Michel Reiter
9.03.2008


Michel Reiter - Menschenrechtler und Betroffener. Seit Jahren kämpft Reiter für die Anerkennung einer dritten Geschlechterkategorie in Deutschland.

„Die Welt ist so strikt heterosexuell organisiert, dass man sich immer entscheiden muss: ob man aufs Klo will, in den Frauenbuchladen, ein Bankkonto eröffnen oder ein Behördenformular ausfüllen. Entweder ist man Mann oder Frau. Und wenn man sich nicht entscheidet entscheiden andere für einen.”

Michel Reiter im Interview
mehr über Michel Reiter

Geschrieben von Inom um 10:58 | in: Personen
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Jenny Brunner
8.03.2008

Jenny Brunner, Betroffene.
Ihre Geschichte wurde 2002 im SPIEGEL veröffentlicht. Hier klicken, um den Artikel zu lesen.
Geschrieben von Inom um 20:18 | in: Personen
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David Reimer
8.03.2008
David Reimer




David Reimer, geboren als Bruce, ging in die Wissenschaftsgeschichte ein als er als Baby durch John Money im John Hopkins Medical Center in Baltimore zum Mädchen umoperiert wurde.

Mehr Informationen hier.








Geschrieben von Inom um 20:09 | in: Personen
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Dr. John Money
8.03.2008

Dr. John Money, Sexualforscher und Begründer der medizinisches Behandlung von Intersexualität, die weltweit übernommen wurde.
Für Informationen: hier.
Geschrieben von Inom um 11:29 | in: Personen
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Michel Reiter - Interview: Plädoyer für ein drittes Geschlecht
8.03.2008

Interview: Plädoyer für ein drittes Geschlecht

GEO WISSEN-Autorin Ines Possemeyer befragte den intersexuellen Michel Reiter. Als Mitbegründer der "Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie" setzt er sich für das Recht auf körperliche Unversehrtheit von Zwittern ein.

 


GEO: Sie haben beim Standesamt die Änderung Ihrer Geburtsurkund beantragt. Wie soll der neue Eintrag lauten?

Reiter: Ich möchte, dass dort statt "Birgit Reiter, weiblich" wieder mein Geburtsname "Michel Reiter" steht und als Geschlecht "Zwitter". Den Begriff "intersexuell" lehne ich ab, weil er aus der Medizin stammt.

GEO: Sie haben beim Standesamt die Änderung Ihrer Geburtsurkund beantragt. Wie soll der neue Eintrag lauten? Warum nicht "männlich"?

Reiter: "Michel" steht nicht für Mannsein, sondern für die ersten acht Monate meines Lebens, als ich noch körperlich unversehrt war. Mein eigentlicher Wunsch wäre ein Strich in der Geburtsurkunde. Aber die Justiz kennt kein "Nichts". Also müsste eine dritte Geschlechtskategorie geschaffen werden. Ich hoffe auf eine Grundsatzdiskussion über das Thema: Was ist eigentlich "Geschlecht"? Der Staat orientiert sich bislang an der Medizin, an deren zwei Geschlechtskategorien. Wenn aber eine politische Entscheidung dazu führt, Hermaphroditen amtlich anzuerkennen, dann könnte sie die Medizin nicht länger pathologisieren.

GEO: Gibt es nicht ein Bedürfnis nach eindeutiger Zuordnung?

Reiter: Bei mir nicht, ich fühle mich als weder noch. Ich denke, seine Identität kann nur finden, wer nicht Folter und Gewalt ausgesetzt wird.

GEO: Folter und Gewalt?

Reiter: Ich meine psychische Folter. Aber ich glaube auch, dass die Operationen an Zwittern gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit verstoßen. Man müsste die Mediziner wegen schwerer Körperverletzung belangen können und die Eltern wegen Misshandlung Schutzbefohlener.

GEO: Könnten Sie sich vorstellen, vor Gericht zu gehen?

Reiter: Ich habe es versucht, aber die chirurgischen Eingriffe gelten als psychologisch notwendige Heilmaßnahme, die den Betroffenen eine stabile Identität geben soll - obwohl es dafür keine zuverlässigen Daten gibt. Die öffentliche Diskussion beginnt erst jetzt anlässlich des Falls David Reimer.

GEO: Wie sollte in Zukunft mit intersexuellen Babys umgegangen werden?

Reiter: Man sollte sie in Ruhe lassen! Eltern müssen lernen, das Anderssein ihres Kindes zu akzeptieren. Es müssten eigens psychologische Beratungen eingerichtet werden. Wer mit einem "Monster"-Stigma oder mit verstümmelten Genitalien aufwächst, kann weder körperliches Selbstbewusstsein noch eine natürliche Sexualität entwickeln.

GEO: Identifizieren sich viele Intersexuelle mit dem ihnen zugewiesenen Geschlecht?

Reiter: Ja. Je geringer die biologische Abweichung von der Norm, desto leichter mag dies gelingen. Aber wer etwa eine starke Virilisierung aufweist, wird sich schwer mit einer weiblichen Zuweisung zurechtfinden. Und selbst wenn Mediziner in solchen Fällen heute häufiger einen Penis aufbauen und Hoden implantieren - die Betroffenen werden wieder in eine Schublade gesteckt. Deswegen sind Diskussionen über verbesserte operative Eingriffe im Kindesalter Nonsens. Wer als Erwachsener eine Operation wünscht, sollte allerdings die Möglichkeit dazu haben. Aber grundsätzlich müssen alle die Chance haben, weder als männlich noch als weiblich zu leben.


 

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Possemeyer, Ines. Interview mit Michel Reiter. Plädoyer für ein drittes Geschlecht. Erschienen in: GEO WISSEN Nr. 26/00 - Mann & Frau. Alte Mythen, neue Rollen . Online verfügbar: http://www.geo.de/GEO/mensch/medizin/738.html Stand:28.02.2008

Geschrieben von Inom um 10:57 | in: Personen
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