Einleitung
9.03.2008
Was passiert in Deutschland eigentlich mit Kindern, deren Geschlecht nicht eindeutig zu bestimmen ist? Mit dieser Thematik beschäftigt sich dieser Weblog:

Intersexualität


Statistisch gesehen kommen in Deutschland rund 335 Kinder pro Jahr mit nicht sofort bestimmbaren Geschlecht zur Welt.[1] Früher wurden Menschen mit zwei Geschlechtern 'Hermaphroditen' oder im Volksmund auch 'Zwitter' genannt, heute spricht man in der Fachwelt von Intersexualität oder auch DSD (Disorder of Sexual Development).

Die Ursachen für dieses Phänomen sind vielfältig. (siehe Formen von Intersexualität)
Bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts wurden intersexuelle Menschen nur auf eigenen Wunsch im Erwachsenenalter hormonell oder auch chirurgisch behandelt werden. Ab den 60er Jahren setzte sich dann eine neue Behandlungsmethode durch. Man nahm an, dass intersexuelle Menschen sexualpsychologisch neutral seien und allein das biologische Äußere und die Erziehung Kinder zu Jungen oder Mädchen mache. Demnach fing man an, die betroffenen Kinder so früh wie möglich mit Skalpell und Hormontherapie an das eine oder andere Geschlecht anzupassen. (mehr Informationen hier)
Für Aufmerksamkeit sorgte vor allem der Fall David Reimer, der von Dr. John Money als kleiner Junge chirurgisch und hormonell in ein Mädchen verwandelt wurde. (siehe hier)
Seit ein paar Jahren findet in der Fachwelt, unter den Medizinern und Psychologen ein Umdenken statt. Auf Druck von Betroffenen in verschiedenen Organisationen (Bsp. www.isna.org) ist man nun dabei von vorzeitigen Geschlechtszuweisungen abzusehen bis die davon Betroffenen sich selbst über Wünsche äußern können. Im Gegensatz zu früher, ist man nun der Meinung, dass der Sinn, ob ein Mensch männlich oder weiblich ist, angeboren und unveränderlich ist, trotz Chirurgie und Erziehung.[2]

Das Leid, das Menschen mit verfrühten Operationen angetan werden kann, ist groß. Die Bundesrepublik kennt rechtlich keine Regelungen. Innerhalb eines Monats müssen die Behörden (siehe Personenstandsgesetz) das Geschlecht des Neugeborenen in das Geburtenbuch eintragen. Als Kategorien stehen nur männlich oder weiblich zur Verfügung. Ein drittes Geschlecht oder eine Art Übergangsgeschlecht gibt es nicht. Der Menschenrechtler Michel Reiter kämpft seit Jahren für eine Erweiterung der Geschlechtskategorien in Deutschland. (mehr)
Besonders verheerend verhält es sich in Deutschland, dass es keine juristischen Regelungen zur Änderung des Geschlechts bei intersexuellen Menschen gibt. Wurde ihnen das falsche Geschlecht von den Ärzten zugewiesen, so können sie nur schwer ihr eigentliches Geschlecht zurückgewinnen. Die deutschen Behörden stufen sie dann als Transsexuell ein, so dass eine Geschlechtsumwandlung nur nach den Auflagen des Transsexuellengesetzes möglich ist. Dieses schreibt aber unter anderem den Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit vor. (siehe auch Christiane Völling)

Deutschland muss in Bezug auf die Thematik der Intersexualität unbedingt Änderungen herbeiführen. Die ersten Schritte wurden schon mit der Formierung einer Arbeitsgruppe, die sich speziell mit DSD beschäftigt, gemacht. Forscher, Organisationen und Betroffene arbeiten hier zusammen, um eine bessere medizinische und rechtliche Behandlung von intersexuellen Kindern zu ermöglichen. Die Ergebnisse werden in ein paar Monaten veröffentlicht werden. Vorab wurden aber schon die Empfehlungen der Arbeitsgruppe veröffentlicht. (hier)

Dieser Weblog soll nicht nur als Informationsportal dienen, sondern ebenfalls eine Austauschbasis vieler Meinungen, Anregungen und Zusatzinformationen sein. Zögern Sie also nicht Beiträge zu kommentieren. Bei weiteren Fragen kontaktieren Sie mich unter: [email protected]

Liebe Grüße,

Monika Herold


 

 



[1] Statistisches Bundesamt. Geburten in Deutschland. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2007. [online verfügbar unter: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/ DE/Content/Publikationen/Fachveroeffentlichungen/Bevoelkerung/BroschuereGeburten
Deutschland,property=file.pdf
] Stand: 08.03.2008

[2] Lakotta, Beate. Ihre Tochter ist ein Sohn. Erschienen im: Der Spiegel. Nr. 45. 2002. [online verfügbar unter: http://www.free-blog.in/uploads/m/monikaherold/61844.pdf] Stand: 08.03.2008

 

Geschrieben von Inom um 22:16 | in:
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Formen der Intersexualität
9.03.2008
Formen der Intersexualität

Aus medizinischer Sicht heraus wird Intersexualität vor allem als Störung in der Sexualentwicklung betrachtet. Für Ärzte steht in erster Linie die Diagnose des Syndroms im Vordergrund, um die zukünftige Entwicklung der Physiologie und der Geschlechtsidentität vorraussagen zu können. Viele Betroffene übernehmen zwar die medizinischen Kategorisierungen und medizinischen Beschreibungen als gegeben, lehnen jedoch die Klassifizierung als "Störung" oder "Krankheit" ab. [4]

Nicht alle diese Formen weisen unbedingt äußerlich zu erkennende, uneindeutige Geschlechtsmerkmale auf. Eine große Zahl intersexueller Phänomene können phänomenologisch ganz unauffällig sein. Brisant sind jene Fälle, in denen Neugeborene uneindeutige Genitalien aufweisen. Diese werden dann "psychologische Notfälle" klassifiziert, in denen ein schnelles Handeln erforderlich ist. Oftmals enden sie in chirurgischen Eingriffen, mit Hilfe derer ein eindeutiges Geschlecht, anhand verschiedener Kritieren, zugewiesen wird. (siehe Behandlungspraxis)


Hier werden nun die häufigsten Former der Intersexualität vorgestellt:

1. Adrenogenitales Syndrom (AGS)

2. Androgrenresistenz (AIS)

3. Gonadendysgenesien

4. Hermaphroditismus versus




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(4) vgl. Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006. S. 89
Geschrieben von Inom um 18:05 | in: Medizinisches
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Rechtssprechung in Deutschland
9.03.2008
Rechtssprechung in Deutschland

Im Gegensatz zu früheren Zeiten (Allgemeines Preußisches Landrecht von 1794 1794 oder Kreittmayrs Bayrischer Codex maximilianeus Civilis von 1756) befinden sich intersexuelle Menschen in Deutschland in einer juristischen Zwischenzone.
Das Personenstandsgesetz sieht Kategorien wie "intersexuell", "hermaphrodit" oder "Menschen mit einem uneindeutigen
Geschlecht" nicht vor, sondern erkennt nur die zwei Geschlechterkategorien weiblich und männlich. (15)

Elisabeth Holzleithner schreibt dazu:

"Der rechtlich-medizinische Umgang mit uneindeutigen Genitalien ist vom Streben nach Standardisierung geprägt. Intakte, aber uneindeutige Genitalien (etwa: eine zu große Klitoris oder ein zu kleiner Penis) werden seit den sechziger Jahren chirurgisch modifiziert, damit das kulturelle Geschlecht seinen genitalen Niederschlag finden kann." (16)

Und in der Tat, lange Zeit und auch noch heute, sieht die übliche Behandlungspraxis für Kinder mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen vor, sich so früh wie möglich für eines der beiden Geschlechter zu entscheiden und dann chirurgisch das jeweilige, ausgesuchte Geschlecht herzustellen.(siehe Behandlungspraxis)

Damit einher gingen und gehen lebenslange Hormonbehandlungen, weitere Operationen und ständige genitale Untersuchungen, die weitere Traumata auslösen können. Den betroffenen Kindern wurde meistens aus Scham nichts von den frühen chirurgischen Eingriffen erzählt. Viele Menschen wurden durch diese Behandlungspraxis in ein für sie falsches Geschlecht gezwungen.
Das deutsche Rechtssystem erkennt solche „Irrtümer“ jedoch nicht an, so dass eine Korrektur dieser frühen Fehlentscheidung meist nur über das Transsexuellengesetz und nicht über das Personenstandsgesetz geschehen kann. Das Transsexuellengesetz erkennt jedoch den Wechsel des Geschlechts nur an, wenn der Antragsteller/in auf Dauer fortpflanzungsunfähig wird, sich einen operativen Eingriff unterzieht und ein oder mehrere psychologische Gutachten vorweist, die erst nach zweijähriger psychotherapeutischen Behandlung erstellt werden können, was unter anderem auch mit einem z.T. enormen Kostenaufwand für die Antragsteller verbunden ist.

Dieser Zustand der unzureichenden Regelung "ist umso erstaunlicher, da die medizinischen Unsicherheiten bezüglich der Geschlechtszuschreibung in manchen Fällen sehr groß sind und der Geschlechtswechsel bei intersexuellen Menschen häufiger als bei körperlich eindeutigen Männern und Frauen vorkommt"(17) schreibt Claudia Lang in ihrer Dissertation über Intersexualität.

Es bleibt die Hoffnung, dass sich die Bundesregierung in nächster Zeit rechtlich mit dieser Thematik auseinandersetzt und neue, gerechte Regelungen findet. Die jetzigen Gesetze sind absolut unzureichend und menschenrechtsverletztend wie der aktuelle Fall von Christiane Völling eindrucksvoll zeigt.


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(15) vgl. Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006. S. 130-135

(16) Holzleithner, Elisabeth. Variation als Abweichung. Zur medizinischen und juristischen Herstellung des Geschlechts von Intersexuellen. Wien. Online-Publikation: http://homepage.univie.ac.at/elisabeth.holzleithner/HolzleithnerVariation.pdf] Stand: 04.03.2005

(17) Lang, Claudia. Intersexualität. S. 131
Geschrieben von Inom um 13:12 | in: Rechtssprechung
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Bibliographie
9.03.2008

Bibiographie

 
Arbeitsgruppe Ethik im Netzwerk Intersexualität «Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung». Ethische Grundsätze und Empfehlungen zum therapeutischen Umgang mit Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung (DSD) / Intersexualität bei Kindern und Jugendlichen. Netzwerk-IS / AG 2: Grundsätze & Empfehlungen, Göttingen im Mai 2006. S.4-5 [online verfügbar: http://www.free-blog.in/uploads/m/monikaherold/61803.pdf]

 
Briffa, Tony.
Intersex surgery disregards children's human rights. Erschienen in: Nature. Nr. 428, Ausgabe 6984.  

 

Forschergruppe Intersexualität. Intersex-Glossar. Adrenogenitales Syndrom. Erschienen auf der Internetseite der Forschergruppe Intersexualität. URL: http://www.intersex-forschung.de/glossar.html Stand: 05.03.2008

 

Holzleithner, Elisabeth. Variation als Abweichung. Zur medizinischen und juristischen Herstellung des Geschlechts von Intersexuellen. 20.07.2004. [online verfügbar: http://homepage.univie.ac.at/elisabeth.holzleithner/HolzleithnerVariation.pdf] Stand: 08.03.2008

 Karkazis, Katrina A.. Early Genital Surgery to Remain Controversial. Erschienen in: Pediatrics, Nr. 118, Ausgabe 2. August 2006.

Lakotta, Beate. Ihre Tochter ist ein Sohn. Erschienen in: Der Spiegel. Nr. 45/2002. [online verfügbar: http://www.free-blog.in/uploads/m/monikaherold/61797.pdf] Stand: 08.03.2008

Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006.

Melby, Todd. Intersex Interrupted. Erschienen in: Contemporary Sexuality. Nr. 36/2002.

N.N. Docs agree on how to treat intersex patients. Erschienen in: Contemporary Sexuality. Nr. 11, Ausgabe 40. November 2006.

N.N. Interview: Plädoyer für ein drittes Geschlecht. Erschienen in: Geo Wissen. Nr. 26/2000. [online verfügbar: http://www.geo.de/GEO/mensch/medizin/738.html] Stand:28.02.2008

N.N. Wenn der kleine Unterschied fehlt. Erschienen in: Geo Wissen. Nr. 26/2000. [online verfügbar: http://www.geo.de/GEO/mensch/medizin/741.html] Stand: 03.03.2008

N.N. Des Zwitters Sieg. Erschienen in: Stern Online vom 06.02.2008. [online verfügbar: http://www.stern.de/politik/deutschland/610106.html?q=intersexuell] Stand: 08.03.2008

Nungeßer, Karin. Ambivalente Argumente. Intersexualität. Das Für und Wider eines operativen Eingriffs bei Intersexualität ist schwer abzuwägen. Erschienen in: Freitag 44. 25.10.2002

Sax, Leonard. How Common is Intersex? A Response to Anne Fausto-Sterling. Erschienen in: Journal of Sex Research, Nr. 39, Ausgabe 3, August 2002.

Statistisches Bundesamt. Geburten in Deutschland. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2007. [online verfügbar unter: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/ Internet/DE/Content/Publikationen/Fachveroeffentlichungen/Bevoelkerung/BroschuereGeburten Deutschland,property=file.pdf] Stand: 08.03.2008

Wiesemann, Claudia.  Claudia Lang (2006) Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Erschienen in: Ethik Med 2007. Online publiziert: 3. September 2007. Springer Medizin Verlag GmbH 2007.

Zucker, Kenneth J.. Evaluations of Sex- and Gender-Assignment Decisions in Patients with Physical Intersex Conditions: A Methodological and Statistical Note. Erschienen in: Journal of Sex & Marital Therapy. Nr. 28, Ausgabe 3. Mai 2002. S. 269-274.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschrieben von Inom um 11:44 | in: Bibliographie
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Michel Reiter
9.03.2008


Michel Reiter - Menschenrechtler und Betroffener. Seit Jahren kämpft Reiter für die Anerkennung einer dritten Geschlechterkategorie in Deutschland.

„Die Welt ist so strikt heterosexuell organisiert, dass man sich immer entscheiden muss: ob man aufs Klo will, in den Frauenbuchladen, ein Bankkonto eröffnen oder ein Behördenformular ausfüllen. Entweder ist man Mann oder Frau. Und wenn man sich nicht entscheidet entscheiden andere für einen.”

Michel Reiter im Interview
mehr über Michel Reiter

Geschrieben von Inom um 10:58 | in: Personen
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Jenny Brunner
8.03.2008

Jenny Brunner, Betroffene.
Ihre Geschichte wurde 2002 im SPIEGEL veröffentlicht. Hier klicken, um den Artikel zu lesen.
Geschrieben von Inom um 20:18 | in: Personen
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David Reimer
8.03.2008
David Reimer




David Reimer, geboren als Bruce, ging in die Wissenschaftsgeschichte ein als er als Baby durch John Money im John Hopkins Medical Center in Baltimore zum Mädchen umoperiert wurde.

Mehr Informationen hier.








Geschrieben von Inom um 20:09 | in: Personen
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Das Für und Wider zur Operation
8.03.2008

In der Frage wie mit Intersexualität aus medizinischer Sicht umzugehen ist, stehen sich zwei Lager gegenüber.

vs.


Zum einen gibt es die Mediziner, die davon ausgehen, dass ein Leben und vor allem eine Kindheit mit abnormalen Geschlechtsmerkmalen traumatisierend sei und dass dieses durch eine operative Angleichung und Einfügung in das männliche, meistens aber weibliche Geschlecht, weitaus zuträglicher für das Kind sei als ein Leben als Außenseiter.

Dabei handeln Ärzte meistens nach ihrem Gewissen und oftmals auch nach dem Willen der Eltern.  Wie die Kinderärztin Annette Grüters 2003 in der Dokumentation „Eindeutig Zweideutig“ erklärte:

„Es ist unser Auftrag, dieses Kind zu behandeln und auch zum Teil zu schützen – vor der Gesellschaft, die nicht mit ihm umgehen kann, so wie es ist.“ [1]

Der Kinderurologe John Ross äußert sich ähnlich:

„The greater majority of people having an enlarged clitoris and being outside the norm have problems. It’s simple common sense that the presence of a large clitoris to disturb the phenotype of the child has a greater negative psychological impact during their childhood. Surgery on children with ambiguous genitalia is not the same as cosmetic surgery, as some critics say. It does not have anything to do with beauty to a have a child with an enlarged clitoris, but with being a freak, something way outside the norm. That’s a psychological burden which we can relieve them of.”[2]

 Wie John Money gehen auch diese Ärzte davon aus, dass das Neugeborene sexual-psychologisch neutral sei und bis zum zweiten Lebensjahr in entweder dem einen oder anderen Geschlecht erzogen werden könnte.

Von Seiten der Kritiker gegenüber Geschlechtszuweisungen wird gefordert, die hormonellen und chirurgischen Eingriffe in die Pubertät zu verschieben, wenn das Kind alt genug ist, selbst über sein Geschlecht zu entscheiden. Allerdings weisen die Mediziner darauf hin, dass die Pubertät eine biographische Phase sei, „in der alle Menschen sowieso von Unsicherheit geprägt seien. Eine so tief greifende Entscheidung in dieser „allersensibelsten Phase“ würde jeden Jugendlichen überfordern.“[3]

 Weitere Rückendeckung erhalten die Befürworter früher Geschlechtszuweisung vom Official Journal Of The American Academy Of Pediatrics. Dieses hatte im Jahr 2002 einen Bericht veröffentlicht, in dem sich ehemalige PatientInnen des John Hopkins Medical Centers zufrieden mit der früher, von Ärzten ausgeführten Geschlechtszuweisung äußersten. Alle 39 Teilnehmer dieser Befragung waren als genetisch männlich aber mit einem extrem kleinen Penis zur Welt gekommen und ihr Harnröhrenausgang befand sich an der unteren Stelle auf, wo dieser üblicherweise bei weiblichen Babys angeordnet ist.

Manchen wurde ein weibliches Geschlecht zugewiesen, andere wiederum machten die Ärzte zu Jungen. Dreiviertel der Befragten (78% der Frauen und 76% der Männer) gaben an mit ihrem Geschlecht, das für sie ausgewählt wurde zufrieden zu sein. Zwei der Teilnehmer hatten ihr Geschlecht im Erwachsenenalter ändern lassen. Die meisten gaben in Bezug auf ihr Körperbild (body image), sexuelle Orientierung und sexuellen Funktionsfähigkeit keine Beschwerden an. Sie meinten auch, dass sich angemessen weiblich oder männlich fühlten. (der ganze Bericht hier)


Stimmen gegen eine frühe Geschlechtszuweisung

Trotz dieses Berichtes regen sich die Gegenstimmen gegenüber den bisherigen Therapien. So meint Dr. Alice Dreger, Medizinethikern und –historikerin der Michigan State University, dass diese Ergebnisse irreführend seien.
So hätten die Fragen anders gestellt werden müssen - nicht wie zufrieden oder glücklich man mit dem Geschlecht sei, sondern wie zufrieden man mit der Behandlung gewesen sei.

Man könne zwar glücklich mit zugewiesenen weiblichen Geschlecht sein, so Dreger weiter, aber nicht glücklich darüber, dass einem die Klitoris abgeschnitten wurde oder darüber dass man über seinen körperlichen Zustand angelogen wurde.[4]

„I don’t care if it’s 90 percent or 95 percent – and it’s not that high – it’s not OK to cut off a girl’s clitoris and risk her future orgasmic capabilities because it bothers the adults around her. […] Leave the damn thing alone unless you have reason to be messing with it.”[5]


© Henning Wagenbreth


Generell wird zurzeit davon ausgegangen, dass etwa 8% aller behandelten Kinder im falschen Geschlecht aufwachsen.[6] Nach der herkömmlichen Behandlungspraxis werden ihnen ihre Genitalien entfernt und sie werden gegen ihren Willen einem Geschlecht zugeordnet und darin erzogen. Die Traumatisierungen und Leidenswege, die solche Irrtümer verursachen, können verheerend sein. (siehe Fall Christiane Völlings oder David Reimer.)

Der Vorwurf, dass das Wohl des Kindes nicht im Vordergrund stünde, sondern einzig und allein der gewaltsame Versuch ein Kind in unsere westlich geprägten Geschlechtervorstellungen zu pressen, wird von vielen Intersexuellen-Vereinen und Organisationen erhoben. Sie fordert die ISNA (Intersex Society of North America) seit Jahren, dass die psychologische Betreuung von Kindern, aber besonders von Eltern im Vordergrund stehen müsse und nicht die physische Anpassung an die Norm. [5a]

Ähnlich äußern sich auch viele Betroffene, die das Argument vieler Ärzte, Kinder vor dem Außenseitertum zu bewahren, nicht gelten lassen wollen. Ihr Argument: gerade eine offene und selbstbewusste Umgehensweise mit der Intersexualität sei weitaus hilfreicher als ein Verschweigen und eventuell falsch gewähltes Geschlecht. Intersexualität müsse nicht zwangsläufig zu Ausgrenzung und Stigmatisierung führen. So erzählt die Mutter des vierjährigen Wesleys, dass ihr Sohn selbstbewusst mit seiner körperlichen Besonderheit umgehe:

„Wesley weiß alles, was mit ihm ist. Er hat es verstanden und aufgenommen. Er geht da ganz offen damit um. Er provoziert die Leute auch, indem er hingeht und sagt ‚Ich habe mal einen Eierstock gehabt.’ Manche sind da ganz erschrocken und meinen ‚Was erzählst du für einen Mist?’ Aber er provoziert die Leute gern damit. Er macht das auch extra bei den passenden Leuten.“[7]

Ein offener Umgang frei von Scham kann Kindern helfen selbstbewusst mit ihrem Körper umzugehen. Allerdings, selbst wenn intersexuelle Kinder über ihr Geschlecht später selbst entscheiden können, bleibt das oben genannte Problem, dass sie eventuell gar nicht dazu in der Lage sind.

Laut Medizinern muss die Entscheidung vor der Pubertät getroffen werden, da sonst die körpereigenen Hormone einsetzen können und eventuell das nicht gewünschte Geschlecht erzeugen können. Zwar könnte auch die Pubertät durch Medikamente weiter aufgeschoben werden, jedoch bringt auch das körperliche und vor allem psychische Probleme mit sich, wie der Kinderendokrinologe Christian Kapferer erklärt: 

„Es war für das Mädchen selber unbedingt notwendig. Sie wollte irgendwas geändert haben. Sie hat gesagt, es geht so für sich nicht. Sie kann nicht sozusagen in der Mitte einfach dastehen. Sie hat Turnunterricht, sie will im Sommer ins Schwimmbad gehen, sie will sich eigentlich mit Buben beschäftigen und alle entwickeln sich und bei ihr tut sich im Moment nichts. Sie ist vor allem an einem Punkt gekommen, wo ein Stimmbruch stattgefunden hat, wo sich die ganze Statur in die männliche Richtung umzubilden anfängt, die Muskulatur und Behaarung zunimmt. […]

Jetzt unterhalte ich mich mit ihr darüber, was sie glaubt, was sie später einmal sein will und ich muss aber – ich bin zu dem Zeitpunkt ja in Zugzwang – zu dem Zeitpunkt muss ich irgendwas machen. Wenn ich sie spontan einfach weitergehen lasse, dann wird es in späterer Zeit wahrscheinlich ziemlich schwierig werden. Den Einfluss der männlichen Hormone kann ich nicht rückgängig machen oder nur partiell. Es gäbe natürlich Möglichkeiten, die gesamte Pubertätsentwicklung aufzuhalten mit einer medikamentösen Therapie, bis die Kinder 18 oder 19 Jahre alt sind und über sich selber entscheiden können. Nur ein Problem: Was passiert mit dem ganzen Knochenstoffwechsel und übrigen Stoffwechsel in dieser Phase? Die Geschlechtshormone braucht man ja nicht nur für die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale. Und vor allem: Wie geht es dem Kind, wenn das bis 18 oder 19 Jahre keine Pubertätsentwicklung hat?“[8]

Dieser kurze Einblick in Diskussion zeigt, dass die Behandlung und der medizinische Umgang mit Intersexualität vielen Problematiken unterlegen ist und nicht rein medizinischer Natur sondern viel mehr eine Frage der Ethik ist.
Kann man eine Therapie zulassen und vertreten, bei der 78% der Betroffenen Jahre später angeben 'zufrieden' zu sein? Eine Behandlung, bei der aber statistisch gesehen mindestens 8% der Patienten fehlbehandelt, sogar verstümmelt wurden? Aber welche Möglichkeiten bleiben, wenn eine eigene Entscheidung von Seiten der Kinder vielleicht gar nicht möglich ist?





[1] Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006. S. 117

[2] Lang, Claudia. Intersexualität. S. 118-119

[3] Lang, Claudia. Intersexualität. S. 121

[4] Melby, Todd. Intersex Interrupted. Erschienen in: Contemporary Sexuality. Dec2002, Vol. 36 Issue 12, S.1.

[5] Melby, Todd. Intersex Interrupted.

[6] Tony Briffa. Intersex surgery disregards children's human rights. Infancy is too early to take an irreversible step that may assign a child to the wrong sex. Erschienen in: Nature, 4/15/2005, Vol. 428 Issue 6984, S. 695.

[7] Lang, Claudia. Intersexualität. S. 120

[8] Lang, Claudia. Intersexualität. S. 121


Geschrieben von Inom um 13:25 | in: Behandlungspraxis
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Lesenswerte Publikationen
8.03.2008
1. Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006.

2. [email protected]_forschungsgruppe_ intersexualität.
Ein Interview zum Stand der Hamburger Evaluationsstudie. Download.

3.Geo Wissen.
Nr. 26/2000. Mann & Frau. Alte Mythen, neue Rollen. Hier zur Online-Ausgabe

4. Ethische Grundsätze und Empfehlungen zum therapeutischen Umgang mit Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung (DSD) / Intersexualität bei Kindern und Jugendlichen. Arbeitsgruppe Ethik im Netzwerk Intersexualität. Download.

5. N.N. Ihre Tochter ist ein Sohn. Erschienen im: Der Spiegel. Nr. 145. 2002.
Download.

6. Tipps für Ärzte im Umgang mit intersexuellen Neugeborenen.
   
     Download:  Broschüre 1, Broschüre 2, Broschüre 3
 

Geschrieben von Inom um 11:44 | in: Publikationen
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Dr. John Money
8.03.2008

Dr. John Money, Sexualforscher und Begründer der medizinisches Behandlung von Intersexualität, die weltweit übernommen wurde.
Für Informationen: hier.
Geschrieben von Inom um 11:29 | in: Personen
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Michel Reiter - Interview: Plädoyer für ein drittes Geschlecht
8.03.2008

Interview: Plädoyer für ein drittes Geschlecht

GEO WISSEN-Autorin Ines Possemeyer befragte den intersexuellen Michel Reiter. Als Mitbegründer der "Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie" setzt er sich für das Recht auf körperliche Unversehrtheit von Zwittern ein.

 


GEO: Sie haben beim Standesamt die Änderung Ihrer Geburtsurkund beantragt. Wie soll der neue Eintrag lauten?

Reiter: Ich möchte, dass dort statt "Birgit Reiter, weiblich" wieder mein Geburtsname "Michel Reiter" steht und als Geschlecht "Zwitter". Den Begriff "intersexuell" lehne ich ab, weil er aus der Medizin stammt.

GEO: Sie haben beim Standesamt die Änderung Ihrer Geburtsurkund beantragt. Wie soll der neue Eintrag lauten? Warum nicht "männlich"?

Reiter: "Michel" steht nicht für Mannsein, sondern für die ersten acht Monate meines Lebens, als ich noch körperlich unversehrt war. Mein eigentlicher Wunsch wäre ein Strich in der Geburtsurkunde. Aber die Justiz kennt kein "Nichts". Also müsste eine dritte Geschlechtskategorie geschaffen werden. Ich hoffe auf eine Grundsatzdiskussion über das Thema: Was ist eigentlich "Geschlecht"? Der Staat orientiert sich bislang an der Medizin, an deren zwei Geschlechtskategorien. Wenn aber eine politische Entscheidung dazu führt, Hermaphroditen amtlich anzuerkennen, dann könnte sie die Medizin nicht länger pathologisieren.

GEO: Gibt es nicht ein Bedürfnis nach eindeutiger Zuordnung?

Reiter: Bei mir nicht, ich fühle mich als weder noch. Ich denke, seine Identität kann nur finden, wer nicht Folter und Gewalt ausgesetzt wird.

GEO: Folter und Gewalt?

Reiter: Ich meine psychische Folter. Aber ich glaube auch, dass die Operationen an Zwittern gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit verstoßen. Man müsste die Mediziner wegen schwerer Körperverletzung belangen können und die Eltern wegen Misshandlung Schutzbefohlener.

GEO: Könnten Sie sich vorstellen, vor Gericht zu gehen?

Reiter: Ich habe es versucht, aber die chirurgischen Eingriffe gelten als psychologisch notwendige Heilmaßnahme, die den Betroffenen eine stabile Identität geben soll - obwohl es dafür keine zuverlässigen Daten gibt. Die öffentliche Diskussion beginnt erst jetzt anlässlich des Falls David Reimer.

GEO: Wie sollte in Zukunft mit intersexuellen Babys umgegangen werden?

Reiter: Man sollte sie in Ruhe lassen! Eltern müssen lernen, das Anderssein ihres Kindes zu akzeptieren. Es müssten eigens psychologische Beratungen eingerichtet werden. Wer mit einem "Monster"-Stigma oder mit verstümmelten Genitalien aufwächst, kann weder körperliches Selbstbewusstsein noch eine natürliche Sexualität entwickeln.

GEO: Identifizieren sich viele Intersexuelle mit dem ihnen zugewiesenen Geschlecht?

Reiter: Ja. Je geringer die biologische Abweichung von der Norm, desto leichter mag dies gelingen. Aber wer etwa eine starke Virilisierung aufweist, wird sich schwer mit einer weiblichen Zuweisung zurechtfinden. Und selbst wenn Mediziner in solchen Fällen heute häufiger einen Penis aufbauen und Hoden implantieren - die Betroffenen werden wieder in eine Schublade gesteckt. Deswegen sind Diskussionen über verbesserte operative Eingriffe im Kindesalter Nonsens. Wer als Erwachsener eine Operation wünscht, sollte allerdings die Möglichkeit dazu haben. Aber grundsätzlich müssen alle die Chance haben, weder als männlich noch als weiblich zu leben.


 

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Possemeyer, Ines. Interview mit Michel Reiter. Plädoyer für ein drittes Geschlecht. Erschienen in: GEO WISSEN Nr. 26/00 - Mann & Frau. Alte Mythen, neue Rollen . Online verfügbar: http://www.geo.de/GEO/mensch/medizin/738.html Stand:28.02.2008

Geschrieben von Inom um 10:57 | in: Personen
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Aktueller Fall in Deutschland
6.03.2008
Süddeutsche Zeitung

Prozess um Intersexualität

Jahrelanges Leiden als Zwitter

Das Kölner Landgericht hat einer Krankenpflegerin Schmerzensgeld zugesprochen. Ein Chirurg hatte ihr ohne Einwilligung die Geschlechts-organe entfernt.

Nach ihrem jahrelangen Leidensweg als Zwitter hat das Kölner Landgericht einer Krankenpflegerin in einem bislang beispiellosen Verfahren Schmerzensgeld zugesprochen.
 
Ein Chirurg habe der 48-Jährigen ohne die notwendige Einwilligung ihre intakten weiblichen Geschlechtsorgane entfernt, urteilte die Zivilkammer. Über die Höhe des Schmerzensgeldes muss noch entschieden werden. Die Klägering hatte wegen der rund 30 Jahre zurückliegenden Operation 100.000 Euro gefordert.

Das Urteil sei Balsam für ihre "wunde Seele", sagte die Düsseldorfer Krankenpflegerin nach Verkündung der Entscheidung. "Ich wurde durch die Medizin gegen meinen Willen zum Mann gemacht, damit muss ich leben. Aber ich hoffe nun auf eine menschwürdigere Behandlung", erklärte die Frau, die als Thomas auf dem Personenstandsregister eingetragen ist, sich selbst aber Christiane nennt.

In dem seit Dezember vor dem Kölner Landgericht anhängigen Verfahren ging es um einen Fall von Geschlechterverwirrung: Bei der Geburt war die ungewöhnlich vergrößerte Klitoris des Babys irrtümlich als Penis angesehen worden. Das Kind wurde deshalb von den Eltern als Junge erzogen und erhielt den Namen Thomas. Erst bei einer Blinddarmoperation fiel auf, dass die Klägerin über eine Gebärmutter und Eierstöcke verfügte. Diese wurden von dem beklagten Kölner Chirurgen ein Jahr später entfernt.

Chirurg ging von verkümmerten Geschlechtsorganen aus

Laut Urteil waren die Ärzte vor der Operation davon ausgegangen, dass sich die weiblichen Geschlechtsorgane in einem hochgradig verkümmerten Zustand befunden hätten. Doch sei dies ein Irrtum gewesen, wie der Chirurg bei der Operation erkannt habe, erklärte der Vorsitzende Richter Dietmar Reiprich. Auch habe der Arzt damals bemerkt, dass entgegen der Erwartungen keine Anzeichen für eine gemischt weiblich-männliche Geschlechtlichkeit vorlägen. "Die Klägerin war von der Anatomie her völlig weiblich, daher hätte er die Operation ohne eine neue Einwilligung nicht fortsetzen dürfen", erklärte Reiprich.

Die Entscheidung der Kölner Zivilkammer wertet die Krankenpflegerin als Chance für viele weitere Leidensgenossen, die wie sie wegen ihrer nicht eindeutigen äußeren Geschlechtsorgane als intersexuell bezeichnet werden. "Die Tabuisierung der Zwitter muss aufhören und ich hoffe, dass sich viele meinem Beispiel anschließen und für ihre Rechte kämpfen", sagte die 48-Jährige. Ihr Leben sei durch Unwissenheit und eine Reihe von ärztlichen Fehlern verpfuscht worden.

Sie selbst hat in den nächsten Monaten noch viel vor: Seit 18 Monaten versucht sie nach eigenem Bekunden bereits ihren männlichen Vornamen auch offiziell in Christiane umzuwandeln. "Noch bin ich gegen verschlossene Türen gerannt, aber ich gebe nicht auf - jetzt erst recht nicht."


Mehr Informationen hier. 


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N.N. Prozess um Intersexualität. Jahrelanges Leiden als Zwitter. Erschienen bei: Sueddeutsche Online am 06.02.2008. URL: http://www.sueddeutsche.de/panorama/artikel/930/156517
Geschrieben von Inom um 17:26 | in: Aktuell
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Empfehlungen der Arbeitsgruppe Intersexualität im Auftrag der Bundesregierung, erschienen 2006
6.03.2008

Hier folgt nun eine Zusammenfassung und Auswahl der Grundsätze und Empfehlungen der Arbeitsgruppe Intersexualität. Der komplette Text ist hier erhältlich.


Grundsätze und Empfehlungen für das therapeutische Team

1.

Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung sind nicht per se korrekturbedürftig und stellen bei einem Neugeborenen keinen chirurgischen, jedoch in der Regel einen psychosozialen Notfall dar. [...]

2.

Die Eltern müssen mit in die Entscheidungsfindung und Behandlungsplanung einbezogen werden.

3.

Das Kindeswohl steht an erster Stelle und wird nicht automatisch durch die Festlegung auf ein äußerlich und ggf. biologisch eindeutiges Geschlecht gewahrt. "Im Zweifelsfall hat die psychische und soziale Unterstützung des Kindes und seiner Eltern einen höheren Wert als die Herstellung einer biologischen Normalität."
4.

Eine therapeutische Haltung der Offenheit und Akzeptanz ist gefordert.

5.

Maßnahmen, für die keine zufrieden stellende wissenschaftliche Evidenz vorliegt, sowie Maßnahmen, die irreversible Folgen für die Geschlechtsidentität oder negative Auswirkungen auf Sexualität oder Fortpflanzungsfähigkeit haben können, sind besonders begründungs- und rechtfertigungspflichtig und bedürfen einer zwingenden medizinischen Indikation.

7.

Eine altersgerechte und umfassende Aufklärung des Kindes über seine Kondition sowie seine Partizipation an Therapieentscheidungen sind unerlässlicher Teil der Behandlung. [...] Das Recht auf alleinige Einwilligung in einen Heileingriff steht einem Jugendlichen in der Regel schon mit Erreichen des 14. Lebensjahres zu.

8.

Dem Recht des zukünftigen Erwachsenen auf Kenntnis seiner Behandlung in Kindertagen ist durch eine lückenlose Dokumentation zu entsprechen.


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Netzwerk Intersexualität. Ethische Grundsätze und Empfehlungen zum therapeutischen Umgang mit Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung (DSD) / Intersexualität bei Kindern und Jugendlichen. Arbeitsgruppe Ethik im Netzwerk Intersexualität «Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung» Netzwerk-IS / AG 2: Grundsätze & Empfehlungen, Göttingen im Mai 2006. S.4-5

 

Geschrieben von Inom um 11:20 | in: Behandlungspraxis
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Androgenresistenz (AIS)
5.03.2008
Androgenresistenz

Die Androgenresistenz (AIS) ist die häufigste mit einem XY-Chromosomensatz verbundene Form der Intersexualität. Die betroffenen Personen sind genetisch männlich (XY), jedoch hat der Körper aufgrund einer genetischen Veränderung eine Resistenz gegen Testosteron und andere Androgene entwickelt.(5) Kinder mit AIS kommen mit einem weiblichen äußeren Genitale zur Welt, es fällt jedoch meistens erst während der Pubertät auf, „dass die vermeintlichen Mädchen weder Uterus noch Eierstöcke haben aber dafür Hoden und XY-Chromosomen aufweisen. „Die Hoden produzieren Testosteron, welches, wie im Körper jeder Frau, teilweise zu Östrogen umgewandelt wird. […] Die einzige äußerliche Auffälligkeit ist das Ausbleiben von Scham- und Achselbehaarung.“(6)


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(5) Sax, Leonard. How Common is Intersex? A Response to Anne Fausto-Sterling. Erschienen in: Journal of Sex Research , August 2002, Vol. 39 Issue 3, p174

(6) vgl. Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006. S. 91-92
Geschrieben von Inom um 18:37 | in: Medizinisches
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Das Adrenogenitale Syndrom (AGS)
5.03.2008
Das Adrenogenitale Syndrom (AGS)

Das Adrenogenitale Syndrom fällt unter die Kategorien der vererbten Stoffwechselerkrankungen und stellt die häufigste Form der Intersexualität dar. Es handelt sich hierbei um eine Störung der Nebennierenfunktion (Nebennieren = adrenal), die sich auf die Genitalentwicklung auswirken kann. Durch einen Enzymmangel der 21- Hydroxylase und anderen Enzymen kann in der Nebenniere nicht das lebenswichtige Hormon Kortisol gebildet werden.

Um dieses zu kompensieren, reagiert der Körper mit einer stärkeren Stimulierung der Nebenniere, was zwar die Kortisolbildung verbessert aber ebenso eine Überproduktion an männlichen Sexualhormonen zur Folge hat. Diese wirken schon während der embryonalen Entwicklung auf den Körper ein und können bei genetisch weiblichen Kindern zu einer Vermännlichung der weiblichen Genitalien führen.
„Je nachdem wie stark die Überproduktion männlicher Sexualhormone ist, kann eine Klitorishypertrophie bis hin zu einem nichteindeutigen Genitale oder einem äußerlich komplett männlichen Genitale entstehen.“ (8) Dies bedeutet, dass die Klitoris leicht bis stark vergrößert sein kann, ebenso können die Schamlippen zusammengewachsen sein.

„Kinder mit AGS müssen sowohl mit Kortison als auch meistens mit einem aldosteronartigen Medikament lebenslang behandelt werden.“(9) Ohne hormonelle Behandlung würde die Vermännlichung weiter zunehmen und es würden Bartwuchs, Stimmbruch und männliche Schambehaarung erfolgen.
„Die Pubertät […] würde ohne hormonelle Behandlung schon zwischen 4 und 7 Jahren eintreten, die Kinder würden in der Kindheit sehr groß, insgesamt jedoch durch vorzeitiges Aufhören des Knochenwachstums eher klein bleiben.“(10)

Häufigkeit

Laut Aussagen der Bundesregierung tritt AGS mit einer Häufigkeit von circa 1:4000 bis 1:9000 Geburten in Deutschland auf und bildet somit die häufigste Form von Intersexualität.(11)

Behandlung:


In Deutschland wird etwa die Hälfte aller weiblichen Kinder mit AGS  durch Hormongaben (Cortison und Östrogenen) therapiert. Die andere Hälfte der betroffenen Neugeborenen werden zusätzlich chirurgisch behandelt.(12) Diese Eingriffe sind jedoch gravierend und werden von Seiten der Betroffenen, Hilfsinitiativen bis hin zu Medizinern selbst stark kritisiert.

Operationen dieser Art bedeuten, dass per Skalpell die Klitoris verkleinert wird. Dieses Eingreifen führt jedoch "regelmäßig zu Narben und Gefühlsstörungen bis hin zur Gefühllosigkeit, was umso schwerwiegender ist, als in der Klitoris viele Nerven zusammenlaufen, die sie zu einem zentralen Organ weiblicher Sexualität machen. Dieses Potential wird durch die Operationen deutlich herabgemindert bis zerstört." (13) Betroffene selbst ziehen dabei oftmals Parallelen zur Beschneidungspraxis junger Mädchen in afrikanischen Ländern und fordern vehement ein Operationsverbot dieser Behandlungsmethoden. (14)



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(8) Forschergruppe Intersexualität. Intersex-Glossar. Adrenogenitales Syndrom. Erschienen auf der Internetseite der Forschergruppe Intersexualität. URL: http://www.intersex-forschung.de/glossar.html Stand: 05.03.2008

(9) Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006. S. 90-91

(10) Lang, Claudia. Intersexualität. S. 91

(11) vgl. N.N. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abg. Christina Schenk und der Fraktion der PDS BT-Drs. 14/5425. Erschienen unter der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. URL: http://www.dgti.org/is/brd_an_pds.htm Stand: 04.03.1008

(12) N.N. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abg. Christina Schenk und der Fraktion der PDS BT-Drs. 14/5425.

(13) Holzleithner, Elisabeth. Variation als Abweichung. Zur medizinischen und juristischen Herstellung des Geschlechts von Intersexuellen. Wien. Online-Publikation: http://homepage.univie.ac.at/elisabeth.holzleithner/HolzleithnerVariation.pdf] Stand: 04.03.2005

(14)
Clüsserath, Jürgen Claudia. Der Tag der Menschenrechte 10. Dezember 2001. Das Ritual der Eindeutigkeit. Online-Publikation. URL: http://www.dgti.org/is/iskultur.htm. Stand: 0603.2008

Geschrieben von Inom um 18:34 | in: Medizinisches
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Hermaphroditismus Versus
5.03.2008
Hermaphroditismus Versus

"Eine Person mit Hermaphroditismus besitzt Keimdrüsengewebe beider Geschlechter"(12) Das bedeutet, dass beide Geschlechter im Körper angelegt sind, sowohl Hoden wie auch Eierstöcker. Früher wurde diese Form der Intersexualität im Volksmund auch Zwitter genannt.
Bei den betroffenen Menschen können die Keimdrüsenanlagen getrennt sein. Auf der einen Seite kann so ein Eierstock und auf der anderen Seite Hoden angelegt sein.

Oder aber es besteht auf jeder Seite ein Mischgewebe mit ovariellen und testikulären Anteilen. "Der Chromosomensatz kann variabel sein [...]." (13) So können also genetisch weibliche wie auch genetisch männliche Neugeborene davon betroffen sein.

Das äußere Erscheinungsbild ist ebenfalls variabel und kann von fast "weiblich" über androgyn bis hin zu fast "männlich" gehen. Hermaphroditismus geht jedoch fast immer mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen einher.(14)

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(12) Forschergruppe Intersexualität. Intersex-Glossar. Adrenogenitales Syndrom. Erschienen auf der Internetseite der Forschergruppe Intersexualität. URL: http://www.intersex-forschung.de/glossar.html Stand: 05.03.2008

(13) siehe Forschergruppe Intersexualität.

(14) Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006. S. 94
Geschrieben von Inom um 18:07 | in: Medizinisches
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Gonadendysgenesie
5.03.2008
Gonadendysgenesie

Unter Gonadendysgenesie wird in der Medizin das Fehlen funktionstüchtiger Keimzellen (auch Sexualdrüsen genannt) verstanden. In den Sexualdrüsen befindet sich das jeweilge Geschlechtsorgan, in dem auch die Sexualhormone produziert werden. Die männliche Keimdrüse ist der Hoden, die weibliche Keimdrüse ist der Eierstock. [1]

Das Fehlen dieser Keimzellen kann durch eine Störung in der frühen Embryonalentwicklung ausgelöst werden. Je nach genetischen angelegten Geschlecht (XX-oder XY-Chromosomensatz) lassen sich verschiedene Syndrome beschreiben bei denen Gonadendysgenesie auftreten kann:


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[1] vgl. Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006. S. 94-96
Geschrieben von Inom um 18:02 | in: Medizinisches
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Frühere Behandlungspraxis bei Neugeborenen
5.03.2008
Frühere Behandlungspraxis bei Neugeborenen


 
Seit den 50er Jahren werden in Deutschland hormonell und operativ behandelt. Dabei spielte besonders John Money, ein amerikanischer Psychologe, der am Johns Hopkins Medical Centre in Baltimore forschte, daran, dass bei Kindern mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen eine schnelle operative Geschlechtszuweisung die Problematik der Intersexualität therapieren zu können. Anhand von Langzeitstudien war Money davon überzeugt, dass über 95% der betroffenen Kinder, in die Rolle hineinwüchsen, die ihnen chirurgisch zugewiesen wurde. (15)

Nach Moneys Theorie sind Neugeborene mit intersexuellem Geschlecht neutrale Wesen und erst die Erziehung bringt dem Kind eine männliche oder weibliche Identität. Um eine ungestörte, richtige psychosexuelle Entwicklung sicherzustellen, seien eindeutige äußere Genitalien erforderlich, schlussfolgerten Money und seine Kollegen aus den Studien.(16) 1955 veröffentlichte Money seine Schlussfolgerungen im Mitteilungsbericht des John Hopkins Hospitals:

„Chromosomal, gonodal, hormonal and assigned sex, each of them interlinked, have all come under review as indices which may be used to predict an hermaphroditic person’s gender – his or her outlook, demeanor and orientation. […] Of the four, assigned sex stands up as the best indicator.” (17)

Da sich das John Hopkins Hospital als erste Klinik weltweit auf die Behandlung intersexueller Babys spezialisiert hatte, schuf Money damit eine weltweite Behandlungspraxis. Im Falle eines Neugeborenen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen wurde von nun an, je nach Auffassung der Ärzte, mit Hormongaben und Chirurgie das ausgewählte Geschlecht zugewiesen. John Money selbst wollte seine Theorie mit dem Fall des Jungen Bruce Reimer belegen. Die Eltern hatte Bruce in Moneys Klinik gebracht als dieser bei einer fehlgeschlagenen Beschneidung einen Teil seines Penis eingebüßt hatte. Money riet den Eltern zur Operation, woraufhin die Ärzte die Penisreste entfernten und eine künstliche Vagina anlegten. Bruce verwandelte sich so im Alter von 22 Monaten in Brenda und John Money präsentierte diesen Fall der Fachwelt als Erfolg und Beleg seiner Theorie. (die ganze Geschichte hier)

15 Jahre später gestehen die Eltern dem verstümmelten Jungen, der sich längst gegen die aufgezwungene weibliche Identität auflehnte, die operativen Eingriffe. Brenda nannte sich in David um, brach die geplanten Hormonbehandlungen ab und lebte als Mann weiter. Er unterzog sich auch mehreren Operationen, um sein ursprüngliches Geschlecht wiederherstellen zu lassen. Reimer heiratete, brachte sich aber nach mehreren Suizidversuchen 2004 um.

John Moneys Theorien und vor allem Praxisempfehlungen werden heute noch angewendet, sie sind aber unter Medizinern, Betroffenen, Eltern, Psychologen und Medizinethiker sehr umstritten. Erst seit kurzer Zeit findet in der Biomedizin ein Umdenken statt und es wird darauf hingearbeitet Intersexualität weniger als Krankheit, die symptomatisch durch einfaches Wegoperieren und Verschweigen therapiert werden kann, verstanden wird. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass die Behandlungsmöglichkeiten weitaus komplexer zu sehen sind. Ein einfaches Abwarten und eine spätere Entscheidung des Kindes (beispielsweise vor oder nach der Pubertät), in welchem Geschlecht es leben möchte, ist nicht so einfach wie es zunächst scheint. (siehe Pro- und Contra-Operation)


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(15) N.N. Intersexualität: Wenn der kleine Unterschied fehlt. Erschienen in: GEO WISSEN Nr. 26/00. Online Publikation: http://www.geo.de/GEO/mensch/medizin/741.html Stand: 04.03.2008

(16) Holzleithner, Elisabeth. Variation als Abweichung. Zur medizinischen und juristischen Herstellung des Geschlechts von Intersexuellen. Wien. Online-Publikation: http://homepage.univie.ac.at/elisabeth.holzleithner/HolzleithnerVariation.pdf] Stand: 04.03.2005

(17) Melby, Todd. Intersex Interrupted. Erschienen in: Contemporary Sexuality. Dec2002, Vol. 36 Issue 12, p1.

(18) vgl. Lakotta, Beate. Ihre Tochter ist ein Sohn. Erschienen in: Der Spiegel. Nr. 4 5 / 2 0 0 2 , S. 213.
Geschrieben von Inom um 17:49 | in: Behandlungspraxis
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Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten
5.03.2008
Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten

vom 5. Februar 1794

ERSTER THEIL
Erster Titel


Von Personen und deren Rechten überhaupt:

der Zwitter.


§. 19. Wenn Zwitter geboren werden, so bestimmen die Aeltern, zu welchem Geschlechte sie
erzogen werden sollen.

§. 20. Jedoch steht einem solchen Menschen, nach zurückgelegtem achtzehnten Jahre, die
Wahl frey, zu welchem Geschlecht er sich halten wolle.

§. 21. Nach dieser Wahl werden seine Rechte künftig beurtheilt.

§. 22. Sind aber Rechte eines Dritten von dem Geschlecht eines vermeintlichen Zwitters
abhängig, so kann ersterer auf Untersuchung durch Sachverständige antragen.

§. 23. Der Befund der Sachverständigen entscheidet, auch gegen die Wahl des Zwitters, und
seiner Aeltern.



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Quelle: http://www.smixx.de/ra/Links_F-R/PrALR/pralr.html, Stand: 04.03.2008

Als pdf-Dokument laden: http://www.smixx.de/ra/Links_F-R/PrALR/PrALR_I_1.pdf
Geschrieben von Inom um 17:16 | in: Rechtssprechung
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Definition von Intersexualität
5.03.2008
Unter dem Begriff ‚Intersexualität’ beziehungsweise DSD (disorders of sex development) fasst die Medizin jene körperlichen Zustände zusammen, bei denen das Geschlecht einer Person nicht eindeutig der männlichen Kategorie oder der weiblichen Kategorie zu zuordnen ist. (1)
Die Ursachen für DSD sind vielfältig und splittern sich medizinisch betrachtet in mehr als hundert Phänomene. Dabei spielen vor allem Chromosomen, die inneren Geschlechtesorgane und die Hormone die entscheidende Rolle. Gendefekte können Resistenzen gegen das männliche Hormon Testesteron oder das weibliche Hormon Estrogen hervorrufen werden, was dazu führt, dass sich trotz eines männlichen bzw. weibliches Chromosomensatzes ein weibliches bzw. männliches Erscheinungsbild herausbildet.(2)

Es kommt auch vor, wenn auch nur vergleichsweise selten, dass sich beide Geschlechtsmerkmale, die inneren und äußeren weiblichen und männlichen, gleichzeitig entwickeln. Weitaus häufiger hingegen treten das Klinefelter-Syndrom, im Chromosomensatz befindet sich ein zusätzliches X-Chromosom, und das Turner-Syndrom, der Chromosomensatz enthält kein X-Chromosom, auf.

Insgesamt ist von DSD ungefähr jeder 2000. Neugeborene in Deutschland. Jedoch gehen die Meinungen nach der Häufigkeit von ‚Intersexualität’ auseinander. So geht die die weltweite Organisation Intersex Society of North America (ISNA) davon aus, dass jedes 2000. Neugeborene mit DSD geboren wird. GeoWissen berichtete im Jahr jedoch davon, dass etwa jedes 330. Kind mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt käme.(3) Verein „Netzwerk Intersexualität e.V.“ - ein Zusammenschluss von ForscherInnen, klinischen KooperationspartnerInnen und Mitgliedern von Selbsthilfegruppen – spricht jedoch davon, dass jedes 5000. Kind von DSD betroffen sei.


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(1) vgl. Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006. S. 81

(2) vgl. Wiesemann, Claudia. Buchrezension über: Claudia Lang (2006) Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Erschienen in: Ethik Med 2007. Online publiziert: 3. September 2007. Springer Medizin Verlag GmbH 2007.

(3) vgl. N.N. Intersexualität. Wenn der kleine Unterschied fehlt. Erschienen in: GEO WISSEN Nr. 26/00 - Mann & Frau. Alte Mythen, neue Rollen.
Geschrieben von Inom um 17:15 | in: Definition
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