15 Oktober 2008
Die Spezialmutter (*bussi zu LC schieb*)
von Erma Bombeck


Die meisten Frauen werden durch Zufall Mutter, manche freiwillig, einige unter gesellschaftlichem Druck und ein paar aus reiner Gewohnheit.
Dieses Jahr werden 100.000 Frauen Mütter behinderter Kinder werden.
Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, nach welchen Gesichtspunkten die Mütter behinderter Kinder auserwählt werden?
Ich stelle mir Gott vor, wie er über der Erde schwebt und sich die Werkzeuge der Arterhaltung mit grösster Sorgfalt und Überlegenheit aussucht.Er beobachtet genau und diktiert dann seinen Engeln Anweisungen ins riesige Hauptbuch.
"Armstrong, Beth: Sohn- Schutzheiliger Matthias.
Forest, Marjorie: Tochter- Schutzheilige Cäcilie.
Rutledge, Carrie: Zwillinge- Schutzheiliger?
Gebt ihr Gerhard, der ist es gewohnt, dass geflucht wird."
Schließlich nennt er einem Engel einen Namen und sagt lächelnd: " Der gebe ich ein behindertes Kind."
Der Engel wird neugierig:" Warum gerade ihr, oh Herr? Sie ist doch so glücklich."
"Eben deswegen", sagt Gott lächelnd."Kann ich einem behinderten Kind eine Mutter geben, die das Lachen nicht kennt. Das wäre grausam."
"Aber hat sie denn die nötige Geduld?" fragt der Engel. Ich will nicht dass sie zuviel Geduld hat, sonst ertrinkt sie in einem Meer von Selbstmitleid und Verzweiflung. Wenn der anfängliche Schock und Zorn erst abgeklungen sind, wird sie es tadellos schaffen. Ich habe sie heute beobachtet. Sie hat den Sinn für Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, die bei Mütter so selten und so nötig sind. Verstehts du: Das Kind, das ich ihr schenken werde, wird in seiner eigenen Welt leben. Und sie muss es zwingen, in der ihren zu leben, das wird nicht leicht werden."
"Aber, Herr, soviel ich weiß, glaubt sie nicht einmal an dich."
Gott lächelt: "Das macht nichts, das bringe ich schon in Ordnung. Nein sie ist hervorragend geeignet. Sie hat genügend Egoismus."
Der Engel ringt nach Luft: "Egoismus? Ist das denn eine Tugend?" Gott nickt: "Wenn sie sich nicht gelegentlich von dem Kind trennen kann, wird sie das alles nicht überstehen. Die Frau ist es, die ich mit einem nicht ganz vollkommenen Kind beschenken werde. Sie weiss es zwar noch nicht, aber sie ist zu beneiden. Nie wird sie ein gesprochenes Wort als etwas selbstverständliches hinnehmen. Nie einen Schritt als etwas Alltägliches. Wenn ihr Kind zum ersten mal Mami sagt, wird ihr klar sein dass sie ein Wunder erlebt. Wenn sie ihrem blinden Kind einen Baum, einen Sonnenaufgang schildert, wird sie ihn so sehen, wie nur wenige Menschen.
Ich werde ihr erlauben, alles deutlich zu erkennen was auch ich erkenne-Unwissenheit, Grausamkeit, Vorurteile-, und ich werde ihr erlauben sich darüber zu erheben. Sie wird niemals allein sein, jeden Tag ihres Lebens, jede einzelne Minute, weil sie meine Arbeit eben so sicher tut als sei sie hier neben mir."- "Und was bekommt sie für einen Schutzheiligen?" fragt der Engel mit gezückter Feder.
Da lächelt Gott: " Ein Spiegel wird genügen."
Geschrieben von Lagrima um 10:59 | in:
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