Julie Böhm

Übersetzung Eva - Infos zur Grundmühle

Geschrieben in Unbenannt

Das Alter der Mühle

 

Auf die Frage „wann am Ufer von der Kamnitz die erste Grundmühle empor wuchs“ kann man aus den Archivberichten nicht antworten. Eine Hypothese  verbindet  die Entstehung mit dem Beginn der Siedlungstätigkeit dieser Gegend. Sie basiert auf  der Rayonierung der Müller, also auf die Pflicht der Bevölkerung das Getreide in einer konkreten Mühle zu mahlen, die durch die Obrigkeit bestimmt wurde. Die folgerichtige Einhaltung des „Mühlzwangsrechtes“ wurde im Jahre 1783 durch Josef II. abgeschafft.

Die ursprünglichen Kunden der Grundmühle stammten aus Vysoka Lipa, Kamenicka Stran, Ruzova und von vier herrschafftlichen Höfen. Laut dem Heimatsforscher Emil Nedera, der vor dem Krieg in Jedlce lebte, mahlten in der Grundmühle nur Gärntner, indem die Bauernbesitzer in der entferntner Tetschener Schlossmühle mahlen mussten.Das könnte bedeuten,das die Grundmühle erst nach der ersten Welle der Landschaftskolonisierung entstand,als schon die ältesten Bauernliegenschaften zu Tetschener Mühle gebunden worden sind. Die jüngeren Hofanlagen kamen dann zu der neuen Mühle am Fluß Kamenice hinzu. In Vysoka Lipa  kam nichts Ähnliches vor. Alle Einwohner mahlten ohne Ausnahme in der Grundmühle. Da  man Ruzova zum ersten Mal im Jahr 1352 erwähnt und  Vysoka Lipa 1387, konnte die Grundmühle auf Grund dieser Theorie während Gestaltung der Herrschaft von Michalovci, in der letzten Drittel des 14.Jahrhunderts,gebaut wurden. Die Schriftstücke, aus denen Emil Neder schöpfte, verschwanden im zweiten Weltkrieg. Die ältesten Archivberichte erwähnen keine Anomalie in der Müllergebundenheit des Dorfes Ruzova und deswegen kann man die Hypothese nicht bestätigen.

In der Literatur steht, dass die erste Erwähnung über die Grundmühle in einem Urbarbuch war, der im Jahr 1515 bei der Teilung der Herschaft von Sarfenstejn(Ostry)verfasst wurde. Diese Quelle wird auch seit dem 2. Weltkrieg vermisst und  deswegen gehört Vorrangstellung dem Vertrag über den Verkauf  des Rosendorfs Besitzes im Jahr 1573, zu dem außerdem auch die Schneidemühle an der Kamnitz bei der Grundmühle gehörte.

 

 

 

 

Die Mietmüller

 

In den ältesten Zeiten , über die schriftliche Dokumente existieren, gehörte die Grundmühle zum Obrigkeitesigentum. Dort arbeiteten Mietmüller die einen fix bestimmten Gehalt hatten. Sie hatten gewöhnliche Fronarbeiterpflichten und wurden oft als Handwerker ( z.B.; Zimmermänner, Holzfäller, Steinhauer) genüzt . Der Obrigkeit führten sie Gebühren und Naturalien ab, dessen Höhe sich im Laufe der Zeit änderte.

Der Nutzungswert der Grundmühle für die Obrigkeit im Jahre 1653:

Eine Mühle mit drei Rädern: der Müller liefert jährlich 3 Weizenmälter, 8 Roggenmälter, 90 Futtermischungmälter und 40 Grobkornmehlmälter ab. Der Preis eines Weizenmalters beläuft sich auf 1,5 Schock der Groschen, 1 Roggenmalter 1 Schock der Groschen, Mischung ist für 48 Groschen, jährlich insgesamt 95 Schock  und 15 Groschen. Nach dem Abzug der Notkosten in Höhe von der ¼  blieben als reiner Erlös 71 Schock,11 Groschen und 2 Pfennigstücke. Der Gesamtwert der Grundmühle waren 1423 Schock und 45 Groschen.  Durch das Grundstück fließt der Kamnitzer Bach, der sich bei Hermskretschen in die Elbe ergießt und wird zum Triften von den Gutsbesitzswäldern genüzt.

Um die Grundmühle und das Wehr kümmerte sich  die Obrigkeit. Aus ihrer Kasse deckte sie alle Reparaturen und Bauangelegenheiten. Die Namen der Mietmüller sind seit dem Jahr 1584 bekannt. Manche Berichte bezeichneten allerdings die Müller nur mit dem Titel „Grundmüller“, deswegen kann man die vollständige Namensreihe der Betreibenden zusammenstellen. Nach dem Weggehen von der Grundmühle wurde der ehemalige Müller als „Alter Grundmüller“ angeredet.

Andreas Schöbel (nach dem Jahr 1584)

Christof Seidel (? - bis zum  Jahr 1614)

Georg Seidel  (ab dem Jahr 1614 - ?)

Mathes Schwarzer (1640 – 1647)

Johann Adam (1647 – 1683)

Balthasar Pohl (1683 – 1696)

 

 

Die Erbmüller Pohl

 

Mit dem  Erbmüllerstatus änderte sich die Müllersstellung gegenüber der Mühle. Aus einem Mieter wurde ein Eigentümer.Das Grundstück, auf dem die Grundmühle stand, gehörte zwar weiter der Obrigkeit, aber das Objekt und der Betrieb gehörten einer Privatperson. Die Müller hatten seitdem die Familienkontinuitätssicherheit im Halten des Objektes, sie wurden von der Fronarbeit befreit und der Obrigkeit zahlten sie eine bestimmte Jahressteuer.

Der erste Erbmüller wurde im Jahr 1696 Johann Christoph Pohl aus Schluckenau (Sluknov). Die Familie Pohl besaß die Mühle,  ausgenommen ein paar Jahre, bis zur Konfiskation im Mai 1946 – also fast ein Viertel des Jahrtausends.Die letzte Besitzerin war Marie Dinnebierova, die Tochter von Franz Pohl, die Ehefrau eines Lehrers in Hohenleipa (Vysoka Lipa).

Johann Christoph Pohl (1696)

Gottfried Pohl (1712)

Jakob Prosche aus Hermsdorf  (Hermanice), provisorischer Mühler (1723)

Obrigkeit der Herrschaft aus Bynovice (1726)

Jakob Prosche aus Hermsdorf (1733)

Johann Christoph Pohl (1748)

Johann Franz Pohl (?)

Franz Josef Pohl (1780)

Johann Franz Josef Pohl (1809)

Franz Josef Pohl (1871)

Franz Pohl (1891)

Marie Dinnebierova (1929)

 

 

 

 

Barockbau

 

Im Jahre 1726, als die Mühle Jakob Prosche bewirtschaftete, der Stiefvater der unmündigen Pohls Erben,  brach ein Brand aus, und das Objekt brannte nieder. Wegen der Zahlungsunfähigkeit des Besitzers wurde die Grundmühle auf die Kosten der Obrigkeit gebaut und ging  in ihr Eigentum über. Von dem Fürstengeschlecht Clary-Aldrigen kaufte sie Jakob Prosche  erst im Jahr 1733 zurück.

Noch im Jahr des Unglücks wuchs ein Blockwohngebäude empor, in dem die Müllers Familie wohnte. In der nächsten Saison wurde eine Mühle mit drei Wasserrädern, Pferdestall, Kuhstall, Saustall und Backofen gebaut. Eine neue Brücke über den Mühlgraben wurde im Jahr 1728 aufgebaut. Das Mühlgebäude wurde mit Steinen ausgemauert.

Durch den Haupteingang im Erdgeschoß kam man  in das Mühlenhaus, das bis zum Stockwerk durchtrat und war nicht überdacht. Links bei der wasserseitigen Wand stand eine Mahlgrenze, eine Konstruktion, die den Mahlboden und den Mahlgerätedreier ( Mühlsteine, Zargen, und  Schütterkörbe) trug. Auf die Mahlgrenze hatten nur der Müller oder seine Helfer Zugang.

Das Fuhrwerk mit  Getreide fuhr zur Mühle nur von der Seite ein und durch die Tür  auf der Stockebene wurde das Getreide direkt auf den Mühlboden zu Schütterkörben eingeliefert. Unter der Mahlgrenze waren die Übertragungen und der Siebapparat.

Aus dem Mühlenhaus konnte man in die „schwarze Küche“ weiterkommen. In der schwarzen Küche  bediente man  den Kachelofen, der befeuerte das danebenliegende  „Šalanda“ (früher war es ein Zimmer für die Dienerschaft). Der Durchgang zwischen der Küche und dem Šalanda entstand bei späteren Bauänderungen. Das Šalanda war das angenehmste Zimmer im Erdgeschoß. Es hatte eine Fundamentdecke, zum Unterchied vom Mühlenhaus war drinnen warm, weniger Lärm und staubig. Es diente zum Übernachten und Ausrasten der Helfer, als Werkstatt für kleinere Reparaturen und für aufs Mehl wartende Kunden. Aus dem Šalanda führte eine Tür in das letzte Zimmer im Erdgeschoß, mit einem Gittergewölbe-  in die Kammer. Im Stock über dem Šalanda, der Kammer, und der schwarzen Küche waren Wohnräume, in die man bis zum 19.Jahrhundert nur über eine Holztreppe aus dem Mühlenhaus treten konnte. Durch ein Guckloch konnte der Müller das Geschehen an der Mahlgrenze direkt aus seinem Zimmer kontrollieren.

 

 

 

Bauänderungen im 19.Jahrhundert

 

Im Jahre 1814 gewann der Müller Pohl die Lizenz zur Branntweine und ließ hinter dem Oberwasserkanal eine Branntweinbrennerei bauen. Das Erdgeschoß in dem kleinen Bau wurde mit Sandsteinquadern ausgemauert und durch eine Steintrennwand in zwei unterschiedlich große Räume geteilt. Von dem kleinen Zimmer hinter dem Eingang  wurde der Ofen bedient., der hintere Betriebsraum war gewölbt. Die Decke von der Branntweinbrennerei hatte ein Riegelfachwerk. 5 Jahre dacnach erhielt der Müller Pohl eine Umbaubewilligung des anliegenden Objektes, wahrscheinlich eines Wohnbaues. Nach dem Jahr 1845 geschah ein Umbau des wirtschaftlichen Milieus. Die Objekte des Pferdestalls und des Saustalls wurden durch eine Frontfassade verbunden wuch über sie ein Fachwerkwohnstock. Im umgebauten Haus wurde eine Bäckerei geöffnet, in der man Brot zu verkaufen backte. Gleichzeitig mit dem Umbau der wirtschaftlichen Objekte erbaute man einen neuen Eingang in den Wohnstock der Mühle. Es war ein kleiner Schlupfgang einer Felswand entlang, in den man über die Treppe seitlich von der Bäckerei trat.

 

 

 

Die Gaststätte Grundmühle

 

 

Nach der Abschaffung der Pflichtrayonierung der Müller im Jahre 1783 und der Entstehung von neuen Mahlbetrieben ( im Rosendorf wuchsen drei Windmühlen empor )

 

23:54 - 22.09.2010 - Kommentieren


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