Über mich


Thomas Junker ist von Beruf und Berufung Filmemacher und Geschichtensammler. Gelernt hat er beim Bayerischen Rundfunk und der Süddeutschen Zeitung. Beim Mitteldeutschen Rundfunk gehört er zu den Journalisten der ersten Stunde. Für Tagesschau und Tagesthemen hat Junker berichtet, als Chef vom Dienst hat er die TV-Nachrichtenredaktion des MDR mit aufgebaut. Seit 1991 hat er zudem in fast 90 Ländern gefilmt, war auf dem Nord- und Südpol, am Mount Everest, im Urwald des Amazonas, in der Sahara und Gobi, in den Slums vieler Metropolen und in vielen Palästen der Reichen. Immer getrieben von der Neugier nach authentischem Leben, wie auch immer es aussieht. Das Resultat sind bisher 18 große TV-Reportagen für den MDR / ARD. Sein Motto dabei: "Die Herzen und Seelen der Menschen zu portraitieren, ist Sinn und Zweck meiner Filme." Thomas Junker will mit diesem Blog Einschätzung zu politischen Weltereignissen geben und zugleich einen Blick hinter die Kulissen des TV-Business geben.


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13.04.2009 - Schnitt beendet
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Frohe Ostern, es ist vollbracht. Der Schnitt, das Texten, die Vertonung. Fünf Teile, jeder 24 Minuten und 30 Sekunden lang.

Wir haben täglich von 9 bis 24 Uhr am Schnittplatz gesessen. Es war anstrengend, aber es war zugleich wunderbar. Nach den Wochen vor Ort in den Ländern, nach den Begegnungen mit den Menschen, nach den faszinierenden Erlebnissen in traumhaften Landschaften, folgten mit den Stunden am Schnittplatz erneute Treffen. Anders natürlich, aber ähnlich intensiv.

Nicht immer war es leicht, die gesammelten Geschichten in solche zu fassen, die in Wort und Bild das wiedergeben können, was wirklich geschah. Dann haben wir, also Torsten, Andreas und ich, uns so viel Zeit genommen, bis wir ein gutes Gefühl hatten. Und wenn es dabei auch mal 2 Uhr in der Früh würde.  Ich denke, es ist eine spannende Reportage geworden. Eine, die nah an den Menschen die Alltagssituationen schildert; die Seiten des islamischen Lebens zeigt, wie man sie bisher vielleicht nicht kannte.

 

In den kommenden Tagen folgen nun einige Randarbeiten. Trailermaterial muss ausgespielt, Sicherheitskopien der einzelnen Sendefolgen erstellt, eine DVD-Fassung bearbeitet werden.

Am Freitag, 17. April, bin ich gleich zweimal Gast in einer TV-Sendung. Um 16.00 in Hier ab Vier (MDR) und am Abend ab 22.00 in der großen MDR-Talkshow Riverboat. Am Montag startet dann nicht nur die Sendereihe, sondern ich werde auch Studiogast beim ZDF-Mittagsmagazin sein (13 -14 Uhr).

 

An dieser Stelle möchte ich allen ein frohes Osterfest wünschen.

 

Und Dank sagen. Bei Torsten für den grandiosen Schnitt, für seine Übersicht sowie den immer währenden Willen, das beste Ergebnis erzielen zu wollen. Tja, und Peter Eichstädt ist für mich der beste Filmkomponist zur Zeit. Sein enormes Einfühlvermögen in die verschiedenen Geschichten ist unbeschreiblich. Schließlich noch Andreas, der mich durch Allahs irdisches Reich begleitet hat. Einen besseren Partner für weitere Reisen kann ich mir nicht vorstellen.

Und dann noch einen ganz besonderen Dank an Ruedi!!!

Also, großen DANK Euch!

 

Eine Reise durch Allahs irdisches Reich, 20. – 25. April, jeweils 19.50 – 20.15, MDR


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29.03.2009 - Zwischenbericht
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Die erste Schnittwoche ist rum, aber die Zeit zum Aufatmen ist noch nicht gekommen. Dabei liegen wir im Plan. Die ersten beiden Teile waren am Freitag fertig geschnitten. Torsten, mein Cutter, hat sich wunderbar durch die Flut an Videosequenzen gearbeitet, insgesamt sind es 26 Stunden Rohmaterial. Wobei natürlich viele Einstellungen (hauptsächlich Landschaftsaufnahmen) doppelt und dreifach gedreht wurden.

Hier ein andere Blende, dann noch eine Version mit einem anderen Bildausschnitt, schließlich noch einer Variante mit einer anderen Schärfenverlagerung. Schnell werden da aus einer 16-Sekunden-Einstellung mehr als eine Minute Rohmaterial. Und da ich ein Fan von Zeitrafferaufnahmen bin, sind allein dafür über 60 Minuten draufgegangen.

 

Wie läuft nun bei uns der Schnitt ab? Am Anfang eines Themas erzähle und zeige ich Torsten, was ich gedreht habe. Dann sprechen wir über die Kernaussage dieser Passage und ich skizziere grob den Text dazu. Torsten sucht schließlich die Bilder aus, die seiner Meinung am besten und eindrücklichsten die Geschichte erzählen. Und ich ergänze die Bilder mit den notwendigen Informationen in Textform. Je nach Bedarf wird eine Musikuntermalung eingebaut.

 

Der Feinschliff des Textes erfolgt bei mir meistens nicht gleich, sondern beispielsweise bei diesem Schnitt gestern und heute. Wenn nun Torsten am Abend wieder im Schnittstudio ist, wird er sich um die Farbangleichung der einzelnen Sequenzen kümmern. Ab Montag schneiden wir schließlich den dritten Teil.

 

Die nächtlichen „Cool-down-Phasen“ nach dem Schnitt haben wir beibehalten. David Gillmour, Roger Waters, Mike Oldfield (Tubular Bells 2+3)und erneut Loreena McKennitt haben dies musikalisch realisiert. Einfach wunderbar!


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24.03.2009 - Schnitt und Schnee
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Djibouti, der zentrale Markt, die Altstadt, die immer mehr zerfällt und das Kat-Problem. Ich bin wieder tief abgetaucht. Sicher, der Schnittplatz steht in Deutschland, aber mit meinen Gedanken bin ich jetzt in Ostafrika.

Der zweite Schnitttag ist angebrochen, wir haben den ersten von fünf Teilen der Reportage angefangen, kommen gut voran. Die Bilder sind gesichtet, geordnet. Nun gehen wir chronologisch vor. Fassen das Erlebte vor Ort in Geschichten für das Fernsehen zusammen. Torsten, mein Cutter, setzt die Bilder, die Töne und die Musik zusammen, ich schreibe parallel den Text. So geht das nun Stunde um Stunde, Tag um Tag.

Zwischendrin nehmen wir uns immer wieder mal eine kleine Auszeit. Meist genießen wir dann Musik. Gestern Abend haben wir den Klängen von Loreena McKennitt gelauscht. Ihr Konzert Nights from the Alhambra ist ein Genuss, den ich nur empfehlen kann.

 

Viel von der Außenwelt bekommen wir nicht mit. Waren aber erstaunt, als wir vorhin Schneeflocken gesehen haben. Nach 2 ½ Monaten in der Hitze ist das schon ein lustiger Anblick.


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21.03.2009 - Anstelle der Kommentarfunktion...
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich
...freue ich mich über direkte Mails an mich. Diese empfinde ich als persönlicher und werde sie auch beantworten.
Also, wer Lust hat kann mich unter [email protected] erreichen.

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21.03.2009 - Vorbereitungen für den Schnitt
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Zurück in Deutschland – kurz durchatmen und dann geht es ans Eingemachte. Bereits am Sonntag beginnt der Filmschnitt. Deswegen habe ich seit gestern bereits alle gedrehten Szenen ins Schnittsystem eingelesen sowie stichpunktartig die Bilder kontrolliert. Das haben wir zwar Abend für Abend schon unterwegs gemacht, aber jetzt kann ich die Bilder auf einem großen Referenzmonitor anschauen. Ich bin zufrieden, es gibt keine Ausfälle, der Schnitt kann beginnen.

Morgen wird sich mein Cutter erst einmal einen Überblick verschaffen, dann werden wir die extra für diese Reportage komponierte Filmmusik anhören. Peter Eichstädt hat das getan und verschiedene Themen eingespielt – für jedes Land, das wir bereist haben, mit anderen, landestypischen Instrumenten. Seine Musikstücke wird er im Verlauf des Schnitts dann der Länge der entsprechenden Szenen anpassen. Peter bekommt dafür von uns per Datenleitung die Bilder in sein Tonstudio überspielt. Wenig später haben wir schließlich die taktgenaue Musikuntermalung. Was für ein Segen ist doch diese neue Internetvernetzung. Noch vor wenigen Jahren wäre dies so nicht möglich gewesen, hätten wir per Post oder teurer Richtfunkstrecken die Videosequenzen überspielen müssen.

 

Die Erlebnisse in Djibouti, dem Oman, Bangladesch und Indonesien sind vorbei, aber es bleibt spannend. Tag für Tag bis zur Ausstrahlung der 5-teiligen Reportage vom 20. bis 25. April im MDR-TV.  Ich werde an dieser Stelle darüber berichten. Wie der Schnitt verläuft, was im Einzelnen wir machen. Über die Anspannung dabei und die unvermeidlichen Höhen und Tiefen. Viel Zeit bleibt nicht, aber es wird eine intensive und schöne Zeit werden.


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17.03.2009 - Vom zweiten zum dritten Drittel
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Wir sind am Ziel unserer Reise, aber noch lange nicht am Ende der Filmproduktion. Jetzt heißt es erst einmal den weiten Heimflug anzutreten. Über 34 Stunden wird der dauern, nicht die Zeit in den Flugzeugen allein. Aber es sind einige Stationen, wo wir warten müssen, bis wir in den Himmel dürfen: Surabaya, Singapur, Dubai.

Wieder in Deutschland steht dann das dritte Drittel auf dem Programm. Nach der Vorbereitung und Organisation (die ein Jahr gedauert hat), der Reise mit den Dreharbeiten folgen nun der Filmschnitt, das Texten, die Vertonung. Für mich mitunter das Schwerste bei einer solchen Filmproduktion, weil dafür nie viel Zeit ist. Bereits am 20. April läuft die 5-teilige Reportage im MDR. Da sind die Stunden gezählt und knapp.

 

Aber auch dieses Drittel ist ein sehr intensives Erlebnis, das ich nicht missen möchte. Die Auswahl der Bilder, das Feilen am Text, die Wahl der richtigen Musikuntermalung, schließlich das Gesehene und Erlebte in erzählbare Geschichten fließen zu lassen, all das erst lässt Eine Reise durch Allahs irdisches Reich zu einem richtigen Film werden.

 

Auch darüber werde ich in den nächsten Wochen berichten – hier an dieser Stelle.


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15.03.2009 - Am Ziel unserer Reise
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Es war eine sehr kurze Nacht. Bereits um 1 Uhr war es vorbei mit ruhigem Schlafen. Aber für ein Ziel wie dem Vulkan Bromo kann man auch mal auf ein paar Stunden im Bett verzichten. Wir wollten unbedingt zum Sonnenaufgang am äußeren Krater stehen. Und der ist immerhin 2700m hoch. Auf ihn führt eine winzige, sehr kurvenreiche Straße. Schnell kommt man da nicht voran. Also heißt es sehr früh raus aus dem Bett.

 

Die Enttäuschung kommt oben, außer Wolken sehen wir nicht viel. Weder die Sonne, noch den inneren Vulkankrater, der als Bromo bezeichnet wird. Alles was wir sehen können, ist eine riesige Rauchsäule, die weit in den Himmel aufsteigt. Wir beschließen zu warten. Und werden belohnt. Nach zwei Stunden wird die Sicht auf den Bromo und den dahinter liegenden Smeru (auch ein Vulkan) frei. Zwar versteckt sich die Sonne immer noch hinter Wolken, aber den Dreharbeiten steht nun nichts mehr im Weg.

 

Einige Zeit später fahren wir in Richtung Bromo hinab und steigen letztendlich auf seinen Kraterrand. Der Tiefblick in seinen Schlund ist atemberaubend! Im doppeltem Sinn. Die Schwefelschwaden rauben einem die Sinne. Und wenn sie für Augenblicke nicht so intensiv sind, ist das, was wir sehen dürfen einfach grandios. Rund 300 m tief schweifen unsere Augen. Steil die Wände, groß die Ehrfurcht. Der Bromo gehört zu den aktivsten Vulkanen der Erde. Es gibt Zeiten, da begnügt er sich nicht mit dicken Rauchwolken. Da spuckt er Asche, hüllt alles in ein braun-schwarzes Kleid.

 

Mit dem Bromo haben wir nun auch die Ostgrenze des Islams erreicht. Und damit das Ziel unserer Reise durch Allahs irdisches Reich.


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14.03.2009 - Ein Rausch der Sinne
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Es ist schon ein grandioser Genuss! Diese Klangflut, die das Gamelan-Orchester hervorbringt. Dazu das Schattenspiel des Dalang (Puppenspieler). Und alles unter freiem Himmel ohne Regen. Es ist ein Rausch für die Sinne, der von den Künstlern auf die Zuschauer übergeht.

Damit die nächtliche Zeremonie auch ja vom zur Zeit täglichen Regen verschont bleibt, hat ein Dukun (eine Art Geisterbeschwörer) am Nachmittag gute Worte zu wem auch immer gesprochen. Ein anderer hat zu Beginn des Wayangs das Essen mit einem kleinen Ritual gesegnet. Essen ist wichtig für ein solches Kunsterlebnis. Da es mitunter eine ganze Nacht lang dauert, mindestens aber vier bis fünf Stunden, muss reichlich Nahrung vorhanden sein.

Das Wayang selbst ist ein Wechsel zwischen den vom Dalang gesprochenen Dialogen und Texten, die er ohne Orchesterunterstützung vorträgt, und dem Gesamtwerk aller Beteiligten. Die Instrumente sind metallene Schlaginstrumente, wir erleben rund 20, ergänzt durch eine Flöte und einem Rehab (Streichinstrument). Hinzu kommen die Stimmen dreier Sängerinnen.

 

Für mich ist es eine Ehre, dies erleben zu dürfen – und auch mit der Kamera dokumentieren zu können. Die Bilder dazu werden ab Dienstag in  Form eines Videotagebuches zur Verfügung stehen. Noch mehr freue ich mich aber, dieses Erlebnis in meinen Film einzubauen.    

 


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13.03.2009 - Tage voller Erlebnisse
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich
Ein Wayang voller javanischer Klänge, ein rauchender Vulkan namens Bromo, ein Dukun, der den Regen beschwört. Und dazu jede Menge Dreharbeiten und die Organisation der Rückreise nach Deutschland. Die Tage sind gefüllt, mehr als mir manchmal lieb ist. Aber ich mag es so. So und nicht anders.

Die Details und Hintergründe dazu folgen. Genauso  wie weitere Videotagbücher.

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12.03.2009 - Zeiten des Schweigens
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Was soll man an einem solch schweren Tag wie diesem schreiben, wenn der Schock, die Trauer ein ganzes Land und die Menschen weit darüber hinaus erfasst hat? Selbst hier in Indonesien ist der Amoklauf in Winnenden ein großes Gesprächsthema. Unsere Geschichten treten da für den Augenblick in den Hintergrund. Manchmal gibt es wichtigere Themen. Zum Beispiel jetzt.


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10.03.2009 - Die Zigarettenfabrik von Malang
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Ich habe mich heute vor mehreren Hundert Frauen verbeugt und den Hut gezogen. Nicht sprichwörtlich, sondern tatsächlich und voller Respekt.

Ich bin inzwischen in Ost-Java (Indonesien) in der Stadt Malang angekommen. Es ist die letzte Station auf meiner Reise durch Allahs irdisches Reich. Hier endet die östliche Ausdehnung des Islams. In der Millionstadt gibt es eine Zigarettenfabrik. Tabak wächst auf den Feldern vor den Toren der Stadt. Geraucht wird viel und intensiv in diesem Land, da liegt es nahe, das Gewächs gleich vor Ort zu verarbeiten. 800 Frauen machen das von morgens 5  bis 14 Uhr. Die Zigaretten drehen sie von Hand. Jede Einzelne. 2500 pro Tag. Unglaublich! Sie sitzen in drei großen Hallen an langen Tischen. Vor sich einen mechanischen Tabakroller, zur linken jede Menge losen Tabak, zur rechten die fertigen Zigaretten. In einer unglaublichen Geschwindigkeit agieren ihre Hände, fassen das Papier, setzen den Leim, holen den Tabak, platzieren alles punktgenau im Roller, ziehen den Hebel und stapeln das fertige Stäbchen. Sechs Tage die Woche. Immer die gleichen Bewegungen. Einige Frauen sind schon seit mehr als 25 Jahren dabei.

Ihr Lohn? Bescheidene 25 Euro im Durchschnitt. Aber nur, wenn sie 2500 Zigaretten pro Tag schaffen.

Ich habe meinen Hut gezogen, ich würde es wieder tun. Aus Respekt vor ihrer Leistung. Aus Respekt vor ihrer Leidensfähigkeit. Und weil sie sich trotz allem ihren Frohmut nicht nehmen lassen.

 

Das Video zu diesem Thema gibt es morgen.

 

  


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7.03.2009 - Videotagebücher endlich komplett
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich
Es hat einige Schwierigkeiten gegeben - Schwamm drüber... Nun sind endlich alle Ausgaben meiner Videotagebücher ins Internet gestellt worden. Also auch die fehlenden 4 aus dem Oman und Bangladesch.
Es sind dies die Folgen 8, 9 sowie 13,14.
Zudem gibt es ein ganz aktuelles Video von heute.

Wünsche viel Spaß!

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6.03.2009 - Ich ziehe meinen Hut!
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Ich bewundere Friedhelm Simon, wie er in Blangpidie das Hilfsprojekt durchzieht. Dieser Ort ist wahrlich kein Ort des Luxus. Im Gegenteil. Aber dies ist nicht nur eine Folge der Tsunami-Katastrophe. Das Leben der Menschen in Blangpidie war schon davor – und ist es auch noch heute – sehr einfach, sehr minimalistisch. Viele ernähren sich von dem, was sie auf den umliegenden Feldern erwirtschaften. Hier hat sich Simon ein kleines Büro eingerichtet, von dem aus er den Bau der Häuser organisiert. Nicht in einem feinen Häuschen. Nein, der HELP-Mann lebt nicht viel anders wie die Menschen hier auch. Ein Wohn-Ess-Büro-Zimmer, eine Küche, ein kleines Lager, zwei private Räume. Keine Klimaanlage, nur eine paar Ventilatoren.

Jetzt ist es tagsüber 38 °C warm (im Schatten) und schwül. Grausam schwül. 100% Luftfeuchtigkeit. Dem 57-jährigen Spezialisten für Wiederaufbau und Katastrophenhilfe ist das zwar nicht ganz egal, aber es gibt wichtigere Dinge. Zum Beispiel die Menschen vor Ort, denen er helfen möchte.    


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5.03.2009 - Aceh und die Folgen von 30 Jahren Krieg sowie einem Tsunami
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Nun also die über drei Jahrzehnte gebeutelte Region Aceh. Noch bis 2006 durften Ausländer nur unter sehr erschwerten Bedingungen in diesen Landesteil von Indonesien. Bis zur Tsunami-Katastrophe an Weihnachten 2004 war es sogar mitunter lebensgefährlich. Islamistische Rebellen der GAM und Armee-Einheiten lieferten sich heftige Kämpfe. Oft liefen die Grenzen unsichtbar durch Dörfer. 15.000 Tote wurden beklagt, dazu unendliche Entführungen, Misshandlungen – von wem auch immer ausgeführt. Die GAM wollte eine Unabhängigkeit von Indonesien und einen islamischen Staat erreichen. Die Armee genau dies verhindern.

 

Dann kam die Riesenwelle und hinterließ ein grauenhaftes Szenario. Mehr als 100.000 Menschen starben allein an den Küsten Acehs. Unter ihnen viele Angehörige der beiden verfeindeten Parteien. Es gab nun wichtigeres als den Waffengang, das nackte Überleben. Ganz gleich auf welcher Seite. 2005 folgte ein Friedensabkommen mit einer Teilautonomität, demokratischen Strukturen sowie einer Amnestie für bereits verurteilte GAM-Rebellen. Und dem Zugeständnis, dass die Scharia in Aceh eingeführt werden durfte.

Dies ist insofern ein sehr bemerkenswerter Akt, da Indonesien kein islamischer Staat ist, obwohl 88% der Bevölkerung dieser Religion angehören. In diesem Land gibt es gleich fünf anerkannte Glaubensrichtungen: Islam, Buddhismus, Hinduismus, evangelische sowie katholische Kirche. Die Gerichtssprechung ist völlig unabhängig von jeglichen religiösen Ansichten. Nur eben in Aceh ist dies jetzt anders.

 

Wir sind der Einladung von Friedhelm Simon gefolgt, sind mit dem Rheinländer  unterwegs. Seit 3 ½ Jahren lebt er in Blangpidie an der Westküste. Dies war einst eine Rebellenhochburg. Und auch hier hat der Tsunami gewütet. Im Auftrag der deutschen Hilfsorganisation HELP e.V. organisiert Simon den Aufbau von Häusern für die Opfer. 100 sind schon fertig, in diesem Jahr kommen 50 weitere und eine Schule hinzu. Der Weg nach Blangpidie ist immer noch beschwerlich. Zwei Tage Fahrt über eine zwar geteerte, aber an vielen Stellen mit großen Schlaglöchern versehene Straße. Es gibt von der Ostküste, von der Region Medan aus, nur diese eine Strecke. Über sie erfolgt die komplette Versorgung. Die beiden Küsten trennt ein hoher Gebirgszug, der in weiten Teilen noch von einem intakten Regenwald bedeckt ist.


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4.03.2009 - Orang Utan und der Regenwald
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich
Ich habe die Oryx im Oman sehen und erleben dürfen. Ein großartiges Erlebnis. Aber was wir gestern filmen und sehn durften, war nochmals eine Steigerung. Im Regenwald zu Sumatra konnten wir nach einigen Stunden Wanderung durch extrem Schweiß treibendes Klima (100% Luftfeuchtigkeit, 34°C) vier Orang Utans sehen. Ein großes Männchen, zwei Weibchen und einmal Nachwuchs.
In der Nähe von Bukint Lawang gibt es eine Auswilderungsstation für die vom Aussterben bedrohten Menschenaffen. Der Regenwald auf dieser tropischen Insel wird immr kleiner. Palmölplantagen fressen sich tief in den Urwald hinein. Zudem ist Tropenholz aus dieser Region nach wie vor ein Verkaufsschlager. Die Folge, der Lebensraum für die Orang Utans wird immer kleiner.
Dazu kommt, dass diese Affen ein begehrtes Schmuckstück für viele Reiche darstellen. So werden vor allem Junge gefangen und als Haustiere gehalten. Zwar ist dies in Indonesien schon seit 1930 verboten, doch der Schwarzmarkt blüht.

Dennoch schiebt die Regierung dem langsam aber sicher einen Riegel vor. Und hat eben mit Hilfe verschiedener Hilfsorganisationen diese Auswilderungsstation aufgebaut. Hier haben sie nun einen vorerst gesicherten Lebensraum am Rande der Bergwelt zu Aceh. 

Für uns geht heute die Fahrt durch den Regenwald weiter: Wir werden über die Berge zur Nordwest-Küste Sumatras aufbrechen.

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2.03.2009 - Feiner Regen!
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Es ist heiß, schwül und es regnet. Sumatra (Indonesien) heißt uns willkommen. Regen, richtig heftig. Schön! Den letzten habe ich in Deutschland erlebt. Kurz vor Weihnachten. Die Reise in den Urwald kann beginnen. Und ich bin froh, den Regenschutz für die Kamera dabei zu haben.

 


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28.02.2009 - Abschied aus Bangladesch
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Die Tage in Bangladesch gehen zu Ende. Wir werden heute kurz nach Mitternacht via Kuala Lumpur nach Medan (Indonesien) fliegen. Dort wollen wir u.a. den Zustand des Regenwaldes und die Auswirkungen auf die Tierwelt beobachten. Dabei werden wir eine Orang-Utan-Station besuchen.

Später stehen die Westküste Arches sowie der östliche Teil Javas auf dem Programm. Vor allem aber will ich wieder viele Menschen treffen, sehen, wie sie leben. Ihre Geschichten sammeln, damit ich sie später im Film erzählen kann.

 

Indonesien ist das Land mit den meisten Muslimen. Aber auch ein Staat, der gleich mehrere Religionen (Islam – ca. 88% der Bevölkerung, Evangelisches Christentum, Katholisches Christentum, Hinduismus und Buddhismus) offiziell anerkannt hat.   


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27.02.2009 - Auseinandersetzung beendet
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Die vergangene Nacht hat Bangladesch die Ruhe zurück gebracht. Das Leben hat sich bis zum Morgen normalisiert. Auf den Straßen herrscht das gleiche Verkehrschaos wie immer. Wobei es an Freitagen immer etwas gelassener zugeht als an anderen Wochentagen. Dies liegt an der Tatsache, dass der Freitag (wie bei uns der Sonntag) der Ruhetag ist, viele Menschen nicht arbeiten müssen, etliche Geschäfte und vor allem die Behörden und Büros geschlossen bleiben.

 

So wie es scheint, wurde die Meuterei in den späten Abendstunden mit einer deutlichen Armeepräsenz beendet. Über die Zahl der dabei zu beklagenden Opfer ist nichts bekannt. 


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26.02.2009 - Blutige Auseinandersetzungen in Bangladesch / Stand 19:00 MEZ
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Soweit wir die Lage einschätzen können, ist die Meuterei nun beendet. Am Abend hat es wohl noch eine konzertierte Aktion der Armee mit Angriffen aus der Luft auf das Hauptquartier der BDG in Dhaka gegeben. Entsprechende Bilder wurden in den lokalen TV-SAendern gezeigt. Über mögliche Todesopfer und Verletzte liegen keine gesicherten Informationen vor. Ein Indiz für das Ende der Ausschreitungen könnte die Nicht-Ausrufung einer Ausgangssperre sein. Mit ihr wurde noch am frühen Abend gerechnet.

Auch unser ständiger Begleiter aus dem Informationsministerium übermittelte uns eine entsprechende Nachricht und gab uns die Erlaubnis, am morgigen Freitag in Dhaka die Filmaufnahmen fortzusetzen.

 

Wir werden jetzt die Entwicklung in den kommenden Nachtstunden beobachten und dann am Morgen entscheiden, wie wir den Tag gestalten.


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26.02.2009 - Blutige Auseinandersetzungen in Bangladesch / Stand 13:30 MEZ
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

In Bangladeschs Hauptstadt Dhaka ist es zu einer Meuterei innerhalb der bewaffneten Truppen gekommen. Diese hat bereits gestern begonnen. Heute zeichnete sich eine Niederlegung der Streitigkeiten ab. Doch zur Stunden (13:30 MEZ) ist die Lage unübersichtlich. Gesichert scheint nur die Tatsache zu sein, dass es sich nicht um eine politische Aktion handelt, also keine gegen die Regierung gerichtete Aggression.

 

Die Lage vor Ort stellt sich jetzt so dar. Es hat im Hauptquartier der paramilitärisch organisierten Grenztruppen (BDR - „Bangladesh Rifles“) eine Meuterei gegeben. Nach unseren Informationen hat die Premierministerin des Landes vorgestern dieses besucht. Sie wurde dabei aber von den Offizieren der BDR nicht auf gewisse Missstände, die vor allem von den unteren Mannschaftsgraden beklagt wurden, hingewiesen. Darauf hin haben gestern (Mittwoch) die Ausschreitungen begonnen. Es ist zu Schießereien gekommen, bei der mehrere Personen getötet und verletzt wurden. Die Anzahl der Toten ist jedoch sehr widersprüchlich. Mal wird von 50, mal von 10 Erschossenen gesprochen. In der vergangenen Nach wurde die Meuterei angeblich beendet. Dies war jedoch eine Fehlinformation.

 

Am heutigen Nachmittag gab es immer noch Schießereien. Zur Zeit sollen 16 Panzer Stellungen vor der BDR-Kaserne und im Stadtzentrum bezogen haben. Die reguläre Armee hat das Gelände der BDR weiträumig unstellt, jedoch noch nicht eingegriffen. Sprich, sie sind nicht auf das Kasernengelände vorgedrungen. 

Premierministerin Sheik Hasina Wajed hat am Nachmittag mit ihrem Kriegsrat getagt. Anschließend forderte sie die Meuterer zur Aufgabe auf und drohte bei Nichtachtung mit harten Gegenmaßnahmen, ohne diese zu konkretisieren. Darauf sollen etliche Grenzpolizisten ihre Waffen niedergelegt haben. Jedoch kamen wenig später Meldungen aus mehreren Landesteilen, die von Schüssen in dortigen BDR-Kasernen sprachen.

Grund der Meuterei scheinen soziale Spannungen zwischen den Offizieren (die von der Armee gestellt werden) und den Mannschaftsgraden zu sein. Diese werden meist schlecht bezahlt und genießen nicht die Privilegien der Offiziere. Zudem soll es in den vergangenen Wochen und Monaten verstärkt vorgekommen sein, dass zugesagte, subventionierte Essensrationen nicht ausgeteilt wurden. Dies hat dazu geführt, dass teilweise  BDR-Sodaten ihre Familie nicht mehr ausreichend ernähren konnten.

 

Wir selbst sind am Nachmittag aus dem Süden des Landes gekommen (Kulna) und mussten einen großen Umweg fahren, um unser Hotel in der Stadt zu erreichen. In unserem Stadtteil ist bis jetzt noch nichts von den Auseinandersetzungen zu spüren.

 

Es wird damit gerechnet, dass gegen Abend die Funknetze in Bangladesch abgeschaltet werden und eine Ausgangssperre verhängt wird.

 


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25.02.2009 - Die große Stille in den Sunderbarns
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich


In den vergangenen Tagen waren wir im Süden des Landes unterwegs. Zuerst in der Hauptstadt Dhaka, schließlich in den Sunderbarns. So wird das riesige Flussdelta der beiden Ströme Ganges und  Bramaputra genannt.

Dort 15 Millionen Menschen auf einem relativ kleinen Fleck, hier das rund 6.000 qkm große Naturparadies, in dem nur wenige Menschen wohnen. Die meisten, die wir antreffen, sind Fischer, die für maximal zwei Wochen (am Stück) eine Lizenz bekommen haben. In dieser Zeit wohnen und arbeiten sie zugleich auf ihren winzigen Booten. Feste Behausungen sucht man fast vergebens. Nur ein paar Wildhüterstationen, mehr nicht. Und dennoch werden Jahr für Jahr rund 60 bis 80 Tote beklagt. Der Grund sollen die mehr als 400 Bengalischen Tiger sein. So lautet zumindest eine offizielle Aussage. Wie auch immer, wir hatten zwei bewaffnete Begleiter dabei. Wenn man in den engen, manchmal nur zwei, drei Meter breiten Flussläufen unterwegs ist, ist dies kein schlechtes Gefühl.

 

Sunderbarns, dass heißt 125 große Flussarme (keiner kleiner als der Rhein bei Düsseldorf) sowie 80.000 Kanäle. Dazu 300 verschiedene Baumarten, 35 Reptilienarten, 400 unterschiedliche Fisch- und 270 Vogelarten. Rhesusaffen konnten wir sehen, eine Kopraschlange, Rotwild ebenso. Nur Tiger, Phytons und Salzwasserkrokodile nicht. Dafür eine Stille (außer den Tierstimmen), die wunderbar war. Vor allem nach den Tagen in der Großstadt.

Dies erleben zu dürfen, es war ein Traum!


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24.02.2009 - Das Land der winkenden Menschen
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich


Wir haben die Ehre gehabt, dieses Land von Nord nach Süd bereisen zu dürfen. Wir haben große Armut gesehen. Menschen, die ohne nennenswerte Infrastruktur in kleinsten Dörfern leben und von der Außenwelt weites gehend abgeschnitten sind, weil es nur die schmalen Dämme zwischen den Reisfeldern gibt, die zu ihnen führen. Wie haben Elend in den Slums rund um Dhaka gesehen und Millionen über Millionen von Rikschafahrern, die einen Großteil des Transportes in diesem Land erledigen und dabei nicht selten Lasten bis zu einer Tonne allein mit ihrer Muskelkraft bewegen.

Und dennoch hatten sie immer ein Lächeln für uns übrig, blieben stehen. Und auch wenn sie noch so weit entfernt waren, winken gehörte für sie dazu. Groß war ihre Freude, wenn wir sie nicht übersahen und den Gruß erwiderten.

 

Die Menschen in Bangladesch haben mich in ihren Bann gezogen. Ihre Herzlichkeit, ihre Offenheit den Dreharbeiten gegenüber, manchmal hat es mich auch peinlich berührt. Sie hatten oft nicht viel außer ihrem Stolz, ihrem Lachen und dem Winken. Aber davon haben sie uns reichlich geschenkt.


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22.02.2009 - Dhaka und die Rikschas
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Inzwischen sind wir aus dem Norden Bangladeschs in die Hauptstadt Dhaka zurückgekehrt. 15 Millionen Menschen sollen hier leben. Keiner weiß es wirklich so genau. Zu groß ist die Zahl derer, die illegal in der Stadt leben, zumeist in den Slums. Wie so viele Großstädte droht auch Dhaka an allen Ecken und Enden zu platzen. Im Gegensatz zu den ländlichen Gebieten gibt es etliche private Fahrzeuge, die sich in einem zähen Wettkampf mit Bussen und Trucks den viel zu knappen Platz auf den Straßen streitig machen. Dies allein ist schon Chaos genug. Aber da gibt es noch die rund 1 Millionen Rikschas, die zu meist  extrem wagemutig mitmischen. Wer einen Adrenalinschub nötig hat, braucht nur eine Fahrt mit einem der dreirädrigen Fahrräder unternehmen. Am besten in der Nacht, wenn die meisten Fahrzeuge völlig unbeleuchtet unterwegs sind.

Morgen werden wir in den Süden ins gigantische Delta von Bramaputra und Ganges aufbrechen. Mit einem kleinen Schiff wollen wir zu den größten noch auf der Welt existierenden Mangrovenwäldern fahren. Es ist zugleich die Welt des Bengalischen Tigers. Am Donnerstagabend werden wir schließlich zurück sein. Ich will unbedingt das unbeschreibliche Flair von Old Dhaka einfangen. Und eine Geschichte über die Rikschas und ihre stolzen Besitzer drehen.


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20.02.2009 - Sorge um Pakistan
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Wir sind zwar in Bangladesch, die Entwicklung im relativ nahen Pakistan muss einem aber Sorgen bereiten. Egal wo man sich gerade aufhält. Die Regierung in Islamabad hat quasi einen Teil des Landes, das im Nordwesten gelegene Swat-Valley, an die Taliban abgegeben. Mit einem hohen Geistlichen wurde vereinbart, die Scharia zur Rechtsgrundlage zu machen. Im Gegenzug haben die Taliban einen zehntägigen Waffenstillstand versprochen. Damit gibt es in diesem Land zwei verschiedene Rechtsprechungen.

 

Das Swat-Valley war nie ein richtig ruhiges Tal. Was aber in den letzten beiden Jahren dort passiert ist, sprengt fast schon die Vorstellungen. 1500 Menschen wurden ermordet, nahezu täglich kam es zu bewaffneten Überfällen auf pakistanische Sicherheitskräfte. Inzwischen hat eine regelrechte Massenflucht eingesetzt. Es sind wohl an die Hunderttausende, die ihre Heimat verlassen haben. Dafür haben sich die Taliban breit gemacht und ein nahezu ungestörtes Rückzugsgebiet gebildet. Auf ihre Kosten sollen auch etliche Entführungen und öffentliche Enthauptungen von Regierungsvertretern gehen.

 

Wenn nun die pakistanische Regierung nachgibt, kann es um den Staat Pakistan nicht gut bestellt sein. Die so genannten Stammesgebiete südlich der Stadt Peschawar sind schon seit 20 Jahren nicht unter der Kontrolle der Staatsmacht. Auch sie gelten als Rückzugsgebiet für die radikalen Gotteskrieger.

 

Was also wird aus der Atommacht Pakistan. Wahrscheinlich scheint mir noch in diesem Jahr ein Militärputsch der Armee. Es wäre nicht der Erste in der Geschichte des Landes. Obwohl der Geheimdienst teilweise mit den Taliban, nennen wir es mal vorsichtig „symphatisiert“, sucht das Militär eher den Anschluss an den Westen, vor allem an Amerika.

Zwar würde durch einen Militärputsch die Demokratieentwicklung des Landes erneut massiv zurückgeworfen. Was aber, wenn die Atomwaffen in die Hände der Talibankämpfer fallen würden? Wie stark wäre dann die Lage in dem Gebiet zwischen Nordafrika, dem Nahen und Mittleren Osten, Afghanistan und Pakistan. Nicht zu vergessen, wie würde der Hindu-Staat Indien reagieren, wie stark würde er sich durch eine Talibanreich bedroht fühlen?
Mag sein, dass dieses Thema in ein paar wenigen Tagen wieder aus den Schlagzeilen verschwunden ist. Hoffen wir, dass es nicht mit einem viel größeren Paukenschlag zurückkehrt.


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19.02.2009 - Alltag Straße
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Wenn es überhaupt Straßen gibt, dann sind sie voll. Richtig voll, verstopft. In Nord-Bangladesch sind geteerte Überlandstraßen Mangelware. Die Verbindungen zwischen den einzelnen Dörfern, und davon scheint es unendlich viele zu geben, sind mal bessere, mal schlechtere Feldwege. Oft aber nur schmale Fußpfade. Doch meistens muss man über  lehmige Dämme balancieren, die die Reisfelder voneinander trennen, um die einzelnen Kommunen zu erreichen. Wir haben inzwischen viele Menschen getroffen, für die Märsche von 25, 30 Kilometer zum Tagesablauf gehören.

 

Zurück zu den befestigten Straßen. LKWs und Busse sind die absoluten Könige. Nichts und niemand wird sich wagen, ihrem ständig ausgestoßenen Hupfkonzert in den Weg zu stellen. Zwei entgegenkommende Busse, also einer davon auf der eigenen Fahrspur? Kein Problem, man weicht freundlich aus, ist schon froh, dass nicht noch ein weiterer Koloss eine dritte Spur eröffnet. Wenn man in einem normalen Auto fährt, wird man bescheiden im Straßenverkehr von Bangladesch.

 

Doch „normale“ Autos sind ein rar im Norden des Landes. Es sind die Rikschas, die das Straßenbild prägen. Trucks und Busse werden nur im Überlandverkehr eingesetzt. Rikschas übernehmen alle sonstigen Aufgaben. Motorisierte Taxen gibt es selbst in größeren Städten wie Saidpur nicht. Dafür die dreirädrigen Fahrzeuge in zu Pickups umgebauter Form. Alles, wirklich alles wird damit transportiert. 20 m lange Bambusstangen, 3 m hoch aufgetürmte Strohballen, nicht selten bis zu 6,7 Menschen, runde Käfige voller Hühner, wuchtige Baumstämme. Einfach alles!

Sehr speziell sind Rikschas mit einem großen Kasten auf der Ladefläche. Auf halber Höhe in den Seitenwänden sind sie offen, und hinten gibt es einen Einstieg. Fertig ist der Schulbus!  

 

Zum Alptraum wird der eh schon völlig chaotische Verkehr in der Nacht. Licht scheint ein Fremdwort zu sein. Mit Glück fahren Busse und LKWs damit. Rikschas und Fahrradfahrer suchen dagegen gänzlich unbeleuchtet ihren Weg. Nicht einmal Reflektoren kennt man in diesem Land. Ein Wahnsinn, der zu vielen schweren Unfällen führt.


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18.02.2009 - Das Hauptproblem # 1 - Hochwasser
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Heute sind wir 10 Kilometer zu Fuß gelaufen, um das Hauptproblem des Landes richtig erfassen zu können. Jahr für Jahr wird das Land vom Hochwasser regelrecht überflutet. Tausende Menschen sterben dabei, Hunderttausende ziehen zumindest für die Zeit des Monsuns mit seinen heftigen Regenfällen in scheinbar sichere Gebiete. Die aber gibt es eigentlich nicht in diesem Land. Es ist nahezu durchgehend flach und wird von zwei der größten Flüsse Asiens, Ganges und Brahmaputra, durchzogen, die sich schließlich im Süden des Landes in einem gigantischen Delta ins Meer ergießen. Sicherheit bieten da nur die Dämme. In der Trockenzeit dienen sie als Verkehrswege, in der Regenzeit geraten sie zu temporären Siedlungen.

Verheerend ist die Erosion, die alljährlich immer mehr Ackerland und auch ganze Dörfer entlang der Flüsse verschlingt. Uferbefestigungen gibt es nicht. Rückhaltebecken auch nicht. In einem Dorf bei Hatinbanda erzählen uns die Dorfältesten, dass noch vor zwanzig Jahren ihre Häuser rund zehn Kilometer vom Ufer des Tissa entfernt lagen. Noch 2007 gab es  2 Kilometer Ackerland dazwischen. Heute stehen die Häuser direkt am Ufer. Und alle haben Angst vor der nächsten Regenzeit im Frühjahr. Dann werden sie wohl endgültig ihre Existenzgrundlage verlieren. Wo aber sollen sie hinziehen in einem Land, das jetzt schon den Titel des am dichtesten besiedelten Flächenstaates der Welt trägt? 90% des Landes gehören Großgrundbesitzern. Den kläglichen Rest teilen sich rund 140 Millionen Menschen. Jeder zusätzliche Anwärter ist da einer zu viel.  


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17.02.2009 - Von Reisfeldern, Vorschulen und Menschen voller Neugier
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Es ist schon ein gewaltiger Sprung. Eben noch Wüste, fast so weit das Auge reicht. Und nun dominiert die Farbe Grün. Wir sind im Norden Bangladeschs angekommen. Für die Sinne ist es ein wunderschöner Rausch. Die Reisfelder scheinen nicht enden zu wollen. Und wenn dann doch, wachsen Bananenstauden, Mais oder Tabak.

Dennoch gibt es in diesem Land Armut und auch Hunger. Es mag paradox erscheinen. Ist es aber nicht. Das Land gehört zu 90% nicht denen, die es bearbeiten. Die Löhne sind gering, 25 bis 30 Euro im Monat gelten oftmals als ein gutes Einkommen. Zum Leben reicht es jedoch manches Mal nicht. Immer dann, wenn für die Eigenversorgung kein Boden zur Verfügung steht.

Im am dichtesten besiedelten Flächenstaat der Welt ist zudem die Zahl der Menschen sehr hoch, die weder lesen noch schreiben können. Sie liegt bei rund 60%. Und dies, obwohl es eine allgemeine Schulpflicht und eigentlich auch ausreichend Schulen gibt. Doch da die Eltern häufig selbst nicht zur Schule gegangen sind, brechen auch viele Kinder nach 2 bis 3 Jahren die Schullaufbahn ab.

 

Hier im Norden ist diese Tendenz besonders ausgeprägt. Da der Staat nicht viel dagegen unternimmt, haben sich Hilfsorganisationen diesem Thema angenommen. Eine davon ist Plan International. Deren Arbeit wollen wir näher betrachten, zumal sie viel versprechend scheint. Sie haben in etlichen kleinen Kommunen spezielle Kindergärten und Vorschulen gegründet, in denen die Kleinen auf den Schulalltag vorbereitet werden sollen. Schulen wurden und werden mit Büchereien, Lehr- und Lernmittel sowie funktionierenden Toiletten ausgestattet. Das mag ein wenig obskur klingen, ist es aber nicht. Wir waren in einem ganz kleinen Dorf. Die dortige Schule hat seit 6 Monaten eine funktionierende Wasserversorgung für die sanitären Bereiche. Das Wasser kommt aus einem eigenen Brunnen und kann auch als Trinkwasser benutzt werden. Dies alles ist ein Anreiz für die Schüler, die diese Vorzüge zu Hause meistens nicht genießen können. Das Spezielle an der Pumpe – sie wird während des Spielens betätigt. Integriert ist sie in einer Kinderwippe. Bei jedem Hoch und Nieder kommen ein paar hundert Milliliter aus der Tiefe. Ganz ohne Strom.

 

Gescheitert sind heute unsere Dreharbeiten auf einem Wochenmarkt. Normalerweise kann man hier überall ohne Probleme filmen. Mal abgesehen von staatlichen Vorschriften, die ich aber aus vielen anderen Ländern der Welt kenne und mich auch nicht weiter beeinträchtigen. Aber auf diesem Markt ist heute nichts mehr gegangen, musste ich die Kamera wieder einpacken, ohne wirklich viele Szenen eingefangen zu haben. Das Interesse der Menschen an den beiden Fremden war einfach zu groß. Fast durchweg einen Kopf größer, dazu hell die Hautfarbe. Schließlich noch eine Filmkamera in der Hand. Das war einfach zu viel. So freundlich und zuvorkommend die Bengalen auch sind. Ihre Neugier können sie kaum unterdrücken. Und dann passiert es halt, dass man die Fremden ganz eng umzingelt und nicht mehr aus den Augen lässt. Da wird zur Not auch das eigene Markthandeln eingestellt. Eine Erfahrung der ganz besonderen Art!   


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14.02.2009 - Willkommen in Bangladesch
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Angekommen! Ohne Probleme! In Bangladesch.

Wie gegensätzlich dieses Land ist. Die Menschen auf der Straße sind freundlich, herzlich und offen. Sie bleiben stehen, wenn sie uns, die weißen Europäer sehen. Sie wollen von uns unbedingt gefilmt und fotografiert werden. Sprechen uns voller Stolz auf Englisch an, präsentieren, was sie diesbezüglich in der Schule gelernt haben.

Und auf der anderen Seite die staatliche Fürsorge für uns. Kaum waren wir aus dem Flugzeug ausgestiegen, war er da. Er, der Mann, der uns ständig begleitet und in allen Lebenslagen helfen soll. Natürlich ist er da, damit wir nirgendwo Schwierigkeiten haben. Auch wenn keine auftauchen sollten, er ist zu unserer Sicherheit da. Damit wir in diesem Land nichts falsch verstehen. Wir haben ihn in unser Miniteam aufgenommen und integriert. Wir werden viel lernen in unserer Zeit in Bangladesch. Auch über und von ihm.


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12.02.2009 - Des Schleiers Geheimnis
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Zum Abschluss unserer Zeit im Oman besuchen wir mit Abdullah das Haus eines seiner Brüder. 28 Geschwister sind sie, wenn die ganze Familie zusammen kommt, sind es 306 Personen. Wie im Oman üblich, werden Datteln und arabischer Kaffee gereicht. Wir sitzen im Zimmer der Männer, dürfen aber später das ganze Haus anschauen: das Zimmer der Frauen, die Küche, die Schlafzimmer, die Räume der Kinder. 350 qm zählt die Wohnfläche. Nichts Ungewöhnliches in diesem Staat.

Dass Hasina, die Hausherrin mit uns im gleichen Zimmer weilt, ist dagegen schon besonders. Glauben wir zumindest.

 

Wir lernen viel bei diesem Besuch.

 

Wenn Fremde dabei sind, ist vieles anders, leben Männer und Frauen für den Augenblick getrennt. Ist man aber alleine, in der Familie, zusammen mit engen Freunden, gelten andere Regeln.

Hasina und ihr Mann Raschid haben vier Kinder. Er arbeitet bei der Palastwache in Muscat, kümmert sich um des Sultans Pferde. Sie begnügt sich keines Fall mit der Rolle der Mutter. Sprachgewand ist sie, als Dozentin lehrt sie am amerikanischen Institut in der Hauptstadt. Die Rolle, die ihr der Koran vorgibt, nimmt sie gerne an. Meine Haare soll ich verdecken, damit kann ich gut leben. Bei uns im Oman gelten die Haare einer Frau als das Schönste. Sie zeige ich nur meinem Mann und meiner Familie. Aber jetzt seien wir Fremden ja da, deshalb trage ich das Tuch.

Warum aber verschleiere sie auch ihr Gesicht?

Niemand schreibe mir das vor, nicht der Islam, nicht mein Mann. Das mache ich ganz freiwillig.

Wie sie es sagt, beeindruckt mich sehr. Ihre Augen glänzen dabei, ihre Stimme ist voller Stolz. Als sei ihr dies, was sie verdeckt, ein großer Schatz.  

 


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11.02.2009 - Schwierige Geschichte
Geschrieben in Eine Reise durch Allahs irdisches Reich

Es gibt Geschichten, über die kann man erst berichten, wenn sie ein Ende gefunden haben. Sonst drohen sie vorzeitig zu enden oder schief zu laufen.  

Eine dieser Geschichten geht so. Seit November bemüht sich ein Fernsehteam um eine Einreiseerlaubnis mit Drehgenehmigung für ein asiatisches Land. Visa-Anträge, Passfotos, Bestätigungen des TV-Senders, der Versicherung sowie eine Equipmentliste werden mitgeliefert. Auch eine Liste der geplanten Drehorte und Themen.  Bis zur geplanten Abreise des Teams, das vor dem Besuch des asiatischen Landes noch in zwei anderen Ländern filmen möchte, liegen noch 5 Wochen. Eine lange Zeit. Oder auch nicht. Je nach dem, wer die Definition für Zeit vornimmt.

Auf jeden Fall kommt es so, dass die Fernsehleute sich auf den Weg zu den ersten Dreharbeiten begeben, ohne dass die angefragten Genehmigungen für das asiatische Land vorliegen. Zum Glück verfügen die Teilnehmer über jeweils zwei Pässe. So kann ein Pass bei der Botschaft des asiatischen Landes in Berlin bleiben.

Zum weitaus größeren Glück wollen die Filmemacher im angefragten Land die Arbeit einer Hilfsorganisation dokumentieren. Diese wiederum hat einen Schirmherrn, der einst Bundespräsident war. Was sich wirklich als Glücksfall herausstellen soll. Denn es vergehen weitere Wochen, ohne dass sich die Bewilligungen einstellen.

Da irgendwann die verbleibende Zeit bis zur geplanten Einreise in das asiatische Land auf 5 Tage schmilzt, wird nun das Auswärtige Amt sowie die Deutsche Botschaft um Hilfe gebeten. Ein Freund des Filmers stellt sich als Kurier zur Verfügung, um die Pässe mit den Visa von Berlin in den Oman zu transportieren. Und eine gute Fee, die seit vielen, vielen Jahren alle Flüge für den TV-Mann organisiert, kümmert sich nicht nur um diesen Flug, sondern auch um mögliche Alternativen, falls die Reise in das ausgewählte asiatische Land völlig flach sollte.

 

Es verstreichen weitere 4 Tage, ohne das die Pässe mit den notwendigen Stempeln versehen werden. Jedoch laufen in dieser Zeit die diplomatischen Kanäle heiß. Mit Erfolg. Eine Stunde vor dem tragischen Ende kommt die erlösende Nachricht. Die TV-Leute sollen mit ihren Pässen, die sie bei sich haben, zur Botschaft des asiatischen Landes fahren. Dort sollen nun die Genehmigungen erteilt werden. 30 Minuten vor Schließung dieser treffen sie dort ein und werden von einem überaus freundlichen, hochrangigem Mitarbeiter empfangen. Zwar sei man schon auf das Wochenende vorbereitet, und eigentlich könne man keine neuen Sachen mehr bearbeiten. Aber es läge von der Regierung ein wichtiges Telex vor.

 

15 Minuten nach Schließung der Landesvertretung verlassen die beiden Filmemacher den Mann – mit gültigen Einreisevisa und Drehgenehmigungen. Die beiden TV-Männer sind überglücklich und voller Dank, der all jenen gilt, die sich so intensiv und aufopferungsvoll eingesetzt haben.

 

Wie gesagt, es gibt Geschichten, die kann man erst am Ende erzählen, will man nicht eine andere Geschichte gefährden.


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