| Julie Böhm |
Das Manuskript - grob skizzierte ErstfassungDatenblatt (Stand 18. Sept 2010)
Inhalt: Auschnitt aus einer Szene des 3. Bandes "Zwischen Bangen und Hoffen" von www.wilhelmboehm.de Story: Das Manuskript (Arbeitstitel) Kaffeehauszene:
1) Der Autor Wilhelm Böhm sitzt an seinem Manuskript in einem Wiener Cafe und schreibt an seinem Buch weiter.
2) Plötzlich klingelt sein Handy- er hat einen wichtigen Termin und muss sofort los. Das Geld für den Cafe legt er schnell auf den Tisch.
3) Der Kellner ruft ihm, dass er seine Aufzeichnungen vergessen hat- jedoch hört ihn Wilhelm Böhm nicht mehr!
4) Der Kellner ist fasziniert von den mystischen Zettelbund (schwarze Tinte in altdeutscher Schrift auf vergilbtem Papier) und betrachtet es neugierig.
--- STOP MOTION BEGINNT ---
5) Zoom der Kamera näher zum Manuskript- wie von Geisterhand beginnen die Blätter ihr Eigenleben zu starten: Im Ofton hört man die nachhallende tiefe Stimme von Wilhelm Böhm, untermalt mit mystischen Klängen
die Stimme verwandelt sich langsam in die eines 12 jährigen Buben (Wilhelm Böhm der seine Geschichte aus der damaligen Perspektive eines Kindes nach dem 2.Weltkrieg auf der Vertreibung aus der Heimat)
ANIMATION: - die Blätter beginnen sich zu bewegen, knittern (Closeup-Einstellung)
- die Berge aus Papier werden immer höher das Blatt reißt in der Mitte- darunter hört man Wasser rauschen- Das Flussbett des Wildbachs der Kamnitz sprudelt hervor
- Der Wilbach breitet sich über beide Buchseiten aus
Man sieht ein Papierschiff die Stromschnellen der Kamnitz durchschlängeln. Wildbachrauschen- KameraCUT - Perspektivwechsel
ärgerliche Schreie und Rufen von den tschechischen Grenzsoldaten die alles mit Taschenlampen suchen, sie verfolgen und immer näher kommen.
Zuspitzung, Spannung steigt, die Verfolger liegen direkt hinter ihnen man hört das nahe Motorbootgeräusch- sie sind viel schneller als die Gejagten mit einem nornalen Kanupaddelschiff Stimmen werden Lauter (Spannung auch in der Musik bemerkbar) plötzlich jedoch hat das Motorbootgeräusch der Verfolger einen kurzen Aussetzer auf dem in stockender Weise Weitere folgen bis der Motor ganz verstummt - man hört die ärgerlichen Rufe die sich langsam entfernen.
Zoom zum Boot: die Mutter stellt Wilhelm die Frage was denn passiert sein kann. Ferdi und Wilhelm fangen zu kichern an: sie fanden das tschechische Motorboot vor Abfahrt mit dem Kanu am Rand des Wildbachsstegs und füllten den Tank mit Zuckerstücken (vgl Buch ab Seite 74 oben) (-> ein Streich den Wilhelm aus den Erzählungen seines Onkels Ossis kannte mit dem er bei einem Spähtruppenunternehmen vor Charkow eine ganze Flotte russischer Sturmboote lahmgelegt hatte vgl S. 75 unterer Absatz)
Trotzdem ist die Angst dass neue tschechische Grenzsoldaten ihnen auf den Fersen sind nicht weg. In der Dunkelheit täuschen die aus dem Wasser ragendenden, von Felswänden gefallenen Blöcke menschenähnliche Silouetten vor.(vgl S. 80 unterer Absatz) Dialog: Mutter äußert ihre Bedenken, hat Angst- Ferdi ermuntert sie, dass sie es schaffen werden (vgl Buch S 80 3.Absatz)
auch die Stromschnellen werden immer stärker- Anspannung der Gefahr steigt Der Kahn läuft auf- sie steigen aus und der Weg geht nun über den Felswandsteg weiter (vgl S. 81 Absatzmitte)
sie steigen bis zur "Fürstenkanzel" hoch um eine Verschnaufpause einzulegen. Plötzlich hören sie spltterndes Holz und wütdende Rufe der Grenzsoldaten deren Boot an einem Felsen in der Klamm zerborstet sie betrachten das Spektakel aus auflechtenden Blinken von Taschenlampen von ihrem Ausguck - Auflockerung der Szene - Zuversicht zum Gelingen der Flucht. (vgl. S 82 oben)
sie steigen nach der Pause wieder herunter und kehren zu ihrem Nachen zurück- Nun sind es nur noch 2km zum Ziel: der Grundmühle - in der sie Unterschlupf finden können Das Wasser wird ruhiger, leiser - sie gleiten dahin (S.83 unten)
sie errechen ihr Ziel: sie erreichen die Mündung- dort steht die Grundmühle in mystischen Morgennebel und alle beginnen sich zu freuen ihre Freunde - die Besitzer der Mühle für eine Rast wieder zu sehen!
PLÖTZLICH: der Ton der sich freuenden Runde verhallt - die Musik hält in einem Ton an - Klopfen, Hämmern man sieht die Grundmühle im Bild noch schwach, dann fällt sie in sich zusammen (3D Animation!) das Bild wird zusätzlich wie bei einer Bildstörung unterbrochen/ die Grundmühle löst sich in Pixeln langsam auf
6) alles ist dunkel, das Hämmern wird stärker
7) Bildschnitt in die Realität zurück (Ende der Animation) Der Kellner ist über dem Manuskript eingenickt (Bild vgl Goyas Bild: Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer)
8) das Cafe hat geschlossen es ist spät in der Nacht allein ein Lichtstrahl fällt von der Tür in den Blickwinkel vor der Tür steht Wilhelm Böhm und möchte sein Manuskript zurückholen Der Kellner schreckt hoch und sieht ihn- nun mit ganz anderen Augen
ENDE
Nichtziel (wenn wir noch Zeit haben!) Direktes Interview: Kellner - Wilhelm Böhm Realdreh: wie könnte die Geschichte weiter gehen.... Auszug aus dem Buch ab S.79 der verwendeten Inhalte TEXTSTELLE
(...) Mutter hatte sich auf das hintere der beiden Sitzbretter gesetzt, Ferdi saß ganz hinten auf dem Brett, von wo aus das Boot leichter gesteuert werden konnte, und ich sollte seitlich vorn sein Anrudern gegen die Strömung tatkräftig unterstützen. Wir mußten aufpassen, daß wir nicht direkt in die Arme der Tschechen von der Strömung getrieben wurden. Schnell erfaßte uns der Sog des Wildwassers und trotz kräftiger Ruderarbeit kamen wir nur sehr langsam gegen die Stärke des nassen Elementes voran.
Bachabwärts sahen wir in Höhe des angeseilten Sturmbootes ein hektisches Aufblitzen von Taschenlampen, hörten einzelne tschechische Wortfetzen, unzweideutig als Schreie der Wut, zeitweilig unterbrochen von Schüssen aus den Mschinenpistolen der Grenzer.
Wir drei nächtlichen Bootsfahrer gewannen rasch die Mitte des Wildbaches, der, auch im Dunkeln unschwer erkennbar, an dieser Stelle eher einem kleinen Fluß von beachtlicher Breite glich. „Mir missn doh aufwärds ain waidn Bogn nähm, wail gons gnabb undah däh Wassahohbähflächn in diesäh Johräszaid suh Glibbn sain, diäh dähn Gahn gons schnäll gändern lossn gänn! Un däh Dschächn wärn sichäh wunnärn, wänn siäh uff main Ohngädern 63) richdich reagiern duhn, haha!“ lachte der Fährhaus-Ferdi brüllend in dem Getöse der ihrer Mündung in die Elbe zuströmenden Kamnitz.
Wir `Männer` arbeiteten so kräftig wir es gegen die Strömung vermochten. Unwillkürlich mußte ich an einen Scherz meines verehrten Grundschullehrers Altmann an der Peter-Rosegger-Schule in Reichenberg denken, denn ich kam mir wirklich wie ein `Blinder im Tunnel` vor. Da die Finsternis nur eine Sicht von wenigen Metern gestattete, erschrak ich ebenso wie meine Mutter gewaltig, als plötzlich dicht neben unserem schwankenden Kahn ein mächtiger Felsbrocken aus der schwarz glänzenden Oberfläche des laut gurgelnden Wassers aufragte. Doch unser jugendlicher Bootsführer blieb völlig unbeeindruckt und steuerte den Kahn mit traumwandlerischer Sicherheit in einem Bogen an der Außenseite des Felsens vorbei.
„Denen wärmärs zaign!“ schrie Ferdi und begann mit seiner Taschenlampe wie irre herumzufuchteln. Dabei schwankte der Kahn noch mehr als zuvor und ich hatte Mühe, meine auch damals in Grenzsituationen zur Pank neigenden Mutter zu beruhigen. Ihre Angstschreie verhallten jedoch im Rauschen des Wildbaches. An mehreren Stellen erkannte ich schwarze Gestalten im Gewässer, die so aussahen, als ob sie sich auf uns zu bewegten, um uns an unserem weiteren Vordringen in die Klamm zu hindern.
Bei genauerem Hinsehen entpuppten sich diese Nachtgespenter jedoch als weitere Felsblöcke, die bis zu drei Metern aus dem Bachbrett herausragten, dort, wohin sie von Unwettern von den steilen Felswänden gestürzt worden waren.
Meine Vermutung über den Sinn von Ferdis `Funzelei` bestätigte sich wenige Augenblicke später: „Däh Dschächn wärn midähm nächsdn Gohn, dähn siäh sich graifn gönn dordhia lohsrudahn, woh siäh unsah Lichd gähsähn hom. Wänn siäh dähs duhn, na wärn siäh mid Sichahaid gägn ainäh vuh däh viehln Glibbn fohrn, diäh siäh innäh Finsdahnis nich sähn gönn. Ichä gänn däh schmahläh Fohrrinnäh gähnau, däh Grändsah abbah nich! Un mia schaugn vuh unsärm Driddaisnstähg zua, wiah unsahräh `Freinde` äh Bahd nähm duhn!“ Dabei hörte ich trotz des tosenden Wildwassers sein schadenfrohes Lachen. „Na ja,“ brüllte ich zutück, „so ein Bad schadet schließlich niemandem, vorausgesetzt, er kann schwimmen!“
Kurz darauf knirschte der Sand unter dem breiten Kiel unseres Bootes. Schnell half ich Mutter aus dem Kahn zu kommen. Dann packten Ferdi und ich den Nachen an den Flanken und zogen ihn vollends hinein in die Schwärze der Sandsteinhöhle hinter dem natürlichen Tarnvorhang aus Waldreben und Efeu. Ich schloß für einen Moment meine Augen, um diese besser an die uns umgebende Finsternis zu gewöhnen. Mit dem Rücken zur Wasserseite ließ unser Bootsführer seine Taschenlampe einen Wimpernschlag lang aufblitzen, damit wir unsern Weg in den hinteren Teil der Höhle erkennen und so den ´Kamin` 64), die aus dem Sandstein gehauene Stiege zum nachfolgenden Tritteisensteg finden konnten. Wir hatten unsere Ruder neben dem Boot abgelegt und faßten uns an den Händen: Ferdi als `Leithammel`, Mutter in der Mitte und ich als Schlußlicht. Sobald wir an der Stiege angekommen waren, tasteten wir uns wie an der Innenseite einer Wendeltreppe nach oben. Hinter einer Felsnase vermochten wir unsere Füße auf das erste Tritteisen des Außensteges zu setzen und uns mit unseren Händen am Griffseil darüber festzuhalten. Der Leser mag den Ablauf unserer Flucht vor den Grenzern als nicht übermäßig dramatisch einschätzen, doch angesichts der mit Schußwaffen ausgerüsteten Tschechen auf ihrem Ruderboot war die Lage für uns Drei zweifellos lebensbedrohlich. So hetzten wir in der Dunkelheit auf dem nach oben strebenden Felswand-Steg mit unserem keineswegs leichten Marschgepäck voran! In der Finsternis konnte schnell einer von uns die in Abständen von einem halben Meter in den Sandstein geschlagenen Tritteisen verfehlen und in die gurgelnde Schwärze der Klamm hinabstürzen! Nein, das war kein Kinderspiel! Alle Drei waren wir ziemlich ´außer Puste´ und besonders Mutter klammerte sich stöhnend und buchstäblich mit letzten Kräften an das Griffseil, kaum noch einen weiteren Schritt am Abgrund wagend. Wir ´Männer` taten unser Bestes, um unsere Begleiterin voranzuschieben und zu ziehen. Aber auch mir – der trotz seiner jungen Jahre als `zäher Bursche`galt, war diese Akrobatik über der Kamnitz wegen meiner wachsenden Müdigkeit nur noch mit äußerster Willensanstrengung möglich.
Schließlich erreichten wir mit zusammengebissenen Zähnen und schmerzenden Knien einen Felsvorsprung in beachtlicher Höhe über den rauschenden Fluten des Wildwassers. Hier fanden wir zu Dritt genügend Platz, um vor dem weiteren Aufstieg zur Fürstenkanzel 65) eine Verschnaufpause einlegen zu können.
Direkt unter uns sahen wir nun – soweit es die nächtliche Finsternis zuließ – ein tragisch-komisches Schauspiel, das für uns sicherlich uneingeschränkt Anlaß zur Heiterkeit gewesen wäre, hätten wir nicht alle Drei so erschöpft `auf dem letzten Loch gepfiffen´: Kaum hatten wir uns auf der sehr unbequemen Sandsteinplatte niedergelassen, da durchdrang den allgegen wärtigen Lärm des Wildbaches das Krachen von splitterndem Holz, dem unmittelbar ein wütendes Brüllen aus tschechischen Kehlen folgte.
Mit größter Anspannung starrten wir von unserem Logenplatz in luftiger Höhe hinab in die Klamm. „Diäh hods derwischd!“ lachte Ferdi mitleidlos.
Allmählich hatten sich unsere Augen an die nächtliche Dunkelheit gewöhnt und so konnten wir mit einer gewissen Schadenfreude festellen, daß unsere Verfolger tatsächlich mit ihrem Kahn gegen eine der Unterwasserklippen gestoßen und anschließend gekentert waren. Das Stimmengewirr, das zu uns heraufdrang, bestand eigentlich nur aus wüsten Flüchen, die so `großartig`zu dem `Nachtbadevergnügen` der Grenzsoldaten paßten, weil sie jedem auf diese Weise ihre `edle`Gesinnung offenbarten. Hinzu kam, daß sie sich mit Strampeln und wildem Schlagen ihrer Arme über Wasser zu halten versuchten. Sogar meine erschöpfte Mutter hatte zu ruhigeren Atemzügen zurückgefunden und nahm das vor unseren Augen stattfindende `Plantschabenteuer` unserer `neuen Herren`aus ihrer gläubigen Sicht der Dinge wahr: „Ja, Gott läßt nicht mit sich spaßen! Diejenigen, die uns Wehrlose verfolgten, wurden durch seinen Willen selbst zu Opfern!“ verkündete sie.„Däh Dschächn hom sich doh ähn Ohrd fihr iha Gändern ausgähsuchd, woh däh Schdröhmung bäsonders schdarg is!“ erklärte uns Ferdi die Tatsache, daß unsere `Hauptdarsteller`mitsamt ihrem kieloben treibenden Kahn ziemlich rasch aus unserem nächtlichen Gesichtsfeld glitten und so die zumindest für uns Buben `unterhaltsame Vorführung` auf dem Wildwasser beendet wurde.
Entgegen unserer Müdigkeit hatten die gerade überstandenen Ereignisse unsere Lebensgeister neu geweckt, so daß wir Drei trotz Finsternis und tosendem Wildbach in der Tiefe der Klamm nach kurzer Rast die Kraft fanden, unseren Weg in Richtung Grundmühle fortzusetzen. Dennoch bewegten wir uns langsam und mit großer Vorsicht auf dem Tritteisensteg voran, und der Enkel der Fährhaus-Kathi war Kavalier genug, um den Rucksack meiner Mutter auf seine kräftigen Schultern zu nehmen.
Wegen der Langsamkeit unserer Fortbewegung erreichten wir erst weit nach Mitternacht die Hohenleipaer Brücke am Anfang der Wilden Klamm. Am jenseitigen Ufer führte ein schmaler Pfad weiter entlang die Kamnitz aufwärts bis zu der Stelle, wo Ferdi den zweiten Fährkahn seiner Eltern in einer von außen nicht erkennbaren Höhlung unter einer sich darüber mächtig erhebenden Steilwand verborgen hatte.
Diesen Teil des Waldes und der Klamm kannte ich mindestens so gut wie unser jugendlicher Anführer, weshalb sich bei mir ein Gefühl der Sicherheit einstellte, das meine erlahmenden Kräfte neu zu beleben schien.
Ja, dieses Bewußtsein der Vertrautheit mit der heimatlichen Umgebung schenkte mir trotz der herrschenden Dunkelheit jene Zuversicht, die mir seit dem Beginn unseres Weges auf dem Tritteisensteg über den Wassern der Klamm die Gewißheit unserer Rettung gab.
Mutter hatte sich, kaum daß wir die Hohenleipaer Holzbohlenbrücke überquert hatten, einfach wieder zu einer der immer zahlreicheren Rastpausen ins Ufergras gesetzt und wir `Männer` taten es ebenso, denn die Buttermilch der Fährhaus-Kathi und ein mit dem Taschenmesser abgesäbelter Kanten Bauernbrot waren eine willkommene Stärkung aus dem Einkaufkorb unserer Herrnskretschener Freundin!
Noch einmal galt es unsere verbliebenen Kräfte zu mobilisieren, um möglichst bald unser angestrebtes Ziel, die knapp zwei Kilometer entfernte Grundmühle nun wieder mit dem Nachen auf dem tosenden Wildwasser sicher zu erreichen!
Die Nähe des unmittelbar vor uns liegenden Übernachtungsortes und Ferdis ausgezeichnete Kenntnisse vom Verlauf der Fahrrinne in den gurgelnden Fluten beflügelte nicht nur den Enkel der Neubauerin, sondern auch mich.
Wir ruderten in einer Weise, wie ich mich noch aus heutiger Rückschau erinnere, als gelte es unser Seelenheil! Mit traumwandlerischer Sicherheit lenkte uns der Bootsführer an allen aus dem Bachbett wie finster drohende Gestalten aufragenden Klippen vorüber. Da geschah es natürlich auch, daß in der Hektik unserer Bemühungen beim Rudern öfter einmal ein Schwall des kalten Kamnitzwassers in den Kahn schwappte. Apathisch und erschöpft kauerte meine Mutter auf dem mittleren Sitzbrett unseres Nachens und stammelte mit zunehmender Verzweiflung Gebete, von denen ich aber nur einzelne Wortfetzen wegen des lauten Rauschens des Flüßchens vernahm.
Ganz ohne Übergang verebbten diese Töne der Wildwasser-Musik und das Schütteln und Schaukeln unseres Bootes hörte völlig auf! In ruhigem Gleiten schienen wir plötzlich zu schweben, so ruhig und zahm zeigten sich die dunklen Fluten. Nun wußte ich, daß wir nur noch eine kurze Strecke bis zu unserem Ziel vor uns hatten: Die schwarzen Schatten der Nachtgeister begleiteten uns am Ufer. Und über uns drohten überhängende Felsbrocken, die uns bei ihrem Absturz gewiß zermalmt hätten.
Wir waren unterhalb einer zum Himmel aufragenden Steilwand eines Sandsteinfelsens angelangt-dem `Gebets-Stuhl des Heiligen Christophorus` Hier sandten die Flößer vergangener Jahrhunderte ein Stoßgebet zu ihrem Schutzheiligen, bevor sie sich auf ihren schwankenden Stämmen in die Wasserstrudel der Wilden Klamm weiterwagten.
Während wir nunmehr auf dem ungewohnt ruhigen Gewässer dahinglitten, hob auf einmal unser Steuermann seinen Arm, deutete in Fahrtrichtung und brüllte begeistert: „Hurrah! Däh Grundmihln!“ Die über dem Wasser lagernden Nebelschwaden rissen in der leichten Brise auf, die durch die Klamm wie der sanfte´Odem der Wassernixen Kühleborns´66) blies. So entdeckte nun auch ich im blassen Licht des heraufziehenden Morgens die verschwommenen Umrisse der sich nähernden Gebäude der Grundmühle: Das große Wasser- Mühlenrad oberhalb des quer verlaufenden Wehres und den sich auftürmenden Rundfelsen, dicht am Steg über die Kamnitz!
Das Scheuern des Gleitkiels unseres kleinen Bootes auf dem sandigen Ufer der Landestelle war Musik in unseren Ohren: Endlich, endlich waren wir am Ziel!
12:36 - 17.09.2010 - Kommentieren
|
Beschreibung ACTUAL BLOG ARTIST- MODEL - BODYPAINTER - IMAGE EDITING Home Profil Archiv Freunde Julie Böhm Wilhelm Böhm Letzte Einträge - 26./27.11.2010 Drehtage aktuell - Drehtage 27.11.2010 - 29.11.2010 - SPONSOREN - Zusammenfassung - MEETINGS |