Reise-Blog von Jόrgen Bohm

23.03.2009 - der letzte Blog der Reise

Hallo Freunde,

die letzten Tage der Reise sind angebrochen. Ist schon komisch, nach so langer Zeit wieder nach Hause zu kommen. Natürlich freue ich mich, aber bald hat mich der Alltag wieder und die schöne Zeit ist vorbei. Im Nachhinein hat man nämlich nur noch die schönen Dinge in Erinnerung. Die Strapazen und Qualen sind längst vergessen. In der Erinnerung bleibt ein unvergessliches Erlebnis, ein großes Abenteuer, das man bestimmt nur einmal im Leben erlebt und das soll jetzt zu Ende sein?

Aber der Reihe nach. Europa machte es mir nicht leicht. Nach 7 Monaten Sommer dieses fürchterliche  Wetter. Regen, Wind und Temperaturen, die mir völlig unbekannt waren. Ich fuhr in Richtung Mittelmeer in der Hoffnung, dass es dort wärmer ist. Nach 3 Regentagen wurde es auch wärmer und als ich bei Barcelona das Meer erreichte, kam tatsächlich die Sonne raus und die Temperaturen waren wieder annehmbar. Dafür war jedoch Sturm und zwar richtig. Es haute mich voll in den Straßengraben und dabei wiege ich ja einiges. Es war einfach nicht mehr möglich, mit dem Rad zu fahren. Also in das nächste Hotel und abgewartet. In den nächsten Tagen wurde der Sturm zum Wind und natürlich zum Gegenwind und machte mir noch die nächste Woche lang das Leben schwer. Erst in Frankreich wurde es wieder etwas angenehmer. Ich musste noch die Pyrenäen überqueren und erreichte dann bei Freiburg wieder Deutschland. War schon toll, als ich über den Rein fuhr und auf einmal alles wieder lesen konnte. Ich konnte mich wieder unterhalten und ich konnte fragen. Die Speisekarte war kein Ratequiz mehr und ich fühlte mich wieder heimisch. Der Nachteil, man hat auf einmal keinen Ausländerbonus mehr. Man wird behandelt, wie jeder andere. Von Freiburg ging es in den Schwarzwald. 800 m hoch zum Titisee. Dort war eine geschlossene Schneedecke und ich musste einen Tag Pause zum Skifahren einlegen. Weiter ging es nach Donaueschingen. Dort entspringt die Donau und der Donauradwanderwg beginnt dort. Der Radweg ist sehr schön ausgebaut und ist ein tolles Erlebnis. Immer entlang der Donau durch eine wunderschöne Landschaft. Bis Budapest über Wien sind es 1.047 km. Ich fuhr allerdings nur bis Ulm und musste dann die Donau und den schönen Radweg verlassen. Weiter ging es nach Nürnberg, die fränkische Schweiz und dann nach Thüringen. In Eisenach traf ich mich mit Dagmar und wir verbrachten ein wunderschönes Wochenende. Montag ging es dann weiter nach Oberhof. Ich wollte ja hier auch noch mal Skifahren. Das Wetter ist allerdings nur zum Ski fahren geeignet. Mit meinem Rad sahen mich alle etwas merkwürdig an und ich fühlte mich auch etwas deplaziert. Angepummelt, wie zum Skifahren schwitzte ich mich berghoch. Und runter kam das große klappern. Na jedenfalls liegt hier auch noch Schnee und ich habe heute den Tag zum Skifahren genuzt. Morgen beginnt die letzte Etappe. Noch ca. 350 km. RBB will mich am letzten Tag begleiten und filmen.

Ich freue mich auf zu Hause und natürlich auf die vielen Freunde und Bekannten.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bedanken, bei allen, die geholfen haben, dass dieser Traum Wirklichkeit  geworden ist. Alleine hätte ich das nicht geschafft. Danke an alle, die mich finanziell oder auch moralisch durch E- Mails oder Eintragungen ins Gästebuch unterstützt haben.

In ca. 8 Wochen werde ich die Termine für einen oder mehere Vorträge bekannt geben und die versprochenen Bilder- CD's verschicken.

In diesem Sinne bis die Tage
Jürgen der lustige Biker

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27.02.2009 - Buenos Aires - Sόdamerika

Hallo Freunde,

ich sitze auf dem Flughafen und warte auf den Flug nach Madrid. Gepäck ist eingecheckt und nun heisst es warten. Fürchterlich diese Warterei auf den Flughäfen. Lieber fahre ich 150 km mit dem Rad. Diesmal ging alles problemlos. Eine Seltenheit. Mit dem Rad gibt es immer Probleme. Diesmal nicht. Nichtmal bezahlen musste ich extra und statt 2 Gepäckstücke hatte ich 5. Auch kein Problem. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Jetzt geht es nach 7 Monaten Hitze zurueck in das kalte Europa. Aber in Madrid sollen 17 Grad sein. Das kann ich noch verkraften. Ich will dann auch an der Mit telmeerküste langfahren. Ca. 3.000 km liegen noch vor mir und ich denke, dass ich in ca 3 Wochen wieder zu Hause sein werde. Ein Stück Heimat erwartet mich ja schon in Madrid. Dagmar kommt mich besuchen. Toll in einem fremden Land von seiner Liebsten empfangen zu werden. Die Reise nähert sich also dem Ende. Unfassbar. Es ist für mich auch alles wie ein Traum und ich kann oft selber nicht glauben, dass ich das alles erlebt habe. Einmal mit dem Rad um die Welt. 17.000 km liegen hinter mir. Hitze und unsagliche Strapazen, Einsamkeit, Heimweh und unheimlich schöne Erlebnisse. Die negativen Seiten verdrängt der Mensch ja Gott sei Dank sehr schnell, so dass am Ende nur die schönen Erlebnisse stehen. Ich kann jetzt sagen, es war das Abenteuer meines Lebens. Die Erfüllung eines Kindheitstraums und Stolz und Zufriedenheit auf das Erreichte. Ich denke nicht, dass ich mich groß verändert habe, aber ich habe einiges dazugelernt und diese Erfahrungen möchte ich nicht missen. Ich bin kein grosser Held. Ich bin nur jemand, der kontinuierlich sein Ziel verfolgt hat. Ich habe daran geglaubt, dass man unmögliches möglich machen kann. Man muss es nur tun.

Aber zurück zur lezten Etappe: Suedamerika. Mein Freund Jochen war für die Vorbereitung verantwortlich. Ich hatte ja nicht mal ne Karte. Gerade mal ne ungefähre Ahnung, wo Südamerika liegt. Wir trafen uns in Satiago auf dem Flughafen, d. h. ich war schon einen Tag eher da, da ich über die Datumsgrenze zurückgeflogen bin. Ich bin um 17 Uhr in Auckland gestartet und am selben Tag um 15 Uhr in Santiago gelandet und das nach 13 Stunden Flug. Das ist unfassbar, aber diesen Tag habe ich doppelt erlebt. Jochen kam auch pünktlich an und wir machten einen Schlachtplan. Problem Nr. 1: wie kommen wir aus der Stadt. Wir checkten den Zug, den Bus. Nichts. Auch alles sehr schwierig, da nur spanisch gesprochen wird. Uns kam das alles sehr spanisch vor. Also versucht auf dem Rad. Ging auch ganz gut und wir landeten nach einigen Irrfahrten und vielen Fragen auf der Autobahn nach Valparaiso, die an den Pazifik führt. Ich wollte je unbedingt den Pazifik mal von der anderen Seite sehen. Jochen, aus dem kalten Deutschland kommend, wollte natürlich baden. Es ist schon schön, zu zweit zu fahren. Man muss sich natürlich an seinen Partner anpassen. Das gelingt mir für eine kurze Zeit zumindestens immer ganz gut. Jochen kommt aus dem Erzgebirge und der Humor von dort lässt sich durchaus mit englischem Humor vergleichen. Dazu sein erzgebirgischer Dialekt. Ich möchte Ihn einfach als sehr speziell beschreiben. Wir sind aber sehr gut mit einander ausgekommen. Ich habe bloss ein Problem, ich futtere immer alles auf und Jochen hat selbst den letzten Keks noch geteilt. Aber auch in dieser Hinsich war ich lernfähig. Ich habe mich einfach zurückgelehnt und habe es genossen, mal keine Entscheidungen treffen zu müssen. Am 1. Tag waren wir tatsächlich am Pazifik. Aber etwas enttäuschend, obwoh der selbe Ozean, der in Neuseeland noch wunderbar warm war, war er hundekalt und sehr stürmich mit starkem Untersog. Baden konnte man nur an bestimmten Stellen. Die 1. Nacht verbrachten wir am Strand. Es war Sonnabend und nachts war ein reges Begängnis. Ein Zelt hatten wir nicht aufgebaut und es war recht feucht und frisch in der Nacht. Aber eine Nacht am Strand muss man schon mal mitgemacht haben. Ein fantastischer Sternenhimmel und ein Vollmond, wie eine riesige Laterne, sorgten für ein tolles Erlebnis. Es ging weiter Richtung Argentinien und den Anden. Die stehen nähmlich im Weg  und da muss man rüber. Südamerika überraschte mich etwas. Ich hatte so an Entwicklungsland gedacht, aber weit gefehlt. Chiele, Argentinien und auch Uruguay sind mit europäischen Maßstäben zu messen. Man erkennt das immer daran, ob es MC Donalds Filialen gibt und die waren vertreten. Es gab tolle Straßen, Hotels, auch Campingplätze, also alles, was wir in Europa gewöhnt sind. Es ist ein angenehmes Reisen in Südamerika und vollkommen unproblematisch. Es soll zwar in Argentinien aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit zu Überfällen auf Touristen kommen, aber wir fühlten uns vollkommen sicher. Wir zelteten des öfteren an Tankstellen ohne Probleme. Preislich ist alles billiger und man kann gut leben. Chiele ist ja nicht sehr breit und so hatten wir bald die Anden erreicht. Der Pass lag bei 3.100 m. Da wir vom Meer kamen, ging es also bei 0 los. Über 80 km ging es stetig bergauf. Dann noch einmal 40 km und dann wurde es ernst. Über 20 km steile Serpentinen, die uns das letzte abverlangten. Vor der Grenze dann ein langer Tunnel, für Fahrräder gesperrt, aber mit Shuttel seitens der Argentinier. Vor uns lag der höchste Berg Argentiniens, der Acocongua (6.400 m hoch). Auch den Condor sahen wir, der in dieser Höhe zu Hause ist. Er ist ein Aasfresser. Wir machten uns aber keine weiteren Gdanken über sein Erscheinen. Wir glaubten nicht, dass er nach uns Ausschau hielt. Auf der anderen Seite dann 80 km bergab nach Mendoza, dem Weinanbaugebiet von Argentinien. Dort hat Jochen Verwandte und wir verbrachten ein Wochende auf ihrer Finka. Leider war unser Zeitplan sehr eng, da unser Rückflug ja schon feststand. Aber für einen kleinen Ausritt reichte die Zeit noch. Dann ging es weiter durch die argentinische Pampa.  Es wurde fürchterlich heiss. Argentinien entpuppte sich als das heißeste Land meiner Reise. Jochen meinte immer, er koche gleich über. Dann kam aber noch Regen und es wurde wieder erträglich. Wir überquerten den Rio Negro und den Rio Uruqua und befanden uns im 3. Südamerikanischen Land. Wir setzten dann über den Rio del la Plata mit der Fähre nach Buenes Aires über und unsere 3 wöchige Südamerika-Tour war schon zu Ende. Viel zu kurz für so ein schönes Land. Südamerika sieht mich auf alle Fälle wieder. Man sollte aber lieber im Frühling oder Herbst reisen, da ist es angenehmer. Jochen flog nach Deutschland, ich nach Madrid. Dort erwartete mich ja Dagmar. Nach einem viel zu kurzen Wochende war ich wieder allein und 3.000 km lagen noch vor mir. Wie Ihr vielleich merkt, schreibe ich etwas zeitversetzt, aber es gab in Spanien kein Internet aufzutreiben. Bin jetzt schon an der Atlantikküste und habe Spanien bei 5 Grad Wind und Regen durchquert. Einfach fürchterlich das Wetter. Aber ich staune, ich komme halbwegs zurecht. Habe wahrscheinlich noch genug Sonne in mir. Allerdings ist meine Farbe in 7 Monaten Hitze mühsam eingebrannt, schon fast wieder weg. Jetzt sehe ich wieder aus, wie alle Blassnasen in Europa. Morgen fahre ich nach Frankreich und die Ankunft ist für den 27.3. oder 28.3. geplant. Es darf dann aber nichts dazwischen kommen, Schnee oder ähnliches. Eine Erkältung wäre auch denkbar. Mir läuft die Nase fürcherlich. Nach 7 Monaten brauche ich wieder Tachentücher. Die Heimat ruft und zieht magisch, aber irgendetwas bremst auch. So schön wie es wieder ist, nach Hause zu kommen, bin ich auch etwas traurig, dass dieses großartige und einmalige Abenteuer zu Ende geht. Aber alles hat einmal ein Ende, nur die Wurst hat zwei. In diesem Sinne wir sehen uns in Deutschland.

Der lustige Biker 

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4.02.2009 - Auckland (Neuseeland)

Hallo Ihr Blassnasen im kalten Deutschland. Hoffe, dass Euch noch nicht die Grippewelle dahingerafft hat. Statistisch gesehen passiert zu Hause viel mehr, als auf Weltreisen. Will damit sagen, meine Chancen, gesund wieder zu kommen, sind größer, als Euch gesund wieder zu sehen. Aber das wollen wir doch nicht hoffen.

6 Monate bin ich jetzt unterwegs. Habe 15.000 km zurückgelegt und das Besondere, das Außergewöhnliche flacht langsam ab. Das ist wie jeden Tag Sex oder Bananen essen. Es ist immer noch schön, aber der Kick ist weg. Es wird Zeit, dass ich nach Hause komme. Das Geld wird auch gerade noch reichen. Aber Morgen kommt erst nochmal das große Abenteuer zurück. Ich fliege nach Santiago de Chiele. Von Südamerika habe ich überhaupt keinen blassen Schimmer. Fälllt mir nur das Lied von den Pudys ein (Unser Lied ist Euer Schrei, Chiele kämpft und wird frei). Habe das leider weiter nicht verfolgt. Ich hoffe, dass Sie inzwischen frei sind. Soll ja wohl das reichste Land von Südamerika sein. Habe bloß mal rasch das Wetter geschaut, 28 Grad, also weiter Sommer. Von Santiago geht es nach Uruqya und dann nach Argentienien. Leider sind dafür nur 3 Wochen vorgesehen. Mein Flug nach Europa geht am 27.02.2009. Hoffe, dass mein Begleiter Jochen, mit dem ich mich dort treffe, alles gut vorbereitet hat. Jedenfalls müssen wir über die Anden. Habe ja hier genug Berge trainiert.

Aber noch mal zu Neuseeland. Einfach ein tolles Land. Ein richtiges Urlaubsland. Ich hatte tolles Wetter, bis auf 5 Regentage war es immer über 25 Grad. Aber es ist sehr wechselhaft und das auf kürzeste Entfernungen. Es kann sein, dass es 50 km weiter regnet und man selbst liegt bei schönstem Wetter am Strand.  Am meisten Regen gibt es an der Westküste. Die Südinsel ist wärmer, als die Nordinsel. Die schönsten Strände gibt es an der Ostküste der Nordinsel. Westküste viele Sandflees. Kleine Mücken, die einem das Leben zur Hölle machen. Ich war an der Ost-und Westküste. Sowohl auf der Nord, als auch der Südinsel und habe dabei 3.000 km zurückgelegt. Immer über Berge und gegen den Wind. Eine wunderschöne Natur, freundliche Menschen, wenn man will Einsamkeit oder auch nicht. Viele Radfahrer habe ich getroffen. Besonders auf der Südinsel auch einige Deutsche. Mit Siegbert aus Schwaben war ich einige Tage unterwegs und mit Ulli, einem Deutschen Einwanderer. Dadurch habe ich viele Insider-Tipps bekommen. Die beste Reisezeit ist Ende Januar. Bloß nicht über Weihnachten, da ist auf der Insel der Teufel los. Die Kiwis haben Ferien und die Deutschen müssen natürlich auch über Weihnachten fahren, um Urlaub zu sparen. Bloß nicht. Ich hatte es schön entspannt auf den Straßen und Zeltplätzen. Für den Flug sollte man die Westroute wählen, d. h. über Amerika. Kann man nämlich 2 x 23 kg Gepäck mitnehmen und wenn man will auf Hawai Station machen. Siegbert, der alte Schwabe, hat für Hin- und Rückflug inkl. Fahrrad 1.200 Euro bezahlt. Gibts doch nichts zu sagen. Was mir aufgefallen ist, die Viehzucht wurde umgestellt. Kaum noch Schafe, nur noch Kühe. Man kommt sich manchmal wie in Europa vor. Wiesen, Berge und Kühe. Nur die Bauem sehen anders aus. Aber dadurch fühlt man sich auch gleich heimisch. Besonders schön finde ich Ihre Städte. Alles schön flach gehalten und übersichtlich. Hier in Auckland gibt es einige Ansätze von Hochhäusern, aber immer nach dem Motto "nur nicht so hoch, sonst kippen die Dinger noch um". Selbst ihr Skytower überragt, glaube ich nicht mal den Müggelturm. Also Neuseeland ist schon eine Reise wert. Mal wieder ein kleiner Reisetipp. Flug nach San Francisco. Kurzer Stop, weiter nach Hawai, dann weiter nach Auckland. Ist alles ein Flug und ein Preis. Bei rechtzeitiger Buchung nicht all zu teuer. Wenn man in Neuseeland ist, sollte man auf alle Fälle auch nach Sidney rüberfliegen. Kann man vor Ort machen. Gibt's für unter 100 Euro. Allerdings sollte man etwas Zeit haben. 4 Wochen wären schon knapp. Was mir noch aufgefallen ist, Neuseeland hat anscheinend wenig Probleme mit seiner Urbevölkerung, den Maoris. Viele Campingplätze und Touristenattraktionen sind in deren Händen. Dafür haben Sie mehr Probleme mit Alkohol und Übergewicht. Es gibt fürchterlich dicke Menschen mit fürchterlich dicken Kindern und die treffen sich alle bei MC Donalds. Kein schöner Anblick. Ich habe Fast Food auch bleiben lassen und mich nur noch selbst verpflegt.

Gedanken eines vom vielen Rad fahren aufgeweichten Gehirns eines weltreisenden Bikers:

Berge: Immer wenn ich Berge sehe, freue ich mich wahnsinnig. Nicht auf den Berg, sondern was dahinter liegt. Die Abfahrt. Hat man sich endlich hinaufgequält und ist on the Top, dann geht es mit einer Todesverachtung, die Bremsen ignorierend, den Berg hinunter. Bei 70 km hat man das Gefühl, man könnte vielleicht doch fliegen. Man müsste nur ein bißchen mit den Armen wedeln oder das Vorderrad anlupfen. Aber dann siegt der Selbsterhaltungstrieb und man greift in die Bremsen. Der Geschwindigkeitsrausch verfliegt gerade rechtzeitig, um das große Loch zu erkennen, das einem doch noch das Fliegen lehren wollte.

Alles gelogen. Berge sind das Schlimmste, was einem Radfahrer neben Gegenwind und Kälte passieren kann. Ich schaue auf die Karte. Keine Berge zu sehen. Das hindert Sie aber nicht daran, da zu sein. Nichts ahnend mit Vorliebe morgens sind Sie plötzlich da. Die Kleinen, die Großen, die Langen, die Kurzen. Und Du fragst Dich, was habe ich schon wieder verbrochen, dass ich so bestraft werde. Aber dann fällt Dir das Zauberwort ein. Positive Bewältigung von negativen Ereignissen. Also dann sagst du dir, der Berg ist nicht böse, der Berg macht Dich hart. Und du machst dich an den Aufstieg. Die Lunge pfeift. Du musst den I-Pod lauter machen, die Kniescheiben wollen rausspringen und du musst immer daran denken, dass das Rad eine Mindestgeschwindigkeit von 4.5 km/h benötigt, sonst kippt man nämlich um. Bist Du dann oben, schießt Dir durch den Kopf, vielleicht kann ich ja doch fliegen.

In diesem Sinne... kommt gut über den Winter und bleibt gesund.

Der lustige Biker

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14.01.2009 - Picton (Neuseeland)

Hallo Freunde,

das neue Jahr beeilt sich wie das Alte. Es ist schon Mitte Januar. Habe echt zu tun, meinen Flieger am 05.02. zu bekommen. Bin gerade auf der Südinsel angekommen. Neuseeland ist ein tolles Land. Man darf nur nicht mit den falschen Vorstellungen anreisen. Beim 1. Besuch war ich enttäuscht. Man denkt immer, wenn man so weit weg fliegt, es erwartet eine etwas exotisches und Hitze. Das ist hier aber nicht so. Das Wetter in Neuseland ist etwa wie in Deutschland. Es kann sehr warm sein, aber auch sehr wechselhaft. Hatte bisher schon 5 Regentage. Aber man kann mit der Temperatur leben. Wenn ich daran denke, das bei Euch Winter mit Schnee und Eis ist. Kaum vorstellbar. Die 2. Vorstellung: Palmen gibt es nur vereinzelt, dafür aber die riesigen Farnbäume. Strände zum Baden sind nicht so touristisch aufbereitet und sehr wellig. Baden ist nicht ganz ungefährlich. An der Westküste ist nur schwarzer Sand und viele Baumleichen aus der Tasmanischen See und immer sehr raue See. Die Ostküste ist besser zum Baden geeignet. Mit schönen entlegenen Stränden. Oft sehr naturbelassen. Einfach fantastisch. Ansonsten hat Neuseeland sehr viel Natur zu bieten, manchmal einfach atemberaubend. Berge, Täler, Wasserfälle, jede Menge Naturschutzparks zum Wandern und wunderschöne Campingplätze. Man kann hier so viel unternehmen. Man könnte ein ganzes Jahr hier verweilen und hätte noch nicht alles gesehen. Viele heisse Quellen, Höhlen und vieles mehr. Selbst Schnee ist zu haben. Wer will, kann auf dem Franz-Josf Gletscher wandern im Schnee. Radfahrern verlangt Neuseeland allerdings viel ab. Nur Berge und immer. Aber auch egal in welche Richtung, man fährt wie durch Zauberei immer gegen den Wind. Du kannst auf der Stelle umdrehen, der Wind dreht mit. Also nichts mit entspannter Urlaubstour. Regen, Wind und Berge. Trotzdem wunderschön. Leider habe ich nicht genug Zeit in die entlegenen Gebiete zu fahren. Es gibt hier Ecken, da triffst Du keinen Menschen. Neuseeland ist sowieso dünn besiedelt und mit den Urlaubern hält es sich auch in Grenzen. Ich hatte es mir in der Saison anders vorgestellt.

Manchmal treffe ich nicht einen einzigen Campervan. Die Zeltplätze sind auch relativ leer. Man braucht also nichts vorzubestellen. Nur wer spät abends kommt, kann Pech haben. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Leider sehr schwer zu verstehen. Man kann diese Sprache nur mit viel Fantasie mit englisch in Zusammenhang bringen. Aber da mein englisch sowieso nicht so gut ist, spielt das keine Rolle. Am lustigsten ist morgens immer die Begrüßung. Wenn jemand "good morning" sagt, kannst du 100 % davon ausgehen, dass es ein Deutscher ist. Alle anderen brummeln irgendetwas, was Ihnen gerade einfällt. Aber jeder murmelt etwas anderes. Manchmal hört es sich an, wie "Schweinebacke" oder wie "lass mich in Ruhe, ich bin noch nicht wach". Ist immer wieder lustig. Am Tage hat man sich dann auf "Hiwe gaon" geeinigt. Ich muss sagen, beim 2. mal mit der richtigen Einstellung gefällt mir Neuseeland am Besten. Ist aber alles ein bißchen wie auf dem Dorf. Die Läden machen um 17:30 Uhr zu und dann ist Pumpe. Die Sonne geht erst um 21 UIhr unter und alle Neuseeländer sind schon verschwunden  Wohin auch immer. Australien ist da anders. Da tobt das Leben auch abends an den Stränden. Also wer die Ruhe und Natur liebt, ist hier genau richtig. Allerdings ist Neuseeland am anderen Ende der Welt. Man merkt es auch, wen mann die Zeitung liest. Nichts von den Katastrophen des Weltgeschehens. Neuseeland ist zu weit weg, interessiert nicht. Die Neuseeländer interessieren sich für sich und das wars. Man kann auch hier, wie in Australien, billig Autos kaufen und dann versuchen, es hinterher wieder loszuwerden. Setzt aber Zeit voraus. Viele junge Leute habe ich getroffen, die hier travel und work machen. Meist für ein Jahr. Man kann durchs ganze Land mit dem Bus oder der Bahn fahren. Toll sind die Backpacker. Bekommt man ein Bett in der Regel fur 10 Euro. Die nehmem immer mehr Hotelcharakter an. Man bekommt selbst Doppel oder Einzelzimmer, natürlich zu anderen Preisen. Das ganze Land ist damit übersäht.

Hatte schon wieder ne kleine Panne,  musste 'ne Speiche wechseln, bekam aber das Ritzelpaket nicht ab und wieder in die Werkstatt.  Zum Ende hin treten immer mehr Pannen auf. Ich denke, ich muss langsam zum Schluss kommen. 13.000 km habe ich weg und ca. 7.000 km liegen noch vor mir. Na das schaffe ich auch noch. Wie sagt man so schön, kommste über den Schwanz, kommste auch über den Hund. In diesem Sinne, schön vorsichtig rutschen und warm anziehen.

Der lustige Biker

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4.01.2009 - Hamilton (Neuseeland)

Hallo Freunde,

ein gesundes neues Jahr wünsche ich allen. Mal sehen, was das neue Jahr so bringt. Ich denke, wir müssen alle den Gürtel etwas enger schnallen. Ich werde auch früher zurückkommen, um das Bruttosozialprodukt weiter zu steigern. Wahrscheinlich bin ich Ostern wieder da. Das Jahr ist jetzt 4 Tage alt und 2 Tage davon hat es geregnet. Tolles Radfahr Wetter.

Aber der Reihe nach. Ich bin Silvester nachmittags in Auckland gelandet. Habe dann nach 3 Stunden Fahrt mein Hotel erreicht und Silvester in der City gefeiert. Hier braucht man ja auf der Straße keine dicken Klamotten. Sehr angenehm. War nicht allzuviel los. Ein paar 100 Leute auf der Strasse und überall Musik. Von Country bis budistischem, spirituellem Gesang war alles vertreten. 24 Uhr ein kleines bescheidenes Feuerwerk vom Skytower. Jedes Feuerwerk auf unseren Stadtbezirksfesten ist größer. Aber man muss ja auch nicht so viel Geld in die Luft ballern. Neujahr dann ein fantastisches Wetter. Als ich dann am 02.01.09 los wollte, Regen. Ich denke was solls, transpiriert man nicht so. Der Regen dauerte dann bis Nachmittag. Ich hatte schon langsam Schwimmhäute. Aus Auckland herauszufinden gestaltete sich sehr schwierig. Verfehlte auch ein bißchen die Richtung, aber egal, is eh eine Insel. Am Nachmittag kamen dann Berge. Ich hatte tags zuvor noch an der Schaltung gedreht, weil der große Gang nicht reinwollte. Also berghoch den großen Gang rein. Ich höre etwas rasseln, bevor ich reagieren konnte, hing die Schaltung in den Speichen. Ich bin wieder voll auf die 12. Immer auf meine Lieblingseite. Selbes Knie, selbe Schulter, selbe Rippe. War ja gerade alles wieder gut. Na nochmal alles gut gegangen. Diesmal ohne Operation. Leider konnte ich nicht mehr fahren. Schaltung total im Eimer. Gibt es nur noch eine Möglichkeit, Kette kürzen und auf einen Gang legen und dann mit dem einen weiterfahren. Dazu benötigt man einen Kettennieter, dann ist das in 10 min erledigt. Der wurde mir aber in Nepal geklaut. Also schieben bis in die nächste Stadt. Berghoch schieben, runter rollen. 2 Stunden im Regen und kein Mensch hielt an. War allerdings auch Feiertag. Die Neuseeländer haben den 02.01. gleich noch zum Feiertag erhoben. Wollte sich keiner den Tag mit einem dreckigen Radfahrer versauen. Kann ich verstehen. Dann kam ich an einer Farm vorbei. Stand da ein gelangweilter Farmer auf seiner Terrasse, der winkte mich rein. In seiner Werkstatt kürzten wir dann die Kette. Wir brauchten  trotzdem 1 Stunde, dann konnte ich wenigstens in einem Gang wieder fahren. Er brachte mich mit seinem Track noch in das nächste Hotel und rettete somit die Ehre Neuseelands. Er warnte mich. Noch am nächsten Tag sollte es Havarie geben. Als ich Ihn fragte, was das sei, sagte er nur: "you will see it tomorrow". Der Fahrradladen hatte zu. Erst wieder am 05.01. Also los mit einem Gang. Bergab und gerade Strecken sowie leichte Anstiege waren o. k., der Rest mußte geschoben werden. Von den 80 km an diesem Tag habe ich bestimmt 20 km geschoben. aber so kommt man auch voran. Von Regen keine Spur. Erst Nachmittag zog sich langsam alles zu und es sah nach einem Landregen aus. Plötzlich ging es los. Regentropfen so groß, habe ich noch nicht gesehen. Der 1. Tropfen und ich war klitsch nass, der 2. ich bekam keine Luft mehr der 3. und ich dachte ich müsste ertrinken. Als ob jemand immer volle Wassereimer runterschüttet. Das also war schwerer neuseelandischer Regen. Wir kennen das unter dem Bgriff, es schüttet wie aus Eimern. Fand eine Scheune, wo ich mich unterstellen konnte. Das Spiel wiederholte sich noch zweimal. Dann war ich gegen 18 Uhr an meinem Ziel, einem Zeltplatz namens Hot Springs und ich wurde auch nicht endtäuscht. Es gab heiße Quellen. Eine Wohltat in dem heißen Wasser nach so einem Tag. Jetzt kam auch noch die Sonne raus, die geht ja erst um 21 Uhr unter, ist ja Sommer. Das war ein Entschädigung für den Tag. Abends war noch live Musik in der Kneipe. Ein gelungener Tagesausklang und ich war mit der Welt wieder versöhnt. Ich bin in Hamilton und hoffe, dass ich mein Rad repariert bekomme, denn ewig kann ich so nicht weiter fahren. Euch einen schönen Arbeitsbeginn. Ich melde mich wieder mit Neuigkeiten aus dem Weltreisestudio.

Der lustige Biker   

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23.12.2008 - Sydney (Australien)

Hallo Freunde,

Kurz vor Weihnachten noch mal ein kurzer Bericht. Ich bin jetzt in Sydney und muss hier bis zum 31.12 verweilen. Dann geht es weiter nach Auckland, wo ich dann das neue Jahr begrüßen werde. Es ist ein kombinierter Flug nach Auckland und dann weiter nach Santiago de Chiele mit einer  Unterbrechung in Neuseeland mit Argentinien Airlines. Deshalb erst der 31.12. Aber dadurch bedeutend billiger, als 2 Einzelflüge. Ich fliege dann am 05.02 nach Santiago. Dort treffe ich mich mit Jochen, der mich ja schon zu Beginn begleitet hat. Am Sonntag, den 4. Advent bin ich hier nachmittags bei schönstem Sonnenschein und angenehmen 25 Grad über die 6-spurige Harbourbridge in Sydney eingeritten. Es gibt Tage im Leben, die vergisst man nicht und das war mit Sicherheit einer davon. Ich weiß noch, wie ich über die Golden Gate Bridge gefahren bin. Das war am 08.10.1999. Genauso unvergesslich. Ich hoffe, Ihr hattet auch einen schönen 4. Advent. Sydney ist eine tolle Stadt und ich erkläre Sie hier für mich zur schönsten Stadt der Welt. Ich habe ja schon alle bedeutenden Städte der Welt gesehen. In Sydney hat man Stadt und Strand, dazu ein angenehmes  Klima. Es hat ja gerade der Sommer begonnen und es sind ca. 25 Grad. Allerdings regnet es auch manchmal, aber das stört überhaupt nicht. Dazu kommt ein tolles Hinterland. Man kann jede Menge Kurzausflüge machen oder sich ein Auto nehmen und an der Küste entlang fahren. Die Ostküste hat über 2.000  km Strand mit den schönsten Küsten und Stränden der Welt. Gefällt mir sogar besser, als Neuseeland. Neuseelands Strände sind nicht so zum baden geignet. Also wer mal einen schönen Urlaub machen will und etwas weiter weg will, der sollte nach  Australien. Einfach Flug buchen und dann hier ein Auto kaufen. Bekommt man schon für 500 Euro. Hinterher einfach wieder verkaufen. Wenn man Glück hat, ist es ne Nullrunde. Benzin ist billig, Hotels und Campingplätze auch in Mengen vorhanden. Allerdings hat Australien die gefährlichsten und giftigsten Tiere der Welt versammelt. Sowohl im Wasser, als auch auf dem Lande. Aber als Tourist bewegt man sich ja in Gegenden, die ungefährlich sind. Ich hatte allerdings auch wieder 2 Begegnungen der unheimlichen Art. Einmal im Zelt, ich war noch beim Lesen. Mein Sponsor hatte mir nicht nur Ersatzteile geschickt, sondern auch 2 tolle Bücher, erfasste der Schein meiner Lampe eine riesige Kackerlake. Ich kann Euch sagen, eine Schlange macht Todesangst, aber so ein Vieh lässt Panik aufkommen. Ich bin rumgesprungen wie ein Känguruh. Das 2. Mal sehe ich auf der Strasse etwas braunes liegen. Ich dachte, es sei ein Schlauch, aber es war eine Schlange. Gott sei Dank bin ich nicht rübergefahren. Das hätte Sie mir vielleicht übel genommen. Im Grossen und Ganzen wenn man sich auf den Touristenstrecken bewegt, ist  es nicht anders, als ob man an der Ostseeküste entlang fährt. Nur das die Gegend etwas anders ist. Die Fahrt an der Küste war sehr entspannend und ich habe mich gut erholt. Habe, glaube ich, auch mein Gewicht wieder. Manchmal  hatte ich sogar ein schlechtes Gewissen, wenn ich schon nachmittags am Strand gelegen habe oder garnicht gefahren bin. War fast wie Urlaub. Aber ich denke, ich habe mir das verdient. Neuseeland wird ähnlich. Noch mal 4 Wochen Urlaub und dann wird es wieder interresant in Südamerika, aber da habe ich für 3 Wochen wieder Begleitung. 12.000 km habe ich jetzt zurückgelegt und das in nicht mal 5 Monaten. Hätte ich nicht für möglich gehalten. Aber ich glaube, ich habe ein gutes Maß von Belastung und Erholung. Ich fühle mich so gut, wie schon lange nicht mehr. Bis auf das Heimweh, das sich gelegentlich wie ein Schatten auf die Seele legt. Morgen ist ja Heiligabend und da wäre ich ja gerne zu Hause, aber eine Weltreise macht man nur einmal. Weihnachten ist jedes Jahr.

Zum Schluß noch eine berufliche Information: Für alle, die es noch nicht wissen sollten, das Bundesverfassungsgericht hat die Entfernungspauschale für verfassungswidrig erklärt und Sie muss bis inklusive Veranlagungsjahr 2009 beibehalten werden. Warum bis 2010 ? Wird da die Verfassung gändert ? Unsere Rechtsprechung ist schon sehr eigenartig. Na egal, jedenfalls gibt es für das Jahr 2007 für alle, die die ab dem 1.  Kilometer die Fahrkosten beantragt haben, Geld nachträglich. Das geschieht automatisch bis April nächsten Jahres. Also bitte von Anfragen absehen. Sonst werden die Finanzämter nie fertig. Gibt es natürlich im nächstem Jahr Verzögerungen mit den neuen Steuerklärungen. Für alle, die noch nichts beantragt haben, können sich vertauensvoll an mein Büro wenden. Unter 030/926 80 73 wird sich Frau Mittag gern jedem Problem annehmen. Ich werde natürlich über alle Steueränderungen auf dem laufenden gehalten. Damit ich im nächsten Jahr gut informiert wieder in die Vollen gehen kann. 

Ich möchte mich an dieser Stelle bedanken. Alle die mich unterstützt haben, sei es finanziell oder nur mit einem Eintrag ins Gästebuch oder einer Mail. Alleine wäre ich mit Sicherheit nicht so weit gekommem. In diesem Sinne ein friedvolles Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr. Ich melde mich aus Neuseeland.

Der lustige Biker 

P.S. Hier wird übrigens nur der 1. Weihnachtsfeiertag gefeiert. Es gibt keinen Heiligabend und keinen 2. Feiertag. Sind wir doch noch gut dran.

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10.12.2008 - Gold Coast Australien

Hallo Leute,

Jetzt bin ich zu beneiden. Bin an Australiens schönsten Stränden. 28 °C und Sonnenschein. Jetzt kommt der Urlaubspart. Ich denke, das habe ich mir auch verdient. Bin jetzt in meinem 19. Land und auf dem 3. Kontinent. Bin froh, dass ich Asien verlassen habe. Ich hatte zum Schluß schon eine kleine Aversion gegen Asien. Nepal und Singapur haben das Bild ja noch etwas aufgebessert, aber es wird warscheinlich lange dauern, bis ich Asien mal wieder besuchen werde. Obwohl es zweifelsfrei schöne Gegenden gibt, z.B. in Thailand oder Malaysien. Jedenfalls ist Australien etwas ganz anderes. Die Aussis sind alles coole Typen, die mit kurzen Hosen und Surfbrett rumlaufen. Ich werde mir auch eins zulegen. Ich will auch so ein cooler Typ sein. Wenn ich noch mal geboren werden sollte, dann bitte in Australien. Ich bin ja jetzt auf der Südhalbkugel. Hier ist alles andersherum. Die Sonne bewegt sich andersherum, von Ost nach West über Nord. Die Karten zeigen nach Süden, der Mond steht auch verkehrt herum. Das hatte mich am 1. Tag ganz schön verwirrt und ich dachte immer, ich fahre in die falsche Richtung, aber mit dem Kompass habe ich es dann hinbekommen. Muss man ja nur wissen. Aber als normale Touristen interessiert einen so etwas nicht. In Australien habe ich jetzt das Problem, dass es zwar gute Straßen gibt, die darf man als Radfaherer aber nicht alle benutzen. Das ist wieder der Nachteil der Zivilisation. Ich fahre jetzt immer entlang der Küste nach Sidney. Dort will ich Weihnachten verbringen und das neue Jahr in Neuseeland begrüßen. Leider ist auch Australien nicht ganz billig. Man kann sich zwar selbst versorgen, aber die Zeltplätze kosten auch zwischen 20 und 30 Dollar. Allerdings alles vom Feinsten. Waschräume, Dusche, Waschmaschine, Küche mit Kühlschrank und es ist mal wieder schön, nicht alleine zu zelten und nachts mit einer Waffe in den Schlafsack zu kriechen. Jetzt, wo es alles im Überfluss gibt, muss ich mit dem Geld haushalten. Das ist gemein. Überlege schon, ob ich mir mal ein Eis kaufen kann oder lieber das Wasser aus der Leitung trinke. Na was soll's, dafür habe ich Meer und Sonnenschein, Wassertemperatur 21 °C. Ein bißchen frisch, geht aber. Dafür aber auch tolle Wellen. Jetzt könnt Ihr mich beneiden. Ihr mit Eurem trüben Wetter. Hier geht schon um 6 Uhr die Sonne auf. Um 7 Uhr ist der Strand schon voll und um 19 Uhr wird es erst dunkel. Es beginnt ja auch erst der Sommer am 21. 2.. So, ich werde die Zeit jetzt genießen. Euch eine schöne Advenszeit und viel Spass beim Weihnachtseinkaufsstreß.

Der wieder lustige Biker. 

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2.12.2008 - Singapur

Hallo Freunde,

Wie Ihr ja bereits wisst, bin ich heil aus Indien raus und in Singapur gelandet. Es ist einfach toll, wieder in der Zivilisation zu sein und die Annehmlichkeiten zu geniessen. Hier ist alles sauber, es gibt tolle Sachen zu essen,die richtig schmecken, Shoppingcenter, Starbucks und was weiss ich nicht alles. Ich glaube, Singapur ist die schönste Stadt der Welt. Wird vielleicht noch von Sidney überboten. Werde ich noch vergleichen. Ich werde Euch was sagen, wir sind alle auf der Jagd nach dem goldenem Kalb, dabei leben wir im Schlaraffenland, wissen es nur nicht. Ich muss sagen, ich bin ein Stadtmensch. Ich liebe die  Vorzüge, Armut und Elend muss ich nicht haben. Ich werde die Welt nicht davon befreien, aber ich habe einen anderen Blick dafür bekommen. Die Menschen tun mir unendlich leid, aber ich muss nicht unter Ihnen leben.

Aber noch mal zurück nach Indien. Indien zeigte sich bei meinem zweiten Aufenthalt von der harten Seite und hat mir und meinem Rad das letzte abgefordert. Zuletzt war ich im budistischen Zentrum BodhGoya. Dort wollte ich meinen Unfall und die Erkältung auskurieren. Aber ich halte es natürlich nicht lange auf einen Fleck aus. So bin ich nach 2 Tagen weiter. Mir tat die Rippe beim Atmen weh. Meine Erkältung war auch nicht weg und zu allem Überfluss stellte sich noch eine Magen-Darm-Infektion ein. Das Rad fahren ging halbwegs, aber nur langsam. Dadurch, dass ich nicht richtig essen konnte, war ich relativ schwach auf den Beinen. Ich konnte am 1. Tag kein Hotel finden und schlug nach 140 km mein Zelt auf. Ich hatte Glück und wurde nicht entdeckt und konnte so ruhig schlafen. Meine Ernährung bestand aus Kornflackes, Weissbrot und Instantnudeln. Dazu ein paar Bananen. Nicht gerade das, was ein Radfahrer braucht. Der nächste Tag war noch schlimmer. Ich war immer auf der Suche nach etwas essbarem. Frisch gepresster Zuckerrohrsaft half mir über den Tag. Es wurden wieder 142 km bis ich ein Hotel fand. Dort bekam ich eine Portion Reis. Plötzlich tat mir meine rechte Schulter höllisch weh und ich dachte schon, ich könnte nächsten Tag nicht weiter. Ich wollte eigentlich nur raus aus diesem Land. Es war mittlerweile, glaube ich, schon eine psychische Sache. Ich konnte den Dreck und das Elend nicht mehr ertragen. Dazu kam indirekt die Angst, was ist, wenn Dein Körper nicht mehr mittmacht. In ein indisches Krankenhaus wäre ich auf keinen Fall gegangen. Aber wie so oft bewahrheitet sich wieder: Der Mensch hält wesentlich mehr aus, als er sich selber zutraut. Am 4. Tag war mein Magen wieder in Ordnung. Ich hatte tags zuvor eine Portion Nudeln gegessen und ich war nachmittags in Kalkutta. Die ganze Situation in Bombay spiegelte sich natürlich im ganzen Land wieder. Auch in der Region um Kalkutta, im Nordosten Indiens, war einige Wochen davor ein Bombenattentat verübt worden. Ich kann nicht sagen, dass ich mich gerade wohlfühlte. Ich wollte eigentlich nur raus aus diesem Land. Da ich meine Erfahrungen mit Dehli hatte, wollte ich mir den Stress mit dem Rad nicht antun. Ich hielt das erste Taxi an und liess mich zum Flughafenhotel fahren. Dort angekommen war ich erstmal halbwegs froh. Obwohl Flughäfen ja beliebte Ziele für Terroristen sind. Kalkutta ist eine Stadt, wie Dehli oder andere Großtädte Indiens. Ihre Namen klingen exotisch, aber man kann nichts mit Ihnen anfangen. Man kann sich einfach nicht in Ihnen fortbewegen. Der Verkehr bricht total zusammen. Also Taxi und Busse scheiden aus. Es gibt eine U-Bahn, obwohl diese nicht die Bezeichnung verdient. Sie fährt unterirdisch, das ist aber schon alles. Man(n) kommt aber einfach nicht zu einem U-Bahnhof hin. Ich habe eine Stunde gebraucht. Einfach fürchterlich. Also Freunde lasst Euch nicht von den exotischen Namen verleiten. Als Urlauber werdet Ihr total enttäuscht. Trotzdem muss ich sagen, Indien ist eine Reise wert und ich habe es nicht bereut, durch dieses Land gefahren zu sein. Obwohl es einem nicht leicht gemacht wird. Es gibt kaum Hinweisschilder und wenn, dann nicht in Latein. Dazu kommt, dass die Namen auf meiner Karte aus Deutschland nicht identisch waren mit Hinweisschildern, wenn denn mal was in Lateinisch dastand. Einzige Ausnahme war die Autobahn, die ich ja auch dann größtenteils benuzt habe. Fragen gestaltete sich auch wchwierig, wenn die Namen nicht identisch waren. Auf der Karte zeigen war auch ein Problem, ich musste davon ausgehen, dass einige von ihnen noch nie eine Landkarte gesehen haben und vielleicht garnicht lesen können. Also war schon grosses Orientierungsvermögen gefragt. Oft fuhr ich nur nach Himmelsrichtung und wusste stundenlang nicht, wo ich war. Dabei habe ich mich nur einmal verfahren und das, weil die Karte falsch war. Im Grossen und Ganzem bin ich gut durch Indien durchgekommen. Es war aber auch der letzte Moment. Ich habe in Indien mehr als 3.000 km zurückgelegt. Ich habe,  glaube ich, ca. 10 Kilo abgenommen. Keine Angst, bin schon wieder kräftig am zulegen. Insgesamt habe ich jetzt 10.000 km zurückgelegt. Das entspricht etwa der Hälfte der Strecke und das in 4 Monaten.

Der Flug gestaltete sich auch etwas schwierig. Tickets gibt's ja nicht etwa am Flughafen, nein irgendwelche Reisebüros in der Stadt verkaufen die. Es ging immer hin und her. Keine Tickets. Erst in 2-3 Tagen, dann wieder morgen oder übermorgen. Zum Schluss erhielt ich doch für den nächsten Tag ein Ticket. Am Flughafen verschärfte Sicherheitskontrollen. Über das Fahrrad waren Sie entsetzt. Passte nicht in ihren Scanner rein. Erst ging garnichts. Das kenne ich ja schon. Da hielft immer viel und wichtig und natürlich laut reden. Natürlich in Deutsch. Na gut, ich sollte das Fahrrad auseinander nehmem. Wir einigten uns dann darauf, dass ich den Lenker abbaue. Auf einmal ging alles. Ich wurde vollkommen seperat abgefertigt, musste allerdings auch alle Taschen auspacken. Ich hatte ja jede Menge Metall dabei und dann kam die Überraschung. Es wurde alles gewogen, Fahrrad und Gepäck 62 Kilo. Also 42 Kilo Übergepäck. Dafür musste ich 300 Euro berappen. Aber was sollte ich tun. Ich hatte schon genug diskutiert und wollte raus. Also bezahlen. In Singapur angekommen hatte ich meine Hotelreservierung verbummelt und vom Lenkeraufsatz fehlten der Konus und Aufsatzkappen. Als ich dann endlich im Hotel war, war meine Reservierung nicht da und das Hotel voll. Hier ist jetzt nämlich Hochsaison. Hatte aber Gott sei Dank eine online Bestätigung, die ich mir dort ausdrucken konnte. Letzten Endes klappte doch alles und ich lag um 12 Uhr am Hotelpool. Ihr seht also, man(n) kommt hier nicht zur Ruhe und muss immer irgenwelche Probleme bewältigen und das Schlimmste, man kann nichts deligieren. Alles muss man selbst machen. In Singapur ist Hochsaison alle Hotels voll und Preise werden hier aufgerufen. Ich brauche hier in einer Woche soviel, wie sonst in einem Monat. Ich bin laufend auf Hotelsuche und steige langsam aber sicher nach unten ab. Morgen bin ich in einem Backpacker Schlafsaal für 10 Euro das Bett. Was solls, habe schon viel schlimmere Sachen mitgemacht. Heute, am Mittwoch, rief die Botschaft an, dass mein Paket endlich da sei. Das Fahrrad hatte ich soweit wieder in Ordnung gebracht und ich kann mich um einen Weiterflug kümmern. Da hier alles so teuer ist, auch die Flüge, habe ich eine kleine Änderung. Indonesien fällt aus. Es geht am  06.12.2008 wahrscheinlich direkt nach Australien Brisbane. Ja mir geht langsam das Geld aus. Liegt einfach daran, dass ich mehr als gedacht in Hotels übernachten musste und mich oft nicht selbst verpflegen konnte, weil es ab der Türkei keine Supermärkte mehr gab. Sieht jetzt in Zukunft wieder besser aus. Ich hoffe, ich kann mich in Australien selbst verpflegen und wieder zelten. Die Flüge sind auch teuer, als ich dachte und so kommt ein zum Anderem. Beim Zahnarzt war ich auch noch. Er meinte, er müsste eine komplizierte Wurzeloperation machen, die sollte 2.000 Dollar kosten. Na da warten wir doch erst mal ab. Ich glaube, ich habe mich gut erholt und bin wieder fit für die Straße. Die ersten 2 Tage hatte ich ein Hotel mit all inclusive. Ich habe gefuttert ohne Ende. Der Kellner, der immer die leeren Teller abräumte, war schon leicht am verzweifeln. Immer wenn er dachte, ich bin fertig, holte ich mir einen neuen Teller. 160 Dollar am Tag, da muss man schon was wegfuttern. Singapur ist eine tolle Stadt. Was mich ganz überrascht hat, ein riesen Weihnachtstrubel, da wird nicht diskutiert ob der Kuhdamm beleuchtet wird oder nicht. Hier brennt nachts die ganze Stadt. Es ist geschmückt, dass es einem schaudert vor Gemütlichkeit. Probleme bereitet mir der Linksverkehr als Fussgänger. Du kannst hingucken, wo die willst, immer kommt ein Auto aus einer anderen Richtung. Man(n) hat hier aber wieder Rechte, auch als Fussgänger und bei Rot hält man auch wieder an. Temperaturen bewegen sich um 32 Grad und gehen nachts auf 24 Grad runter. Dazu eine feuchte Luft und immer wieder Regenschauer, die aber nicht stören. Einkaufscenter gibt es ohne Ende und man hat den Eindruck, die Stadt besteht nur aus Touristen. Gebaut wird ohne Ende. Gigantische Gebäude, dagegen ist der Potsdamer Platz ein Lego Spielplatz. Also eine sehenswerte Stadt. Man kann von hier aus auch viel unternehmen. Nach Indonesien oder Malaysien oder nach Thailand, idealer Ausgangspunkt. So, das soll's erstmal gewesen sein. Ich melde mich dann aus Australien wieder. Zum Schluss noch ein Aufruf in eigener Sache. Da vorauszusehen ist, das mir in Kürze das Geld ausgehen wird, möchte ich noch zu einer kleinen Spende aufrufen. Nicht viel: 10, 20 Euro helfen in der Masse schon weiter. Wer 20 Euro spendet, bekommt eine kostenlose Bilder CD und ich habe tolle Bilder. Also schlachtet Eure Sparschweine, kündigt Eure Rentenfonds, sonst muss ich in Australien Schafe oder Kängeruhs züchten. In diesem Sinne eine besinnliche Weihnachtszeit.

Der lustige Biker  

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23.11.2008 - Bodh Gaya - buddhistisches Zentrum in Indien

Hallo Freunde,

bei Euch weihnachtet es schon und es müsste der 1. Advent sein. Hier im buddhistischen Indien ist davon nichts zu merken. Ich kann Weihnachten erstmals in Ruhe begehen und muss nicht überlegen, wann besuche ich wen und vor allem die Jagd nach den Geschenken entfällt. Aber keine Angst, nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Ich bin wieder in Indien und nähere mich Kalkutta. Aber zum Abschluss noch etwas zu Nepal. War mit Abstand das schönste Reiseland. Ist auch mal ein toller Urlaubstipp. Von Kathmandu kann man problemlos viele Sachen machen, die man alle vor Ort buchen kann. Es gibt Trackingtouren, Raftingtouren, Ausflüge nach Tibet oder Butan Visa gibt es auch vor Ort oder einen Ausflug ins Basecamp vom Mount Everest. Also man(n) kann dort einen richtig schönen erlebnisreichen Urlaub verbringen. Abschließend kann man noch an den Indischen Ozean zum Badeurlaub. Da wäre Goya ein alter englischer Badeort zu empfehlen. Man muss auch garnichts buchen, ausser den Flug. Hotels gibt es jede Menge schon ab 25 Dollar. Also nichts wie ab nach Nepal. Natürlich muss man wissen, dass in Asien alles ein bisschen anders ist, z.b mit der Sauberkeit, dem Lärm und der Umweltverschmutzung. Man darf also nicht allzu pingelich sein. Zurück nach Indien bin ich durch den Himalaja oder bisher die Ausläufer gefahren. War bis auf 2.500 Meter hoch. War einfach fantastisch. Kaum noch Verkehr, dafür viele kleine Dörfer mit freundlichen Menschen. Es ging den einen Tag 50 km nur hoch und dafür den nächsten Tag 60 km bergab. Allerdings musste ich wieder bei Einheimischen schlafen und wurde 2 mal bestohlen. Aber ein kleiner Wehmutstropfen ist überall dabei. Indien empfing mich nicht besonders freundlich. Der Verkehr, der Lärm und vor allem die Luftverschmutzung sind einfach ätzend. Ich hatte mich in den Bergen noch erkältet und bekam kaum Luft. Geht aber vielen so. Es wird nur rumgehustet. Einfach widerlich. Die Autofahrer fahren völlig rücksichtslos. Besonders die LKW-Fahrer, die Straße reicht oft nicht für 2 Fahrzeuge und dann wird immer voll draufgehalten. Man(n) sieht viele Unfälle und Fahrzeuge im Straßengraben liegen. Ich habe leider einen persönlich gesehen, wo ein Fussgänger überfahren wurde.So konnte es also auch nicht ausbleiben, dass mir was passierte. Die Fahrzeuge von vorn habe ich ja im Blick und springe immer schnell von der Straße, wenn es eng wird, aber in den Rückspiegel schaue ich natürlich nicht immer. So passierte es, dass mich ein LKW von hinten von der Strasse drängte, als er merkte, es wird vorn eng. Ich hatte meine Schuhe in die Pedalen eingeklickt und konnte den Sturz so nicht abfangen. Voll auf die 12. Allerdings halten die Taschen vorn und hinten den größten Teil des Sturzes ab, aber eine böse Rippenprellung und eine Fleischwunde am Unterschenkel. Noch mal Glück im Unglück. Die Fleischwunde habe ich gleich wieder genäht, heilt ja sonst beim Fahren nicht. Habe aber diesmal vorsorglich örtlich betäubende Salbe mitgenommen, so dass das kein Problem war. 3 kleine Stiche durch die Haut und alles wieder wie neu. Antiseptische Salbe drauf und fertig für den nächsten Sturz. Damit noch nicht genug des Elends, ich habe mir noch gründlich den Magen verdorben, so dass ich nichts mehr essen kann. Also Zwangspause 2 Tage. Aber keine Angst, morgen geht es weiter. So schnell bin ich nicht unter zu kriegen. So langsam reicht es aber und ich möchte mal wieder in ein Land, wo man nicht mit den Fingern isst und am Tisch rumrülpst und spuckst. In ein paar Tagen bin ich in Singapur und dann ist alles wieder schick. Als Verpflegung habe ich mir jetzt ein Toastbrot, eine riesige Tüte Kornflakes und Instantnudeln gekauft. Das wir in den nächsten Tagen meine Nahrung sein. Zum Abschluss noch das Nachtgebet eines weltreisenden Bikers: Lieber Gott, lass mich morgen bitte ein Hotel finden, wo man auch das Bad benutzen kann und ein Bett, dass ich nicht mit Ameisen und anderem Getier teilen muss. Vielleicht auch noch etwas zu essen, was ich nicht gleich wieder ausspucken muss. Amen. Ihr seht wie bescheiden meine Wünsche geworden sind. Da ich im Moment nicht weiss, an welchen Gott ich meine Gebete richten soll, bleibe ich meiner alten Devise treu. Hilf Dir selbst und Dir ist geholfen. Frei nach Eberhard Wagemann: Hör endlich auf zu jammern und tue endlich das, was Du machen willst. In diesem Sinne, mir eine schöne Weiterreise und Euch eine schöne Weihnachtszeit und wenn Ihr an Eurem gedeckten Tisch sitzt und in Euren sauberen Betten schlaft, denkt vielleicht mal daran, was für ein Privileg das ist.

Der immer noch lustige Biker

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13.11.2008 - Kathmandu

Nach 9.000 km erreichte ich heute Kathmandu. Es ist einfach ein Wahnsinn, wo man mit dem Fahrrad hinkommt. Allerdings waren es auch die letzten Zuckungen meines Rades. Die Bremsbelege waren schon lange hinüber, so dass ich immer schon mit dem Hacken bremsen musste. Dann entdeckte ich Haarrisse an den Ösen der Speichen. Dann riss eine Speiche aus. Das konnte ich noch umjustieren. Dann folgte die 2. und 3. Das ging nur noch weiter, in dem ich die Bremse abbaute und nicht schneller als 20 km/h fuhr. Also weiter geht es nicht. Mein Ersatzrad hatte ich schon bestellt. Das liegt schon in Singapur in der deutschen Botschaft bereit. Mal sehen, wie es weiter geht. Irgend etwas geht immer. Ich bin ganz zuversichtlich und mache mir gar keine Gedanken. Ich bin jetzt 3 Wochen am Stück ohne Pause gefahren und ich merke, die Luft ist raus. Eine Pause ist schon lange überfällig. Ich will jetzt 3 Tage hier bleiben und dann noch die 700 km bis nach Kalkutta fahren und mich da am Indischen Ozean etwas am Strand ahlen, während bei Euch der Weihnachtswahnsinn losbricht. Dann geht's weiter nach Singapur und über Indonesien nach Australien. Weihnachten will ich in Bali am Strand verbringen. Ich denke, dann bin ich wieder fit. Heute habe ich nach langem mal wieder Fleisch gegessen. Ich war im Steakhaus. Einfach köstlich. Essen, was auch schmeckt und nicht nur zur Kalorienaufnahme da ist. Es ist einfach schön, auch mal wieder andere Touristen zu sehen. Ich dachte schon oft, ich bin der einzige Ausländer auf der Welt. Nicht mal mehr Japaner waren zu sehen. Deutsche Touristen schaffen es anscheinend nicht mehr bis hier her. Habe aber einen Biker aus Östereich getroffen. Der kam aus China und war auf dem Weg nach Indien. Nepal ist ein wunderschönes Land. So gross, wie das Saarland und hat 4,1 Mio. Einwohner. Es gibt nur wenige Städte. Wovon Kathmandu die größte ist. Die Bevölkerung lebt größtenteils auf dem Land und bestreitet ein bescheidenes Dasein. Letzte Nacht musste ich bei Einheimischen übernachten. Es war einfach fürchterlich. Fließend Wasser aus dem Berg. Durch die Küche war die einzige Wassergelegenheit. Eine Toilette, auf die ich nicht gehen konnte. Ich habe mir das verkniffen.  Ein dunkler Raum über dem Viehstall. Einfach Klasse. Zum Glück war ich gestern platt und konnte gleich schlafen. Schlafsack über den Kopf und Ruhe. Wir als Mitteleuropäer brauchen schon ein gewisses Maß an Sauberkeit. Ich verstehe immer nicht, warum Armut auch mit Dreck daher gehen muss. Ich glaube nicht, dass das zwingend notwendig ist. Jedenfalls war das meine schlimmste Unterkunft bisher. Topte noch Theheran und Pakistan. Na egal, jetzt habe ich wieder ein tolles Hotel. Konnte gleich meine Wäsche abgeben. Kostet natürlich auch gleich 65 Euro. Aber das brauche ich mal wieder. Man muss sich wieder mal als Mensch fühlen. Die Menschen sind trotzdem sehr nett und nicht aufdringlich. Sie scheinen auch nicht unzufrieden zu sein. Liegt wahrscheinlich an den hübschen Frauen. Die haben allerdings Haare auf den Zähnen und man(n) hört Sie sehr oft rumkeifen. Ich denke, Sie haben die Hosen an. Erledigen aber auch die meiste Arbeit. Die Männer halten sich vorneh zurück. Das Land ist einfach fantastisch. Grüne Wälder oder besser Dschungel, der Nachts so feucht wird, dass man denkt, es regnet. Ich habe eine Nacht im Dschungel, an einem Fluß, gezeltet. Ich dachte immer, es regnet. Viele Nationalparks, die nicht durch Massentourismus, wie in Afrika überlaufen sind. Es gibt dort nämlich keine Straßen und man kann nur per Elefant oder zu Fuß mit dem Ranger durch den Park. Ich habe eine Elefantentour gemacht. War ein tolles Erlebnis. Der Elefant ist voll durch den Dschungel und man mußte seinen Kopf laufend vor Lianen und Ästen in Acht nehmen. Wilde Elefanten und ein Nashorn haben wir gesehen und natürlich jede Menge Kleinwild, Affen und ähnliches. Die Übernachtung im Dschungel war noch sehr aufregend. Ich hatte mein Zelt an einem Fluß in der Nähe der Straße auf einer schönen Rasenfläche aufgebaut. Abends ein tolles Lagerfeuer und dazu der Mond. Abenteuer pur. Allerdings ist es hier schon um 18 Uhr dunkel, so dass man dann nur ins Zelt kriechen kann. Gegen 21 Uhr streifte irgendetwas das Zelt. Ich war natürlich sofort hellwach und lauschte. Es blieb ruhig. 5 Minuten später wieder Geräusche. Was einem da so alles durch den Kopf schießt. Ich dachte, wenn einer was will, soll er reinkommen. Haue ich aus der anderen Seite ab. Es blieb aber ruhig und ich konnte einigermaßen schlafen. Morgens im Dämmern. Ich aus dem Zelt und musste mal. Wie ich da so stehe, schaue ich auf meine nackten Beine und sehe, dass mir die Haare zu Berge stehen. Ich muss sagen, ich wusste sofort, was los war. Irgendein Urinstikt. Mein Körper hatte eine Gefahr registriert, bevor ich Sie überhaupt sehen konte. Tags zuvor hatte ich 2 Schlangen auf der Straße gesehen und das schoß mir sofort durch den Kopf. Und richtig, ca. 2 Meter von mir lag eine Schlange im Gras. Nicht groß, vielleicht einen Meter, aber reichte aus, um meinen Puls auf 180 zu bringen. Was tun? Ich wusste, das Schlangen nicht sehen können, wohl aber meine Körperwärme spüren. Ich wäre am liebsten weggerannt, aber ich wusste nicht, wie weit die Reichweite der Schlange war. Also entschied ich mich, stehen zu bleiben und abzuwarten. Das waren die bisher längsten Minuten in meinem Leben. Gegen die Angst anzukämpfen und ruhig stehen zu bleiben. Aber das kleine Tierchen wollte nichts von mir und nach ein paar Minuten schlängelte Sie davon. So wird man morgens munter und nicht mit kalt duschen. Aber jeden Tag würde ich das auch nicht aushalten. Wenn ich zelte und nachts raus muss, habe ich mir zur Regel gemacht, immer erst alles abzuleuchten und dann rauszugehen und natürlich das Zelt hinter mir zuzumachen. Nicht, dass jemand im Schlafsack liegt, wenn ich zurück komme. Schlangen suchen ja nachts die Wärme, aber an diesem Morgen hatte ich das einfach vergessen. Wird mir bestimmt nicht wieder passieren. Gleich zu Beginn meines Aufenthalts in Nepal besuchte ich die Gebursstätte von Budda in Lumbini. Ich dachte, Budda ist nur eine imaginäre Figur. Aber der hat wirklich gelebt und dann den Buddismus begründet. Der sich dann nach Indien und nach Nepal ausgebreitet hat. War eine sehr beeindruckende Tempelanlage. Viele Länder, China, Korea, Buthan und sogar Deutschland haben dort Tempel errichtet. Ich habe schon einige Religionen auf meiner Reise kennengelernt, wobei mir der Budismus am sympathischsten ist. Meines Wissen ist dies die einzige Religion, die noch keine Kriege geführt hat. Also eine ausgesprochen friedliche Religion und so sind auch die Menschen. Kathmandu liegt am Fuße des Himalaya und bei schönem Wetter sieht man den Mount Everest. Der allerdings aus einer Entfernung von 50 km  nicht sehr spektakulär aussieht. Hier in Kathmandu beginnen alle Expeditionen in den Himalaya und zum Mount Everest. Entsprechend ist auch das Flair in der Stadt. Ein Stadteil Themel ist nur auf Touristen ausgerichtet. Hotels,Trackingläden. Alles was man so braucht und riesen Angebote für Touristen. Tracking Touren, Rafting, Biking  Mountenfly, alles was man sich vorstellen kann. Allerdings ist jetzt Winter, zumindest im Gebirge. Hier in Kathmandu werden es immer noch 25 Grad. Liegt ja auch auf dem 28 Längengrad oder so.

Ich hatte schon überlegt, ins Basecamp vom Mount Everest zu fahren oder fahren zu lassen, aber da sind unter -10 °C und dafür habe ich keine Klamotten mit. Neu einkleiden wollte ich mich auch nicht. Also begnüge ich mich damit, mein Fahrrad fit zu machen und die Stadt zu besichtigen. Es gibt unwahrscheinlich viele alte Tempel zu sehen und natürlich jede Menge Touristen, die schärfsten Typen laufen hier rum. Voll interessant. Ich bleibe noch 2 Tage hier und dann geht es wieder nach Indien. Bis Kalkutta sind es ca. 700 km. Da will ich dann am Indischen Ozean Pause machen. So das wars. Falls ich eine ordentliche Leitung finde, folgen Bilder. Lasst Euch vom Weihnachtstrubel nicht irre machen und immer schön warm anziehen. Der lustige Biker

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2.11.2008 - Und wie geht's weiter ?

Hallo Freunde ,

habe in Indien jetzt schon 1.500 Kilometer zurückgelegt und insgesamt schon 8.000 km. Fahrrad hält hervorragend durch. Noch nicht eine Panne. Habe aber sicherheitshalber nach Singapure Ersatzteile bestellt, denn nichts hält ewig. Indien ist wohl das Land, dass das Klischee von Abenteuer am ehesten erfüllt. Elefanten auf den Straßen, Wasserbüffel, Affen und die buntgekleideten Frauen, dazu die Palmen und Sonnenschein. Ich glaube, als Tourist in den besten Hotels fern vom Elend kann man dieses Land lieben. Aber ich bin mittendrin, in diesem Verkehrschaos, sehe das Elend am Straßenrand und den ganzen Dreck. Was mich aber wirklich stört und bald in den Wahnsinn treibt, ist dieser unbeschreibliche Krach. Krach, weil er unnötig ist. Es wird gehupt auf Teufel komm raus. Da steht einer neben Dir und hupt Dir ins Ohr. Die Deutschen Autofahrer wären schon längst zu Terroristen geworden und hätten sich bewaffnet. Aber hier gehört es einfach dazu. Ich staune selbst, wie ich das ertragen kann. Mitten im größten Verkehr werde ich dann auch noch von allen Seiten angequatscht. Motorradfahrer, Fahrradfahrer, alle wollen mit dem Europaer ein Paar  Worte wechseln. Ich muss Euch sagen, erfordert schon ein starkes Nerverkostüm und man will ja nich unhöflich sein. Ich bin froh, dass ich morgen nach Nepal rüber fahre. Da sollen die Straßen noch frei sein und nicht so viele Menschen. Mal sehen, ich mache einen Abstecher nach Katmandu und dann geht es wieder zurück nach Kalkutta. Indien ist trotz alledem das Land, das mir bisher am besten gefällt.

Melde mich demnächst wieder.

Friert schön, ich habe nach wie vor freundliche 30 Grad.

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28.10.2008 - Indien- Der Wahnsinn kennt keine Grenzen

Wer kennt Sie nicht, diese Bilder von Indien, Männer mit Turbanen, Frauen in bunten Sahris, Kühe auf den Straßen, Elefanten haben auch noch Platz, KInder die Hunger leiden und ganz dünne Ärmchen haben und natürlich Fliegen, Fliegen und nochmals Fliegen. Und nun stellt Euch vor, ich mitten drin. Indien ist das erste Land, auf das meine Vorstellungen voll zutreffen. Leider ist Indien dabei, seine Umwelt schonungslos kaputt zu machen. Die Gewässer sind nur noch stinkemde Flüssigkeiten. Hoffnungslos verdreckt und unrettbar verloren. Die Luft ist aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens so verschmutzt, dass kaum die Sonne durchkommt. Man(n) denkt ständig, es ist bewölkt, man muss hier doppelt so viel atmen, weil die Luft kaum noch Sauerstoff enthält und abends hat man das Gefühl, zu viel geraucht zu haben. Ein Krach auf den Straßen, daß man nach 3 Stunden denkt, es platzt einem der Schädel. Aber komisch, man gewöhnt sich daran. Ich mache immer meinen I- Pod auf volle Lautstärke und dann geht das schon. Leider ist der Straßenlärm so laut, dass mein I-Pod nichts entgegenzusetzen hat. Die Bevölkerungsdichte ist um ein vielfaches größer, als in Deutschland. Man hat hat das Gefühl, in einem großen Ameisenhaufen  zu stecken und  ständig hat man das Gefühl, auf Jemanden raufzutreten. Es gibt keinen Platz, wo man einfach stehen kann. Nun sind die Inder noch sehr neugierig, wenn ich irgendwo stehen bleibe, ist gleich eine große Traube neugieriger schwarzer Augen um mich rum. Sie sind aber sehr freundlich und sehr herzlich. Wenn jemand englisch sprechen kann. ist immer großes "Hallo" und staunen angesagt. Und Sie lassen sich gerne fotografieren. Ich werde sehr oft zum Tee eingeladen und auch sonst sind sie sehr hilfsbereit. Durch Delhi hat mich heute eine Motorrikscha gebracht. Die mich auch morgen wieder raus bringt. In Indien ist der Unterschied zwischen arm und reich noch gravierender. Die Menschen sind in sogenannte Kasten eingeteilt, die durch Geburt bestimmt sind und aus diesen man nicht raus kommt. Die ärmste Kaste lebt regelrecht im Müll. Die nächste Stufe lebt in irgendwelchen Slums am Straßenrand. Dann kommt die arbeitende Bevölkerung in den unteren Berufen. Die wohnen schon in irgentwelchen Häusern. Dann folgt die Mittelschicht, die auch schon Autos haben und in extra Satelittenstädten oder Resorts wohnen. Danach folgt die Upperclass, die über allem stehen. Trotz der vielen Menschen und der Armut ist Indien sehr fortschrittlich. Hat tolle Schulen und Universitäten. Da können wir uns eine Scheibe abschneiden. Ich habe heute einen Sportkomplex gesehen. Dagegen ist unser Olympiastützpunkt in Berlin eine Spielwiese. Vorige Woche wurde gerade eine Rakete zum Mond gestartet. Auch sonst sind sie technisch auf dem neuesten Stand. Bloß die breite Masse hat nichts davon. Mein Fotoapparat und mein Fahrradcomputer werden immer wie ein Wunder bestaunt. Meinen I-Pod traue ich mich garnicht, raus zu holen. Da jegliche Nahverkehrsmittel bis auf ein paar Busse fehlen, wird hier mit allem gefahren, was Räder hat. Fahrräder, Mopets , Motorrikschas LKW's, Esel, Kühe und auch Elefanten. Mir kam heute einer auf meiner Spur entgegen und er hat keinen Platz gemacht. Der Straßenverkehr ist entsprehend chaotisch und laut. Man muß immer voll konzentriert fahren, denn oft kommt einem jemand auf der eigenen Spur entgegen. Ständiges schneiden oder plötzliches anhalten, sowie rückwärts fahren sind ebenso normal. Trotzdem komme ich sehr gut voran. Es gibt überall Hotels, die auch annehmbar sind und Restaurants sind auch vorhanden. Geldautomat ist auch da, so dass eigentlich nichts schief gehen kann. Ich denke, ich bin in 10 Tagen in Kalkutta. Zwischendurch will ich mir noch ein paar Tempel und Wildlife Resorts ansehen. Das größte Heiligtum, der Sigh Hindus, den Goldenen Tempel von Amristar habe ich mir schon angesehen. Einfach umwerfend. Ich bin vor Erfurcht, wie alle Anderen, auf die Knie gefallen. Aber Tempel gibt es in jeder Stadt und werden auch langweilig, aber ein paar tolle Highlights habe ich noch vor mir. Den gefährlichen Teil der Reise habe ich jetzt hinter mir. Jetzt beginnt der schöne Teil.

Die Kilometer fahren sich fast von allein und nur die landesspezifischen Besonderheiten machen es schwierig. Was natürlich auch besonders schwerig ist, ist das Allein sein. Nach 3 Monaten hat man schon enormes Heimweh. Wenn ich über meinen Schatten springen könnte, würde ich ins Flugzeug steigen und nach Hause kommen. Aber auf mir lastet nun einmal der Fluch, alles was ich anfange, muss ich auch zu Ende bringen. Für alle zu Hause, ich sage Euch, Ihr müßt nicht in die weite Welt. Zu Hause, egal wo das ist, ist es immer am Schönsten. Wir müssen uns dessen nur bewußt sein. Das große Abenteuer gibt es sowieso nicht. Das gab es nie. Abenteuer gibt es nur immer in unseren Köpfen. In diesem Sinne seit Euch bewußt, was Ihr habt und genießt es. Bis die Tage. Der lustige Biker

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22.10.2008 - Albtraum Pakistan oder faszinierender Orient

Lohore  22.10.2008

Hallo Freunde,

mal wieder neues von der Weltreise. Bevor ich zu Pakistan komme, noch abschließend zum Iran:

Da vom auswärtigen Amt  und natürlich auch von den iranischen Behörden die Strecke in Beludschistan von Bam bis zur Grenze ca. 400 km als besonders gefährlich eingstuft wird - angeblich durch die vielen afghanischen Flüchlinge, wartete morgens vor dem Hotel eine Polizeieskorte. Es wechselten sich immer entsprechend der Polizeiabschnitte die Leute ab. Mal war es ein Motorrad, mal ein Pkw und wenn ein Fahrzeug zur Verfügung stand, das mich mitnehmen konnte, musste ich aufsitzen. Es gestaltete sich mit der Zeit nicht als Eskorte, sondern als Abschiebe - so schnell wie möglich. So konnte ich von den 400 km mal gerade 70 km fahren. Spät abens kamen wir noch an der Grenze an, wo ein etwas ominöses Hotel war. Na jedenfalls waren Sie mich jetzt los. Nächster Tag: Grenze. Die Iranis haben es nicht so mit der Pünktlichkeit und als um 9:30 Uhr noch immer niemand da war, musste ich etwas laut werden. Wenn Du da als Europäer laut wirst, fälllt das natürlich besonders auf. Es half auch. Allerdings durfte ich mich dafür dann hinten anstellen. In Pakistan dann überhaupt keine Probleme. Allerdings alles sehr primitiv. Keine festen Gebaude. Sah alles sehr vorsinnflutlich aus. Wie es weiter ging, wisst Ihr ja. Nächste Station Quetta. Leute, Ihr könnt Euch diesen Dreck  und Gestank sowie dieses Chaos nicht vorstellen. Alles halb zerfallene Lehmhütten und eine Umweltverschmutzung, unbeschreiblich. Das Verkehrschaos war im Iran schon schlimm, aber hier ging gar nichts mehr. Jedenfalls auf den 1. Blick. Denn hier ist nicht nur die Bevölkerungsdichte viel größer, sondern es kommen jede Menge Fahrräder, Eselkarren, Kamele dazu. In Deutschland würde es nur knallen. Hier nicht. Es wird voll aufeinander zugefahren und im letzten Moment tut sich wie durch ein Wunder eine Lücke auf. In diesem Strom darf man nicht zögerlich sein. Ich habe das schon ganz gut im Griff. Vergleichbar vielleicht mit einem reizenden Strom. Man muß mitschwimmen, dann kommt man auch unbeschadet wieder heraus. Erst hatte ich ein Hotel, das war noch 10 mal schlimmer, als das in Theheran. Unvorstellbarer Dreck, wie man so etwas anbieten kann. Nach längerem Suchen fand ich dann noch eins, was einigermaßen aktzeptabel war. Nächsten Tag ging es weiter Richtung Quetta und Indischer Grenze. Nach einer Stunde hatte ich auch unbeschadet das Stadtgebiet passiert. Unterwegs hatte ich viele Gespräche mit auf Fahrrädern zur Schule eilenden Kindern. Was mich sehr erstaunte war, das Gespräch mit einem Collegeschüler, der davon überzeugt war, dass Pakistan sowohl wirtschaftlich als auch politisch eine Macht darstellt und auch von weltpolitischer Bedeutung ist. Gott sei dank konnte ich meinen Lachkrampf unterdrücken. Pakistan lebt voll in der Steinzeit. Jahrhunderte  entfernt, um überhaupt eine Bedeutung zu haben. Ich schreibe das jetzt natürlich sehr subjektiv, andere Reisende haben vielleicht andere Erlebnisse, aber ich kann nur das schreiben, was ich empfinde. Ich sage Euch, Pakistan ist keine Reise wert. Vielleicht mit Reisebüros in den teuersten Hotels. Denn Landschaft und was zu sehen, gibt es schon. Ich bin durch eine fantastische Felslandschaft, schmale Serpentinen gefahren. Malerisch, wie sich die hochbeladenen Lkw's langquälten. Plötzlich Polizeisperre. Ich sollte auf eine Eskorte warten. Zu gefährlich die Gegend für mich. Ich hatte aber keine Lust zu warten und fuhr einfach weiter. Es dauerte nicht lange, kam ein Mottorrad hinter mir her. Das wechselte sich dann den ganzen Tag wieder ab. Aber wieder verfrachten lies ich mich nicht und so fuhr den ganzen Tag immer jemand hinter mir her. Störte mich nicht weiter und streckenweise hatte ich Sie völlig vergessen. Abends musste ich jedoch mit in die Polizeistation, da auch kein Hotel in der Nähe war, hatte ich nichts dagegen. Aber Leute, so etwas habe ich noch nicht gesehen. Kein Strom, kein Wasser, keineToilette. Das Einzige ein Faxgerät. Dazu hunderttausend kleine Fliegen. Ich habe die Nacht kein Auge zugemacht. Am nächsten Tag wollten Sie mich gleich wieder aufladen, aber ich konnte mich durchsetzen und so fuhren Sie wieder hinter mir her. Der Grund für die Eskorte sollte Angst vor terroristischen Anschlägen sein. Aber im Nachhinein stellte ich fest, dass es mehr die innenpolitische Situation war und ich sollte von der Bevölkerung fern gehalten werden. Pakistan ist ein völlig korupptes Land. Jeder, der einen Posten hat, nutzt Ihn aus, um sich zu bereichern . Das wird natürlich auf dem Rücken der Armen ausgetragen. Die Ruhe wird nur durch Polizeipräsents und autoritärem Auftreten aufrecht erhalten. Ich bin durch eine fantastische Landschaft gefarhen. Es wird Reis angebaut und überall die Wasserbüffel und Kamele. Die Frauen auf den Feldern, einfach toll. Aber die andere Seite wieder diese Armut und dieser Dreck. Gegessen wird in irgendwelchen dreckigen Restaurants auf der Strasse. Mit den Fingern und man ißt nie allein. Tausende von Fliegen warten schon. Ich habe mir auch gründlich den Magen verdorben und habe mit Durchfall zu kämpfen. Ich weiss echt nicht mehr, was ich essen soll. Habe schon 8 Kilo abgenommen. In Indien muss das besser werden, sonst muss ich die Weltreise mangels Masse abbrechen. Das Problem ist schon lange nicht mehr das Fahrrad fahren. Es sind die Begleitumstände, die es so wahnnsinnig schwierig im Moment machen. Ich überquerte den Indus und kam auf den Indushaighway. Ein Verkehr, unvorstellbar alles zu mit LKW's. Parallel dazu verlief ein Highway, der Mautpflichtig war. Der war einigermaßen befahrbar. Am Ende diesen Tages bekam ich eine Wache vor mein Hotelzimmer und durfte nicht mehr in die Stadt. Kommt einem schon merkwürdig vor. Ich hatte zwar nicht dierekt Angst, aber so richtig wohl war mir auch nicht. Die nächsten 2 Tage wurde ich dann durchs Land gekarrt bis nach  Quetta. So lernte ich zwar viele Polizisten kennen, aber das wars dann auch. Fotos konnte ich leider auch nicht so viele machen. Es gibt übrigens in Pakistan noch Zollgrenzen, so wie früher in Deutschland die Kleinstaaterei. Die LKW's benötigen eine Berechtigung, für den bezahlt werden muss, wenn Sie von einen Landesteil in den anderen wollen. Ich war bei vielen Kontrollen dabei, wenn das Gesicht dem Poliziten nicht passte, musste extra bezahlt werden oder nichts ging mehr. Und zu guter letzt gibt es. Kinderarbeit überall. An den Tankstellen und Restaurants werden 10- 14 Jährige durch die Gegend  gejagt. Ihr seht, ich habe nicht den besten Eindruck von Pakistan, obwohl die Menschen, mit denen ich gesprochen habe, sehr nett und aufgeschlossen waren. Mal sehen, was Indien bringt. Bis die Tage. Euer Weltreisender    

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10.10.2008 - Yazd/Iran

Von Teheran zur pakistanischen Grenze

Aus Teheran habe ich trotz guter Erklärung nach 2 Stunden herausgefunden. Der Verkehr und die Luftverschmutzung sind mörderisch. Ich glaube, ich habe jetzt das System im Verkehr begriffen. Jeder fährt so, wie er am besten vorwärts kommt. Mann darf nur keinen umfahren. Sich vorsichtig die Vorfahrt erdrängeln. Jedenfalls nach 2 Stunden war ich halbwegs aus der Stadt und den Vororten raus. Es gibt zwar eine Autobahn, aber die ist Mautpflichtig. Also bleiben alle LKW's auf der Landstraße und ich ich mittendrin. Es grüssen alle recht freundlich und ich werde oft von den Trackern zum Tee eingeladen, aber es nervt trotzdem. Ich bewege mich auf dem alten Handelsweg nach Indien immer am Rande der Wüste Kavir. Deshalb wieder große Hitze. Mittags werden es wieder über 30 Grad. Erste große Stadt Quom. Religiöses Zentrum des Irans und Aufenthaltsort von Khomeni. Ich besuche dort die größte Moschee. Ist schon beeindruckend. Durch die Stadt werde ich von einem Polizisten auf dem Motorrad mit Blaulicht zu einem Hotel geleitet. Toller Service. Am nächstem Tag erklärt mir der Hotelmanager den Weg zur Autobahn. Er meint, es interessiert niemanden, und so war es auch. Toll, wenig Verkehr und ein breiter Randstreifen extra fur mich. Komme sehr gut voran. Passiere Kahsna und Naein. Muss wieder auf 2.000 Meter hochklettern,die es dann aber am nächsten Tag wieder runter geht. Das ist nach Ardekan. Ich fahre immer leicht bergab und dann noch mit Rückenwind. Durchschnitt auf 100 km 32 Km. Von Ardekan ging es heute nach Yazd. Auch eine riesige Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Mache ich erst mal einen Tag Pause. 6.000 km habe ich bereits geschafft. Das ist gut. 1/5 der Strecke. Ich fühle mich körperlich fit und den Rest werde ich auch noch schaffen. Jetzt komme ich allerdings in die Region, die vom auswärtigen Amt als gefährlich eingestuft wird. Deshalb habe ich mich entschieden, am Sonntag mit dem Zug bis Kermann und dann weiter bis Bam zu fahren. Dort endet leider die Bahnverbindung. Mal sehen, wie es dann weitergeht. Vom Iran habe ich leider nur einen kleinen Teil gesehen und noch dazu nur die Wüstengegend. Der Iran hat ja noch viel mehr zu bieten. Herrliche Seen und Berge, Grotten unf Wasserfälle, aber mit dem Fahrrad leider nicht zu schaffen. Also wer sich für Geschichte und schöne Natur interessiert, ab in den Iran. Ein absolut sicheres Reiseland mit freundlichen, hilfsbereiten, nicht aufdringlichen Menschen. Hat mir unterm Strich von den Menschen her bisher am besten gefallen.

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7.10.2008 - Esthefan/Iran

Bin in Esthefan. Tolle Stadt. WahnsinnigerTrubel und Verkehr. Eben der Orient. Komme gut voran. Fahre jetzt immer auf der Autobahn. Habe heute einen Motorbiker aus Norwegen getroffen. Den hatte ich schon in der Türkei und an der iranischen Grenze gesehen. Leicht zu erkennen, da er eine grüne Warnweste anhat. Heut an der Tankstelle mitten in der Wüste haben wir uns dann getroffen. Wir haben uns für Freitag in Yazt verabredet. Er erzählte mir, dass an der türkisch-iranischen Grenze ein Biker 3 Kilometer hinter mit war. Schade. Die Straße geht immer entlang der Wüste - der alte Handelsweg nach Indien. Wird an der linken Seite von einem Gebirge begrenzt. 100 Kilometer nichts und dann mal 'ne Tankstelle. Die Orte sind fast ganz genau immer 100 Kilometer entfernt. Mit der Erkältung geht es schon. Die Nasentropfen haben echt geholfen. Heute hielt ein LKW und gab mir eine Tüte mit Weintrauben und kaltes Wasser und sagte "Welcome to Iran". Nette Geste. Wenn ich in den Ort reinfahre, habe ich immer gleich eine Motorrad-Eskorte. Die bringen mich dann zum Hotel oder zum Internet Cafe. Echt nette Menschen. 2 waren dann noch im Hotel, aber die Sprachen kein Englisch.

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6.10.2008 - Ich bin in Kashna/Iran.

Bin in Kashna, das ist Zentral Iran. Auf dem alten Handelsweg nach Indien. Bin heute auf der Autobahn gefahren. Schöner breiter Randstreifen und gute Straße. Ist zwar verboten, interessiert aber niemanden. Auf der Landstraße ist zu viel Verkehr. Die Autobahn ist fast leer, weil Mautpflichtig. Ich musste aber nichts bezahlen. Morgen noch mal, dann ist die Autobahn leider zu Ende.

Iran ist schon ein interressantes Land und es gibt einiges zu berichten. Ich bin jetzt fast 10 Wochen unterwegs und habe fast 6.000 km geschafft. Das ist schon fast ein Viertel meiner Reise. Ich bewege mich jetzt auf die pakistanische Grenze zu und Freitag werde ich in Beludschistan sein. Dann weiss ich noch nicht weiter. Das auswärtige Amt warnt ausdrücklich vor Reisen dorthin, wegen der vielen afghanischen Flüchtlinge. 2007 wurden dort Touristen an einer errichteten Straßensperre erschossen und 2006 wurden 3 Radfahrer - allerdings keine Deutschen - entführt. Aber irgendwie geht es schon weiter. Ich bin ganz optimistisch.

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4.10.2008 - Teheran

Ihr habt richtig gehoert, ich bin in Teheran. Habe allerdings ein bißchen geschummelt und bin von Tabriz mit dem Zug gefahren. War ein tolles Erlebnis. Für 17 Euro Schlafwagen mit Fernseher und Abendbrot und Frühstück, einfach ein toller Service. Allerdings ist Teheran keine Reise wert. Ich habe mich schon geärgert, diesen Umweg gemacht zu haben. Nun muss ich wieder sehen, wie ich aus diesem riesigem Moloch wieder herauskomme. Der Verkehr ist mörderisch. Totales Chaos. Ich habe noch kein System erkannt. Jeder fährt einfach, wie er am besten vorwärts kommt. Ampeln und Fußgängerüberwege werden völlig missachtet. Die Motoräder fahren auf dem Bürgersteig, wie bei uns die Fahrräder. Fussgänger haben überhaupt keine Chance. Man muss einfach losgehen und sich irgendwie durchschlängeln. Einfach fürchterlich. Ansonsten ist Theheran eine charakterlose Stadt. Es gibt nicht viel zu sehen, außer vielleicht das Grab von Khomeni, aber das dürfte uns auch nicht so reizend interessieren. Aber erst noch einmal zurück zur letzten Station in der Türkei. Kurz vor der Grenzstadt Dagoboyazit. Das ist da, wo dieses Jahr die Bergsteiger entführt wurden. Musste ich wieder einen Angriff von 2 riesigen wolfsähnlichen Hunden abwehren. Diesmal hatte ich kein Pfefferspray zur Hand. Es kam zu überraschend. Ihr müßt  euch vorstellen, links und rechts von der Pedalle 2 Hunde. Wie der Hund von Baskerville. Ich sage Euch, ich bin um mein Leben gefahren. Ich schrecke heute noch bei Hundegebell zusammen. Dagobayazit ist schon eine sehr wilde Stadt. Dort triffst Du Schmuggler aus dem Irak, Aserbaidschan, Turkmenistan und allerlei andere Kurden. Durch grosse Polizei und Armeepräsenz ist es aber relativ sicher. Selbst Panzer kommen zum Einsatz. Die Fahrt in den Iran war sehr entspannt. Nur bergab und Rückenwind. Wenig Verkehr. An der Grenze keine Probleme. Kurze Kontrolle und dann durfte ich durch. Allerdings war die Grenze mit einem Eisernen Tor verschlossen. Erinnerte mich doch an alte Zeiten. Im iran gleich Geld getauscht und ich war mit einem Mal Millionär. Für einen Euro bekommt man 10.000 Rial. Die Menschen im Iran sind etwas anders, als die Türken. Wie, kann ich noch nicht sagen. Muss erst noch Eindrücke sammeln. Jedenfalls freundlich, ohne aufdringlich zu sein und dem Westen, da ja von Staats wegen verboten, sehr aufgeschlossen. Der Islam wird hier allerdings strenger durchgesetzt. Man sieht keine Frau ohne Kopftuch. Internetcafes sind halb illegal. MeIne erste Station im Iran war Tabriz. Die 3. größte Stadt des Iran und früher mal Hauptstadt des Mongolischen Reiches unter dem 2. Khan. Ich hatte meinen persönlichen Taxifahrer, der mich für 40 Dollar den ganzen Tag chaufierte und alles zeigte. Er sprach halbwegs englisch und wir konnten uns gut unterhalten. So habe ich zum Beispiel erfahren, dass es im iran nicht nur die merfach Ehe gibt, sondern auch die Ehe auf Zeit von: 1 Stunde bis zu 99 Jahren. Eigentlich verdeckte Prostitution, aber die Frauen sind dadurch abgesichert. Noch was komisches. In öffentlichen Verkehrsmitteln fahren Frauen und Männer getrennt. In Bussen, die Männer vorn und die Frauen hinten. In der U-Bahn gibt es getrennte Waggons. In Teheran gibt es nicht mal Postkarten, wahrscheinlich weil keine Motive da sind. So, morgen geht es weiter in Richtung Pakisten. Erstmal nach Quom, dann Estefhan und danach Yazcht. Danach geht es nach Belutschistan, da wird es etwas heikel. Aber sind wir über den Hund gekommen, kommen wir auch über den Schwanz.(altes Trappersprichwort). Nächster Bericht wahrscheinlich erst aus Pakistan oder Indien. Bis die Tage  

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27.09.2008 - von Diyarbarkr nach Tatwan am Van See

Der letzte Bericht aus der Türkei . In 2 Tagen bin ich im Iran. Nach 5 Wochen denke ich, habe ich genug von dem Land gesehen. Es war sehr interssant, mal Land und Leute aus einer anderen Perspektive kennen zulernen. Es war schön. Die Menschen freundlich. Ich werde unsere türkischen Landsleute zu Hause jetzt mit anderen Augen sehen. Gestern war ich in Bitlis, das ist ein türkischer Skiort 1.500 m hoch. Gestern noch 35 Grad und heute früh wieder Regen und 9 Grad. Das hält doch keiner aus. Regen und Kälte wären für mich ein Grund aufzugeben, aber ein paar Tage halte ich das schon aus. Der Wetterbericht sagt fur Mittwoch wieder besseres Wetter an. Aber da bin ich ja schon im Iran. Vielleicht macht das Wetter an der Grenze halt. Zum Glück hatte ich mir noch eine Wetterjacke gekauft. Also heute früh selbes Spiel, wie letztes mal. Abwarten. Aber ich habe schliesslich eine Weltreise zu fahren. Und nur, wer sich bewegt, kommt vorwärts. Also, um 10 Uhr los. Ihr müsst Euch vorstellen, Gebirge, Wind und kalter Regen. Dazu alles wolkenverhangen. Es ging weiter bergauf. Der Regen von außen und von innen lief mir der Schweiss den Rücken runter. Äußerst unangenehm. Dann wieder Baustelle. Ich dachte schon, die Schlammschlacht wiederholt sich. Aber dieses mal war es nicht so schlimm. Da der Regen nicht aufhörte, nahm ich mir in Tatwan ein Hotel. Von hier fahre ich morgen mit der Fähre nach Van. Wie sich herausstellte, eine weise Entscheidung, denn das Unwetter mit Sturmböhen kam erst am Nachmittag. Das Wetter soll die nächsten Tage leider so bleiben. Ich hoffe, es wird Richtung Iran etwas besser. Der nächste Bericht folgt aus Theheran. Bis die Tage

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23.09.2008 - Die Schlammschlacht von Sufli Urfa

In Anatolien regnet es selten. Genauer gesagt, es hatte 7 Monate nicht geregnet. Ich stehe am Dienstag auf und es wird nicht hell. Das heisst, es war schon wieder dunkel. Gewitter. Ich denke, manche Dinge muss man aussitzen. Warte bis um 9. Nichts wird besser. Ein Gewitter nach dem Anderen. Was tun? Die Weltreise kann ja nicht wegen Regen ausfallen. Also zusammengepackt, eine Regenlücke abgewartet und los. Meine Regenjacke hatte ich leider irgendwo liegenlassen. Die Tankstellen sind Gott sei Dank dicht gesäht. Ich kam genau bis zur nächsten. Es wurde ein Tankstellenhopping. So ging das 30 Kilometer und keine Besserung in Sicht. Dazu kam, dass Staatsbesuch in Urfa angesagt war und überall Polizei und Armee. 2 Mal wurde ich angehalten und kontrolliert. Einmal sogar Gepäckkontrolle. Ich sträubte mich zwar, im Regen meine Taschen zu öffnen, aber der bewaffneten Übermacht mußte ich mich doch ergeben.

Nach etwa 35 KIlometern endete auf einmal die Straße. Es wurde eine neue gebaut. Die Behelfsstraße war unbefestigt aus Lehm und Kalk. In trocknem Zustand sicherlich gut befahrbar, aber nicht heute. Erst ging es noch. Der Untergrund war noch fest und ich musste mich nicht nur über die spritzenden Autofahrer beklagen. Dann wurde es immer rutschiger, schlammiger. Der Modder setzte sich in Bremsen und Schutzblechen fest, bis nichts mehr ging. Also schieben und kein Ende in Sicht. Ich kam kaum voran und meine Schuhe blieben immer im Schlamm stecken. Dazu immer die dummen Bemerkungen der Autofahrer. Gott sei Dank verstand ich Sie nicht und Sie mich auch nicht. Irgendwie nach 2 Stunden war ich durch. An der nächsten Tanke kein Wasser im Abspritzschlauch. Dafür viele Zuschauer. Einzige Chance: Wasser aus dem Kloh mit dem Eimer holen und versuchen, die Klammotten und das Rad irgendwie sauber zu bekommen. Und immer wieder Gewitter zwischendurch. Es war ein toller Tag.

Nach 2 Stunden war ich halbwegs sauber und total durchnässt. Ich denke, ab in den nächsten Ort und in ein Hotel. Der nächste Ort nach 20 KIlometern hatte kein Hotel. Der nächste Ort 37 KIlometer entfernt und es wurde schon langsam dunkel. Was solls also, weiter. Wenn Du denkst, es geht nichts mehr, kommt irgenwo ein Licht daher. Das Licht war ein netter LKW Fahrer, der mich mitnahm. So konnte ich noch vor derm Dunkelwerden in einem türkischen Hotel ohne Sterne absteigen. Ohne Sterne heisst für uns Europäer: geht gerade noch so. So musste ich aus meinem Bett auch erst mal die Ohrenkneifer verjagen. Aber es war trocken und warm. An diesem Tag waren es nähmlich nur 14 Grad und ich musste meine langen Sachen rausholen.

Für 10 Euro ein Hotel, dafür durfte ich mein Rad mit ins Zimmer nehmen. Noch mal 2 Stunden putzen und dann war ich schon fast wieder gesellschaftsfähig. Diese Nacht schlief ich wunderbar, denn zum ersten mal keine Klimaanlage, sondern zudecken. Der nächste Tag erwachte, als wäre nichts gewesen. Strahlend blauer Himmel. Etwas kühler, aber es deutete sich wieder Hitze an. Mein Ziel war Diyarbakir. Die Stadt, in der einst der Prophet Mohammed weilte. 83 Kilometer. Es sollte ein schöner Tag werden. Nicht so wahr, angenehme 30 Grad. Leichter Wüstenwind aus Syrien schob mich über die Straße. Die Landschaft veränderte sich. Sah aus wie auf dem Mond. Nur Steinlandschaft. Kaum möglich, irgend etwas anzubauen. So sind viele Kurden auch noch Nomaden und ziehen mit Ihren Schafen und Ziegen auf der Suche nach Futter umher. Ein armes Land, aber freundliche und fröhliche Menschen. Das erstaunliche, trotz der Armut sind die Menschen fröhlich. Wie ich hier so mitbekommen habe, haben die Türken Probleme mit behinderten Menschen. In Ihren Augen ist es eine Schande, behinderte Kinder zu haben. So werden Sie auch fern der Öffentlichkeit gehalten. Auf den Dörfern oder bei den Schafherden sieht man aber ab und zu geistig oder körperlich behinderte Menschen. Ein schockierendes Erlebnis hatte ich aber. In einem Dorf saß ein Kind im Rollstuhl und wollte anscheinend nicht so, wie die Mutter. Da kippte die Mutter einfach den Rollstuhl um. Einfach unfassbar, spiegelt aber die Einstellung der Türken gegenüber behinderten Menschen wieder.

Zu allem Überfluss hielt auf einmal ein Abschleppwagen und deutete an, mich mitnehmen zu wollen. Nun bestand überhaupt kein Grund, aber eine alte Radfahrer-Regel besagt: Lehne nie einen angebotetenen Lift ab, sonst wirst Du in der Not keinen mehr bekommen. Also rauf und los.

Gott sei Dank musste er nach 20 KIlometern abbiegen und ich konnte die restlichen 60 Kilometer noch fahren. In Diyarbakir, eine tolle Großstadt, erstmal ein Hotel. 4 Sterne sind gerade gut genug für 40 Euro geht das schon mal. Der Boy müht sich mit meinem Fahrrad und Gepäck ab, besteht aber darauf, alles alleine zu machen. Die Hotels sind durchaus vergleichbar mit deutschen. Allerdings hätte ich in Deutschland wohl kaum einen Fuß in ein 4 Sterne Hotel bekommen. Im Preis incl. Sauna, Massege, türkisches Bad und Fítnesscenter. Einfach toll. Bleibe ich noch einen Tag zum relaxen. Dann Stadtbummel-Überrachung. Tolles Einkaufscenter mit Burger King. Das türkische Essen ist sehr gut, aber nichts geht über Fastfood. Vielleicht nicht gesund für den Körper, aber für die Seele. Die Läden von NIke und Addidas haben eine Auswahl. Können die sich in Deutschland mal 'ne Scheibe abschneiden.

Warum zum Teufel bekommen wir das nicht in Deutschland hin. Die Erfahrung hatten wir schon in Prag und Budapest gemacht. Also, wäre einfach toll, mal wieder in einem Einkaufscenter zu sitzen, die Leute zu beobachten und durch die Läden zu bummlen.

So, das wars. Morgen geht es weiter Richtung Van und in die Berge. Ich muss bis auf 2.000 Meter hoch. Nächste Woche bin ich im Iran. Ich bin voll gespannt. Bis die Tage

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22.09.2008 - Von Side entlang am Mittelmeer nach Anatolien

Nach einer Woche faulenzen, freute ich mich doch tatsaechlich wieder, Rad fahren zu können. Früh um 8 Uhr ging es endlich los Richtung Alanya. Bis dahin war noch Autobahn. Ich kam gut voran. Allmählich ließen jedoch die Hotelhochburgen nach und nach Alanya war tatsaechlich damit Schluss. Der etwas Ruhe sucht, sollte sich ein Hotel hinter Side oder in Alanya nehmen. Hat mir da wesentlich besser gefallen. Mit den Hotels endeten auch die guten Straßen. Schlechter grober Asphalt.  Der Tod für einen Radfahrer. Es gab aber auf einmal wieder Campingplätze und auf einem lernte ich Wolfgang aus Wolfsburg kennen. Er war mit dem Wohnmobil unterwegs. In dem er auch zu Hause wohnte. Er hatte also sein ganzes zu Hause dabei. Auch praktisch, kein einpacken, kein auspacken. Er gab mir noch einige Tipps und wir verbrachten einen netten Abend. Weiter Richtung Anatolien und syrischer Grenze. Die Hitze, der ich eigentlich entgehen wollte, schlug hier richtig zu. Dazu eine hohe Luftfeuchtigkeit, ließen den Schweiß in Strömen fließen. Alles war ständig nass und nichts trocknete. Nicht verwunderlich, dass hier Bananen wachsen. Vom Fahrrad direkt in den Mund. Einfach toll. War in den nächsten Tagen auch meine Hauptnahrung. Einige riesige Hotels traf ich noch, alles in russischer Mafia Hand. Sollte man nich unbedingt Urlaub machen. Die Straße führte in Serpentinen wunderbar immer am Meer entlang. Vergleichbar mit Frankreichs Mittelmeerküste. Bloß das hier weniger Verkehr war. An der Küste entlang fuhr es sich schön, aber der Abstecher in die Berge bleibt nicht aus. 3 Tage quälte ich mich durch die Berge. Immer schön in kurzen Abständen hoch und runter. Rechts das Meer, links die Felsen. Leitplanken oder Felsbefestigungen gibt es hier nicht und so entging ich nur knapp einem Steinschlag. Ein wunderbarer Zeltplatz direkt am Meer belohnte dann jedoch für die Strapazen. Hier lernte ich nochmal ein deutsches Rentnerehepaar kennen. Ebenfalls mit dem Wohnmobil unterwegs von der iranischen Grenze kommend. Sie meinten völlig ungefährlich. Auf jeden Ausländer kommt mindstens ein Polizist.

Ich lasse mich überraschen. Sie gaben mir noch ein paar Tipps für Besichtigungen und dann gings wieder allein weiter. In Adana endet die Mittelmeerküste und Südanatolien  beginnt. Das Gebiet der Kurden. Wo einst Karl May Kara-Ben-Nemsis reiten ließ, da fuhr ich jetzt entlang. Als ich Karl May durchs wilde Kurdistan gelesen habe, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich dort mal mit dem Fahrrad lang fahre. Die Gegend verändert sich schlagartig. Das Land ist gebirgig und ärmlich. Die Leute bleiben aber weiter freundlich und in den großen Städten sieht es auch wieder ordentlich aus. Das Land ist größtenteils gebirgig und es kann nicht viel angebaut werden. Für einen Radfahrer eher langweilig. Zumal die großen Berge kommen. War schon auf 1.200 Meter hoch. Da wird schon die Luft in den Reifen knapp. Zeltplätze sind eher selten. Habe gestern am Ufer des Euphrat gezeltet. Der wird hier aufgestaut und das gibt viel Ärger, da in Syrien nicht mehr viel ankommt. Das 2te Stromland wird praktisch trockengelegt. Der Tigris entspring nämlich auch hier. In den Tankstellen kann man nach wie vor gut übernachten. Lestens wollte ein Opa in einer Tankstelle mich unbedingt mit auf seine Couch nehmen. Habe ich aber dankend abgeleht und meine Luftmatratze aufgeblasen. Mein nächstes großes Ziel ist der Van See. Von da ist es dann nicht mehr weit zur Grenze.

Also machst gut.  Demnächst mehr.

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