Empfehlungen der Arbeitsgruppe Intersexualität im Auftrag der Bundesregierung, erschienen 2006
6.03.2008

Hier folgt nun eine Zusammenfassung und Auswahl der Grundsätze und Empfehlungen der Arbeitsgruppe Intersexualität. Der komplette Text ist hier erhältlich.


Grundsätze und Empfehlungen für das therapeutische Team

1.

Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung sind nicht per se korrekturbedürftig und stellen bei einem Neugeborenen keinen chirurgischen, jedoch in der Regel einen psychosozialen Notfall dar. [...]

2.

Die Eltern müssen mit in die Entscheidungsfindung und Behandlungsplanung einbezogen werden.

3.

Das Kindeswohl steht an erster Stelle und wird nicht automatisch durch die Festlegung auf ein äußerlich und ggf. biologisch eindeutiges Geschlecht gewahrt. "Im Zweifelsfall hat die psychische und soziale Unterstützung des Kindes und seiner Eltern einen höheren Wert als die Herstellung einer biologischen Normalität."
4.

Eine therapeutische Haltung der Offenheit und Akzeptanz ist gefordert.

5.

Maßnahmen, für die keine zufrieden stellende wissenschaftliche Evidenz vorliegt, sowie Maßnahmen, die irreversible Folgen für die Geschlechtsidentität oder negative Auswirkungen auf Sexualität oder Fortpflanzungsfähigkeit haben können, sind besonders begründungs- und rechtfertigungspflichtig und bedürfen einer zwingenden medizinischen Indikation.

7.

Eine altersgerechte und umfassende Aufklärung des Kindes über seine Kondition sowie seine Partizipation an Therapieentscheidungen sind unerlässlicher Teil der Behandlung. [...] Das Recht auf alleinige Einwilligung in einen Heileingriff steht einem Jugendlichen in der Regel schon mit Erreichen des 14. Lebensjahres zu.

8.

Dem Recht des zukünftigen Erwachsenen auf Kenntnis seiner Behandlung in Kindertagen ist durch eine lückenlose Dokumentation zu entsprechen.


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Netzwerk Intersexualität. Ethische Grundsätze und Empfehlungen zum therapeutischen Umgang mit Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung (DSD) / Intersexualität bei Kindern und Jugendlichen. Arbeitsgruppe Ethik im Netzwerk Intersexualität «Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung» Netzwerk-IS / AG 2: Grundsätze & Empfehlungen, Göttingen im Mai 2006. S.4-5

 

Geschrieben von Inom um 11:20 | in: Behandlungspraxis
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