Formen der Intersexualität
9.03.2008
Formen der Intersexualität

Aus medizinischer Sicht heraus wird Intersexualität vor allem als Störung in der Sexualentwicklung betrachtet. Für Ärzte steht in erster Linie die Diagnose des Syndroms im Vordergrund, um die zukünftige Entwicklung der Physiologie und der Geschlechtsidentität vorraussagen zu können. Viele Betroffene übernehmen zwar die medizinischen Kategorisierungen und medizinischen Beschreibungen als gegeben, lehnen jedoch die Klassifizierung als "Störung" oder "Krankheit" ab. [4]

Nicht alle diese Formen weisen unbedingt äußerlich zu erkennende, uneindeutige Geschlechtsmerkmale auf. Eine große Zahl intersexueller Phänomene können phänomenologisch ganz unauffällig sein. Brisant sind jene Fälle, in denen Neugeborene uneindeutige Genitalien aufweisen. Diese werden dann "psychologische Notfälle" klassifiziert, in denen ein schnelles Handeln erforderlich ist. Oftmals enden sie in chirurgischen Eingriffen, mit Hilfe derer ein eindeutiges Geschlecht, anhand verschiedener Kritieren, zugewiesen wird. (siehe Behandlungspraxis)


Hier werden nun die häufigsten Former der Intersexualität vorgestellt:

1. Adrenogenitales Syndrom (AGS)

2. Androgrenresistenz (AIS)

3. Gonadendysgenesien

4. Hermaphroditismus versus




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(4) vgl. Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006. S. 89
Geschrieben von Inom um 18:05 | in: Medizinisches
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Androgenresistenz (AIS)
5.03.2008
Androgenresistenz

Die Androgenresistenz (AIS) ist die häufigste mit einem XY-Chromosomensatz verbundene Form der Intersexualität. Die betroffenen Personen sind genetisch männlich (XY), jedoch hat der Körper aufgrund einer genetischen Veränderung eine Resistenz gegen Testosteron und andere Androgene entwickelt.(5) Kinder mit AIS kommen mit einem weiblichen äußeren Genitale zur Welt, es fällt jedoch meistens erst während der Pubertät auf, „dass die vermeintlichen Mädchen weder Uterus noch Eierstöcke haben aber dafür Hoden und XY-Chromosomen aufweisen. „Die Hoden produzieren Testosteron, welches, wie im Körper jeder Frau, teilweise zu Östrogen umgewandelt wird. […] Die einzige äußerliche Auffälligkeit ist das Ausbleiben von Scham- und Achselbehaarung.“(6)


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(5) Sax, Leonard. How Common is Intersex? A Response to Anne Fausto-Sterling. Erschienen in: Journal of Sex Research , August 2002, Vol. 39 Issue 3, p174

(6) vgl. Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006. S. 91-92
Geschrieben von Inom um 18:37 | in: Medizinisches
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Das Adrenogenitale Syndrom (AGS)
5.03.2008
Das Adrenogenitale Syndrom (AGS)

Das Adrenogenitale Syndrom fällt unter die Kategorien der vererbten Stoffwechselerkrankungen und stellt die häufigste Form der Intersexualität dar. Es handelt sich hierbei um eine Störung der Nebennierenfunktion (Nebennieren = adrenal), die sich auf die Genitalentwicklung auswirken kann. Durch einen Enzymmangel der 21- Hydroxylase und anderen Enzymen kann in der Nebenniere nicht das lebenswichtige Hormon Kortisol gebildet werden.

Um dieses zu kompensieren, reagiert der Körper mit einer stärkeren Stimulierung der Nebenniere, was zwar die Kortisolbildung verbessert aber ebenso eine Überproduktion an männlichen Sexualhormonen zur Folge hat. Diese wirken schon während der embryonalen Entwicklung auf den Körper ein und können bei genetisch weiblichen Kindern zu einer Vermännlichung der weiblichen Genitalien führen.
„Je nachdem wie stark die Überproduktion männlicher Sexualhormone ist, kann eine Klitorishypertrophie bis hin zu einem nichteindeutigen Genitale oder einem äußerlich komplett männlichen Genitale entstehen.“ (8) Dies bedeutet, dass die Klitoris leicht bis stark vergrößert sein kann, ebenso können die Schamlippen zusammengewachsen sein.

„Kinder mit AGS müssen sowohl mit Kortison als auch meistens mit einem aldosteronartigen Medikament lebenslang behandelt werden.“(9) Ohne hormonelle Behandlung würde die Vermännlichung weiter zunehmen und es würden Bartwuchs, Stimmbruch und männliche Schambehaarung erfolgen.
„Die Pubertät […] würde ohne hormonelle Behandlung schon zwischen 4 und 7 Jahren eintreten, die Kinder würden in der Kindheit sehr groß, insgesamt jedoch durch vorzeitiges Aufhören des Knochenwachstums eher klein bleiben.“(10)

Häufigkeit

Laut Aussagen der Bundesregierung tritt AGS mit einer Häufigkeit von circa 1:4000 bis 1:9000 Geburten in Deutschland auf und bildet somit die häufigste Form von Intersexualität.(11)

Behandlung:


In Deutschland wird etwa die Hälfte aller weiblichen Kinder mit AGS  durch Hormongaben (Cortison und Östrogenen) therapiert. Die andere Hälfte der betroffenen Neugeborenen werden zusätzlich chirurgisch behandelt.(12) Diese Eingriffe sind jedoch gravierend und werden von Seiten der Betroffenen, Hilfsinitiativen bis hin zu Medizinern selbst stark kritisiert.

Operationen dieser Art bedeuten, dass per Skalpell die Klitoris verkleinert wird. Dieses Eingreifen führt jedoch "regelmäßig zu Narben und Gefühlsstörungen bis hin zur Gefühllosigkeit, was umso schwerwiegender ist, als in der Klitoris viele Nerven zusammenlaufen, die sie zu einem zentralen Organ weiblicher Sexualität machen. Dieses Potential wird durch die Operationen deutlich herabgemindert bis zerstört." (13) Betroffene selbst ziehen dabei oftmals Parallelen zur Beschneidungspraxis junger Mädchen in afrikanischen Ländern und fordern vehement ein Operationsverbot dieser Behandlungsmethoden. (14)



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(8) Forschergruppe Intersexualität. Intersex-Glossar. Adrenogenitales Syndrom. Erschienen auf der Internetseite der Forschergruppe Intersexualität. URL: http://www.intersex-forschung.de/glossar.html Stand: 05.03.2008

(9) Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006. S. 90-91

(10) Lang, Claudia. Intersexualität. S. 91

(11) vgl. N.N. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abg. Christina Schenk und der Fraktion der PDS BT-Drs. 14/5425. Erschienen unter der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. URL: http://www.dgti.org/is/brd_an_pds.htm Stand: 04.03.1008

(12) N.N. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abg. Christina Schenk und der Fraktion der PDS BT-Drs. 14/5425.

(13) Holzleithner, Elisabeth. Variation als Abweichung. Zur medizinischen und juristischen Herstellung des Geschlechts von Intersexuellen. Wien. Online-Publikation: http://homepage.univie.ac.at/elisabeth.holzleithner/HolzleithnerVariation.pdf] Stand: 04.03.2005

(14)
Clüsserath, Jürgen Claudia. Der Tag der Menschenrechte 10. Dezember 2001. Das Ritual der Eindeutigkeit. Online-Publikation. URL: http://www.dgti.org/is/iskultur.htm. Stand: 0603.2008

Geschrieben von Inom um 18:34 | in: Medizinisches
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Hermaphroditismus Versus
5.03.2008
Hermaphroditismus Versus

"Eine Person mit Hermaphroditismus besitzt Keimdrüsengewebe beider Geschlechter"(12) Das bedeutet, dass beide Geschlechter im Körper angelegt sind, sowohl Hoden wie auch Eierstöcker. Früher wurde diese Form der Intersexualität im Volksmund auch Zwitter genannt.
Bei den betroffenen Menschen können die Keimdrüsenanlagen getrennt sein. Auf der einen Seite kann so ein Eierstock und auf der anderen Seite Hoden angelegt sein.

Oder aber es besteht auf jeder Seite ein Mischgewebe mit ovariellen und testikulären Anteilen. "Der Chromosomensatz kann variabel sein [...]." (13) So können also genetisch weibliche wie auch genetisch männliche Neugeborene davon betroffen sein.

Das äußere Erscheinungsbild ist ebenfalls variabel und kann von fast "weiblich" über androgyn bis hin zu fast "männlich" gehen. Hermaphroditismus geht jedoch fast immer mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen einher.(14)

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(12) Forschergruppe Intersexualität. Intersex-Glossar. Adrenogenitales Syndrom. Erschienen auf der Internetseite der Forschergruppe Intersexualität. URL: http://www.intersex-forschung.de/glossar.html Stand: 05.03.2008

(13) siehe Forschergruppe Intersexualität.

(14) Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006. S. 94
Geschrieben von Inom um 18:07 | in: Medizinisches
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Gonadendysgenesie
5.03.2008
Gonadendysgenesie

Unter Gonadendysgenesie wird in der Medizin das Fehlen funktionstüchtiger Keimzellen (auch Sexualdrüsen genannt) verstanden. In den Sexualdrüsen befindet sich das jeweilge Geschlechtsorgan, in dem auch die Sexualhormone produziert werden. Die männliche Keimdrüse ist der Hoden, die weibliche Keimdrüse ist der Eierstock. [1]

Das Fehlen dieser Keimzellen kann durch eine Störung in der frühen Embryonalentwicklung ausgelöst werden. Je nach genetischen angelegten Geschlecht (XX-oder XY-Chromosomensatz) lassen sich verschiedene Syndrome beschreiben bei denen Gonadendysgenesie auftreten kann:


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[1] vgl. Lang, Claudia. Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Campus Verlag. Frankfurt. 2006. S. 94-96
Geschrieben von Inom um 18:02 | in: Medizinisches
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