwegs mein Interesse. Steffi bietet mir sensationel günstiges \/1agra an, während Petra in aufreizenden Posen für ihren Sextreff wirbt... Hui jui jui, vielleicht geht da ja was?  Die Mails wandern erstmal in den Ordner "noch erledigen" und werden später auf jeden Fall noch beantwortet. Manchmal muss man(n) Frauen einfach zappeln lassen.


Stunden später sieht die Welt auch nicht rosiger aus. Ich werd einfach nicht wach und so programmiere ich eine Endlosschleife nach der anderen und ärger mich darüber das der Kaffee immer genau dann alle ist, wenn mein Koffeeinspiegel unter die kritische Marke von 10 Promille fällt. Das einzige was mich noch am Leben hält ist das verfluchte flackern der Neonröhre und das Quietschen meines Bürostuhls das mich bis an die Grenzen des Wahnsinns treibt...


Entnervt drucke ich für morgen einen Urlaubsantrag aus und halte ihn meiner Chefin unter die Nase. "Den hast du wohl auch nötig" kommentiert sie mein Anliegen. "Und rassier dich mal wieder, wir sind hier nicht bei dir zuhause!" ruft sie mir noch beim verlassen des Büros hinterher. "Jaja, Feierabend!!!" gebe ich als Konter zurück und platze in Tinos Büro um ihn von meinem tollkünen Plan in Kenntnis zu setzen die Arbeit für heute ruhen zu lassen. Er ist sofort Feuer und Flame, erzählt mir aber im selben Atemzug, dass er nochmal kurz in die City muss um ein paar Nikolaus-Besorgungen zu machen. Wenn ich will kann ich mitkommen oder aber mit der Bahn nach Hause gondeln... Auf die Bimmelbahn hab ich keine Lust, also nehm ich den Umweg über den Weihnachtsmarkt in kauf.

Feierabend...


Dort angekommen bereue ich meine Entscheidung sofort. Überall nur glückliche Menschen die singend und tanzend durch die Straßen schreiten. Ich hingegen werde nur daran erinnert, dass ich ja morgen noch jemandem zum Nikolaus eine kleine, von langer Hand geplante Überraschung an die Tür hängen möchte, dabei aber gar nicht die Adresse habe. Google, Stasivz und die Auskunft bleiben Ergebnisslos. Bleibt also nur noch eine Möglichkeit: eine direkte SMS an die betroffene Person mit der Ankündigung meines Überfalls und der Bitte mir die Adresse zu geben... Die SMS geht auf Reisen und mit ihr meine Hoffnung die Empfängerin mit der Überraschung ein wenig beeindrucken zu können...


Endlich daheim springe ich mit einem gekonnten Sprung in meine Badewanne und bereite mich auf den angenehmen Teil des Abends vor: Party im 3001. Gut, die Klitsche is nicht das gelbe vom Ei aber ich muss heut Abend unter Leute, und wenns der Pennertreff vor der örtlichen Trinkhalle ist.  Ich gebe mir also etwas mehr Mühe beim stylen als heute früh und bin mit dem Ergebnis auch ganz zufrieden... zumindest wenn ich die Beleuchtung im Bad austrete. Ich glaube man könnte mich auch post-mortem zum Mister Universum ernennen und es würde mein derzeitiges Ego nicht wirklich aufpolieren.


Aber was soll ich sagen, der Abend war cool... Das Bier billig, die Mädels willig und so stolper ich von einem Korb zum anderen und wenn überhaupt dann hört mir eigentlich nur der Barkeeper zu... wenn ich mir ein neues Bier bestelle. Um 5 Uhr geht gar nix mehr. Glücklich, dass ich meine Garderobenmarke nich verbummelt habe schnapp ich mir meine Jacke und stürze ins nächstgelegene Taxi. "Einmal Heimwärts ci vous plé" weise ich den Taxifahrer an, da gibt er auch schon Gas... zumindest bis zur Hauptstraße. Ab hier darf ich ihm, betrunken wie ich bin, Kreuzung für Kreuzung den kürzesten Weg zu mir erklären. Dass wir überhaupt ankommen ist ein Wunder!

Endlich Schlafen...


Zuhause torkel ich die 6 Stockwerke nach oben und verteile mit letzter Kraft meine Klamotten strategisch in der Wohnung. Mit der Gewissheit, dass ich noch irgendwas vergessen habe falle ich tot ins Bett... Gefühlte 8 Stunden später starre ich immernoch mit offenen Augen an die Decke und kann nicht einschlafen. Die mit roten Lettern an die Wand projezierte Uhrzeit verrät mir: 6.15 Uhr. Vor wievielen Stunden habe ich die SMS verschickt? Vor sehr vielen und ich habe immernoch keine Antwort bekommen. Die Nikolausüberraschung werd ich mir wohl an den Nagel statt an die Türklinke hängen können. Ebenso die Hoffnung auf ein Date mit der Dame die Ich überraschen wollte... Irgendwie hab ich mir das anders vorgestellt...


6.20 Uhr, aus meinem bescheuertem Radiowecker trällert ein noch bescheuerter Radioonkel erneut sein "Guten morgen Düsseldorf". Jetzt weiß ich was ich vergessen habe, ich wollte den Wecker noch ausschalten! "Ich hab Urlaub und will endlich schlafen!", hichse ich in mein Kissen. Es hilft nix. Würde neben mir jetzt meine nicht vorhandene Freundin liegen könnte ich sie wecken und ihr befehlen den Wecker im Bad aus zu schalten. Sicherheitshalber vergewisser ich mich nochmal ob nicht doch jemand neben mir liegt, aber auf meinem Nachbarkopfkissen sehe ich nur eine angefangene Packung Haribos... So steige ich also selbst unter meiner Bettdecke hervor und trippel abermals mit harten Brustwarzen ins Bad um dem Wecker saures zu geben wobei ich über irgendwelche Klamotten stolper und mir fast das Genick breche...  Fluchend steige ich zurück ins Bett und sehe im Augenwinkel noch wie die Uhrzeit auf 6.21 Uhr springt... "Was für ein Tag, Zeit für einen erholsamen Strandspaziergang...", denke ich mir und schlafe Augenblicklich ein.


11 Stunden und 13 Minuten später, Nachtrag:

 

Mein Handy piepst fröhlich vor sich hin und teilt mir mit, dass ich eine SMS bekommen habe. Nikolaus 2007 ist beinah schon Geschichte da bekomme ich tatsächlich doch noch eine Antwort auf meine SMS. Ich klicke auf "öffnen" während ich mich frage warum ich überhaupt so aufgeregt bin wie ein kleines Kind vor Weihnachten, denn schließlich sind fast 24 Stunden seit dem versenden meiner SMS vergangen. Es hätte also auch genausogut ein Jahr dazwischen liegen können und mal ehrlich, wer antwortet nach so langer Zeit schon mit den Worten, dass man sich tierisch über die Nikolaus-Überraschung freuen würde und man die Adresse sofort bekommt? Richtig, niemand!


Ich lösche ihre SMS und verkneife mir eine Antwort, was hätte ich ihr auch schon schreiben sollen... Außerdem: manchmal muss man Frauen warten lassen... oder einsehen wenn man verloren hat...




Düsseldorf, 07.12.2007


 

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