Und ja, ich liebe Dich...

Geschrieben um 15:00 am 31.12.2000

Von Henne


Rückblickend kann ich nicht einmal mehr genau sagen wie es dazu gekommen ist, dass wir uns nach so langer Zeit tatsächlich wieder getroffen haben...


Es war in einer Düsseldorfer Wohnung. Wer dort tatsächlich wohnt weiß ich bis heute nicht aber wen interessiert das schon. Natürlich war sie nicht allein. Sie hatte vier Freundinnen mitgebracht. Ihre beste Freundin kannte ich flüchtig, die anderen hatte ich noch nie gesehen. Wir redeten über... ja, über was redeten wir eigentlich? Gott und die Welt? Warum wir soweit entfernt wohnen? Wohin das alles führen soll?

Ich glaube es müssen ihre Augen gewesen sein weshalb ich mich kaum an das Gespräch erinnern kann. Schon immer fand ich ihre strahlenden, großen und dunkelbraunen Augen wahnsinnig aufregend. Nur diesmal schienen sie mich vollends in den Bann gezogen zu haben, so das Worte und die ganze Situation an mir nur wie ein verblasster schwarz-weiß Film vorbei zogen.


Aber ehe ich mich versah wurde ich ins Zeitalter des Farbfernsehens zurück geworfen. Ihre beste Freundin stand neben mir und sie war außer sich. Ich soll sie mir endlich aus dem Kopf schlagen, schrie sie mich an. Was das soll und das ich mir doch endlich darüber klar sein soll, dass das nie etwas wird. Und überhaupt, sie hat gar kein Interesse an mir... Ich schluckte und mein Magen verkrampfte sich. Ich sah wieder zu ihr, sie sagte nichts. Ihre beste Freundin hatte wohl Recht.


Kurze Zeit später standen wir zwei am Bahnhof. Es war nur ein kurzes Wiedersehen, ihre Freundinnen und sie fuhren wieder zurück. Ich glaube ihre Freundinnen sind inzwischen nicht mehr so gut auf mich zu sprechen, denn von ihnen hab ich mich gar nicht verabschiedet. Vielleicht waren sie aber auch überhaupt nicht mehr da oder ich hab es wieder einfach nur vergessen. 

Ich umarmte sie wortlos, gab ihr einen Kuss auf die Stirn, dann drehte ich mich um und ging... zumindest wollte ich es, aber sie nahm meine Hand und zog mich zurück. Da stand sie nun wieder vor mir, fast einen Kopf kleiner als ich. Selbstsicher blickte sie nach oben und sah mir direkt in die Augen, ohne ein Lächeln, ohne jede Regung in Ihrem Gesicht, ohne das ein Wort ihre Lippen verlies. Nur ihre Augen leuchteten Dunkel und waren voller Leben während sie immer noch meine Hand hielt.


Und dann ging alles ganz schnell: Ein kleines Lächeln lief über ihr Gesicht, sie umarmte mich kurz, sah mir noch einmal flüchtig in die Augen und das einzigste das sie sagte, bevor sie sich umdrehte und auf dem Weg zur Line 27 verschwand, war: "Und ja, ich liebe Dich..."

Ich muss noch mindestens 10 Minuten in der Bahnhofsvorhalle gestanden haben, unfähig mich zu rühren, während das Leben an mir vorbei zog als wäre nichts weiter passiert. Dabei hatte sich doch soeben alles geändert. Schlagartig wurde alles andere unwichtig und bedeutungslos. Das einzigste was noch eine Rolle spielte waren ihre fünf Worte. Ich raffte mich zusammen und ging langsam zur Linie 28. Auch ich musste nach Hause, allein, aber es spielte keine Rolle, denn ich wusste, dass ich sie schon bald wieder sehen würde. Ich weiß nicht wann ich das letzte mal so glücklich war...


And the time goes by...


Fünf Minuten später erwachte ich in meinem Bett und noch ehe ich mir überhaupt im Klaren bin wo ich war, begannen die ersten Bruchstücke des Traum auch schon aus ihrer Form zu laufen, ihre Farbe zu verlieren, auszubleichen und im Nichts zu verschwinden, für immer... Nur ihre fünf Worte, die Worte die für mich die Welt bedeutet hätten, wollen nicht in meinem Kopf verklingen, sie tun weh, auch heute noch: Und ja ich liebe Dich...

 

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