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Die Bibel luegt

Quelle:
http://www.jungewelt.de/2009/12-24/054.php
Die Tageszeitung jungeWelt

»Das Wort Lüge ist für die Bibel durchaus angemessen«

Protestantischer Theologe: Die »Heilige Schrift« ist ein Sammelsurium von Erfindungen. Ein Gespräch mit Gerd Lüdemann
Interview: Peter Wolter

Gerd Lüdemann ist Professor für Geschichte und Literatur des frühen Christentums an der Universität Göttingen

Viele Menschen sind genervt vom Weihnachtsrummel – aus zahllosen Lautsprechern in Supermärkten wimmerte in den vergangenen Tagen »Stille Nacht, heilige Nacht«, und selbst auf dem Ostbahnhof im heidnischen Berlin wurden Krippenfiguren ausgestellt. Als protestantischer Theologe haben Sie sich seit Jahrzehnten mit der christlichen Mythologie befaßt – gibt es wirklich Leute, die an das Jesuskindchen und die Krippe glauben?

Beides hat es mit Sicherheit nicht gegeben. Provokativ würde ich sagen: Die Krippe war leer und das Grab Jesu war voll. Alles, was mit diesen Erzählungen zusammenhängt, beruht auf Interpretationen oder Erfindungen.

Die Weihnachtsgeschichte ist also ein Märchen?

Es gibt nicht nur eine Weihnachtsgeschichte, sondern gleich zwei. Die eine findet man im Lukas-, die andere im Matthäus-Evangelium. Beide sind nicht nur erfunden, sondern widersprechen sich auch noch.

Welche Belege haben Sie?

Zunächst einmal den Textvergleich. Aufschlußreich ist auch ein Blick ins Urchristentum – in dessen ältesten Quellen findet man überhaupt nichts von einer Jungfrau Maria oder von der wunderbaren Geburt ihres Kindes. Die Paulus-Briefe z.B. sprechen allgemein nur von »einer Frau«. Auch im ältesten Evangelium, das Markus zugeschrieben wird, findet sich nichts darüber. Vielmehr lehnt darin offenbar Maria ihren Sohn Jesus ab, die Familie hält ihn nämlich für verrückt, Engel kommen nicht vor. Die Forschung hat erwiesen, daß die Vorstellungen von der jungfräulichen Geburt in der christlichen Religion erst gegen Ende des 1.Jahrhunderts aufkommen – und zwar im Lukas- und im Matthäus-Evangelium. Keiner von beiden berichtet aber über Tatsachen, beide knüpfen an zeitgenössische Mythologien an.

Hat der eine vom anderen abgeschrieben?

Die Forschung ist mehrheitlich der Meinung, daß Lukas und Matthäus das Markus-Evangelium nicht nur auf-, sondern auch umgeschrieben haben. Und zwar unabhängig voneinander – die Erzählungen sind zu unterschiedlich. Übereinstimmung besteht darin, daß bei beiden die Jungfrau und die Geburt vorkommen. Das allerdings ist aus der Zeit heraus verständlich– auch andere berühmte Persönlichkeiten wurden in damaligen Erzählungen angeblich von Jungfrauen geboren: Kaiser Augustus etwa, oder Alexander der Große. Die Christen haben diese Märchen aufgegriffen, um zu zeigen, daß der von ihnen angebetete Jesus mindestens genauso wichtig war.

Was stimmt denn sonst alles nicht an der Bibel?

Nach meinen Erkenntnissen und denen vieler Fachkollegen kann man vom Alten Testament etwa fünf Prozent als historisch zutreffend bewerten. Im Neuen Testament ist es etwas anders – die Evangelien dürften einen geschichtlichen Wahrheitsgehalt von etwa 15 Prozent haben, wobei im Johannes-Evangelium allerdings fast kein Vers stimmt. Von den 13 Paulus-Briefen sind nur sieben echt. Theologie war für mich immer die gläubige Interpretation von Dingen, die nicht stattgefunden haben.

Unter dem Strich ist die Bibel also im wesentlichen eine Lügengeschichte?

Das kommt auf den Standpunkt an – Lüge heißt ja »bewußte Täuschung«. Die ersten Christen waren sicherlich nicht gebildet genug, um zu wissen, was sie tun. Für spätere Ausschmückungen – etwa seit dem 2. Jahrhundert– ist allerdings ist der Begriff »Lüge« durchaus angemessen. In einem Fall können wir z. B. nachweisen, daß jemand einen echten Brief des Apostel Paulus aus dem Verkehr ziehen wollte, indem er einen eigenen Text verfaßte und »Paulus« draufgeschrieben hat– das ist der Zweite Thessalonicherbrief.

Jetzt ein Sprung in die Gegenwart: Ist es nicht verantwortungslos, Kinder mit solchen Geschichten zu indoktrinieren?

Wenn man ihnen klar macht, daß diese Geschichten genauso Märchen sind wie die über Rübezahl und Schneewittchen, ist wohl nichts dagegen einzuwenden. Es ist aber nicht nur traurig, sondern sogar gewissenlos, wenn jungen Menschen im Konfirmandenunterricht verschwiegen wird, daß das meiste nur Fiktion ist.
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Posted: 14:15, 16.02.2010
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