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Piraten von Somalia11:57, 11.04.2009
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Das wiedererstarken der Piraterie vor Somalia liegt ursächlich tiefer als man glaubt. Ich versuche mal, es nachvollziehbar zu erklären: In Somalia ist jede staatliche Ordnung seit Jahren zusammengebrochen. Dies bedeutet, dass es auch keine Küstenwache gibt, die vor der Küste des Landes für Recht und Ordnung sorgt. Europäische Fischfangflotten, das sind die, die Nord- und Ostsee leergefischt haben, machen sich diesen Mangel staatlicher Ordnung zu Nutze und fischten die Küsten Somalias leer. Der einheimische Fischer fährt mit seinem Fischerboot raus und kommt mit leeren Händen wieder zurück, immer wieder tagelang, wochenlang, monatelang. Wenn er nun die High-Tech Fangflotte der Weißen in seinen Fischgründen auf- und abfahren sieht, erkennt er sehr schnell, warum sein Netz leer bleibt. Irgendwann packt ihn die Wut, seine 6 Kinder haben nichts zu essen, sie alle und seine Frau verachten ihn, selbst der Säugling spuckt ihn an, weil er nur ein arbeitsloser Fischer ist. Dann erinnert er sich, dass er aus der Zeit des Bürgerkrieges noch das alte Machinengewehr im Keller aufbewahrt. Nun fasst er sein Kapital zusammen: Ein Boot mit Motor, ein Maschinengewehr und zwei kräftige Hände. Auf der anderen Seite eine nörgelnde Frau, 6 hungrige Kinder und etliche Schiffe der Reichen, die vor der Küste auf- und abfahren und ihn zum arbeitslosen Fischer gemacht haben. So beschließt er irgendwann, dass er von nun an nicht mehr arbeitsloser Fischer, sondern Pirat ist. Zudem hat er vor kurzem Johnny Depp in Fluch der Karibik gesehen und findet sich einfach cool in der neuen Rolle. Durch diesen Entschluss fließt eine Menge Adrenalin durch seine Adern, die Hoffnungslosigkeit und Selbstverachtung fällt von ihm ab. Seine Familie kann wieder auf ihn Stolz sein. „Mein Papa ist ein Pirat!“ klingt so viel tausendmal besser als „tja, mein Papa ist nur arbeitsloser Fischer!“. Zum ersten Mal seit Monaten schläft seine Frau wieder mit ihm, weil er sein Looserimage abgelegt hat. Auch vor seinen Freunden gilt er nun als der, der sich wehrt, der etwas tut. Sie folgen ihm und gemeinsam gehen sie ihrem neuen Gewerbe nach. Er ist eigentlich nicht böse, er hat wenig kriminelle Energie in sich. Er weiß, dass er sein Leben riskiert, den Weißen etwas wegnehmen zu wollen. Aber das Meer ist grausam und auch der Beruf des Fischers ist lebensgefährlich. Er geht den ersten Schritt auf einem Weg, in eine Verstrickung, aus der es nur sehr schwer ist, wieder herauszukommen. Es ist etwas anderes, sein Leben in einem Sturm zu verlieren, als in einem Feuergefecht mit gut ausgebildeten Soldaten, die ebenfalls für das kämpfen, was sie für gut und richtig halten. Er muss bereit sein, Menschen als Geisel zu nehmen und notfalls zu ermorden, die sich im Grunde in nichts von denen unterscheiden, die er ernährt, beschützt und liebt, außer, dass sie zur falschen Zeit am falschen Platz sind. Er nimmt sich etwas, was sehr wichtig ist, einen Großteil seiner Unschuld, seiner Rechtschaffenheit und gewinnt etwas, was er erstmal als höherwertig betrachtet. [Kommentar hinterlassen]
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